Das Nibelungenlied

Chapter 7

Chapter 73,597 wordsPublic domain

"Die Märe wüst ich gerne," der König sprach da so, 355 "Eh wir von hinnen führen, des wär ich herzlich froh, Was wir für Kleider sollten vor Brunhilden tragen, Die uns geziemen möchten: Siegfried, das sollst du mir sagen."

"Gewand das allerbeste, das man irgend fand, 356 Trägt man zu allen Zeiten in Brunhildens Land: Drum laß uns reiche Kleider vor der Frauen tragen, Daß wirs nicht Schande haben, hört man künftig von uns sagen."

Da sprach der gute Degen: "So will ich selber gehn 357 Zu meiner lieben Mutter, ob es nicht mag geschehn, Daß ihre schönen Mägde uns schaffen solch Gewand, Das wir mit Ehren tragen in der hehren Jungfrau Land."

Da Sprach von Tronje Hagen mit herrlichen Sitten: 358 "Was wollt ihr eure Mutter um solche Dienste bitten? Laßt eure Schwester hören euern Sinn und Muth: Die ist so kunstreich, unsre Kleider werden gut."

Da entbot er seiner Schwester, er wünsche sie zu sehn 359 Und auch der Degen Siegfried. Eh sie das ließ geschehn, Da hatte sich die Schöne geschmückt mit reichem Kleid. Daß die Herren kamen, schuf ihr wenig Herzeleid.

Da war auch ihr Gesinde geziert nach seinem Stand. 360 Die Fürsten kamen beide; als sie das befand, Erhob sie sich vom Sitze: wie höfisch sie da gieng, Als sie den edeln Fremdling und ihren Bruder empfieng!

"Willkommen sei mein Bruder und der Geselle sein. 361 Nun möcht ich gerne wissen," Sprach das Mägdelein, "Was euch Herrn geliebe, daß ihr zu Hofe kommt: Laßt mich doch hören, was euch edeln Recken frommt."

Da sprach König Gunther: "Frau, ich wills euch sagen. 362 Wir müßen große Sorge bei hohem Muthe tragen: Wir wollen werben reiten fern in fremdes Land Und hätten zu der Reise gerne zierlich Gewand."

"Nun sitzt, lieber Bruder," sprach das Königskind, 363 "Und laßt mich erst erfahren, Wer die Frauen sind, Die ihr begehrt zu minnen in fremder Könge Land." Die Auserwählten beide nahm das Mägdlein bei der Hand:

Hin gieng sie mit den Beiden, wo sie geseßen war 364 Auf prächtgen Ruhebetten, das glaubt mir fürwahr, Mit eingewirkten Bildern, in Gold wohl erhaben. Sie mochten bei der Frauen gute Kurzweile haben.

Freundliche Blicke und gütliches Sehn, 365 Des mochte von den Beiden da wohl viel geschehn. Er trug sie in dem Herzen, sie war ihm wie sein Leben. Er erwarb mit großem Dienste, daß sie ihm ward zu Weib gegeben.

Da sprach der edle König: "Viel liebe Schwester mein, 366 Ohne deine Hülfe kann es nimmer sein. Wir wollen abenteuern in Brunhildens Land; Da müßen wir vor Frauen tragen herrlich Gewand."

Da sprach die Königstochter: "Viel lieber Bruder mein, 367 Kann euch an meiner Hülfe dabei gelegen sein, So sollt ihr inne werden, ich bin dazu bereit; Versagte sie ein Andrer euch, das wäre Kriemhilden leid.

"Ihr sollt mich, edler Ritter, nicht in Sorgen bitten, 368 Ihr sollt nur gebieten mit herrlichen Sitten: Was euch gefallen möge, dazu bin ich bereit Und thus mit gutem Willen," sprach die wonnigliche Maid.

"Wir wollen, liebe Schwester, tragen gut Gewand: 369 Das soll bereiten helfen eure weiße Hand. Laßt eure Mägdlein sorgen, daß es uns herrlich steht, Da man uns diese Reise doch vergebens widerräth."

Da begann die Jungfrau: "Nun hört, was ich sage, 370 Wir haben selber Seide: befehlt, daß man uns trage Gestein auf den Schilden, so schaffen wir das Kleid, Das ihr mit Ehren traget vor der herrlichen Maid."

"Wer sind die Gesellen," sprach die Königin, 371 "Die mit euch gekleidet zu Hofe sollen ziehn?" "Das bin ich selbvierter; noch Zwei aus meinem Lehn, Dankwart und Hagen, sollen mit uns zu Hofe gehn.

