Das Nibelungenlied

Chapter 24

Chapter 243,649 wordsPublic domain

"Ich sah nie Fiedelspieler noch so herrlich stehn, 2114 Als diesen Tag von Volker dem Degen ist geschehn. Seine Weisen hallen durch Helm und Schildesrand: Gute Rosse soll er reiten und tragen herrlich Gewand."

So viel der Heunendegen auch waren in dem Saal, 2115 Nicht Einer blieb am Leben von ihnen allzumal. Da war der Schall beschwichtigt, als Niemand blieb zum Streit. Die kühnen Recken legten da ihre Schwerter beiseit.

* * * * *

Vierunddreißigstes Abenteuer.

Wie sie die Todten aus dem Saale warfen.

Da setzten sich aus Müdigkeit die Herrn und ruhten aus. 2116 Volker und Hagen die giengen vor das Haus Ueber den Schild sich lehnend in ihrem Uebermuth: Da pflagen launger Reden diese beiden Helden gut.

Da sprach von Burgunden Geiselher der Degen: 2117 "Noch dürft ihr, lieben Freunde, nicht der Ruhe pflegen: Ihr sollt erst die Todten aus dem Hause tragen. Wir werden noch bestanden, das will ich wahrlich euch sagen.

"Sie sollen untern Füßen uns hier nicht länger liegen, 2118 bevor im Sturm die Heunen mögen uns besiegen, Wir haun noch manche Wunde, die gar sanft mir thut. Des hab ich," sprach da Geiselher, "einen willigen Muth."

"O wohl mir solches Herren," sprach Hagen entgegen. 2119 "Der Rath geziemte Niemand als einem solchen Degen, Wie unsern jungen Herren wir heute hier gesehn: Ihr Burgunden möget all darob in Freuden stehn.

Da folgten sie dem Rathe und trugen vor die Thür 2120 Siebentausend Todte, die warfen sie dafür. Vor des Saales Stiege fielen sie zu Thal: Da erhoben ihre Freunde mit Jammern kläglichen Schall.

Auch war darunter Mancher nur so mäßig wund, 2121 Käm ihm sanftre Pflege, er würde noch gesund; Doch von dem hohen Falle fand er nun den Tod. Das klagten ihre Freunde; es zwang sie wahrhafte Noth.

Da sprach der Fiedelspieler, der Degen unverzagt: 2122 "Nun seh ich wohl, sie haben mir Wahrheit gesagt: Die Heunen sind feige, sie klagen wie ein Weib, Da sie nun pflegen sollten der Schwerverwundeten Leib."

Da mocht ein Markgraf wähnen, er meint es ernst und gut: 2123 Ihm war der Vettern Einer gefallen in das Blut; Den dacht' er wegzutragen und wollt ihn schon umfahn: Da schoß ob ihm zu Tode den der kühne Spielmann.

Als das die Andern sahen, sie flohen von dem Saal. 2124 Dem Spielmann zu fluchen begannen sie zumal. Einen Sper hob Volker vom Boden, scharf und hart, Der von einem Heunen zu ihm hinauf geschoßen ward.

Den schoß er durch den Burghof zurück kräftiglich 2125 Ueber ihre Häupter. Das Volk Etzels wich Erschreckt von dem Wurfe weiter von dem Haus. Vor seinen Kräften hatten alle Leute Schreck und Graus,

Da stand vor dem Hause Etzel mit manchem Mann. 2126 Volker und Hagen huben zu reden an Mit dem Heunenkönig nach ihrem Uebermuth. Das schuf bald große Sorge diesen Helden kühn und gut.

"Wohl wär es," sprach da Hagen, "des Volkes Trost im Leid, 2127 Wenn die Herren föchten allen voran im Streit, Wie von meinen Herren hier Jeglicher thut: Die hauen durch die Helme, daß von den Schwertern fließt das Blut."

So kühn war König Etzel, er faßte seinen Schild. 2128 "Nun hütet eures Lebens," sprach da Kriemhild, "Und bietet Gold den Recken auf dem Schildesrand, Denn erreicht euch Hagen, ihr habt den Tod an der Hand."

So kühn war der König, er ließ nicht vom Streit, 2129 Wozu so mächtge Fürsten nun selten sind bereit. Man must ihn bei den Riemen des Schildes ziehn hindann. Hagen der grimme ihn mehr zu höhnen begann:

"Eine nahe Sippe war es," sprach Hagen gleich zur Hand, 2130 "Die Etzeln zusammen und Siegfried verband: Er minnte Kriemhilden, eh sie gesehen dich: Feiger König Etzel, warum räthst du wider mich?"

