Chapter 26
Nach diesem Angeloben Den Schild hob Rüdiger, 2319 Sein Muth begann zu toben: nicht länger säumt' er mehr. Auf lief er zu den Gästen wohl einem Recken gleich. Viel kraftvolle Schläge schlug da dieser Markgraf reich.
Volker und Hagen traten beiseit, 2320 Wie ihm verheißen hatten die Degen allbereit. Noch traf er bei den Thüren so manchen Kühnen an, Daß Rüdiger die Feindschaft mit großen Sorgen begann.
Aus Mordbegierde ließen ihn ins Haus hinein 2321 Gernot und Gunther; das mochten Helden sein. Zurück wich da Geiselher: fürwahr, es war ihm leid; Er versah sich noch des Lebens, drum mied er Rüdigern im Streit.
Da sprangen zu den Feinden Die in Rüdgers Lehn. 2322 Hinter ihrem Herren sah man sie kühnlich gehn. Schneidende Waffen trugen sie an der Hand: Da zerbrachen viel der Helme und mancher herrliche Rand.
Da schlugen auch die Müden noch manchen schnellen Schlag 2323 Auf die von Bechlaren, der tief und eben brach Durch die festen Panzer und drang bis auf das Blut. Sie frommten in dem Sturme viel Wunder herrlich und gut.
Das edle Heergesinde war alle nun im Saal. 2324 Volker und Hagen die sprangen hin zumal: Sie gaben Niemand Frieden als dem Einen Mann. Das Blut von ihren Hieben von den Helmen niederrann.
Wie da der Schwerter Tosen so grimmig erklang, 2325 Daß unter ihren Schlägen das Schildgespänge sprang! Die Schildsteine rieselten getroffen in das Blut. Da fochten sie so grimmig, wie man es nie wieder thut.
Der Vogt von Bechlaren schuf hin und her sich Bahn, 2326 Wie Einer der mit Ungestüm im Sturme werben kann. Des Tages ward an Rüdiger herrlich offenbar, Daß er ein Recke wäre, kühn und ohne Tadel gar.
Hier standen diese Recken, Gunther und Gernot, 2327 Sie schlugen in dem Streite viel der Helden todt. Geiselhern und Dankwart am Heile wenig lag: Da brachten sie noch Manchen hin zu seinem jüngsten Tag.
Wohl erwies auch Rüdiger, daß er stark war genug, 2328 Kühn und wohl gewaffnet: hei, was er Helden schlug! Das sah ein Burgunde, da schuf der Zorn ihm Noth: Davon begann zu nahen des edeln Rüdiger Tod.
Gernot der starke rief den Helden an. 2329 Er sprach zum Markgrafen: "Ihr wollt mir keinen Mann Der Meinen leben laßen, viel edler Rüdiger. Das schmerzt mich ohne Maßen: ich ertrag es nicht länger mehr.
"Nun mag euch eure Gabe wohl zu Unstatten kommen, 2330 Da ihr mir der Freunde habt so viel genommen. Nun bietet mir die Stirne, ihr edler kühner Mann: So verdien ich eure Gabe, so gut ich immer nur kann."
Bevor da der Markgraf zu ihm gedrungen war. 2331 Ward noch getrübt vom Blute manch lichter Harnisch klar. Da liefen sich einander die Ehrbegiergen an: jedweder sich zu schirmen vor starken Wunden begann.
Doch schnitten ihre Schwerter, es schützte nichts dagegen. 2332 Da schlug den König Gernot Rüdiger der Degen Durch den steinharten Helm, daß niederfloß das Blut: Das vergalt alsbald ihm dieser Ritter kühn und gut.
Hoch schwang er Rüdgers Gabe, die in der Hand ihm lag; 2333 Wie wund er war zum Tode, er schlug ihm einen Schlag Auf des Helmes Bänder und durch den festen Schild, Davon ersterben muste der gute Rüdiger mild.
So reicher Gabe übler gelohnt ward nimmermehr. 2334 Da fielen beid erschlagen, Gernot und Rüdiger, Im Sturm gleichermaßen von beider Kämpfer Hand. Da erst ergrimmte Hagen, als er den großen Schaden fand.
Da sprach der Held von Tronje: "Es ist uns schlimm bekommen. 2335 So großen Schaden haben wir an den Zwein genommen, Daß wir ihn nie verwinden, ihr Volk noch ihr Land. Uns Heimathlosen bleiben nun Rüdgers Helden zu Pfand."
