Part 33
Er war alt, sein Leben vernichtet, zermürbt, untergraben, zerstört, ohne Sinn, ohne Hoffnung, ohne jede Hoffnung! Er besaß nur noch sie, sie allein -- sonst nichts mehr.
Und er liebte sie! Ja, Ruth, es ist die Wahrheit, ich liebe dich!
Das alles wollte er ihr sagen, sobald er sie traf. Und er würde sie finden, ohne jeden Zweifel! Morgen, in aller Frühe schon, würde er sich wieder auf den Weg machen. Sie war ja hier, hier in der Stadt, Wunderlich hatte sie schon zweimal gesehen.
Ja, all das, all das. Und er würde sie _bitten_ -- nie in seinem Leben hatte er einen Menschen um etwas gebeten . . . Forderte sie es, von ihrem alten Vater -- bestand sie darauf -- nun wohl, so war er bereit, sich zu -- _demütigen_ . . .
Plötzlich taumelte der General, so stark, daß er in einen Sessel fiel. Er griff nach der Brust. Sein Herz --? Was war es --?
In diesem Augenblick aber schrillte die Klingel, zweimal, dreimal, lang, herausfordernd -- die Haustürklingel.
Schritte kamen durch den Korridor.
Aber schon stand der General unter der Türe. »Öffnen Sie nicht!« rief er, zitternd in seinem weiten Mantel.
Dumpf grollte es in der Ferne -- ein Geschütz hatte in der Stadt gefeuert.
»Ich werde selbst -- gehen Sie ruhig schlafen«, stammelte der General und Therese schlich wieder in ihre Küche zurück. Immer noch schmerzte das Herz in der Brust. Allmählich erst hörte es auf zu zucken. Nun erst ging der General zur Haustüre und bot seine breite Brust der Finsternis dar. Niemand. Aber dort drüben, im Park, schlichen da nicht Gestalten?
Schüsse klatschten, und wieder feuerte ein Geschütz in der Stadt.
»Sie zerfleischen sich -- wie Wölfe«, dachte der General. Und laut rief er in die Dunkelheit hinein: »Ist jemand da?«
»Hahaha!« lachte es aus der Finsternis.
»_Hier bin ich! Was wollt ihr von mir?_«
»Hahaha!« Ganz fern.
Niemand. Er verschloß die Türe.
* * * * *
Ein Schritt raste die dunkle Straße entlang. Nein, nicht ein Schritt, ein Rudel von Schritten. Hinter dem einen rasenden Schritt her jagte eine Meute klappender Schritte. Geschrei.
Da setzte der Schatten eines schmächtigen Menschen über die Straße und verschwand im Gebüsch des Parkes. Ein Rudel von Schatten setzte hinter ihm her. »Haltet ihn, haltet ihn, den Spitzel!«
Die Stimmen verloren sich.
Kunze keuchte. Eine Sekunde noch und er wäre zusammengestürzt. Meilenweit hatten sie ihn gejagt und alle Wachtposten hatten auf ihn geschossen.
In Schweiß gebadet warf er sich auf den Boden. Da begann der ganze Park wie ein Hammerwerk zu pochen. Lob und Dank dem Herrn, sie hatten seine Spur verloren -- ihre Stimmen klangen ferner und ferner. Ein Schrei -- vielleicht hatten sie einen andern niedergeschlagen?
Noch keuchte die Brust, und schon begann Kunze wieder zu laufen. Durch den ganzen finstern Tiergarten eilte er. Furchtsam mied er Wege, ob sie breit oder schmal waren. Endlich kam er in eine Gegend des Parkes, die Sicherheit verbürgte. Es war dicht hinter dem Zoologischen Garten.
