Chapter 18
"Nun Dank ihm für die Dienste, die er mir entbeut, 1493 Ihm und meiner Schwester: gern erfahr ich heut, Daß sie in Freuden leben, der König und sein Lehn; Meine Frage war nach ihnen in großen Sorgen geschehn."
Die beiden jungen Könige waren auch gekommen, 1494 Die hatten diese Märe eben erst vernommen. Geiselher der junge die Boten gerne sah Aus Liebe zu der Schwester; gar minniglich sprach er da:
"Ihr Boten sollt uns beide hochwillkommen sein; 1495 Kämet ihr geritten nur öfter an den Rhein, Ihr fändet hier der Freunde, die ihr gerne möchtet sehn. Euch sollte hier zu Lande wenig Leides geschehn."
"Wir versehn uns alles Guten zu euch," sprach Schwemmelein; 1496 "Ich könnt euch nicht bedeuten mit den Worten mein, Wie minnigliche Grüße euch Etzel hat gesandt Und eure edle Schwester, die da in hohen Ehren stand.
"An eure Lieb und Treue mahnt euch die Königin 1497 Und daß ihr stäts gewogen war euer Herz und Sinn. Zuvörderst euch, Herr König, sind wir hieher gesandt, Daß ihr geruht zu reiten zu ihnen in der Heunen Land.
"Es soll auch mit euch reiten euer Bruder Gernot. 1498 Etzel der reiche euch Allen das entbot, Wenn ihr nicht kommen wolltet, eure Schwester sehn, So möcht er doch wohl wißen, was euch von ihm war geschehn,
"Daß ihr ihn also meidet und auch sein Reich und Land. 1499 Wär euch auch die Königin fremd und unbekannt, So möcht er selbst verdienen, ihr kämet ihn zu sehn: Wenn ihr das leisten wolltet, so wär ihm Liebes geschehn."
Da sprach der König Gunther: "Nach der siebten Nacht 1500 Will ich euch bescheiden, wes ich mich bedacht Hab im Rath der Freunde; geht derweilen hin Zu eurer Herberge und findet gute Ruh darin."
Da sprach wieder Werbel: "Könnt es nicht geschehn, 1501 Daß wir unsre Fraue, die reiche Ute, sehn, Eh wir müden Degen fragten nach der Ruh?" Da sprach wohlgezogen der edle Geiselher dazu:
"Das soll euch Niemand wehren; wollt ihr vor sie gehn, 1502 So ist auch meiner Mutter Will und Wunsch geschehn, Denn sie sieht euch gerne um die Schwester mein, Frau Kriemhilde: ihr sollt ihr willkommen sein."
Geiselher sie brachte hin, wo er Uten fand. 1503 Die sah die Boten gerne aus der Heunen Land Und empfieng sie freundlich mit wohlgezognem Muth. Da sagten ihr die Märe die Boten höfisch und gut.
"Meine Frau läßt euch entbieten," sprach da Schwemmelein, 1504 "Dienst und stäte Treue, und wenn es möchte sein, Daß sie euch öfter sähe, so glaubet sicherlich, Wohl keine andre Freude auf Erden wünschte sie sich."
Da sprach die Königin Ute: "Dass kann nun nicht sein. 1505 So gern ich öfter sähe die liebe Tochter mein, So wohnt zu fern uns leider die edle Königin: Nun geh ihr immer selig die Zeit mit Etzeln dahin.
"Ihr sollt mich wißen laßen, eh ihr von hinnen müßt, 1506 Wenn ihr reiten wollet; ich sah in langer Frist Boten nicht so gerne, als ich euch gesehn." Da gelobten ihr die Knappen, ihr Wille solle geschehn.
Zu den Herbergen giengen Die von Heunenland. 1507 Der reiche König hatte die Freunde nun besandt. Gunther der edle fragte Mann für Mann, Was sie darüber dächten? Wohl Manche huben da an,
Er möge wohl reiten in König Etzels Land. 1508 Das riethen ihm die Besten, die er darunter fand. Hagen nur alleine, dem war es grimmig leid. Zum König sprach er heimlich: "Mit euch selbst seid ihr im Streit.
Ihr habt doch nicht vergeßen, was ihr von uns geschehn: 1509 Vor Kriemhilden müßen wir stäts in Sorge stehn. Ich schlug ihr zu Tode den Mann mit meiner Hand: Wie dürften wir wohl reiten hin in König Etzels Land?"
