Der Briefwechsel zwischen Friedrich Engels und Karl Marx 1844 bis 1883, Erster Band

Part 35

Chapter 353,545 wordsPublic domain

Nach allen Regeln muß die Krisis in diesem Jahre kommen, und wahrscheinlich wird sie es auch; wenn man aber die gegenwärtige ganz unerwartete Elastizität des ostindischen Marktes und die durch Kalifornien und Australien hineingekommene Konfusion sowie die Wohlfeilheit der meisten Rohprodukte, die die Industrieerzeugnisse ebenfalls wohlfeil hält, und die Abwesenheit aller großen Spekulation betrachtet, so kommt man fast in Versuchung, der gegenwärtigen Prosperitätsperiode eine außerordentlich verlängerte Dauer zu prophezeien. –

Grüße Deine Frau vielmals und schreibe bald.

Dein F. E.

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28 Deanstreet, London, 24. April 1852.

Lieber Frederic!

Ich habe vergangene Woche eine Scheußlichkeit durchgemacht, von der Du Dir keine Vorstellung machen kannst. Am Tage des Begräbnisses blieben die versprochenen Gelder von allen Seiten aus, so daß ich schließlich gezwungen war, zu benachbarten Franzosen zu laufen, um die [Beerdigungskosten] zu zahlen. Und unglücklicherweise kam noch der Brief von Weydemeyer, wonach auch in Amerika alle Aussichten gescheitert scheinen. Cluß, dessen Brief Du nächste Woche erhältst, gibt jetzt bessere Aussichten. _Quoique de dure complexion_,[1] griff mich diesmal die Erbärmlichkeit bedeutend an.

Einliegend ein Brief von Ewerbeck, der nie frankiert und immer die letzten zehn Pence einem wegstiehlt. Dann einen Artikel von B. Bauer in der Daily New York Tribune. Dein Artikel hat alles Aas dahingezogen. Du wirst lachen über die Bauerschen Entdeckungen über die „Armeen“. Wenn Du mir jetzt Artikel für Dana schickst, so kannst Du warten, bis es mehrere sind, die ich dann gleichzeitig abschicke. – –

Heise (von der Hornisse), jetzt Willichs Intimus, teilen ein Bett. Was ist an dem Kerl? Sie renommieren wieder mit einem beabsichtigen Putsch in Deutschland. –

Apropos. Vergiß nicht _immédiatement_[2] folgende zwei Wische nach London zu senden: 1. eine Vollmacht für Liebknecht, das Pfund Sterling bei _Hain_ zu heben; 2. einen kleinen Wisch schreibe selbst an Hain, worin Du dem „lieben Freund“ in zwei Zeilen mitteilst, da Du gehört, daß es ihm gut gehe, habest Du Liebknecht an ihn gewiesen wegen des Pfund Sterling. Man muß nämlich verhüten, daß keine Feindschaft nicht entsteht.

Nämlich gestern, da einer unserer Bekannten, der bisher bei Liebknecht Nachtlager fand, von dessen Wirtsleuten herausgeschmissen wurde und keiner von uns einen Penny dem armen Teufel geben konnte, schrieb ich Liebknecht ein Billett, worin ich ihm sagte, Du habest ihn auf Hain wegen des einen Pfund Sterling angewiesen. Herr Hain schien etwas ungläubig und verlangte von Liebknecht erst Deine Handschrift zu sehen.

Schicke mir einige Stamps, da ich Dir eine Masse Zeug zusenden muß.

Dein K. M.

[1] Obgleich [ich] von Charakter hart [bin].

[2] Unverzüglich.

156

Manchester, 25. April 1852.

Lieber Marx!

Von Hain erhielt ich gestern abend ein Billett, was ich Dir nebst Antwort darauf gestern zurückschickte. Ich denke, hiernach wird Herr Hain schon zahlen.

Inliegend die Stamps, denen bald mehr folgen sollen. Auch die Geschichten zurück. Der Brief von Ewerbeck ist ein würdiges Pendant zu seinem Buche. „Helft mir doch gegen Ribbentrop! Ich werde ihn der Demokratie als _hypocrite_ und _débaucheur_[1] denunzieren!“ Der Mensch ist vollends verkindischt.

