Das Mädchen aus der Feenwelt; oder, Der Bauer als Millionär

Chapter 5

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Das Äußere eines herrlichen Palastes aus hellrotem Marmor und mit goldverzierten Säulen. Auf der linken Seite eine Treppe, die zum Portal führt, an jeder Seite ein Sphinx. Der Hof, welchen die Bühne vorstellt, ist mit Blumen geziert und scheint von einem Gitter eingeschlossen zu sein, wozu ein prächtiges Gittertor an der Kulisse den Eingang bildet. Die Geister des Hasses sind teils in roten Livreen gegenwärtig, teils sieht man sie als Furien gerade den Bau des Palastes beenden. Die Musik drückt vor dem Aufziehen der Kortine das Hämmern und Schlagen der Arbeiter aus. Beim Aufziehen hört man nur den Schluß des Chors, welcher vor dem Aufziehen schon hörbar war.

Chor. Jubelt hoch, des Hasses Geister! Freue dich, erhabner Meister! (Nach dem Aufziehen der Kortine.) Fertig ist der Bau!

(Der Haß, modern schwarz gekleidet, Federhut, rote Haare und Backenbart. Er tritt rasch ein. Tophan.)

Haß. Bravo! das heiß ich Temperament des Hasses! In einer Nacht haben meine Geister dieses Werk vollendet, und ehe noch um den Preis der höhern Röte der Abendstrahl mit den blutigen Streifen dieses Marmors ringt, kann er einziehen in dies glänzende Haus, der Dieb, der aus dem Reiche des Neptuns die floßbewachsenen Bewohner stiehlt. Was ist sonst vorgefallen? Habt ihr den Magier nicht gesehen?

Tophan. Nein, keinen der verhaßten Brut.

Haß. Merkt es euch, ich stelle seinen Haushofmeister vor. Was glaubst du wohl, Tophan, wird uns der Streich gelingen?

Tophan. Die Hölle gibts! Wie benimmt er sich?

Haß. Sonderbar. Als er gestern abends des Ringes Eigentümer wurde, befahl er den Furien, schnell diesen Palast zu erbauen, um seine Braut heute im Triumphe einzuführen. Wir andern Geister aber mußten am frühesten Morgen mit ihm nach der Stadt, wo er mittags in einer glänzenden Karosse, mit sechs Rappen bespannt, nach dem Hause des stolzen Bauers fuhr und um das Mädchen werben wollte. Doch als man ihm berichtete, das Bauernvolk wäre samt dem Hause verschwunden, sah er lange starr auf einen Fleck, doch wie vom Blitz begeistert fuhr er plötzlich freudig auf und befahl uns, schnell zurückzureisen. Auf halbem Wege schickt er mich voraus, um hier doch alles zur Vermählung zu bereiten, und kraft dieses Ringes muß ich seine Befehle erfüllen. Er scheint verwirrt zu sein, gleichviel, daß er den Ring indessen nicht vom Finger zieht, verhüten die neun Geister als sein Gefolge, und hier will ichs verhüten, bis die Nacht erscheint und der Streich gelungen ist. Jetzt an die Arbeit. Gehorcht ihm, Antipoden der Liebe, denn auch der Haß gehorcht zum Schein, um desto sicherer zu verderben.

(Alle gehen ab.)

Zweiter Auftritt

Amor. Die Zufriedenheit. Lottchen.

Letztere beide sind in modester Kleidung als Bauernmädchen gekleidet. Amor als Bauernjunge. Alle drei schleichen herein.

Amor. Wir sind am Ziele. Nun seid vorsichtig und verlaßt euch auf Amor und die Geister.

Zufriedenheit. Ich sehe den Magier auch hier nicht.

Amor. Er muß hier sein. Ich will ihn suchen, vielleicht hat ihn sein Mut hinter eine Hecke getrieben. (Geht ab.)

Lottchen. Himmel, wie soll das enden? Gestern abends versprachst du mir, daß mein Karl an des schwäbischen Kaufmanns Hand mich zur Vermählung holen würde. Den ganzen Abend und die lange Nacht warten wir vergebens, erst heute Mittag kömmt der kleine Knabe geflogen, bringt dir einen Brief, und ohne ein Wort zu sagen, verkleidest du dich und ziehst an der Hand des Knaben mit mir bis hieher. Ich kenne die Gegend, doch stand hier seine Fischerhütte, und kein Palast. Was ist aus ihm geworden? Wo ist er?