Da sprach der reiche König: "Meiner Schwester Zürnen schwand. 1510 Mit minniglichem Kusse, eh sie verließ dieß Land, Hat sie uns verziehen, was wir an ihr gethan, Es wäre denn, sie stände bei euch, Herr Hagen, noch an."
"Nun laßt euch nicht betrügen," sprach Hagen, "was auch sagen 1511 Diese Heunenboten: wollt ihrs mit Kriemhild wagen, Da verliert ihr zu der Ehre Leben leicht und Leib: Sie weiß wohl nachzutragen, dem König Etzel sein Weib!"
Da sprach vor dem Rathe der König Gernot: 1512 "Ihr mögt aus guten Gründen fürchten dort den Tod In heunischen Reichen; ständen wir drum an Und mieden unsre Schwester, das wär übel gethan."
Da sprach zu dem Degen der junge Geiselher: 1513 "Da ihr euch, Freund Hagen, schuldig wißt so sehr, So bleibt hier im Lande, euer Heil zu weisen; Nur laßt, die sichs getrauen, mit uns zu den Heunen fahren."
Darob begann zu zürnen von Tronje der Held: 1514 "Ich will nicht, daß euch Jemand sei bei der Fahrt gesellt, Der an den Hof zu reiten sich mehr getraut als ich: Wollt ihrs nicht bleiben laßen, ich beweis' es euch sicherlich."
Da sprach der Küchenmeister Rumold der Degen: 1515 "Der Heimischen und Fremden mögt ihr zu Hause pflegen Nach euerm Wohlgefallen: da habt ihr vollen Rath; Ich glaube nicht, daß Hagen euch noch je vergeiselt hat.
"Wollt ihr nicht Hagen folgen, so räth euch Rumold, 1516 Der ich euch dienstlich gewogen bin und hold, Daß ihr im Lande bleibet nach dem Willen mein Und laßt den König Etzel dort bei Kriemhilden sein.
"Wo könntet ihr auf Erden so gut als hier gedeihn? 1517 Ihr mögt vor euern Feinden daheim geborgen sein, Ihr sollt mit guten Kleidern zieren euern Leib, Des besten Weines trinken und minnen manches schöne Weib.
"Dazu giebt man euch Speise, so gut sie in der Welt 1518 Ein König mag gewinnen. Euer Land ist wohl bestellt: Der Hochzeit Etzels mögt ihr euch mit Ehren wohl begeben Und hier mit euern Freunden in guter Kurzweile leben.
"Und hättet ihr nichts Anderes davon zu zehren hier, 1519 Ich gab euch Eine Speise die Fülle für und für, In Oel gesottne Schnitten. Das ist, was Rumold räth, Da es gar so ängstlich, ihr Herrn, dort bei den Heunen steht.
"Hold wird euch Frau Kriemhild doch nimmer, glaubet mir; 1520 Auch habt ihr und Hagen es nicht verdient an ihr. Und wollt ihr nicht verbleiben, wer weiß, wie ihrs beklagt: Ihr werdets noch erkennen, ich hab euch Wahrheit gesagt.
"Drum rath ich euch zu bleiben. Reich ist euer Land: 1521 Ihr könnt hier beßer lösen, was ihr gabt zu Pfand, Als dort bei den Heunen: wer weiß, wie es da steht? Verbleibt hier, ihr Herren: das ist, was Rumold euch rath."
"Wir wollen nun nicht bleiben," sprach da Gernot. 1522 "Da es meine Schwester so freundlich uns entbot Und Etzel der reiche, was führen wir nicht hin? Die nicht mit uns wollen, mögen bleiben immerhin."
"In Treuen," sprach da Rumold, "ich will der Eine sein, 1523 Der um Etzels Hofgelag kommt nimmer überrhein. Wie setzt' ich wohl das Beßre aufs Spiel, das ich gewann? Ich will mich selbst so lange am Leben laßen, als ich kann."
"So denk ichs auch zu reiten," sprach Ortwein der Degen: 1524 "Ich will der Geschäfte zu Hause mit euch pflegen." Da sprachen ihrer Viele, sie wollten auch nicht fahren: "Gott woll euch, liebe Herren, bei den Heunen wohl bewahren."
Der König Gunther zürnte, als er ward gewahr, 1525 Sie wollten dort verbleiben, der Ruhe willen zwar: "Wir wollens drum nicht laßen, wir müßen an die Fahrt; Der waltet guter Sinne, der sich allezeit bewahrt."
