Chapter 15
Dazu gab auch Kriemhild hernach ein großes Theil 1181 Um Siegfriedens Seele und aller Seelen Heil Gold und Edelsteine mit williger Hand; Getreuer Weib auf Erden ward uns selten noch bekannt.
Seit Kriemhild König Gunthern wieder schenkte Huld 1182 Und dann doch den großen Hort verlor durch seine Schuld, Ihres Herzeleides ward da noch viel mehr: Da zöge gern von dannen die Fraue edel und hehr.
Nun war Frau Uten ein Sedelhof bereit 1183 Zu Lorsch bei ihrem Kloster, reich, groß und weit, Dahin von ihren Kindern sie zog und sich verbarg, Wo noch die hehre Königin begraben liegt in einem Sarg.
Da sprach die Königswitwe: "Liebe Tochter mein, 1184 Hier magst du nicht verbleiben: bei mir denn sollst du sein, Zu Lorsch in meinem Hause, und läst dein Weinen dann." Kriemhild gab zur Antwort: "Wo ließ' ich aber meinen Mann?"
"Den laß nur hier verbleiben," sprach Frau Ute. 1185 "Nicht woll es Gott vom Himmel," sprach da die Gute. "Nein, liebe Mutter, davor will ich mich wahren: "ein Mann muß von hinnen in Wahrheit auch mit mir fahren."
Da schuf die Jammersreiche, daß man ihn erhub 1186 Und sein Gebein, das edle, wiederum begrub Zu Lorsch bei dem Münster mit Ehren mannigfalt: Da liegt im langen Sarge noch der Degen wohlgestalt.
Zu denselben Zeiten, da Kriemhild gesollt 1187 Zu ihrer Mutter ziehen, wohin sie auch gewollt, Da muste sie verbleiben, weil es nicht sollte sein: Das schufen neue Mären, die da kamen über Rhein.
* * * * *
Zwanzigste Abenteuer.
Wie König Etzel um Kriemhilden sandte.
Das war in jenen Zeiten, als Frau Helke starb 1188 Und der König Etzel um andre Frauen warb, Da riethen seine Freunde in Burgundenland Zu einer stolzen Witwe, die war Frau Kriemhild genannt.
Seit ihm die schöne Helke erstarb, die Königin, 1189 Sie sprachen: "Sinnt ihr wieder auf edler Frau Gewinn, Der höchsten und der besten, die je ein Fürst gewann, So nehmet Kriemhilden; der starke Siegfried war ihr Mann."
Da sprach der reiche König: "Wie gienge das wohl an? 1190 Ich bin ein Heide, ein ungetaufter Mann, Sie jedoch ist Christin sie thut es nimmermehr. Ein Wunder müst es heißen, käm sie jemals hieher."
Die Schnellen sprachen wieder: "Vielleicht, daß sie es thut 1191 Um euern hohen Namen und euer großes Gut. Man soll es doch versuchen bei dem edeln Weib: Euch ziemte wohl zu minnen ihren wonniglichen Leib."
Da sprach der edle König: "Wem ist nun bekannt 1192 Unter euch am Rheine das Volk und auch das Land?" Da sprach von Bechlaren der gute Rüdiger: "Kund von Kindesbeinen sind mir die edeln Könige hehr,
"Gunther und Gernot, die edeln Ritter gut; 1193 Der dritte heißt Geiselher: ein Jeglicher thut, Was er nach Zucht und Ehren am besten mag begehn: Auch ist von ihren Ahnen noch stäts dasselbe geschehn."
Da sprach wieder Etzel: "Freund, nun sage mir, 1194 Ob ihr wohl die Krone ziemt zu tragen hier; Und hat sie solche Schöne, wie man sie zeiht, Meinen besten Freunden sollt es nimmer werden leid."
