Das hohe Ziel der Erkenntnis: Aranada Upanishad

Part 3

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Und gewiß: Gegensatz und Zwillingspaar ist Raum und Zeit; wie kein rechts ohne links, kein oben ohne unten, so kein Raum ohne Zeit, keine Zeit ohne Raum. Wenn es in Wahrheit kein hier und kein dort gibt, so gibt es auch kein hin und kein her, kein auf und kein ab, kein vor noch zurück, weder kommen noch gehen, weder steigen noch fallen, kein heben, kein senken, kein fluten, kein ebben, kein eilen, kein zögern, keinen Stillstand, keinen Wechsel. Mit ausgelöschtem Raum ist Zeit ausgelöscht; wie es keinen Raum an sich gibt, so gibt es an sich keine Zeit. Bei Erläuterung der Unterscheidung oben und unten schien es zunächst, als bestünden diese Erscheinungen auch unabhängig von dir; beim ersten Hinschauen scheint es, als bestünde Zeit an sich und unabhängig von dir. Doch wie die Vorstellungen oben und unten beim Durchschauen in Nichts versinken, so versinkt die Einbildung Zeit durch Erkenntnis in Nichts. Wie dein Standort, den du im Raum einnimmst, bestimmt, was du mit den Worten oben oder unten, mit rechts oder links bezeichnest, so bestimmt dein Standort in der Zeit, dein Bestand, deine Anwesenheit, dein Da-sein, deine Gegen-wart, was du als Vergangenheit und was du als Zukunft unterscheidest, und wie jenen Wahrnehmungen, so kommt auch diesen keine Wahrheit zu. Wie dein Standort im Raum die willkürliche Teilung eines Ganzen bestimmt, ein von dir gewählter Scheidepunkt, der dir das Recht zu geben scheint, gegensätzliche Verschiedenheit zu schaffen, so schafft dein Standort in der Zeit, dein Da-sein, deine Gegen-wart Unterscheidung in einem in sich ungeschiedenen Ganzen und macht dich in gegen-Teile unterscheiden was eines ist. Zeit an sich ist leer und bestimmungslos; wie vermöchte an leerer Zeit zeitliche Bestimmung und Unterscheidung zu haften? Nur von dir aus gibt es ein rechts und links, nur aus dir gewirkt und auf dich wirkend ist ein oben und unten, ein vorher und nachher, nur in dir ist und ist wirkend, was du Zeit nennst. Vergangenheit scheint vorbei, Zukunft scheint zu kommen; der Tag scheint vorbei, die Nacht scheint zu kommen. Verschieden wie Tag und Nacht scheint Vergangenheit und Zukunft, unvereinbar, ewig voneinander getrennt. Seit dem Tage Brahma, o Teurer, sind auf unserm Wohnsitz, der Erde, die unterschiedenen Zeiten, die vergangenen und die kommenden, Tag und Nacht zu gleicher Zeit. Zu ein- und derselben Zeit ist Morgen und Abend, Mittag und Mitternacht und jede Stunde des Tages und der Nacht, ewig gleichzeitig, zu ein- und derselben Zeit. Ununterbrochen brennt auf der Erde Mittag, ununterbrochen kühlt Mitternacht und alle verschiedene Zeit zur selben Zeit.--Eines ist, was getrennt erscheint. Der Tag, der vergangen scheint, ist noch; die Nacht, die zu kommen scheint, ist schon. Es währt vergangene und zukünftige Zeit ununterbrochen--in dir sind die Gegensätze; jener heilige Savitar, die Sonne strahlt ewigen Tag. Und wie Sterne, vom Tage überleuchtet, den Sinnen nicht gegenwärtig sind, doch der Seele gegenwärtig--so ist Vergangenheit und Zukunft, von Gegenwart überleuchtet, deinen Sinnen nicht gegenwärtig, doch gegenwärtig deiner Seele. Vergangenheit war einst deine Gegenwart; Zukunft wird einst deine Gegenwart. Was Vergangenheit ist, war einst deiner Gegenwart Zukunft; was Zukunft ist, wird einst deiner Gegenwart Vergangenheit-- Ich-Gegenwart beharrt in Vergangenheit und Zukunft. Wie du, dich selber täuschend, den Raum vor dir vom Raume hinter dir unterscheidest, so unterscheidest du, dich selber täuschend, Zeit vor dir von Zeit nach dir. Wende dich in dir, und Vergangenheit wird Zukunft und Zukunft wird Vergangenheit. Daß du die Zukunft schaust, ist nicht wunderbarer, als daß du dich der Vergangenheit erinnerst. Du err-inne-rst dich der Zukunft, wie du dich der Vergangenheit erinnerst, und Zukunft und Vergangenheit ist ewige Gegenwart. Erinnerung ist Verklärung, Beseeligung von Raum und Zeit. Vergangenheit an sich ist nicht Zeit, denn Vergangenheit war, ist also nicht; ist nur Erinnerung an Zeit, Denktätigkeit, nichts mehr. Zukunft an sich ist nicht Zeit, denn Zukunft wird erst, ist also nicht; ist nur Erwartung von Zeit, ein Gedankenbild, nur in Beziehung auf das, was wir Zeit nennen, nicht Zeit selbst. H.B. Einen Hungrigen sättigt nicht die Erinnerung an frühere Sättigung und nicht Hoffnung auf spätere Sättigung; weder Hoffnung auf Nahrung noch Erinnerung an Nahrung ist Nahrung. Weder Erinnerung an Zeit noch Erwartung von Zeit ist Zeit. Wenn Zeit wäre, so könnte nur Gegenwart Zeit sein. Gegenwart jedoch ist nur Standort des Ich, nur Anwesenheit, nur Gegenwärtigkeit des Ich, nur die Scheide zwischen dem, was Ich Vergangenheit und dem, was Ich Zukunft nennt: eine nur in Gedanken zu fassende Scheide, ohne Ausdehnung, nur ein Berührungspunkt von Gedanken und selbst nur Gedanke in dir--Ich-gegen-wart, nichts mehr. Keine Zeit vor deiner Gegenwart, keine Zeit nach deiner Gegenwart, keine Zeit ohne deine Gegenwart; deine Gegenwart ist Zeitewigkeit. Wie Zeit je nach deiner Empfindung stille steht oder flieht, wie du in einheitlicher Zeit gute und schlechte Zeiten unterscheidest, wie du Erwartung und Erinnerung in dir schaffst, so schaffst du Zeit in dir.