Diese Rede hörte die edle Königin, 2131 Darüber ward unmuthig Kriemhild in ihrem Sinn, Daß er sie schelten durfte vor manchem Etzelsmann. Wider die Gäste hub sie aufs Neu zu werben an.

Sie sprach: "Wer von Tronje den Hagen mir schlüge 2132 Und sein Haupt als Gabe her vor mich trüge, Mit rothem Golde füllt' ich ihm Etzels Schildesrand; Auch gäb ich ihm zum Lohne viel gute Burgen und Land."

"Ich weiß nicht, was sie zaudern," sprach der Fiedelmann. 2133 "Nie sah ich, daß Helden so verzagt gethan, Wo man bieten hörte also reichen Sold. Wohl sollt ihnen Etzel nimmer wieder werden hold.

"Die hier mit Schimpf und Schanden eßen des Königs Brot 2134 Und jetzt im Stich ihn laßen in der größten Noth, Deren seh ich Manchen so recht verzagt da stehn Und thun doch so verwegen: sie können nie der Schmach entgehn."

Der mächtige Etzel hatte Jammer und Noth: 2135 Er beklagte seiner Mannen und Freunde bittern Tod. Von manchen Landen standen ihm Recken viel zur Seit Und weinten mit dem König sein gewaltiges Leid.

Darob begann zu spotten der kühne Volker: 2136 "Ich seh hier übel weinen gar manchen Recken hehr. Sie helfen schlecht dem König in seiner großen Noth. Wohl eßen sie mit Schanden nun schon lange hier sein Brot."

Da gedachten wohl die Besten: "Wahr ists, was Volker sagt." 2137 Von Niemand doch von allen ward es so schwer beklagt Als von Markgraf Iring, dem Herrn aus Dänenland, Was sich nach kurzer Weite wohl nach der Wahrheit befand.

* * * * *

Fünfunddreißigstes Abenteuer.

Wie Iring erschlagen ward.

Da rief der Markgraf Iring aus der Dänen Land: 2138 "Ich habe nun auf Ehre die Sinne lang gewandt; Auch ist von mir das Beste in Stürmen oft geschehn: Nun bringt mir mein Gewaffen: so will ich Hagen bestehn."

"Das möcht ich widerrathen," hub da Hagen an, 2139 "Sonst finden mehr zu klagen Die Etzeln unterthan. Springen eurer zweie oder drei in den Saal, Die send ich wohlverhauen die Stiege wieder zu Thal."

"Ich wills darum nicht laßen," sprach wieder Iring: 2140 "Wohl schon oft versucht ich ein gleich gefährlich Ding. Wohl will ich mit dem Schwerte allein dich bestehn, Und wär von dir im Streite mehr als von Jemand geschehn."

Da ward gewaffnet Iring nach ritterlichem Brauch 2141 Und Irnfried der kühne von Thüringen auch Und Hawart der starke wohl mit tausend Mann: Sie wollten Iring helfen, was der Held auch begann.

Da sah der Fiedelspieler ein gewaltig Heer, 2142 Das mit Iringen gewaffnet zog einher. Sie trugen aufgebunden die lichten Helme gut. Da ward dem kühnen Volker darüber zornig zu Muth.

"Seht ihr, Freund Hagen, dort Iringen gehn, 2143 Der euch im Kampf alleine gelobte zu bestehn? Wie ziemt Helden Lüge? Führwahr, ich tadl es sehr. Es gehn mit ihm gewaffnet tausend Recken oder mehr."

"Nun straft mich nicht Lügen," sprach Hawarts Unterthan, 2144 "Ich will gerne leisten, was ich euch kund gethan. Mein Wort soll um Feigheit nicht gebrochen sein: Sei Hagen noch so gräulich, ich besteh ihn ganz allein."

Zu Füßen warf sich Iring den Freunden und dem Lehn, 2145 Daß sie allein ihn ließen den Recken bestehn. Das thaten sie doch ungern, ihnen war zu wohl bekannt Der übermütige Hagen aus der Burgunden Land.

Doch bat er sie so lange, bis es zuletzt geschah. 2146 Als das Ingesinde seinen Willen sah, Und daß er warb nach Ehre, da ließen sie ihn gehn. Da ward von den Beiden ein grimmes Streiten gesehn.