"Nun merkt, liebe Schwester, wohl, was wir euch sagen: 372 Sorgt, daß wir vier Gesellen zu vier Tagen tragen Je der Kleider dreierlei und also gut Gewand, Daß wir ohne Schande räumen Brunhildens Land."

Das gelobte sie den Recken; die Herren schieden hin. 373 Da berief der Jungfraun Kriemhild die Königin Aus ihrer Kemenate dreißig Mägdelein, Die gar sinnreich mochten zu solcher Kunstübung sein.

In arabische Seide, so weiß als der Schnee, 374 Und gute Zazamanker, so grün als der Klee, Legten sie Gesteine: das gab ein gut Gewand; Kriemhild die schöne schnitts mit eigener Hand.

Von seltner Fische Häuten Bezüge wohlgethan, 375 Zu schauen fremd den Leuten, so viel man nur gewann, Bedeckten sie mit Seide: darein ward Gold getragen: Man mochte große Wunder von den lichten Kleidern sagen.

Aus dem Land Marocco und auch von Libya 376 Der allerbesten Seide, die man jemals sah Königskinder tragen, der hatten sie genug. Wohl ließ sie Kriemhild schauen, wie sie Liebe für sie trug.

Da sie so theure Kleider begehrt zu ihrer Fahrt, 377 Hermelinfelle wurden nicht gespart, Darauf von Kohlenschwärze mancher Flecken lag: Das trügen schnelle Helden noch gern bei einem Hofgelag.

Aus arabischem Golde glänzte mancher Stein; 378 Der Frauen Unmuße war nicht zu klein. Sie schufen die Gewände in sieben Wochen Zeit; Da war auch ihr Gewaffen den guten Degen bereit.

Als sie gerüstet standen, sah man auf dem Rhein 379 Fleißiglich gezimmert ein starkes Schiffelein, Das sie da tragen sollte hernieder an die See. Den edeln Jungfrauen war von Arbeiten weh.

Da sagte man den Recken, es sei für sie zur Hand, 380 Das sie tragen sollten, das zierliche Gewand. Was sie erbeten hatten, das war nun geschehn; Da wollten sie nicht länger mehr am Rheine bestehn.

Zu den Heergesellen ein Bote ward gesandt, 381 Ob sie schauen wollten ihr neues Gewand, Ob es den Helden wäre zu kurz oder lang. Es war von rechtem Maße; des sagten sie den Frauen Dank.

Vor wen sie immer kamen, die musten all gestehn, 382 Sie hätten nie auf Erden schöner Gewand gesehn. Drum mochten sie es gerne da zu Hofe tragen; Von beßerm Ritterstaate wuste Niemand mehr zu sagen.

Den edeln Maiden wurde höchlich Dank gesagt. 383 Da baten um Urlaub die Recken unverzagt; In ritterlichen Züchten thaten die Herren das. Da wurden lichte Augen getrübt von Weinen und naß.

Sie sprach: "Viel lieber Bruder, ihr bliebet beßer hier 384 Und würbt andre Frauen: klüger schien' es mir, Wo ihr nicht wagen müstet Leben und Leib. Ihr fändet in der Nähe wohl ein so hochgeboren Weib."

Sie ahnten wohl im Herzen ihr künftig Ungemach. 385 Sie musten alle weinen, was da auch Einer sprach. Das Gold vor ihren Brüsten ward von Thränen fahl; Die fielen ihnen dichte von den Augen zuthal.

Da sprach sie: "Herr Siegfried, laßt euch befohlen sein 386 Auf Treu und auf Gnade den lieben Bruder mein, Daß ihn nichts gefährde in Brunhildens Land." Das versprach der Kühne Frau Kriemhilden in die Hand.

Da sprach der edle Degen: "So lang mein Leben währt, 387 So bleibt von allen Sorgen, Herrin, unbeschwert; Ich bring ihn euch geborgen wieder an den Rhein. Das glaubt bei Leib und Leben." Da dankt' ihm schön das Mägdelein.

Die goldrothen Schilde trug man an den Strand 388 Und schaffte zu dem Schiffe all ihr Rüstgewand; Ihre Rosse ließ man bringen: sie wollten nun hindann. Wie da von schönen Frauen so großes Weinen begann!