"Sie vergleicht sich an Schöne wohl der Frauen mein, 1195 Helke der reichen: nicht schöner könnte sein Auf der weiten Erde eine Königin: Wen sie erwählt zum Freunde, der mag wohl trösten den Sinn."
Er sprach: "So wirb sie, Rüdiger, so lieb als ich dir sei. 1196 Und darf ich Kriemhilden jemals liegen bei, Das will ich dir lohnen, so gut ich immer kann; Auch hast du meinen Willen mit großer Treue gethan.
"Von meinem Kammergute laß ich so viel dir geben, 1197 Daß du mit den Gefährten in Freude mögest leben; Von Rossen und von Kleidern, was ihr nur begehrt, Des wird zu der Botschaft euch die Genüge gewährt."
Zur Antwort gab der Markgraf, der reiche Rüdiger: 1198 "Begehrt' ich deines Gutes, das ziemte mir nicht sehr. Ich will dein Bote gerne werden an den Rhein Mit meinem eignen Gute; ich hab es aus den Händen dein."
Da sprach der reiche König: "Wann denkt ihr zu fahren 1199 Nach der Minniglichen? So soll euch Gott bewahren Dabei an allen Ehren und auch die Fraue mein; Und möge Glück mir helfen, daß sie uns gnädig möge sein."
Da sprach wieder Rüdiger: "Eh wir räumen dieses Land, 1200 Müßen wir uns rüsten mit Waffen und Gewand, Daß wir vor den Königen mit Ehren dürfen stehn: Ich will zum Rheine führen fünfhundert Degen ausersehn.
"Wenn man bei den Burgunden mich und die Meinen seh, 1201 Daß dann einstimmig das Volk im Land gesteh, Es habe nie ein König noch so manchen Mann So fern daher gesendet, als du zum Rheine gethan.
"Und wiß, edler König, stehst du darob nicht an, 1202 Sie war dem besten Manne, Siegfrieden unterthan, Siegmundens Sohne; du hast ihn hier gesehn: Man mocht ihm große Ehre wohl in Wahrheit zugestehn."
Da sprach der König Etzel: "War sie dem Herrn vermählt, 1203 Sie war so hohes Namens der edle Fürst erwählt, Daß ich nicht verschmähen darf die Königin. Ob ihrer großen Schönheit gefällt sie wohl meinem Sinn."
Da sprach der Markgraf wieder: "Wohlan, ich will euch sagen, 1204 Wir heben uns von hinnen in vierundzwanzig Tagen. Ich entbiet es Gotelinden, der lieben Fraue mein, Daß ich zu Kriemhilden selber wolle Bote sein."
Hin gen Bechelaren sandte Rüdiger 1205 Boten seinem Weibe, der Markgräfin hehr, Er werbe für den König um eine Königin: Der guten Helke dachte sie da mit freundlichem Sinn.
Als die Botenkunde die Markgräfin gewann, 1206 Leid war es ihr zum Theile, zu sorgen hub sie an, Ob sie wohl eine Herrin gewänne so wie eh. Gedachte sie an Helke, das that ihr inniglich weh.
Nach sieben Tagen Rüdiger ritt aus Heunenland, 1207 Worüber frohgemuthet man König Etzeln fand. Man fertigte die Kleider in der Stadt zu Wien; Da wollt er mit der Reise auch nicht länger mehr verziehn.
Zu Bechlaren harrte sein Frau Gotelind 1208 Und die junge Markgräfin, Rüdigers Kind, Sah ihren Vater gerne und Die ihm unterthan; Da ward ein liebes Harren von schönen Frauen gethan.
Eh der edle Rüdiger aus der Stadt zu Wien 1209 Ritt nach Bechlaren, da waren hier für ihn Kleider und Gewaffen auf Säumern angekommen. Sie fuhren solcherweise, daß ihnen wenig ward genommen.
Als sie zu Bechlaren kamen in die Stadt, 1210 Für seine Heergesellen um Herbergen bat Der Wirth mit holden Worten: die gab man ihnen da. Gotelind die reiche den Wirth gar gerne kommen sah.
