Chapter 19
Sie sprach: "Ihr mögt wohl reiten in König Etzels Land: 1596 Ich setz euch meine Treue dafür zum Unterpfand: Niemals fuhren Helden noch in ein fremdes Reich Zu so hohen Ehren: in Wahrheit, ich sag es euch."
Der Rede war da Hagen im Herzen froh und hehr! 1597 Die Kleider gab man ihnen und säumte sich nicht mehr. Als sie umgezogen ihr wunderbar Gewand, Vernahm er erst die Wahrheit von der Fahrt in Etzels Land.
Da sprach das andre Meerweib mit Namen Siegelind: 1598 "Ich will dich warnen, Hagen, Aldrianens Kind. Meine Muhme hat dich der Kleider halb belogen: Und kommst du zu den Heunen, so bist du übel betrogen.
"Wieder umzukehren, wohl wär es an der Zeit, 1599 Dieweil ihr kühnen Helden also geladen seid, Daß ihr müßt ersterben in der Heunen Land: Wer da hinreitet, der hat den Tod an der Hand."
Da sprach aber Hagen: "Ihr trügt mich ohne Noth: 1600 Wie sollte das sich fügen, daß wir alle todt Blieben bei dem Hofgelag durch Jemandes Groll?" Da sagten sie dem Degen die Märe deutlich und voll.
Da sprach die Eine wieder: "Es muß nun so geschehn, 1601 Keiner wird von euch allen die Heimat wiedersehn Als der Kaplan des Königs: das ist uns wohlbekannt, Der kommt geborgen wieder heim in König Gunthers Land."
Ingrimmen Muthes sprach der kühne Hagen: 1602 "Das ließen meine Herren schwerlich sich sagen, Wir verlören bei den Heunen Leben all und Leib; Nun zeig uns übers Wasser, allerweisestes Weib."
Sie sprach: "Willst du nicht anders und soll die Fahrt geschehn, 1603 So siehst du überm Wasser eine Herberge stehn: Darin ist ein Ferge und sonst nicht nah noch fern." Weiter nachzufragen, des begab er nun sich gern.
Dem unmuthsvollen Recken rief noch die Eine nach: 1604 "Nun wartet, Herr Hagen, euch ist auch gar zu jach; Vernehmt noch erst die Kunde, wie ihr kommt durchs Land. Der Herr dieser Marke der ist Else genannt.
"Sein Bruder ist geheißen Gelfrat der Held, 1605 Ein Herr im Baierlande: nicht so leicht es hält, Wollt ihr durch seine Marke: ihr mögt euch wohl bewahren Und sollt auch mit dem Fergen gar bescheidentlich verfahren.
"Der ist so grimmes Muthes, er läßt euch nicht gedeihn, 1606 Wollt ihr nicht verständig bei dem Helden sein. Soll er euch überholen, so bietet ihm den Sold; Er hütet dieses Landes und ist Gelfraten hold.
"Und kommt er nicht bei Zeiten, so ruft über Flut 1607 Und sagt, ihr heißet Amelrich; das war ein Degen gut, Der seiner Feinde willen räumte dieses Land: So wird der Fährmann kommen, wird ihm der Name genannt."
Der übermüthge Hagen dankte den Frauen hehr 1608 Des Raths und der Lehre; kein Wörtlein sprach er mehr. Dann gieng er bei dem Wasser hinauf an dem Strand, Wo er auf jener Seite eine Herberge fand.
Laut begann zu rufen der Degen über Flut: 1609 "Nun hol mich über, Ferge," sprach der Degen gut, "So geb ich dir zum Lohne eine Spange goldesroth; Mir thut das Ueberfahren, das wiße, wahrhaftig Noth."
Es brauchte nicht zu dienen der reiche Schiffersmann, 1610 Lohn nahm er selten von Jemandem an; Auch waren seine Knechte zumal von stolzem Muth. Noch immer stand Hagen dießseits allein bei der Flut.