Da stellte sich ins Fenster manch minnigliches Kind. 389 Das Schiff mit seinem Segel ergriff ein hoher Wind. Die stolzen Heergesellen saßen auf dem Rhein; Da sprach der König Gunther: "Wer soll nun Schiffmeister sein?"

"Das will ich," sprach Siegfried: "ich kann euch auf der Flut 390 Wohl von hinnen führen, das wißt, Helden gut; Die rechten Wasserstraßen sind mir wohl bekannt." So schieden sie mit Freuden aus der Burgunden Land.

Eine Ruderstange Siegfried ergriff; 391 Vom Gestade schob er kräftig das Schiff. Gunther der kühne ein Ruder selber nahm. Da huben sich vom Lande die schnellen Ritter lobesam.

Sie führten reichlich Speise, dazu guten Wein, 392 Den besten, den sie finden mochten um den Rhein. Ihre Rosse standen still in guter Ruh; Das Schiff gieng so eben, kein Ungemach stieß ihnen zu.

Ihre starken Segelseile streckte die Luft mit Macht; 393 Sie fuhren zwanzig Meilen, eh niedersank die Nacht, Mit günstigem Winde nieder nach der See; Ihr starkes Arbeiten that noch schönen Frauen weh.

An dem zwölften Morgen, wie wir hören sagen, 394 Da hatten sie die Winde weit hinweggetragen Nach Isenstein der Veste in Brunhildens Land, Das ihrer Keinem außer Siegfried bekannt.

Als der König Gunther so viel der Burgen sah 395 Und auch der weiten Marken, wie bald sprach er da: "Nun sagt mir, Freund Siegfried, ist euch das bekannt? Wem sind diese Burgen und wem das herrliche Land?

"Ich hab all mein Leben, das muß ich wohl gestehn, 396 So wohlgebauter Burgen nie so viel gesehn Irgend in den Landen, als wir hier ersahn; Der sie erbauen konnte, war wohl ein mächtiger Mann."

Zur Antwort gab ihm Siegfried: "Das ist mir wohlbekannt; 397 Brunhilden sind sie, die Burgen wie das Land Und Isenstein die Veste, glaubt mir fürwahr: Da mögt ihr heute schauen schöner Frauen große Schar.

"Ich will euch Helden rathen: seid all von einem Muth 398 Und sprecht in gleichem Sinne, so dünkt es mich gut. Denn wenn wir heute vor Brunhilden gehn, So müßen wir in Sorgen vor der Königstochter stehn.

"Wenn wir die Minnigliche bei ihren Leuten sehn, 399 Sollt ihr erlauchte Helden nur Einer Rede stehn: Gunther sei mein Lehnsherr und ich ihm unterthan; So wird ihm sein Verlangen nach seinem Wunsche gethan."

Sie waren all willfährig zu thun, wie er sie hieß: 400 In seinem Uebermuthe es auch nicht Einer ließ. Sie sprachen, wie er wollte; wohl frommt' es ihnen da, Als der König Gunther die schöne Brunhild ersah.

"Wohl thu ichs nicht so gerne dir zu lieb allein, 401 Als um deine Schwester, das schöne Mägdelein. Die ist mir wie die Seele und wie mein eigner Leib; Ich will es gern verdienen, daß sie werde mein Weib."

* * * * *

Siebentes Abenteuer.

Wie Gunther Brunhilden gewann.

Ihr Schifflein unterdessen war auf dem Meer 402 Zur Burg heran gefloßen: da sah der König hehr Oben in den Fenstern manche schöne Maid. Daß er sie nicht erkannte, das war in Wahrheit ihm leid.

Er fragte Siegfrieden, den Gesellen sein: 403 "Hättet ihr wohl Kunde um diese Mägdelein, Die dort hernieder schauen nach uns auf die Flut? Wie ihr Herr auch heiße, so tragen sie hohen Muth."

Da sprach der kühne Siegfried: "Nun sollt ihr heimlich spähn 404 Nach den Jungfrauen und sollt mir dann gestehn, Welche ihr nehmen wolltet, wär euch die Wahl verliehn." "Das will ich," sprach Gunther, dieser Ritter schnell und kühn.

"So schau ich ihrer Eine in jenem Fenster an, 405 Im schneeweißen Kleide, die ist so wohlgethan: Die wählen meine Augen, so schön ist sie von Leib. Wenn ich gebieten dürfte, sie müste werden mein Weib."

