Das Trottelbuch

Part 5

Chapter 5681 wordsPublic domain

Er fühlte: Ich setze mich ins Unrecht damit. Nicht betteln. Was fällt denen ein? He . . . .

Niemand antwortete.

Heee . . . . er tastete sich an den Wänden zum Fenster und zerschlug das Glas. Heee . . .

Niemand antwortete.

Wartet . . . . er knurrte einen wilden Fluch.

Der Raum war dunkel und niedrig.

Er fühlte: die Brust wird zerspringen -- -- -- oh, wer rief doch? Sie kam wieder. Die ihn quälte, marterte, ihm das Blut aus dem Herzen trieb.

Nicht du . . . . er brüllte wieder auf.

Dann lauschte er und hörte sagen: »Was tu ich dir, Nikolaus, hörst du, was . . .«

»Hee . . . du . . . ich hasse dich . . . du willst mich am Boden sehen . . . oh . . du hast gesiegt.«

Er sank in sich zusammen.

Wieder rief die Stimme: Nikolaus . . bin ich dir nicht gefolgt, ich war doch bei dir, du Meines . . du . .

»Hahahaha . . . .« Wie Stahl schlug das Lachen gegen die Wände. Aber es sprach weiter: Und siehst du, ich mußte dich quälen, so lieb hatte ich dich, denn das Kind, vielleicht stand es zwischen uns . . . .

»Hör auf,« er keuchte, »ich habe dich nicht verstanden.«

Es war totenstill im Raum.

»Du hast dich seit jenem Tag gegen mich gewendet, mich gehetzt, verjagt mit deinem Haß, und du hättest mich streicheln sollen, vielleicht kannst du das, spielen sollen wie früher, noch mehr Kind sein, gutmachen alles . . . .«

Es war als ob etwas schrill anschlüge: Nein, das hattest du, gerade du . . . es schien sich zu zwingen . . . und warum kamst du nicht mehr, ich wartete Tag um Tag . . .

»Nein, ich . . . ich . . . ich.« Er wurde unruhig. »Was wollen die, hee . . . was ist?«

Wieder schlief er ein.

Der Raum war dunkel und niedrig.

Von allen Ecken wisperte es: Nikolaus . . . Nikolaus . . .

Er fuhr auf. Als ob er eine Last abschüttelte.

Er seufzte: »Komm, laß gut sein. Ich war Schuld und wenn auch . . . nur ich, denn du vielleicht warst bei mir, auch so.«

Er schlug gegen die Wand: »Teufel . . . meinetwegen, ich lüge.«

»Warum gingst du fort, weiter und weiter . .«

Er schrie: »Nein, nein, nicht ich . . .«

Seine Stimme schien sich wo anklammern zu wollen.

Dann wurde er ruhig und lächelte.

Komm zu mir, dachte er, ich will dich streicheln, ist es auch meine Schuld . .

Er schlief wieder ein.

Doch bald schrie er auf, er krallte sich in die Mauer ein.

»Du hast mich zu Boden getreten, du . .«

Er besänftigte sich: Wer hilft mir, eigentlich wer und wozu?

Er lachte grimmig. Heee . . . .

Niemand antwortete.

Habe ich etwas getan, dachte er, und was? Heee . . . .

Er lauschte.

Dann flehte er: Sprich wieder . . . Zwar kennst du mich nicht. Und trotziger: Nein, du -- -- du nicht und ihr alle nicht.

Er lachte und ballte die Fäuste. Wie gegen Erinnerungen. Stunden verflossen. Vielleicht waren es Tage.

Kinder standen in der Gasse. Der Herzog brüllte und lachte und stöhnte. Es klang immer wie eine Erlösung nach einem verzweifelten Kampf.

Das kann eine schlimme Sache werden, dachten die Krämer und kratzen sich am Kopf. Am nächsten Morgen tupfte der Böttcher Kunze sich seinen Brummschädel und dachte: diesmal geht es noch. Der Mützenmacher Glatzel erhob sich gähnend aus einem Winkel. Der Bürgermeister kroch zu seinem Weibe und dachte: bald wird wieder Ruhe sein. Und so weiter.

Um diese Stunde schlichen Fleischergesellen zum Herzog und schlugen ihm den Kopf ab.

Man weiß nicht, ob er sich gewehrt oder gelacht oder geseufzt oder sonst irgendetwas getan und gesagt hat.

Nachschrift.

Viel ist nicht mehr zu sagen.

Ein Gesindel von Geschichts- und Geschichtenschreibern ist an die Arbeit gegangen. Manche sind genauer . . und viele haben damit recht. Was tut's.

Mancherlei ist vom tollen Nikolaus im Umlauf.

In Neiße liegen darüber Aktenbündel, und ein verrostetes Schwert wird gezeigt, vielleicht auch ein Bild, wie Nikolaus auf dem Marktplatz enthauptet wird. Vielleicht hat dabei auch ein Glöcklein geläutet. Das muß spaßhaft gewesen sein.

Vielleicht wird erzählt, daß Frau Bertha mit Roß und Reisigen wutschnaubend in Neiße eingezogen ist oder auch wehklagend. (Mit Roß und Reisigen.) Sicherlich sind auch Boten gekommen, vielleicht kam einer gesprengt mit verhängtem Zügel durch das Stadttor um die Morgenstunde und hat geschrieen: Haaalt . . haltet ein . . . Aber aber . . . . Vielleicht ist mit dem Bürgermeister noch etwas geschehen. Das kommt vor.

Aber man wird verstehen, daß das alles nichts zu sagen hat.