Chapter 22
Am Sonnewendenabend waren sie gekommen 1907 An Etzels Hof, des reichen. Noch selten ward vernommen, Daß ein König seine Gäste freundlicher empfieng; Darnach er zu Tische wohlgemuth mit ihnen gieng.
Ein Wirth bei seinen Gästen sich holder nie betrug. 1908 Zu trinken und zu eßen bot man da genug: Was sie nur wünschen mochten, das wurde gern gewährt. Man hatte von den Helden viel große Wunder gehört.
Der reiche Etzel hatte an ein Gebäude weit 1909 Viel Fleiß und Müh gewendet und Kosten nicht gescheut: Man sah Pallas und Thürme, Gemächer ohne Zahl In einer weiten Veste und einen herrlichen Saal.
Den hatt er bauen laßen lang, hoch und weit, 1910 Weil ihn so viel der Recken heimsuchten jederzeit. Auch ander Ingesinde, zwölf reiche Könge hehr Und viel der werthen Degen hatt er zu allen Zeiten mehr,
Als je gewann ein König, von dem ich noch vernahm. 1911 Er lebte so mit Freunden und Mannen wonnesam: Gedräng und frohen Zuruf hatte der König gut Von manchem schnellen Degen; drum stand wohl hoch ihm der Muth.
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Dreißigstes Abenteuer.
Wie Hagen und Volker Schildwacht standen.
Der Tag war nun zu Ende, es nahte sich die Nacht. 1912 Den reisemüden Recken war die Sorg erwacht, Wann sie ruhen sollten und zu Bette gehn. Zur Sprache bracht es Hagen: Bescheid ist ihnen geschehn.
Zu dem Wirthe sprach da Gunther: "Gott laß euchs wohlgedeihn: 1913 Wir wollen schlafen gehen, mag es mit Urlaub sein. Wenn ihr das gebietet, kommen wir morgen fruh." Der Wirth entließ die Gaste wohlgemuth zu ihrer Ruh.
Von allen Seiten drängen man die Gäste sah. 1914 Volker der kühne sprach zu den Heunen da: "Wie dürft ihr uns Recken so vor die Füße gehn? Und wollt ihr das nicht meiden, so wird euch übel geschehn.
"So schlag ich Dem und Jenem so schweren Geigenschlag, 1915 Hat er einen Treuen, daß ders beweinen mag. Nun weicht vor uns Recken, fürwahr, mich dünkt es gut: Es heißen Alle Degen und haben doch nicht gleichen Muth."
Als in solchem Zorne sprach der Fiedelmann, 1916 Hagen der kühne sich umzuschaun begann. Er sprach: "Euch räth zum Heile der kühne Fiedeler. Geht zu den Herbergen, ihr in Kriemhildens Heer.
"Was ihr habt im Sinne, es fügt sich nicht dazu: 1917 Wollt ihr was beginnen, so kommt uns morgen fruh Und laßt uns Reisemüden heut in Frieden ruhn. Ich glaube, niemals werden es Helden williger thun."
Da brachte man die Gäste in einen weiten Saal, 1918 Zur Nachtruh eingerichtet den Recken allzumal Mit köstlichen Betten, lang zumal und breit. Gern schuf ihnen Kriemhild das allergrößeste Leid,
Schmucker Decken sah man von Arras da genug 1919 Aus lichthellem Zeuge und manchen Ueberzug Aus Arabischer Seide, so gut sie mochten sein, Verbrämt mit goldnen Borten, die gaben herrlichen Schein.
Viel Bettlaken fand man von Hermelin gemacht 1920 Und von schwarzem Zobel, worunter sie die Nacht Sich Ruhe schaffen sollten bis an den lichten Tag. Ein König mit dem Volke wohl nimmer herrlicher lag.
