Der Briefwechsel zwischen Friedrich Engels und Karl Marx 1844 bis 1883, Erster Band

Part 18

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Er hat sogar eine kleine Perfidie gegen Jones begangen, indem er ihn das Manifest von Louis Blanc und Komp. übersetzen ließ und ihn dann fragte, ob er etwas dagegen habe, daß er als Übersetzer genannt werde? Es war dies am Mittwoch. Er hatte also schon Deinen Brief, von dem er kein Wort gegen Jones fallen ließ. Jones sah in seiner Frage also bloß einen Appell an seine eigene „sozialistische“ Gesinnung – und sagte natürlich, er habe nichts dagegen.

Jones erklärte mir, auf meine Erörterungen hin werde er wahrscheinlich, er könne es nicht gewiß sagen, sich von dem Bankett enthalten. Was seine Entscheidung schwankend machte, ist sehr rationell. Kommt er nicht, so verliert er an Popularität, da, dank dem Dear, dies Bankett zu einer Chartistenangelegenheit geworden ist. Er fürchtet zugleich, Reynolds möge hinter seinem Rücken intrigieren.

Jones mißbilligt das Betragen des Dear, den ich nicht „wiedergesehen“. Er suchte es damit zu entschuldigen, daß die Chartisten, wenn sie an keinem der beiden Banketts teilnehmen, der politischen Apathie oder Antipathie gegen die ausländischen Revolutionäre beschuldigt würden. Ich habe ihm geantwortet: so hätte[n] Harney usw. ein Chartistenmeeting zur Feier des unvermeidlichen 24. Februar abhalten sollen, statt sich zum Piedestal für einen Zwerg zu machen und für ein Halbdutzend Kamele, einen Zwerg, der den Harney nie anders als „brave _garçon_“[2] tituliert, und der, wenn morgen eine Bewegung in London ausbricht, nach einem Jahre oder nach zwanzig Jahren aktenstücklich beweisen wird, daß er diese _pauvres Anglais dans la route du progrès_[3] geworfen hat, und dies [?] liegt zwischen 1688 und dem 24. Februar 1851, wo Louis Blanc ganz London ebenso nach sich rufen hörte, wie damals die 50 000 Arbeiter im Hofe der Réforme, der nicht 50 Mann faßt. Und wieviel falsche Tränen wird er zu Papier bringen über dies noch nie dagewesene Ereignis!

Harney hat sich in diese Geschichte hereingeritten einmal aus dem Bewunderungstrieb für offizielle große Männer, den wir schon früher oft verlacht haben. Dann liebt er die theatralischen Effektstücke. Er ist unbedingt gefallsüchtig, ich will nicht sagen _vaniteux_.[4] Er ist selbst unstreitig tief von der Phrase beherrscht und entwickelt sehr reichhaltige pathetische Gase. Steht tiefer im demokratischen Dreck, als er Wort haben will. Er hat einen doppelten _spirit_[5], einen, den ihm Friedrich Engels gemacht hat, und einen, der ihm leibeigen ist. Der erstere ist eine Art Zwangsjacke für ihn. Der letztere ist er selbst _in puris naturalibus_.[6]

Was diesem Meeting noch besonderes Gewicht gibt, ist die Aufregung, die in London herrscht infolge Abtritts des _little_ Johnny[7] und des _avènement_ von Stanley-d’Israeli.[8]

Die Frenchmen[9] fürchten nichts mehr als eine allgemeine Amnestie. Sie würde sämtlichen hiesigen Bretterhelden den Nimbus rauben.

A. Ruge hat versucht, mit Struve, Kinkel, Schramm, Bucher usw. einen „Volksfreund“ oder, wie unser Gustav [Struve] wollte, einen „Deutschen Zuschauer“ zustande zu bringen. In den Sumpf gefallen. Teils wollten die anderen das Protektorat Winkelrieds [Ruges] nicht, teils, wie der „gemütliche“ Kinkel, verlangten sie bare Zahlung, _ce qui ne fait pas le compte de Mr. Ruge_.[10]

K. Heinzen ist Chefredakteur der bankrotten New Yorker Schnellpost und hat eine schaurige Polemik mit Weitling eröffnet.

Du wirst sehr wohltun, einmal und bald an den Nathan [Roten] Becker in New York zu schreiben und ihn _sur l’état actuel des choses_[11] zu unterrichten.