Auch Freund Bruno hat nicht zugenommen an Weisheit und Erkenntnis Gottes. _Il valait bien la peine_,[2] von Berlin aus die amerikanische Presse in Bewegung zu setzen, um auf diesem weiten Umweg der erstaunten Welt zu verkünden, daß die kontinentalen Armeen zur Aufrechterhaltung der inneren Ruhe da sind. Herr Bruno repräsentiert noch immer die Hegelsche Dialektik auf der Stufe ihrer tiefsten Versumpfung. Die ganze Tiefe der Geschichtsauffassung beschränkt sich in diesem Entwicklungsstadium darauf, die banalsten Gemeinplätze mit einem hinreichenden Aufwand von Pathos und scheinbarer Entwicklung umständlich zu beweisen und sie dann als ein ganz neu entdecktes Resultat des Forscherfleißes hinzustellen. Alles das ist erträglich bei längst vergangenen Historien, aber wenn einem die unmittelbare Gegenwart auf diese Weise vermystiziert wird, so ist das zu arg, und jeder Esel muß merken, daß nichts dahinter steckt. Und die tiefe Wahrheit: die Regierungen haben recht gegen die Revolutionen, weil diese noch unreif sind, aber die Revolutionen haben auch recht gegen die Regierungen, weil sie die Ideen der Zukunft zwar embryonisch und unreif, aber doch substantiell repräsentieren – alter Hegelscher Witz, der gewiß selbst in Amerika nicht mehr neu ist! Und immer und ewig die „Verstimmung“, die „Verdrießlichkeit“, die „gründliche Gleichgültigkeit“ des „Bürgers“. „In einigen Ländern kämpfen Klassen gegen Klassen, in anderen Nationen gegen Nationen.“ Genau genommen ist dieser ungeheuer gescheite Satz das Ganze, was Bruno aus der Revolution gelernt hat.

Herr Tellering ist offenbar aus Frankreich fortgeschafft worden als heimatlos vagabundierendes Mitglied des Lumpenproletariats und nicht einmal in der _société du 10 Décembre_[3] brauchbar.

Wenn Du nicht positiv weißt, daß Dr[onke] freiwillig nach Deutschland gegangen ist, so scheint mir die Sache wahrscheinlicher so, daß er, als früher schon aus Frankreich ausgewiesen, diesmal nicht nach einer beliebigen, sondern nach der _deutschen_ Grenze transportiert worden ist .... Man wird ihn sehr bald nach Köln transportieren und vielleicht vor den Assisen versuchen, als Zeuge auftreten zu lassen. Ihm selbst geschieht diesmal ganz recht. Das Geld, was er etwa brauchte, konnte er in Frankfurt gewiß auftreiben oder sich von Lassalle irgendwo hinschicken lassen, aber nein, das Kerlchen muß absolut nach Koblenz, wo ihn jeder Gendarm und jeder Hund auf der Straße kennt. _En attendant il est sûrement logé._[4]

Dein F. E.

[1] Heuchler und Verführer.

[2] Es hat der Mühe sehr gelohnt.

[3] Verein des 10. Dezember [Titel der bonapartistischen Verschwörung].

[4] Inzwischen ist er sicher untergebracht.

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Manchester, 27. April 1852.

Lieber Marx!

Inliegend Neuestes von Weydemeyer, das etwas besser lautet. Deinen Artikel behalte ich einstweilen hier, 1. um ihn zu lesen und 2. um ihn später eventuell ins Englische zu übersetzen, was mit Weglassung einiger nur Deutschen verständlichen Redeblumen sehr gut geht.

_Voilà donc_ Moses Heß in der Kölnischen Zeitung steckbrieflich wegen Hochverrats verfolgt. Ich will mich hängen lassen, wenn das nicht infolge von bei Vater Dronke gefundenen blödsinnigen Papieren über ihre wichtigen Genfer Geschichten geschehen ist. _Cela valait bien la peine!_[1] Inzwischen ist Moses wieder Märtyrer, was sein _otium cum dignitate_[2] sehr verschönern wird; vielleicht wird man ihn bald nach London spedieren – _est-ce que nous n’échapperons jamais à cet imbécile_![3] Jedenfalls kann alles das für die armen Teufel in Köln wieder sehr fatal werden und neuen Grund zu Verschleppungen ihres Prozesses geben; wären sie wirklich schon vor die Assisen verwiesen, so hätten wir das doch gehört.

