Das Nibelungenlied

Chapter 27

Chapter 272,882 wordsPublic domain

Als da Meister Hildebrand die Wunde recht empfand, 2422 Besorgt' er größern Schaden noch von Hagens Hand. Den Schild warf auf den Rücken Dietrichs Unterthan: Mit der starken Wunde der Held vor Hagen entrann.

Da lebt' auch von allen den Degen Niemand mehr 2423 Als Gunther und Hagen, die beiden Recken hehr. Mit Blut gieng beronnen der alte Hildebrand: Er brachte leide Märe, da er Dietrichen fand.

Schwer bekümmert sitzen sah er da den Mann: 2424 Noch größern Leides Kunde nun der Fürst gewann. Als er Hildebranden im Panzer sah so roth, Da fragt' er nach der Ursach, wie ihm die Sorge gebot.

"Nun sagt mir, Meister Hildebrand, wie seid ihr so naß 2425 Von dem Lebensblute? oder wer that euch das? Ihr habt wohl mit den Gästen gestritten in dem Saal? Ihr ließt es billig bleiben, wie ich so dringend befahl."

Da sagt' er seinem Herren: "Hagen that es mir: 2426 Der schlug mir in dem Saale diese Wunde hier, Als ich von dem Recken zu wenden mich begann. Kaum daß ich mit dem Leben noch dem Teufel entrann."

Da sprach der von Berne: "Gar recht ist euch geschehen, 2427 Da ihr mich Freundschaft hörtet den Recken zugestehn Und doch den Frieden brachet, den ich ihnen bot: Wär mirs nicht ewig Schande, ihr solltets büßen mit dem Tod."

"Nun zürnt mir, Herr Dietrich, darob nicht allzusehr: 2428 An mir und meinen Freunden ist der Schade gar zu schwer. Wir wollten Rüdger gerne tragen aus dem Saal: Das wollten uns nicht gönnen die, welchen Gunther befahl."

"O weh mir dieses Leides! Ist Rüdiger doch todt? 2429 Das muß mir sein ein Jammer vor all meiner Noth. Gotelind die edle ist meiner Base Kind: O weh der armen Waisen, die dort zu Bechlaren sind!"

Herzeleid und Kummer schuf ihm sein Tod: 2430 Er hub an zu weinen: den Helden zwang die Noth. "O weh der treuen Hülfe, die mir an ihm erlag, König Etzels Degen, den ich nie verschmerzen mag.

"Könnt ihr mir, Meister Hildebrand, rechte Kunde sagen, 2431 Wie der Recke heiße, der ihn hat erschlagen?" Er sprach "Das that mit Kräften der starke Gernot; Von Rüdigers Händen fand auch der König den Tod."

Er sprach zu Hilbranden: "So sagt den Meinen an, 2432 Daß sie alsbald sich waffnen, so geh ich selbst hinan. Und befehlt, daß sie mir bringen mein lichtes Streitgewand: Ich selber will nun fragen die Helden aus Burgundenland."

Da sprach Meister Hildebrand: "Wer soll mit euch gehn? 2433 Die euch am Leben blieben, die seht ihr vor euch stehn: Das bin ich ganz alleine; die Andern die sind todt." Da erschrak er dieser Märe, es schuf ihm wahrhafte Noth,

Daß er auf Erden nimmer noch solches Leid gewann. 2434 Er sprach: "Und sind erstorben all Die mir unterthan, So hat mein Gott vergeßen, ich, armer Dietrich! Ich herrscht' ein mächtger König einst hehr und gewaltiglich."

Wieder sprach da Dietrich: "Wie könnt es nur geschehn, 2435 Daß sie all erstarben, die Helden ausersehn, Vor den Streitmüden, die doch gelitten Noth? Mein Unglück schufs alleine, sonst verschonte sie der Tod!

"Wenn dann mein Unheil wollte, es sollte sich begeben, 2436 So sprecht, blieb von den Gästen Einer noch am Leben?" Da sprach Meister Hildebrand: "Das weiß Gott, Niemand mehr Als Hagen ganz alleine und Gunther der König hehr."

"O weh, lieber Wolfhart, und hab ich dich verloren, 2437 So mag mich bald gereuen, daß ich je ward geboren. Siegstab und Wolfwein und auch Wolfbrand: Wer soll mir denn helfen in der Amelungen Land?