Eifrig spähte er in die dunkeln Baumwipfel empor -- ja, hier, dieser war der richtige. Ein einladender Ast, nicht allzu hoch über der Erde, aber doch hoch genug, gerade was er suchte. Hinauf, schon war der Strick festgemacht, die Schlinge gebunden. So. Und nun rasch! Keine Stunde länger war dieses Leben zu ertragen -- ja, schade, er hatte nicht einige Autos zur Verfügung, um über die Grenze fahren zu können --
Nur noch eine Sekunde, bitte, bis er Atem geschöpft hatte -- und dann: hinab!
In der letzten Nacht hatte er in einer Kanalisationsröhre geschlafen; in der Lindenstraße, vorgestern in einer Sandkiste beim Halleschen Tor. Einmal hatten sie ihn schon gefangengenommen -- nein, nein. Schluß! Eine Sekunde nur -- und dann: hinab!
Die Schlinge um den Hals saß er da, dampfte und keuchte -- zu seinem Schrecken gewahrte er jetzt, daß er sich ganz in der Nahe eines Weges befand.
Dunkel und schweigend lag der Tiergarten. Eigentlich, bei rechtem Licht besehen, ein Park für Selbstmörder, nicht wahr? Eine rührende Vorsorge der Stadtverwaltung! Jede Nacht erschoß sich hier jemand, erhängte sich irgendeiner -- fast gab es keinen unbesetzten Baum mehr. In der Ferne, aus der dunkeln Stadt prasselte Gewehrfeuer, und dann und wann dröhnte ein Kanonenschuß. Sie kämpften. Es war nicht gut, ihnen gerade jetzt in die Hände zu fallen . . .
Schwarze, gespenstische Wolken jagten über den kahlen Baumwipfeln dahin. Das welke Laub raschelte. Zuweilen hörte er auf seinem Ast auch Stimmen und Gelächter bald näher, bald ferner -- und Gesang. Gesang. Dann wiederum Schüsse. Und sonderbare Laute, Miauen und Bellen, drangen aus dem Zoologischen Garten.
So also sollte er enden! Was würde sein Vater, der Pastor sagen? Ein _Selbstmörder_ in der Familie! Schande, Schmach -- Heimsuchung des allmächtigen Vaters im Himmel! -- Luxus, schöne Frauen -- und der Ruhm? Es war nichts damit geworden, nein. Gerade als der Krieg ausbrach wollte er zur Bühne gehen. Hamlet! Den ganzen Hamlet kannte er auswendig.
»Sein oder Nichtsein --« flüsterte er und hob die Arme.
Beinahe wäre er von seinem Ast gefallen.
Dahinwandeln im Licht der Rampe, bewundert, umrauscht vom Beifall -- Briefe schöner Mädchen und Frauen -- alles nichts.
Und nun -- das Seitenstechen hatte aufgehört -- und nun . . .
Da aber hörte er Schritte knirschen. Er erstarrte vor Entsetzen. Kamen sie wieder? Weshalb hatte er auch solange gezögert?
Zwei Schatten wanderten über den Weg nebenan. Plötzlich bogen sie in die Büsche ein. Sie schlichen näher, immer näher. Ja, sie kamen zu ihm, beim Himmel. Seine Haare sträubten sich. Er wagte nicht mehr zu atmen.
Ein Mann und eine Frau, sie lagerten sich unter seinem Baum. Etwas Weißes schimmerte, Flüstern, Küsse, Lachen, Geplauder -- leise Schreie -- eine volle Stunde mußte er ohne jede Bewegung sitzen. Endlich gingen sie wieder.
Nun aber wollte er keine Minute mehr versäumen!
Die Dunkelheit begann zu sprühen. Augen öffneten sich in der Finsternis, erschrockene, entsetzte Augen -- ja zumeist entsetzte -- wenn die Hand des Gesetzes ausholte! Auch die Augen jenes jungen Mannes, der auf dem Straßenpflaster lag, noch etwas atmete und rief: Alle Völker sind Brüder!
Ja, auch diese Augen . . .