Da wollte Keiner weiter dem Andern was vertragen: 2336 Mancher ward darnieder unverletzt geschlagen, Der wohl noch wär genesen: ob ihm war solcher Drang, Wie heil er sonst gewesen, daß er im Blute doch ertrank.
"Weh mir um den Bruder! der fiel hier in den Tod. 2337 Was mir zu allen Stunden für leide Märe droht! Auch muß mich immer reuen mein Schwäher Rüdiger: Der Schad ist beidenthalben und großen Jammers Beschwer."
Als der junge Geiselher sah seinen Bruder todt, 2338 Die noch im Saale waren, die musten leiden Noth. Der Tod suchte eifrig, wo sein Gesinde wär: Deren von Bechelaren entgieng kein Einziger mehr.
Gunther und Hagen und auch Geiselher, 2339 Dankwart und Volker, die guten Degen hehr, Die giengen zu der Stelle, wo man sie liegen fand: Wie jämmerlich da weinten diese Helden auserkannt!
"Der Tod beraubt uns übel," sprach Geiselher das Kind. 2340 "Nun laßt euer Weinen und gehn wir an den Wind, Daß sich die Panzer kühlen uns streitmüden Degen: Es will nicht Gott vom Himmel, daß wir länger leben mögen."
Den sitzen, den sich lehnen sah man manchen Mann. 2341 Sie waren wieder müßig. Die Rüdgern unterthan Waren all erlegen; verhaßt war das Getos. So lange blieb es stille, daß es Etzeln verdroß.
"O weh dieses Leides!" sprach die Königin. 2342 "Sie sprechen allzulange; unsre Feinde drin Mögen wohl heil verbleiben vor Rüdigers Hand: Er will sie wiederbringen heim in der Burgunden Land.
"Was hilfts, König Etzel, daß wir an ihn vertan, 2343 Was er nur begehrte? Er that nicht wohl daran: Der uns rächen sollte, der will der Sühne pflegen." Da gab ihr Volker Antwort, dieser zierliche Degen:
"Dem ist nicht also leider, viel edel Königsweib. 2344 Und dürft ich Lügen strafen ein so hehres Weib, So hättet ihr recht teuflisch Rüdigern verlogen. Er und seine Degen sind um die Sühne gar betrogen.
"So williglich vollbracht er, was ihm sein Herr gebot, 2345 Daß er und sein Gesinde hier fielen in den Tod. Nun seht euch um, Frau Kriemhild, wem ihr gebieten wollt: Euch war bis an sein Ende Rüdiger getreu und hold.
"Wollt ihr mir nicht glauben, so schaut es selber an." 2346 Zu ihrem Herzeleide ward es da gethan: Man trug ihn hin erschlagen, wo ihn der König sah. König Etzels Mannen wohl nimmer leider geschah.
Da sie den Markgrafen todt sahn vor sich tragen, 2347 Da vermöcht euch kein Schreiber zu schildern noch zu sagen Die ungebärdge Klage so von Weib als Mann, Die sich aus Herzensjammer da zu erzeigen begann.
König Etzels Jammern war so stark und voll, 2348 Wie eines Löwen Stimme dem reichen König scholl Der Wehruf der Klage; auch ihr schufs große Noth; Sie weinten übermäßig um des guten Rüdger Tod.
* * * * *
Achtunddreißigstes Abenteuer.
Wie Dietrichens Recken alle erschlagen wurden.
Der Jammer allenthalben zu solchem Maße schwoll, 2349 Daß von der Wehklage Pallas und Thurm erscholl. Da vernahm es auch ein Berner, Dietrichs Unterthan: Der schweren Botschaft willen wie eilends kam er heran!
Da sprach er zu dem Fürsten: "Hört mich, Herr Dieterich, 2350 Was ich noch je erlebte, so herzensjämmerlich Hört ich noch niemals klagen, als ich jetzt vernahm. Ich glaube, daß der König nun selber zu der Hochzeit kam,
"Wie wären sonst die Leute all in solcher Noth? 2351 Der König oder Kriemhild Eins ward dem Tod Von den kühnen Gästen in ihrem Zorn gesellt. Es weint übermäßig mancher auserwählte Held."
Da sprach der Vogt von Berne: "Ihr Getreun in meinem Lehn, 2352 Seid nicht allzu eilig: was hier auch ist geschehn Von den Heimathlosen, sie zwang dazu die Noth: Nun laßt sie des genießen, daß ich ihnen Frieden bot."
