Das Mädchen aus der Feenwelt; oder, Der Bauer als Millionär
Chapter 2
Was das für ein schönes Bewußtsein ist, einen guten Magen zu haben. Ich bin mit den meinen recht zufrieden, ein fleißiger Kerl, alle Achtung für ihn. Oh, ein Magen zu sein, ist eine schöne Charge. Sultan über zwei Reiche, übers Tierreich und übers Pflanzenreich. Ein wahrer Tyrann! Hendeln und Kapauner sind nur seine Sklaven, die druckt er zusammen, als wenn s' nie da gewesen wären. Und doch ein Ehrenmann, der keine Schmeicheleien mag, mit Süßigkeiten darf man ihm nicht kommen, da verdirbt man ihn ganz. Sackerlot, ich bin der fidelste Kerl auf der Welt! Eine Freud hab ich manchmal in mir, da wird mir so wohl ums Herz, so gut, daß ich alles zusammprügeln möcht, so seelenfroh bin ich. Und Geld hab ich, daß mir angst und bang dabei wird. Jetzt hab ich das Haus gekauft, und jetzt kauf ich mir noch einen saubern Weltteil, wo ein kleiner Garten dabei ist, das wird ein Leben werden. Lenzl!
Achter Auftritt
Lorenz. Voriger.
Lorenz. Was schaffen S'?
Wurzel. Wo steckst denn, daß dich um mich nicht umschaust?
Lorenz. Grad bin ich hinausgangen. Die Fräulein Lottel war vorher da und hat mit Ihnen reden wollen.
Wurzel. Untersteh dich nicht, daß du ein Wort von ihr redst, ich will nichts wissen von der Wasserprinzessin. Ist das ein Betragen für ein Haus wie das meinige? Statt daß ein vampirenes Kleid anleget und mit ihren Vatern auf d' Promenad ging', bleibt s' das ganze Jahr zu Haus hocken und geht in einem spinatfarben Überrock herum.
Lorenz. Sie taugt halt nur aufs Land. Sie will halt eine niedrige Person sein.
Wurzel. Und doch redt s' hochdeutsch, und hat ihrs kein Mensch glernt. Was ist denn heut für ein Tag?
Lorenz. Freitag.
Wurzel. Da freu ich mich wieder, da ist Fischmarkt, da kommt der Bursch wieder vom Land herein. Und wenn er seine Fisch verkauft hat, ist er nicht zufrieden, da setzt er sich da drüben auf den Stein und hat Maulaffen auch noch feil, schaut immer auf ihr Fenster herüber wie ein Aff--Mit der Wacht laß ich ihn noch wegführen.
Lorenz. Das Sitzen kann man keinen Menschen verbieten.
Wurzel. So laßt ihn sitzen, auf d' Letzt sitzt er doch zwischen zwei Stühl auf der Erde. Aber 's Madel wird mir ganz verwirrt. Ich laß ihr Zeichnen lernen und Sticken, nutzt nichts. Statt daß sie schöne Blumen macht, Vasen und solche Sachen, was zeichnet s'? was stickt sie? lauter Fisch. Zu meinen Namenstag stickt sie mir ein Polster--was ist drauf ? ein großmächtiger Backfisch, aber ohne Kopf,--wie ich meinen drauflegen ist der ganze fertig.--Sie muß den reichen Juwelier heiraten.
Lorenz. Warum soll s' denn aber just ein Juwelier heiraten? Sie sind ja so ein steinreicher Mann.
Wurzel. Eben. Damit ich das bleib, darf sie den Burschen nie nehmen.
Lorenz. Ich bin ein gscheider Mensch, aber das versteh ich nicht. So wenig als ich weiß, wo Sie auf einmal das viele Geld hergnommen haben damals, wie mir den Tag drauf die Hütten stehn haben lassen, das Vieh verschenkt, und sein über Hals und Kopf in die Stadt gezogen.
Wurzel. Das werd ich dir jetzt alles erklären, weil ich durch so lange Zeit gfunden hab, daß du ein treuer Kerl bist, der mich nie betrügen wird, (gutmütig) nicht wahr, Lenzl?
Lorenz (heuchlerisch). Hören Euer Gnaden auf, oder mir kommen die Tränen in die Augen.
