Der Briefwechsel zwischen Friedrich Engels und Karl Marx 1844 bis 1883, Erster Band

Part 28

Chapter 283,362 wordsPublic domain

Unter den Verhafteten in Paris befindet sich leider auch Schramm. Vorgestern kam ein Brief von dem Schlingel an Liebknecht, und wir haben die erfreuliche Aussicht, dies fahrige Subjekt wieder unter uns zu sehen. Er soll sich aber wundern, _ce Monsieur là_![3] Du wirst mich sehr verpflichten, wenn Du mir bis _Dienstag morgen den Aufsatz für Dana schickst_. Anbei Brief von Dronke. Übrigens, wenn man ihm schreibt, muß es unter seiner direkten Adresse geschehen. Die von Schuster ist durchaus unsicher. Ich schicke Dir in ein paar Tagen ein Billett für ihn und dann schreibst Du auch noch einiges hinzu und expedierst die Sache an den Knirps.

[Ohne Unterschrift.]

[1] Erstens Gott. Sie wollen nichts von Gott wissen. Dann, und das ist wichtiger, werfen sie Meister Mazzini vor, er arbeite dadurch im Interesse Österreichs, daß er den Aufstand predigt, das heißt dadurch, daß er ihn überstürzt. Schließlich bestehen sie auf direkten Appell an die materiellen Interessen der italienischen Bauern, was nicht möglich ist, ohne auf der anderen Seite die materiellen Interessen der Bourgeois und des liberalen Adels anzugreifen, aus denen die große mazzinistische Phalanx besteht.

[2] Rundheraus und sofort die Bauern aus Halbpächtern ....

[3] Dieser Herr.

113

Freitag, 19. September 1851.

Lieber Marx!

Ich wurde gestern in der höchsten Eile noch mit dem Artikel fertig – _tel quel_,[1] oft unterbrochen, seit drei Wochen, und zuletzt in der Eile noch den Rest zusammengeschmiert. _Tu en feras ce que tu pourras._[2] In jedem Falle wirst Du ihn heute mit der ersten Post erhalten haben.

Der einzige Brief, der seit der Ankunft meines Bruders hier ankam, war Deiner vom 31. August, den ich am 2. September erhielt, worin Du die Heinzenschen Stellen mitteiltest (aus der Schnellpost über Veredlung des Yankeetums).

Meine Faulheit erklärt sich:

1. aus einer Geschäftsreise nach Bradford,

2. aus der Abreise unseres Kommis nach London, von wo er erst Montag zurückkommt,

3. aus der plötzlichen Entlassung unseres Warehouseman[3] und Gehilfen, so daß ich jetzt alle Hände voll zu tun habe.

Morgen oder Montag gebe ich mich an den dritten amerikanischen Artikel, der positiv zum nächsten Steamer in Deinen Händen ist – wenn Mittwoch einer geht, bis Dienstag, sonst bis Freitag. Morgen mehr, das Kontor wird zugeschlossen und Gas haben wir noch keines, so daß ich dies fast im Dunkeln schreibe.

Dein F. E.

Das Dokument Willich in den Débats ist wunderschön!

[1] So wie er gerade ist.

[2] Du wirst daraus machen, was Du willst.

[3] Lagerverwalter.

114

Manchester, 23. September 1851.

Lieber Marx!

Endlich denke ich wieder so weit zu sein, daß ich nach allen fatalen Störungen wieder regelmäßig ans Arbeiten komme. Der Artikel Nr. 3 für Amerika wird heute abend fertig gemacht und Dir gleich zugeschickt, und dann werde ich den Proudhon direkt vornehmen.