Da rief er so gewaltig, der ganze Strom erscholl 1611 Von des Helden Stärke, die war so groß und voll: "Mich Amelrich hol über; ich bin es, Elses Mann, Der vor starker Feindschaft aus diesen Landen entrann."
Hoch an seinem Schwerte er ihm die Spange bot, 1612 Die war schön und glänzte von lichtem Golde roth, Daß er ihn überbrächte in Gelfratens Land. Der übermüthge Ferge nahm selbst das Ruder an die Hand.
Auch hatte dieser Ferge habsüchtgen Sinn: 1613 Die Gier nach großem Gute bringt endlich Ungewinn; Er dachte zu verdienen Hagens Gold so roth, Da litt er von dem Degen hier den schwertgrimmen Tod.
Der Ferge zog gewaltig hinüber an den Strand. 1614 Welcher ihm genannt war, als er den nicht fand, Da hub er an zu zürnen: als er Hagen sah, Mit grimmem Ungestüme zu dem Helden sprach er da:
"Ihr mögt wohl sein geheißen mit Namen Amelrich; 1615 Doch seht ihr dem nicht ähnlich, des ich versehen mich. Von Vater und von Mutter war er der Bruder mein: Nun ihr mich betrogen habt, so müßt ihr dießhalben sein."
"Nein! um Gotteswillen," sprach Hagen dagegen. 1616 "Ich bin ein fremder Recke, besorgt um andre Degen. So nehmet denn freundlich hin meinen Sold Und fahrt uns hinüber: ich bin euch wahrhaftig hold."
Da sprach der Ferge wieder: "Das kann einmal nicht sein. 1617 Viel der Feinde haben die lieben Herren mein. Drum fahr ich keinen Fremden hinüber in ihr Land: Wenn euch das Leben lieb ist, so tretet aus an den Strand."
"Das thu ich nicht," sprach Hagen, "traurig ist mein Muth. 1618 Nehmt zum Gedächtniß die goldne Spange gut Und fahrt uns über, tausend Ross' und auch so manchen Mann." Da sprach der grimme Ferge: "Das wird nimmer gethan."
Er hob ein starkes Ruder, mächtig und breit, 1619 Und schlug es auf Hagen (es ward ihm später leid), Daß er im Schiffe nieder strauchelt' auf die Knie. Solchen grimmen Fergen fand der von Tronje noch nie.
Noch stärker zu erzürnen den kühnen Fremdling, schwang 1620 Er seine Ruderstange, daß sie gar zersprang, Auf das Haupt dem Hagen; er war ein starker Mann: Davon Elses Ferge bald großen Schaden gewann.
Mit grimmigem Muthe griff Hagen gleich zur Hand 1621 Zur Seite nach der Scheide, wo er ein Waffen fand: Er schlug das Haupt ihm nieder und warf es auf den Grund. Bald wurden diese Mären den stolzen Burgunden kund.
Im selben Augenblicke, als er den Fährmann schlug, 1622 Glitt das Schiff zur Strömung; das war ihm leid genug. Eh er es richten konnte, fiel ihn Ermüdung an: Da zog am Ruder kräftig König Gunthers Unterthan.
Er versucht' es umzukehren mit manchem schnellen Schlag, 1623 Bis ihm das starke Ruder in der Hand zerbrach. Er wollte zu den Recken sich wenden an den Strand; Da hatt er keines weiter: wie bald er es zusammen band
Mit seinem Schildriemen, einer Borte schmal. 1624 Hin zu einem Walde wandt er das Schiff zu Thal. Da fand er seinen Herren sein harren an dem Strand; Es giengen ihm entgegen viel der Degen auserkannt.
Mit Gruß ihn wohl empfiengen die edeln Ritter gut: 1625 Sie sahen in dem Schiffe rauchen noch das Blut Von einer starken Wunde, die er dem Fergen schlug: Darüber muste Hagen fragen hören genug.