Zufriedenheit. Behutsam! Sei nur ruhig. Ich will dir den Brief lesen, den die Geister mir durch Amor gesendet haben. (Liest.) "Hochzuverehrendes Wesen! Beneidenswerte Zufriedenheit! In größter Eile berichten wir Ihnen: der Magier Ajaxerle hat durch Unvorsichtigkeit unsern Plan vernichtet, indem er die Zeit versäumte, Sie und den Fischer abzuholen. Wir müssen nun zu einem neuen schreiten. Der Fischer befindet sich in der Gewalt des Hasses, der seine Hütte in einen Palast umzauberte. Reisen Sie daher schnell in Verkleidung an Amors Hand nach seiner neuen Wohnung. Vor dem Hause wird der Magier Sie erwarten und Ihnen alles aufklären. Den Fischer werden wir sogleich nach Hause expedieren. Wir Geister dürfen uns dem Haß nicht nähern, sonst entzweit er uns, und wir kommen nicht zum Zweck, darum halten wir uns verborgen und verlassen uns ganz auf Ihre Klugheit, denn nur die Zufriedenheit kanns mit dem Haß aufnehmen. Bis Mitternacht muß die Sache beendet sein. Mit ausgezeichneter Achtung und namenloser Verwirrung Dero ergebenster Geisterverein auf dem Scheckel." Jawohl Verwirrung! So viele Geister, und ein so geistloser Plan. Welche Unsicherheit? Der Magier ist ja wieder nicht hier. Arme Lakrimosa, warum besitze ich keine Zauberkräfte? Was für armseligen Geistern hast du dein Glück vertraut! Doch stille, hier kömmt ein Diener. Wenn ich nur Karl sprechen könnt, dann würde ich mich schon in die Sache finden. (Tophan geht über die Bühne.) Pst, Freund, ist der Herr des Hauses nicht zu sprechen?

Tophan (trotzig). Nein! Er kömmt erst heute abend an.

Zufriedenheit. Wo ist er denn?

Tophan. Er holt seine künftige Frau, es ist schon alles zur Vermählung bereitet.

Lottchen. Himmel!

Zufriedenheit. So führ uns zu dem Hausinspektor.

Lottchen. Ach ja, wenn du deinen Herrn liebst, so--

Tophan (wild). Schweigt! Ich liebe niemand, ich kann mich selbst nicht leiden, und mein Handwerk ist der Haß.

Zufriedenheit. So melde uns aus Haß.

Tophan. Das will ich tun, aus Mißgunst meld ich an, aus Liebe nicht. (Ärgerlich.) Wenn es nur keine Frauenzimmer auf der Welt gäbe. (Ab.)

Lottchen. Er hat mich vergessen und heiratet vielleicht jetzt eine Königstochter.

Zufriedenheit. Nur ruhig, daß man uns nicht erkennt.

(Der Haß aus dem Palast. Tophan. Diener.)

Haß. Wo sind die Mädchen?

Tophan. Hier! Sie scheinen mir verdächtig.

Haß. Was wollt ihr?

Lottchen. Ach! (Zur Zufriedenheit ängstlich.) Was wollen wir denn?

Zufriedenheit. Euer Gnaden verzeihen, wir sind zwei arme Verwandte des Herrn vom Hause, die zu ihm gereist sind, ohne von seinem Reichtum noch unterrichtet zu sein. Unser Bruder ist im nächsten Dorfe zurückgeblieben und wird gleich nachkommen.

Haß. Das ist Betrug! Ergreift sie schnell!

Lottchen. O Himmel! Wer beschützet uns jetzt?

Amor (springt aus dem Blumengebüsche und tupft schnell den Haß mit seinem Pfeile ans Herz, schalkhaft). Still, still! Ich hab ihn schon verletzt! (Läuft ab.)

Haß (zu den Dienern). Haltet! Ich war zu rasch! Hm! Ein hübsches Mädchen. (Kneipt sie in die Wange.) Ich vergesse beinahe, daß ich der Haß bin! Nun, womit kann ich euch dienen?

Zufriedenheit. Wenn Sie uns nur ein kleines Plätzchen gönnen wollten, um dort die Ankunft des Herrn abzuwarten.

Lottchen. Wir bitten recht schön!

