Das Weserbergland und der Teutoburger Wald

Part 11

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Die weitere Bergwanderung vom Sparenberge nach Südost bietet uns zunächst ähnliche Eindrücke wie vor Bielefeld. Bei dem hochgelegenen, von Sommerfrischlern geschätzten Dorfe Örlinghausen überschreiten wir die Grenze des Fürstentums Lippe; dahinter auf dem Tönsberge besuchen wir die Reste des ehemaligen befestigten Sachsenlagers, das in den Kriegen gegen Karl den Großen eine Rolle gespielt hat. Später müssen wir vielfach tief durch den aus der benachbarten Senne in die Schluchten des Gebirges hereingewehten Sand stapfen, bis wir an der sogenannten Dörenschlucht den eigentlichen Lippischen Wald erreichen (Abb. 8).

Hier sind wir an dem reizvollsten Stück des Gebirges angelangt. Die Gliederung des Berggeländes ist mannigfaltiger, die Gipfel höher, die Täler bedeutender geworden. Näher aneinander drängen sich die verschiedenen Landschaftsformen. Frischer Buchenwald, hochstämmige Fichtenbestände, lichte Parks stattlicher Eichen und echte Heide mit Kiefern und Wacholderbüschen wechseln je nach der Beschaffenheit des Untergrundes (Abb. 1 u. 106). Dabei werden die Forsten, die meist Staatsgut sind, sorgfältig gepflegt und weisen in den eingehegten Teilen einen stattlichen Wildstand auf. Noch anziehender aber wird die Landschaft durch mächtige Felsen wie die Externsteine und durch hübsche Wasserflächen wie die an ihrem Fuße aufgestaute Lichtheupte (Abb. 113) und den Donoper Teich (Abb. 107).

[Sidenote: Detmold.]

Welcher aber von den vielbesuchten Orten ist der Glanzpunkt des Gebirges? Ist es Berlebeck, das hübsche Dorf, das sich im waldumschlossenen Talkessel bis in das Herz des Gebirges hineinzieht, hier überragt von dem Schloßhügel der ehemaligen Falkenburg, dort von dem modernen Pensionshause Johannaberg? (Abb. 7 u. 108). Ist es Detmold, die schmucke Residenz mit dem ansehnlichen Renaissanceschloß, mit den geräumigen Plätzen, sauberen Straßen, schattigen Gärten und Spaziergängen und den zahlreichen freundlichen Landhäusern? Detmold (13200 Einwohner) ist zwar ein uralter Ort -- denn schon im Jahre 783 besiegte Karl der Große die Sachsen bei Theotmalli, d. h. bei der Volksgerichtsstätte --, aber in seiner heutigen Erscheinung ist es durchaus modern (Abb. 12 u. 109). Residenz ist es seit 1511. Einzelne Bestandteile des Fürstenschlosses gehen allerdings auf das fünfzehnte Jahrhundert zurück; seine heutige Renaissancefassade aber gab ihm der Umbau von 1557 (Abb. 110). Da die natürlichen wirtschaftlichen Hilfsquellen Detmolds nicht groß sind, so mußte der Staat und der Hof der Stadt geben, was sie zu dem bedeutendsten Platze des Landes machte. So legte der prachtliebende Graf Friedrich Adolf um 1700 die schönen Parks und Promenaden an, und so vermehrten spätere Zeiten die öffentlichen Gebäude und Denkmäler, unter denen der niedliche Donopbrunnen von Hölbe (Abb. 111) erwähnt werden mag.

[Sidenote: Hermannsdenkmal.]