Als der König Gunther das heiße Blut ersah 1626 In dem Schiffe schweben, wie bald sprach er da: "Wo ist denn, Herr Hagen, der Fährmann hingekommen? Eure starken Kräfte haben ihm wohl das Leben benommen."
Da sprach er mit Verläugnen: "Als ich das Schifflein fand 1627 Bei einer wilden Weide, da löst' es meine Hand. Ich habe keinen Fergen heute hier gesehn; Leid ist auch Niemand von meinen Händen geschehn."
Da sprach von Burgunden der König Gernot: 1628 "Heute muß ich bangen um lieber Freunde Tod, Da wir keinen Schiffmann hier am Strome sehn: Wie wir hinüber kommen, darob muß ich in Sorgen stehn."
Laut rief da Hagen: "Legt auf den Boden her, 1629 Ihr Knechte, das Geräthe: ich gedenke, daß ich mehr Der allerbeste Ferge war, den man am Rheine fand: Ich bring euch hinüber gar wohl in Gelfratens Land."
Daß sie desto schneller kämen über Flut, 1630 Trieb man hinein die Mähren; ihr Schwimmen ward so gut, Daß ihnen auch nicht eines der starke Strom benahm. Einige trieben ferner, als sie Ermüdung überkam.
Sie trugen zu dem Schiffe ihr Gut und ihre Wehr, 1631 Nun einmal ihre Reise nicht zu vermeiden mehr. Hagen fuhr sie über; da bracht er an den Strand Manchen zieren Recken in das unbekannte Land.
Zum ersten fuhr er über tausend Ritter hehr 1632 Und seine sechzig Degen; dann kamen ihrer mehr: Neuntausend Knechte, die bracht er an das Land. Des Tags war unmüßig des kühnen Tronejers Hand.
Das Schiff war ungefüge, stark und weit genug: 1633 Fünfhundert oder drüber es leicht auf einmal trug Ihres Volks mit Speise und Waffen über Flut: Am Ruder muste ziehen des Tages mancher Ritter gut.
Da er sie wohlgeborgen über Flut gebracht, 1634 Da war der fremden Märe der schnelle Held bedacht, Die ihm verkündet hatte das wilde Meerweib: Dem Kaplan des Königs gieng es da schier an Leben und Leib.
Bei seinem Weihgeräthe er den Pfaffen fand, 1635 Auf dem Heiligthume sich stützend mit der Hand: Das kam ihm nicht zu Gute, als Hagen ihn ersah; Der unglückselge Priester, viel Beschwerde litt er da.
Er schwang ihn aus dem Schiffe mit jäher Gewalt. 1636 Da riefen ihrer Viele: "Halt, Hagen, halt!" Geiselher der junge hub zu zürnen an; Er wollt es doch nicht laßen, bis er ihm Leides gethan.
Da sprach von Burgunden der König Gernot: 1637 "Was hilft euch wohl, Herr Hagen, des Kaplanes Tod? Thät dieß anders Jemand, es sollt ihm werden leid. Was verschuldete der Priester, daß ihr so wider ihn seid?"
Der Pfaffe schwamm nach Kräften: er hoffte zu entgehn, 1638 Wenn ihm nur Jemand hülfe: das konnte nicht geschehn, Denn der starke Hagen, gar zornig war sein Muth, Stieß ihn zu Grunde wieder; das dauchte Niemanden gut.
Als der arme Pfaffe hier keine Hülfe sah, 1639 Da wandt er sich ans Ufer; Beschwerde litt er da. Ob er nicht schwimmen konnte, doch half ihm Gottes Hand, Daß er wohlgeborgen hinwieder kam an den Strand.
Da stand der arme Priester und schüttelte sein Kleid. 1640 Daran erkannte Hagen, ihm habe Wahrheit, Unmeidliche, verkündet das wilde Meerweib. Er dachte: "Diese Degen verlieren Leben und Leib."