Auch seine liebe Tochter, die Marfgräfin jung, 1211 Ob ihres Vaters Kommen war sie froh genung, Aus Heunenland die Helden, wie gern sie die sah! Mit lachendem Muthe sprach die edle Jungfrau da:
"Willkommen sei mein Vater und Die ihm unterthan." 1212 Da ward ein schönes Danken von manchem werthen Mann Freundlich geboten der jungen Markgräfin. Wohl kannte Frau Gotlind des edeln Rüdiger Sinn.
Als sie des Nachts nun bei Rüdigern lag, 1213 Mit holden Worten fragte die Markgräfin nach, Wohin ihn denn gesendet der Fürst von Heunenland? "Meine Frau Gotlind," sprach er, "ich mach es gern euch bekannt.
"Meinem Herren werben soll ich ein ander Weib, 1214 Da ihm ist erstorben der schönen Helke Leib. Nun will ich nach Kriemhilden reiten an den Rhein: Die soll hier bei den Heunen gewaltge Königin sein."
"Das wollte Gott!" sprach Gotlind, "möcht uns dies Heil geschehn,1215 Da wir so hohe Ehren ihr hören zugestehn. Sie ersetzt uns Helken vielleicht in alten Tagen; Wir mögen bei den Heunen sie gerne sehen Krone tragen."
Da sprach Markgraf Rüdiger: "Liebe Fraue mein, 1216 Die mit mir reiten sollen von hinnen an den Rhein, Denen sollt ihr freundlich bieten euer Gut: Wenn Helden reichlich leben, so tragen sie hohen Muth."
Sie sprach: "Da ist nicht Einer, wenn er es gerne nähm, 1217 Ich wollt ihm willig bieten, was Jeglichem genehm, Eh ihr von hinnen scheidet und Die euch unterthan." Da sprach der Markgraf wieder: "Ihr thut mir Liebe daran."
Hei! was man reicher Zeuge von ihrer Kammer trug! 1218 Da ward den edeln Recken Gewand zu Theil genug Mit allem Fleiß gefüttert vom Hals bis auf die Sporen; Die ihm davon gefielen, hatte Rüdger sich erkoren.
Am siebenten Morgen von Bechlaren ritt 1219 Der Wirth mit seinen Degen. Sie führten Waffen mit Und Kleider auch die Fülle durch der Baiern Land. Sie wurden auf der Straße von Räubern selten angerannt.
Binnen zwölf Tagen kamen sie an den Rhein. 1220 Da konnte diese Märe nicht lang verborgen sein: Dem König und den Seinen ward es kund gethan, Es kämen fremde Gäste. Der Wirth zu fragen begann,
Ob sie Jemand kennte? das sollte man ihm sagen. 1221 Man sah die Saumrosse schwere Lasten tragen: Wie reich die Helden waren, ward daran erkannt. Herberge schuf man ihnen in der weiten Stadt zuhand.
Als die Gäste waren in die Stadt gekommen, 1222 Ihres Aufzugs hatte man mit Neugier wahrgenommen. Sie wunderte, von wannen sie kämen an den Rhein. Der Wirth fragte Hagen, wer die Herren möchten sein?
Da sprach der Held von Tronje: "Ich sah sie noch nicht; 1223 Wenn ich sie erschaue, mag ich euch Bericht Wohl geben, von wannen sie ritten in dies Land. Sie wären denn gar fremde, so sind sie gleich mir bekannt."
Herbergen hatten die Gäste nun empfahn. 1224 Der Bote hatte reiche Gewänder angethan Mit seinen Heergesellen, als sie zu Hofe ritten. Sie trugen gute Kleider, die waren zierlich geschnitten.
Da sprach der schnelle Hagen: "So viel ich mag verstehn, 1225 Da ich seit langen Tagen den Herrn nicht hab ersehn, So sind sie so zu schauen, als wär es Rüdiger Aus der Heunen Lande, dieser Degen kühn und hehr."
