Das Stuttgarter Hutzelmännlein

Part 9

Chapter 91,825 wordsPublic domain

S. 44. _Grättlein_, kleiner Korb. -- _Wiegentag_, Geburtstag (Marchthalers von Eßlingen Hauschronik).

S. 45. _Irmengard_, eine der vier Töchter Eberhards von seiner zweiten Gemahlin, Irmengard von Baden, »die prächtigste der Rosen«, wie ihre Grabschrift sie nennt; starb 1329. -- _Nuster_, Halsschnur, von Pater noster; daher auch Patter.

S. 46. _Wasen_, Rasen, Anger (auch S. 74). -- _Alfanz_, Gewinn, Vorteil. -- _Rauner_ (raunen, leise reden, murmeln), Beschwörer. »Dye nit will hören die stymen der rauner« (alte Uebersetzung des Psalm 58).

S. 47. _Einen ansehnlichen Weiher._ In Wirklichkeit wurde dieser sogenannte mittlere See beim alten Sebastians-, nachmaligen Büchsentor (welcher seit 1700 ausgetrocknet ist) um das Jahr 1393 angelegt. Die obere Vorstadt entstand eigentlich unter Graf Ulrich dem Vielgeliebten und Eberhard im Bart (Pfaffs Geschichte der Stadt Stuttgart).

S. 48. _Hatte einen Bösen getan_, war unmäßig. -- _G'rutzelt voll_, sehr voll.

S. 49. _Traubenschuß_, ein Schuß mit vielen Schroten aus kleinem Gewehr, hier angewendet auf grobes Geschütz, dergleichen die _Quartanschlange_ war, welche zehnpfündige Kugeln schoß, und der _Tarras_, der übrigens auch als Büchse genannt wird. -- _Die Sach' steht auf Saufedern_, ist mißlich.

S. 50. _Scharsach_, Schermesser. »Als ein geschliffen Scharsach« (Psalm 52).

S. 51. _Fazvögel_, von fazen, spotten. Italien. #fazio#, Possenreißer; lat. #facetiae#, witzige Scherze. -- _Der Holzschlegel -- auf der Bühne_ (auf dem obern Boden unter dem Dach), ohne Aufwand und Mühe gelinge ihnen alles.

S. 52. _Selletwegen_, jeneswegen. -- _Beschreien_, berufen (abergläubische Warnung vor allzugroßer Sicherheit). -- _Stuß_, Stoß, Verdruß. -- _Beim Beilichen_, ungefähr; die Beiliche, die Nähe. -- _Stiegelfizisch_, naseweis.

S. 53. _Grind_, pöpelhaft für Kopf. -- _Wampel_, wimbel, übel, magenschwach; ähnlich #to wamble# im Engl. -- _Triet_ (die), ein Magenpulver. Franz. #trisenet#. -- _Allermanns-Harnisch_, runde Siegwurz (#Gladiolus communis#), ehemals in medizinischem Gebrauch; wurde als Amulett gegen Verwundungen und verschiedene Krankheiten, sowie zu andern abergläubischen Zwecken getragen und wird zuweilen noch vom Volke gebraucht. -- _Dierletey_, nicht näher bekanntes Ingrediens einer Salbe; in der Mörin des Herm. v. Sachsenheim erwähnt. -- _#Mamortica#_ (#Mamordica balsamina#), der echte Balsamapfel, wunderheilendes Mittel. -- _Wurzler_, Apotheker. -- _Gschwey_, Schwägerin.

S. 54. _Ledder_, statt Leder, sprechen alle gereisten Schuster in Schwaben. -- _Mille_, Mil, Milch; ulmisch.

S. 55. _Lichtbraten_, Lichtgans, ein Braten, welchen Handwerker, die im Winter auch des Nachts arbeiten, Schuster, Schneider, Weber u. dergl., ihren Gesellen beim Anfang des Winters zum besten geben. Bis zu Ende des 18. Jahrhunderts bestand in Ulm dieser Gebrauch in einem mit Musik, Trommeln und Pfeifen und bisweilen mit öffentlichen Aufzügen verbundenen Schmause.

S. 56. _Fürsche_, vor sich, vorwärts.

S. 57. _Döte_, männlicher, Dot, Dote, weiblicher Taufpate. -- _Wunderlecker_, ein Wundersüchtiger (ohne Vorgang). -- _Einzecht_, einzeln.

S. 58. _Wadelbir_, eine Birnenart. »#Mit manchen bieren#« (Hugo v. Trimberg). -- _Drudenfuß_, von Drude, Trut, Unholdin; eine magische Figur, aus zwei zu einem Fünfeck verbundenen Triangeln bestehend. -- _Kandel_, Rinne, Abzugskanal. -- _Nachtschach_, Räuber, Dieb; von Schach, Raub. -- _Aberschanz_, das Hintere.