Da sprach der kühne Wolfhart: "Ich will zum Saale gehn, 2353 Der Märe nachzufragen, was da sei geschehn, Und will euch dann berichten, viel lieber Herre mein, Wenn ich es dort erkunde, wie die Sache möge sein."
Da sprach der edle Dietrich: "Wenn man sich Zorns versieht 2354 Und ungestümes Fragen zur Unzeit dann geschieht, Das betrübt den Recken allzuleicht den Muth: Drum will ich nicht, Wolfhart, daß ihr die Frage da thut."
Da bat er Helfrichen hin zu gehn geschwind, 2355 Ob er erkundgen möge bei Etzels Ingesind Oder bei den Gästen, was da wär geschehn. Da wurde nie bei Leuten so großer Jammer gesehn.
Der Bote kam und fragte: "Was ist hier geschehn?" 2356 Da ward ihm zum Bescheide: "Nun must uns auch zergehn Der Trost, der uns geblieben noch war in Heunenland: Hier liegt erschlagen Rüdiger von der Burgunden Hand.
"Nicht Einer ist entkommen, der mit ihm gieng hinein." 2357 Das konnte Helfrichen nimmer leider sein. Wohl mocht er seine Märe noch nie so ungern sagen: Er kam zu Dietrichen zurück mit Weinen und Klagen.
"Was bringt ihr uns für Kunde?" sprach da Dieterich, 2358 "Wie weint ihr so heftig, Degen Helferich?" Da sprach der edle Recke: "Wohl hab ich Grund zu klagen. Den guten Rüdger haben die Burgunden erschlagen."
Da sprach der Held von Berne: "Das wolle nimmer Gott. 2359 Eine starke Rache wär es und des Teufels Spott. Wie hätt an ihnen Rüdiger verdient solchen Sold? Ich weiß wohl die Kunde, er ist den Fremdlingen hold."
Da sprach der kühne Wolfhart: "Und wär es geschehn, 2360 So sollt es ihnen Allen an Leib und Leben gehn. Wenn wirs ertragen wollten, es brächt uns Spott und Schand, Uns bot so große Dienste des guten Rüdiger Hand."
Der Vogt von Amelungen erfragt' es gern noch mehr. 2361 In ein Fenster setzt' er sich, ihm war das Herz so schwer. Da hieß er Hildebranden zu den Gästen gehn, Bei ihnen zu erforschen, was da wäre geschehn.
Der sturmkühne Recke, Meister Hildebrand, 2362 Weder Schild noch Waffen trug er an der Hand. Er wollt in seinen Züchten zu den Gästen gehn; Von seiner Schwester Kinde must er sich gescholten sehn.
Da sprach der grimme Wolfhart: "Geht ihr dahin so bloß, 2363 So kommt ihr ungescholten nimmer wieder los: So müst ihr dann mit Schanden thun die Wiederfahrt; Geht ihr dahin in Waffen, so weiß ich, daß es Mancher spart."
Da rüstete der Alte sich nach des Jungen Rath. 2364 Eh Hildbrand es gewahrte, standen in ihrem Staat Die Recken Dietrichs alle, die Schwerter in der Hand. Leid war das dem Helden, er hätt es gern noch abgewandt.
Er frag, wohin sie wollten. "Wir wollen mit euch hin; 2365 Ob von Tronje Hagen wohl dann noch ist so kühn, Mit Spott zu euch zu reden, wie ihm zu thun gefällt?" Als er die Rede hörte, erlaubt' es ihnen der Held.
Da sah der kühne Volker wohlgewaffnet gehn 2366 Die Recken von Berne in Dietrichens Lehn, Die Schwerter umgegürtet, die Schilde vor der Hand: Er sagt' es seinen Herren aus der Burgunden Land.
Da sprach der Fiedelspieler: "Dorten seh ich nahn 2367 Recht in Feindesweise Die Dietrich unterthan, Gewaffnet unter Helmen: sie wollen uns bestehn. Nun wird es an das Ueble mit uns Fremdlingen gehn."
Es währte nicht lange, so kam auch Hildebrand: 2368 Da setzt' er vor die Füße seinen Schildesrand Und begann zu fragen Die Gunthern unterthan: "O weh, ihr guten Degen, was hatt euch Rüdiger gethan?
"Mich hat mein Herr Dietrich her zu euch gesandt, 2369 Ob erschlagen liege, Helden, von eurer Hand Dieser edle Markgraf, wie man uns gab Bescheid? Wir könnten nicht verwinden also schweres Herzeleid."