"Wie sollt ich das glauben," der König sprachs zuhand, 1226 "Daß der von Bechelaren kam in dieses Land?" Kaum hatte König Gunther das Wort gesprochen gar, So nahm der kühne Hagen den guten Rüdiger wahr.
Er und seine Freunde liefen ihm entgegen: 1227 Da sprangen von den Rossen fünfhundert schnelle Degen. Wohl empfangen wurden die von Heunenland; Niemals trugen Boten wohl so herrlich Gewand.
Da rief von Tronje Hagen mit lauter Stimme Schall: 1228 "Nun sei'n uns hochwillkommen diese Degen all, Der Vogt von Bechelaren mit seiner ganzen Schar." Man empfieng mit Ehren die schnellen Heunen fürwahr.
Des Königs nächste Freunde drängten sich heran: 1229 Da hub von Metzen Ortewein zu Rüdigern an: "Wir haben lange Tage hier nicht mehr gesehn Also liebe Gäste, das muß ich wahrlich gestehn!"
Sie dankten des Empfanges den Recken allzumal. 1230 Mit dem Heergesinde giengen sie zum Saal, Wo sie den König fanden bei manchem kühnen Mann. Der stand empor vom Sitze: das ward aus höfscher Zucht gethan.
Wie freundlich dem Boten er entgegengieng 1231 Und allen seinen Degen! Gernot auch empfieng Den Gast mit hohen Ehren und Die ihm unterthan. Den guten Rüdger führte der König an der Hand heran.
Er bracht' ihn zu dem Sitze, darauf er selber saß. 1232 Den Gästen ließ er schenken (gerne that man das) Von dem guten Methe und von dem besten Wein, Den man mochte finden in den Landen um den Rhein.
Geiselher und Gere waren auch gekommen, 1233 Dankwart und Volker, die hatten bald vernommen Von den werthen Gästen. Sie waren wohlgemuth: Sie empfiengen vor dem König die Ritter edel und gut.
Da sprach von Tronje Hagen zu Gunthern seinem Herrn: 1234 "Mit Dienst vergelten sollten stäts eure Degen gern, Was uns der Markgraf zu Liebe hat gethan; Des sollte Lohn empfangen der schönen Gotlinde Mann."
Da sprach der König Gunther: "Ich laße nicht das Fragen: 1235 Wie beide sich gehaben, das sollt ihr mir sagen, Etzel und Frau Helke in der Heunen Land?" Der Markgraf gab zur Antwort: "Ich mach es gern euch bekannt."
Da erhob er sich vom Sitze und Die ihm unterthan 1236 Und sprach zu dem König: "Laßt mich Erlaub empfahn, Daß ich die Märe sage, um die mich hat gesandt Etzel der König hieher in der Burgunden Land."
Er sprach: "Was man uns immer durch euch entboten hat, 1237 Erlaub ich euch zu sagen ohne der Freunde Rath. Die Märe laßt vernehmen mich und die Degen mein: Euch soll nach allen Ehren zu werben hier gestattet sein."
Da sprach der biedre Bote: "Euch entbietet an den Rhein 1238 Seine treuen Dienste der große König mein, Dazu den Freunden allen, die euch zugethan; Auch wird euch diese Botschaft mit großer Treue gethan.
"Euch läßt der edle König klagen seine Noth: 1239 Sein Volk ist ohne Freude, meine Frau die ist todt, Helke die reiche, meines Herrn Gemahl: An der sind schöne Jungfraun nun verwaist in großer Zahl,
"Edler Fürsten Kinder, die sie erzogen hat; 1240 Darum hat im Lande nun große Trauer Statt: Sie haben leider Niemand mehr, der sie so treulich pflegt, Drum wähn ich auch, daß selten des Königs Sorge sich legt."