Zur Antwort gab da Hagen: "Laßt euch zum Verdruß 1526 Meine Rede nicht gereichen: was auch geschehen muß, Das rath ich euch in Treuen, wenn ihr euch gern bewahrt, Daß ihr nur wohlgerüstet zu dem Heunenlande fahrt.
"Wenn ihrs euch unterwindet, so entbietet euer Heer, 1527 Die Besten, die ihr findet und irgend wißt umher, Aus ihnen Allen wähl ich dann tausend Ritter gut: So mag euch nicht gefährden der argen Kriemhilde Muth."
"Dem Rathe will ich folgen," sprach der König gleich. 1528 Da sandt er seine Boten umher in seinem Reich. Bald brachte man der Helden dreitausend oder mehr. Sie dachten nicht zu finden so großes Leid und Beschwer.
Sie ritten hohes Muthes durch König Gunthers Land. 1529 Sie verhießen Allen Ross' und Gewand, Die ihnen geben wollten zum Heunenland Geleit. Da fand viel gute Ritter der König zu der Fahrt bereit.
Da ließ von Tronje Hagen Dankwart den Bruder sein 1530 Achtzig ihrer Recken führen an den Rhein. Sie kamen stolz gezogen; Harnisch und Gewand Brachten viel die schnellen König Gunthern in das Land.
Da kam der kühne Volker, ein edler Spielmann, 1531 Mit dreißig seiner Degen zu der Fahrt heran. Ihr Gewand war herrlich, ein König mocht es tragen. Er wollte zu den Heunen, ließ er dem Könige sagen.
Wer Volker sei gewesen, das sei euch kund gethan. 1532 Es war ein edler Herre; ihm waren unterthan Viel der guten Recken in Burgundenland; Weil er fiedeln konnte, war er der Spielmann genannt.
Hagen wählte tausend, die waren ihm bekannt; 1533 Was sie in starken Stürmen gefrommt mit ihrer Hand Und sonst begangen hatten, das hatt er oft gesehn: Auch alle Andern musten ihnen Ehre zugestehn.
Die Boten Kriemhildens der Aufenthalt verdroß; 1534 Die Furcht vor ihrem Herren war gewaltig groß: Sie hielten alle Tage um den Urlaub an. Den gönnt' ihnen Hagen nicht: das ward aus Vorsicht gethan.
Er sprach zu seinem Herren: "Wir wollen uns bewahren, 1535 Daß wir sie reiten laßen, bevor wir selber fahren Sieben Tage später in König Etzels Land: Trägt man uns argen Willen, das wird so beßer gewandt.
"So mag sich auch Frau Kriemhild bereiten nicht dazu, 1536 Daß uns nach ihrem Rathe Jemand Schaden thu. Will sie es doch versuchen, so fährt sie übel an: Wir führen zu den Herren manchen auserwählten Mann."
Die Sättel und die Schilde und all ihr Gewand, 1537 Das sie führen wollten in König Etzels Land, War nun bereit und fertig für manchen kühnen Mann. Etzels Spielleute rief man zu Gunthern heran.
Da die Boten kamen, begann Herr Gernot: 1538 "Der König will leisten, was Etzel uns entbot. Wir wollen gerne kommen zu seiner Lustbarkeit Und unsre Schwester sehen; daß ihr des außer Zweifel seid."
Da sprach der König Gunther: "Wißt ihr uns zu sagen, 1539 Wann das Fest beginnt, oder zu welchen Tagen Wir erwartet werden?" Da sprach Schwemmelein: "Zur nächsten Sonnenwende da soll es in Wahrheit sein."
Der König erlaubte das, war noch nicht geschehn, 1540 Wenn sie Frau Brunhilden wünschten noch zu sehn, Daß sie mit seinem Willen sprächen bei ihr an. Dem widerstrebte Volker: da war ihr Liebes gethan.
"Es ist ja Frau Brunhild nun nicht so wohlgemuth, 1541 Daß ihr sie schauen möchtet," sprach der Ritter gut. "Wartet bis morgen, so läßt man sie euch sehn." Sie wähnten sie zu schauen, da konnt es doch nicht geschehn.
Da ließ der reiche König, er war den Boten hold, 1542 Aus eigner hoher Milde daher von seinem Gold Auf breiten Schilden bringen; wohl war er reich daran. Ihnen ward auch reiche Schenkung von seinen Freunden gethan.
Geiselher und Gernot, Gere und Ortewein, 1543 Wie sie auch milde waren, das leuchtete wohl ein: So reiche Gaben boten sie den Boten an, Daß sie's vor ihrem Herren nicht getrauten zu empfahn.