Als sie das Schiff entladen und ans Gestad geschafft, 1641 Was darauf beseßen der Könge Ritterschaft, Schlug Hagen es in Stücke und warf es in die Flut; Das wunderte gewaltig die Recken edel und gut.
"Bruder, warum thut ihr das?" sprach da Dankwart, 1642 "Wie sollen wir hinüber bei unsrer Wiederfahrt, Wenn wir von den Heunen reiten an den Rhein?" Hernach sagt' ihm Hagen, das könne nimmermehr sein.
Da sprach der Held von Tronje: "Ich thats mit Wohlbedacht: 1643 Haben wir einen Feigen in dieses Land gebracht, Der uns entrinnen möchte in seines Herzens Noth, Der muß an diesen Wogen leiden schmählichen Tod."
Sie führten bei sich Einen aus Burgundenland, 1644 Der ein gar behender Held und Volker ward genannt. Der redete da launig nach seinem kühnen Muth: Was Hagen je begangen, den Fiedler dauchte das gut.
Als der Kaplan des Königs das Schiff zerschlagen sah, 1645 Ueber das Wasser zu Hagen sprach er da: "Ihr Mörder ohne Treue, was hatt ich euch gethan, Daß mich unschuldgen Pfaffen eur Herz zu ertranken sann?"
Zur Antwort gab ihm Hagen: "Die Rede laßt beiseit: 1646 Mich kümmert, meiner Treue, daß ihr entkommen seid Hier von meinen Händen, das glaubt ohne Spott." Da sprach der arme Priester: "Dafür lob ich ewig Gott.
"Ich fürcht euch nun wenig, des dürft ihr sicher sein: 1647 Fahrt ihr zu den Heunen, so will ich über Rhein. Gott laß euch nimmer wieder nach dem Rheine kommen, Das wünsch ich euch von Herzen: schier das Leben habt ihr mir genommen."
Da sprach König Gunther zu seinem Kapellan: 1648 "Ich will euch alles büßen, was Hagen euch gethan Hat in seinem Zorne, komm ich an den Rhein Mit meinem Leben wieder: des sollt ihr außer Sorge sein.
"Fahrt wieder heim zu Lande; es muß nun also sein. 1649 Ich entbiete meine Grüße der lieben Frauen mein Und meinen andern Freunden, wie ich billig soll: Sagt ihnen liebe Märe, daß wir noch alle fuhren wohl."
Die Rosse standen harrend, die Säumer wohl geladen; 1650 Sie hatten auf der Reise bisher noch keinen Schaden Genommen, der sie schmerzte, als des Königs Kaplan: Der must auf seinen Füßen sich zum Rheine suchen Bahn.
* * * * *
Sechsundzwanzigstes Abenteuer.
Wie Dankwart Gelfraten erschlug.
Als sie nun alle waren gekommen an den Strand, 1651 Da fragte König Gunther: "Wer soll uns durch das Land Die rechten Wege weisen, daß wir nicht irre gehn?" Da sprach der kühne Volker: "Laßt mich das Amt nur versehn."
"Nun haltet an," sprach Hagen, "sei's Ritter oder Knecht: 1652 Man soll Freunden folgen, das bedünkt mich recht. Eine ungefüge Märe mach ich euch bekannt: Wir kommen nimmer wieder heim in der Burgunden Land.
"Das sagten mir zwei Meerfraun heute morgen fruh, 1653 Wir kämen nimmer wieder. Nun rat ich, was man thu: Waffnet euch, ihr Helden, ihr sollt euch wohl bewahren: Wir finden starke Feinde und müßen drum wehrhaft fahren.
"Ich wähnt auf Lug zu finden die weisen Meerfraun: 1654 Sie sagten mir, nicht Einer werde wiederschaun Die Heimat von uns Allen bis auf den Kapellan; Drum hätt ich ihm so gerne heut den Tod angethan."