"Nun lohn ihm Gott," sprach Gunther, "daß er die Dienste sein 1241 So williglich entbietet mir und den Freunden mein. Ich hörte gern die Grüße, die ihr mir kund gethan; Auch wollen sie verdienen Die mir treu und unterthan."
Da sprach von Burgunden der edle Gernot: 1242 "Die Welt mag wohl beklagen der schönen Helke Tod Um manche höfsche Tugend, der sie gewohnt zu pflegen." Das bestätigte Hagen und mancher andre Degen.
Da sprach wieder Rüdiger, der edle Bote hehr: 1243 "Erlaubt ihr mir, Herr König, so sag ich euch noch mehr, Was mein lieber Herre euch hieher entbot: Er lebt in großem Kummer seit der Königin Helke Tod.
"Man sagte meinem Herren, Kriemhild sei ohne Mann, 1244 Da Siegfried gestorben: und sprach man wahr daran, Und wollt ihr ihrs vergönnen, so soll sie Krone tragen Vor König Etzels Recken: das gebot mein Herr ihr zu sagen."
Da sprach König Gunther mit wohlgezognem Muth: 1245 "Sie hört meinen Willen, wenn sie es gerne thut. Das will ich euch berichten von heut in dreien Tagen: Wenn sie es nicht weigert, wie sollt ichs Etzel versagen?"
Man ließ Gemach bescheiden den Gästen allzuhand. 1246 Sie fanden solche Pflege, daß Rüdiger gestand, Er habe gute Freunde in König Gunthers Lehn. Gerne dient' ihm Hagen: ihm war einst Gleiches geschehn.
So verweilte Rüdiger bis an den dritten Tag. 1247 Der Fürst berief die Räthe, wie er weislich pflag, Und fragte seine Freunde, ob sie es gut gethan Däuchte, daß Kriemhild Herrn Etzeln nähme zum Mann.
Da riethen sie es alle; nur Hagen stands nicht an. 1248 Er sprach zu König Gunther, diesem kühnen Mann: "Habt ihr kluge Sinne, so seid wohl auf der Hut, Wenn sie auch folgen wollte, daß ihr doch nimmer es thut."
"Warum," sprach da Gunther, "ließ' ich es nicht ergehn? 1249 Was künftig noch der Königin Liebes mag geschehn, Will ich ihr gerne gönnen: sie ist die Schwester mein. Wir müsten selbst drum werben, sollt es ihr zur Ehre sein."
Da sprach aber Hagen: "Das sprecht ihr unbedacht. 1250 Wenn ihr Etzeln kenntet wie ich und seine Macht, Und ließt ihr sie ihn minnen, wie ich euch höre sagen, Das müstet ihr vor Allen mit großem Rechte beklagen."
"Warum?" sprach da Gunther, "leicht vermeid ich das, 1251 Ihm je so nah zu kommen, daß ich durch seinen Haß Leid zu befahren hätte, würd er auch ihr Mann." Da sprach wieder Hagen: "Mich dünkt es nimmer wohlgethan."
Da lud man Gernoten und Geiselhern heran, 1252 Ob die Herren beide däuchte wohlgethan, Wenn Frau Kriemhild nähme den mächtgen König hehr. Noch widerrieth es Hagen und auch anders Niemand mehr.
Da sprach von Burgunden Geiselher der Degen: 1253 "Nun mögt ihr, Freund Hagen, noch der Treue pflegen: Entschädigt sie des Leides, das ihr ihr habt gethan. Was ihr noch mag gelingen, das säht ihr billig neidlos an."
"Wohl habt ihr meiner Schwester gefügt so großes Leid," 1254 Sprach da wieder Geiselher, der Degen allbereit, "Ihr hättets wohl verschuldet, wäre sie euch gram: Noch Niemand einer Frauen so viel der Freuden benahm."
