Das Wirken der Seele: Ideen zu einer organischen Psychologie

Part 8

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Differenzierung und Integrierung sind auch für das Verhältnis des +Einzelgeistes+ zum +Gesamtbewußtsein+ charakteristisch[48]. Ein isolierter, absolut selbständiger Individualgeist ist nirgends zu finden, von Anfang an bildet das Einzelbewußtsein ein Glied eines Zusammenhanges, der durch die +Wechselwirkung gleich gearteter Individuen+ entsteht und sogleich auf die letzteren zurückwirkt. Erst +innerhalb+ des sozialpsychischen Verbandes erfolgt die immer weiter gehende Differenzierung der Individualseelen bzw. bestimmter Gruppen von solchen, eine Differenzierung, die so weit gehen kann, daß ein +Gegensatz+ zum Gesamtgeist entsteht. Aber diese psychische Differenzierung, die durch die Verschiedenheit der Lebensweise, des Berufes, des Milieu, der Erlebnisse usw. erfolgt, ist von einer Integrierung begleitet, indem der gleiche Beruf usw. einen gemeinsamen Berufs- und Korpsgeist erzeugt. Auf die Abtrennung der Individualitäten vom Gesamtbewußtsein folgt eine neue Bindung durch das letztere, ein +Gesamtbewußtsein höherer Stufe+ mit wachsender Bewußtheit des Zusammenhanges, mit Überwiegen des willentlichen Aneinanderschließens und Kooperierens vor dem zuerst rein triebmäßigen Zusammengehörigkeitsgefühl. Auf die, wie +Tönnies+ sagt, vom »Wesenwillen« beherrschte naturhafte »Gemeinschaft« folgt die durch mehr äußere Interessen und durch »Willkür« bedingte »Gesellschaft«, der aber, fügen wir hinzu, sich allmählich weitergreifend und verinnerlichend, eine von einem +neuen Wesenwillen+ beherrschte, +kulturelle Gemeinschaft+ im Denken, Fühlen, Wollen und Handeln sich überlagert. Zwischen Gesamt- und Einzelbewußtsein findet eine beständige +Wechselwirkung+ statt. Einerseits wächst das Einzel-Ich in eine ihm als objektive Macht von Anfang an gegenüberstehende Gesamtheit hinein, durch deren Tendenzen es mehr oder weniger beeinflußt wird, abgesehen von dem Niederschlage kollektiv-psychischen Lebens, welches in Form von Dispositionen vom Individuum ererbt wird; der Gesamtgeist wirkt durch Erziehung, Zwang der Sitte, Nachahmung u. dgl. auf das Individualbewußtsein, in dem er schon partiell der Potenz nach enthalten ist, ein. Die aus dem »Gesamtgeist« differenzierten »Individualseelen« modifizieren ihrerseits den Gesamtgeist fortwährend, besonders die »führenden Geister«, welche einerseits der klarste und kräftigste Ausdruck von Tendenzen und Idealen des Gesamtgeistes, anderseits die relativ originellen Neugestalter des Gesamtgeistes sind. Endlich stehen die Gebilde des Gesamtgeistes: Recht, Wirtschaft, Religion usw. in Wechselwirkung miteinander, und zugleich besteht eine Entwicklung innerhalb jedes dieser Gebilde[49]....