Die eigentliche Sehenswürdigkeit von Detmold ist aber doch die Grotenburg (388 ~m~) mit dem Hermannsdenkmal (Abb. 1 u. 112). Von dem Großen Hünenring, der alten Befestigung, die früher den Gipfel des Berges umzog, und in der Clostermeier und neuerdings Schuchhardt die altgermanische Teutoburg erkennen wollen, ist nur wenig erhalten (vergl. Seite 57). Mehr fällt dem Touristen die am Fuß des Berges gelegene, wohl erst aus der sächsischen Zeit stammende Wegschanze auf, die man den Kleinen Hünenring nennt. Das Denkmal Armins, das die Kuppe des Berges noch um fast 54 ~m~ überragt, besteht aus einem besteigbaren steinernen Rundtempel, der eine herrliche Umschau gewährt, und der aus Kupfer geschmiedeten Kolossalfigur des Cheruskerhäuptlings darüber. Es ist Ernst v. Bandels Lebenswerk, dessen Vollendung ihm erst nach fünfzigjähriger Arbeit und nach einer schier endlosen Kette von Enttäuschungen im Jahre 1875 gelungen ist.

[Sidenote: Die Externsteine.]

Wie diese Stätte ist noch eine andere durch Natur und Kunst in gleicher Weise ausgezeichnet. Ich meine jene gewaltigen Sandsteinfelsen, die am Nordfuß des Gebirges bei dem Städtchen Horn (1100 Einwohner) gleich Riesensäulen phantastisch aus dem Boden emporsteigen und unter dem Namen Externsteine bekannt sind (Abb. 113). Der eine der Felsen birgt in seinem Inneren eine Kapelle nebst einigen Nebenräumen. Sie ist im Jahre 1115 von einem Paderborner Bischof geweiht, und man hat lange Zeit geglaubt, daß die Mönche des Klosters Abdinghof in Paderborn, die im Jahre 1093 die Gegend käuflich erwarben, auch die Schöpfer der Grotte seien. Demgegenüber weist Anton Kisa auf ein in den Boden gemeißeltes Becken hin, das er nur aus der Benutzung bei heidnischen Opfern glaubt erklären zu können. Ebenso sei die Anlage einer zweiten Kapelle oben auf dem Nachbarfelsen nur in der Weise zu deuten, daß dort ein heidnisches Heiligtum bestanden habe, an dessen Stelle die Abdinghöfer, dem sonstigen Verfahren der Kirche getreu, ein christliches gesetzt hätten. »Die Externsteine weisen demnach die drei charakteristischen Merkmale altgermanischer Kultusstätten auf, das Grottenheiligtum, das obere Heiligtum und den am Fuße des Felsens vorbeifließenden Bach.« An dem Ufer dieses letzteren haben die Mönche ein »heiliges Grab« angelegt. So war denn das Ganze zum Wallfahrtsorte geworden. Aus dieser Bestimmung erklärt sich auch der merkwürdigste Bestandteil der mittelalterlichen Anlage, das kolossale Hochrelief, das in die Außenwand des Kapellenfelsens hineingearbeitet worden ist, ein Werk einzig in seiner Art, das bedeutendste frühchristliche Skulpturdenkmal Norddeutschlands überhaupt (Abb. 114). Da sehen wir staunend die lebensgroßen Gestalten des Nikodemus und des Joseph von Arimathia, wie sie den Heiland vom Kreuze heben; daneben stehen Maria und der Evangelist Johannes. Gottvater aber schwebt darüber mit der Siegesfahne und hält die Seele Jesu in Kindesgestalt auf dem Arme, während Sonne und Mond mit Schleiern ihr Antlitz kummervoll verhüllen. Darunter befindet sich noch eine stark verwitterte symbolische Darstellung des Sündenfalles, ein kniendes Menschenpaar, in die Windungen eines abenteuerlichen Drachen verstrickt.

[Sidenote: Egge.]

Der Lippische Wald endet mit dem 468 ~m~ hohen, aussichtreichen Velmerstot. Da der südwärts gerichtete Zug der Egge, der allmählich breiter und flacher wird, weniger landschaftliche Reize besitzt und uns an ihm nur vereinzelte Siedelungen, wie der bedeutende Eisenbahnknotenpunkt Altenbeken, das kleine Stahlbad Driburg (2700 Einwohner) unter der ehemaligen Sachsenfeste Iburg und das Dorf Neuenheerse mit seiner romanischen Stiftskirche interessieren würden, so nehmen wir hier auf der luftigen Höhe Abschied vom Teutoburger Walde und überschauen das weit vor uns ausgebreitete Hügelland von Lippe, Pyrmont und Südwestfalen, dem unsere letzte Reise gelten soll.