Von Kinkels Rundreise habe ich weiter noch nichts vernommen. Die Spaltung unter den Italienern ist wunderschön. Es ist vortrefflich, daß dem geriebenen Schwärmer Mazzini endlich die materiellen Interessen auch einmal in die Quere kommen, und das in seinem eigenen Lande. Dazu ist die italienische Revolution gut gewesen, daß sie die entschlossensten Klassen auch dort in die Bewegung gerissen hat, und daß sich jetzt der altmazzinistischen Emigration gegenüber eine neue radikalere Partei bildet und Herrn Mazzini allmählich verdrängt. Auch nach Zeitungsberichten scheint _il Mazzinismo_ selbst bei Leuten, die weder konstitutionell noch reaktionär sind, in Verruf zu kommen, und die Reste piemontesischer Preßfreiheit von diesen zu Angriffen gegen Mazzini, deren _portée_[1] die Regierung nicht begreift, benutzt zu werden. Im übrigen überragt sonst die italienische Revolution die deutsche bei weitem an Ideenarmut und Phrasenreichtum. Es ist ein Glück, daß das Land, wo es statt Proletariern fast nur Lazzaroni gibt, wenigstens _métayers_[2] besitzt. Auch die anderen Gründe der italienischen Dissidenten sind erfreulich, und schließlich ist es sehr schön, daß die einzige bisher wenigstens ungespaltene Emigration jetzt auch sich in den Haaren liegt.

Der Bericht des Kleinen [Dronke] hat mir viel Spaß gemacht. Wichtigtuender Klatsch, ein Duell, ein in Hamburg einzukassierendes Stück Geld, piemontesische Pläne – _dodge, dodge_ und aber _dodge_! Man begreift bei dem Männchen nie zweierlei Dinge, erstens was er treibt, und zweitens wovon er lebt. Inliegend erfolgt der Brief zurück, schicke mir die Antwort und ich werde sie ihm portofrei befördern. Seine direkte Adresse ist notiert – die von Schuster wäre sehr schön, seit er gehaussucht worden! – –

Die australische Goldsuppe wird hoffentlich die Handelskrise nicht aufhalten. Jedenfalls kreiert sie momentan einen neuen, großenteils fiktiven Markt und treibt die Wolle in die Höhe, da die Schafherden vernachlässigt werden. Sonst ist die Geschichte famos. Der Steam um die Welt wird in sechs Monaten in vollem Gange sein, und unsere Prophezeiungen über die Suprematie des Stillen Ozeans realisieren sich noch rascher, als wir erwarten konnten. Bei dieser Gelegenheit werden auch die Engländer herausfliegen und die Vereinigten Staaten der deportierten Mörder, Hausbrecher, Notzüchter und Taschendiebe der Welt ein erstaunliches Exempel geben von dem, was ein Staat von unverhohlenen Schuften für Wunder verrichten kann. _They will beat California hollow._[3] Während in Kalifornien doch noch die Schufte gelyncht werden, wird man in Australien die _honnêtes gens_[4] lynchen, und Carlyle wird seine _aristocracy of rogues_[5] in voller Glorie etabliert sehen.

Die vielen Beteuerungen der Blätter bei Gelegenheit der letzten Failliten und der unter anderem in Liverpool herrschenden Depression, daß trotzdem der Trade des Landes niemals gesunder gewesen sei, sind sehr verdächtig. Positiv ist, daß Ostindien _overstocked_[6] ist und seit Monaten dort mit Verlust verkauft wird. Wohin die Massen Zeug gehen, die jetzt hier in Manchester und Gegend fabriziert werden, ist mir nicht klar; es muß viel, sehr viel Spekulation dabei sein, da, sobald die Baumwolle im Juli den niedrigsten Punkt erreicht hatte und die Spinner sich mit rohem Material zu versehen anfingen, sofort alle Spinner und Weber auf lange Zeit in Kontrakt genommen wurden von hiesigen Kommissionshäusern, die lange nicht auf alle die Ware Bestellung hatten, die sie beim Fabrikanten bestellten. Bei den ostindischen Häusern ist offenbar das alte Vorschußsystem wieder in vollem Zuge, bei ein paar ist es schon ans Tageslicht gekommen, bei anderen wird’s früher oder später einen heiteren Crash geben. Da die Fabrikanten hier auf Mord und Brand arbeiten, und seit 1847 die hiesige Produktionskraft, besonders 5 bis 20 Meilen um Manchester, sich wenigstens um 30 Prozent vermehrt hat (sie war 1842 30 000, 1845 40 000, jetzt gewiß 50 000 bis 60 000 Pferdekraft für Lancashire), so braucht dies flotte Arbeiten nur noch bis März oder April fortzugehen, und wir haben eine Überproduktion, die Dir Freude machen wird ....