Da flogen diese Mären von Schar zu Schar einher. 1655 Bleich vor Schrecken wurden Degen kühn und hehr, Als sie die Sorge faßte vor dem herben Tod Auf dieser Hofreise: das schuf ihnen wahrlich Noth.
Bei Möringen waren sie über Flut gekommen, 1656 Wo dem Fährmann Elsen das Leben ward benommen. Da sprach Hagen wieder: "Da ich mir so gewann Unterwegs der Feinde, so greift man ehstens uns an.
"Ich erschlug den Fährmann heute morgen fruh; 1657 Sie wißen nun die Kunde. Drum eilt und greifet zu, Wenn Gelfrat und Elsen heute hier besteht Unser Ingesinde, daß es ihnen übel ergeht.
"Sie sind gar kühn, ich weiß es, es wird gewiss geschehn. 1658 Drum laßt nur die Rosse in sanftem Schritte gehn, Daß nicht Jemand wähne, wir flöhn vor ihrem Heer." "Dem Rathe will ich folgen," sprach der junge Geiselher.
"Wer zeigt nun dem Gesinde die Wege durch das Land?" 1659 Sie sprachen: "Das soll Volker: dem sind hie wohlbekannt Die Straßen und die Steige, dem stolzen Fiedelmann." Eh mans von ihm verlangte, kam er gewaffnet heran.
Der schnelle Fiedelspieler: den Helm er überband; 1660 Von herrlicher Farbe war all sein Streitgewand. Am Schaft ließ er flattern ein Zeichen, das war roth. Bald kam er mit den Königen in eine furchtbare Noth.
Gewisse Kunde hatte Gelfrat nun bekommen 1661 Von des Fergen Tode; da hatt es auch vernommen Else der starke: beiden war es leid. Sie besandten ihre Helden: die traf man balde bereit.
Darauf in kurzen Zeiten, nun hört mich weiter an, 1662 Sah man zu ihnen reiten, denen Schade war gethan, In starkem Kriegszuge ein ungefüges Heer: Wohl siebenhundert stießen zu Gelfrat oder noch mehr.
Als das den grimmen Feinden nachzuziehn begann, 1663 Die Herren, die es führten, huben zu jagen an Den kühnen Gästen hinterdrein. Sie wollten Rache haben: Da musten sie der Freunde hernach noch manchen begraben.
Hagen von Tronje richtete das ein 1664 (Wie konnte seiner Freunde ein beßrer Hüter sein?), Daß er die Nachhut hatte und Die ihm unterthan Mit Dankwart seinem Bruder; das war gar weislich gethan.
Ihnen war der Tag zerronnen, den hatten sie nicht mehr. 1665 Er bangte vor Gefahren für seine Freunde sehr. Sie ritten unter Schilden durch der Baiern Land: Darnach in kurzer Weile die Helden wurden angerannt.
Beiderseits der Straße und hinter ihnen her 1666 Vernahm man Hufe schlagen; die Haufen eilten sehr. Da sprach der kühne Dankwart: "Gleich fallen sie uns an: Bindet auf die Helme, das dünkt mich räthlich gethan."
Sie hielten ein mit Reiten, als es muste sein. 1667 Da sahen sie im Dunkel der lichten Schilde Schein. Nicht länger stille schweigen mochte da der Hagen: "Wer verfolgt uns auf der Straße?" Das muste Gelfrat ihm sagen.
Da sprach zu ihm der Markgraf aus der Baiern Land: 1668 "Wir suchen unsre Feinde, denen sind wir nachgerannt. Ich weiß nicht, wer mir heute meinen Fergen schlug: Das war ein schneller Degen; mir ist leid um ihn genug."
Da sprach von Tronje Hagen: "War der Ferge dein? 1669 Er wollt uns nicht fahren; alle Schuld ist mein: Ich erschlug den Recken; fürwahr, es that mir Noth: Ich hatte von dem Degen schier selbst den grimmigen Tod.