Da sprach zu dem König der Bote Werbelein: 1544 "Herr König, laßt die Gaben nur hier im Lande sein. Wir könnens nicht verführen, weil uns der Herr verbot, Daß wir Geschenke nähmen: auch thut es uns wenig Noth."
Da ward der Vogt vom Rheine darüber ungemuth, 1545 Daß sie verschmähen wollten so reichen Königs Gut. Da musten sie empfahen sein Gold und sein Gewand, Daß sie es mit sich führten heim in König Etzels Land.
Sie wollten Ute schauen vor ihrer Wiederkehr. 1546 Die Spielleute brachte der junge Geiselher Zu Hof vor seine Mutter; sie entbot der Königin, Wenn man ihr Ehre biete, so bedünk es sie Gewinn.
Da ließ die Königswitwe ihre Borten und ihr Gold 1547 Vertheilen um Kriemhildens, denn der war sie hold, Und König Etzels Willen an das Botenpaar. Sie mochtens wohl empfahen: getreulich bot sie es dar.
Urlaub genommen hatten nun von Weib und Mann 1548 Die Boten Kriemhildens; sie fuhren froh hindann Bis zum Schwabenlande: dahin ließ Gernot Seine Helden sie begleiten, daß sie nirgend litten Noth.
Als die von ihnen schieden, die sie sollten pflegen, 1549 Gab ihnen Etzels Herschaft Frieden auf den Wegen, Daß ihnen Niemand raubte ihr Ross noch ihr Gewand. Sie ritten sehr in Eile wieder in der Heunen Land.
Wo sie Freunde wusten, da machten sie es kund, 1550 In wenig Tagen kämen die Helden von Burgund Vom Rhein hergezogen in der Heunen Land. Pilgerin, dem Bischof, ward auch die Märe bekannt.
Als sie vor Bechlaren die Straße niederzogen, 1551 Da ward um die Märe Rüdger nicht betrogen, Noch Frau Gotelinde, die Markgräfin hehr. Daß sie sie schauen sollten, des freuten beide sich sehr.
Die Spielleute spornten die Rosse mächtig an. 1552 Sie sanden König Etzeln in seiner Stadt zu Gran, Gruß über Grüße, die man ihm her entbot, Brachten sie dem Könige: vor Liebe ward er freudenroth.
Als Kriemhild der Königin die Märe ward bekannt, 1553 Ihre Brüder wollten kommen in ihr Land, Da ward ihr wohl zu Muthe: sie gab den Boten Lohn Mit reichlichen Geschenken; sie hatte Ehre davon.
Sie sprach: "Nun sagt mir beide, Werbel und Schwemmelein, 1554 Wer will von meinen Freunden beim Hofgelage sein, Von den höchsten, die wir luden hieher in dieses Land? Sagt an, was sprach wohl Hagen, als ihm die Mähre ward bekannt?"
"Er kam zu ihrem Rathe an einem Morgen fruh; 1555 Wenig gute Sprüche redet' er dazu, Als sie die Fahrt gelobten nach dem Heunenland: Die hat der grimme Hagen die Todesreise genannt.
"Es kommen eure Brüder, die Könge alle drei, 1556 In herrlichem Muthe. Wer mehr mit ihnen sei, Darüber ich des Weitern euch nicht bescheiden kann. Es will mit ihnen reiten Volker der kühne Fiedelmann."
"Des mag ich leicht entbehren," sprach die Königin, 1557 "Daß ich auch Volkern sähe her zu Hofe ziehn; Hagen bin ich gewogen, der ist ein Degen gut: Daß wir ihn schauen sollen, des hab ich fröhlichen Muth."
Hin gieng die Königstochter, wo sie den König sah. 1558 Wie ininnigliche Worte sprach Frau Kriemhild da: "Wie gefallen euch die Mären, viel lieber Herre mein? Wes mich je verlangte, das soll nun bald vollendet sein."
"Dein Will ist meine Freude," der König sprach da so: 1559 "Ich wär der eignen Freunde nicht so von Herzen froh, Wenn sie kommen sollten hieher in unser Land. Durch deiner Freunde Liebe viel meiner Sorge verschwand."
Des Königs Amtleute befahlen überall 1560 Mit Gestühl zu schmücken Pallas und Saal Für die lieben Gäste, die da sollten kommen. Durch die ward bald dem König viel hoher Freude benommen.
* * * * *
Fünfundzwanzigstes Abenteuer.
Wie die Könige zu den Heunen fuhren.