"O weh des Nachtlagers!" sprach Geiselher das Kind, 1921 "Und weh meiner Freunde, die mit uns kommen sind. Wie gut es meine Schwester uns auch hier erbot, Wir gewinnen, fürcht ich, alle von ihrem Haße den Tod."
"Nun laßt euer Sorgen," sprach Hagen der Degen, 1922 "Ich will heunte selber der Schildwache pflegen Und getrau euch zu behüten bis morgen an den Tag: Seit des ohne Sorge: so entrinne, wer da mag."
Da neigten sich ihm Alle und sagten ihm Dank. 1923 Sie giengen zu den Betten. Da währt' es nicht lang, Bis in Ruhe lagen die Helden wohlgethan. Hagen der kühne sich da zu waffnen begann.
Da sprach der Fiedelspieler, Volker der Degen: 1924 "Verschmäht ihrs nicht, Hagen, so will ich mit euch pflegen Heunt der Schildwache bis morgen an den Tag." Da dankte Volkeren der Degen gütlich und sprach:
"Nun lohn euch Gott vom Himmel, viel lieber Volker! 1925 Zu allen meinen Sorgen wünsch ich mir Niemand mehr Als nur euch alleine, befahr ich irgend Noth. Ich will es wohl vergelten, es verwehr es denn der Tod."
Da kleideten die Beiden sich in ihr licht Gewand, 1926 Jedweder faßte den Schild an seine Hand, Sie giengen aus dem Hause vor die Thüre stehn Und hüteten der Gäste; das ist mit Treuen geschehn.
Volker der schnelle lehnte von der Hand 1927 Seinen Schild den guten an des Saales Wand. Dann wandt er sich zurücke, wo seine Geige war, Und diente seinen Freunden: es ziemt ihm also fürwahr.
Unter des Hauses Thüre setzt' er sich auf den Stein. 1928 Kühnrer Fiedelspieler mochte nimmer sein. Als der Saiten Tönen ihm so hold erklang, Die stolzen Heimatlosen die sagten Volkern den Dank.
Da tönten seine Saiten, daß all das Haus erscholl; 1929 Seine Kraft und sein Geschicke die waren beide voll. Süßer und sanfter zu geigen hub er an: So spielt' er in den Schlummer gar manchen sorgenden Mann.
Da sie entschlafen waren und Volker das befand, 1930 Da nahm der Degen wieder den Schild an die Hand Und gieng aus dem Hause vor die Thüre stehn, Seine Freunde zu behüten vor Denen in Kriemhilds Lehn.
Wohl der Nacht inmitten, wenn es erst da geschah, 1931 Volker der kühne einen Helm erglänzen sah Fernher durch das Dunkel: Die Kriemhild unterthan, Hätten an den Gästen gerne Schaden gethan.
Bevor diese Recken Kriemhild hatt entsandt, 1932 Sie sprach: "Wenn ihr sie findet, so seid um Gott ermahnt, Daß ihr Niemand tödtet als den einen Mann, Den ungetreuen Hagen; die Andern rühret nicht an."
Da sprach der Fiedelspieler: "Nun seht, Freund Hagen, 1933 Uns ziemt, diese Sorge gemeinsam zu tragen. Gewaffnet vor dem Hause seh ich Leute stehn: So viel ich mag erkennen, kommen sie uns zu bestehn."
"So schweigt," sprach da Hagen, "laßt sie erst näher her. 1934 Eh sie uns inne werden, wird ihrer Helme Wehr Zerschroten mit den Schwertern von unser Beider Hand: Sie werden Kriemhilden übel wieder heimgesandt."
Der Heunenrecken Einer das gar bald ersah, 1935 Die Thüre sei behütet: wie schnell sprach er da: "Was wir im Sinne hatten, kann nun nicht geschehn: Ich seh den Fiedelspieler vor dem Hause Schildwacht stehn.
"Er trägt auf dem Haupte einen Helm von lichtem Glanz, 1936 Der ist hart und lauter, stark dazu und ganz. Auch loh'n die Panzerringe ihm, wie das Feuer thut. Daneben steht auch Hagen: die Gäste sind in guter Hut."