"Ich bot ihm zum Lohne Gold und Gewand, 1670 Daß er uns überführe, Held, in euer Land. Darüber zürnt' er also, daß er nach mir schlug Mit starker Ruderstange: da ward ich grimmig genug.
"Ich griff nach dem Schwerte und wehrte seinem Zorn 1671 Mit einer schweren Wunde: da war der Held verlorn. Ich steh euch hier zur Sühne, wie es euch dünke gut." Da gieng es an ein Streiten: sie hatten zornigen Muth.
"Ich wuste wohl," sprach Gelfrat, "als hier mit dem Geleit 1672 Gunther zog vorüber, uns geschäh ein Leid Von Hagens Uebermuthe. Nun büßt ers mit dem Leben: Für des Fergen Ende soll er selbst hier Bürgschaft geben."
Ueber die Schilde neigten da zum Stich den Sper 1673 Gelfrat und Hagen; sich zürnten beide schwer. Dankwart und Else zusammen herrlich ritten; Sie erprobten, wer sie waren: da wurde grimmig gestritten.
Wer je versuchte kühner sich und die Gunst des Glücks? 1674 Von einem starken Stoße sank Hagen hinterrücks Von der Mähre nieder durch Gelfratens Hand. Der Brustriem war gebrochen: so ward im Fallen bekannt.
Man hört' auch beim Gesinde krachender Schäfte Schall. 1675 Da erholte Hagen sich wieder von dem Fall, Den er auf das Gras gethan von des Gegners Sper: Da zürnte der von Tronje wider Gelfraten sehr.
Wer ihnen hielt die Rosse, das ist mir unbekannt. 1676 Sie waren aus den Sätteln gekommen auf den Sand, Hagen und Gelfrat: nun liefen sie sich an. Ihre Gesellen halfen, daß ihnen Streit ward kund gethan.
Wie heftig auch Hagen zu Gelfraten sprang, 1677 Ein Stück von Ellenlänge der edle Markgraf schwang Ihm vom Schilde nieder; das Feuer stob hindann. Da wäre schier erstorben König Gunthers Unterthan.
Er rief mit lauter Stimme Dankwarten an: 1678 "Hilf mir, lieber Bruder, ein schneller starker Mann Hat mich hier bestanden: der läßt mich nicht gedeihn." Da sprach der kühne Dankwart: "So will ich denn Schiedsmann sein."
Da sprang der Degen näher und schlug ihm solchen Schlag 1679 Mit einer scharfen Waffe, daß er todt da lag. Else wollte Rache nehmen für den Mann: Doch er und sein Gesinde schied mit Schaden hindann.
Sein Bruder war erschlagen, selber ward er wund. 1680 Wohl achtzig seiner Degen wurden gleich zur Stund Des grimmen Todes Beute: da muste wohl der Held Gunthers Mannen räumen in geschwinder Flucht das Feld.
Als Die vom Baierlande wichen aus dem Wege, 1681 Man hörte nachhallen die furchtbaren Schläge: Da jagten die von Tronje ihren Feinden nach; Die es nicht büßen wollten, die hatten wenig Gemach.
Da sprach beim Verfolgen Dankwart der Degen: 1682 "Kehren wir nun wieder zurück auf unsern Wegen Und laßen wir sie reiten: sie sind vom Blute naß. Wir eilen zu den Freunden: in Treuen rath ich euch das."
Als sie hinwieder kamen, wo der Schade war geschehn, 1683 Da sprach von Tronje Hagen: "Helden, laßt uns sehn, Wen wir hier vermissen, oder wer uns verlorn Hier in diesem Streite gieng durch Gelfratens Zorn."
Sie hatten vier verloren; der Schade ließ sich tragen. 1684 Sie waren wohl vergolten; dagegen aber lagen Deren vom Baierlande mehr als hundert todt. Den Tronejern waren von Blut die Schilde trüb und roth.