Die Entwicklung der Einzel- wie der Gesamtpsyche ist eine »gesetzliche«. Freilich kann hier nicht von Gesetzen im Sinne der Physik, sondern eben nur von +Entwicklungsgesetzen+, die hier den Charakter +typischer Sukzessionen+ haben, denen die kausal-teleologische Wirksamkeit des Psychischen zugrunde liegt, die Rede sein. Differenzierung und Integrierung, Auseinandertreten des relativ homogenen Erlebens in eine Mannigfaltigkeit gesonderter Bewußtseinsvorgänge und darauf folgende Zusammenfassung zu einheitlichem Zusammenhange -- das ist etwas, was die psychische mit der biologischen Entwicklung gemein hat. Ebenso finden wir das Prinzip der »Heterogonie der Zwecke« schon in der biologischen Sphäre, wo es freilich schon mit psychischen Faktoren zusammenhängt. Charakteristisch für das Psychische ist vor allem die +Entwicklung in Gegensätzen+, welche vom +Kontrastprinzip+ beherrscht wird und mit der Natur des Gefühls- und Willenlebens zusammenhängt. Dadurch nämlich, daß sich Gefühle und Strebungen zu höchster Stärke und Wirkung ausleben, findet eine Übersättigung und Abstumpfung der Psyche statt, die nun, des Alten überdrüssig, nach Neuem, nach Veränderung ihres Zustandes strebt. Da nun das Bewußtsein des Neuen vorzüglich durch die gegensätzlichen Strebungen, die infolge des Nachlassens der älteren an Kraft gewinnen, konstituiert wird, so ist der Umschlag der Tendenzen ins gerade Gegenteil, der Übergang von einem +Extrem+ zum andern leicht verständlich[50]. Besonders zeigt sich eine solche Entwicklung im +geschichtlichen+ Geistesleben, im Wechsel z. B. von Moden, von künstlerischen Richtungen, von politischen oder religiösen Strömungen. Die Gegensätze folgen einander nicht bloß in der Zeit, sondern auch in einer und derselben Periode ruft das eine Extrem leicht das andere, gegensätzliche hervor, so daß z. B. nüchternste Wirklichkeitsbetrachtung auf der einen Seite mit Mystik und Aberglauben auf der andern in derselben Zeit zusammengehen können. Indem zur Thesis sich sogleich die Antithesis gesellt, fehlt es freilich auch fast nie an einer »mittleren Linie« der Geistesstimmung, an der Synthese von Extremen, bald in eklektischer Weise, bald aber auch in organischer, schöpferischer Form, die sich dann weiter entwickelt und, wenigstens als Tendenz, den Extremen Konkurrenz macht, wie dies besonders das Beispiel philosophischer Systeme oder Theorien lehrt. Da die Synthese nie absolut, nie vollendet ist, da in den synthetischen Versuchen immer wieder neue Einseitigkeiten vorkommen, kommt das Geistesleben nie zur Ruhe, sondern mit einer gewissen +Periodizität+ kommen die gleichartigen Tendenzen immer wieder, um freilich immer neue Modifikationen psychischer Gebilde zu erzeugen. Selbsterhaltung im Wechsel hier wie überall! Jene Tendenzen, welche zu ihrer Zeit durch andere verdrängt wurden, kommen wieder auf, wenn die Verhältnisse günstiger geworden, und dies wiederholt sich so lange, +bis alle Potenzen der Psyche zur Entfaltung gekommen+, bis alles in ihr Angelegte sich verwirklicht hat, bis alle Willensrichtungen und Ideen sich »ausgelebt« haben. Beharrungs- und Veränderungstendenz wirken hierbei stets zusammen, indem bald mehr die eine, bald mehr die andere überwiegt.

Anmerkungen.

Zu I.

[1] Den Aktualitätsstandpunkt nehmen ein: +Spinoza+, +Hume+, +Fichte+, +Schopenhauer+, +Fechner+, +Paulsen+, +Wundt+, +Joël+, +J. St. Mill+, +Spencer+, +Höffding+, +Jodl+, +Jerusalem+, +Mach+, +Fouillée+, +Bergson+, +Luquet+ u. a. Nach +Wundt+ ist das geistige Leben »nicht eine Verbindung unveränderter Objekte und wechselnder Zustände, sondern in allen seinen Bestandteilen Ereignis, nicht ruhendes Sein, sondern Tätigkeit, nicht Stillstand, sondern Entwicklung« (Vorlesungen über die Menschen- und Tierseele {2}[C], S. 495). Die innere Erfahrung ist »ein Zusammenhang von Vorgängen« (Grundriß der Psychol.).

[C] Diese Ziffern bedeuten die Auflage des angeführten Werkes.