Wie man dort gebarte, vernahmt ihr nun genug. 1561 Wohl kamen nie gefahren in solchem stolzen Zug So hochgemuthe Degen in eines Königs Land; Sie hatten, was sie wollten, beides, Waffen und Gewand.
Der Vogt vom Rheine kleidete aus seinem Heergeleit 1562 Der Degen tausend sechzig, so gab man uns Bescheid, Und neuntausend Knechte zu dem Hofgelag; Die sie zu Hause ließen, beweinten es wohl hernach.
Da trug man ihr Geräthe zu Worms übern Hof. 1563 Wohl sprach da von Speier ein alter Bischof Zu der schönen Ute: "Unsre Freunde wollen fahren Zu dem Gastgebote: möge Gott sie da bewahren."
Da sprach zu ihren Söhnen Ute, die Fraue gut: 1564 "Ihr solltet hier verbleiben, Helden hochgemuth. Geträumt hat mir heute von ängstlicher Noth, Wie all das Gevögel in diesem Lande wäre todt."
"Wer sich an Träume wendet," sprach dawider Hagen, 1565 "Der weiß noch die rechte Kunde nicht zu sagen, Wie es mög am Besten um seine Ehre stehn: Es mag mein Herr nur immer mit Urlaub hin zu Hofe gehn.
"Wir wollen gerne reiten in König Etzels Land: 1566 Da mag wohl Köngen dienen guter Helden Hand, So wir da schauen sollen Kriemhildens Hochzeit." Hagen rieth die Reise; doch ward es später ihm leid.
Er hätt es widerrathen, nur daß Gernot 1567 Mit ungefügen Reden ihm Spott entgegenbot. Er mahnt' ihn an Siegfried, Frau Kriemhildens Mann: Er sprach: "Darum steht Hagen die große Reise nicht an."
Da sprach von Tronje Hagen: "Nicht Furcht ist's, daß ich's thu. 1568 Gebietet ihr es, Helden, so greift immer zu: Gern will ich mit euch reiten in König Etzels Land." Bald ward von ihm zerhauen mancher Helm und Schildesrand.
Die Schiffe standen fertig zu fahren überrhein; 1569 Was sie an Kleidern hatten, trugen sie darein. Sie fanden viel zu schaffen bis zur Abendzeit; Sie huben sich von Hause zur Reise freudig bereit.
Sie schlugen auf im Grase sich Hütten und Gezelt 1570 Jenseits des Rheines, wo das Lager war bestellt. Da bat noch zu verweilen Gunthern sein schönes Weib; Sie herzte nachts noch einmal des Mannes waidlichen Leib.
Flöten und Posaunen erschollen morgens fruh 1571 Den Aufbruch anzukündigen: da griff man bald dazu. Wem Liebes lag im Arme, herzte des Freundes Leib; Mit Leid trennte Viele des König Etzel Weib.
Der schönen Ute Söhne die hatten einen Mann, 1572 Der kühn war und bieder; als man die Fahrt begann, Sprach er zu dem Könige geheim nach seinem Muth. Er sprach: "Ich muß wohl trauern, daß ihr die Hofreise thut."
Er war geheißen Rumold, ein Degen auserkannt. 1573 Er sprach: "Wem wollt ihr laßen Leute nun und Land? Daß Niemand doch euch Recken wenden mag den Muth! Die Mären Kriemhildens dauchten mich niemals gut."
"Das Land sei dir befohlen und auch mein Söhnelein; 1574 Und diene wohl den Frauen: das ist der Wille mein. Wen du weinen siehest, dem tröste Herz und Sinn; Es wird uns nichts zu Leide Kriemhild thun, die Königin."
Eh man schied von dannen, berieth der König hehr 1575 Sich mit den höchsten Mannen; er ließ nicht ohne Wehr Das Land und die Burgen: die ihrer sollten pflegen, Zum Schutze ließ er denen manchen auserwählten Degen.
Die Rosse standen aufgezäumt den Mannen wie den Herrn: 1576 Mit minniglichem Kusse zog da Mancher fern, Dem noch in hohem Muthe lebte Seel und Leib; Das muste bald beweinen manches waidliche Weib.
Wehruf und Weinen hörte man genug; 1577 Auf dem Arm die Königin ihr Kind dem König trug: "Wie wollt ihr so verwaisen uns beide auf ein Mal? Verbleibet uns zu Liebe," sprach sein jammerreich Gemahl.
"Frau, ihr sollt nicht weinen um den Willen mein, 1578 Ihr mögt hier ohne Sorgen in hohem Muthe sein: Wir kommen bald euch wieder mit Freuden wohl gesund." Sie schieden von den Freunden minniglich zur selben Stund.