Da wandten sie sich wieder. Als Volker das ersah, 1937 Zu seinem Heergesellen in Zorn sprach er da: "Nun laßt mich von dem Hause zu den Recken gehn: So frag ich um die Märe Die in Kriemhildens Lehn."
"Nein, wenn ihr mich lieb habt," sprach Hagen entgegen, 1938 "Kämt ihr aus dem Hause, diese schnellen Degen Brächten euch mit Schwertern leicht in solche Noth, Daß ich euch helfen müste, wärs aller meiner Freunde Tod.
"Wenn wir dann Beide kämen in den Streit, 1939 So möchten ihrer zweie oder vier in kurzer Zeit Zu dem Hause springen und schüfen solche Noth Drinnen an den Schlafenden, daß wir bereuten bis zum Tod."
Da sprach wieder Volker: "So laßt es nur geschehn, 1940 Daß sie inne werden, wir haben sie gesehn: So können uns nicht läugnen Die Kriemhild unterthan, Daß sie gerne treulos an den Gästen hätten gethan."
Da rief der Fiedelspieler den Heunen entgegen: 1941 "Wie geht ihr so bewaffnet, ihr behenden Degen? Wollt ihr morden reiten, ihr Kriemhild unterthan? So nehmt mich zur Hülfe und meinen Heergesellen an,"
Niemand gab ihm Antwort; zornig war sein Muth: 1942 "Pfui, feige Bösewichter," sprach der Degen gut, "Im Schlaf uns zu ermorden, schlicht ihr dazu heran? Das ward so guten Helden bisher noch selten gethan."
Bald ward auch die Märe der Königin bekannt 1943 Vom Abzug ihrer Boten: wie schwer sie das empfand! Da fügte sie es anders; gar grimmig war ihr Muth. Da musten bald verderben viel der Helden kühn und gut.
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Einunddreißigstes Abenteuer.
Wie die Herren zur Kirche giengen.
"Mir wird so kühl der Harnisch," sprach da Volker: 1944 "Die Nacht, wähn ich, wolle nun nicht währen mehr. Ich fühl es an den Lüften, es ist nicht weit vom Tag." Da weckten sie gar Manchen, der da im Schlafe noch lag.
Da schien der lichte Morgen den Gästen in den Saal. 1945 Hagen begann zu fragen die Recken allzumal, Ob sie zum Münster wollten in die Messe heut. Nach christlichen Sitten erscholl der Glocken Geläut.
Der Gesang war ungleich; kein Wunder möcht es sein, 1946 Daß Christen mit Heiden nicht stimmten überein. Da wollten zu der Kirche Die in Gunthers Lehn: Man sah sie von den Betten allzumal da erstehn.
Da schnürten sich die Recken in also gut Gewand, 1947 Daß nie Helden wieder in eines Königs Land Beßre Kleider brachten. Hagen war es leid; Er sprach: "Ihr thätet beßer, ihr trügt hier anderlei Kleid.
"Nun ist euch doch allen die Märe wohl bekannt: 1948 Drum statt der Rosenkränze nehmt Waffen an die Hand; Statt wohlgesteinter Hüte die lichten Helme gut, Da wir so wohl erkennen der argen Kriemhilde Muth.
"Wir müßen heute streiten, das will ich euch sagen. 1949 Statt seidner Hemden sollt ihr Halsbergen tragen Und statt der reichen Mäntel gute Schilde breit: zürnt mit euch Jemand, daß ihr wehrhaftig seid.
"Meine lieben Herren, Freund und Mannen mein, 1950 Tretet in die Kirche mit lauterm Herzen ein Und klagt Gott dem reichen eure Sorg und Noth: Denn wißt unbezweifelt, es naht uns allen der Tod.