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Du erkennst: Was dir als Vorgang in der Zeit, als Beharren oder Wechsel, als Dauer oder Änderung erscheint, ist nicht an sich, ist willkürliche, von deiner gegen-Wart aus in gegen-Teile auseinanderspaltende, an sich nichtige Unterscheidung in dir-- Was von solchen Unterscheidungen--in dir als zeitliches Urteil --außer dir als zeitliche Eigenschaft der Dinge erscheint, ist Inhalt deiner Seele, Ausdruck des Verlangens in dir, Abbild deiner selbst;-- Kennzeichnung deiner gegen-Wart zum gegen-Stand, Kennzeichnung deiner Auffassung und Wertung, Wiedergabe deiner wechselnden Gesinnung, dein Atem in Lust und Unlust, willig-un-willige Auffassung in dir, in dir gezeugte ein-Bildung, deine eigene Schöpfung--du selbst.-- Keine Zeit vor dir, keine Zeit nach dir, keine Zeit ohne dich.

Solches hast du klar erkannt. --Eigen Geschaffenes legen wir den Dingen bei und nennen es der Dinge Eigenschaften.--

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Ausgelöscht sind die in Rede stehenden Wahrnehmungen, nur verschiedene Benennung die erscheinende Verschiedenheit; wie die Unterscheidungen rechts und links, wie oben und unten, nur Namen, an sich nichts die Unterscheidungen Vergangenheit und Zukunft, bloße Für-wahr-nehmung, nicht Wahrheit.-- Ausgelöscht mit ihren Teil-Erscheinungen und gegenteiligen Merkmalen ist die Erscheinung Zeit selbst, Empfindung--nicht Erkenntnis, eigen geschaffenes Trugbild, aus dir gewirkt, auf dich wirkend, Wirkung und Wirklichkeit dieser Welt. Nicht ist Zeit an sich --nicht ist Zeit Wesen und Wahrheit.-- Darum ist gesagt: "Aus deiner Seele die Erscheinung: Zeit." Darum ist gesagt: "Zeit ist scheinbare Wahrheit". "Ich bin nicht in der Zeit, ich selbst bin Zeit." --Es ist der Welt Atem, den du, als sei er in dir, spürst.--