Die Russen beziehen in diesem Moment fast kein Pfund Twist mehr von England, sehr wenig fertige Baumwollwaren, sehr viel rohe Baumwolle – 2000 bis 3000 Ballen pro Woche, und trotzdem daß der Zoll von 7^0 auf 5^0 pro Pfund für Garn herabgesetzt ist, entstehen noch täglich neue Spinnereien. Nikolas scheint endlich Angst vor dieser Industrie zu bekommen und will den Zoll noch mehr heruntersetzen. Da aber all sein reicher Adel und alle Bourgeois in diesem Geschäft interessiert sind, so kann diese Geschichte ernstlich werden, wenn er darauf besteht.

Dein F. E.

[1] Tragweite.

[2] Halbpächter.

[3] Sie werden Kalifornien gründlich schlagen.

[4] Anständigen Leute.

[5] Aristokratie der Gauner.

[6] Überladen.

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28 Deanstreet, 23. September 1851.

Lieber Engels!

Mit dem Pariser Dokument, das ist sehr dumm. Die Deutsche Zeitung, Kölnische und Augsburger, schieben’s uns, wie sich von diesen kritiklosen Hunden erwarten läßt, in den Hals. Andererseits verbreitet der elende Willich _et Co._, wir hätten das Zeug in Paris durch Bekannte von uns denunzieren lassen. _Qu’en dis-tu?_[1]

K. Schramm ist auch eingesteckt. _Habeat sibi._[2] Das nächste Mal – nach Einziehung noch einiger Nachrichten – schreibe ich Dir weiter über den hiesigen Sumpf. Für heute wirst Du regaliert mit folgendem Resümee eines mehrspaltigen Manifestes des Bürgers Techow in der New Yorker Staatszeitung, benamset: „_Umrisse des kommenden Krieges. London, 3. August._“ (Schlecht, doktrinär geschrieben, allerlei Reminiszenzen aus unserer Revue und scheinbar verständig entwickelt, aber Inhalt platt, keine Bewegung in der Form, nichts Schlagendes.) Ich schenke Dir, was Techow zunächst über die Revolution von 1849 rezitiert. Er zieht sich daraus zunächst folgende allgemeine Nutzanwendungen:

1. Gegen die Gewalt gibt es keinen anderen Widerstand als die Gewalt.

2. Die Revolution kann nur dann siegen, wenn sie allgemein wird, das heißt wenn sie in den großen Zentren der Bewegung zündet ([unlesbar] Pfalz, Baden) und wenn sie ferner nicht der Ausdruck einer _einzelnen Oppositionsfraktion_ ist. (Beispiel: Juni-Insurrektion von 1848.)

3. Die Nationalkämpfe können zu keiner Entscheidung führen, weil sie vereinzeln.

4. Die Barrikadenkämpfe haben keine andere Bedeutung, als den Widerstand einer Bevölkerung zu signalisieren, diesem Widerstand gegenüber die Gewalt der Regierungen, das heißt die Gesinnungen der Truppen auf die Probe zu stellen. Wie diese Probe auch ausfallen möge, Organisation für den Krieg, Aufstellung disziplinierter Armeen bleibt immer die erste und wichtigste Maßregel der Revolution. Denn nur durch diese ist die Offensive möglich, und nur in der Offensive liegt der Sieg.