Da sprach der grimme Hagen: "Die Mär ist ungelogen, 2370 Wie gern ichs euch gönnte, wärt ihr damit betrogen, Rüdigern zu Liebe: so lebt' er uns noch, Den nie genug beweinen mögen Fraun und Mannen doch."
Als sie das recht vernahmen, Rüdiger sei todt, 2371 Da beklagten ihn die Recken, wie ihre Treu gebot. Dietrichens Mannen sah man die Thränen gehn Uebern Bart zum Kinne: viel Leid war ihnen geschehn.
Siegstab der Herzog von Bern sprach zuhand: 2372 "O weh, wie all die Güte hier gar ein Ende fand, Die uns Rüdiger hier schuf nach unsers Leides Tagen: Der Trost der Heimathlosen liegt von euch Degen erschlagen."
Da sprach von Amelungen der Degen Wolfwein: 2373 "Und wenn ich vor mir liegen hier säh, den Vater mein, Mir würde nimmer leider als um Rüdgers Tod. O weh, wer soll nun trösten die Markgräfin in ihrer Noth?"
Do sprach im Zornmuthe der kühne Wolfhart: 2374 "Wer leitet nun die Recken auf mancher Heerfahrt, Wie von dem Markgrafen so oft geschehen ist? O weh, viel edler Rüdiger, daß du uns so verloren bist!"
Wolfbrand und Helferich und auch Helmnot 2375 Mit allen ihren Freunden beweinten seinen Tod. Nicht mehr fragen mochte vor Seufzen Hildebrand: So thut denn, ihr Degen, warum mein Herr uns gesandt.
"Gebt uns den todten Rüdiger aus dem Saal, 2376 An dem all unsre Freude erlitt den Jammerfall. Laßt uns ihm so vergelten, was er an uns gethan Hat mit großer Treue und an manchem fremden Mann.
"Wir sind hier auch Vertriebene wie Rüdiger der Degen. 2377 Wie laßt ihr uns warten? Laßt uns ihn aus den Wegen Tragen und im Tode lohnen noch dem Mann: Wir hätten es wohl billig bei seinem Leben gethan."
Da sprach der König Gunther: "Nie war ein Dienst so gut, 2378 Als den ein Freund dem Freunde nach dem Tode thut. Das nenn ich stäte Treue, wenn man das leisten kann: Ihr lohnt ihm nach Verdienste, er hat euch Liebes gethan."
"Wie lange solln wir flehen?" sprach Wolfart der Held." 2379 "Da unser Trost der beste liegt von euch gefällt, Und wir ihn nun leider nicht länger mögen haben, Laßt uns ihn hinnen tragen, daß wir den Recken begraben."
Zur Antwort gab ihm Volker: "Man bringt ihn euch nicht her, 2380 Holt ihn aus dem Hause, wo der Degen hehr Mit tiefen Herzenswunden gefallen ist ins Blut: So sind es volle Dienste, die ihr hier Rüdigern thut."
Da sprach der kühne Wolfhart: "Gott weiß, Herr Fiedelmann, 2381 Ihr müßt uns nicht noch reizen; ihr habt uns Leid gethan. Dürft ichs vor meinem Herren, so kämt ihr drum in Noth; Doch müßen wir es laßen, weil er den Streit uns verbot."
Da sprach der Fiedelspieler: "Der fürchtet sich zu viel, 2382 Der, was man ihm verbietet, Alles laßen will: Das kann ich nimmer heißen rechten Heldenmuth." Die Rede dauchte Hagnen von seinem Heergesellen gut.
"Wollt ihr den Spott nicht laßen," fiel ihm Wolfhart ein, 2383 "Ich verstimm euch so die Saiten, daß ihr noch am Rhein, Wenn je ihr heimreitet, habt davon zu sagen. Euer Ueberheben mag ich mit Ehren nicht ertragen."
Da sprach der Fiedelspieler: "Wenn ihr den Saiten mein 2384 Die guten Töne raubtet, eures Helmes Schein Müste trübe werden dabei von meiner Hand, Wie ich halt auch reite in der Burgunden Land."
Da wollt er zu ihm springen doch blieb nicht frei die Bahn. 2385 Hildebrand sein Oheim hielt ihn mit Kräften an. "Ich seh, du willst wüthen in deinem dummen Zorn; Nun hätten wir auf immer meines Herren Huld verlorn."
"Laßt los den Leuen, Meister, er hat so grimmigen Muth; 2386 Doch kommt er mir zu nahe," sprach Volker der Degen gut, "Hätt er mit seinen Händen die ganze Welt erlagen, Ich schlag ihn, daß er nimmermehr ein Widerwort weiß zu sagen."