[2] Vgl. meine Schrift »Leib und Seele«, Leipzig 1906.

[3] Die reine Zeitlichkeit des psychischen Geschehens, die Stetigkeit desselben, das wir erst zu einer Summe von Elementen veräußerlichen, betont neuerdings +H. Bergson+.

[4] Vgl. +Lachelier+, Psychologie und Metaphysik; +Busse+, Geist und Körper, u. a.

[5] So +Huxley+, +Ribot+ u. a.

[6] Vgl. die Kritik der Epiphänomen-Theorie bei +Fouillée+, Der Evolutionismus der Kraft-Ideen, Leipzig 1907; +Busse+, Geist und Körper.

[7] Vgl. +Wundt+, Grundriß der Psychol. {5}, S. 3ff.

[8] Vgl. +L. W. Stern+, Person und Sache I.

[9] Eine parallelistische Identitätslehre vertreten in verschiedener Weise: +Schopenhauer+, Welt als Wille und Vorstellung 1, § 18ff.; +Fechner+, Zend-Avesta II, 164f.; I, 252f.; Über die Seelenfrage, S. 9ff., 110ff., 220f.; +Paulsen+, Einleit. in die Philosophie, S. 115; +Ebbinghaus+, Grundz. der Psychologie I, 42f.; +Heymans+, Einführung in die Metaphysik, S. 227ff.; +Ziehen+, Über die allgem. Beziehungen zwischen Gehirn und Seelenleben, 1902; +Wundt+, Grundriß der Psychol. {5}, S. 2ff.; Grundzüge der physiolog. Psychologie, II {4}, 648; +B. Kern+, Das Wesen des menschlichen Seelen- und Geisteslebens, 2; +Höffding+, Psychologie 2, C. 2; +Riehl+, Der philos. Kritizismus II 1, 63; +Grot+, Archiv f. systemat. Philos. IV; +Spencer+, Princ. of Psychol. I {3}, p. 107ff., 627; +Fouillée+, Der Evolutionismus der Kraft-Ideen, S. 37 u. a.; +Koenig+, Zeitschr. f. Philosophie und philos. Kritik, Bd. 115; +Paulsen+, Zeitschr. f. Philosophie, Bd. 115; +Heymans+, Zeitschr. für Psychol. und Physiol. der Sinnesorgane, 18. Bd. 1898; +Münsterberg+, Grundzüge der Psychologie I, 435, 492; +Riehl+, Zur Einführung in die Philos. S. 156ff.; +Jodl+, Lehrb. d. Psychol. C. 2, § 24; +Eisler+, Leib und Seele, 1906; +B. Erdmann+, Wissensch. Hypothesen über Leib und Seele, 1908; Experimentelle Arbeiten zur Bestätigung des Energieprinzips im Organismus; +Rubner+, Die Quelle der tierischen Wärme, Zeitschrift für Biologie, Bd. 30, 1894; +Atwater+, Neue Versuche über Stoff- und Kraftwechsel im menschlichen Körper, Ergebnisse der Physiologie, Bd. III, 1, 1904. +Gegen+ den Parallel. vgl. +Busse+, +Höfler+, +Wentscher+, +Erhardt+, +Bergson+ u. a.

[10] Vgl. meine Schrift »Leib und Seele«, sowie meine Abhandlung »Die Theorie des Panpsychismus«, in: Zeitschr. f. d. Ausbau der Entwicklungswissenschaft I, H. 8.

[11] Vgl. +B. Kern+, Das Wesen des menschlichen Seelen- und Geisteslebens, 1907.