Wurzel. Es war so: Vor zwei Jahren, da geh ich so in der Dämmerung zwischen acht und neun ganz verdrüßlich von meinen Krautacker nach Haus. Auf einmal machts was: Pst! Pst! Ich schau mich um, so sieh ich quer übern Acker einen magern Mann auf mich zueilen, ein gelblicht grünes Gwand an mit goldenen Borten, so, daß ich ihn anfangs hab für einen Leibhusaren von einer Herrschaft ghalten, er aber bitt mich, ich möchte niemand etwas davon sagen, und er wär ein Geist, und durch die Borten wollt er mir andeuten, wie außerordentlich er für mich bordiert wär, kurz, er wär der Neid und wollt mich glücklich machen.
Lorenz. Das ist eine schöne Bekanntschaft.
Wurzel. Nur still. Er sagt, er hätte einen alten Schatz, den er gern los sein möcht, und den wollt er mir schenken, ich müßte aber in die Stadt ziehen und recht aufhauen damit, was ich nur kann, und besonders das Mädel soll ich recht herausstaffieren und solls nur ja nicht zugeben, daß sie den Fischer heirat, soll mich aber nie unterstehen zu sagen, daß ich mein Glück verwünsche, sonst verschwindet alles, und ich müßt betteln gehn. Jetzt möcht ich aber gleich nach Haus gehn, der Schatz wird schon zu Haus sein. Darauf ist er unter die Krauthappeln verschwunden, und ich hab ihn nimmer gesehen.
Lorenz. Nun, und wo war denn der Schatz?
Wurzel. Ich geh nach Haus, such 's ganze Haus aus--find nichts. Endlich kommt mir der Gedanke, schau auf den Treitboden hinauf. Hörst, ist dir der ganze Boden voll, und mit was? Mit lauter Galläpfel. Jetzt gschieht mir recht, denk ich mir, was kann man vom Neid anders erwarten als Gall und Verdruß, komm in Zorn und beiß einen auf. Was ist drinn? Ein Dukaten! Ich nimm noch einen--noch einen--lauter Dukaten! Lenzl, jetzt hättest du die Beißerei sehen sollen. Ich kann sagen, ich hab mir mein Vermögen bitter erworben. Vierzehn Tag nichts als Galläpfel aufreißen, das wird doch eine hantige Arbeit sein. Mordsakerlot!
Lorenz. Ah, das ist ein Unterhaltung. Nu, jetzt werd ich den Fischer jagen, wenn sich der noch einmal sehen läßt.
Wurzel. Schau aufs Mädel, und wie du was siehst, sagst mirs!
(Trinkt aus einem Fläschgen.)
Lorenz. Aber müssen Euer Gnaden denn immer naschen?
Wurzel. Still! ich nimm ein zum Gscheidwerden.
Lorenz. Und gibst denn da eine Medizin dafür?
Wurzel. Freilich, ich habe den Doktor so lang sekkiert, bis er mir was geben hat, was mich gscheid macht. Da krieg ich alle Wochen so ein Flaschel voll, das kost vierzig Dukaten, das treibt den Kopf auseinander. Das soll ich nur ein paar Jahr fortnehmen, sagt er, und wenn ich einmal ein paar tausend Dukaten drauf spendiert hab, so wird mir auf einmal ein Licht aufgehen, und da werd ich erst einsehen, wie dumm als ich war.
Lorenz. Ich wünsch Ihnens, es wär die höchste Zeit. Lassen mich Euer Gnaden auch trinken, ich möcht auch recht abgwixt werden.
Wurzel. Das kost zu viel. Ich werd dich schon so einmal recht abwixen, daß du auf eine Weil gwitzigt bist, nachher wirst schon wissen, wieviels gschlagen hat. Ich geh jetzt aus, ich muß mir Sporn kaufen. Und du gehst zum Tandler in die Vorstadt hinaus und laßt die vielen Bücher hereinführen, die ich gestern bei ihm kauft hab, sperrst dann das Zimmer auf, was ich zur Biberlithek bestimmt hab, und schüttest die Bücher ordentlich hinein auf einen Haufen und zahlst ihm s'.
Lorenz. Schon recht!