Iring der Däne hielt hoch empor den Sper, 2147 Sich deckte mit dem Schilde der theure Degen hehr: So lief er auf im Sturme zu Hagen vor den Saal. Da erhob sich von den Degen ein gewaltiger Schall.

Die Spere schößen beide kräftig aus der Hand 2148 Durch die festen Schilde auf ihr licht Gewand, Daß die Spersplitter hoch in die Lüfte flogen. Da griffen zu den Schwertern die grimmen Degen verwegen.

Die Kraft des kühnen Hagen war ohne Maßen voll; 2149 Doch schlug nach ihm Iring, daß all die Burg erscholl. Der Saal und die Thürme erhallten von den Schlägen. Es konnte seinen Willen doch nicht vollführen der Degen.

Iring ließ Hagen unverwundet stehn: 2150 Auf den Fiedelspieler begann er loszugehn. Er wähnt', er sollt ihn zwingen mit seinen grimmen Schlägen, Doch wuste sich zu schirmen dieser zierliche Degen.

Da schlug der Fiedelspieler, daß von des Schildes Rand 2151 Das Gespänge wirbelte von Volkers starker Hand. Den ließ er wieder stehen; es war ein übler Mann: Jetzt lief er auf Gunther, den Burgundenkönig, an.

Da war nun Jedweder zum Streite stark genug. 2152 Wie Gunther auf Iring und der auf Gunther schlug, Das brachte nicht aus Wunden das fließende Blut. Ihre Rüstung wehrt' es, die war zu fest und zu gut.

Gunthern ließ er stehen und lief Gernoten an. 2153 Das Feuer aus den Ringen er ihm zu haun begann. Da hätte von Burgunden der starke Gernot Iring den kühnen beinah gesandt in den Tod.

Da sprang er von dem Fürsten; schnell war er genug. 2154 Der Burgunden viere der Held behend erschlug, Des edeln' Heergesindes aus Worms an dem Rhein. Darüber mochte Geiselher nicht wohl zorniger sein.

"Gott weiß, Herr Iring," sprach Geiselher das Kind, 2155 "Ihr müßt mir entgelten, die hier erlegen sind Vor euch in dieser Stunde." Da lief er ihn an Und schlug den Danenhelden, daß er zu straucheln begann.

Er schoß vor seinen Händen nieder in das Blut, 2156 Daß sie alle wähnten, dieser Degen gut Schlug im Streit nicht wieder einen Schlag mit seinem Schwert. Doch lag vor Geiselheren Iring da noch unversehrt.

Von des Helmes Schwirren und von des Schwertes Klang 2157 Waren seine Sinne so betäubt und krank, Daß sich der kühne Degen des Lebens nicht besann. Das hatt ihm mit den Kräften der kühne Geiselher gethan.

Als ihm aus dem Haupte das Schwirren jetzt entwich, 2158 Von dem mächtgen Schlage war das erst fürchterlich, Da gedacht er: "Ich lebe und bin auch nirgend wund: Nun ist mir erst die Stärke des kühnen Geiselher kund!"

Zu beiden Seiten hört' er seine Feinde stehn. 2159 Sie hättens wißen sollen, so wär ihm mehr geschehn. Auch hatt er Geiselheren vernommen nahe bei: Er sann, wie mit dem Leben den Feinden zu entkommen sei.

Wie tobend der Degen aus dem Blute sprang! 2160 Er mochte seiner Schnelle wohl sagen großen Dank. Da lief er aus dem Hause, wo er Hagen fand, Und schlug ihm schnelle Schläge mit seiner kraftreichen Hand.

Da gedachte Hagen: "Du must des Todes sein. 2161 Befriede dich der Teufel, sonst kannst du nicht gedeihn." Doch traf Iring Hagnen durch seines Helmes Hut. Das that der Held mit Maske; das war eine Waffe gut.

Als der grimme Hagen die Wund an sich empfand, 2162 Da schwenkte sich gewaltig das Schwert in seiner Hand. Es muste vor ihm weichen Hawarts Unterthan: Hagen ihm die Stiege hinab zu folgen begann.

Uebers Haupt den Schildrand Iring der kühne schwang. 2163 Und war dieselbe Stiege drei solcher Stiegen lang, Derweil ließ ihn Hagen nicht schlagen einen Schlag. Hei, was rother Funken da auf seinem Helme lag!