5. Konstituierende Landesversammlungen sind nicht imstande, für den Krieg zu organisieren. _Sie verlieren ihre Zeit stets an Fragen der inneren Politik_, für deren _Lösung die Zeit_ erst _nach dem Siege_ gekommen ist.

6. Um für den Krieg organisieren zu können, muß die Revolution Raum und Zeit gewinnen. Sie muß daher politisch angreifen, das heißt soviel wie möglich Länderstrecken in ihren Bereich ziehen, weil sie militärisch im Anfang stets auf die Defensive beschränkt ist.

7. Die Organisation für den Krieg kann in dem republikanischen Lager so gut wie in dem royalistischen nur basiert sein auf Zwang. Mit politischer Begeisterung und mit phantastisch aufgeputzten Freischaren ist gegen Disziplin und gut geführte Soldaten noch nie eine offene Feldschlacht gewonnen worden. Die militärische Begeisterung stellt sich erst nach einer Reihe von Erfolgen ein. – Für diese Erfolge gibt es im Anfang keine bessere Grundlage als eiserne Strenge der Disziplin. Mehr noch als in der inneren Organisation des Landes können demokratische Grundsätze in den Armeen erst nach dem Siege der Revolution zur Anwendung kommen.

8. Der kommende Krieg ist seiner Natur nach ein Vernichtungskrieg – Völker oder Fürsten. Folgt daraus die Anerkennung der politischen und militärischen Solidarität aller Völker, das heißt der Intervention.

9. Das Gebiet der kommenden Revolution liegt räumlich in denselben Grenzen wie das der besiegten: Frankreich, Deutschland, Italien, Ungarn, Polen.

Folgt aus allem: Die Frage der kommenden Revolution ist gleichbedeutend mit der eines europäischen Krieges. Gegenstand des Krieges: Ob Europa kosakisch oder republikanisch. Schauplatz des Krieges – die alten: Oberitalien und Deutschland. Herr Techow zählt nun auf: 1. Die Streitkräfte der Konterrevolution; 2. die Streitkräfte der Revolution.

I. _Streitkräfte der Konterrevolution._

1. _Rußland._ Gesetzt, es könne seine Streitkraft auf 300 000 bringen, das wäre sehr viel. In welcher Zeit und wie stark kann es dann am Rhein und in Italien erscheinen? Im besten Falle in zwei Monaten. Mindestens ein Drittel Abgang für Kranke und Besatzung der Etappenstraßen. Bleiben 200 000 Mann, die in zwei Monaten nach Ausbruch der Bewegung auf den entscheidenden Punkten des Kriegsschauplatzes erscheinen.

2. _Österreich._ Berechnet den Stand seiner Armee auf 600 000 Mann. Brauchte 1848 und 49 in Italien 150 000 Mann. Diese Zahl verlangt Radetzky auch jetzt in Friedenszeiten. In Ungarn braucht es jetzt im Frieden 200 000 Mann. Im letzten Kriege reichten 200 000 Mann nicht aus. Ein Drittel dieser Armee besteht aus Ungarn und Italienern, die abfallen werden. Im besten Falle, wenn der Aufstand in Ungarn und Italien nicht gleichzeitig ausbricht, kann es – durch allerlei Barrikadenkämpfe aufgehalten – in 6 Wochen mit 50 000 Mann am Rhein erscheinen.

3. _Preußen._ Zählt 500 000 Mann, inklusive der Ersatzbataillone und der Landwehr des ersten Aufgebots, die nicht mit ins Feld rücken. Für die Operation im Felde 300 000 Mann: Halb Linie, halb Landwehr. Mobilisierung: 14 Tage bis 3 Wochen. Das Offizierkorps in der preußischen Armee aristokratisch, die Unteroffiziere bureaukratisch, die Masse „durchaus demokratisch“. Fernere Chance hat die Revolution in der Mobilisierung der Landwehr. Desorganisation des preußischen Heeres durch die Revolution, deren der König nur unter Schutz der russischen Armee so weit Herr wird, um mit den Russen die Trümmer seines Heeres gegen die Rebellen zu führen. Rheinprovinz, Westfalen, Sachsen für ihn verloren, so die wichtigsten Festungslinien und mindestens ein Drittel seiner Armee. Ein Drittel braucht er gegen die Aufstände in Berlin, Breslau, Provinz Posen und Westpreußen. Bleiben höchstens 100 000, die nicht früher als die Russen selbst auf dem Kampfplatz erscheinen können.