Wurzel. Und daß er mich nicht betrügt, ordentlich messen, ich hab sie buttenweise gekauft, die Butten um fünfundzwanzig Gulden-- keinen Kreuzer gibst mehr. Und wennst unten durchgehst, sagst den Koch, daß die Tafel gut ausfällt, heute Mittag im Gartensaal auf zwanzig Personen, und auf die Letzt soll er ein kleines Faßl Punsch machen. Allez! (Lorenz ab.) Ich mag halt reden, von was ich will, ich komm halt immer aufs Essen zurück. Selbst wie ich noch im Wald war, wenns gschneit hat, und ich bin auf dem Feld gstanden, ist mir die ganze Erden vorkommen, als wenn s' ein großer Tisch wär, wo ein weiß Tischtuch drauf ist, und alle Leut auf der Welt zum Essen eingeladen wären.
Arie
Die Menschheit sitzt um billgen Preis Auf Erd an einer Tafel nur, Das Leben ist die erste Speis, Und 's Wirtshaus heißt bei der Natur. Die Kinder klein noch wie die Puppen, Die essen anfangs nichts als Suppen, Und bloß nur wegn dem boeuf à la mode Schaun d' jungen Leut sich um ein Brot. Da springt das Glück als Kellner um, Bringt öfters ganze Flaschen Rum, Da trinkt man meistens sich ein Rausch Und jubelt bei der Speisen Tausch. Auf einmal läßt das Glück uns stecken, Da kommen statt der Zuspeis Schnecken. Von Freunden endlich oft verraten, Riecht man von weitem schon den Braten, Und bis erst bringen das Konfekt, Gschiehts oft, daß uns schon nichts mehr schmeckt. Der Totengräber, ach herrje! Bringt dann die Tasse schwarz Kaffee Und wirft die ganze Gsellschaft 'naus. So endigt sich der Lebensschmaus. (Geht ab.)
Neunter Auftritt
Lottchen kömmt herein.
Lottchen. Der Vater ist an mir vorübergepoltert, ohne auf meinen guten Morgen zu hören, er will in lauter glückliche Augen schaun, er geht aus. (Geht an das Fenster und erschrickt.) Ach, dort ist Karl! er hat seine Fische schon verkauft. Wer ist denn der fremde Mann, der bei ihm ist? Sie werden doch nicht heraufkommen? Himmel, wenn ihn der Vater sieht! Wie unvorsichtig! Hier sind sie schon.
Zehnter Auftritt
Karl. Ajaxerle. Vorige.
Karl (im Bauernkleide, stürzt auf Lottchen zu). Lottchen, liebes, gutes Lottchen! Sprech ich dich endlich einmal!
Lottchen (ihre Freude zurückhaltend). Karl! ach mein lieber, lieber Karl!
Karl. Wie? so lange sind wir getrennt, und du empfängst mich so kalt, so herzlos?
Lottchen. Aber Karl, dieser Herr--
Karl. Ah, was liegt uns an den Herrn, das scheint gar eine ehrliche Haut zu sein. Nicht wahr, lieber Freund, Sie nehmens nicht übel?
Ajaxerle (als schwäbischer Handelsmann, trägt einen Kaput mit zinnernen Knöpfen, dreieckigten Hut). Ah freilich, genieren Sie sich nicht, deswegen sind wir ja da.
Karl. Ja, wenn ich mein Lottchen sehe, da vergesse ich auf die ganze Welt. (Umarmt sie.) Ach Lottchen, was wird aus uns werden? Ich hätte mich noch nicht heraufgetraut, wenn du mich nicht durch diesen Herrn hättest rufen lassen.
Lottchen. Durch diesen Herrn?
Karl. Jawohl, dieser Herr kam heute zu mir auf den Markt und sagte, du hättest ihn geschickt, mich zu dir zu führen, wenn dein Vater ausgeht.
Lottchen. Aber Karl, was ist denn das, ich kenne ja diesen Herrn gar nicht?
Karl. Wie?
Ajaxerle. Ja, wissen Sie, warum Sie mich nicht kennt? Sie hat mich noch nie gsehen.
Karl. Herr, wie können Sie sich unterstehn, mit uns Spaß zu machen?