Haß. Nein! zum Fortjagen sind sie zu hübsch und zum Betrug zu unschuldsvoll. (Zu den Dienern.) Zeigt ihnen das Domestikengebäude, dort können sie ihn erwarten. Wo kommt ihr her?

Zufriedenheit. Aus dem Salzburgischen.

Haß. Wirklich? glückliches Salzburg, ein zweites Sachsen, wo die hübschen Mädchen wachsen. (Für sich.) Das ist ein Kapitalmädchen! Wenn ich nur der Haß nicht wär--das ist doch fatal! die könnte mich glücklich machen. Denn wenn sie mich alle Tage mit ihren schönen Augen nur hundertmal anblickt, so habe ich die Woche hindurch siebenhundert schöne Augenblicke. (Nachdenkend.) Das ist doch fatal, daß ich der Haß bin, jetzt wär ich viel lieber ein Salzburger. Adieu! schöne Salzburgerin. (Geht ab und wirft ihr im Abgehen Küsse zu.)

Zufriedenheit (macht ihm einen Knicks nach). Adieu, schöner Salzburger! Vielleicht gelingt es uns, dir die Suppe zu versalzen. (Zu Lottchen.) Komm! (Geht mit ihr in das Nebengebäude ab.--Die Bühne ist leer.)

Dritter Auftritt

Ajaxerle im Zauberhabit sieht zum Gitter herein, tritt furchtsam ein und sieht sich vorsichtig überall um, schleicht sich dann auf den Zehen bis zur Stiege des Palastes. Plötzlich hört man: Halt! wer da? rufen. Er sieht in die Kulisse, erschrickt, schreit: Gut Freund! und springt mehre Stufen zusammennehmend über die Stiege in den Palast. Nachdem er darin ist, springt gleich eine Furie, mit einer Keule, die ihn bemerkt hat, in größter Eile ihm nach und auf die nämliche Weise wie Ajaxerle über die Stiege und ins Tor. Man hört in der Kulisse Wurzels Stimme: Ein Aschen! Ein Aschen! Wurzel tritt ein als Aschenmann mit einer Butte auf dem Rücken und einer Aschenkrücke in der Hand.

Wurzel. Ein Aschen! Au weh! (Stützt sich auf die Krücke.) Was bin ich für ein miserabler Mensch! Ein Aschen! Was war ich, und was bin ich jetzt? Ein Aschen! Hört denn kein Mensch? Die Köchin hat gwiß ein Amanten bei ihr, weil s' nicht hört. (Schreit aus vollem Halse.) Ein Aschen!

Vierter Auftritt

Die Zufriedenheit. Wurzel.

Zufriedenheit. Wer lärmt denn so entsetzlich?

Wurzel. Der Aschenmann ist da, Euer Gnaden Fräulein Köchin. Sie werden noch nicht die Ehre haben, mich zu kennen? Ich bin ein neuer, der alte ist gstorben, ich habs erst heute übernommen. Ich bitt um Verzeihung, ich hab noch keine Visitkarten herumgeschickt. Ich heiße Fortunatus Wurzel.

Zufriedenheit. Er ist mein einst so fröhlicher Bauer? Ich hätte Ihn nicht erkannt.

Wurzel. Ich weiß, wenn man einmal so ausschaut, kennen einen die Weibsbilder nicht mehr.

Zufriedenheit (für sich). Nu, den haben die Geister schön zugerichtet. (Laut.) Du armer Narr!

Wurzel. Jawohl, arm bin ich, und ein Narr bin ich auch gewesen! Ja meine liebe Köchin, ich hab schön abgekocht, mit mir ists vorbei.

Zufriedenheit. Wie alt bist du denn?

Wurzel. Ich hätte sollen die Vierziger kriegen, aber die Zeit hat sich vergriffen und hat mir einen Hunderter hinaufgemessen, und den halt der Zehnte nicht aus. Die Zeit ist ein wahrer Korporal, der mit die Jahr zuschlägt. Im Anfang hat s' ein Rütchen von lauter Maiblümeln, da gibt s' einem alle Jahr so einen leichten Tupfer, das gfreut einem, da springt man wie ein Füllerl. Hernach kommt s' mit einen Besen von lauter Rosen, da sind schon Dorn dabei, nach und nach schlagen sich die Rosen weg, ist der Haslinger da. Endlich kommt s' mit einem Wiesbaum daher, laßt ihn nur umfallen, aus ists. Aber es gschieht mir recht, warum bin ich kein Bauer geblieben? Den Fischer da drinn wirds akkurat so gehen.