S. 59. _Weinschröter_, Weingärtner.

S. 60. _Eine Stuterei._ Gabelkhover (in seiner handschriftlichen Chronik vom Jahre 1621) will den Platz noch wissen, wo das alte Stutenhaus gestanden. »Zwanzig Schritt ohngefehrlich,« sagt er, »von der jetzigen Stiftskirche gegen Mitternacht, da Paulus Sautter, Provisor, sitzt.« Dieser Sautter saß aber, einer Hausurkunde zufolge, in dem ehemaligen Weinschenk Thumschen Haus, und nach einer bekannten Ueberlieferung wäre dies Haus das älteste der Stadt. -- _Zinselwerk_, Gaukelwerk. »Celestinus hat den introitum mit anderm zinselwerk hin dar gesetzt« (Spreter, Bericht von der alt. christl. Meß). -- »On vnser verdienst, vergebenlich, nit durch ablas oder eygen zinselwerk« (Spret, christl. Instruktion). -- _Dockenkasten_, Puppentheater.

S. 61. _Kräben_, Tragkorb. -- _Schauenlichkeit_, Kontemplation, beschauliches Leben. »Nit minder vorhalt mich vor disen gesellen, die allein der Schawenlichkeit gleben (geleben) wend« (Spreter, christl. Instr.). -- _Drönsgen_, Intensivform von trehnsen, langsam etwas verrichten; entspricht dem Franz. #trainer#, ziehen, dem Engl. #to train#, #to trone# und #to drowse#, schlummern, schläfrig sein. -- _Heiltum_, Reliquie. Der Pfarrer zu Leipheim, im Jahre 1500, bestrich die Leute für ein Opfer mit dem Heiltum St. Veits.

S. 63. _Marschloß_, Maderschloß, Malschl. (Schweizerisch: Malle, Tasche; franz. #malle#), Vorlegschloß. -- _Die Eigel_, der Blutigel; in den ältern Ausgaben der Lutherischen Bibel, Sprüche Sal. 30, 15.

S. 64. _Ringer_, mit geringerer Mühe. -- _Schier_, bald. -- _Werr_, Erdkrebs, ein den Fruchtfeldern schädliches großes Insekt.

S. 65. _Hartselig_, hartnäckig. »Durch Wunderzeichen wil Gott das hartsälig volck ziehen vnd berüffen« (Spreter, Instr.). -- _Torangel_, Schimpfname für grobe Bauern. -- _Sittich_, Sitter, #psittacus#, Papagei.

S. 66. _Wind und weh_, sehr übel, sowohl im körperlichen als geistigen Sinne gebraucht; wind, wahrscheinlich von schwinden, woher auch Schwindel stammt, also schwindlig. »Ir ward so swinde und weh dar nach« (Koloczaer Codex altdeutscher Ged., herausg. von Mailáth usw. S. 232).

S. 67. _Schnorzig_, verdrießlicher Laune, worin man jemand anschnurrt.

S. 68. _Meineider_, Meineidiger (Marchth. Chr.). -- _Brogl-Wenz_; sich broglen, prahlen; alt brogen, sich regen, in die Höhe richten, ungestüm sein. Engl. #to brag#, ital. #brogliare#. Die Zusammensetzung mit einem Namen, als sprichwörtliche Anspielung, ist willkürlich. -- _Elend_, ein Garten in Ulm hinter dem Hospital an der Donau, auf dessen Stelle ehemals vermutlich ein Pflegehaus für arme Pilger und Fremdlinge war. Dergleichen Anstalten hießen auch anderwärts Elendhäuser, elende Herbergen Elend, #ellend#, aus #el#, fremd, und #lend#, bedeutet überhaupt die Irre, Fremde.

S. 69. _Pflug_, Name eines Gasthofs in Ulm. -- _Uf^am_, auf dem. -- _Blo-Holder-Strauß_, Busch von blauem Holunder, Syringe. -- _Vor's_, bevor es. -- _Nachthüehle_, Nachthuhn, Käuzlein.

S. 70. _Di^a Gugelfu^ahr gang wieder a^n_ (gehe wieder an). Die Gugelnarren, d. h. die Narren mit den spitzigen Hanswursthüten, ließen sich zur Fastnachtszeit auf Karren herumführen und trieben Unfug; daher Gugelfuhr für große Lustbarkeiten und jeden lustig lärmenden Unfug.

S. 72. _Herzensbrast_, Beklemmung, Herzeleid; von Bresten, Gebrechen. -- _Scheurenburzler_, Landstreicher, Zigeuner, der in Scheunen auf dem Lande das Nachtlager zu nehmen pflegt. -- _All Hundsod^am_, alle Augenblicke.

