Das Stuttgarter Hutzelmännlein

Part 5

Chapter 53,737 wordsPublic domain

Wie nun der Hutzelmann auf die gesetzte Stunde pünktlich kam und ihm der Bläse mit Geschmunzel seinen Teig hinhielt, roch der daran und sagte: »Lieber Mann, da hätten wir halt eine neue Schuhwichs?« -- »Aufzuwarten, ja.« -- »Mich will bedünken,« sprach lächelnder Miene der Kleine, »Ihr habt selbst noch weit hin, bis Ihr das Bulver find't, und habt jetzt nur viel Arbeit, Müh und Kösten unnötigerweis gehabt mit mir. Dafür wie auch um andrer Einbuß willen soll Euch indes Vergütung werden. Ich will Euch das Rezept zu meiner Fett-Glanz-Stiefelwichsen geben, die mögt Ihr schachtelweis mit gutem Vorteil verkaufen.«

Das Männlein wußte wohl, was es hiermit verhieß: denn Meister Bläse ward ein reicher Mann mit solcher Handelschaft in wenig Jahren. Seine Erben bewahren annoch das Geheimnis, und allen feinen Leuten unsrer Tage wüßt' ich fürwahr eine bessere Wichs nicht zu nennen, obwohl ich nicht verschweigen darf, was der Pechschwitzer dazumal eben dem Bläse gar ehrlich bekannte: »Ein Ledder, wohl zu halten nach Ledders Natur, ist das fürnehmst der Schmeer allezeit, und hat er Glanzes genug an ihm selbsten.« Welcher Ausspruch indes hier dahingestellt bleibe.

* * * * *

Laßt aber sehen, was seither der Gesell in Ulm für Glückssprünge mag gemacht haben!

Zween Monat -- eher drunter als drüber -- kann er daselbst gewesen sein, da war er mürb und gar bereits vor Liebe zu der Meisterin, und wenn er wohl bisweilen meinte, ein wenig mehr Gespräch und Fröhlichkeit stünd' ihr gut an, so dachte er doch immer gern eines alten wahrhaften Worts: Stille Schaf seind mille- und wollereich, wird ihnen gewartet. Alle Samstag nacht, wenn er auf seine Kammer ging, sprach er bei sich: Jetzt morgen tragst du ihr die Heirat an! Und wenn er eben drauf und dran war, ließ er's wieder aus Blödigkeit und Sorge, sie möchte ihn zuletzt doch stolz ablaufen lassen.

Nun hatten sie einsmals ein Schweinlein gemetzelt, das zweite seitdem man den Lichtbraten hatte -- es war schon im Hornung und schien ein vorzeitiger Frühling zu werden -- da befand sich der Seppe am Morgen allein mit ihr in der Küche, das Fleischwerk in den Rauch zu hängen. Inmittelst, als er sich die Leiter unter dem Schlot zurechtstellte, die Würste sich in Ringen um die Arme hing, erzählte er ihr von Regensburg und Regensburger Würsten, was er vom Hörensagen wußte, und wie er so mit seiner Tracht aufstieg in das Kamin, sie aber unten stand beim Herd, sprach sie: »Nach Regensburg geht Ihr doch noch; es liegt Euch allfort in Gedanken.«

Der Seppe, weil sie ihm nicht ins Gesicht sehn konnte -- denn oberhalb stak er im Finstern -- nahm sich ein Herz und sagte: »Wenn es auf mich ankäm', ich wollte leben und sterben bei Euch.«

»Ihr sollt auch unvertrieben sein!« gab sie zur Antwort.

»Ja,« sagte er und stockte, »es mag halt einer doch auch nicht sein Leben lang ledig verbleiben.«

Sie sagte nichts darauf. Da fing er wieder an: »Nach einem rechten Weib kann wohl ein armer Teufel heutigstags weit suchen.«

Darauf sie ihm entgegnete: »Man sucht erst einmal in der Nähe.«

Dem Seppe schossen bei dem Wort die Flammen in die Backen, als wollten sie oben zum Schornstein ausschlagen.