"Helferich der kühne, und ist mir der erschlagen, 2438 Gerbart und Wichard, wann hör ich auf zu klagen? Das ist aller Freuden mir der letzte Tag. O weh, daß vor Leide Niemand doch ersterben mag!"

* * * * *

Neununddreißigstes Abenteuer.

Wie Gunther, Hagen und Kriemhild erschlagen wurden.

Da suchte sich Herr Dietrich selber sein Gewand; 2439 Ihm half, daß er sich waffnete, der alte Hildebrand. Da klagte so gewaltig der kraftvolle Mann, Daß von seiner Stimme das Haus zu schüttern begann.

Dann gewann er aber wieder rechten Heldenmuth. 2440 Im Grimm ward gewaffnet da der Degen gut. Seinen Schild, den festen, den nahm er an die Hand: Sie giengen bald von dannen, er und Meister Hildebrand.

Da sprach von Tronje Hagen: "Dort seh ich zu uns gehn 2441 Dietrich den Herren: der will uns bestehn Nach dem großen Leide, das wir ihm angethan. Nun soll man heute schauen, wen man den Besten nennen kann.

"Und dünkt sich denn von Berne der Degen Dieterich 2442 Gar so starkes Leibes und so fürchterlich. Und will ers an uns rächen was ihm ist geschehn," Also sprach da Hagen, "ich bin wohl Mann ihn zu bestehn."

Die Rede hörte Dietrich mit Meister Hildebrand. 2443 Er kam, wo er die Recken beide stehen fand Außen vor dem Hause, gelehnt an den Saal. Seinen Schild den guten, den setzte Dietrich zu Thal.

In leidvollen Sorgen sprach da Dietrich: 2444 "Wie habt ihr so geworben, Herr Gunther, wider mich, Einen Heimathlosen? Was that ich euch wohl je, Daß alles meines Trostes ich nun verwaiset mich seh?

"Ihr fandet nicht Genüge an der großen Noth, 2445 Als ihr uns Rüdigeren, den Recken, schluget todt: Ihr missgönntet sie mir alle, Die mir unterthan. Wohl hätt ich solchen Leides euch Degen nimmer gethan.

"Gedenkt an euch selber und an euer Leid, 2446 Eurer Freunde Sterben und all die Noth im Streit, Ob es euch guten Degen nicht beschwert den Muth. O weh, wie so unsanft mir der Tod Rüdigers thut!

"So leid geschah auf Erden Niemanden je. 2447 Ihr gedachtet wenig an mein und euer Weh. Was ich Freuden hatte, das liegt von euch erschlagen: Wohl kann ich meine Freunde nimmer genug beklagen."

"Wir sind wohl nicht so schuldig," sprach Hagen entgegen. 2448 "Zu diesem Hause kamen alle eure Degen Mit großem Fleiß gewaffnet in einer breiten Schar. Man hat euch wohl die Märe nicht gesagt, wie sie war."

"Was soll ich andere glauben? mir sagt Hildebrand: 2449 Euch baten meine Recken vom Amelungenland, Daß ihr ihnen Rüdigern gäbet aus dem Haus: Da botet ihr Gespötte nur meinen Recken heraus."

Da sprach der Vogt vom Rheine: "Sie wollten Rüdgern tragen, 2450 Sagten sie, von hinnen: das ließ ich versagen Etzeln zum Trotze, nicht aber deinem Heer, Bis darob zu schelten Wolfhart begann, der Degen hehr."

Da sprach der Held von Berne: "Es sollte nun so sein. 2451 Gunther, edler König, bei aller Tugend dein Ersetze mir das Herzeleid, das mir von dir geschehn; Versühn es, kühner Ritter, so laß ichs ungerochen gehn.

"Ergieb dich mir zum Geisel mit Hagen deinem Mann: 2452 So will ich euch behüten, so gut ich immer kann, Daß euch bei den Heunen hier Niemand Leides thut. Ihr sollt an mir erfahren, daß ich getreu bin und gut."

"Das verhüte Gott vom Himmel," sprach Hagen entgegen, 2453 "Daß sich dir ergeben sollten zwei Degen, Die noch in voller Wehre dir gegenüber stehn, Das wär uns Unehre: die Feigheit soll nicht geschehn."