Darob ergrimmte heftig den Bernern der Muth. 2387 Den Schild ruckte Wolfhart, ein schneller Recke gut, Gleich einem wilden Leuen lief er auf ihn an. Die Schar seiner Freunde ihm rasch zu folgen begann.
Mit weiten Sprüngen setzt' er bis vor des Saales Wand; 2388 Doch ereilt' ihn vor der Stiege der alte Hildebrand: Er wollt ihn vor ihm selber nicht laßen in den Streit. Zu ihrem Willen fanden sie gern die Gäste bereit.
Da sprang hin zu Hagen Meister Hildebrand: 2389 Man hörte Waffen klingen an der Helden Hand. Sie waren sehr im Zorne, das zeigte sich geschwind: Von der Beiden Schwertern gieng der feuerrothe Wind.
Da wurden sie geschieden in des Streites Noth: 2390 Das thaten die von Berne, wie Kraft und Muth gebot. Als sich von Hagen wandte Meister Hildebrand, Da kam der starke Wolfhart auf den kühnen Volker gerannt.
Auf den Helm dem Fiedler schlug er solchen Schwang, 2391 Daß des Schwertes Schärfe durch die Spangen drang. Das vergalt mit Ungestüm der kühne Fiedelmann: Da schlug er Wolfharten, daß er zu sprühen begann.
Feuers aus den Panzern hieben sie genug; 2392 Grimmen Haß Jedweder zu dem Andern trug. Da schied sie von Berne der Degen Wolfwein; Wär er kein Held gewesen, so konnte das nimmer sein.
Gunther der kühne mit williger Hand 2393 Empfieng die hehren Helden aus Amelungenland. Geiselher der junge die lichten Helme gut Macht' er in dem Sturme Manchem naß und roth von Blut.
Dankwart, Hagens Bruder, war ein grimmer Mann: 2394 Was er zuvor im Streite Herrliches gethan An König Etzels Recken, das schien nun gar ein Wind: Nun erst begann zu toben des kühnen Aldrians Kind.
Ritschart und Gerbart, Helfrich und Wichart 2395 In manchen Stürmen hatten die selten sich gespart: Das ließen sie wohl schauen die in Gunthers Lehn. Da sah man Wolfbranden in dem Sturme herrlich gehn.
Da focht, als ob er wüthe, der alte Hildebrand. 2396 Viel gute Recken musten vor Wolfhartens Hand Auf den Tod getroffen sinken in das Blut: So rächten Rüdgers Wunden diese Recken kühn und gut.
Da focht der Herzog Siegstab, wie ihm der Zorn gebot. 2397 Hei! was harter Helme brach in des Sturmes Noth An seinen Feinden Dietrichens Schwestersohn! Er konnt in dem Sturme nicht gewaltiger drohn.
Volker der Starke, als er das ersah, 2398 Wie Siegstab der kühne aus Panzerringen da Bäche Blutes holte, das schuf dem Biedern Zorn: Er sprang ihm hin entgegen: da hatte hier bald verlorn
Von dem Fiedelspieler das Leben Siegstab: 2399 Volker ihm seiner Künste so vollen Anteil gab, Er fiel von seinem Schwerte nieder in den Tod. Der alte Hilbrand rächte das, wie ihm sein Eifer gebot.
"O weh des lieben Herren," sprach Meister Hildebrand, 2400 "Der uns hier erschlagen liegt von Volkers Hand! Nun soll der Fiedelspieler auch länger nicht gedeihn." Hildebrand der kühne wie könnt er grimmiger sein.
Da schlug er so auf Volker, daß von des Helmes Band 2401 Die Splitter allwärts stoben bis zu des Saales Wand, Vom Helm und auch vom Schilde dem kühnen Spielmann; Davon der starke Volker nun auch sein Ende gewann.
Da drangen zu dem Streite Die in Dietrichs Lehn: 2402 Sie schlugen, daß die Splitter sich wirbelnd musten drehn Und man der Schwerter Enden in die Höhe fliegen sah. Sie holten aus den Helmen heiße Blutbäche da.
Nun sah von Tronje Hagen Volker den Degen todt: 2403 Das war ihm bei der Hochzeit die allergröste Noth, Die er gewonnen hatte an Freund und Unterthan! O weh, wie grimmig Hagen den Freund zu rächen begann!