Die Stangen hingen alle voll, er hätte können gehen; allein der Angstschweiß brach ihm aus: er wußte nicht, wie er am hellen Tagslicht vor die Frau hintreten, noch was er weiter sagen solle. Drum nestelt' er und ruckt' und zappelte noch eifrig eine Weile an den Würsten hin und wieder. Auf einmal aber sprach er: »Meisterin, ich hab' schon je und je gedacht, wir wären füreinander. Ich hätte eine Lieb' zu Ihr und groß Zutrauen.«

»Davon läßt sich schon reden!« sagte sie. -- Nun stieg er flugs herab und stand vor ihr mit einem schwarzen Rußfleck um die Nase, darüber sie ein wenig lächelte, einen Zipfel ihrer weißen Schürze nahm und ihn abwischte. Das tat ihm ganz im Herzen wohl, er faßte ihre Hand und hatte ihren Mund geküßt, eh' sie sich des versah. Sie aber gab ihm ein Gleiches zurück. -- »So seid Ihr nicht mehr meine Meisterin, Ihr seid jetzt meine Braut!« -- Sie bejaht' es, und waren sie beide vergnügt, schwatzten und kosten noch lang' miteinander.

Bevor er wieder in die Werkstatt ging, sagte sie noch: »Wir wollen niemand etwas merken lassen, bis Ihr das Meisterrecht habt und wir bald fürsche machen können.«

Selbigen Abend eilte es dem Seppe nicht, wie sonst, nach dem Essen zum Bier. Er freute sich schon seit dem Morgen auf diese gute Stunde. Sobald die andern aus dem Haus, begab er sich auf seine Kammer, wusch und kämmte sich, legte ein sauberes Hemd und sein Sonntagswams an, zu Ehren dem Verspruch, und als er dann neben der Frau so recht in Ruh und Frieden saß, die Läden und die Haustür zugeschlossen waren, ein frisches Licht im Leuchter angesteckt, so legt' er ihr zuvörderst die silberne Haube, seine Brautschenke, hin. Ja, da empfing er freilich Lobs und Danks mit Haufen. Wo bringt's der Fantel her? mochte sie denken, da er es nicht gekauft noch hoffentlich vom Markt gestohlen hat. -- Sie hätte es gar gern gewußt, doch band er sich die Zunge fest und lachte nur so.

Sie holte Wein herauf vom Keller, und er brachte den Schnitzlaib herunter. Der Leser bildet sich schon selber ein, sie werde heute schwerlich das erstemal davon gekostet haben: o nein! Den Seppe kränkte nur, daß er ihr nicht füglich Tag für Tag ein neues Stück zum Imbiß bringen konnte, indem die Meisterin schon ohnedas sich wunderte, was doch der Bursch für einen guten Döte habe an dem Stuttgarter Hofzuckerbäcken (wie er ihr weisgemacht), dem's auf ein Laiblein alle acht Tag nicht ankomme. Denn ob es ihm schon nicht verboten war, zu offenbaren, wie es damit bewandt, so scheute er sich doch. Jetzt fühlte sie ihm besser auf den Zahn und sagte: »Gesteht's nur, Seppe! Gelt, Brot und Haube sind aus _einem_ Haus!« -- »Das nicht,« erwidert' er. »Das eine anbelangend, so will ich meine herzliebe Braut von Grund der Wahrheit berichten: denn mit dem Zuckerbäck, das war gespaßt. Habt Ihr in Ulm auch schon gehört vom Hutzelmann?« -- »Kein Wort.« -- »Vom Pechschwitzer? vom Tröster?« -- »Nichts.« -- »Gut denn!« -- Er nahm sein Glas, tat ihr Bescheid, fing an, der Frau treuherzig zu eröffnen alles, was ihm die Nacht vor seiner Reise widerfahren. Im Anfang schaute sie ihm so in das Gesicht dabei, als gält' es eben Scherz; doch weil er gar zu ernsthaft dreinsah, dachte sie: Er ist ein Wunderlecker und ein Träumer. Je mehr sie aber zweifelte, je mehr ereiferte er sich. »Da will ich meiner Liebsten zum Exempel vom Doktor Veylland eine Geschichte erzählen, die ist gewiß und wahr, ich hab' sie von meinem Großvater. Ihr höret sie einmal zum Zeitvertreib, nachher mögt Ihr dran glauben oder nicht!