Einliegend ein Brief von Dronke. Schicke ihn mir umgehend zurück; wenn Du selbst dazu schreiben willst, _tant mieux_.[12]

Durch Deine Sendung hast Du mir einen großen Dienst getan.

Einiges über die französische Literatur von 1830 bis 1848 in meinem nächsten Briefe.

Schreibe mir auch, ob meine Rechnung richtig ist.

Dein K. M.

Übrigens muß man jetzt – denn der Dear wird wiederzukommen suchen, sobald er die Haupt- und Staatsaktion hinter sich hat – ihn sehr vornehm traktieren und ihn fühlen lassen, daß er „verloren“ hat.

Apropos. Harney hat sich in eine Chartistendeputation nach der Churchstreet wählen lassen, wo er zuerst sein Entree machen wird, um dann nach der City zu gehen, wo er sich häuslich niederlassen wird. Daß er übrigens die Sache nicht aus Naivität getan, geht schon daraus hervor, daß er alles _hinter meinem Rücken_ mit dem _„bel“ homme_ betrieb und _Dir_ ebenfalls _nichts_ mitgeteilt [hat].

[1] Unterwegs.

[2] Braver Junge.

[3] In die Bahn des Fortschritts.

[4] Eingebildet.

[5] Geist.

[6] In reiner Nacktheit.

[7] Kleiner John [Russell].

[8] Aufrücken von Stanley-d’Israeli.

[9] Franzosen.

[10] Was nicht in die Rechnung des Herrn Ruge paßt.

[11] Gegenwärtiger Stand der Dinge.

[12] Um so besser.

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28 Deanstreet, Soho, 24. Februar 1851.

Lieber Engels!

Es ist jetzt ein Uhr nachts. Vor einer Stunde ungefähr stürzt Pieper hier herein, ohne Hut, zerzaust, zerrissen. Die Sache verhält sich wie folgt.

Heute abend fand das Meeting oder Bankett in der City statt. _Willich präsidierte_. Jones war seinem Versprechen gemäß nicht hingegangen. Unser Dear trug ein rotes Bändchen. Anwesend an 700 Mann, 150 Franzosen ungefähr, 250 Deutsche, 200 Chartisten und der Rest Polen und Ungarn. Blanc las die ihm von seinen Gebrüdern [?] aus Paris zugekommenen Adressen ab. Willich eine aus La Chaux de Fonds. Aus Deutschland hatten sie keine. Außerdem wurde eine Adresse von Polen aus Paris verlesen.

Die Reden sollen spottschlecht gewesen sein, überhaupt trotz aller _fraternité_ der Tau der Langeweile auf den Gesichtern und an den Zungen geklebt haben.

Schramm und Pieper hatten Karten gelöst, um sich den Ulk anzusehen. Sie wurden von vornherein molestiert. Schramm ging zu einem der Ordnungshalter, dem braven chevaleresken Landolphe, und ersuchte ihn, ihnen für ihr Geld wenigstens Ruhe zu verschaffen. Der Brave erwiderte, es sei nicht der Ort, hier auf Auseinandersetzungen einzugehen.

_By and by_[1] dauerte es den Great Windmillstreetern zu lange. Sie riefen: „_spy, spy_“,[2] [unlesbar] und nun wurden Schramm und Pieper aus dem Saale herausgeprügelt, ihre Hüte zerrissen und vor dem Saale im Hofe mit Füßen getreten, gestampft, geohrfeigt, beinahe in Stücke zerrissen, Haarbüschel ihnen ausgerissen usw. Barthélemy kommt hinzu und sagt von Schramm: _C’est un infâme! Il faut l’écraser._[3] Schramm erwidert: _Vous êtes un forçat libéré_.[4]

An der Keilerei nahmen an 200 Subjekte teil, Deutsche, Franzosen und die Herren _fraternals_ nicht minder „tapfer“ gegen zwei Unbewaffnete.