Kunze weinte. Und plötzlich sprang er, ohne Überlegung, -- ein scharfer Schmerz schnitt in seinen Hals: zu Ende, vorbei --
Aber einen Augenblick später saß Kunze im feuchten Gras. Er konnte es nicht fassen, anfangs -- der Strick war gerissen.
Weinend lief er durch den dunkeln Park, den Strick um den Hals.
9
Der General steht über die Karte gebeugt, entschlossen und eisig seine Miene. Lautlos tritt der Chef des Stabes ins Zimmer. Schon beginnen die Autos und Motorräder der Befehlsüberbringer zu dröhnen und zu rasseln. Der Boden zittert vom Feuer, dicht nebenan schlagen die Geschütze, als würden Türen aus Erz ins Schloß geschleudert.
Alles ging gut!
Der Gegner, sein Gegner da drüben, dieser Halunke mit dem Käppi und dem weißen Spitzbart, hatte ihm die Höhe durch Überraschung genommen, mitten in der Nacht. Aber er hatte sich verrechnet! Schon taumelten die Soldaten von ihren feuchten Strohlagern, schon rollten die Autobusse, die Hölle wollte er ihm bereiten. Bevor die Sonne aufging, war die Höhe wieder in seiner Hand.
Es ging vorzüglich, schon hatten die Jäger das Labyrinth -- das Hauptfort der Höhe -- wieder seinen Zähnen entrissen. Aber irgend etwas war doch auffallend -- plötzlich schienen es weniger Offiziere zu sein. Im Vorzimmer war überhaupt niemand. In der Schreibstube arbeiteten im ganzen zwei Leute.
Doch auffallend! Wo ist der Chef des Stabes? Der General klingelte. Niemand kam. Er stieß ungehalten die Tür auf: niemand! Wieder ging er in das Schreibzimmer, der Telegraph tickte -- aber niemand! Die Kanonen schlugen weniger laut.
Wo waren sie hin, das Gewimmel von Offizieren, Adjutanten, Schreibern, Ordonnanzen? Das ganze Schloß mit seinen hundert Sälen war leer und finster. Im Schein des. Geschützfeuers suchte er seinen Weg. Bilder, Möbel, Spiegel, die rot aufglühten.
Kein Mensch!
Er war allein.
Bestürzt eilte er vor das Portal. Kälte, Nacht. Der Boden gefroren, ein eisiger Wind, die Bäume kahl und spitz. Ringsum, der ganze Horizont ein Feuermeer.
Aber kein Lärm!
Über die Parkmauer fuhr von Zeit zu Zeit ein Feuerbalken. Die Haubitzen standen dahinter, richtig. Der General eilte. Eben schwankte in der Dunkelheit ein Rohr, Glut blies in die Nacht -- aber kein Mensch und kein Laut! Der General strich entsetzt um das Geschütz -- keine Seele -- was war das --?
Wieder taumelte das Rohr, und im Schein des Abschusses sah der General das große dunkle Schloß zusammenstürzen, das Dach stürzte, die Säulen, das Portal -- aber kein Laut.
Entsetzen schüttelte ihn. Er schrie auf.
Da erwachte er. Seine Augen wanderten über die Wände.
Erst nach geraumer Zeit fand er sich zurecht. Er saß in seinem Arbeitszimmer, in seinem Sessel, genau wie vor wenigen Minuten. Sonderbar, die Uhren gingen, die Pendel schwangen, aber er hörte sie nicht mehr ticken.
Seine Lider waren schwer wie Blei, die Glieder wie gelähmt. Was geschah mit ihm? Müde, müde.
»Ich bin müde«, sagte er mit schwerer Zunge.
»Ich bin sehr, sehr müde!«
Er wollte aufstehen, aber er blieb dennoch sitzen. Vor seinen Füßen lag ein Schreibheft, ein dünnes beschmutztes Notizheft. Ach, ja, es waren die letzten Aufzeichnungen Kurts, seines ältesten Sohnes -- gefallen bei Comble in der Sommeschlacht, ruhmvoller Verteidiger der Riegelstellung. Nun erinnert er sich: er hatte es aus dem Geheimfach genommen und wieder gelesen -- wie in vielen, vielen einsamen Nächten. Feuer, Entbehrungen, Schrecken, Tod . . .