Der Veylland war ein alter Freund vom Graf Konrad von Wirtemberg, demselbigen, welcher den Grund zu meiner Vaterstadt gelegt, und trieb sein Wesen als ein stiller alter Herr in einem einzechten Gebäu, das stand daselbst im Tal unweit dem Platz, wo dermalen das Schloß zu sehen ist. Des Doktors vornehmstes Vergnügen war ein großer Garten hinter seinem Haus, drin pflanzte er das schönste Obst im ganzen Gau; nur daß ihm alle Herbst die Bupsinger Bauern die Hälfte wegstahlen trotz einer hohen Mauer, so rings um das Haus und den Garten her lief. Dies ärgerte den Herrn, daß er oft krank darüber ward. Jetzt kommt einmal am lichten Tag, indem er eben bei verschlossener Tür in einem alten Buch studiert, der Hutzelmann zu ihm, der Pechschwitzer, der Tröster (welchen zuvor der Doktor noch nicht kannte) und bietet ihm ein Mittel wider diese Gauchen mit dem Beding, daß er ihm alljährlich einen Scheffel gute Wadelbiren liefere zu Hutzeln. Der Doktor ging das unschwer ein. Da brachte jener unter seinem Schurzfell einen Stiefelknecht hervor von ordentlichem Buchenholz, noch neu und als ein wundersamer Krebs geschnitzt, mit einem platten Rücken und kurzen starken Scheren; am Bauch untenher war er schwarz angestrichen, darauf mit weißer Farbe ein Drudenfuß gemacht. Nehmt diesen meinen Knecht, sagte der Hutzelmann, und stellt ihn, wohin Ihr wollt im Haus, doch daß er freien Paß in Garten habe, etwa durch einen Kandel oder Katzenlauf! Im übrigen laßt ihn nur machen und kümmert Euch gar nichts um ihn! Es kann geschehen, daß Ihr mitten in der Nacht hört einen Menschen schreien, winslen und girmsen: da springet zu, greifet den Dieb und stäupet ihn! Dann sprechet zu dem Knecht die Wort':

Zanges, Banges, laß ihn gahn, Wohl hast du dein Amt getan!

Doch ehe Ihr den Bauern oder Nachtschach laufen laßt, sollt Ihr ihn heißen seine Stiefel oder Schuh abtun, dabei mein Knecht ihm trefflich helfen wird, und diese Pfandstück möget Ihr behalten, auch seinerzeit nach Belieben verschenken! Dafern mein Krebs in seiner Pflicht saumselig würde oder sonst sich unnütz machte, schenkt ihm nur etlich gute Tritt' keck auf die Aberschanz! Ich hoff', es soll nicht nötig sein. Sonst ist er ganz ein frommes Tier und zäh, man kann Holz auf ihm spalten; nur allein vor der Küchen sollt Ihr ihn hüten: er steigt gern überall herum und fällt einmal in einen Kessel mit heiß Wasser; das vertragt er nicht. Aber ich komme schon wieder und sehe selbst nach, lieber Herr. Gehabt Euch wohl!

Der Doktor Veylland stellte jetzt den Stiefelknecht vor seine Stubentür. Da blieb er stehen bis zum Abend unverregt und sah so dumm wie ein ander Stück Holz. Im Zwielichten aber, wie man just an nichts dachte, ging es auf einmal Holterpolter, Holterpolter die Stiege hinab und durchs Gußloch hinaus in den Garten. Da sahen Herr und Diener ihn vom Fenster aus durchs grüne Gras an der Mauer hinschleichen und kratteln, an allen vier Seiten herum und immer so fort, die ganze liebe lange Nacht.