_Post festum_ läßt sich der Dear [Harney] sehen, und statt energisch aufzutreten, wie es sich gebührte, stottert er, daß er die Leute kennt und will sich auf lange Expositionen einlassen. Natürlich schönes Mittel in solchem Moment.

Die beiden haben sich löwenmütig verteidigt.

Die Windmiller schrien: Der hat unserer Kasse 19 Schilling gestohlen.

Soviel für heute. _Qu’en dis-tu, mon cher?_[5] Wenn morgen eine Revolution in London ausbricht, werden Willich-Barthélemy unfehlbar zur Herrschaft kommen.

Dein K. M.

[1] Nach und nach, mit der Zeit.

[2] Spion, Spion.

[3] Das ist ein Schandbube, man muß ihn zertreten.

[4] Sie sind ein entlassener Sträfling.

[5] Was sagst Du dazu, mein Lieber.

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[Ohne Jahresangabe.] Dienstag, 25. Februar [1851].

Lieber Marx!

Gestern vor acht Tagen schickte ich Dir einen Brief für Harney und habe seitdem keine Antwort von Dir, was mich einigermaßen in Verlegenheit setzen könnte, wenn ein Brief von Harney, der jeden Tag ankommen kann, rasche Beantwortung erfordern sollte, oder wenn die Unterhandlungen der hiesigen neuen Chartistenclique, wegen eines Besuchs Harneys hier, zum Ziele führten und er mir eines schönen Morgens auf die Kneipe gerückt käme. Ich hoffe, daß Du alles richtig erhalten hast und daß es nicht Unwohlsein ist, was Dich vom Schreiben abhält. Vielleicht sagt Dir der Brief nicht zu oder die Manier, mit der ich ohne weitere Beratung mit Dir sofort auf eigene Faust handelte. Aber gerade deswegen schickte ich ihn Dir ja, und hattest Du etwas auszusetzen, so war nichts einfacher, als dem Harney einfach sagen zu lassen, er solle vorderhand meinen Artikel nicht drucken lassen, und mir den Brief zurückzuschicken nebst Glossen, _which you know would have had all due attention_.[1]

Jedenfalls bin ich Dir noch seit längerer Zeit die Antwort auf die Currency-Geschichte[2] schuldig. Die Sache selbst ist meiner Ansicht nach ganz richtig und wird sehr dazu beitragen, die verrückte Zirkulationstheorie auf einfache und klare _fundamental facts_[3] zu reduzieren. Über die Ausführung in Deinem Brief finde ich nur folgendes zu bemerken:

1. Gesetzt, im Anfang der _period of pressure_[4] stände die Rechnung der Bank of England, wie Du sagst, 12 000 000 Pfund Deposits[5] und 8 Millionen Bullion oder Coin.[6] Um die überflüssigen 4 Millionen Bullion loszuwerden, läßt Du sie den Diskontosatz herabsetzen. Ich glaube, daß sie das nicht zu tun brauchte, und soviel ich mich erinnere, ist die Herabsetzung des Diskontosatzes im Anfang der _pressure_ bisher nie vorgekommen. Meiner Ansicht nach würde die _pressure_ sofort auf die Deposits wirken und sehr bald nicht nur das Gleichgewicht zwischen Bullion und Deposits herstellen, sondern die Bank zwingen, den Diskontosatz zu erhöhen, damit das Bullion nicht unter ein Drittel der Deposits sinkt. In demselben Maße, wie die _pressure_ zunimmt, stockt auch die Zirkulation des Kapitals, der Umsatz der Waren. Die einmal trassierten[7] Wechsel verfallen aber und wollen bezahlt sein. Daher muß das Reservekapital – die Deposits – in Bewegung gesetzt werden – Du verstehst, nicht _qua_ Currency, sondern _qua_ Kapital, und so wird der einfache _Drain of Bullion_[8] nebst der _pressure_ von selbst hinreichen, die Bank von ihrem überflüssigen Bullion zu befreien. Dazu ist nicht nötig, daß die Bank ihren Zinsfuß unter Verhältnissen herabsetzt, die den allgemeinen Zinsfuß im ganzen Lande gleichzeitig steigern.