"Nun soll es nicht genießen der alte Hildebrand: 2404 Mein Gehilfe liegt erschlagen von des Helden Hand, Der beste Heergeselle, den ich je gewann." Den Schild rückt' er höher, so gieng er hauend hindann.
Helferich der starke Dankwarten schlug: 2405 Gunthern und Geiselhern war es leid genug, Als sie ihn fallen sahen in der starken Noth; Doch hatten seine Hände wohl vergolten seinen Tod.
So viel aus manchen Landen hier Volks versammelt war, 2406 Viel Fürsten kraftgerüstet gegen die kleine Schar, Wären die Christenleute nicht wider sie gewesen, Durch ihre Tugend mochten sie vor allen Heiden wohl genesen.
Derweil schuf sich Wolfhart hin und wieder Bahn, 2407 Alles niederhauend, was Gunthern unterthan. Er machte nun zum dritten Mal die Runde durch den Saal: Da fiel von seinen Händen gar mancher Recke zu Thal.
Da rief der starke Geiselher Wolfharten an: 2408 "O weh, daß ich so grimmen Feind je gewann! Kühner Ritter edel, nun wende dich hieher! Ich will es helfen enden, nicht länger trag ich es mehr."
Zu Geiselheren wandte sich Wolfhart in den Streit. 2409 Da schlugen sich die Recken manche Wunde weit. Mit solchem Ungestüme er zu dem König drang, Daß unter seinen Füßen übers Haupt das Blut ihm sprang.
Mit schnellen grimmen Schlägen der schönen Ute Kind 2410 Empfieng da Wolfharten, den Helden hochgesinnt. Wie stark auch war der Degen, wie sollt er hier gedeihn? Es konnte nimmer kühner ein so junger König sein.
Da schlug er Wolfharten durch einen Harnisch gut, 2411 Daß ihm aus der Wunde niederschoß das Blut: Zum Tode war verwundet Dietrichens Unterthan. Wohl must er sein ein Recke, der solche Werke gethan.
Als der kühne Wolfhart die Wund an sich empfand, 2412 Den Schild ließ er fallen: höher in der Hand Hob er ein starkes Waffen, das war wohl scharf genug: Durch Helm und Panzerringe der Degen Geiselhern schlug.
Den grimmen Tod einander hatten sie angethan. 2413 Da lebt' auch Niemand weiter, der Dietrich unterthan. Hildebrand der alte Wolfharten fallen sah: Gewiss vor seinem Tode solch Leid ihm nimmer geschah.
Erstorben waren Alle Die in Gunthers Lehn 2414 Und Die in Dietrichens. Hilbranden sah man gehn, Wo Wolfhart war gefallen nieder in das Blut. Er umschloß mit Armen den Degen bieder und gut.
Er wollt ihn aus dem Hause tragen mit sich fort; 2415 Er war zu schwer doch, laßen must ihn der Alte dort. Da blickt' aus dem Blute der todwunde Mann: Er sah wohl, sein Oheim hülfe gern ihm hindann.
Da sprach der Todwunde: "Viel lieber Oheim mein, 2416 Mir kann zu dieser Stunde eure Hülfe nicht gedeihn. Nun hütet euch vor Hagen, fürwahr, ich rath euch gut: Der tragt in seinem Herzen einen grimmigen Muth.
"Und wollen meine Freunde im Tode mich beklagen, 2417 Den nächsten und den besten sollt ihr von mir sagen, Daß sie nicht um mich weinen, das thu nimmer Noth: Von eines Königs Händen fand ich hier herrlichen Tod.
"Ich hab auch so vergolten mein Sterben hier im Saal, 2418 Das schafft noch den Frauen der guten Ritter Qual. Wills Jemand von euch wißen, so mögt ihr kühnlich sagen: Von meiner Hand alleine liegen hundert wohl erschlagen.
Da gedacht auch Hagen an den Fiedelmann, 2419 Dem der alte Hildebrand das Leben abgewann: Da sprach er zu dem Kühnen: "Ihr entgeltet nun mein Leid. Ihr habt uns hier benommen manchen Recken kühn im Streit."
Er schlug auf Hildebranden daß man wohl vernahm 2420 Balmungen dröhnen, den Siegfrieden nahm Hagen der kühne, als er den Helden schlug. Da wehrte sich ser Alte: er war auch streitbar genug.
Wolfhartens Oheim ein breites Waffen schwang 2421 Auf Hagen von Tronje, das scharf den Stahl durchdrang: Doch konnt er nicht verwunden Gunthers Unterthan. Da schlug ihm Hagen wieder durch einen Harnisch wohlgetan.