[12] Über den Begriff der Seele vgl. +Fechner+, Über die Seelenfrage, S. 9, 210ff.; Zend-Avesta I, S. XIX; II, 148; +Wundt+, Logik II 2, 2, S. 245ff.; Grundriß der Psychol. {5}, S. 386; Grundzüge der physiol. Psychol. II {4}, 633ff.; System d. Philos. {2}, S. 372ff., 606; +Jodl+, Lehrbuch d. Psychol. S. 31; +Paulsen+, Einleitung in die Philos. {2}, S. 136, +Höffding+, Psychol. {2}, S. 16ff.; +Ebbinghaus+, Grundzüge der Psychologie I, 17f.; +Fouillée+, Der Evolutionismus der Kraft-Ideen; +P. Carus+, Soul of Man, S. 419, u. a. Die Seele als Subjekt-Einheit; +Sigwart+, Logik II 2, 207f.; +A. Vannérus+, Archiv f. systemat. Philos. I, 1895, S. 363ff. Die Seele als Substanz: +L. Busse+, Geist und Körper, S. 324ff. Vgl. +W. James+, Princ. of Psychol. I, 160ff., 342ff., u. a.

Zu II.

[13] Nach +Münsterberg+ ist das Psychische als der Gegenstand der Psychologie nichts Reales, sondern ein Abstraktionsprodukt, das Produkt einer Objektivierung, während die Geisteswissenschaften es mit dem konkreten, stellungnehmenden, zwecksetzenden Subjekt und dessen Akten zu tun haben, also »subjektivierend« verfahren (Grundzüge der Psychol. I, 57f., 62, 202). »Die Einheit des geistigen Lebens ist gar nicht ein Zusammenhang psychologischer Objekte, sondern ein Zusammenhang von Tatsachen, aus denen psychologische Objekte abgeleitet werden können« (a. a. O. S. 382; vgl. Psychology and Life 1899). Vgl. dagegen +Höffding+, Philos. Probleme, S. 13; +G. Villa+, Monist, 1902; +Eisler+, Zeitschrift für Philosophie und philos. Kritik, Bd. 122, S 80ff.; +J. Cohn+, Vierteljahrsschr. für wissensch. Philos. Bd. 26.

[14] Vgl. auch +R. Wahle+, Über den Mechanismus des geistigen Lebens, 1906.

[15] Die psychische Kausalität ist uns als innerer Zusammenhang unserer Erlebnisse unmittelbar, d. h. ohne daß es erst einer Deutung, Projektion, begrifflich-hypothetischen Ergänzung bedarf, gegeben (vgl. +Wundt+, Logik I {2}, 625ff., System der Philos. {2}, S. 291, 593f.). »So erleben wir beständig Verbindungen, Zusammenhänge in uns, während wir den Sinneserregungen Verbindung und Zusammenhang unterlegen müssen.« »In dem Erlebnis wirken die Vorgänge des ganzen Gemüts zusammen. In ihm ist Zusammenhang gegeben, während die Sinne nur ein Mannigfaltiges von Einzelheiten darbieten. Der einzelne Vorgang ist von der ganzen Totalität des Seelenlebens im Erlebnis getragen, und der Zusammenhang, in welchem er in sich und mit dem Ganzen des Seelenlebens steht, gehört der unmittelbaren Erfahrung an.« »Alles psychologische Denken behält diesen Grundzug, daß das Auffassen des Ganzen die Interpretation des Einzelnen ermöglicht und bestimmt.... Der erfahrene Zusammenhang des Seelenlebens muß die feste, erlebte und unmittelbar sichere Grundlage der Psychologie bleiben.« (+Dilthey.+)

[16] Vgl. meine »Einführung in die Erkenntnistheorie«, Leipzig, 1907.

[17] Zu dieser Kausalität gehört auch das psychische Innensein der Faktoren, welche auf das erlebende Subjekt einwirken. Insofern hat +Simmel+ mit seiner Bemerkung (Einleit. in die Moralwissenschaft II, 297) nicht unrecht. Vgl. +Kreibig+, Die Aufmerksamkeit, S. 51.

[18] Von diesem +primären Subjektmoment+ ist das +entwickelte Selbstbewußtsein+ wohl zu unterscheiden, welches die Psychologie nicht wie jenes hinnehmen kann, sondern genetisch erklären muß, soweit es mehr ist als einfache, nicht ableitbare Subjektivität.