4. _Die deutsche Bundesarmee._ Das badische, schleswig-holsteinsche, das kurhessische und die pfälzischen Regimenter gehören der Revolution. Nur Trümmer der deutschen Bundesarmee werden, dem Flehen der Fürsten folgend, die Heere der Reaktion verstärken. Ohne militärische Bedeutung.

5. _Italien._ Die einzige militärische Macht von Italien, das sardinische Heer, gehört der Revolution.

Also Summa Summarum:

Kriegsschauplatz in 150 000 Russen Deutschland: 100 000 Preußen 50 000 Österreicher 300 000 Mann Kriegsschauplatz in Italien: 150 000 Österreicher 50 000 Russen 200 000 Mann ------------- Fazit: 500 000 Mann

II. _Streitkräfte der Revolution._

1. _Frankreich._ 500 000 Mann schon in dem ersten Moment der Revolution zur Verfügung. Davon 200 000 am Rhein, 100 000 in Italien (Ober-) sichern der Revolution in Italien und Deutschland Raum und Zeit zu ihrer Organisation.

2. _Preußen._ 50 000 } nämlich die Hälfte der abgefallenen } Armee organisiert. 3. _Österreich._ 100 000 }

4. Kleine deutsche Armee: 100 000.

Macht dann folgende Rechnung:

_Aktive französische Armee_ 300 000 Mann _Deutsches Revolutionsheer_ 150 000 - _Italien und Ungarn_ 200 000 - ------------- 650 000 Mann

Also: Revolution führt 650 000 Mann gegen 500 000 Mann des Absolutismus.

Er schließt damit:

„Welche nationalen, welche prinzipiellen Verschiedenheiten die große Partei der Revolution immerhin spalten mögen – wir alle haben gelernt, daß zur Bekämpfung dieser verschiedenen Ansichten untereinander die Stunde erst nach dem Siege gekommen ist“ usw.

Was meinst Du von dieser Berechnung?

Techow setzt voraus, daß die Desorganisation auf Seite der regulären Armee und die Organisation auf Seite der revolutionären Streitkräfte sich befinden wird. Das bildet die Basis seiner Rechnung. Doch Du wirst besser über diese Statistik urteilen können als ich.

Was aber die eigentlich politische Tendenz dieses Aufsatzes ist, die in der Ausführung noch klarer durchblickt, so ist sie die: Es bricht gar keine Revolution aus, das heißt kein Parteikampf, kein Bürgerkrieg, kein Klassenzwist, bis nach _Beendigung des Krieges_ und dem Sturze Rußlands. Um aber diese Armee für den Krieg zu organisieren, da bedarf es der _Gewalt_. Und woher soll die _Gewalt kommen_? Vom General Cavaignac oder einem ähnlichen militärischen Diktator in Frankreich, der seine Generale in Deutschland und Oberitalien hat. _Voilà la solution_,[3] die nicht sehr weit von Willichs Ideen abliegt. Der Weltkrieg, das heißt, im Sinne des revolutionären preußischen Leutnants, die Herrschaft wenigstens provisorisch des Militärs über das Zivil. Wie aber ein General _quelconque_,[4] und stände der alte Napoleon selbst aus dem Grabe, nicht nur die Mittel, sondern auch diesen Einfluß erhalten soll, ohne vorhergehende und gleichzeitige _innere_ Kämpfe, ohne die verdammte „innere Politik“, darüber schweigt das Orakel. Wenigstens der fromme Wunsch des künftigen Weltkrieglers, der seinen angemessenen politischen Ausdruck exakt findet in den klassenlosen Politikern und Demokraten als solchen, ist rein herausgesagt.