Der alte Diener hatte seine Lagerstatt im untern Stock gegen den Garten; nun streckt er sich in Kleidern auf sein Lotterbett. Eine Stunde verstrich nach der andern, der Alte hörte nichts, als hin und wieder wie durch das Geäst ein reifes Obst herunterrauscht' und plumpste. Doch gegen Morgen, eben da er sich aufs andere Ohr hinlegte und sein Zudeck' besser an sich nahm, denn es war frisch, erscholl von fernen her ein Zetermordgeschrei, als wenn es einem Menschen an das Leben geht. Der Diener sprang hinaus und sah auf sechzig Schritt, wie des Hutzelmanns Knecht einen baumstarken Kerl am Fersen hatte und mit Gewalt gegen das Haus herzerrte, also daß beide Teile rückwärts gingen, Dieb und Büttel (wie ja der Krebse Art auch ohnedem so ist), und war ein Zerren, Würgen, Sperren, Drängen und Reißen, dazu viel Keuchens und Schnaufens, Wimmerns und Bittens, daß es erbärmlich war zu hören und sehen.

Der arme Schächer, so ein Bupsinger Weinschröter war, trachtet' im Anfang wohl, mitsamt dem Schergen durchzugehen, der aber hatte gut zwo Ochsenstärken und strafte ihn mit Kneipen jedesmal so hart, daß er sich bald gutwillig gab. Auf solche Weise kamen sie bis an das Haus; da hielt der Krebs gerade vor der Tür und stand der Doktor schon daselbst in seinem Schlafrock, lachend; sprach:

Zanges, Banges, laß ihn gahn, Wohl hast du dein Amt getan!

Dann ließ er den Bauern die Bundschuh austun und mochte der laufen.

Die andere Nacht gleich wurden ihrer zween nacheinander eingebracht, die dritte wieder einer und alsofort bis auf die dreißig, lauter Bupsinger. Denn weil sich jeder schämte, sagt's keiner, die andern zu warnen. Der gute Knecht verfehlte nicht leicht seinen Mann; ein einzigmal kam er mit einem leeren Stiefel angerutscht und hielt denselben bis zum Morgen unverruckt mit großer Kraft in seinen Zangen, bis ihn von ungefähr der Herr vom Haus erblickte. Das Schuhwerk aber nagelte der Diener alles nach der Reih' im leeren Pferdstall an der Wand herum. -- Es gibt noch ein liebliches Stücklein davon: wie nämlich einst der Graf mit seiner Frauen und zwei Söhnlein auf Besuch bei dem Veylland gewesen. Herr Konrad baute bei dessen Garten eine Stuterei -- daher nachmals die Stadt Stuttgarten hieß -- beschied seinen Werkmeister her auf den Platz und zeigte selbst, wie alles werden sollte. Es wollte aber gern der Doktor denen kleinen Junkherrn eine Kurzweil schaffen und bat den Hutzelmann derhalben, um daß er ein unschuldig Zinselwerk bereite; der versprach's. Als nun die Knaben nach der Mahlzeit in dem Garten spielten, da ward's lebendig in dem Stall, und kam bald aus der Tür hervor ein ganzer Zug von kleinen, zierlichen Rößlein, lauter Rappen mit Sattel und Zeug, und das waren die Stiefel gewesen; sie gingen zwei und zwei und wurden von kleinen Roßbuben geführt, und das waren die Bundschuh. Die Junker hatten ihre Freude mit den ganzen Abend. Auf einmal tat es außen an dem Garten einen Pfiff, der ganze Troß saß wie der Blitz ein jeder in seinem Sattel, die Rößlein aber waren zumal Heupferde geworden, grasgrün, einen Schuh lang, mit Flügeln, die setzten all' über die Mauer hinweg und kamen nicht mehr. Doch nachderhand fand man so Stiefel als Schuh wie zuvor an die Stallwand genagelt.