"Ihr solltets nicht verweigern," sprach wieder Dietrich. 2454 "Gunther und Hagen, ihr habt so bitterlich Beide mir bekümmert das Herz und auch den Muth, Wollt ihr mir das vergüten, daß ihr es billiglich thut.

"Ich geb euch meine Treue, und reich euch drauf die Hand, 2455 Daß ich mit euch reite heim in euer Land. Ich geleit euch wohl nach Ehren, ich stürbe denn den Tod, Und will um euch vergeßen all meiner schmerzhaften Noth."

"Begehrt es nicht weiter," sprach wieder Hagen: 2456 "Wie ziemt es, wenn die Märe wär von uns zu sagen, Daß zwei so kühne Degen sich ergäben eurer Hand? Sieht man bei euch doch Niemand als alleine Hildebrand."

Da sprach Meister Hildebrand: "Gott weiß, Herr Hagen, 2457 Den Frieden, den Herr Dietrich euch hat angetragen, Es kommt noch an die Stunde vielleicht in kurzer Frist, Daß ihr ihn gerne nähmet, und er nicht mehr zu haben ist."

"Auch nähm ich eh den Frieden," sprach Hagen entgegen, 2458 "Eh ich mit Schimpf und Schande so vor einem Degen Flöhe, Meister Hildebrand, als ihr hier habt gethan: Ich wähnt auf meine Treue, ihr stündet beßer euerm Mann."

Da sprach Meister Hildebrand: "Was verweiset ihr mir das? 2459 Nun wer wars, der auf dem Schilde vor dem Wasgensteine saß, Als ihm von Spanien Walther so viel der Freunde schlug? Wohl habt ihr an euch selber noch zu rügen genug."

Da sprach der edle Dietrich: "Wie ziemt solchen Degen 2460 Sich mit Worten schelten wie alte Weiber pflegen? Ich verbiet es, Meister Hildebrand sprecht hier nicht mehr. Mich heimathlosen Recken zwingt so große Beschwer.

"Laßt hören, Freund Hagen," sprach da Dieterich, 2461 "Was spracht ihr zusammen, ihr Helden tugendlich, Als ihr mich gewaffnet sahet zu euch gehn? Ihr sagtet, ihr alleine wolltet mich im Streit bestehn."

"Das wird euch Niemand läugnen," sprach Hagen entgegen, 2462 "Wohl will ichs hier versuchen mit kräftigen Schlägen, Es sei denn, mir zerbreche das Nibelungenschwert: Mich entrüstet, daß zu Geiseln unser beider ward begehrt."

Als Dietrich erhörte Hagens grimmen Muth, 2463 Den Schild behende zuckte der schnelle Degen gut. Wie rasch ihm von der Stiege entgegen Hagen sprang! Niblungs Schwert das gute auf Dietrichen laut erklang.

Da wuste wohl Herr Dietrich, daß der kühne Mann 2464 Grimmen Muthes fechte; zu schirmen sich begann Der edle Vogt von Berne vor ängstlichen Schlägen. Wohl erkannt er Hagen, er war ein auserwählter Degen.

Auch scheut' er Balmungen, eine Waffe stark genug. 2465 Nur unterweilen Dietrich mit Kunst entgegenschlug Bis daß er Hagen im Streite doch bezwang. Er schlug ihm eine Wunde die gar tief war und lang.

Der edle Dietrich dachte: "Dich schwächte lange Noth; 2466 Mir brächt es wenig Ehre, gäb ich dir den Tod. So will ich nur versuchen, ob ich dich zwingen kann, Als Geisel mir zu folgen." Das ward mit Sorgen gethan.

Den Schild ließ er fallen: seine Stärke, die war groß; 2467 Hagnen von Tronje mit den Armen er umschloß. So ward von ihm bezwungen dieser kühne Mann. Gunther der edle darob zu trauern begann.

Hagnen band da Dietrich und führt' ihn, wo er fand 2468 Kriemhild die edle, und gab in ihre Hand Den allerkühnsten Recken, der je Gewaffen trug. Nach ihrem großen Leide ward sie da fröhlich genug.