"Ihr sollt auch nicht vergeßen, was je von euch geschah, 1951 Und fleht vor eurem Gotte andächtig da. Laßt euch alle warnen, gute Recken hehr: Es wend es Gott im Himmel, so hört ihr keine Messe mehr,"
So giengen zu dem Münster die Fürsten und ihr Lehn. 1952 Auf dem heiligen Friedhof, da hieß sie stille stehn Hagen der kühne, damit man sie nicht schied. Er sprach: "Noch weiß ja Niemand, was von den Heunen geschieht.
"Setzt, meine Freunde, die Schilde vor den Fuß 1953 Und lohnt es, beut euch Jemand feindlichen Gruß, Mit tiefen Todeswunden: das ist, was euch Hagen räth. So werdet ihr befunden, wie's euch am löblichsten steht."
Volker und Hagen die beiden stellten da 1954 Sich vor das weite Münster: was darum geschah, Sie wolltens dazu bringen, daß sich die Königin Mit ihnen drängen müße; wohl war gar grimmig ihr Sinn.
Da kam der Wirth des Landes und auch sein schönes Weib; 1955 Mit reichem Gewände war ihr geziert der Leib Und manchem schnellen Degen, der im Geleit ihr war. Da flog der Staub zur Höhe vor der Königin Schar,
Als der reiche König so gewaffnet sah 1956 Die Fürsten und ihr Ingesind, wie bald sprach er da: "Was seh ich meine Freunde unter Helmen gehn? Leid war mir meiner Treue, wär ihnen Leid hier geschehn.
"Das wollt ich ihnen büßen, wie sie es däuchte gut. 1957 Wenn ihnen wer beschwerte das Herz und den Muth, So laß ich sie wohl schauen, es sei mir wahrlich leid: Was sie gebieten mögen, dazu bin ich gern bereit."
Zur Antwort gab ihm Hagen: "Uns ist kein Leid geschehn. 1958 Es ist der Herren Sitte, daß sie gewaffnet gehn Bei allen Gastgeboten zu dreien vollen Tagen. Was uns hier geschähe, wir würden es Etzeln klagen."
Wohl vernahm die Königin Hagens Rede da. 1959 Wie feindlich sie dem Degen unter die Augen sah! Sie wollte doch nicht melden den Brauch in ihrem Land, Wie lang bei den Burgunden sie den auch hatte gekannt.
Wie grimm und stark die Königin ihnen abhold wäre, 1960 Hätte Jemand Etzeln gesagt die rechte Märe, Er hätt es wohl gewendet, was nun doch geschah: In ihrem hohen Uebermuth verschwiegen sie es Alle da.
Da schritt mit vielem Volke Kriemhild zur Kirchenthür: 1961 Doch wollten diese Beiden weichen nicht vor ihr Zweier Hände Breite: das war den Heunen leid. Da muste sie sich drängen mit den Helden allbereit.
Etzels Kämmerlinge die dauchte das nicht gut: 1962 Wohl hätten sie den Recken gern erzürnt den Muth, Wenn sie es wagen dürften vor dem König hehr. Da gab es groß Gedränge und doch nichts anderes mehr.
Als nach dem Gottesdienste man auf den Heimweg sann, 1963 Da kam hoch zu Rosse mancher Heunenmann. Auch war bei Kriemhilden manche schöne Maid; Wohl Siebentausend zählte der Königin Heergeleit.
Kriemhild mit ihren Frauen in den Fenstern saß 1964 Bei Etzeln dem reichen; gerne sah er das. Sie wollten reiten sehen die Helden auserkannt: Hei! was man fremder Recken vor ihnen auf dem Hofe fand!
Nun war auch mit den Rossen der Marschall gekommen. 1965 Der kühne Dankwart hatte mit sich genommen Der Herren Ingesinde von Burgundenland: Die Rosse wohlgesattelt man den kühnen Niblungen fand.