"Dir hat recht erkoren deiner Augen Schein: 406 Es ist die edle Brunhild, das schöne Mägdelein, Nach der das Herz dir ringet, der Sinn und auch der Muth." All ihr Gebaren dauchte König Gunthern gut.

Da hieß die Königstochter von den Fenstern gehn 407 Die minniglichen Maide: sie sollten da nicht stehn Zum Anblick für die Fremden; sie folgten unverwandt. Was da die Frauen thaten, das ist uns auch wohl bekannt.

Sie zierten sich entgegen den unkunden Herrn, 408 Wie es immer thaten schöne Frauen gern. Dann an die engen Fenster traten sie heran, Wo sie die Helden sahen: das ward aus Neugier gethan.

Nur ihrer Viere waren, die kamen in das Land. 409 Siegfried der kühne ein Ross zog auf den Strand. Das sahen durch die Fenster die schönen Frauen an: Große Ehre dauchte sich König Gunther gethan.

Er hielt ihm bei dem Zaume das zierliche Ross, 410 Das war gut und stattlich, stark dazu und groß, Bis der König Gunther fest im Sattel saß. Also dient' ihm Siegfried, was er hernach doch ganz vergaß.

Dann zog er auch das seine aus dem Schiff heran: 411 Er hatte solche Dienste gar selten sonst gethan, Daß er am Steigreif Helden gestanden wär. Das sahen durch die Fenster die schönen Frauen hehr.

Es war in gleicher Weise den Helden allbereit 412 Von schneeblanker Farbe das Ross und auch das Kleid, Dem einen wie dem andern, und schön der Schilde Rand: Die warfen hellen Schimmer an der edeln Recken Hand.

Ihre Sättel wohlgesteinet, die Brustriemen schmal: 413 So ritten sie herrlich vor Brunhildens Saal; Daran hiengen Schellen von lichtem Golde roth. Sie kamen zu dem Lande, wie ihr Hochsinn gebot,

Mit Speren neu geschliffen, mit wohlgeschaffnem Schwert, 414 Das bis auf die Sporen gieng den Helden werth. Die Wohlgemuthen führten es scharf genug und breit. Das alles sah Brunhild, diese herrliche Maid.

Mit ihnen kam auch Dankwart und sein Bruder Hagen: 415 Diese beide trugen, wie wir hören sagen, Von rabenschwarzer Farbe reichgewirktes Kleid; Neu waren ihre Schilde, gut, dazu auch lang und breit.

Von India dem Lande trugen sie Gestein, 416 Das warf an ihrem Kleide auf und ab den Schein. Sie ließen unbehütet das Schifflein bei der Flut; So ritten nach der Veste diese Helden kühn und gut.

Sechsundachtzig Thürme sahn sie darin zumal, 417 Drei weite Pfalzen und einen schönen Saal Von edelm Marmelsteine, so grün wie das Gras, Darin die Königstochter mit ihrem Ingefinde saß.

Die Burg war erschloßen und weithin aufgethan, 418 Brunhildes Mannen liefen alsbald heran Und empfiengen die Gäste in ihrer Herrin Land. Die Rosse nahm man ihnen und die Schilde von der Hand.

Da sprach der Kämmrer Einer: "Gebt uns euer Schwert 419 Und die lichten Panzer." "Das wird euch nicht gewährt," Sprach Hagen von Tronje, "wir wollens selber tragen." Da begann ihm Siegfried von des Hofs Gebrauch zu sagen:

"In dieser Burg ist Sitte, das will ich euch sagen, 420 Keine Waffen dürfen da die Gäste tragen: Laßt sie von hinnen bringen, das ist wohlgethan." Ihm folgte wider Willen Hagen, König Gunthers Mann.

Man ließ den Gästen schenken und schaffen gute Ruh. 421 Manchen schnellen Recken sah man dem Hofe zu Allenthalben eilen in fürstlichem Gewand; Doch wurden nach den Kühnen ringsher die Blicke gesandt.

Nun wurden auch Brunhilden gesagt die Mären, 422 Daß unbekannte Recken gekommen wären In herrlichem Gewande gefloßen auf der Flut. Da begann zu fragen diese Jungfrau schön und gut:

"Ihr sollt mich hören laßen," sprach das Mägdelein, 423 "Wer die unbekannten Recken mögen sein, Die ich dort stehen sehe in meiner Burg so hehr, Und wem zu Lieb die Helden wohl gefahren sind hieher."