Vor Jahren habe ich zu Stuttgart auf dem Markt ein Spiel gesehen in einem Dockenkasten, so auch von diesem handelte. Hätt' ich nur alles noch so recht im Kopf! Da wird gesagt zum Vorbericht in wohlgesetzten Reimen, was ich Euch erst erzählt, und sonst noch was voraus zu wissen nötig ist, vom Bernd Jobsten, dem Hofnarrn. Der ward denselben Spätling fortgejagt vom Grafen, weil er nicht wollte seiner bösen Zunge Zaum und Zügel anlegen, absonderlich gegen die fremden Herrschaften und Gäste. Nun klagte er sein Mißgeschick dem Doktor, als welcher ihm sonst einmal Gnade beim Herrn derhalben ausgewirkt, jetzt aber sich dessen nicht mehr unterstand; doch steuert' er ihm etwas auf den Weg und hieß ihn auch die Schuh im Stall mitnehmen, wofern er etwa meinte, sich ein Geldlein mit zu machen. Ja, sagte der Narr, das kommt mir schon recht. Vergelt' es Gott! -- und holte sie gleich ab in einem großmächtigen Kräben und trug sie auf dem Rücken weg, talabwärts, wußte auch schon, was anfangen damit.

Am Neckar unterm Kahlenstein fand er des Grafen Schäfer auf der Weid' und stellte seine Bürde ein wenig bei ihm ab, erzählte ihm, wie er den Dienst verscherzt, und was er da trage. Hiermit hebt denn die Handlung an, und spricht sofort der Narr:

_Narr_: Ich bin jetzt alt und gichtbrüchig, Und meine Sünden beißen mich; Drum will ich bau'n ein Klösterlein Und selber gehn zuerst hinein, In angenehmer Schauenlichkeit Verdrönsgen dieses Restlein Zeit.

Spricht der _Schäfer_: Klöster bauen kost't halt viel Geld.

_Der Narr_: Just darauf ist mein Sinn gestellt. Hiezu bedarf es ein Heiltum, Daß alle Leut' gleich laufen drum. Ein Armes bringt sein Scherflein her, Der Reich' schenkt Äcker, Hof, Wald und mehr.

_Der Schäfer_: Solch Heiltum kriegen ist nichts Kleins.

_Der Narr_: Hat mancher keins, er schnitzet eins. Ich, Gott sei Dank! bin wohl versehn. Diese Schuh', mußt du verstehn, Der vielberühmt Doktor Veylland Nächst an der Stadt Jerusalem fand Unterm Schutt in einer eisen Truh Ein gar alt Pergament dazu Mit Judeng'schrift. Selbes bekennt: Als Mose nun hätt' Israels Heer Geführet durch das Rote Meer Und König Pharao, Reiter und Wagen Ersäufet in der Tiefe lagen, Frohlockt das Volk auf diesen Strauß, Zog weinend Schuh und Stiefel aus, Am Stecken sie zu tragen heim Ins Land, wo Milch und Honigseim, In ihren Häusern sie aufzuhenken Zu solches Wunders Angedenken. Aus sechshunderttausend ohngefahr Erlas man diese dreißig Paar Und brachte sie an sichern Ort Als einen künftigen Segenshort, Daß, wer das Leder küssen mag, Sei ledig seiner Lebetag Von Allerweltsart Wassernot, Auch Wassersucht und sottem Tod.

_Der Schäfer_: Hast du das G'schrift auch bei der Hand?

_Der Narr_: Das, meint' ich, gäb' dir dein Verstand. Es liegt im Kräben unterst drin, Und hätt' ich's nicht, gält's her wie hin. Die War' blieb trocken auf Meeres Grund Und ist brottrocken auf diese Stund'.

Nun kenn' ich einen guten Pfaffen, Der soll mir helfen mein Ding beschaffen, Soll es anrühmen dem Provinzial, Der meld't's gen Rom dem General. Da wird sehr bald Bescheid ergehn, Man wöll der Sach nit widerstehn, Sie soll'n nur forschen bei diesem Jobst, Was er lieber wär': Prior oder Propst.