Zufriedenheit. Kennst du den Fischer?

Wurzel. Freilich. Er hätt ja mein Schwiegersohn werden sollen. Wenn ich ihm s' nur geben hätte! Viel tausendmal hats mich schon gereut.

Zufriedenheit (für sich). Er dauert mich. (Laut.) Ist dir diese Äußerung ernst?

Wurzel. O meine liebe Jungfer Köchin, wenn Sie mein verwurlte Geschicht wußten, so täten S' nicht so dumm fragen.

Zufriedenheit. Ich weiß deine Geschichte, ich habe sie in dem Buche des Schicksals gelesen.

Wurzel. So? Sind Sie auch eine solchene, die statt dem Kochen liest?

Zufriedenheit. Bereuest du, was du getan hast?

Wurzel. Von ganzem Herzen.

Zufriedenheit. Beneidest du den Fischer um sein Glück?

Wurzel. Um kein Schloß nicht! Den wirds reuen, das ganze Dorf redt davon. Ich kenn s' schon, die Geister die einem solche Häuser schenken. Heut nach haben s' ihms aufgebaut von Diamanten und rote Rüben, glaub ich. Wie s' ihm erwischt haben, weiß ich nicht.

Zufriedenheit. Würdest du ihm jetzt deine Ziehtochter geben?

Wurzel. Um kein Preis. Erstens weil ich s' nicht habe, zweitens weil s' mit den Reichtum eine unglückliche Person würde.

Zufriedenheit. Wenn er aber wieder würde, wie er war?

Wurzel. Nachher soll er s' haben, aber suchen muß er s' zuerst, denn die ist vielleicht gar in der chinesischen Schweiz.

Zufriedenheit. Er wird sie finden, und ist er ihrer Liebe würdig, so seid ihr alle gerettet, und auch du wirst wieder glücklich werden.

Wurzel. Wär das möglich! Ausgstanden hätt ich mir schon genug. Aber was können Sie wissen? Reden wir von was Gscheiden. Haben S' keinen Aschen?

Zufriedenheit. Ich wollte, ich könnte schon die Asche dieses Schlosses in deinen Kübel leeren.

Wurzel. O meine liebe Mamsell Köchin, das war ein schöne Gegend. Ein jedes Stammerl kenn ich davon, der einzige Baum da drauß ist stehngeblieben. Sehen S' den Baum? da dran ist die Fischerhütten gstanden, da ist just ein Rosenberg darüber zaubert, der Gipfel ist grad so hoch, als das Dach von der Hütten war.

Zufriedenheit. Gut, auf die Spitze dieses Hügels setze dich und erwarte meinen Wink. Siehst du die Sonne untersinken, und ich habe dich noch nicht gerufen, so sehe es als ein Zeichen an, daß dein und andrer Glück mit ihr hinuntersinkt, doch wirst du sie in unserer Mitte schauen, so geht dir eine neue auf, dafür bürge ich dir mit meinem Wort.

Wurzel. O du mein Himmel, was reden Sie für eine schöne Sprach, als wie ein verkleideten Professor. Gelten S', Sie sein keine Köchin?

Zufriedenheit (lächelnd). Nein, das bin ich nicht.

Wurzel. Was sein S' denn?

Zufriedenheit. Das wirst du erfahren. Jetzt befolge, was ich dir befahl.

Wurzel. Ja, ich wills gern tun. Aber wenn ich etwa ein paar Monat oben sitzen muß, bis Sie mich rufen, so bringt mich der Hunger um. Haben S' denn gar nichts für meinen aschgrauen Magen?

Zufriedenheit (Lächelnd). Nun so warte. (Sie geht in die Tür ab.)

Wurzel. Das ist eine gute Person. Wenn ein Herr so eine Köchin hätte, wär s' manchen lieber als der gschickteste Koch.

Zufriedenheit (kommt zurück und bringt ihm eine Linzertorte und eine Flasche Wein). So, mein Alter, labe dich. (Sie hält ihm die Torte hin.)

Wurzel. Werfen S' die Torten nur in die Butten hinein.

Zufriedenheit. Sie ist ja voll Asche.

Wurzel. Das macht nichts, das ist gut für die Brust, den Wein schütten wir vorn hinein. So, ich danke.