»Und alles umsonst?« flüsterte der General und schüttelte fassungslos den Kopf.
»Alles umsonst!«
»Wie, wie, wie?«
»Ein Volk von Bettlern!?«
»Ein Volk von Sklaven!?«
»Ausgelöscht von der Erde, in den Schmutz getreten!«
»Alles, alles umsonst!«
»Ach!«
Der General stöhnte. Er schlug die weißen Hände vor das weiße Gesicht.
Er erhob sich. Aber die Beine trugen den schweren Körper nicht mehr. Er sank wieder in den Sessel zurück. Die bleischweren Lider fielen herab -- Bilder zogen vor seinen Augen. Und doch war er wach, träumte er nicht. Deutlich erinnerte er sich, daß er soeben die Aufzeichnungen Kurts gelesen hatte. Das Schreibheft lag vor ihm auf dem Boden.
Nun also stieg er mit dem kleinen alten Mann, dem zudringlichen, der sich nicht abweisen ließ, die Höhe hinan. Er hatte seine Hand ergriffen, und sie gingen beide bergan -- und doch wußte er, daß er in seinem Arbeitszimmer saß!
»Sie wollen also durchaus hinauf, haben keine Furcht?«
»Nein, keine Furcht.«
Aber die Höhe war nicht dunkel, obschon es mitten in der Nacht war, sie war matt erhellt. Nicht leblos und starr war sie -- sie wimmelte von Menschen. Scharen standen hier, Mann an Mann, in ihren grauen Mänteln, die ganze Kuppe war besetzt von ihnen. Ein Wall von grauen Mänteln links und rechts. Tausende und aber Tausende, alle bleich, fahl, leichenfarben.
»Herbst, nicht wahr?«
»Ja, Herbst.«
»Und wie war doch der Vorname?«
Und laut schrie er: »Der Jäger Robert Herbst vortreten!«
»Hier!«
»Hier! -- Hier! -- Hier --!«
Ringsum, überall schrien die rauhen Soldatenstimmen: Hier, hier! Alle --!
Ja, sonderbar -- so deutlich hörte er die Feldgrauen rufen, und doch wußte er genau, daß er in seinem Sessel saß.
Das weiße Gesicht des Generals ist auf die eisige Hand herabgesunken. Seine Augen sind ohne Blick. Ja, eigentümliche Bilder ziehen vor seinen blicklosen Augen, fließen, unaufhörlich, ohne Ende -- eigentümliche Bilder . . .
Plötzlich greifen die weißen Hände des Generals wild in die Luft, und schon steht er aufrecht mitten im Zimmer.
Ein Gesicht ist erschienen: _das Gesicht einer weinenden Frau_ . . .
Seine hellen, großen Augen blenden. Deutlich unterscheidet er wieder die Gegenstände im Zimmer. Deutlich sieht er wieder die dunkeln Gemälde an der Wand -- jedes einzelne. Offiziere alle, Militärs, in Uniformen, mit Ordenssternen geschmückt, den Degen an der Seite, alle die gleichen breiten Gesichter, soliden Brustkörbe: alle Hecht-Babenbergs. Und jener Einarmige, über der Türe, das ist Jochen Friedrich Wilhelm Ernst Hecht-Babenberg, der nach dem Dreißigjährigen Kriege das Stammgut erwarb und den Wahlspruch des Geschlechts prägte: Lorbeer und Land!
Verschwunden ist plötzlich alle Müdigkeit!
Der General wankt in seinem weiten Feldmantel durch die Räume, wankt, schwankt, taumelt, aber er fühlt es nicht. Sein Mantel weht. Oft muß er sich mit den Händen an der Wand stützen. Aber er fühlt es nicht. Für ihn gibt es keine Wände mehr.