Zu III.

[19] Über den psychologischen Voluntarismus vgl. +Schopenhauer+, Welt als Wille und Vorstellung; +J. H. Fichte+, Psychol. I; +Fortlage+, System der Psychol. I; +Ed. v. Hartmann+, Philosophie des Unbewußten, Moderne Psychologie; +Bilharz+, Metaphys.; +Paulsen+, Einleit. in die Philos.; +Wundt+, Logik II {2} 2; Grundriß der Psychol. {5}; System der Philos. {2}; +Höffding+, Psychol. {2}; +Tönnies+, Gemeinsch. u. Gesellsch.; +Rümelin+, Reden und Aufsätze I; +Losskij+, Zeitschr. f. Psychol. d. Sinnesorgane, Bd. 30, 1902; +Hughes+, Mimik d. Menschen; +Goldscheid+, Ethik des Gesamtwillens I; +J. Ward+, Encycl. Brit. XX; +L. F. Ward+, Pure Sociology; +Fouillée+, Psychol. des idées-forces I und II; Der Evolutionismus der Kraft-Ideen, S. 10 u. 11; +Münsterberg+, Grundzüge der Psychologie I; +Sigwart+, Logik II {2}; +W. James+, Princ. of Psychology; +G. Villa+, Einleit. in d. Psychologie; +W. Jerusalem+, Lehrbuch der Psychologie {3}; +Schellwien+, Wille u. Erkenntnis; +Nietzsche+, Werke, u. a. Auch +Dilthey+ ist hier anzuführen, ferner +Joël+, +Bergson+ u. a. Vgl. +Eisler+, Krit. Einführung in die Philosophie, Berlin 1905; Wörterbuch der philos. Begriffe, 3. Aufl., Bd. III; Grundl. d. Philos. d. Geistesleb., 1908.

[20] Vgl. L'évolutionisme des idées-forces, deutsch (Der Evolutionismus der Kraft-Ideen). Philosoph.-soziologische Bücherei III. Leipzig 1908, Dr. Werner Klinkhardt.

[21] Über Reflexe vgl. +Wundt+, Grundzüge der physiologischen Psychologie, II {4}, 582ff.; Grundriß der Psychologie {5}, S. 230f.; +Th. Ziegler+, Das Gefühl {2}, S. 215f., 308; +Fouillée+, Evolutionismus der Kraft-Ideen, S. 40, 325ff., u. a.

[22] Über »Mechanisierung« des Bewußtseins vgl. +Wundt+, Grundriß der Psychologie {5}, S. 229ff.; System der Philosophie {2}, S. 571ff.; +Höffding+, Psychol. {2}, S. 67; +Jodl+, Lehrbuch der Psychol. S. 427f., 432; +Fouillée+, Der Evolutionismus der Kraft-Ideen, S. 10, u. a.

[23] Vgl. +Höffding+, +Natorp+, +Goldscheid+.

[24] Vgl. +Joël+, Der freie Wille, 1909.

[25] Gegen +Bain+, +Spencer+, +Ribot+, +Sergi+ u. a.

[26] Über funktionelle Bedürfnisse vgl. +Döring+ (Philos. Güterlehre, 1888), +Jerusalem+ u. a.

[27] Über Apperzeption und geistige Verarbeitung von Erlebnissen vgl. +Wundt+, Grundriß der Psychologie {5}, S. 249ff.; Grundzüge der physiolog. Psychol. II 4, 266ff.; +Külpe+, Grundr. d. Psychol., S. 441; +James+, Princ. of Psychol.; +Stout+, Analyt. Psychol. II, 112; +Jerusalem+, Lehrb. d. Psychol. {3}, S. 87; +Lipps+, Leitfaden d. Psychol., S. 63ff., +B. Erdmann+, Vierteljahrsschrift für wissensch. Philosophie X, 307ff., 340ff., 391ff.; +Baldwin+, Handbook of Psychol. I, 65; +Ed. v. Hartmann+, Moderne Psychologie, S. 172, 425, u. a. -- Zwischen Apperzeptions- und Assoziationspsychologie soll nach +Münsterberg+ die »Aktionstheorie« vermitteln, welche fordert, »daß jeder Bewußtseinsinhalt Begleiterscheinung eines nicht nur sensorischen, sondern sensorisch-motorischen Vorganges ist, und somit von den vorhandenen Dispositionen zur Handlung ebensosehr abhängt wie von peripheren und assoziativen Zuführungen« (Grundzüge der Psychologie I, 549). Vgl. dazu +Fouillée+, Der Evolutionismus der Kraft-Ideen.