Ein wenig brach aus Wolken des hellen Mondes Licht; 1685 Da sprach wieder Hagen: "Hört, berichtet nicht Meinen lieben Herren, was hier von uns geschah: Bis zum Morgen komme ihnen keine Sorge nah."
Als zu ihnen stießen, die da kamen von dem Streit, 1686 Da klagte das Gesinde über Müdigkeit: "Wie lange sollen wir reiten?" fragte mancher Mann. Da sprach der kühne Dankwart: "Wir treffen keine Herberg an.
"Ihr müst alle reiten bis an den hellen Tag." 1687 Volker der schnelle, der des Gesindes pflag, Ließ den Marschall fragen: "Wo kehren wir heut ein? Wo rasten unsre Pferde und die lieben Herren mein?"
Da sprach der kühne Dankwart: "Ich weiß es nicht zu sagen: 1688 Wir können uns nicht ruhen, bis es beginnt zu tagen; Wo wir es dann finden, legen wir uns ins Gras." Als sie die Kunde hörten, wie leid war Etlichen das!
Sie blieben unverrathen vom heißen Blute roth, 1689 Bis daß die Sonne die lichten Stralen bot Dem Morgen über Berge, wo es der König sah, Daß sie gestritten hatten: sehr im Zorne sprach er da:
"Wie nun denn, Freund Hagen? Verschmähtet ihr wohl das, 1690 Daß ich euch Hülfe brachte, als euch die Ringe naß Wurden von dem Blute? Wer hat euch das gethan?" Da sprach er: "Else that es: der griff nächten uns an.
"Seines Fergen wegen wurden wir angerannt. 1691 Da erschlug Gelfraten meines Bruders Hand. Zuletzt entrann uns Else, es zwang ihn große Noth: Ihnen hundert, uns nur viere blieben da im Streite todt."
Wir können euch nicht melden, wo man die Nachtruh fand. 1692 All den Landleuten ward es bald bekannt, Der edeln Ute Söhne zögen zum Hofgelag. Sie wurden wohl empfangen dort zu Paßau bald hernach.
Der werthen Fürsten Oheim, der Bischof Pilgerin, 1693 Dem wurde wohl zu Muthe, als seine Neffen ihn Mit so viel der Recken besuchten da im Land: Daß er sie gerne sähe, ward ihnen balde bekannt.
Sie wurden wohl empfangen von Freunden vor dem Ort. 1694 Nicht all verpflegen mochte man sie in Paßau dort: Sie musten übers Wasser, wo Raum sich fand und Feld: Da schlugen auf die Knechte Hütten und reich Gezelt.
Sie musten da verweilen einen vollen Tag 1695 Und eine Nacht darüber. Wie schön man sie verpflag! Dann ritten sie von dannen in Rüdigers Land; Dem kamen auch die Mären: da ward ihm Freude bekannt,
Als die Wegemüden Nachtruh genommen 1696 Und sie dem Lande waren näher gekommen, Sie fanden auf der Marke schlafen einen Mann, Dem von Tronje Hagen ein starkes Waffen abgewann.
Eckewart geheißen war dieser Ritter gut. 1697 Der gewann darüber gar traurigen Muth, Daß er verlor das Waffen durch der Helden Fahrt. Rüdgers Grenzmarke, die fand man übel bewahrt.
"O weh mir dieser Schande," sprach da Eckewart. 1698 "Schwer muß ich beklagen der Burgunden Fahrt. Als ich verlor Siegfrieden, hub all mein Kummer an; O weh, mein Herr Rüdiger, wie hab ich wider dich gethan!"
Wohl hörte Hagen des edeln Recken Noth: 1699 Er gab das Schwert ihm wieder, dazu sechs Spangen roth. "Die nimm dir, Held, zu Lohne, willst du hold mir sein; Du bist ein kühner Degen, lägst du hier noch so allein."