S. 73. _Gen die Sperlachen_ (#plur.#), gegen das Himmelszelt; von sperren und Laken oder Lachen, Tuch, das über einen Wagen zur Bedeckung gespannt ist. »Wann got jnn den sperlachen wonet vnd sy mit seinen gnaden erleuchtet« (Buch der sterb. Menschh.) -- _Hofraite_ (die), der ganze zu einem Haus gehörige Umfang von Hof, Bäulichkeiten usw.

S. 74. _Gähnaffen_ (Maulaffen) _feilhaben_, müßig dastehen. -- _Den Plirum geigen_, abprügeln.

S. 76. _Trait mer_, trägt man. -- _Dattern_, dottern, zittern. Engl. #to totter#. -- _Jetzt ist lang Tag_, Sprichw., es hat keine Not mehr.

S. 77. _Wuhr_ (das), Wehr. »Ich hab gebawen die wasserwure« (Buch der sterb. Menschh.). -- _Gottig_, gotzig, gotteseinzig, einzig. -- _Trischacken_, eine Art Kartenspiel. Ital. #i tre sciacchi#.

S. 78. _Schiedfell_, Zwerchfell, weil es Herz und Lunge von den andern Eingeweiden scheidet; #diaphragma#. -- _Faxen_, auffallende, lächerliche Gesten.

S. 79. _Seellos_, ruchlos. »Die Trewloßen, Ehrloßen und Seelloßen bauren« (Brief an Schwäb. Hall im Jahre 1525). -- _Ich habe Kreuz -- ab._ Diese Zeilen fand der Verfasser selbst an einem ähnlichen Ort auf freiem Felde von einer ungeübten Hand mit Kreide angeschrieben.

S. 82. _Verbutzen_, vermummen. »An Fastnacht soll sich niemand verbutzen, verkleiden, verwelchen« (von Wale, Walch, Welscher, Fremder). Ulm, Verordn. v. J. 1612. Die Butz heißt Scherz, Betrug, Lüge; der Butz, Narr, Possenreißer, Larve.

S. 83. _Verhansleartlen_, auf eine einfältige Weise verlieren, versäumen. Hans Leand, Hans Leard, Johann Leonhard, wird zur Bezeichnung eines einfältigen Menschen gebraucht.

S. 84. _Morgenatz_, Frühstück (Marchth. Chronik).

S. 86. _Bartzefant_ (der), Diener. Franz. #poursuivant#.

S. 87. _Korabelle_, Buhldirne, wahrscheinlich aus #mia cara bella# entstanden und auf Barbara, in der Volkssprache Belle, anspielend; kommt noch in Weitzmanns Gedichten vor. -- _Knegler_, einer der stark durch die Nase redet. -- _Sotterer_, ein siecher Mensch; von sottern, kränkeln; mit Sucht verwandt. -- _Ungeschaffen_, ungestaltet. »Da (in Cannstatt) ist alle Jar ain tag haißt der ungeschaffene tag, vonn mannen Jungen gesellen weiber vnd Jungfraw vnnd welcher der vngestaltest ist der gewindt ain Rockh vnnd ander ding darzu vnnd welche die vngeschaffnest ist die gewindt ain Gurttl pewtel (Beutel) Handschuh vnnd ander Ding« (Ladisl. Sunthaim, Historiograph des K. Maximil. I. S. Memmingers Cannstatt).

S. 88. _Grüß dich Gott, herzlieber_ usw., ein altes Volkslied, aus des Knaben Wunderhorn (II, 300) mit einiger Veränderung entlehnt.

S. 89. _Wurstelmaukeler_, maucheln, maukeln, maunkeln, mockeln, vermockeln, verstecken, heimlich zu Werke gehen, betrügen (bemogeln); daher Butzenmaukeler, die verkleidete Person, welche ehemals an Fastnacht, an Nikolai oder zu Weihnachten, die Kinder zu erschrecken, aufgestellt wurde. Die Verbindung mit Wurst in unserm Text ist willkürlich und diese Gestalt dem Pfingstlimmel nachgebildet. Es war dies ein Knabe, welcher zur Pfingstzeit, vom Scheitel bis auf die Füße ganz mit frischem Grün und Feldblumen umflochten, entweder zu Fuß oder auf einem Pferde sitzend und von zwei andern Burschen geführt, in der Stadt oder im Dorf herumzog. Den Kopf bedeckte eine ellenlange, spitze Kappe von Laubwerk, und das Gesicht war zuweilen mit Baumrinde verlarvt. Der Verfasser fand diese Sitte noch auf der Alb, in Ochsenwang. Zu Augsburg, wo man Schilf zu der Verkleidung nahm, hieß ein solcher Knabe der Wasservogel. -- _Blunz_ (der), dicke Blutwurst. -- _Stampaney_ (die), Ersonnenes, Erdichtetes, Märchen; von Stampf, weil Bilder mit dem Stampf abgedruckt wurden. Josua Mahler (im Jahre 1551) sagt, nachdem er die in der Hauptkirche zu Aachen vorgezeigten Reliquien aufgezählt hat: »Es ist dies Münster ein rechter Kramladen zu derley Stampaneyen.«

S. 90. _Der Siedig_, der Angstschweiß.

S. 91. _Leiresblosel_, Leiresbläslein, soviel als: ein dummes Ding; mag von Leier und Blasen herkommen, zunächst also: schlechtes Geleier.