[28] Über das Denken als Willenshandlung vgl. +Wundt+, Grundriß der Psychologie {5}, S. 301ff.; +Külpe+, Grundriß der Psychologie, S. 464 (»antizipierende Apperzeption«); +Tönnies+, Gemeinsch. u. Gesellsch., S. 139f., +Jerusalem+, Lehrbuch der Psychol. {3}, S. 103; +Kreibig+, Die Aufmerksamkeit, S. 3; ferner +Nietzsche+, +Höffding+, +Paulsen+, +Fouillée+, +Sully+, +Jodl+, +Baldwin+, +James+, +Sigwart+ (»Denkwille«) u. a.

[29] Über die Rolle von Gefühl und Streben bei der Assoziation vgl. +Horwicz+, Psychol. Analysen I, 168f.; +Windelband+, Präludien, S. 190ff.; +Höffding+, Psychol. {2}, S. 445ff.; +Ed. v. Hartmann+, Philosophie des Unbewußten I 10, 246f.; +Wundt+, Vorles. über d. Menschen- u. Tierseele {2}, S. 338; System der Philos. {2}, S. 583, +Fouillée+ u. a.

[30] Der Richtungsbegriff und seine Bedeutung für die Philosophie. Annalen der Naturphilosophie VI, 58ff.

Zu IV.

[31] Den teleologischen Gesichtspunkt hat in programmatischer Weise +W. Dilthey+ dargetan (Ideen über eine beschreibende und zergliedernde Psychologie, Sitzungsber. der Kgl. Preuß. Akadem. der Wissenschaften zu Berlin, 1894; Studien zur Grundlegung der Geisteswissenschaften, Sitzungsbericht der Kgl. Akadem. der Wissenschaften 1905, XIV, S. 332ff.). Er ist (wie +James+ u. a.) Gegner der »atomistischen« Psychologie und will, daß von den inneren Zusammenhängen der Seele in beschreibend-analytischer, konstruktiver Hypothesen sich entschlagender Weise vorgegangen wird, damit die volle Wirklichkeit des Seelenlebens zur Vorstellung gelange. Die Psychologie ist »Beschreibung und Analysis eines Zusammenhangs, welcher ursprünglich und immer als das Leben selbst gegeben ist«. Sie hat »die Regelmäßigkeiten im Zusammenhange des entwickelten Seelenlebens zum Gegenstand«. Sie muß »vom entwickelten Seelenleben ausgehen, nicht aus elementaren Vorgängen dasselbe ableiten«. Nur durch Abstraktion heben wir eine Funktion, eine Verbindungsweise aus einem konkreten Zusammenhang heraus. »Der einzelne Vorgang ist von der ganzen Totalität des Seelenlebens im Erlebnis getragen«. Der erworbene Zusammenhang ist wirksam in jedem psychischen Vorgang. -- Der psychische Strukturzusammenhang hat einen »teleologischen Charakter«. »Wo in Lust und Leid die seelische Einheit das ihr Wertvolle erfährt, reagiert sie in Aufmerksamkeit, Auswahl der Eindrücke und Verarbeitung derselben, in Streben, Willenshandlung, Wahl unter ihren Zielen, Aufsuchen der Mittel für ihre Zwecke« (Das Wesen der Philosophie, in: Die Kultur der Gegenwart I, 6, S. 32ff.). Diese seelische Teleologie hat +Dilthey+ geistesphilosophisch zum Teil ausgeführt. -- Zur Teleologie des Seelischen vgl. +Spencer+, +Romanes+, +James+, +Baldwin+, +Dewey+, +Höffding+, +Ribot+, +Fouillée+, +Bergson+, +Luquet+, +Ebbinghaus+, +Wundt+, +Jodl+, +Mach+, +Jerusalem+, +Simmel+, +Groos+, +L. W. Stern+, ferner +A. Pauly+, +Francé+, +Kohnstamm+ u. a. Vgl. +Kohnstamm+, Intelligenz und Anpassung, Annalen der Naturphilosophie 1903; Grundlinien einer biologischen Psychologie, Versamml. deutscher Naturforscher und Ärzte, 1903; Die biologische Sonderstellung der Ausdrucksbewegungen, Journal für Psychologie und Neurologie, 7. Bd. (Unterscheidung von »Teleoklise«, d. h. Zwecktätigkeit und »Expressivität«, Ausdruckstätigkeit als der beiden spezifischen Formen des Lebens). Dazu sei bemerkt, daß auch die +Ausdrucksbewegungen+ auf Zielstrebigkeiten beruhen, indem sie phylogenetisch aus Willens-(Trieb-)Vorgängen (bzw. deren physiologischen Korrelaten) hervorgegangen sind.