Als zu Rossen kamen die Fürsten und ihr Herr, 1966 Da begann zu rathen der kühne Volker, Sie sollten buhurdieren nach ihres Landes Sitten. Da wurde von den Helden bald gar herrlich geritten.
Was der Held gerathen, Niemanden wohl verdroß; 1967 Der Buhurd und der Waffenklang wurden beide groß. In dem weiten Hofe kam da mancher Mann; Etzel mit Kriemhild es selbst zu schauen begann.
Auf den Buhurd kamen sechshundert Degen. 1968 Dietrichens Recken, den Gästen entgegen. Mit den Burgunden wollten sie sich im Spiel ergehn; Wollt es ihr Herr vergönnen, so wär es gerne geschehn.
Hei! Was gute Recken ritten da heran! 1969 Dietrich dem Helden ward es kund gethan. Mit Gunthers Ingesinde das Spiel er verbot; Er schonte seiner Leute: das that ihm sicherlich Noth.
Als Dietrichs Gefolge so vermied den Streit, 1970 Da kamen von Bechlaren Rüdigers Geleit, Fünfhundert unter Schilden, vor den Saal geritten. Leid wars dem Markgrafen: er hätt es gern nicht gelitten.
Er kam zu ihnen eilends gedrungen durch die Schar 1971 Und sagte seinen Mannen: sie würden selbst gewahr, Daß im Unmuth wären Die Gunthern unterthan: Wenn sie das Kampfspiel ließen, so wär ihm Liebes gethan.
Als von ihnen schieden die Helden allbereit, 1972 Da kamen die von Thüringen, hörten wir Bescheid, Und vom Dänenlande der Kühnen tausend Mann. Von Stichen sah man fliegen viel der Splitter hoch hinan.
Irnfried und Hawart ritten zum Buhurd hin; 1973 Ihrer harrten Die vom Rheine mit hochfährtgem Sinn Zum Lanzenspiel mit Denen vom Thüringerland: Durchbohrt von Stichen wurde mancher schöne Schildesrand.
Da kam der Degen Blödel, dreitausend in der Schar. 1974 Etzel und Kriemhild nahmen sein wohl war, Da vor ihnen Beiden das Ritterspiel geschah. Die Königin es gerne aus Haß der Burgunden sah.
Sie gedacht in ihrem Sinne, schier wärs auch so geschehn: 1975 "Und thäten sie wem Leides, so dürft ich mich versehn, Daß es zum Ernste käme: an den Feinden mein Würd ich dann gerochen; des wollt ich ohne Sorge sein."
Schrutan und Gibeke ritten zum Buhurd auch, 1976 Hornbog und Ramung, nach heunischem Gebrauch. Sie hielten vor den Helden aus Burgundenland: Die Schäfte flogen wirbelnd über des Königssaales Wand.
Wie sie da Alle ritten, das war doch eitel Schall. 1977 Von Stößen auf die Schilde das Haus und den Saal Hörte man ertosen durch manchen Gunthers-Mann. Das Lob sich sein Gesinde mit großen Ehren gewann.
Da ward ihre Kurzweil so stark und so groß, 1978 Daß den Satteldecken der blanke Schweiß entfloß Von den guten Rossen, so die Helden ritten. Sie versuchten an den Heunen sich mit hochfährtgen Sitten.
Da sprach der kühne Volker, der edle Spielmann: 1979 "Zu feig sind diese Degen, sie greifen uns nicht an. Ich hörte immer sagen, daß sie uns abhold sein: Nun könnte die Gelegenheit ihnen doch nicht günstger sein."
"Zu den Ställen wieder," sprach der König hehr, 1980 "Ziehe man die Rosse; wir reiten wohl noch mehr In den Abendstunden, wenn die Zeit erschien. Ob dann den Burgunden den Preis wohl giebt die Königin?"