Die Wände sind verschwunden, er blickt, weit, weit, unendlich weit!
Er sieht -- oh, ungeheures Schauspiel: die Welt in Flammen!
Ja, die Welt in Flammen! Europa, Asien, die Reiche der Mongolen, Afrika, die Reiche der schwarzen Völker, Amerika, alles in Flammen! Und durch Rauch und Flammen kriechen sie: sieh! Ja, sie sind es! Nun sind sie Wirklichkeit geworden! Riesenhaft, Städte aus Stahl, Riesenkreuzer kriechen durch den Rauch der brennenden Welt. Sie starren vor Geschützen, sie werfen Flammen, bis hinter den Horizont schleudern die Pumpen das brennende Öl. Ihre Schuppenräder zermalmen Städte und zertreten Ströme. Ringsum funkelt der Horizont wie schwarze Kohle. Ein brennender Kontinent schmilzt ins Meer.
So! So! So! Ja, das waren sie!
Aber nun kam sie selbst, die Armee, unendlich wie die Wellen des Meeres. Regiment an Regiment, die Waffen klirren, so ziehen sie an ihm vorüber.
Fester hüllt er sich in den Mantel. Eisig pfeift der Wind! Die Luft ist gefroren, Eis, schon klafften Spalten in der Luft, wie in Gletschern, aber die Armee marschiert. Ihr Schritt donnert.
Da, da -- dort!
Die Stadt! Dunkel, finster, qualmend. Und deutlich sind die roten Flaggen zu sehen, die über der finsteren, qualmenden Stadt wehen. Ganz deutlich! Frech flattern die Fahnen der Rebellen.
Der General hebt die Hand -- Angriff! -- und die Armee, unendlich, unübersehbar, wälzt sich der qualmenden Stadt entgegen.
Eisig aber, entsetzlich eisig, scharf wie Gift bläst der Wind, und dichter, immer dichter, hüllt der General sich in den Mantel. Schon zerfrißt die Kälte den Stoff, Stücke lösen sich. Schon zerfrißt die Kälte die Haut, die sich aufrollt, schon zerfrißt die Kälte die Lungen . . .
10
Niki sang sein Morgenlied, aber der General erhob sich nicht.
Eingehüllt in seinen grauen Feldmantel lag er da. Seine Augen standen offen -- was sahen sie?
* * * * *
Endlos bewegt sich der schwarze Strom des Volkes dahin, langsam, die roten Fahnen wogen. Die Musikkapellen spielen Trauerweisen, Bataillone von Soldaten, Bataillone von Matrosen. Berge von Blumen. Unter diesen Bergen von Blumen liegen die Opfer der Freiheitskämpfe.
Zur gleichen Stunde setzte sich der mit schwarzen Tüchern behangene Trauerwagen mit dem Sarge des Generals in Bewegung. Hauptmann Wunderlich, in einem einfachen Soldatenmantel, an seinen Krücken humpelnd, gab ihm das Geleite zum Bahnhof. Niemand sonst. Nein, niemand.
Mitten in der Stadt gab es einen Aufenthalt. Der Wagen mit dem Sarge des Generals war dem großen Trauerzug des Volkes begegnet, der die Stadt überschwemmte.
Unaufhörlich wälzt sich der dunkle Trauerzug dahin. Kaum ist eine der ungezählten Kapellen außer Hörweite, so wird schon die folgende vernehmbar. Stunden vergehen.
Wunderlich setzt sich mit seinen Krücken auf die Straße.
Ja, endlos, endlos, in Wahrheit! Ein Meer von Menschen wälzt sich vorüber. Wogen von Blumen über dem wallenden Menschenmeer. Gleichmäßig, ohne jede Eile, wandert der Schritt der Hunderttausend dahin, die Stadt beginnt zu dröhnen, zu donnern --
Hoch über dem Strom der Köpfe aber zieht Ackermanns Geist dahin!