[32] Die organische Auffassung der Seele wird konsequent von +Ebbinghaus+ durchgeführt. Nach ihm ist die Seele »derselben Art wie das Nervensystem und damit wie der ganze Körper, nämlich ein seine eigene Erhaltung erstrebendes System innerlich erlebter Bildungen und Funktionen.... Diese Selbsterhaltung aber verwirklicht sie in zweifacher Weise. Einmal durch Kampf mit dem, was uns in äußerer Erscheinung als Außenwelt gegeben ist.... Und zweitens durch Betätigung ihrer bestimmten Eigenart, durch das Ausleben und Sichauswirken der ihr nun einmal verliehenen Kräfte und Anlagen« (Psychologie, in: Die Kultur der Gegenwart I, 6, S. 195). Den biologischen Standpunkt in der Psychologie vertreten ferner +James+, +Baldwin+, +Spencer+, +Romanes+, +Ribot+, +G. H. Schneider+, +Jodl+, +Jerusalem+, +Kreibig+, +Groos+, +Mach+ u. a.

[33] Wie dies besonders +Dilthey+, +James+ und neuerdings in geistvoller Weise +H. Bergson+ (Matière et Mémoire; L'évolution créatrice) betont haben.

[34] Über den »voluntaristischen Kritizismus« vgl. meine »Einführung in die Erkenntnistheorie« 1907.

[35] Vgl. +Döring+, +Jerusalem+ u. a.

[36] Vgl. +Groos+, Spiele der Tiere, und Spiele der Menschen.

[37] Vgl. +Münsterberg+, Philos. der Werte, Leipzig 1908.

[38] +Goldscheid+, Entwicklungswerttheorie, Leipzig 1908, ferner Schriften von +Höffding+, +R. Richter+ u. a.

[39] Teleologische Bedeutung haben die Gefühle nach +Spencer+, +Bain+, +Ribot+, +Ebbinghaus+, +Jerusalem+, +Jodl+, +Z. Oppenheimer+ u. a. -- Zum Willen bringen die Gefühle als Symptome (Reaktionen) oder Momente desselben +Schopenhauer+, +Ed. v. Hartmann+, +Nietzsche+, +Hamerling+, +Paulsen+, +Windelband+, +Wundt+ u. a. Nach +Wundt+ sind Gefühle teils Anfangs-, teils Begleitzustände des Wollens.

Zu V.