Zufriedenheit. Nun leb wohl. Tröste dich und hoffe. (Sie geht in den Palast, nicht in das Nebengebäude, ab.)

Wurzel. Ich hab die Ehre zu sehen. Wenn s' nur nicht auf mich vergißt, daß ich etwa aufs Jahr um die Zeit noch oben sitze. Wegen meiner, ich bleibe halt oben sitzen, schau hinunter, auf die Leut, und wenn ich was Dalkets sieh, so schrei ich: Einen Aschen!

Arie So mancher steigt herum, Der Hochmut bringt ihn um, Trägt einen schönen Rock, Ist dumm als wie ein Stock, Von Stolz ganz aufgebläht, O Freundchen, das ist öd! Wie lang stehts denn noch an, Bist auch ein Aschenmann! Ein Aschen! Ein Aschen! Ein Mädchen kommt daher, Von Brüßlerspitzen schwer, Ich frag gleich, wer sie wär? Die Köchin vom Traiteur! Packst mit der Schönheit ein, Gehst gleich in d' Kuchel 'nein! Ist denn die Welt verkehrt? Die Köchin ghört zum Herd. Ein Aschen! Ein Aschen!

Doch vieles in der Welt, Ich mein nicht etwa 's Geld, Ist doch der Mühe wert, Daß man es hoch verehrt. Vor alle braven Leut, Vor Lieb und Dankbarkeit, Vor treuer Mädchen Glut, Da zieh ich meinen Hut. (Nimmt den Hut ab.) Kein Aschen! Kein Aschen! (Ab.)

Fünfter Auftritt

Verwandlung

Zimmer im Palast mit grellroten Tapeten, ober der Tür in der Superporte das Sinnbild des Hasses. In der Ecke ein weißer schöner irdener Ofen, oben mit einer Vase. An der ersten Kulisse ein Fenster. Eine Seiten- und eine Mitteltür mit Vorhang. Auf der anderen Seite ein großer Alkoven mit einem Vorhang.

Die Zufriedenheit tritt zur Seite ein und geht ans Fenster.

Zufriedenheit. Umsonst, der Abend kömmt und er noch nicht. Wär ich nicht die Zufriedenheit selbst, ich würde ihr schon nicht mehr angehören. Wo nur der unglückselge Magier weilt?

Ajaxerle (öffnet ein Türchen im Ofen und sieht mit dem Kopfe heraus). Pst! Verzeihe Sie, sind Sie die Zufriedenheit?

Zufriedenheit. Ja, mein Herr.

Ajaxerle. Warte Sie, ich komm gleich. Friesele, sauf, Öfele, tu dich gschwind auf! (Donnerschlag. Der Ofen teilt sich in der Mitte auseinander, so zwar, daß das rußige Innere des ganzen Ofens sichtbar wird. Der gemauerte Herd in der Mitte bleibt aber stehen, auf welchem Ajaxerle auf einem eisernen Dreifuß sitzt und das kleine Zauberbüchlein und den Stab in der Hand hält.) Nun, dem Himmel sei Dank, daß wir uns einmal sehe! Ich sitze schon über eine halbe Stunde da im Ofen und tu auf Sie passe.

Zufriedenheit. Endlich einmal! Sie sind doch--

Ajaxerle. Freilich! ja, ich bin der Magier Ajaxerle und muß Ihnen Nachricht bringe.

Zufriedenheit. Sprechen Sie schnell.

Ajaxerle. Ein schönes Kompliment von die Geister, und der Fischerkarl hat von dem Spitzbuben, von dem Haß, einen Ring bekommen, der ihn so reich macht, und Sie sollen alles aufbiete, daß er ihn wegwerfe tut. Und dann sollen Sie die zwei Leutle gleich herunter vermähle, sonst ist alles verlore. Sein Reichtum tut nur so lange dauern, als er den Ring am Finger hat. Kurz, wenn Sie die Geister brauchen sollten, so möchten Sie da die Schnur Perle voneinander reiße, da sind zwölf Geister angefädelt, die werden alles vollbringen. Die andern stehen auch schon auf der Paß. (Gibt ihr eine Schnur Perlen.)

Zufriedenheit. Aber warum haben Sie uns denn nicht abgeholt?