2. In einer Periode der wachsenden _pressure_ würde, wie ich glaube, die Bank in demselben Maße das Verhältnis des Bullion zu den Deposits steigern müssen (um nicht in Verlegenheit zu kommen), in welchem die _pressure_ zunimmt. Die vier überzähligen Millionen würden ihr ein gefundenes Fressen sein, und sie würde sie so langsam ausgeben wie nur möglich. Bei steigender _pressure_ würde, unter Deinen Voraussetzungen, ein Verhältnis des Bullion zu den Deposits wie 2/5 : 1, 1/2 : 1 und selbst 3/5 : 1 durchaus nicht übertrieben sein, und um so leichter durchzuführen, als mit der Abnahme der Deposits auch die Bullionreserve absolut abnehmen, wenn auch relativ zunehmen würde. Der _run_[9] auf die Bank ist hier ebenso möglich wie beim Papiergeld und kann durch ganz gewöhnliche Handelsverhältnisse herbeigeführt werden, ohne daß der Kredit der Bank erschüttert wäre.

3. „Die Currency wird _zuletzt_ berührt,“ sagst Du. Deine eigenen Voraussetzungen, daß sie infolge des stockenden Geschäftes berührt wird und dann natürlich weniger Currency nötig ist, führen zu dem Schlusse, daß die Currency sich gleichzeitig mit der Aktivität des Commerces vermindert und ein Teil derselben überflüssig wird in dem Maße, wie die _pressure_ steigt. _Fühlbar_ wird sie freilich erst am Ende, bei hoher _pressure_, vermindert; aber im ganzen geht doch dieser Prozeß vom Beginn der _pressure_ an vor sich, wenn er sich auch nicht tatsächlich im einzelnen nachweisen läßt. Aber insofern, als dies _superseding_[10] eines Teiles der Currency _Folge_ der übrigen kommerziellen Verhältnisse, der von der Currency unabhängigen _pressure_ ist, und alle anderen Waren und Handelsverhältnisse _vor_ ihr davon betroffen werden, und ebenfalls insofern diese Abnahme bei der Currency zuletzt _praktisch_ fühlbar wird, insofern wird sie allerdings zuletzt von der Krise berührt.

Diese Glossen, wie Du siehst, beschränken sich rein auf Deinen _modus illustrandi_;[11] die Sache selbst ist vollständig in Ordnung.

Dein F. E.

[1] Denen, wie Du weißt, alle gebührende Beachtung zuteil geworden wäre.

[2] Currency = Umlaufsmittel, Geldwährung.

[3] Grundlegende Tatsachen.

[4] Periode des [Geschäfts-]Drucks.

[5] Einlagen, Einzahlungen.

[6] Bullion = ungemünztes Geldmetall, Coin = Metallgeld.

[7] Gezogenen.

[8] Abfluß von Geldmetall.

[9] Ansturm.

[10] Verdrängung.

[11] Art der Veranschaulichung.

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Mittwoch, 26. Februar 1851.

Lieber Marx!

Dein Brief vom 23., gestempelt 25., kam mir heute morgen zu. Adressiere in Zukunft immer an mich, _care of Messrs._ Ermen & Engels, Manchester. Die Briefe kommen mir sicherer zu und rascher, da ich oft unregelmäßig nach Hause komme und die Postbeamten ohnehin zuweilen die nach meiner Wohnung adressierten Briefe mir ins Comptoir zuschicken, wo ich jedenfalls einmal per Tag bin. Benutze womöglich die erste Londoner Abendpost – bis 6 von Charing Croß, oder bis 1/2-6 in den kleinen Bureaus, die Briefe sind dann sicher den nächsten Morgen um 10 Uhr auf dem Comptoir.

Den Brief von Dronke hast Du vergessen beizuschließen. Schicke ihn mir bald, ich möchte ihm schreiben, speziell um die Korrespondenz mit Lupus wieder anzuknüpfen, von dem ich gar nicht mehr weiß, wo er ist, da ich auf alle meine Briefe keine Antwort erhalte. Wenn Du vorziehen solltest, das Porto für auswärtige Briefe sowie die Frankatur nicht zu tragen, so schicke sie mir zu oder lasse sie an mich adressieren, ich werde es der Firma zuschieben.