"Daß ich das wohl erkenne, das sei euch frei bekannt. 1255 Und soll sie Etzeln nehmen und kommt sie in sein Land, Wie sie es fügen möge, viel Leid thut sie uns an. Wohl kommt in ihre Dienste da mancher waidliche Mann."
Dawider sprach zu Hagen der kühne Gernot: 1256 "Es mag dabei verbleiben bis an Beider Tod, Daß wir niemals kommen in König Etzels Land. Laßt uns ihr Treue leisten: zu Ehren wird uns das gewandt."
Da sprach Hagen wieder: "Das laß ich mir Niemand sagen; 1257 Und soll die edle Kriemhild Helkens Krone tragen, Viel Leid wird sie uns schaffen, wo sie's nur fügen kann: Ihr sollt es bleiben laßen, das ständ euch Recken beßer an."
Im Zorn sprach da Geiselher, der schönen Ute Kind: 1258 Wir wollen doch nicht alle meineidig sein gesinnt. Was ihr geschieht zu Ehren, laßt uns froh drum sein. Was ihr auch redet, Hagen, ich dien ihr nach der Treue mein."
Als das Hagen hörte, da trübte sich sein Muth. 1259 Geiselher und Gernot, die stolzen Ritter gut, Und Gunther der reiche vereinten endlich sich, Wenn es Kriemhild wünsche, sie wolltens dulden williglich.
Da sprach Markgraf Gere: "So geh ich ihr zu sagen, 1260 Daß sie den König Etzel sich laße wohlhagen. Dem ist so mancher Recke mit Furchten unterthan, Er mag ihr wohl vergüten, was sie je Leides gewann."
Hin gieng der schnelle Degen, wo er Kriemhilden sah. 1261 Sie empfieng ihn gütlich; wie balde sprach er da: "Ihr mögt mich gern begrüßen und geben Botenbrot, Es will das Glück euch scheiden nun von all eurer Noth.
"Es hat um eure Minne, Frau, hiehergesandt 1262 Der Allerbesten einer, der je ein Königsland Gewann mit vollen Ehren und Krone durfte tragen: Es werben edle Ritter: das läßt euch euer Bruder sagen."
Da sprach die Jammerreiche: "Verbiete doch euch Gott 1263 Und allen meinen Freunden, daß sie keinen Spott Mit mir Armen treiben: was sollt ich einem Mann, Der je Herzensliebe von gutem Weibe gewann?"
Sie widersprach es heftig. Da traten zu ihr her 1264 Gernot ihr Bruder und der junge Geiselher. Sie baten sie in Minne zu trösten ihren Mut. Und nehme sie den König, es gerath ihr wahrlich gut.
Bereden mochte Niemand doch die Königin 1265 Noch einen Mann zu minnen auf Erden fürderhin. Da baten sie die Degen: "So laßt es doch geschehn, Wenn ihr denn nicht anders wollt, daß euch der Bote möge sehn."
"Das will ich nicht versagen," sprach die Fraue hehr. 1266 Ich empfange gerne den guten Rüdiger Ob seiner höfschen Sitte: wär er nicht hergesandt, Jedem andern Boten, dem blieb' ich immer unbekannt."
Sie sprach: "So schickt den Degen morgen früh heran 1267 Zu meiner Kemenate. Ich bescheid ihn dann: Wes ich mich berathen, will ich ihm selber sagen." So war ihr jetzt erneuert das große Weinen und Klagen.
Da wünschte sich auch anders nichts der edle Rüdiger, 1268 Als daß er schauen dürfte die Königin hehr. Er wuste sich so weise: könnt es irgend sein, So müst er sie bereden, diesen Recken zu frein.
Früh des andern Morgens nach dem Messgesang 1269 Kamen die edeln Boten; da hub sich großer Drang. Die mit Rüdigeren zu Hofe sollten gehn, Die sah man wohlgekleidet, manchen Degen ausersehn.