Als nun der Narr zum Pater in seine Zelle kommt und ihm den Antrag stellt, begehrt derselbe allererst, das Pergament zu sehen. Ja, sagt der Schelm, vorm Jahr noch hätt' er's ihm wohl weisen können; allein ganz schrumpflig, mürb und brüchig, wie er es überkommen, sei es ihm nach und nach zuschanden gegangen. Dafür zieht er aus seinem Korb hervor ein alt, schwer eisen Marschloß, vorgebend, es sei vor der Truchen gelegen. Der Mönch, wie leicht zu denken, hält ihm nichts drauf, verachtet ihm sein ganz Beginnen, verwarnet und bedrohet ihn gar. Der Narr, weil er vermeint, die Sach' an ihr selbsten gefiel' ihm schon, sie möchte wahr sein oder nicht, er scheue minder den Betrug als den Genossen -- erboset er sich sehr in anzüglichen Reden und spricht mit der Letzt:

Sag, Pfaff! tust du die Bibel les'n?

_Der Pater_: War die ganze Wuch'n drüber g'sess'n.

_Der Narr_: Ich dacht nur, weil sie in Latein.

_Der Pater_: Wohl! daß nit jed's Vieh stört hinein.

_Der Narr_: Wohlan, so weißt du baß dann ich, Was dort geweissagt ist auf dich Und die Frau Mutter der Christenheit, Wie ihr es nämlich treibt die Zeit. Zum Exempel §Proverbia§ Im dreiß'gsten, was steht allda? Die Eigel hat zwo Töchter schnöd: Bringher, Bringher, heißen alle beed; Die ein' hat einen Ablaßkram, Die ander heischet sonder Scham. -- Ei, das hofft' ich nur auch zu nutzen. Pfaff, du tät'st mit, hätt's nicht sein Butzen!

So zieht er ab mit seinem Kräben unter heftigem Schelten und Drohen des Mönchs. Noch aber läßt er sein Vorhaben nicht, ein Kloster zu erbauen, und sollen ihm die Bundschuh und die Stiefel inallweg dazu helfen. Sobald er wieder auf der Straßen ist, spricht er:

Jetzt, wüßt' ich nur 's Pechfisels Haus! Der macht' mir ein' Trupp Münchlein draus; Die schicket' ich dann in die Welt, Zu kollektier'n ein Gottesgeld. Vielleicht er macht sie mir gleich beritten Auf Saumrößlein mit frommen Sitten: Sie kämen doch viel 'ringer so 'rum, Als wie §per pedes apostolorum§.

Nachdem er lang vergebens überall dem kleinen Schuster nachgefragt, so findet er denselben von ungefähr beim Bupsinger Brünnlein sitzen, an dem Berg, darin seine Wohnung und Werkstatt ist, und wo er eben einen Becher Wassers schöpfte. Der Narr, mit großer Scheinheiligkeit, entdeckt ihm sein Anliegen, doch der Pechschwitzer antwortet ihm:

Ich dient' Euch gern, mein guter Freund, Aber was geistliche Sachen seind, Laßt meine Kunst mit unverworr'n! Es brächt' mir eitel Haß und Zorn. Mein Rat ist darum: Geht zur Stund', Verkauft, so gut Ihr könnt, den Schund! Bei die Bupsinger droben, hör' ich, wär' Großer Mangel eine Weil schon her. So brauchet es kein lang Hausieren. Doch müßt ihr nicht Eu'r Geld verlieren; Woll'n sie mit dem Beutel nit schier heraus, Droht, es käm' ihnen der Werr ins Haus, Der Presser; das werden sie schon verstehn.

Darauf der _Narr_: Ich folg' Euch, Meister, und dank' Euch schön.

Jetzt kommt das Lustigste, das aber muß man sehen: wie nämlich Bernd Jobst in dem Dorf seinen Korb auf der Gasse ausschüttet, die Bauern aus den Häusern kommen und gleich ein groß Geriß anhebt, da jeder mit Geschrei sein Eigentum aussucht und alle sich untereinander als Diebe verraten. Sie weigern sich der Zahlung gar hartselig, bis sich der Jobst anstellt zu gehen und sich etwas verlauten läßt vom Werr, daß er ihn schicken wolle. Auf dieses ist mit eins ein jeder willig und bereit, ja auch der gröbst Torangel zahlt, was ihn ein neues Paar vom Krämermarkt nicht kostete.