Der Constitutionnel sagt, D’Ester sei aus der Schweiz ausgewiesen und habe sie bereits verlassen – _en sais-tu quelque chose_?[1]

Dein Atlas ist gerettet. Ich habe mich schließlich geweigert, ihn zu verkaufen, und behalte ihn einstweilen hier, da ich ihn sehr brauche, ich lese jetzt die Geschichte des Consulats und Empire in französischen und englischen Historikern, speziell militärisch. Das Beste, was ich bis jetzt in dieser _line_[2] gefunden habe, ist W. P. Napiers (jetzt General) _History of the war in the Peninsula_.[3] Der Kerl hat seine Marotten wie alle Napiers, aber daneben enorm viel _common sense_[4] und, was mehr ist, einen sehr richtigen Blick in Beurteilung des militärischen und administrativen Genies Napoleons. Ein Franzose wäre rein inkapabel, so ein Buch zu schreiben. Der Thiers steht, was historische Zuverlässigkeit und selbst richtige Beurteilung angeht, nicht die Laus höher als der elende Tory Southey, _poet laureate_[5] selig, der auch eine Schimpf- und Rodomontiergeschichte des spanischen Kriegs geschrieben hat. Napier streicht nur seinen Obergeneral Wellington zu sehr heraus, doch bin ich noch nicht weit genug in der Darstellung avanciert, um definitiv darüber urteilen zu können.

Die Mitteilungen über die _citoyens_[6] Louis Blanc und Harney werde ich mir _ad notam_ nehmen. Von letzterem habe ich noch nichts gehört. Er muß es übrigens jedenfalls zu fühlen bekommen, wenn er sich wieder meldet. Was den kleinen Blanc angeht, so könnte es nicht schaden, wenn wir bei nächster Gelegenheit einmal seine _œuvres complètes_[7] vornähmen – Du die _Organisation du travail_ und die _Histoire de la Révolution_,[8] ich die _Dix ans, sauf à critiquer ensemble l’Association du travail mise en pratique après Février, et les „Pages d’histoire“_.[9] Ostern komme ich nach London, und da ließe sich schon einiges machen. Die Sachen selbst wären in belgischem Nachdruck hier wohlfeil zu haben. Da mir mein Manöver mit meinem Alten vollständig gelungen ist, wenigstens bis jetzt, so kann ich mich hier definitiv häuslich niederlassen und werde mir ohnehin von Brüssel meine Bücher kommen lassen. Wenn Du Dir vielleicht von Köln einiges kommen zu lassen hast, so lasse mich’s wissen, ich schreibe dieser Tage an Daniels wegen meiner Sachen, und wir können es dann in einem Paket machen lassen. _NB._ Alles, nur keine englischen, auf dem Kontinent nachgedruckten Bücher. Die Entwicklung der Geschichte mit meinem Alten und das neue Manöver, das ich anspinnen mußte, einerseits, um meine Unentbehrlichkeit hier zu verlängern, und zweitens, um mich vor zu großer Überbeschäftigung auf dem Comptoir zu schützen, erzähle ich Dir mündlich, in sechs Wochen ist ohnehin Ostern, und die Sache ist umständlich. So viel ist gewiß, daß mein Alter mir das alles schon in bar bezahlen soll, besonders wenn er erst hier gewesen ist und ich ihn noch mehr hereingeritten habe. Die Schwierigkeit ist die: eine offizielle Stellung als Repräsentant meines Alten den Ermens gegenüber zu bekommen und doch innerhalb der hiesigen Firma _keine_ offizielle Stellung mit Verpflichtung zum Arbeiten und mit Salär von der Firma zu haben. Ich hoffe es aber durchzuführen, meine Geschäftsbriefe haben meinen Alten _enchantiert_,[10] und er rechnet mir mein Hierbleiben als ein großes Opfer an. _Ceci me vaut, ou me vaudra sous peu, £ 5 additionnelles par mois, sauf additions futures._[11]

Dein F. E.

Vergiß nicht, mir zur Ergötzung in meiner Einsamkeit die Kölner Witze zu schicken, sobald Du sie hast und gelesen hast.

[1] Weißt Du etwas darüber?

[2] Richtung, Gebiet.

[3] Geschichte des Krieges auf der Halbinsel [Spanien und Portugal].