Ajaxerle. Weil ich mich verschlafe hab. Ich hab mich über den Bauer so zürnt, daß mir völlig übel war, und da bin ich nach dem hohen Berg, nach dem Geisterscheckel, und hab mit die Geister erst den Plan abgemacht, bin wieder fortgloffe und hab ein Würstle bestellt, und dann hab ich aus Müdigkeit mich auf ein paar Minute niedergelegt und bin erst heute in der Früh munter worde, und derweile hat der Haß den Fischer abgfangt, und wie ich daher komme bin, hab ich den Palast gesehen, und er war mit dem Haß nach der Stadt gfahren. Da bin ich gleich zu die Geister hinaufgsprungen und hab ihnen alles erzählt, da haben sie mich brav ausgemacht, haben Ihnen den Amor geschickt, und mich haben sie mit einem kleinen Scheckle über den großen heruntergeplescht, daß ich da auf Ihnen warte soll. Sie haben zwar anfangs durchaus wem anderen schicken wollen, aber ich hab mirs nicht nehme lasse, ich muß mein Bäsle retten.

Zufriedenheit. Und wie kommen Sie denn dort hinein? (Auf den Ofen deutend.)

Ajaxerle. Wie ich da über die Stiege herauf bin, ist mir einer mit einem Prügel nachgelaufen und da bin ich geschwinde in den Ofen hineingschlupft und bin nimmer heraus. Ich hab mir gedacht, Sie müssen schon zufälligerweise heraufkomme.

Zufriedenheit. Wenn ich nun aber nicht gekommen wäre?

Ajaxerle. Ja, da wär ich drin steckenbliebe, ich werd mich doch wegen Ihne nicht schlagen lasse.

Zufriedenheit. Wissen Sie ihn denn nicht zu finden? Es ist die höchste Zeit.

Ajaxerle. Er muß gleich komme. Der Bustorius ist ihm schon nach in die Stadt, der wird ihn schon herprügle.

Lärmen (von außen). Er kommt! Vivat der gnädige Herr!

Zufriedenheit. Er kommt, machen Sie, daß Sie fortkommen, und die Geister sollen in der Nähe sein.

Ajaxerle. Ja, wie komm ich denn hinaus? Die Kerls passen ja auf mich!

Zufriedenheit. So machen Sie sich unsichtbar.

Ajaxerle. Das kann ich ja nicht. Ich bin ja nur ein Magier, ich bin ja kein Geist. Ich muß mich ja in etwas verwandle.

Zufriedenheit. Nun so verwandeln Sie sich, aber nur geschwind.

Ajaxerle. Ja, das geht ja nicht so geschwind, ich lern ja die Zauberei erst drei Jahr, ich bin ja nicht freigesprochen noch. Ich muß erst nachschlagen. Wissen Sie was? Ich geh wieder hinein (deutet auf den Ofen) und verwandle mich drinnen in ein Ofenruß. In einer halben Stunde kommt der Rauchfangkehrer und kehrt mich hinaus. So, jetzt lebe Sie wohl. (Er steigt in den Ofen, welcher sich wieder schließt.)

Zufriedenheit. Endlich ist er fort.

(Man hört von außen Böller lösen und Vivatgeschrei. Lottchen stürzt zur Mitte herein.)

Lottchen. Er kommt! Er kommt! (Sie öffnen hastig das Fenster.) Er ists! Er ist allein! (Sie streckt die Arme nach ihm aus.) Ach Karl!

Zufriedenheit (zieht sie schnell vom Fenster zurück). Du verdirbst alles. Folge mir! (Zieht sie schnell in den Alkoven und läßt den Vorhang vor.)

Sechster Auftritt

Vorige. Karl, in sehr schönen Reisekleidern, der Haß zur Mitte herein.

Haß. Es ist alles besorgt!

Karl. Schweig, sag ich dir! Wer waren die Mädchen, welche hier am Fenster standen? Warum sind sie entflohen? Sprich!

Haß. Euer Gnaden verzeihen--sie haben sich für höchstdero Verwandte ausgegeben.

Karl. Du lügst! Ruf sie, ich will sie sehen. (Für sich.) Mir sagt mein Herz, sie ists!

Haß (für sich). Sollten mich die Weiber doch betrogen haben? (Laut.) Ich werde die Bedienten rufen.

Karl. Nein, du selbst, und schnell.