Da sahn sie Einen reiten so stattlich daher, 1981 Es thats von allen Heunen kein Anderer mehr. Er hatt in den Fenstern wohl ein Liebchen traut: Er ritt so wohl gekleidet als eines werthen Ritters Braut.
Da sprach wieder Volker: "Wie blieb' es ungethan? 1982 Jener Weiberliebling muß einen Stoß empfahn. Das mag hier Niemand wenden, es geht ihm an den Leib: Nicht frag ich, ob drum zürne dem König Etzel sein Weib."
"Nicht doch," sprach der König, "wenn ichs erbitten kann: 1983 Es schelten uns die Leute, greifen wir sie an: Die Heunen laßt beginnen; es kommt wohl bald dahin." Noch saß König Etzel am Fester bei der Königin.
"Ich will das Kampfspiel mehren," sprach Hagen jedoch: 1984 "Laßt diese Frauen und die Degen noch Sehn, wie wir reiten können: das ist wohlgethan; Man läßt des Lobs doch wenig die Recken Gunthers empfahn."
Volker der schnelle ritt wieder in den Streit. 1985 Das schuf da viel der Frauen großes Herzeleid. Er stach dem reichen Heunen den Sper durch den Leib: Das sah man noch beweinen manche Maid und manches Weib.
Alsbald rückt' auch Hagen mit seinen Helden an: 1986 Mit sechzig seiner Degen zu reiten er begann Dahin, wo von dem Fiedler das Spiel war geschehn. Etzel und Kriemhild konnten Alles deutlich sehn.
Da wollten auch die Könige den kühnen Fiedler gut 1987 Unter den Feinden nicht laßen ohne Hut. Da ward von tausend Helden mit großer Kunst geritten. Sie thaten, was sie lüstete, mit gar hochfährtgen Sitten.
Als der reiche Heune zu Tode war geschlagen, 1988 Man hörte seiner Freunde Wehruf und Klagen. All das Gesinde fragte: "Wer hat das gethan?" "Das hat gethan der Fiedler, Volker der kühne Spielmann."
Nach Schwertern und Schilden riefen gleich zur Hand 1989 Des Markgrafen Freunde von der Heunen Land: Zu Tode schlagen wollten sie den Fiedelmann. Der Wirth von seinem Fenster daher zu eilen begann.
Da hob sich von den Heunen allenthalben Schall. 1990 Abstiegen mit dem Volke die Könge vor dem Saal; Zurück die Rosse stießen Die Gunthern unterthan. Da kam der König Etzel den Streit zu schlichten heran.
Einem Vetter dieses Heunen, den er da bei ihm fand, 1991 Eine scharfe Waffe brach er ihm aus der Hand Und schlug sie all zurücke: er war in großem Zorn. "Wie hätt ich meine Dienste an diesen Helden verlorn!
"Wenn ihr diesen Spielmann hättet drum erschlagen, 1992 Ich ließ' euch alle hängen! das will ich euch sagen. Als er erstach den Heunen, sein Reiten wohl ich sah, Daß es wider seinen Willen nur durch Straucheln geschah.
"Ihr sollt meine Gäste mit Frieden laßen ziehn." 1993 So ward er ihr Geleite. Die Rosse zog man hin Zu den Herbergen. Sie hatten manchen Knecht, Der ihnen war zu Diensten mit allem Fleiße gerecht.
Der Wirth mit seinen Freunden gieng zum Saal zurück: 1994 Da regte sich kein Zürnen mehr vor seinem Blick. Man richtete die Tische, das Wasser man auch trug. Da hatten Die vom Rheine der starken Feinde genug.
Unlieb war es Etzeln, doch folgte manche Schar 1995 Den Fürsten, die mit Waffen wohl versehen war, Im Unmuth auf die Gäste, als man zu Tische gieng, Den Freund bedacht zu rächen, wenn es günstge Zeit verhieng.