[4] Gesunden Menschenverstand.

[5] Preisgekrönter Dichter [Hofdichter].

[6] Bürger.

[7] Sämtliche Werke.

[8] „Organisation der Arbeit“ und „Geschichte der [großen französischen] Revolution“.

[9] [Geschichte der] „Zehn Jahre“, neben gemeinschaftlicher Kritik der [Art, wie die] „Organisation der Arbeit“ nach dem Februar [1848] in die Praxis übersetzt wurde, und der [Schrift] „Seiten aus der Geschichte“.

[10] Entzückt.

[11] Das bedeutet für mich oder wird in kurzem für mich bedeuten fünf Pfund Zulage den Monat, vorbehaltlich späterer Zulagen.

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26. Februar 1851.

Lieber Engels!

Ich habe Dir in den Briefen von Pieper und Schramm die Tatsachen von den Beteiligten selbst erzählen lassen. Du wirst Dir so am besten ein eigenes Urteil bilden. Unbegreifliche _lâcheté_[1] von seiten der 200 _fraternal murderers_, die ihren revolutionären Tatendrang an zwei einzelnen auslassen, unbegreifliche _lâcheté_ des Dear, des Landolphe, des Louis Blanc usw., ruhig zuzusehen und ihre fraternellen Phrasen zu memorieren.

Eins noch aus der Unterredung Schramms mit Harney: Harney hob hervor, daß Schapper ein „langjähriger Bekannter“ von ihm sei und, während wir in Brüssel gewesen, in sehr intimem Verhältnis mit ihm gestanden.

Apropos. Den _ganzen Rapport_ über das Meeting hatten die Herren Louis Blanc und Konsorten _schon den Tag vorher_ an ein Pariser Blatt abgeschickt.

Die gerichtliche Prozedur würde Louis Blanc ruinieren. Du denkst Dir, welches Fressen für die Times, namentlich da _Barthélemy_, der _galérien_, der _meurtrier_[2] usw., als Angeklagter und _provocateur à l’assassinat_[3] erscheinen würde. Barthélemy sagte nämlich mitten in der Keilszene, auf Schramm zeigend: „_C’est un infâme, il faut l’écraser._“[4] – Das Gerichtliche hat nur _den_ schlimmen Effekt: Harneys und Jones’ projektiertes Blatt ist Klatsch, Harney und die Fraternals sind Klatsch, die Times wird jubilieren, Pieper wird seine Stelle verlieren (er ist nobel genug, nichts danach zu fragen) und Schramm usw. werden schließlich doch die gesamten Chartisten auf den Hals brechen. _Que faire?_[5] Ich werde morgen mit Jones darüber sprechen. Freund Harney scheint sich mit Schapper darauf zu verlassen, daß die Sache ruhig vorübergeht. Er hat es daher nicht der Mühe wert gehalten, die nötigen _steps_[6] uns gegenüber zu tun und die nötigen Konzessionen zu machen. Der Esel erschwert so die Situation. Ungerochen kann man diesen Dreck doch nicht vorübergehen lassen.

Wenn Harney Dir schreibt, nimm Dich nur vor einem in acht. Du hast in Deinem Brief zu sehr verweilt auf der theoretischen Kritik Ledru-Rollins und Louis Blancs. Harney macht jetzt, als verlangten wir, daß er unsere _queue_[7] bilden solle. Es ist ihm vor allem vorzuhalten:

1. daß es sich _ganz allein_ handelt um sein Verhältnis zu Schapper und Willich, indem er unseren direkten persönlichen hundskommunen Feinden sich als _Anhang_ konstituiert hat und, so viel Gewicht er hat, für sie gegen uns in die Wagschale vor Deutschland geworfen. Und hatte er nicht _mit uns schriftlich_ die Verbindung mit Vidil, mit Barthélemy und mit Willich abgebrochen? Und wie konnte er sie aufnehmen ohne uns, _hinter unserem Rücken_ und _wider_ unseren Willen! Wenn das fair ist, so begreife ich es nicht.