Doch kam zu den Freunden Iring noch gesund. 2164 Da wurde diese Märe Kriemhilden kund, Was er dem von Tronje hatt im Streit gethan; Dafür die Königstochter ihm sehr zu danken begann.

"Nun lohne Gott dir, Iring, erlauchter Degen gut, 2165 Du hast mir wohl getröstet das Herz und auch den Muth: Nun seh ich blutgeröthet Hagens Wehrgewand!" Kriemhild nahm ihm selber den Schild vor Freud aus der Hand.

"Ihr mögt ihm mäßig danken," begann da Hagen, 2166 "Bis jetzt ist viel Großes nicht davon zu sagen; Versucht' er es zum andern Mal, er wär ein kühner Mann. Die Wunde frommt euch wenig, die ich noch von ihm gewann.

"Daß ihr von meiner Wunde mir seht den Harnisch roth, 2167 Das hat mich noch erbittert zu manches Mannes Tod. Nun bin ich erst im Zorne auf ihn und manchen Mann; Mir hat der Degen Iring noch kleinen Schaden gethan."

Da stand dem Wind entgegen Iring von Dänenland; 2168 Er kühlte sich im Harnisch, den Helm er niederband. Da priesen ihn die Leute für streitbar und gut: Darüber trug der Markgraf nicht wenig hoch seinen Muth.

Da sprach Iring wieder: "Nun, Freunde, sollt ihr gehn 2169 Und neue Waffen holen: ich will noch einmal sehn, Ob ich bezwingen möge den übermüthgen Mann." Sein Schild war verhauen, einen beßern er gewann.

Gewaffnet war der Recke bald in noch festre Wehr. 2170 Er griff in seinem Zorne nach einem starken Sper, Damit wollt er Hagen zum drittenmal bestehn. Es brächt ihm Ehr und Frommen, ließ' er das sich vergehn.

Da wollte sein nicht harren Hagen der Degen. 2171 Mit Schüßen und mit Hieben lief er ihm entgegen Die Stiege bis zu Ende; zornig war sein Muth. Da kam dem Degen Iring seine Stärke nicht zu gut.

Sie schlugen durch die Schilde, daß es zu lohn begann 2172 Mit feuerrothem Winde. Hawarts Unterthan Ward von Hagens Schwerte da gefährlich wund Durch Helm und durch Schildrand; er ward nicht wieder gesund.

Als Iring der Degen der Wunde sich besann, 2173 Den Schild rückte näher dem Helm der kühne Mann. Ihn dauchte voll der Schaden, der ihm war geschehn; Bald that ihm aber größern der in König Gunthers Lehn.

Hagen vor seinen Füßen einen Wurfspieß liegen fand: 2174 Auf Iringen schoß er den von Dänenland, Daß man ihm aus dem Haupte die Stange ragen sah. Ein grimmes Ende ward ihm von dem Uebermüthgen da.

Iring must entweichen zu seinen Dänen hin. 2175 Eh man den Helm dem Degen mochte niederziehn, Brach man den Sper vom Haupte, da naht' ihm der Tod. Das beweinten seine Freunde: es zwang sie wahrhafte Noth.

Da kam die Königstochter auch zu ihm heran: 2176 Iring den starken hub sie zu klagen an. Sie beweinte seine Wunden: es war ihr grimmig leid. Da sprach vor seinen Freunden dieser Recke kühn im Streit:

"Laßt eure Klage bleiben, viel hehre Königin. 2177 Was hilft euer Weinen? Mein Leben muß dahin Schwinden aus den Wunden, die an mir offen stehn. Der Tod will mich nicht länger euch und Etzeln dienen sehn."

Zu Thüringern und Dänen sprach er hingewandt: 2178 "Die Gaben, so die Königin euch beut, soll eure Hand Nicht zu erwerben trachten, ihr lichtes Gold so roth Und besteht ihr Hagen, so müßt ihr schauen den Tod."

Seine Farbe war erblichen, des Todes Zeichen trug 2179 Iring der kühne; ihnen war es leid genug. Es konnte nicht gesunden der Held in Hawarts Lehn: Da must es an ein Streiten von den Dänenhelden gehn.

Irnfried und Hawart sprangen vor das Haus 2180 Wohl mit tausend Helden: einen ungestümen Braus Vernahm man allenthalben, kräftig und groß. Hei! was man scharfer Spere auf die Burgunden schoß!

Irnfried der kühne lief den Spielmann an, 2181 Wodurch er großen Schaden von seiner Hand gewann. Der edle Fiedelspieler den Landgrafen schlug Durch den Helm den festen: wohl war er grimmig genug.