Lebe wohl!

Dein K. M.

Soeben habe ich Deinen Brief erhalten, was ich hier noch anzeige.

_NB._ Du weißt doch, daß der Stechan oder Steckhahn in Hannover verhaftet war und, ehe er in unsere Verbindung trat, mit dem Komitee Schapper usw. in Korrespondenz stand. Nun sind zwei Briefe, die er an den Sekretär Dietz dieses Komitees schrieb und die dieser erhalten hatte, jetzt befindlich auf dem Bureau des Polizeiinspektors in Hannover. Ulmer war nun von uns beauftragt, Herrn Dietz und Komp. darüber zu interpellieren nächsten Freitag in der öffentlichen Sitzung des Flüchtlings- oder Emigrationsvereins. Wir haben wieder Konterorder gegeben. Stechan ist durchgebrannt. Also auf dem Wege nach London oder schon hier. Und wer bürgt uns dafür, daß Stechan nicht zu unseren Feinden geht, statt zu uns?

Deine Handelsnachrichten haben mich äußerst interessiert.

Was den K. Schramm angeht, so hatte er von mir ein kurzes Legitimationsschreiben, eingetragen in seine Brieftasche. Diese Zeilen könnten zum Uriasbrief an ihm geworden sein.

Addio!

[1] Was sagst Du dazu?

[2] Gehab’ es ihm wohl.

[3] Dies die Lösung.

[4] Irgendwelcher, xbeliebiger.

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25. September 1851.

Lieber Marx!

Dein Brief ist eingetroffen. Über Techows Gelehrsamkeit morgen. Kinkels Bettelbrief nach New Orleans ist sehr reizend, leider habe ich ihn auch bloß französisch zu Gesicht bekommen. Herr Stechan muß auch jetzt in London sein, es ist sehr recht, daß Du den Kerl laufen läßt, wenn er sich nicht meldet, und wartest, was geschieht, ehe Du jemand seine Partei nehmen läßt. Unter den in Paris Freigelassenen, von denen die heutigen Blätter sprachen, wird sich wohl auch Herr Konrad Schramm befinden. Die Dummheit der deutschen Zeitungen, uns das alberne W[illich]sche Aktenstück in die Schuhe zu schieben, hat mich ebenfalls sehr geärgert. Es wird sich indes sehr bald herausstellen, daß wir mit dieser elenden Schmiere nichts zu tun haben. _Par dieu, nous en avons assez sur les bras_[1] mit den Aktenstücken anderer Leute, nach Stil und Gehalt. Inliegend Artikel Nr. 3 für New York, jedenfalls etwas weniger Schund als Nr. 2. Nr. 4. wird bald in Angriff genommen.

Du könntest mir von Zeit zu Zeit amerikanische Blätter _sous bande_[2] zuschicken, man sieht den Dreck stellenweise ganz gern einmal _in natura_. Ich werde Dir _ad hoc_[3] nächstens wieder ein Lot Stamps[4] schicken.

Adieu!

Dein F. E.

[1] Bei Gott, wir haben genug auf uns.

[2] Unter Kreuzband.

[3] Zu diesem Zweck.

[4] Anzahl Briefmarken.

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[Undatiert. Wahrscheinlich 26. September 1851.]

Lieber Marx!