Des Gesindes sprach da Einer: "Frau, ich muß gestehn, 424 Daß ich ihrer Keinen je zuvor gesehn; Doch Einer steht darunter, der Siegfrieds Weise hat: Den sollt ihr wohl empfangen, das ist in Treuen mein Rath.

"Der andre der Gesellen, gar löblich dünkt er mich; 425 Wenn er die Macht besäße, zum König ziemt' er sich Ob weiten Fürstenlanden, sollt er die versehn. Man sieht ihn bei den Andern so recht herrlich da stehn.

"Der dritte der Gesellen, der hat gar herben Sinn, 426 Doch schönen Wuchs nicht minder, reiche Königin. Die Blicke sind gewaltig, deren so viel er thut: Er trägt in seinem Sinne, wähn ich, grimmigen Muth.

"Der jüngste darunter, gar löblich dünkt er mich: 427 Man sieht den reichen Degen so recht minniglich In jungfräulicher Sitte und edler Haltung stehn: Wir müstens alle fürchten, wär ihm ein Leid hier geschehn.

"So freundlich er gebahre, so wohlgethan sein Leib, 428 Er brächte doch zum Weinen manch waidliches Weib, Wenn er zürnen sollte; sein Wuchs ist wohl so gut, Er ist an allen Tugenden ein Degen kühn und wohlgemuth."

Da sprach die Königstochter: "Nun bringt mir mein Gewand: 429 Und ist der starke Siegfried gekommen in mein Land Um meiner Minne willen, es geht ihm an den Leib: Ich fürcht ihn nicht so heftig, daß ich würde sein Weib."

Brunhild die schöne trug bald erlesen Kleid. 430 Auch gab ihr Geleite manche schöne Maid, Wohl hundert oder drüber, sie all in reicher Zier. Die Gäste kam zu schauen manches edle Weib mit ihr.

Mit ihnen giengen Degen aus Isenland, 431 Brunhildens Recken, die Schwerter in der Hand, Fünfhundert oder drüber; das war den Gästen leid. Aufstanden von den Sitzen die kühnen Helden allbereit.

Als die Königstochter Siegfrieden sah, 432 Wohlgezogen sprach sie zu dem Gaste da: "Seid willkommen, Siegfried, hier in diesem Land. Was meint eure Reise? das macht mir, bitt ich, bekannt."

"Viel Dank muß ich euch sagen, Frau Brunhild, 433 Daß ihr mich geruht zu grüßen, Fürstentochter mild, Vor diesem edeln Recken, der hier vor mir steht: Denn der ist mein Lehnsherr; der Ehre Siegfried wohl enträth.

"Er ist am Rheine König: was soll ich sagen mehr? 434 Dir nur zu Liebe fuhren wir hierher. Er will dich gerne minnen, was ihm geschehen mag. Nun bedenke dich bei Zeiten: mein Herr läßt nimmermehr nach.

"Er ist geheißen Gunther, ein König reich und hehr. 435 Erwirbt er deine Minne, nicht mehr ist sein Begehr. Deinthalb mit ihm that ich diese Fahrt; Wenn er mein Herr nicht wäre, ich hätt es sicher gespart."

Sie sprach: "Wenn er dein Herr ist und du in seinem Lehn, 436 Will er, die ich ertheile, meine Spiele dann bestehn Und bleibt darin der Meister, so werd ich sein Weib; Doch ists, daß ich gewinne, es geht euch allen an den Leib."

Da sprach von Tronje Hagen: "So zeig uns, Königin, 437 Was ihr für Spiel' ertheilet. Eh euch den Gewinn Mein Herr Gunther ließe, so müst es übel sein: Er mag wohl noch erwerben ein so schönes Mägdelein."

"Den Stein soll er werfen und springen darnach, 438 Den Sper mit mir schießen: drum sei euch nicht zu jach. Ihr verliert hier mit der Ehre Leben leicht und Leib: Drum mögt ihr euch bedenken," sprach das minnigliche Weib.

Siegfried der schnelle gieng zu dem König hin 439 Und bat ihn, frei zu reden mit der Königin Ganz nach seinem Willen; angstlos soll er sein: "Ich will dich wohl behüten vor ihr mit den Listen mein."

Da sprach der König Gunther: "Königstochter hehr, 440 Ertheilt mir, was ihr wollet, und wär es auch noch mehr, Eurer Schönheit willen bestünd ich Alles gern. Mein Haupt will ich verlieren, gewinnt ihr mich nicht zum Herrn."