Ajaxerle. Ich will mir aber ein Spaß machen, ich will euch glücklich machen. Ihr Tausendsappermenter! Schlagts ein, verlaßt euch auf mich, ich bin ein ehrlichs Büble. Ich darf euch noch nicht sagen, was ich bin, aber unter uns gesagt ich bin was. Erstens bin ich ein Schwabe, und dann bin ich noch was, und wenn binne zwei Tagen nicht Hochzeit wird, so könnts mir was antun. Verlaßts euch nur auf mich, ich werd den Bauer schon herumkriegen und sagt er nein so ist bis heute abend doch die ganze Pastete in Ordnung. (Zu Karl.) Gehen Sie nur getrost nach Haus und warte Sie auf mich in Ihrer Hütte.
Lottchen (springt vor Freude). Ists möglich? Ach Karl, wir wollen ihm vertrauen--
Wurzel (von innen). Aufdecken lassen!
Lottchen. Himmel! Der Vater kömmt zurück! Ach, wenn er dich sieht, so ist alles verloren.
Karl. Leb wohl, ich entspringe. (Will abgehen.)
Lottchen. Du läufst ihm ja entgegen. Ich will sehen, ob er nach dem Garten geht, dann schnell hinab, sonst sind wir verloren. (Eilt schnell ab.)
Ajaxerle (ihr nachrufend). Fürchte Sie sich nicht! Bleibe Sie da!
Karl. Verdammte Geschichte, der Alte kommt herauf.
Ajaxerle. Das macht nichts, er wird uns nicht beiße. Aber weil ich das Ding gar fein anstelle will, so schlupfe Sie derweile in den Kasten hinein.
Karl (probiert am Kasten). Er ist verschlossen!
Ajaxerle. Warte Sie, er wird gleich offen sein! Ich hab ja mein Werkzeugle bei mir. (Er zieht schnell einen Zauberkreis, ein kleines Buch und ein kurzes Stäbchen aus der Tasche, stellt sich in den Kreis und schnattert die Worte.) Pitschill! Putschill! Frisill! sauf! Kästerle! Kasterle! tu dich doch auf! (Schlägt mit dem Stab auf das Buch. Der Kasten springt auf und verwandelt sich dadurch in eine transparente Laube mit einem Rasensitz. Karl springt erstaunt hinein, die Flügel schließen sich, und der Kasten steht wieder wie vor da. Ajaxerle steckt seine Zauberrequisiten ein.)
Lottchen (stürzt herein). Es ist umsonst, er folgt mir auf dem Fuß! Wo ist Karl?
Ajaxerle (deutet auf den Kasten). Den hab ich aufghoben, im Kasten da drin.
Lottchen. Unter der alten Wäsche?
Ajaxerle. Ja wohl, bei die alten Strümpf, damit doch ein neuer auch dabei ist.
Lottchen. Still, der Vater kommt.
Elfter Auftritt
Wurzel. Vorige.
Wurzel. Nun, was ist denn für ein Gejage über die Stiegen? (Sieht Ajaxerle.) Was ist das für eine Figur? Wer hat denn das Gsicht hereingelassen? Nu, was gibts? Sind wir was? Wollen Sie was? mit Ihrer dreieckigten Physiognomie?
Ajaxerle. Könnt ich nicht die Ehre haben, mit Ihnen zu sprechen?
Wurzel. Nun, die Ehr hat Er ja schon. Nur heraus mit der Katz aus dem Sack.
Ajaxerle. Sie werden mich wahrscheinlich schon kenne?
Wurzel. Ich? woher denn?
Ajaxerle. Ich bin der Martin Haugerle und bin Schneckenhändler aus dem Reich.
Wurzel. Und wegen den soll ich Ihn kennen? Vielleicht weil Er so schlampicht ist wie ein Schneck? Hinaus mit Ihm, oder Er wird mich kennenlernen.
Ajaxerle. Oh, ich habs schon ghört, Sie sind ein Tiger, mir hats mein Vetter gschrieben, der arme Fischerkarl, daß Sie so unbarmherzig mit ihm umgehen, und darum bin ich herabgereist.
Wurzel. Auf der Schneckenpost?
Ajaxerle. Und will für ihn um das Mädle anhalte. Sie haben ihm vor drei Jahren Ihr Ehrenwort gegeben, und das müssen Sie halten.
Wurzel. Was sind das für Keckheiten? Ich werd unsinnig. Erstlich untersteht Er sich, dem Taugenichts sein miserablicher Vetter zu sein, und zweitens wagt Ers und halt um meine Tochter an, für den liederlichen Fischer?