Allmittelst hat der Schäfer bei Gelegenheit dem Grafen erzählt, was Wunderliches der Jobst vorhabe, der Doktor aber bestätiget nach dem, wo er vom Pechschwitzer vernommen, und ist das Ende von dem Lied, daß Herrn Konrad dem Narren für diesmal Vergebung erteilt, weil ihm der Schwank gefallen.«

So erzählte der Seppe. Die Meisterin hörte ihm nur so aus Gefälligkeit zu und insgeheim mit Gähnen. »Ja, ja,« sprach sie am Ende, »das sind mir einmal Sachen!« und nahm das Ränftlein in die Hand, das er von seinem Brot übrig gelassen. Nun, muß man wissen, hatte sie am Fenster einen schönen großen Vogel, der saß in seinem Ring frei da. Ihr erster Mann nahm ihn einmal an Zahlungsstatt von einem bösen Kunden an; es war ein weißer Sittich mit einem schwarzen Schnabel und auch dergleichen Füßen. Er sollte, hieß es, alles sprechen, wenn er das rechte Futter bekäme, und ob er zwar die ganze Zeit nicht sprach und sich der Schuster dessenthalb betrogen fand, so ward er doch der Frau Liebling.

Derselbe schaute jetzt der Meisterin, wie sie das Restlein Brot so hielt, mit einem krummen Kopf begierig auf die Finger. Da sagte sie zu ihrem Bräutigam: »Soll es der Heinz nicht haben?« -- Der Seppe dachte freilich: Damit geht manches Hundert schöner Laiblein ungesehen zuschanden; doch gab er ihr zur Antwort: »Was mein ist, das ist Euer, und was Euch hin ist, soll auch mir hin sein.« -- So schnellte sie den Brocken ihrem Heinz hinauf; der schnappte ihn, zerbiß und schluckt' ihn nieder. Kaum aber war's geschehn, so hub der Sittich an zu reden und brachte laut und deutlich diese Worte vor:

Gut, gut, gut -- ist des Hutzelmanns sein Brot. Wer einen hat umgebracht und zween, schlägt auch den dritten tot.

Die Meisterin saß bleich, als wie die Wand, auf ihrem Stuhl, der Gesell aber, wähnend, sie sei darob verwundert vielmehr denn entsetzt, lachte und rief: »Der ist kein Narr! Er meint, wenn man es einmal recht verschmeckte, fräß einer leicht auf einen Sitz drei Laib!« -- Darauf die Frau zwar gleichermaßen groß Ergötzen an dem Tier bezeugte; doch mochte es ihr wind und weh inwendig sein, und als der Bräutigam, nachdem er lang genug von dem närrischen Vogel gered't und Scherz mit ihm getrieben, jetzo von andern, nötigen Dingen zu handeln begann: wie sie es künftighin im Haus einrichten wollten, wen von den Gesellen behalten, wem kündigen und so mehr, war sie mit den Gedanken unstet immer nebenaus; das wollten sie bei guter Zeit ausmachen, sagte sie, tat schläfrig, besah die Haube noch einmal und setzte sie auf vor dem Spiegel. -- »Puh! friert's mich in der Hauben!« rief sie zumal und schüttelte sich ordentlich. »Das Silber kältet so.« -- Dann sagte sie: »Wenn schwarze Band dran wären, mein! es wär' recht eine Armesünderhaube für eine fürstliche Person!« und lachte über diese ihre Rede einen Schochen, daß den Gesellen ein Gräusel ankam. Gleich aber war sie wieder recht und gut, gespräch, liebkoste den Gespons und machte ihn vergnügt, wie er nur je gewesen. Danach so gaben sie einander küssend gute Nacht und ging er, aller guten Dinge voll, auf seine Kammer.