Als man die schnellen Recken sah zu den Rossen gehn, 1579 Fand man viel der Frauen in hoher Trauer stehn. Daß sie auf ewig schieden, sagt' ihnen wohl der Muth: Zu großem Schaden kommen, das thut Niemanden gut.
Die schnellen Burgunden begannen ihren Zug. 1580 Da ward in dem Lande das Treiben groß genug; Beiderseits des Rheines weinte Weib und Mann. Wie auch das Volk gebarte, sie fuhren fröhlich hindann.
Niblungens Helden zogen mit ihnen aus 1581 In tausend Halsbergen: die hatten dort zu Haus Viel schöne Fraun gelaßen und sahn sie nimmermehr. Siegfriedens Wunden die schmerzten Kriemhilden sehr.
Nur schwach in jenen Zeiten war der Glaube noch: 1582 Es sang ihnen Messe ein Kaplan jedoch: Der kam gesund zurücke, obwohl aus großer Noth; Die andern blieben alle dort im Heunenlande todt.
Da lenkten mit der Reise auf den Mainstrom an 1583 Hinauf durch Ostfranken Die Gunthern unterthan. Hagen war ihr Führer, der war da wohlbekannt. Ihr Marschall war Dankwart, der Held von Burgundenland.
Da sie von Ostfranken durch Schwalefelde ritten, 1584 Da konnte man sie kennen an den herrlichen Sitten, Die Fürsten und die Freunde, die Helden lobesam. An dem zwölften Morgen der König an die Donau kam.
Da ritt von Tronje Hagen den andern all zuvor: 1585 Er hielt den Nibelungen zumal den Muth empor. Bald sprang der kühne Degen nieder auf den Strand, Wo er sein Ross in Eile fest an einem Baume band.
Die Flut war ausgetreten, die Schifflein verborgen: 1586 Die Nibelungen kamen da in große Sorgen, Wie sie hinüber sollten: das Wasser war zu breit. Da schwang sich zur Erde mancher Ritter allbereit.
"Uebel," sprach da Hagen, "mag dir wohl hier geschehn, 1587 König an dem Rheine; du magst es selber sehn: Das Wasser ist ergoßen, zu stark ist seine Flut: Ich fürchte, wir verlieren noch heute manchen Recken gut."
"Hagen, was verweist ihr mir?" sprach der König hehr, 1588 "Um eurer Hofzucht willen erschreckt uns nicht noch mehr. Ihr sollt die Furt uns suchen hinüber an das Land, Daß wir von hinnen bringen beides, Ross' und Gewand."
"Mir ist ja noch," sprach Hagen, "mein Leben nicht so leid, 1589 Daß ich mich möcht ertränken in diesen Wellen breit: Erst soll von meinen Händen ersterben mancher Mann In König Etzels Landen, wozu ich gute Lust gewann.
"Bleibet bei dem Wasser, ihr stolzen Ritter gut. 1590 So geh ich und suche die Fergen bei der Flut, Die uns hinüber bringen in Gelfratens Land." Da nahm der kühne Hagen seinen festen Schildesrand.
Er war wohl bewaffnet: den Schild er bei sich trug; 1591 Sein Helm war aufgebunden und glänzte hell genug. Ueberm Harnisch führt' er eine breite Waffe mit, Die an beiden Schärfen aufs allergrimmigste schnitt.
Er suchte hin und wieder nach einem Schiffersmann. 1592 Da hört' er Wasser rauschen; zu lauschen hub er an. In einem schönen Brunnen that das manch weises Weib: Die gedachten da im Bade sich zu kühlen den Leib.
Hagen ward ihrer inne, da schlich er leis heran; 1593 Sie eilten schnell von hinnen, als sie den Helden sahn. Daß sie ihm entrannen, des freuten sie sich sehr. Da nahm er ihre Kleider und schadet' ihnen nicht mehr.
Da sprach das eine Meerweib, Hadburg war sie genannt: 1594 "Hagen, edler Ritter, wir machen euch bekannt, Wenn ihr uns dagegen die Kleider wiedergebt, Was ihr auf dieser Reise bei den Heunen erlebt."
Sie schwammen wie die Vögel schwebend auf der Flut. 1595 Da daucht ihn ihr Wißen von den Dingen gut: So glaubt' er um so lieber, was sie ihm wollten sagen. Sie beschieden ihn darüber, was er begann sie zu fragen.