Freiligrath schreibt mir wegen einer Introduktion an meinen Schwager – ich schicke sie ihm heute, er will also doch sich mit Gewalt nach einer Stelle umsehen.

Meine besten Grüße an Deine Frau und Kinder

Dein F. E.

[1] Das hat gerade der Mühe gelohnt.

[2] Würdevolles Mußeleben.

[3] Werden wir diesem Dummkopf niemals entrinnen!

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[An einen aus Williamsburg datierten Brief Weydemeyers angefügt.]

Manchester, 29. April 1852.

Lieber Marx!

Die Koblenzer Geschichte wegen des Pikkolo [Ernst Dronke] war also doch eine reine Fabel, und wenn der Kölner Zeitung zu trauen ist, wird Vater Dronke jetzt wohl schon in London sein und seine Abenteuer so ein Ziel erreicht haben. _Tant mieux pour lui._[1] Die Geschichte mit Moses’ Steckbrief wird mir aber dadurch erst recht unerklärlich. Jedenfalls scheint sie neue Schikanen gegen die Kölner anzudeuten. Gott weiß, welcher alte Wisch wieder in die Hände der Polizei geraten sein mag. _Pauvre_ Moses, so _egregiously post festum_[2] noch zum Märtyrer _in partibus infidelium_[3] zu werden!

Nächste Woche werde ich einige Artikel für Dana hintereinander machen und sehen, daß ich die Geschichte bis zum Schlusse der Reichsverfassungskampagne bringe. Damit wir dann gleich schließen können, wäre es gut, wenn Du für die letzten Artikel, die _revolutionary prospects of Germany_[4] und die Stellung unserer Partei während und nach der Revolution, mir ein kurzes Memorandum machtest. Gerade diese Schlußsachen sind zu wichtig, und dann wird ein solches Memorandum mich in den Stand setzen, die Artikel nicht nur besser, sondern auch bei weitem rascher zu machen. Auf diese Weise würde es mit einiger Anstrengung von meiner Seite gelingen, die ganzen rückständigen fünf bis sechs Artikel heute über vierzehn Tage fertig zu haben, und inzwischen könntest Du schon mit Dana wegen einer neuen Serie, über einen Gegenstand von mehr _actualité_, in Korrespondenz treten, _soit la France, soit l’Angleterre_.[5] Da Weydemeyers Broschüre nun recht bald erscheint, so wird der 18. Brumaire, es sei denn unter veränderter Gestalt, dem Dana nicht mehr zu verkaufen sein; er kann ihn dann _for nothing_[6] haben und selbst übersetzen. Du könntest aber immer bei Dana anfragen, ob er eine für das anglo-amerikanische Publikum berechnete Veränderung und Übersetzung haben will, man würde dann die Vorgeschichte bis zum 2. Dezember 1851 bedeutend zusammenstreichen und schließlich die Sache in die unmittelbare _actualité_ verlaufen lassen müssen, so daß fortlaufende wöchentliche oder vierzehntägliche Berichte über Frankreich sich daran schließen könnten.

Dein F. E.

[1] Um so besser für ihn.

[2] Armer [Moses], so ungemein hinterher.

[3] In den Gebieten der Ungläubigen.

[4] Aussichten der Revolution in Deutschland.

[5] Sei es Frankreich oder England.

[6] Umsonst.

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28 Deanstreet, London, den 30. April 1852.

Lieber Frederic!

Gleichzeitig mit diesem Briefe erhältst Du eine kolossale Sendung von Amerika. Ich habe heute auch einen Brief von Cluß erhalten, von dem ich Dir unten Auszüge gebe, den ich aber bis nächste Woche noch brauche.