"Daß ihr in Waffen lieber zu Tische geht als bloß," 1996 Sprach der Wirth des Landes, "die Unart ist zu groß; Wer aber an den Gästen den kleinsten Frevel wagt, Der büßt es mit dem Haupte: das sei euch Heunen gesagt."
Bevor da niedersaßen die Herren, das währte lang, 1997 Weil zu sehr mit Sorgen jetzt Frau Kriemhild rang. Sie sprach: "Fürst von Berne, heute muß ich flehn Zu dir um Rath und Hülfe: meine Sachen ängstlich stehn."
Zur Antwort gab ihr Hildebrand, eine Recke tugendlich: 1998 "Wer schlägt die Nibelungen, der thut es ohne mich, Wie viel man Schätze böte; es wird ihm wahrlich leid. Sie sind noch unbezwungen, die schnellen Ritter allbereit."
"Es geht mir nur um Hagen, der hat mir Leid gethan, 1999 Der Siegfrieden mordete, meinen lieben Mann. Wer den von ihnen schiede, dem wär mein Gold bereit: Entgält es anders Jemand, das wär mir inniglich leid."
Da sprach Meister Hildebrand: "Wie möchte das geschehn, 2000 Den ihnen zu erschlagen? Ihr solltet selber sehn: Bestünde man den Degen, leicht gäb es eine Noth, Daß Arme so wie Reiche dabei erlägen im Tod."
Da sprach dazu Herr Dietrich mit zuchtreichem Sinn: 2001 "Die Rede laßt bleiben, reiche Königin; Mir ist von euern Freunden kein solches Leid geschehn, Daß ich sollt im Streite die kühnen Degen bestehn.
"Die Bitte ehrt euch wenig, edel Königsweib, 2002 Daß ihr den Freunden rathet an Leben und an Leib. Sie kamen euch auf Gnade hieher in dieses Land; Siegfried bleibt ungerochen wohl von Dietrichens Hand."
Als sie keine Untreu bei dem Berner fand, 2003 Alsobald gelobte sie Blödeln in die Hand Eine weite Landschaft, die Nudung einst besaß; Hernach erschlug ihn Dankwart, daß er der Gabe gar vergaß.
Sie sprach: "Du sollst mir helfen, Bruder Blödelein. 2004 Hier in diesem Hause sind die Feinde mein, Die Siegfrieden schlugen, meinen lieben Mann: Wer mir das rächen hülfe, dem war ich immer unterthan."
Zur Antwort gab ihr Blödel, der ihr zur Seite saß: 2005 "Ich darf euern Freunden nicht zeigen solchen Haß, Weil sie mein Bruder Etzel so gerne leiden mag: Wenn ich sie bestünde, der König säh es mir nicht nach."
"Nicht also, Herr Blödel, ich bin dir immer hold: 2006 Ich gebe dir zum Lohne mein Silber und mein Gold Und eine schöne Witwe, Nudungens Weib: So magst du immer kosen ihren minniglichen Leib.
"Das Land zu den Burgen, Alles geb ich dir, 2007 So lebst du, theurer Ritter, in Freuden stäts mit ihr, Wenn du die Mark gewinnest, die Nudung einst besaß. Was ich dir hier gelobe, mit Treuen leist ich dir das."
Als Blödel bieten hörte des Lohnes also viel 2008 Und ihrer Schöne willen die Frau ihm wohlgefiel, Im Kampf verdienen wollt er das minnigliche Weib. Da muste dieser Recke verlieren Leben und Leib.
Er sprach zu der Königin: "Geht wieder in den Saal. 2009 Eh man es inne werde, erheb ich großen Schall. Hagen muß es büßen, was er euch hat gethan: Ich bring euch gebunden König Gunthers Unterthan."
"Nun waffnet euch," sprach Blödel, "ihr all in meinem Lehn, 2010 Wir wollen zu den Feinden in die Herberge gehn. Mir will es nicht erlaßen König Etzels Weib: Wir Helden müßen alle verwagen Leben und Leib."