[40] Über psychische Vererbung vgl. +Darwin+, Ausdr. d. Gemütsbewegungen; +Lloyd Morgan+, Animal Life and Intelligence, 1890; +Galton+, Hereditary Genius, 1869; +Ribot+, L'hérédité, 2. éd. 1882; +Wundt+, Grundriß der Psychol. {5}, S. 342; +Sully+, Handbuch der Psychologie, S. 55f.; +Spencer+, Psychologie; +Romanes+, Die geistige Entwicklung; +Lewes+, Probl. of Life; +L. Wilser+, Die Vererbung geistiger Eigenschaften; +Baldwin+, Handbook of Psychol. 1890f.; Die Entwicklung des Geistes beim Kinde und in der Rasse, 1895; +Semon+, Mneme {2}, 1908, u. a.

[41] Grundriß der Psychologie {5}, S. 396; System der Philosophie {2}, S. 304, 307.

[42] Vgl. +L. W. Stern+, Person und Sache I.

[43] Ein Gesetz der Erhaltung psychischer Energie stellt +Fouillée+ auf: »Das Lebewesen ist bemüht, gegenüber den äußeren Hindernissen eine ziemlich konstante Energiemenge zu bewahren; es ersetzt seine Verluste durch seine Erwerbungen und strebt unaufhörlich nach dem Gleichgewicht. Auf seelischem Gebiete zeigt sich diese Tendenz zum Gleichgewicht, zur Selbsterhaltung und zur Erhaltung der durchschnittlichen Energiemenge ebenfalls. Es besteht für das geistige Wachstum wie für die Gehirnzunahme eine Grenze; eine zu stark entfaltete Fähigkeit zieht die Schwächung anderer nach sich« (Evolutionism. d. Kraft-Ideen, S. 208f.). Es besteht ferner eine quantitative Korrelation, eine Wechselfolge und ein Rhythmus zwischen den verschiedenen Arten der psychischen Energie (ibid.). Vgl. +Münsterberg+, Grundzüge der Psychol. I; +Jodl+, Lehrbuch d. Psychologie, S. 88, +Grot+ u. a.

[44] Gegner eines absolut Unbewußten sind auch +Fechner+, +Paulsen+, +Rehmke+, +Brentano+, +Sigwart+, +Höffding+, +Ziehen+, +Wundt+, +Jodl+, +Fouillée+ u. a.

[45] Das betont u. a. +Jodl+.

[46] Vgl. +B. Erdmann+, Wiss. Hyp. über Leib und Seele, S. 88ff., +Offner+, D. Gedächtnis, Berlin 1909, S. 23ff. Daß infolge des organischen Charakters der Psyche eine gewisse +Periodizität+ in ihr besteht, daß Zeiten der Hochspannung und Produktivität mit solchen der Depression und Erschöpfung in gewisser Gesetzmäßigkeit abwechseln, erscheint plausibel, mag es auch um die nähere Bestimmung dieser Perioden, wie sie +H. Swoboda+ versucht, noch mißlich bestellt sein. Vgl. +Swoboda+, Die Perioden des menschlichen Organismus in ihrer psychologischen und biologischen Bedeutung, 1904; Studien zur Grundlegung der Psychologie, 1905. Vgl. +Fließ+, Der Ablauf des Lebens.

[47] Vgl. meine »Einführung in die Erkenntnistheorie«, Leipzig 1907.

[48] Über das Gesamtbewußtsein und sein Verhältnis zum Einzelbewußtsein vgl. +Lazarus+, Das Leben der Seele I {2}, 333ff.; +Wundt+, Ethik {2}, S. 449, 453, 458ff.; Völkerpsychologie I 1, S. 9ff.; +Schäffle+, Bau und Leben des sozialen Körpers {2}; +Baldwin+, Das soziale und sittliche Leben; +Tarde+, Les lois de l'imitation; +Le Bon+, Psychologie der Massen, deutsch, Leipzig 1907, Klinkhardt.

[49] Vgl. meine »Grundlagen der Philos. des Geisteslebens«, 1908.

[50] Über die Entwicklung in Gegensätzen vgl. +Wundt+, Grundriß der Psychologie {5}, S. 401f.; Logik II {2}, S. 282ff.

_Alfred Kröner Verlag in Leipzig._