Dronke ist _sain et sauf_[1] hier eingetroffen. Er gefällt mir besser, als ich gefürchtet hatte. Er ist gewachsen und auch in die Breite gegangen. Dadurch hat er an Aplomb gewonnen. Einstweilen kneipt er bei Anschütz, der ihn mit offenen Armen empfangen hat. Er wird hier ein kleines Geschäft anfangen, da er von Paris den Auftrag hat, hier Zigarren- und Moneytaschen zu verkaufen. 10 Prozent Gebühren. Und durch Anschütz kommt er gleich in die nötigen Verbindungen für diesen Trade.

Von ihm habe ich erfahren, daß der „brave“ Techow eine Charakteristik über uns in die Schweiz geschickt, worin er weidlich schimpfte, speziell über Dich. Die Militärs haben einen Konkurrenzneid gegen Dich. _Et je pense_,[2] daß Du eines Tages _leurs pressentiments_[3] rechtfertigen wirst. Außerdem: Schily verlangte von Genf, die Herren sollten sich mit uns ausgleichen. Darauf erfolgte ein Gutachten, gezeichnet: Willich, Techow, Schapper, Schimmelpfennig, worin es unter anderem hieß: 1. habe man vollständig mit dieser ganz machtlosen Partei gebrochen; 2. seien Polizeispione unter uns, die alles der preußischen Regierung anzeigten. – –

Das Memorandum über Deutschland wirst Du erhalten.

Aus dem Clußschen Briefe folgendes:

Hutzel (zu unterscheiden von Hutzelwitt, Freund von Cluß, bei dem Kinkelkongreß zu Cinncinnati als Garant anwesend) schreibt an Cluß unter anderem: „Kinkel wollte mich durch Gemeinheiten gegen Marx und Engels niederschmettern. Was ich wollte, ist mir gelungen. Ich brachte ihn so in die Enge, daß ich ihn auf lange im Sacke habe. Er wollte sich sicherstellen dadurch, daß er mich um mein Ehrenwort hat, über den Vorfall zu schweigen und ihm ‚keine Stänkereien‘ durch eine Publikation zu bereiten. Ein gewisser Tellering schimpft ‚wie ein Rohrspatz in einem Briefe an Anneke‘.“

Weiter schreibt Cluß selbst: „In New York in der kostbaren Versammlung, deren Rapport ich in meinem letzten Briefe sandte, haben sich die sehr zahlreichen Turnvereine separat konstituiert und sich für meinen Protest und Weydemeyers Artikel gegen das Memorial von Kinkel erklärt.“

Unter den Sachen, die ich Dir zuschicke, findest Du den Entwurf einer Reklame für die Bilder und [das] Schlachtenberichtwerk vom alten Szerelmey. Er wünscht es etwas ausgepatscht und ins Englische als Reklame verarbeitet, wofür er jedem von uns ein Exemplar des Werkes zusagt. _Je crois que ça vaut la peine de faire un petit Puff._[4] –

_Mais que dis-tu, mon cher_,[5] daß Ruge in dem Dir überschickten Janus sich den Kommunismus als jüngstes Produkt seines „humanistischen Denkens“ anzueignen sucht, und wie! _Mon Dieu!_

Hast Du den Hahnenkampf zwischen Harney und Jones gelesen? Sonst schicke ich Dir ihre wechselseitigen Philippiken. Beide, der eine freiwillig, der andere gezwungen, steigen hier auf den Standpunkt der deutschen Emigrationspolemik herab.

Dein K. M.

[1] Heil und sicher.

[2] Ich denke.

[3] Ihre Ahnungen.

[4] Ich glaube, das lohnt der Mühe, eine kleine Marktschreierei zu machen.

[5] Aber was sagst Du dazu, mein Lieber?

160

Manchester, 1. Mai 1852.

Lieber Marx!

Inliegend 30 Schilling Post Office Ordre, alles, was ich für den Moment entbehren kann. Du wirst das Ding zwar morgen des Sonntags wegen nicht einkassieren können, aber wenigstens weißt Du, daß Du es hast. Sollte es mir im Laufe des Monats möglich sein, eine zweite derartige Sendung abzustoßen, so weißt Du, daß es jedenfalls geschieht, aber bis jetzt kann ich das noch nicht beurteilen.