Was die Techowsche Kriegsgeschichte angeht, so ist sie auch militärisch ungeheuer flach und stellenweise direkt falsch. Abgesehen von den tiefen Wahrheiten, daß gegen die Gewalt nur die Gewalt hilft, von den abgeschmackten Entdeckungen, daß die Revolution nur dann siegen kann, wenn sie allgemein ist (also wörtlich, wenn sie gar keinen Widerstand findet, und dem Sinne nach, wenn sie eine Bourgeoisrevolution ist), abgesehen von der wohlmeinenden Absicht, die fatale „innere Politik“, die eigentliche Revolution also, durch einen bis jetzt, trotz Cavaignac und Willich, noch nicht entdeckten Militärdiktator zu erdrücken, und abgesehen von dieser sehr bezeichnenden politischen Formulierung der Ansicht dieser Herren über die Revolution, ist militärisch zu bemerken:

Die eiserne Disziplin, die allein den Sieg verschaffen kann, ist genau die Kehrseite der „Vertagung der inneren Politik“ und der Militärdiktatur. Wo soll diese Disziplin herkommen? Die Herren sollten doch in Baden und der Pfalz einige Erfahrungen gemacht haben. Es ist eine evidente Tatsache, daß die Desorganisation der Armeen und die gänzliche Lösung der Disziplin sowohl Bedingung wie Resultat jeder bisher siegreichen Revolution war. Frankreich brauchte von 1789 bis 1792, um nur eine Armee von zirka 60 000 bis 80 000 Mann – die Dumouriezsche – wieder zu organisieren, und selbst die zerfiel wieder, und es gab sozusagen keine organisierte Armee in Frankreich bis Ende 1793. Ungarn brauchte von März 1848 bis Mitte 1849, ehe es eine ordentlich organisierte Armee hatte. Und wer brachte in der ersten französischen Revolution die Disziplin in die Armee? Nicht die Generäle, die erst nach einigen Siegen in einer Revolution, bei improvisierten Armeen Einfluß und Autorität bekommen, sondern die _terreur_[1] der inneren Politik, der Zivilgewalt.

Streitkräfte der Koalition: 1. Rußland. Die Annahme von 300 000 Mann Effektivtruppen, von denen 200 000 unter Gewehr auf dem Kriegsschauplatz, ist hoch. _Passe encore._[2] Aber in zwei Monaten können sie weder am Rhein (allenfalls die Avantgarde am Niederrhein, bei Köln) noch in Oberitalien sein. Um gleichzeitig agieren zu können, sich mit Preußen, Österreich usw. gehörig zu dislozieren, gehen drei Monate hin – eine russische Armee marschiert nicht über 2 bis 2-1/2 deutsche Meilen den Tag und ruht jeden dritten [Tag]. Es dauerte fast zwei Monate, bis sie in Ungarn auf dem Kriegsschauplatz erschienen.

2. Preußen. Mobilisierung: mindestens vier bis sechs Wochen. Die Spekulationen auf Abfallen, Aufstände usw. sehr riskiert. Kann im besten Falle doch 150 000 Mann, im schlechtesten aber vielleicht nicht 50 000 disponibel machen. Da mit ein Drittel und ein Viertel zu rechnen, ist reiner Humbug, es kommt alles auf Zufälligkeiten an.

3. Österreich. Ebenso _chanceux_,[3] noch vertuckter. Wahrscheinlichkeitsrechnung _à la_ Techow hier außer aller Möglichkeit. Im besten Falle stellt es, wie Techow angibt, vielleicht 200 000 Mann gegen Frankreich, im schlechtesten kommt es nicht dazu, einen Mann zu detachieren, und kann den Franzosen vielleicht 100 000 _höchstens_ bei Triest entgegenstellen.

4. Bundesarmee – die bayerische geht gewiß zu zwei Dritteln gegen die Revolution, und hier und da auch noch ein Stück. Mit drei Monat Zeit läßt sich allenfalls ein Korps von 30 000 bis 50 000 Mann daraus bilden, und gegen Revolutionssoldaten sind sie im Anfang gut genug.

5. Dänemark stellt gleich 40 000 bis 50 000 Mann gute Soldaten ins Feld, und wie 1813 werden die Schweden und auch die Norweger mit müssen auf den großen Kreuzzug. Techow denkt daran nicht, auch nicht an Belgien und Holland.