~XIV.~ Zwischen Teutoburger Wald und Weser.

[Sidenote: Das Lippische Hügelland.]

Da wir in den letzten beiden Abschnitten den zusammenhängenden Bergzügen gefolgt sind, haben wir ein interessantes Gebiet bisher fast umgangen. Es ist das Hügelland zwischen Teutoburger Wald und Weser, das sich von der Talfurche Bielefeld-Porta im Nordwesten bis zum Diemeltale im Südosten hinzieht und durch die Emmer und die Nethe in das Lippische Hügelland, das Höxtersche Höhenland und die Warburger Börde geteilt wird. Wir haben es hier mit einem äußerst mannigfaltig gegliederten Gelände zu tun, dessen Oberfläche hauptsächlich von den verschiedenen Gesteinen des Keupers (Abb. 3), im Süden und Osten auch von Muschelkalk gebildet wird, wogegen Buntsandstein nur an der Umrandung des Pyrmonter und des Driburger Kessels zu finden ist. Im Süden zeigen sich auch einzelne basaltische Durchbrüche. Einige Teile dieses Gebietes sind nur als flachwellig zu bezeichnen, wie z. B. die Gegend an der unteren Werre und Bega, das Dreieck zwischen Bielefeld, Herford und Lage, sowie die Börde im Süden. Stattlichere Höhengruppen weist der Norden Lippes zwischen Bega und Weser auf, wie den Bornstapel, die Lemgoer Mark, die Sternberger Höhen, den Hohen Asch und den Taubenberg, deren zwischen 300 und 400 ~m~ hohe Gipfel wegen ihrer Fernsichten geschätzt sind. Einen tiefen Talkessel mit schroffen, über 300 ~m~ hohen Rändern bietet das Emmertal bei Pyrmont und Lügde, ein vermoortes Hochplateau der Schwalenberger Wald (446 ~m~), den man auch als das Mörth bezeichnet, eine einsame kegelförmige Hochwarte der Köterberg (497 ~m~), endlich steilrandige Muschelkalkhöhen das Gelände längs der Weser und der Nethe. An sogenannten landschaftlichen Sehenswürdigkeiten ist dieses Gebiet verhältnismäßig arm, und da es auch in bezug auf die Bewaldung den anderen Teilen unseres Gebietes nachsteht, locken nur wenige Punkte einen größeren Touristenschwarm herbei. Das aber, was man als intimere Reize einer Landschaft bezeichnet, wird der Wanderer, wenn er sich Zeit läßt, in lauschigen Tälern, malerischen Dörfern und Gehöften, interessanten Hausformen und Volkstypen in reichem Maße finden (Abb. 26 bis 29, 78 u. 122). Mit Recht singt daher der lippische Poet Stockmeyer:

Voll Gottes Segen und voll Fleißes Frucht Ist unser Land, ein Land voll Lieblichkeiten, Wo Berg und Auen um den Vorrang streiten. Ja, welcher Wandrer hätte es besucht Und dächte nicht der freundlichen Gefilde In diesem frohen, lebenswarmen Bilde, Das Anmut, Reiz und Schönheit uns bereiten!

[Sidenote: Lemgo.]