Daß der Kleine eingesprungen ist und sich herausgemacht hat, ist sehr schön, und daß er an Anschütz vorderhand _a friend in need, a friend indeed_[1] gefunden, ist auch etwas wert. Im Laufe des Sommers muß er mich mal besuchen, wenn ich erst meinen Alten hier gehabt habe.

Den Brief von Cluß nächste Woche zurück. Die Geschichte für Szerelmey werde ich machen.

Dein F. E.

[1] Ein Freund in der Not, ein wirklicher Freund.

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Manchester, 4. Mai 1852.

Lieber Marx!

Inliegend den Clußschen Brief zurück. Die Jonesschen Artikel habe ich hier, dagegen nicht die von Harney, die Du mir gelegentlich schicken kannst, damit man beide Seiten kennen lernt und Vater Harney in seiner neuen Rolle sieht ....

Das Herkommen meines Alten schiebt meine Danaschen Pläne natürlich um acht bis vierzehn Tage auf.

Wie mir Ebner schreibt, steht er wegen Deiner Ökonomie noch immer mit Löwenthal in Unterhandlung, der sich in Brüssel etablieren will und einstweilen noch Associé im Frankfurter Geschäft bleibt.

Wie kommt Freiligrath mit meinem Schwager voran? Antworte mir wegen Pindar, _c’est une bête ennuyeuse et assez confuse_.[1] Ist er im B[un]d?

Schreibe bald.

Dein F. E.

Bei Paketen, die nicht durch die Post gehen, schreibst Du besser statt der alten Nr. 70 beide, die alte und neue Nummer auf die Adresse, so: Nr. 44/70 Great Ducie Street, Strangeways, Manchester.

Die Geschichte für Szerelmey womöglich morgen.

[1] Das ist ein langweiliges und ziemlich konfuses Vieh.

162

28 Deanstreet, London, 6. Mai 1852.

Lieber Frederic!

Das Paket an Dich ist nicht abgegangen, weil Pickford 2-1/2 Schilling meiner Frau abverlangte. Und so viel ist der ganze Dreck nicht wert.

Der einliegende sonderbare Zettel, den Du erhältst, ist eine rasch genommene Kopie von einem Rundzettel, den die Herren Kinkel-Willich an ihre Affiliierten erlassen haben. Das Komische ist, daß einer ihrer Sektionschefs diese Wische jedesmal zum preußischen Generalkonsul Hebeler bringt, der dafür zahlt. Die preußische Regierung hat natürlich ebensogut den Schlüssel zu diesen wichtigtuenden Mysterien wie Kinkel-Willich.

So viel ist sicher, daß ein Putsch _quelconque_[1] beabsichtigt wird. General Klapka ist bereits nach Malta abgereist, in seiner Tasche eine Bestallung, gezeichnet Kossuth-Mazzini, die ihn zum Obergeneral der ungarischen und italienischen Armee ernennt. Ich glaube, in Sizilien soll begonnen werden. Wenn die Herren nicht jedes Jahr zweimal Niederlagen erleben und Schläge bekommen, fühlen sie sich unbehaglich. Daß die Weltgeschichte sich ohne ihr Zutun entwickle, ohne ihre Intervention, und zwar offizielle Intervention, können sie nicht zugeben. Geht die Sache schief, so hat Herr Mazzini von neuem Gelegenheit, sich in entrüsteten Briefen an einen Graham _quelconque_ wichtig zu machen.

Ich war gestern mit Freiligrath bei Buchhändler Trübner. Er glaubt, eine Anzahl der „Revolution“ hier in London unterbringen zu können und einen anderen Teil in Deutschland durch Campe vertreiben lassen zu können. Sobald also die Weydemeyerschen Exemplare kommen, expediere hierher. Die Turnzeitung scheint sich verlaufen zu haben.

Dein K. Marx.

[1] Irgendwelcher [Putsch].

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Manchester, 7. Mai 1852.

Lieber Marx!