Ajaxerle. Schimpfe Sie nicht, er ist ein bravs Männle, und ein Bürschle wie die gute Stund.
Lottchen. Ach ja Vater, er trübt kein Wasser.
Wurzel. Ein Fischer--und trübt kein Wasser? und pritschelt den ganzen Tag darin herum. (Streng zu Lottchen.) Du schweigst! und wenn du dich nicht in meinen Willen fügst und immer vom Wald phantasierst, du melancholische Wildanten, und mir noch einmal dein Bauerngwand heimlich anziehst, was dadrin in einem Pünkel versteckt hast, und nichts als Fisch und Wasser im Kopf hast, so gib acht, wie ich dich durchwassern werde, einen Wolkenbruch laß ich auf deinen Buckel niedergehen, wannst nicht den alten Millioneur heuratst.
Lottchen. Ach, was bin ich für eine arme Närrin!
Wurzel. Just, wenn man eine arme Närrin ist, muß man suchen, auch Millioneurin zu werden, so verzeihen einem doch die Leut die Narrheit leichter. Ein Fischer heiraten wollen--dieses unsichere Metier, bis er einen Fisch fangt, kommen ihm hundert aus. Da heirat lieber einen von den seinen Schnecken, so kriegst doch einen Hausherrn.
Lottchen. Vater, bringen Sie mich nicht auf das äußerste. Hören Sie meinen Schwur: Ich verachte alle Reichtümer Ihrer Stadt und werde nie, nie von meinem armen Karl lassen.
(Es donnert sehr stark.)
Ajaxerle. Haben Sie ghört, den Pumperer?
Wurzel. War das ein Donner? desto besser, vielleicht schlagt der Donner drein, so darf ichs nicht tun. (Zu Lottchen.) Du willst also nicht von den Fischer lassen?
Ajaxerle. Nein, und recht hat s'! wissen Sie das? Und wenn Sie ihr den Burschen nicht geben, so wirds Ihnen reuen, so viel Haarle Haar Sie auf Ihren Strobelkopf haben, auf Ihren bockbeinigen.
Wurzel. Nun gut, so hören Sie denn auch meinen Schwur, Sie Vorsteher der würdigen Schneckenzunft. (In diesem Augenblick kommt hinter Wurzel ein kleiner Satyr mit Pferdefüßen, auf einer abgebrochenen Säule sitzend, aus der Versenkung. Er hat eine schwarze Tafel und schreibt Wurzels Schwur darauf.) Nicht eh darf diese Verbindung vollzogen werden, bis aus dem Blut, das wie geschmolznes Eisen glüht, ein Himbeergefrornes wird--bis diese kräftgen Zwillingsbrüder, meine Fäust, so kraftlos sind, daß ich nicht einmal einen Kapauner mehr transchieren kann-- bis dieses kienrußschwarze Haupt sich in einen Gletscher verwandelt--kurz, bis ich so ausschau, daß ich auf den Aschenmarkt hinaus ghör!--Dann fragen Sie sich wieder an, mein lieber Schneckensensal, dann halt ich Ihren Fischer mein Wort.
Ajaxerle (rasch). Schlage Sie ein, es gilt! (Hält die Hand hin.)
Wurzel (schlägt ein). So wahr ich auf der Welt bin, und jetzt--(stark) Punktum!
Satyr (mit kräftiger Schadenfreude). Satis! (Er hat bei den Worten Wurzels: "So wahr ich auf der Welt bin" geendet. Schlägt bei dem Wort: "Satis" mit der flachen Hand auf die Tafel, macht dann schnell eine drohende Bewegung hinter Wurzel und versinkt wieder.)
Ajaxerle. So, und jetzt lebe Sie wohl, Sie Herr von Wurzle. Vergesse Sie nicht auf Ihren Schwur, malträtiere Sie nur das arme Mädle da, verachte Sie den ehrlichen Bauernstand, halte Sie sich an Ihre Saufbrüderle. Aber weh Ihnen, wenn Sie den Schneckenhändler aus den Reich wieder einmal zu Gesicht kriege werde. Verstehe Sie mich? Weh Ihne! das merke Sie sich wohl, Sie Hasenfuß. (Läuft ab.)