Als da seine Rede vernahm die Königin, 441 Bat sie, wie ihr ziemte, das Spiel nicht zu verziehn. Sie ließ sich zum Streite bringen ihr Gewand, Einen goldnen Panzer und einen guten Schildesrand.

Ein seiden Waffenhemde zog sich an die Maid, 442 Das ihr keine Waffe verletzen konnt im Streit, Von Zeugen wohlgeschaffen aus Libya dem Land: Lichtgewirkte Borten erglänzten rings an dem Rand.

Derweil hatt ihr Uebermuth den Gästen schwer gedräut. 443 Dankwart und Hagen die standen unerfreut. Wie es dem Herrn ergienge, sorgte sehr ihr Muth. Sie dachten: "Unsre Reise bekommt uns Recken nicht gut."

Derweilen gieng Siegfried, der listige Mann, 444 Eh es wer bemerkte, an das Schiff heran, Wo er die Tarnkappe verborgen liegen fand, In die er hurtig schlüpfte: da war er Niemand bekannt.

Er eilte bald zurücke und fand hier Recken viel: 445 Die Königin ertheilte da ihr hohes Spiel. Da gieng er hin verstohlen und daß ihn Niemand sah Von Allen, die da waren, was durch Zauber geschah.

Es war ein Kreis gezogen, wo das Spiel geschehn 446 Vor kühnen Recken sollte, die es wollten sehn. Wohl siebenhundert sah man Waffen tragen: Wer das Spiel gewänne, das sollten sie nach Wahrheit sagen.

Da war gekommen Brunhild, die man gewaffnet fand, 447 Als ob sie streiten wolle um aller Könge Land. Wohl trug sie auf der Seide viel Golddrähte fein; Ihre minnigliche Farbe gab darunter holden Schein.

Nun kam ihr Gesinde, das trug herbei zuhand 448 Aus allrothem Golde einen Schildesrand Mit hartem Stahlbeschlage, mächtig groß und breit, Worunter spielen wollte diese minnigliche Maid.

An einer edeln Borte ward der Schild getragen, 449 Auf der Edelsteine, grasgrüne, lagen; Die tauschten mannigfaltig Gefunkel mit dem Gold. Er bedurfte großer Kühnheit, dem die Jungfrau wurde hold.

Der Schild war untern Buckeln, so ward uns gesagt, 450 Von dreier Spannen Dicke; den trug hernach die Magd. An Stahl und auch an Golde war er reich genug, Den ihrer Kämmrer Einer mit Mühe selbvierter trug.

Als der starke Hagen den Schild hertragen sah, 451 In großem Unmuthe sprach der Tronjer da: "Wie nun, König Gunther? An Leben gehts und Leib: Die ihr begehrt zu minnen, die ist ein teuflisches Weib."

Hört noch von ihren Kleidern: deren hatte sie genug. 452 Von Azagauger Seide einen Wappenrock sie trug, Der kostbar war und edel: daran warf hellen Schein Von der Königstochter gar mancher herrliche Stein.

Da brachten sie der Frauen mächtig und breit 453 Einen scharfen Wurfspieß; den verschoß sie allezeit, Stark und ungefüge, groß dazu und schwer. An seinen beiden Seiten schnitt gar grimmig der Sper.

Von des Spießes Schwere höret Wunder sagen: 454 Wohl hundert Pfund Eisen war dazu verschlagen. Ihn trugen mühsam Dreie von Brunhildens Heer: Gunther der edle rang mit Sorgen da schwer.

Er dacht in seinem Sinne: "Was soll das sein hier? 455 Der Teufel aus der Hölle, wie schützt' er sich vor ihr? War ich mit meinem Leben wieder an dem Rhein, Sie dürfte hier wohl lange meiner Minne ledig sein."

Er trug in seinen Sorgen, das wißet, Leid genug. 456 All seine Rüstung man ihm zur Stelle trug. Gewappnet Stand der reiche König bald darin. Vor Leid hätte Hagen schier gar verwandelt den Sinn.

Da sprach Hagens Bruder, der kühne Dankwart: 457 "Mich reut in der Seele her zu Hof die Fahrt. Nun hießen wir einst Recken! wie verlieren wir den Leib! Soll uns in diesem Lande nun verderben ein Weib?

"Des muß mich sehr verdrießen, daß ich kam in dieses Land. 458 Hätte mein Bruder Hagen sein Schwert an der Hand Und auch ich das meine, so sollten sachte gehn Mit ihrem Uebermuthe Die in Brunhildens Lehn.