Inliegend den Brief von Cluß zurück. Es fällt mir dabei ein, daß jetzt, wo Herr Dana sich mit Bruno Bauer und Simon von Trier in Verbindung gesetzt und zugleich Dir wegen der Präsidentenwahl den Raum beschränkt hat, es gewiß am Platze wäre, gegen Herrn Dana einige Yankeeschritte zu tun .... _A Barnum, Barnum et demi._[1] Wenn es Dir recht ist, kann ich dies per nächsten Steamer bei Weydemeyer einleiten.

Das Zirkular des Konvents an die Sektionen ist heiter. Ich will mich hängen lassen, wenn die Sektionen St. Petersburg, Warschau, Berlin, Rom usw. weiter als vier Meilen von Charing Croß entfernt domiziliert sind. Dies karbonarische, wichtigtuende, energisch aussehende, tagesbefehlmäßige Auftreten verrät, wie sehr die Herren sich wieder selbst über ihre angeblich organisierten Kräfte täuschen. Jetzt einen Putsch zu beabsichtigen, ist eine _Bêtise_[2] und eine Gemeinheit. Aber freilich, „es muß doch was geschehen, es muß doch was getrieben werden!“ – – –

Ich habe endlich meine kriegswissenschaftlichen Sachen aus Deutschland erhalten. Was ich bis jetzt davon gelesen, ist nur wenig. Herr Gustav von Hofstetter, der Vielgerühmte, erscheint mir nicht gerade als Napoleon, sondern bis jetzt nur als recht brauchbarer Chef eines Bataillons oder so im kleinen Gefecht. Doch habe ich sein Ding noch nicht ausgelesen. Ein ganz hübsches Ding dagegen ist eine Broschüre über die neuen Fortifikationen im großen, von einem preußischen Ingenieurhauptmann Künzel – historischer und materialistischer als irgend etwas, was ich bisher _in militaribus_ gelesen. – Was nun den Herrn Willisen angeht, so ist hier zu sagen, daß bei Idstedt nicht die Dänen über die Schleswig-Holsteiner, sondern die gewöhnliche Taktik des gesunden Menschenverstandes über die Hegelsche Spekulation gesiegt hat. Das Willisensche Buch sollte eigentlich heißen: _Philosophie_ des großen Krieges. Es versteht sich damit von selbst, daß in dem Ding mehr Philosophiererei als Kriegswissenschaft enthalten ist, daß die sich am meisten von selbst verstehenden Sachen mit der weitläufigsten und tiefsten Gründlichkeit _a priori_ konstruiert werden, und daß dazwischen die schulgerechtesten Abhandlungen über Einfachheit und Mannigfaltigkeit und dergleichen Gegensätze vorkommen .... Hier und da sind nette Aperçus und brauchbare Reduktionen auf einfache Grundregeln; es wäre auch schlimm, wenn das nicht der Fall wäre. Auf seine Anwendung auf die Praxis bin ich noch nicht gekommen; aber es spricht nicht sehr für Willisen, daß Napoleons größte Erfolge jedesmal durch Mißachtung der Willisenschen ersten Regeln erlangt wurden, ein Resultat, das sich ein bibelfester Hegelianer freilich sehr gut erklären kann, ohne daß die Regeln im geringsten zu leiden brauchen.

Wie ich sehe, sind Görgeys Memoiren soeben erschienen – sie kosten aber 6 Taler, und ich werde sie mir daher jetzt noch nicht anschaffen können. Mit ihnen kann man das Material über das _Militärische_ des ungarischen Krieges als vorderhand abgeschlossen betrachten. Über den ungarischen Krieg mache ich jedenfalls etwas, vielleicht über alle 1848/49er Kriege. Sowie ich etwas mit der früheren Kriegsgeschichte im reinen bin, werde ich mich nach einem Verleger umsehen, der dann auch den größten Teil der Kosten für die Quellen tragen kann.

Die Dir vorigen Samstag geschickten 30 Schilling wirst Du erhalten haben.

Dein F. E.

[1] Gegen einen Barnum [setzt man] anderthalb Barnums.

[2] Dummheit.

164

Manchester, 19. Mai 1852.

Lieber Marx!