Wurzel (ergreift im Zorn einen Stuhl und eilt ihm nach). Wart, du schwäbische Krautstauden! (Ab.)
Zehnter Auftritt
Karl. Ajaxerle. Vorige.
Karl (im Bauernkleide, stürzt auf Lottchen zu). Lottchen, liebes, gutes Lottchen! Sprech ich dich endlich einmal!
Lottchen (ihre Freude zurückhaltend). Karl! ach mein lieber, lieber Karl!
Karl. Wie? so lange sind wir getrennt, und du empfängst mich so kalt, so herzlos?
Lottchen. Aber Karl, dieser Herr--
Karl. Ah, was liegt uns an den Herrn, das scheint gar eine ehrliche Haut zu sein. Nicht wahr, lieber Freund, Sie nehmens nicht übel?
Ajaxerle (als schwäbischer Handelsmann, trägt einen Kaput mit zinnernen Knöpfen, dreieckigten Hut). Ah freilich, genieren Sie sich nicht, deswegen sind wir ja da.
Karl. Ja, wenn ich mein Lottchen sehe, da vergesse ich auf die ganze Welt. (Umarmt sie.) Ach Lottchen, was wird aus uns werden? Ich hätte mich noch nicht heraufgetraut, wenn du mich nicht durch diesen Herrn hättest rufen lassen.
Lottchen. Durch diesen Herrn?
Karl. Jawohl, dieser Herr kam heute zu mir auf den Markt und sagte, du hättest ihn geschickt, mich zu dir zu führen, wenn dein Vater ausgeht.
Lottchen. Aber Karl, was ist denn das, ich kenne ja diesen Herrn gar nicht?
Karl. Wie?
Ajaxerle. Ja, wissen Sie, warum Sie mich nicht kennt? Sie hat mich noch nie gsehen.
Karl. Herr, wie können Sie sich unterstehn, mit uns Spaß zu machen?
Ajaxerle. Ich will mir aber ein Spaß machen, ich will euch glücklich machen. Ihr Tausendsappermenter! Schlagts ein, verlaßt euch auf mich, ich bin ein ehrlichs Büble. Ich darf euch noch nicht sagen, was ich bin, aber unter uns gesagt ich bin was. Erstens bin ich ein Schwabe, und dann bin ich noch was, und wenn binne zwei Tagen nicht Hochzeit wird, so könnts mir was antun. Verlaßts euch nur auf mich, ich werd den Bauer schon herumkriegen und sagt er nein so ist bis heute abend doch die ganze Pastete in Ordnung. (Zu Karl.) Gehen Sie nur getrost nach Haus und warte Sie auf mich in Ihrer Hütte.
Lottchen (springt vor Freude). Ists möglich? Ach Karl, wir wollen ihm vertrauen--
Wurzel (von innen). Aufdecken lassen!
Lottchen. Himmel! Der Vater kömmt zurück! Ach, wenn er dich sieht, so ist alles verloren.
Karl. Leb wohl, ich entspringe. (Will abgehen.)
Lottchen. Du läufst ihm ja entgegen. Ich will sehen, ob er nach dem Garten geht, dann schnell hinab, sonst sind wir verloren. (Eilt schnell ab.)
Ajaxerle (ihr nachrufend). Fürchte Sie sich nicht! Bleibe Sie da!
Karl. Verdammte Geschichte, der Alte kommt herauf.
Ajaxerle. Das macht nichts, er wird uns nicht beiße. Aber weil ich das Ding gar fein anstelle will, so schlupfe Sie derweile in den Kasten hinein.
Karl (probiert am Kasten). Er ist verschlossen!
Ajaxerle. Warte Sie, er wird gleich offen sein! Ich hab ja mein Werkzeugle bei mir. (Er zieht schnell einen Zauberkreis, ein kleines Buch und ein kurzes Stäbchen aus der Tasche, stellt sich in den Kreis und schnattert die Worte.) Pitschill! Putschill! Frisill! sauf! Kästerle! Kasterle! tu dich doch auf! (Schlägt mit dem Stab auf das Buch. Der Kasten springt auf und verwandelt sich dadurch in eine transparente Laube mit einem Rasensitz. Karl springt erstaunt hinein, die Flügel schließen sich, und der Kasten steht wieder wie vor da. Ajaxerle steckt seine Zauberrequisiten ein.)