Da neigte sich dem Degen vor Freuden Etzels Weib: 2469 "Nun sei dir immer selig das Herz und auch der Leib. Du hast mich wol entschädigt aller meiner Noth: Ich will dirs immer danken, es verwehr es denn der Tod."

Da sprach der edle Dietrich: "Nun laßt ihn am Leben, 2470 Edle Königstochter: es mag sich wohl begeben, Daß euch sein Dienst vergütet das Leid, das er euch that: Er soll es nicht entgelten, daß ihr ihn gebunden saht."

Da ließ sie Hagnen führen in ein Haftgemach, 2471 Wo Niemand ihn erschaute und er verschloßen lag. Gunther der Edle hub da zu rufen an: "Wo blieb der Held von Berne? Er hat mir Leides gethan."

Da gieng ihm hin entgegen von Bern Herr Dieterich. 2472 Gunthers Kräfte waren stark und ritterlich; Da säumt' er sich nicht länger, er rannte vor den Saal. Von ihrer Beider Schwertern erhob sich mächtiger Schall.

So großen Ruhm erstritten Dietrich seit alter Zeit, 2473 In seinem Zorne tobte Gunther zu sehr im Streit: Er war nach seinem Leide von Herzen feind dem Mann. Ein Wunder must es heißen, daß da Herr Dietrich entrann.

Sie waren alle Beide so stark und muthesvoll, 2474 Daß von ihren Schlägen Pallas und Thurm erscholl, So hieben sie mit Schwertern auf die Helme gut. Da zeigte König Gunther einen herrlichen Muth.

Doch zwang ihn Der von Berne, wie Hagnen war geschehn. 2475 Man mochte durch den Panzer das Blut ihm fließen sehn Von einem scharfen Schwerte: das trug Herr Dieterich Doch hatte sich Herr Gunther gewehrt, der müde, ritterlich.

Der König ward gebunden von Dietrichens Hand, 2476 Wie nimmer Könige sollten leiden solch ein Band. Er dachte, ließ' er ledig Gunthern und seinen Mann, Wem sie begegnen möchten, die müsten all den Tod empfahn.

Dietrich von Berne nahm ihn bei der Hand, 2477 Er führt' ihn hin gebunden, wo er Kriemhilden fand. Ihr war mit seinem Leide des Kummers viel benommen. Sie sprach: "König Gunther, nun seid mir höchlich willkommen."

Er sprach: "Ich müst euch danken, viel edle Schwester mein, 2478 Wenn euer Gruß in Gnaden geschehen könnte sein. Ich weiß euch aber, Königin, so zornig von Muth, Daß ihr mir und Hagen solchen Gruß im Spotte thut."

Da sprach der Held von Berne: "Königstochter hehr, 2479 So gute Helden sah, man als Geisel nimmermehr Als ich, edle Königin, bracht in eure Hut. Nun komme meine Freundschaft den Heimathlosen zu Gut."

Sie sprach, sie thät es gerne. Da gieng Herr Dieterich 2480 Mit weinenden Augen von den Helden tugendlich. Da rächte sich entsetzlich König Etzels Weib: Den auserwählten Recken nahm sie Leben und Leib.

Sie ließ sie gesondert in Gefängniss legen, 2481 Daß sich nie im Leben wiedersahn die Degen, Bis sie ihres Bruders Haupt hin vor Hagen trug. Kriemhildens Rache ward an Beiden grimm genug.

Hin gieng die Königstochter, wo sie Hagen sah; 2482 Wie feindselig sprach sie zu dem Recken da: "Wollt ihr mir wiedergeben, was ihr mir habt genommen, So mögt ihr wohl noch lebend heim zu den Burgunden kommen."

Da sprach der grimme Hagen: "Die Red ist gar verloren, 2483 Viel edle Königstochter. Den Eid hab ich geschworen, Daß ich den Hort nicht zeige: so lange noch am Leben Blieb Einer meiner Herren, so wird er Niemand gegeben."

"Ich bring es zu Ende," sprach das edle Weib. 2484 Dem Bruder nehmen ließ sie Leben da und Leib. Man schlug das Haupt ihm nieder: bei den Haaren sie es trug Vor den Held von Tronje: da gewann er Leids genug.