»Mein Volk, meine Liebe und meine Sehnsucht fliegen vor dir her! Wirst du auserwählt und berufen sein unter den Völkern der Erde? Sieh, wie sie funkeln am Firmament des Gedankens, deine großen Geister, sie blicken auf dich! Auf, auf! Auf den Weg . . .«
Endlich wurde die Straße frei. Der mit schwarzen Tüchern behangene Wagen mit dem Sarge des Generals setzte sich wieder in Bewegung, und Wunderlich nahm seine Krücken und humpelte hinter ihm her.
Schon dunkelte es, schon sanken die finstern Nebel über die Straßen. Schon begann das Gewehrfeuer wieder zu knattern in der von Finsternis erfüllten Stadt.
Werke von Bernhard Kellermann
Yester und Li Roman / 142. Auflage
Ingeborg Roman / 100. Auflage
Der Tor Roman / 46. Auflage
Das Meer Roman / 76. Auflage
Der Tunnel Roman / 217. Auflage
Der Krieg im Westen Kriegsberichte / 20. Auflage
Buchdruckerei Julius Klinkhardt in Leipzig
Anmerkungen zur Transkription
Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt (vorher/nachher):
[S. 19]: ... Tages stand sie ohne einen Pfennig da -- vis-a-vis de rien! ... ... Tages stand sie ohne einen Pfennig da -- vis-à-vis de rien! ...
[S. 38]: ... das Reich Karls des Großen wieder errichten. ... ... das Reich Karls des Großen wieder errichten.« ...
[S. 50]: ... Während der Tango kollerte, gurrte, kleine wolllüstige ... ... Während der Tango kollerte, gurrte, kleine wollüstige ...
[S. 65]: ... auszudenken. -- ... ... auszudenken. --« ...
[S. 95]: ... »Ja, eine hübsche Lage, Herr -- Herbst, nicht wahr? ... ... »Ja, eine hübsche Lage, Herr -- Herbst, nicht wahr?« ...
[S. 143]: ... nicht. Hähnleins alte Litanei -- die Litanei des Elend ... ... nicht. Hähnleins alte Litanei -- die Litanei des Elends ...
[S. 179]: ... der Hand, vor seinem Herrgott treten mußte. ... ... der Hand, vor seinen Herrgott treten mußte. ...
[S. 188]: ... diese erschreckend realistische Aufnahme Besuchen zu zeigen. ... ... diese erschreckend realistische Aufnahme Besuchern zu zeigen. ...
[S. 208]: ... Haremsdamen, Odolisken in Seide, Tüll, Schleiern, ... ... Haremsdamen, Odalisken in Seide, Tüll, Schleiern, ...
[S. 328]: ... es war ihm unmöglich gewesen, den bedingslosen Glauben ... ... es war ihm unmöglich gewesen, den bedingungslosen Glauben ...
[S. 366]: ... für den Kognak! Es war ein Freude. Wir hatten zwei ... ... für den Kognak! Es war eine Freude. Wir hatten zwei ...
[S. 427]: ... schmilzen. Ein paar große Wachsperlen rinnen über die ... ... schmelzen. Ein paar große Wachsperlen rinnen über die ...
[S. 434]: ... sich, der Tritt der Hunterttausend, unter dem das ... ... sich, der Tritt der Hunderttausend, unter dem das ...
[S. 448]: ... Ihre armselige Uniformen verbergen gräßliche ... ... Ihre armseligen Uniformen verbergen gräßliche ...
[S. 460]: ... Sie jagten dahin, zu Hunderttausenden zusammengegedrängt ... ... Sie jagten dahin, zu Hunderttausenden zusammengedrängt ...
[S. 472]: ... spielen Trauerweisen, Bataillone von Soldaten, Battaillone ... ... spielen Trauerweisen, Bataillone von Soldaten, Bataillone ...