_Les affaires vont bien._[1] Morgen oder übermorgen reist mein Alter wieder ab, sehr zufrieden mit seinen Geschäften. Das hiesige Geschäft wird vollständig reorganisiert und auf neuen Grundlagen fortgeführt. Die Zulage ist glücklich erobert, und sobald die Kontrakte unterzeichnet sind und mein Alter verschwindet, wird die erwähnte Banknote bei Dir ihre Erscheinung machen. Das schönste dabei ist, daß ich gar nichts unterschreibe, mein Alter hat die Weisheit, mir in politischer Beziehung doch nicht ganz zu trauen und sich daher wohl zu hüten, daß er nicht später durch mich in neue Unannehmlichkeiten kommt. Auch kann ich es eintretendenfalls bei Beobachtung einiger Anstandsformen dahin bringen, daß ich von einem meiner Brüder ersetzt werde, so daß bei meinem Fortgehen mein Alter nichts verliert als allenfalls einige Illusionen, und ich derjenige bin, der ein Opfer bringt, nicht er. Da ich nämlich durch alle diese Veränderungen für den Augenblick einen tüchtigen Haufen Arbeit auf den Hals bekommen werde, so kann ich in den nächsten Tagen schwerlich an viel Zusammenarbeiten mit Dir denken, und doch wäre es mir lieb, Dich sobald wie möglich hier zu sehen .... Es fällt mir gerade ein, daß es am besten wäre, Du kämest Pfingsten, _id est_ den Freitag vorher – übermorgen über acht Tage –, wo hier die allgemeinen _holidays_[2] sind. Bei schönem Wetter gingen wir dann auf die Insel Man oder sonst wohin und bei schlechtem arbeiteten wir.

Die Hauptsache ist übrigens bei dem neuen Arrangement, daß vom 1. Juli an mein Geld nicht nur sich vermehrt, sondern auch vollständig _mein_ ist, so daß kein Mensch mehr mich zu fragen hat, wozu ich es gebrauche. Das Nähere mündlich.

Dein F. E.

[1] Die Geschäfte gehen gut.

[2] Ferientage.

165

Manchester, 21. Mai 1852.

Lieber Marx!

Mein Alter ist fort. _All is right._[1] Inliegend die erste Hälfte der Zehnpfundnote. Ende nächster Woche hoffe ich, Dich hier zu sehen. Vermutlich liegt in diesem Augenblick ein Brief von Dir in meinem Hause, ich habe aber nicht die Zeit, hinzugehen. Die zweite Hälfte der Note erfolgt entweder heute mit der zweiten Post oder morgen.

Dein F. E.

[1] Alles ist in Ordnung.

166

Manchester, 22. Mai 1852.

Lieber Marx!

Ich schreibe Dir heute bloß, um für alle Fälle anzuzeigen, daß ich Dir gestern per erste Post direkt eine halbe Zehnpfundbanknote geschickt, und daß die zweite Hälfte gleichzeitig an Lupus zur Abgabe an Dich kuvertiert wurde, was Du hoffentlich richtig erhalten hast.

Hier ist jetzt große _electioneering activity_[1] – zwei von den Tories aufgestellte Whigfreetrader sollen Bright und Gibson hinauswerfen, und es wird nichts getan als gekanvaßt[2] und gesoffen. Natürlich haben die Kerls keine Chance, es wird sie aber ein schönes Geld kosten.

Vor drei Wochen trat, wie ich erwartet, ein Anlauf zur Spekulation im Baumwollenmarkt ein; da aber die Chancen noch nicht prononciert genug sind und die hiesigen Spinner und Kaufleute dagegen operierten, fiel die Geschichte momentan wieder ins Wasser. Sie wird indes sehr bald wieder anfangen, sobald die ganze Masse der Ernte in Amerika abgeliefert ist .... _Après tout_[3] zeigen sich die Sturmvögel jetzt doch schon etwas bestimmter und in größerer Menge. _Cela sera beau._[4]

Hoffentlich erhalte ich spätestens bis morgen früh einen Brief von Dir.

Dein F. E.

[1] Wahlagitation.

[2] [Wähler] persönlich bearbeitet.

[3] Nach allem.

[4] Es wird schön sein.

167

28 Deanstreet, Soho, 22. Mai 1852.

Lieber Frederic!

Heute morgen ist die erste Hälfte der Zehnpfundnote eingesprungen.