Kriemhilde die arme, in traurigem Muth 1270 Harrte sie auf Rüdiger, den edeln Boten gut. Er fand sie in dem Kleide, das sie für täglich trug: Dabei hatt ihr Gesinde reicher Kleider genug.
Sie gieng ihm entgegen zu der Thüre hin 1271 Und empfieng Etzels Recken mit gütlichem Sinn. Nur selbzwölfter trat er herein zu der Fraun; Man bot ihm große Ehre; wer möcht auch beßre Boten schaun?
Man hieß den Herren sitzen und Die in seinem Lehn. 1272 Die beiden Markgrafen sah man vor ihr stehn, Eckewart und Gere, die edeln Ritter gut. Um der Hausfrau willen sahn sie Niemand wohlgemuth.
Sie sahen vor ihr sitzen manche schöne Maid. 1273 Da hatte Frau Kriemhild Jammer nur und Leid. Ihr Kleid war vor den Brüsten von heißen Thränen naß. Das sah der edle Markgraf, der nicht länger vor ihr saß.
Er sprach in großen Züchten: "Viel edles Königskind, 1274 Mir und den Gefährten, die mit mir kommen sind, Sollt ihr, Frau, erlauben, daß wir vor euch stehn Und euch melden, weshalb unsre Reise sei geschehn."
"Ich will euch gern erlauben," sprach die Königin, 1275 "Was ihr wollt, zu reden; also steht mein Sinn, daß ich es gerne höre: ihr seid ein Bote gut." Da merkten wohl die Andern ihren abgeneigten Muth.
Da sprach von Bechelaren der Markgraf Rüdiger: 1276 "Euch läßt entbieten, Herrin, Etzel der König hehr Große Lieb und Treue hierher in dieses Land; Er hat um eure Minne viel gute Recken gesandt.
"Er entbeut euch freundlich Liebe sonder Leid; 1277 Er sei stäter Freundschaft nun euch hinfort bereit Wie Helken einst, der Königin, die ihm am Herzen lag: Ihr sollt die Krone tragen, deren sie vor Zeiten pflag."
Da sprach zu ihm die Königin: "Markgraf Rüdiger, 1278 Wenn meines Herzeleides Jemand kundig war, Der würde mir nicht rathen zu einem zweiten Mann: Ich verlor der Besten Einen, die je ein Weib noch gewann."
"Was tröstet mehr im Leide", sprach der kühne Mann, 1279 "Als freundliche Liebe? Wer die gewähren kann Und hat sich den erkoren, der ihm zu Herzen kommt, Der erfährt wohl, daß im Leide nichts so sehr als Liebe frommt.
"Und geruht ihr zu minnen den edeln Herren mein, 1280 Zwölf reicher Kronen sollt ihr gewaltig sein. Dazu von dreißig Fürsten giebt euch mein Herr das Land, Die alle hat bezwungen seine vielgewaltge Hand.
"Ihr sollt auch Herrin werden über manchen werthen Mann, 1281 Die meiner Frauen Helke waren unterthan, Und viel der schönen Maide, einst ihrem Dienst gesellt, Von hoher Fürsten Stamme," sprach der hochbeherzte Held.
"Dazu giebt euch der König, gebot er euch zu sagen, 1282 Wenn ihr geruht die Krone bei meinem Herrn zu tragen, Gewalt die allerhöchste, die Helke je gewann: Alle Mannen Etzels werden euch da unterthan."
"Wie möchte jemals wieder," sprach die Königin, 1283 "Eines Helden Weib zu werden gelüsten meinem Sinn? Mir hat der Tod an Einem so bittres Leid gethan, Daß ichs bis an mein Ende nimmermehr verschmerzen kann."
Die Heunen sprachen wieder: Viel reiche Königin, 1284 Das Leben geht bei Etzeln so herrlich euch dahin, Daß ihr in Wonnen schwebet, weigert ihr es nicht; Mancher ziere Degen steht in des reichen Königs Pflicht.