Lottchen (stürzt herein). Es ist umsonst, er folgt mir auf dem Fuß! Wo ist Karl?
Ajaxerle (deutet auf den Kasten). Den hab ich aufghoben, im Kasten da drin.
Lottchen. Unter der alten Wäsche?
Ajaxerle. Ja wohl, bei die alten Strümpf, damit doch ein neuer auch dabei ist.
Lottchen. Still, der Vater kommt.
Elfter Auftritt
Wurzel. Vorige.
Wurzel. Nun, was ist denn für ein Gejage über die Stiegen? (Sieht Ajaxerle.) Was ist das für eine Figur? Wer hat denn das Gsicht hereingelassen? Nu, was gibts? Sind wir was? Wollen Sie was? mit Ihrer dreieckigten Physiognomie?
Ajaxerle. Könnt ich nicht die Ehre haben, mit Ihnen zu sprechen?
Wurzel. Nun, die Ehr hat Er ja schon. Nur heraus mit der Katz aus dem Sack.
Ajaxerle. Sie werden mich wahrscheinlich schon kenne?
Wurzel. Ich? woher denn?
Ajaxerle. Ich bin der Martin Haugerle und bin Schneckenhändler aus dem Reich.
Wurzel. Und wegen den soll ich Ihn kennen? Vielleicht weil Er so schlampicht ist wie ein Schneck? Hinaus mit Ihm, oder Er wird mich kennenlernen.
Ajaxerle. Oh, ich habs schon ghört, Sie sind ein Tiger, mir hats mein Vetter gschrieben, der arme Fischerkarl, daß Sie so unbarmherzig mit ihm umgehen, und darum bin ich herabgereist.
Wurzel. Auf der Schneckenpost?
Ajaxerle. Und will für ihn um das Mädle anhalte. Sie haben ihm vor drei Jahren Ihr Ehrenwort gegeben, und das müssen Sie halten.
Wurzel. Was sind das für Keckheiten? Ich werd unsinnig. Erstlich untersteht Er sich, dem Taugenichts sein miserablicher Vetter zu sein, und zweitens wagt Ers und halt um meine Tochter an, für den liederlichen Fischer?
Ajaxerle. Schimpfe Sie nicht, er ist ein bravs Männle, und ein Bürschle wie die gute Stund.
Lottchen. Ach ja Vater, er trübt kein Wasser.
Wurzel. Ein Fischer--und trübt kein Wasser? und pritschelt den ganzen Tag darin herum. (Streng zu Lottchen.) Du schweigst! und wenn du dich nicht in meinen Willen fügst und immer vom Wald phantasierst, du melancholische Wildanten, und mir noch einmal dein Bauerngwand heimlich anziehst, was dadrin in einem Pünkel versteckt hast, und nichts als Fisch und Wasser im Kopf hast, so gib acht, wie ich dich durchwassern werde, einen Wolkenbruch laß ich auf deinen Buckel niedergehen, wannst nicht den alten Millioneur heuratst.
Lottchen. Ach, was bin ich für eine arme Närrin!
Wurzel. Just, wenn man eine arme Närrin ist, muß man suchen, auch Millioneurin zu werden, so verzeihen einem doch die Leut die Narrheit leichter. Ein Fischer heiraten wollen--dieses unsichere Metier, bis er einen Fisch fangt, kommen ihm hundert aus. Da heirat lieber einen von den seinen Schnecken, so kriegst doch einen Hausherrn.
Lottchen. Vater, bringen Sie mich nicht auf das äußerste. Hören Sie meinen Schwur: Ich verachte alle Reichtümer Ihrer Stadt und werde nie, nie von meinem armen Karl lassen.
(Es donnert sehr stark.)
Ajaxerle. Haben Sie ghört, den Pumperer?
Wurzel. War das ein Donner? desto besser, vielleicht schlagt der Donner drein, so darf ichs nicht tun. (Zu Lottchen.) Du willst also nicht von den Fischer lassen?
Ajaxerle. Nein, und recht hat s'! wissen Sie das? Und wenn Sie ihr den Burschen nicht geben, so wirds Ihnen reuen, so viel Haarle Haar Sie auf Ihren Strobelkopf haben, auf Ihren bockbeinigen.