2. Er hat _uns verleugnet_, indem er _nach_ dem Vorfall mit Schramm und Pieper nicht sofort öffentlich in dem Meeting eine Revanche gab und dann sich sofort zurückzog. Statt dessen tut er bei seinen Freunden alles, um die Sache irrelevant darzustellen.

Einliegend den Brief von Dronke. Du wirst ihm ausführlich die ganze Schmiere, das Neueste eingeschlossen, schreiben. Ich habe eine Masse nach Köln, Hamburg usw. zu schreiben.

Wenn heute der Brief nicht frankiert ist, mußt Du entschuldigen. Es ist zu spät, nach _stamps_[8] auszugehen, und es ist notwendig, daß der Brief noch heute abend auf die Post kommt.

Dein K. Marx.

[1] Feigheit.

[2] Der Galeerensträfling, der Mörder.

[3] Aufreizer zum Mord.

[4] Das ist ein Schandbube, man muß ihn zertreten.

[5] Was ist zu tun?

[6] Schritte.

[7] Schwanz, Anhang.

[8] Briefmarken.

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[Undatiert, jedenfalls 26. Februar 1851.]

Lieber Marx!

Soeben finde ich Deinen zweiten Brief vor. Ich habe sofort einen zweiten an Harney geschrieben; wenn Du ihn billigst, laß ihn ihm gleich zukommen. Diese Schweinerei ist zu arg, und er muß es fühlen. Wenn er sich mit den anderen assoziiert, _tant pis pour lui, I care the devil_.[1]

Nachts 1 Uhr. Mittwoch.

Dein F. E.

Ich habe keine _stamps_,[2] und da ich den Brief jetzt noch zur Post trage, kann ich ihn nicht mehr frankieren.

[1] Um so schlimmer für ihn, ich frage den Teufel nach ihm.

[2] Briefmarken.

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Donnerstag, 27. Februar 1851.

Lieber Marx!

Gestern abend 12 Uhr, als ich nach Hause kam und Deinen Brief mit der Erzählung der Infamie gegen Schramm und Pieper vorfand, schickte ich Dir sofort einen Brief für Harney. Du wirst diesem Brief, der unsicheren Handschrift, der pathetischen Entrüstung, dem polternden und stolpernden Gedankengang und der nicht sehr großen Harmonie des Ganzen angesehen haben, daß er unter dem Einfluß einiger Gläser starken Rumpunsches abgefaßt war, die ich den Abend ausnahmsweise zu mir genommen hatte, und ihn daher nicht abgeschickt haben. _In fact_,[1] ich war so wütend, daß ich nicht hätte zu Bett gehen können, ohne ihn abzuschicken, und so rannte ich, mehr um mich selbst zu beruhigen, als in der Absicht, dem Harney meine Meinung schleunigst zukommen zu lassen, noch um 1 Uhr auf die Post. Du wirst den Brief heute gegen Mittag bekommen haben, und da heute vor Abend keine Post ist, so war es mir unmöglich, einen zweiten Brief vor dem gegenwärtigen abzuschicken. Ich schließe Dir nun einen verbesserten Brief an Harney bei, den Du ihm zustellen willst, wenn Du, wie ich hoffe, den ersten noch nicht spediert hast.

Briefe adressiere mir zukünftig wie folgt:

1. Alle Briefe, die Du vor 6 Uhr abends auf das Charing Croß Office, oder vor 1/2-6 auf die Nebenbureaus besorgst, aufs Kontor (Ermen & Engels). Ich habe sie dann morgens um 10.

2. Alle Briefe, die Du _nach_ 6 Uhr abends noch aufgibst, nach Great Duciestreet. Ich habe sie dann nächsten Abend um 6 Uhr, während ich sie auf dem Comptoir erst den [über]nächsten Morgen haben würde.

Hühnerb[ein] schrieb mir dieser Tage. Mirbach ist glücklich durchgebrannt und geht von Paris [mit] seiner Frau nach Athen.

Dein F. E.

[1] In der Tat.

66

Freitag 28. Februar 1851.

Lieber Marx!

Heute morgen erst kam Dein Brief von vorgestern an. Hätte ich diese Details alle schon gestern gehabt, ich hätte dem _dear_[1] Harney noch ganz anders geschrieben. Aber er wird mir schon kommen, und da werd’ ich’s ihm geben.