Ihren Anfang mag unsere Reise von Salzuflen (5800 Einwohner) nehmen, dem altertümlichen Salinenstädtchen mit dem kleinen Solbade und der weltberühmten Hoffmannschen Stärkefabrik, die an Größe auf dem europäischen Festlande ihresgleichen nicht hat. Über Lage (5500 Einwohner), wo sich die beiden Bahnen des Lipperlandes, Bielefeld-Hameln und Herford-Altenbeken, kreuzen, geht es nach Lemgo (9000 Einwohner), dem man mit freundlicher Übertreibung den Namen des lippischen Nürnberg gegeben hat (Abb. 115 bis 117). Tatsächlich ist es die älteste und vormals bedeutendste Stadt des Fürstentums. Welche Rolle es in Altwestfalen spielte, ersehen wir aus dem Umstande, daß es zur Taxe der Hansa mit weit höheren Beiträgen als Hameln und Bielefeld herangezogen wurde. Von dem ehemaligen Wohlstande zeugen eine Menge älterer Bürgerhäuser, deren spitze, straßenwärts gerichtete Giebel noch das Formprinzip der Gotik verraten, während die in Holz oder Stein geschnittenen Ornamente bereits dem Geschmack der Renaissance huldigen. Die gleiche Stilmischung beobachten wir an dem neben den beiden Hauptkirchen bedeutendsten Bauwerke Lemgos, dem herrlichen Rathause, während das nahe Schloß Brake ein reiner Renaissancebau ist.

[Sidenote: Pyrmont.]

Der Vollständigkeit halber erwähnen wir noch die Städtchen Barntrup (1700 Einwohner) und Blomberg (3600 Einwohner) mit ihren alten Schlössern und wenden uns zu dem Bade Pyrmont (3900 Einwohner), das den Hauptort einer waldeckischen Exklave, einer ehemals selbständigen Grafschaft, bildet (Abb. 118). Die kohlensauren Stahl- und Solquellen scheinen von alters her bekannt gewesen zu sein. Doch beginnt der eigentliche Aufschwung erst mit dem sechzehnten Jahrhundert. Die heilkräftigen Wasser und die liebliche Umgebung des Talkessels, dessen Wände überall bis zu 200 ~m~ relativer Höhe emporsteigen, lockte besonders die vornehme Welt, während das nicht allzuferne Bad Meinberg immer einen etwas bescheideneren Besucherkreis hatte. Im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert strömten Fürstlichkeiten und Adlige, aber auch Künstler und Gelehrte aus ganz Europa in Pyrmont zusammen. Merkwürdig mutet es uns an, daß in diesem Bade, das jetzt in erster Linie bleichsüchtige Damen aufsuchen, Männer wie der Große Kurfürst, Peter der Große, Friedrich der Große und Blücher den Eisengehalt ihres Blutes glaubten verstärken zu sollen.

[Sidenote: Lügde.]

Das Emmertal ist uralter Kulturboden. Lügde (2700 Einwohner), das noch jetzt ein ausgezeichnetes romanisches Kirchlein (Abb. 119) besitzt, ist eine alte karolingische »~villa~«, Schieder, unterhalb der altsächsischen Skidroburg gelegen, der zugehörige Reichshof, in dem Karl der Große vermutlich im Jahre 784 das Weihnachtsfest gefeiert hat.

[Sidenote: Schwalenberg.]

Bis in die Karolingerzeit reicht auch die Geschichte Schwalenbergs oder wenigstens seines Grafengeschlechtes zurück. Das Gebiet dieses Herrscherhauses war im Mittelalter weit ausgedehnt; es reichte von der Diemel bis zum Deister; die Herrschaften Waldeck, Pyrmont und Sternberg sind nur spätere Abzweigungen seines Besitzes, die Klöster Marienmünster und Falkenhagen, deren edle Baulichkeiten uns noch heute erfreuen, seine Gründungen. Wie das zuletzt genannte Stift und das Schloß Sternberg, das auf waldiger Höhe unweit Lemgos das Begatal überragt, wurde auch die Burg und die Stadt Schwalenberg (Abb. 120) von dem Grafen Volkwin ~III.~ erbaut, der seinen Wohnsitz von der früheren Burg Schwalenberg, später Oldenburg genannt, dorthin verlegte. Von dem damaligen Schloßbau steht nur noch ein schmuckloser Flügel auf einem Bergkegel am Fuße des Mörths; um diesen Hügel aber schmiegt sich noch jetzt das Städtchen (800 Einwohner), dessen geschmackvoll ausgebautes Rathaus von 1579, 1603 und 1909 eine Perle deutscher Holzarchitektur ist (Abb. 121).