Als der Unmuthvolle seines Herren Haupt ersah, 2485 Wider Kriemhilden sprach der Recke da: "Du hasts nach deinem Willen zu Ende nun gebracht; Es ist auch so ergangen, wie ich mir hatte gedacht.

"Nun ist von Burgunden der edle König todt, 2486 Geiselher der junge dazu Herr Gernot. Den Hort weiß nun Niemand als Gott und ich allein: Der soll dir Teufelsweibe immer wohl verhohlen sein."

Sie sprach: "So habt ihr üble Vergeltung mir gewährt; 2487 So will ich doch behalten Siegfriedens Schwert. Das trug mein holder Friedel, als ich zuletzt ihn sah, An dem mir Herzensjammer vor allem Leide geschah."

Sie zog es aus der Scheide, er konnt es nicht wehren. 2488 Da dachte sie dem Recken das Leben zu versehren. Sie schwang es mit den Händen, das Haupt schlug sie ihm ab. Das sah der König Etzel, dem es großen Kummer gab.

"Weh!" rief der König, "wie ist hier gefällt 2489 Von eines Weibes Händen der allerbeste Held, Der je im Kampf gefochten und seinen Schildrand trug! So feind ich ihm gewesen bin, mir ist leid um ihn genug."

Da sprach Meister Hildebrand: "Es kommt ihr nicht zu gut, 2490 Daß sie ihn schlagen durfte; was man halt mir thut, Ob er mich selber brachte in Angst und große Noth, Jedennoch will ich rächen dieses kühnen Tronjers Tod."

Hildebrand im Zorne zu Kriemhilden sprang: 2491 Er schlug der Königstochter einen Schwertesschwang. Wohl schmerzten solche Dienste von dem Degen sie; Was könnt es aber helfen, daß sie so ängstlich schrie?

Die da sterben sollen, die lagen all umher: 2492 Zu Stücken lag verhauen die Königin hehr. Dietrich und Etzel huben zu weinen an Und jämmerlich zu klagen manchen Freund und Unterthan.

Da war der Helden Herrlichkeit hingelegt im Tod: 2493 Die Leute hatten alle Jammer und Noth. Mit Leide war beendet des Königs Lustbarkeit, Wie immer Leid die Freude am lezten Ende verleiht.

Ich kann euch nicht bescheiden, was seither geschah, 2494 Als daß man immer weinen Christen und Heiden sah, Die Ritter und die Frauen und manche schöne Maid: Sie hatten um die Freunde das allergrößeste Leid.

Ich sag euch nun nicht weiter von der großen Noth: 2495 Die da erschlagen waren, die laßt liegen todt. Wie es im Heunenlande dem Volk hernach gerieth, Hie hat die Mär ein Ende: das ist _das Nibelungenlied_.

* * * * *

Statt der letzten fünf Strophen hat b folgende sechs, die beiden letzten übereinstimmend mit A.

Hildebrand im Zorne zu Kriemhilden sprang. Er schlug der Königstochter einen schweren Schwertesschwang, Mitten wo die Borte den Leib ihr hatt umgeben. Davon die Königstochter verlieren must ihr werthes Leben.

Das Schwert schnitt so heftig daß sie nichts empfand, Das sie unsanft hätte berührt; sie sprach zuhand: "Dein Waffen ist erblindet, du sollst es von dir legen: Es ziemt nicht, daß es trage solch ein zierlicher Degen."

Da zog er von dem Finger ein golden Ringelein Und warfs ihr vor die Füße: "Hebt ihr das Fingerlein Vom Boden auf, so spracht ihr die Wahrheit, edel Weib." Sie bückte sich zum Golde: da brach entzwei ihr werther Leib.

So war auch erlegen Kriemhild, o weh der Noth: Wie so gar unmüßig war da der Tod. Dietrich und Etzel huben zu weinen an, Und inniglich klagen sah man so Weib als Mann.

Da war der Helden Herrlichkeit hingelegt im Tod, Die Leute hatten alle Jammer und Noth. Mit Leid war beendet des Königs Lustbarkeit, Wie immer Leid die Freude am letzten Ende verleiht.

Ich kann euch nicht bescheiden was seither geschah, Als daß man Fraun und Ritter immer weinen sah, Dazu die edeln Knechte, um lieber Freunde Tod. Hier hat die Mär ein Ende: das ist die Nibelungennoth.