Da schlug dem grimmen Spielmann Irnfried einen Schlag, 2182 Daß er den Ringpanzer dem Helden zerbrach Und sich sein Harnisch färbte von Funken feuerroth. Dennoch fiel der Landgraf vor dem Spielmann in den Tod.

Zusammen waren Hagen und Hawart gekommen. 2183 Da mochte Wunder schauen, wer es wahrgenommen. Die Schwerter fielen kräftig den Helden an der Hand: Da muste Hawart sterben vor dem aus Burgundenland.

Die Thüringer und Dänen sahn ihre Herren todt. 2184 Da hub sich vor dem Hause noch grimmere Noth, Eh sie die Thür gewannen mit kraftreicher Hand. Da ward noch verhauen mancher Helm und Schildesrand.

"Weichet," sprach da Volker, "laßt sie zum Saal herein: 2185 Was sie im Sinne haben, kann dennoch nicht sein. Sie müßen bald ersterben allzumal darin: Sie ernten mit dem Tode, was ihnen beut die Königin,"

Als die Uebermüthigen drangen in den Saal, 2186 Das Haupt ward da Manchem so geneigt zu Thal, Daß er ersterben muste vor ihren schnellen Schlägen. Wohl stritt der kühne Gernot; so that auch Geiselher der Degen.

Tausend und viere die kamen in das Haus: 2187 Da hörte man erklingen den hellen Schwertersaus. Sie wurden von den Gästen alle drin erschlagen: Man mochte große Wunder von den Burgunden sagen.

Darnach ward eine Stille, als der Lärm verscholl. 2188 Das Blut allenthalben durch die Lücken quoll Und zu den Riegelsteinen von den todten Degen: Das hatten die vom Rheine gethan mit kräftigen Schlägen.

Da saßen wieder rufend die aus Burgundenland, 2189 Sie legten mit den Schilden die Waffen aus der Hand. Da stand noch vor dem Hause der kühne Spielmann, Erwartend, ob noch Jemand zum Streite zöge heran.

Der König klagte heftig, dazu die Königin; 2190 Mägdelein und Frauen härmten sich den Sinn. Der Tod, wähn ich, hatte sich wider sie verschworen: Drum giengen durch die Gäste noch viele der Recken verloren.

* * * * *

Sechsunddreißigstes Abenteuer.

Wie die Königin den Saal verbrennen ließ.

"Nun bindet ab die Helme," sprach Hagen der Degen: 2191 "Ich und mein Geselle wollen euer pflegen. Und versuchten es noch einmal Die Etzeln unterthan, So warn ich meine Herren, so geschwind ich immer kann."

Da band den Helm vom Haupte mancher Ritter gut. 2192 Sie setzten auf die Leichen sich nieder, die ins Blut Waren zum Tode von ihrer Hand gekommen. Da ward der edeln Gäste mit Erbittrung wahrgenommen.

Noch vor dem Abend schuf der König hehr 2193 Und Kriemhild die Königin, daß es der Heunen mehr Noch versuchen musten; man sah vor ihnen stehn Wohl an zwanzigtausend: die musten da zum Kampfe gehn.

Da drang zu den Gästen ein harter Sturm heran. 2194 Dankwart, Hagens Bruder, der kraftvolle Mann, Sprang von seinen Herren zu den Feinden vor das Thor. Sie versahn sich seines Todes; doch sah man heil ihn davor.

Das harte Streiten währte, bis es die Nacht benahm. 2195 Da wehrten sich die Gäste wie Helden lobesam Wider Etzels Recken den sommerlangen Tag. Hei! was guter Helden im Tod vor ihnen erlag!

Zu einer Sonnenwende der große Mord geschah: 2196 Ihres Herzens Jammer rächte Kriemhild da An ihren nächsten Freunden und manchem andern Mann, Wodurch der König Etzel nie wieder Freude gewann.

Sie hatte nicht gesonnen auf solche Mörderschlacht. 2197 Als sie den Streit begonnen, hatte sie gedacht, Hagen sollt alleine dabei sein Ende sehn. Da schuf der böse Teufel, über Alle must es ergehn.

Der Tag war zerronnen; ihnen schuf nun Sorge Noth. 2198 Sie gedachten, wie doch beßer war ein kurzer Tod, Als sich so lang zu quälen in ungefügem Leid. Da wünschten einen Frieden die großen Ritter allbereit.