[Sidenote: Die Ziegler.]

Obgleich wir nunmehr an der Ostgrenze des Lipperlandes angelangt sind, können wir es nicht verlassen, ohne eines für das ganze Fürstentum höchst charakteristischen Gewerbes, der Ziegelei, zu gedenken. Dieser Arbeitszweig ist, wie es scheint, nicht sehr alt, hat sich vielmehr wohl erst nach dem Dreißigjährigen Kriege ausgebildet. Ungenügender Verdienst in der Heimat veranlaßte damals viele Männer, als Grasmäher und Torfstecher nach Holland und Friesland zu gehen. Im Jahre 1682 wird aber neben dieser Auslandsarbeit auch das Ziegelstreichen erwähnt. Auf die beweglichen Klagen der »gehorsamen Stände und Ritterschaft« wegen der Leutenot in der Landwirtschaft erließ der Landesherr eine Verordnung, in der es heißt: »wobei wir auch denenjenigen, welche sich bishero zu gewisser Zeit des Auslaufens in fremde Länder angemaßet, daselbst Ziegelarbeit sich zu bedienen, solche ihre bisherige Gewohnheit, und zwar einem jeden bei Strafe 50 Goldfl. alles Ernstes verbieten.« Aber Verbote und Plackereien halfen nicht viel. Die Zahl der Ziegler wuchs, und zwar besonders 1842 nach dem Brande Hamburgs, 1846 nach der mehrfach erwähnten Leinenkrisis, die dem Gewerbe viele ehemalige Weber zuführte, und 1871 nach dem Kriege. Jetzt dürfte ihre Zahl etwa 15000 betragen, d. h. über 10% der gesamten Bevölkerung.

Die Ziegelmacherei ist Saisonarbeit. Sobald die ersten Lenzwinde wehen, verlassen die sangesfrohen Scharen das Heimatland, kaum der Schule entwachsene Knaben, rüstige Männer und bärtige Greise, um in allen deutschen Gauen, ja selbst in Holland, Dänemark, Polen und Ungarn ihrem Verdienst nachzugehen. Während der Arbeitsmonate lebt der Ziegler äußerst einfach und mäßig. Erbsen und immer wieder Erbsen sind seine tägliche Kost und dazu Wurst, Speck und Schinken aus dem heimischen Vorrat. Denn das verdiente Bargeld muß der Gattin oder den alten Eltern heimgebracht werden, die inzwischen mit Hilfe der Kinder mühselig den Garten und das Stückchen Acker bestellt, für das Vieh, vor allem für die zahlreichen Ziegen gesorgt und Haus und Hof in Ordnung gehalten haben (Abb. 27 u. 122). Wehe dem, der sich zu unnützen Ausgaben hat verleiten lassen und die erwarteten hundert Taler nicht abgeben kann! Verachtung ist sein Lohn. Wie aber den wackeren Zieglern zumute ist, wie schwer ihnen der Abschied von der schönen Heimat fällt, wie sie sich auf die wohlverdiente Ruhe des Winters freuen, das erfahren wir am besten aus den »Zieglerliedern«, den Gedichten, die Heinrich Wienke in Brakelsiek bei Schieder, ein echter Ziegler und ein echter Poet, nunmehr schon in vierter Auflage seinen Kameraden gewidmet hat (Abb. 123). Da heißt es z. B. in dem »Abschiedstrost«:

Reich' mir, lieb Weib, den Wanderstab, Er steht in jener Ecke, Und wenn ihn deine Hand mir gab, So reis' ich frisch und fröhlich ab, Du weißt, zu welchem Zwecke.