Haß. Ja, ja. Nur erlauben mir Ihro Gnaden vorher, Sie noch einmal zu warnen, diesen Ring ja nicht abzulegen, wenn Sie nicht mit ihm Ihre Geliebte und Ihren Reichtum auf immer verlieren wollen.

Karl. Besorge es nicht, er macht mich klug. Doch, um die Mädchen fort, und komme nicht ohne sie zurück, das rate ich dir.

Haß. Ich bringe sie. Nun wartet, ihr verdammten Weiber! (Geht durch die Seitentür ab.)

Karl (allein). Nein, die Erscheinung hat mich nicht getäuscht. Als ich verzweiflungsvoll den leeren Platz betrachtete, wo gestern Wurzels Haus noch stand, da füllte sich die Luft mit Dampf, und aus einer Rauchwolke von echten Knaster trat, meinen Dienern unsichtbar, ein ungarischer Geist, der mir befahl, ich möchte schnell nach Hause reisen, wo mein Lottchen mich erwartet, um heute noch mein Weib zu werden, und er hat wahr gesprochen, ich habe sie erkannt, es ist mein Lottchen. (Lottchen, Zufriedenheit treten aus dem Alkoven.)

Zufriedenheit. Ja, sie ist es.

Karl. Lottchen! (Will ihr in die Arme stürzen.)

Lottchen. Karl! (Ebenso.)

Zufriedenheit (tritt zwischen beide). Haltet!

Karl. Was soll das?

Zufriedenheit. Karl, aus meiner Hand nur kannst du dein Lottchen erhalten, der Bauer hat sie nur erzogen, ich bin die Bevollmächtigte ihrer Mutter, doch wenn du deinem Reichtum nicht entsagst, wirst du sie nicht erhalten.

Karl. Wie? Ich sollte wieder ein elender Fischer werden, da ich sie jetzt glücklich machen kann?

Zufriedenheit. Nie wird sie durch diesen Reichtum glücklich werden, denn ein böser Geist hat ihn geprägt.

Karl. Du lügst! Mit Gefahr meines Lebens hab ich ihn errungen. Du bist ein böser Geist, der mir mein Glück entreißen will! Fort! ich erkenne dich nicht.

Lottchen. Karl, sie meint es gut--

Karl. Glaub es nicht, Sie hat dich nur betört. Lottchen, wenn du mich liebst, so eilst du zur Vermählung. Alles ist bereit. Sieh mich zu deinen Füßen, ich habe jahrelang um dich gelitten. Kannst du mich verlassen?

Lottchen. Nein, nein, das kann ich nicht! Verzeih mir, teure Freundin, aber mein Karl ist mir das Teuerste auf dieser Welt, ich folge ihm.

Zufriedenheit. Du gehst in dein Unglück.

Lottchen. Sei es auch, es geschieht für ihn. (Sie will auf Karl zu.)

Zufriedenheit (die noch immer in der Mitte steht). Nun denn! Geister, sendet eure Macht. (Sie zerreißt die Perlenschnur. Unter einem Trommelwirbel kommt Bustorius aus der Versenkung.)

Bustorius (mit einer Windbüchse). Sukkurs ist da! Da hab ich kleine Windbüchsen, sein zwölf Geister drinnen, wie ich losschieß, fahrt einer nach dem andern heraus. Du Paidás, wirst parieren oder nicht? Was ist dir lieber, Geld oder Madel?

Karl. Ich will beide.

Bustorius. Ich glaub gern! So Narren gäbs mehr. Nichts da, kannst nur eins haben.

Zufriedenheit (sanft). Karl, gib mir den Ring, den du am Finger trägst, und ich bürge dir für dein Glück.

Karl. Ha Betrügerin! Jetzt hast du dich entlarvt. Ich will den Ring und sie. Du fängst mich nicht.

Bustorius. Das ist bockbeiniger Kerl!

Karl. Laßt sie los, oder ich rufe meine Geister!

Zufriedenheit. Du opferst ihr den Ring nicht?

Karl. Nein!

Zufriedenheit (faßt plötzlich einen Gedanken, entreißt Bustorius seinen Zauberstab und berührt damit Lottchens Herz). So nimm sie hin!

Karl. Komm, Lottchen!

Lottchen (will freudig auf ihn zu, bleibt plötzlich stehen und sieht ihn ernst an). Ich kann dir nicht folgen. Fort von mir, ich liebe dich nicht-- ich hasse dich!