Sie baten, daß man brächte den König vor den Saal. 2199 Die blutrothen Helden, geschwärzt vom rostgen Stahl, Traten aus dem Hause und die drei Könge hehr. Sie wusten nicht, wem klagen ihres großen Leids Beschwer.

Etzel und Kriemhild kamen beide her; 2200 Das Land war ihnen eigen, drum mehrte sich ihr Heer. Er sprach zu den Gästen: "Sagt, was begehrt ihr mein? Wollt ihr Frieden haben? das könnte nun schwerlich sein

"Nach so großem Schaden, als ihr mir habt gethan. 2201 Es kommt euch nicht zu Statten, so lang ich athmen kann: Mein Kind, das ihr erschluget, und viel der Freunde mein, Fried und Sühne soll euch stäts dafür geweigert sein."

Antwort gab ihm Gunther: "Uns zwang wohl große Noth. 2202 All mein Gesinde lag vor deinen Helden todt In der Herberge: verdient ich solchen Sold? Ich kam zu dir auf Treue und wähnte, du warst mir hold."

Da sprach von Burgunden Geiselher das Kind: 2203 "Ihr Helden König Etzels, die noch am Leben sind, Wes zeiht ihr mich, ihr Degen? was hatt ich euch gethan, Der ich die Fahrt so gütlich zu diesem Lande begann?"

Sie sprachen: "Deiner Güte ist all die Burg hier voll 2204 Mit Jammer gleich dem Lande; wir gönnten dir es wohl, Wärst du nie gekommen von Worms überrhein. Das Land ist gar verwaiset durch dich und die Brüder dein."

Da sprach im Zornmuthe Gunther der Held: 2205 "Wünscht ihr noch dieß Morden im Frieden eingestellt Mit uns Heimatlosen, das ist uns beiden gut; Es ist gar unverschuldet, was uns König Etzel thut."

Der Wirt sprach zu den Gästen: "mein und euer Leid 2206 Sind einander ungleich: die große Noth im Streit, Der Schaden und die Schande, die ich von euch gewann, Dafür soll euer Keiner mir lebend kommen hindann."

Da sprach zu dem König der starke Gernot: 2207 "So soll euch Gott gebieten, daß ihr die Lieb uns thut: Weichet von dem Hause und laßt uns zu euch gehn. Wir wissen wohl, bald ist es um unser Leben geschehn.

"Was uns geschehen könne, das laßt schnell ergehn: 2208 Ihr habt so viel Gesunde, die dürfen uns bestehn Und geben uns vom Streite Müden leicht den Tod: Wie lange solln wir Recken bleiben in so grimmer Noth?"

Von König Etzels Reden war es fast geschehn, 2209 Daß sie die Helden ließen aus dem Saale gehn. Als das Kriemhild hörte, es war ihr grimmig leid. Da war den Heimathlosen mit Nichten Sühne bereit.

"Nein, edle Recken, worauf euch sinnt der Muth, 2210 Ich will euch treulich raten, daß ihr das nimmer thut, Daß ihr die Mordgierigen laßt vor den Saal; Sonst müßen eure Freunde leiden tödtlichen Fall.

"Und lebten nur alleine, die Utens Söhne' sind, 2211 Und kämen meine edeln Brüder an den Wind. Daß sie die Panzer kühlten, ihr alle wärt verloren: Es wurden kühnre Degen noch nie auf Erden geboren."

Da sprach der junge Geiselher: "Viel schöne Schwester mein, 2212 Wie hätt ich dir das zugetraut, daß du mich überrhein Her zu Lande ladetest in diese große Noth: Wie möcht ich an den Heunen hier verdienen den Tod?

"Ich hielt dir stäte Treue, that nie ein Leid dir an: 2213 Ich kam auch her zu Hilfe geritten in dem Wahn, Du wärst mir gewogen, viel liebe Schwester mein, Nun schenk uns deine Gnade, da es anders nicht mag sein."

"Ich schenk euch keine Gnade, Ungnad ich selbst gewann: 2214 Mir hat von Tronje Hagen so großes Leid gethan Daheim, und hier zu Lande erschlug er mir mein Kind: Das müßen schwer entgelten, die mit euch hergekommen sind."

Wollt ihr mir aber Hagen allein zum Geisel geben, 2215 So will ichs nicht verweigern, daß ich euch laße leben. Denn meine Brüder seid ihr, der gleichen Mutter Kind: So red ich um die Sühne mit den Helden, die hier sind."