»Zu welchem Zweck, das weiß ich ja, Doch, Schatz, ich kann dir's sagen, Es kränket meine Seel', fürwahr, Daß du für uns mußt alle Jahr Dich in der Ferne plagen.«

O darum quäl' dich nicht so sehr, Bin ich's doch nicht alleine, Denn wandern müssen noch viel mehr. Gott führ' mich fröhlich wieder her, Und bleib' ich aus, dann weine.

[Sidenote: Im Nethegau.]

Aber auch wir werden von dem Land der roten Rose und damit von den Weserbergen überhaupt, sowie von dem Teutoburger Walde Abschied nehmen müssen. Die südlichen Teile unseres Hügellandes enthalten zwar insbesondere im sogenannten Nethegau noch einige interessante Stätten, wie z. B. die Edelsitze Rheder und Hinnenburg bei dem Städtchen Brakel (3600 Einwohner) oder den hochgelegenen Flecken Dringenberg mit seiner alten bischöflich paderbornischen Burg. Aber weder diese Orte noch das freundliche Tal der Nethe selbst werden uns dauernd fesseln können. Wir eilen wiederum der Weser zu und gelangen so zurück in die Gegenden, von denen unsere Rundreise ihren Ausgang nahm. Sie ist vollendet. Wird es die letzte Fahrt sein, die wir nach diesem lieblichen Landstriche machen? Ich für mein Teil hoffe es nicht.

Und tönen wieder die Gesänge Der Lerchen an des Himmels Blau, Dann lockt mich aus der dumpfen Enge Der liebe, alte Heimatgau:

Das Wogen reicher Saatenfelder, Der fetten Wiesen üppig Grün, Das Quellenrauschen kühler Wälder, Der Hügel frisches Buchengrün,

Des Stromes traulich klarer Spiegel, Des Fährmanns Hütte strohgedeckt, Des Dörfleins übermooste Ziegel In Apfelblüte fast versteckt;

Es locken Mauern mich und Wälle Der weltentrückten kleinen Stadt, In schmalen Gäßchen manche Stelle, Die einst so gern mein Fuß betrat,

Auch stolzer Burgen morsche Trümmer, Von Efeuranken überdeckt, Der Bergzug, der in blauem Schimmer Sich neblig in die Ferne streckt.

Das alles lockt aus dumpfer Enge Mich in den lieben Heimatgau. Denn, horch! schon tönen die Gesänge Der Lerchen an des Himmels Blau.

Literatur.

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Benutzt wurden noch die amtlichen Darstellungen der Kunst- und Altertumsdenkmäler der verschiedenen Gebiete, soweit sie erschienen sind, ferner eine große Zahl von Lokalführern und zahlreiche kleinere Aufsätze in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften.

Verzeichnis der Abbildungen.

Abb. Seite

1. Das Hermannsdenkmal im Morgennebel 2

2. Das Verwerfungssystem entlang dem Egge-Gebirge zwischen Driburg und Willebadessen 6

3. Die Keuperlandschaft bei Aerzen, südwestlich von Hameln 8

4. Profil durch Weserkette und Bückeberge 9

5. Blick vom Deister über das Tal von Springe zum Saupark und Nesselberg 10

6. Der Deister-Saupark-Sattel 10

7. Das Längstal der Cenomanmergel bei Berlebeck im Teutoburger Walde 11

8. Dünenlandschaft im Lippischen Walde 12

9. Südrand der Dünenbildungen am Teutoburger Walde 13

10. Schematisches Profil des Osnings 14

11. Die Hebungslinien des Teutoburger Waldes 14

12. Der Teutoburger Wald bei Detmold 15

13. Kohlensäuresprudel bei Herste 16

14. Profil durch Falkenhagener Liasgraben und Köterberg 16

15. Das Wiehengebirge als Schichtstufe auf dem Nordflügel des Osning-Sattels 17

16. Buchenhochwald am Blümer Berg bei Münden 20