S. 93. _Bärig_, kaum.

S. 95. _Zwilch_ (der), grobe Leinwand.

S. 96. _Medey_, ein Kleinod, vielleicht eine Medaille, zum Hutschmuck gehörig. »Ob dem stulp (des spanischen Huts) ging ein Schnur vmbher. Nicht anderst alß wenns ein Kron wer; Gar köstlich von schönen Medeyen, Orndlich gesetzet nach der Reyen, Treflich vil schöne Edel Stein Theurer art dran gestanden sein« (Aus Fürstl. Würt. Pomp und Solennität durch #M. Jo. Ottingerum# beschrieben, Stuttg. 1607.) »Medeyen oder Rosen an der Cleinodschnur« (ebendas.). -- _Stotzenglas_, kurzes Kelchglas mit einem Fuße. -- _Hohlippen_, hohle Hippen, gerolltes Oblaten-Gebackenes. -- _Krapf_, mit Obst, Weinbeeren, Rosinen und dergl. gefülltes Backwerk. Im Altdeutschen bedeutet das Wort einen gekrümmten Haken.

S. 99. _Schaufalt_ (der Falt, schwäb.), die Falte an Tüchern, die nach außenhin, um besonders gesehen zu werden, gelegt wird; daher das Vorzüglichste seiner Art, womit man prangt, z. B. eine Person in einer Familie. Aehnlich ist Ausbund: was im Zusammenbinden auswärts gerichtet wird, und ebenso das vormals gebräuchliche Ueberbund. -- _Datte_, Vater (Kindersprache). In einigen Orten Württembergs war ehemals die Gewohnheit, daß Ehezwistigkeiten, ehe sie zu sehr überhand genommen, durch einen stattlichen, untadelhaften Mann im Dorfe, den man den Datte nannte, der aber unbekannt blieb, gerügt und bestraft wurden. Er klopfte nämlich, von zwei selbstgewählten Gehilfen begleitet, an dem Hause uneiniger Eheleute an, antwortete auf die Frage: »Wer da?« bloß: »Der Datte kommt« und ging ohne weiteres wieder weg. Hörte der Zwist nicht auf, so erschien er zum zweitenmal und beobachtete dasselbe. Blieb auch dies ohne Erfolg, so kam er zum drittenmal vermummt, drang in das Haus und prügelte den schuldigen Teil tüchtig ab. Der Mißbrauch hob diesen vielleicht altgermanischen Gebrauch auf. -- _Zwilauf_, Zwist. »Peter Vngelter vf der Stette haissen gen Straßburg verritten von Irer zwilöff wegen dorvnter zu reden« (aus e. Städterechnung).

Ende.

Im Weltkrieg auf K.-Papier gedruckt

Anmerkungen zur Transkription

Der Originaltext ist in Fraktur gesetzt. Hervorhebungen, die im Original g e s p e r r t sind, wurden mit Unterstrichen wie _hier_ gekennzeichnet. Textstellen, die im Original in Antiqua gesetzt sind, wurden #so# markiert. In den mundartlichen Textteilen vorkommende einzelne hochgestellte Buchstaben wurden mit einem vorrangehenden ^ markiert.

Die variierende und oft mundartliche Schreibweise des Originals wurde weitgehend beibehalten. Lediglich offensichtliche Druckfehler wurden, teilweise unter Verwendung weiterer Ausgaben des Textes, wie hier aufgeführt korrigiert (vorher/nachher):

[S. 23]: ... Damit sie ihres Kummers eher vergessen, lud ihr Frau ... ... Damit sie ihres Kummers eher vergesse, lud ihr Frau ...

[S. 44]: ... Grättlein am Arm und wollte Himbeeren lesen im Bubsinger ... ... Grättlein am Arm und wollte Himbeeren lesen im Bupsinger ...

[S. 103]: ... hoppelnden Bewegung des Kreises. -- Bauren-Schwaiger, ... ... hoppelnden Bewegung des Kreisels. -- Bauren-Schwaiger, ...

[S. 109]: ... zittern. Engl. to tottor. -- Jetzt ist lang Tag, Sprichw., es ... ... zittern. Engl. to totter. -- Jetzt ist lang Tag, Sprichw., es ...

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