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Ausgelöscht ist alle auf Raum, alle auf Zeit bezügliche Anschauung und Auffassung, alle auf Raum und Zeit bezügliche Wahrnehmung und Eigenschaft, alle Unterscheidungen, Verhältnisse, Merkmale, Bezeichnungen, Beziehungen, Beilegungen, Bedeutungen und alle übrigen auf Raum und Zeit ruhenden Empfindungen, Vorstellungen, Begriffe, Urteile, Namen;--in nichts gesunken: Ausdehnung, Maß, Zahl, Teilbarkeit, Einheit und Vielheit, Folge und Folgerung, Anfang und Ende, Entstehen, Vergehen, Unendlichkeit, Ewigkeit--müßige Fragen dem Wissenden-- Ausdruck deiner Gegenwart zum gegenständlich aufgefaßten Gedanken; deine Empfindung und nach außen Verlegung, das ist Auslegung deines Inne-be-findens; ein-Bildung und wider-Spiegelung deiner Einbildung, das ist: vor-Stellung; deine eigene Schöpfung--du selbst--an sich nichts die sogenannten Eigenschaften der Zeit, die sogenannten Eigenschaften des Raumes-- Ausgelöscht mit ausgelöschten Merkmalen und Unterscheidungen ist Zeit und Raum selbst--vernichtet! Zeit und Raum sind nicht in sich. Spiel deiner Seele, ein bloßer Traum! Darum ist gesagt: "aus deiner Seele die zeit-räumliche Erscheinung". --Erscheinung!--sinnlicher Widerschein seelischer Empfindung in dir--deines eigenen Wirkens Abbild, eigengeschaffene Wirklichkeit dieser Welt--du selbst!--Keine Zeit, kein Raum in sich; keine Zeit, kein Raum in Wahrheit. --Eigen Geschaffenes legen wir den Dingen bei und nennen es der Dinge Eigenschaften, eigen Gewirktes--Wirklichkeit dieser Welt.-- Solches hast du klar erkannt, von solcher Erkenntnis vermagst du ferner nicht mehr abzuweichen... es sei denn, daß du--über dieses hinaus zu tieferer Einsicht gelangst.

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In dir ist Zeit und Raum, du selbst schaffst Zeit und Raum, zu eigener Lust; trägst Zeit und Raum mit dir, wie du Leben und Welt mit dir trägst. Ewig ist Zeit, unendlich ist Raum--ewig unendlich Ich und Welt.

--Es ist das Atmen der Welt, die du lebst; Schöpfer-- Vernichter.

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Und ferner, o Teurer! Noch hat niemand diesem, wovon wir reden, sein volles Recht strömen lassen, und nicht überliefert wurde mir diese Lehre; in mir selbst trat zutage, wuchs und erstarkte die Erkenntnis. Und schon einmal habe ich der Welt diese Lehre verkündet, als die Tochter des Vatschaknu vor dem Könige der Videha mich befragte; aber unverstanden von der Welt blieb diese Lehre: --"was zwischen Himmel und Erde ist, und oberhalb des Himmels und unterhalb der Erde, was sie Vergangenheit und Zukunft nennen--Raum und Zeit--o Gargi, ist eingewoben und verwoben in der Erscheinung Akasha".--Uraltes Wissen verkündige ich dir wieder: der erscheinenden Welt zeiträumliches Dasein.

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Gegensatz und Zwillingspaar ist, was du Raum und Zeit nennst. Durch Ur-sprung ist Raum, durch Raum--Zeit; wie rechts durch links, wie oben durch unten, wie Vergangenheit durch Zukunft. Wie kein rechts ohne links, kein oben ohne unten, keine Vergangenheit ohne Zukunft, so kein Raum ohne Zeit, keine Zeit ohne Raum. Zeit ohne Raum wäre nirgend; Raum ohne Zeit wäre nie. Alles was im Raum ist, entsteht und vergeht in der Zeit; alles was in der Zeit ist, entsteht und vergeht im Raum. Zeit ist ewig überall, Raum ist überall ewig. Zeit und Raum bedingen einander. Zeit und Raum mißt sich aneinander: 'ein Zeitraum, eine Stunde Wegs, eine Spanne Zeit, ein Tagwerk Land, eine geraume Zeit.' Zeit und Raum ergänzen einander. Dem Nebeneinander des Raumes entspricht das Nacheinander der Zeit. Zeit und Raum treten für einander ein. Bewegter Raum wäre Zeit; ruhende Zeit wäre Raum. Ausgebreitete Zeit heißt Raum; dauernder Raum --Zeit. Zeit und Raum schafft einander; Zeit und Raum hebt einander auf--Gegensätze, die einander schaffend, einander aufheben. Gegensätze Zeit und Raurn sind gegen-Paare, halb-Teile eines Ganzen. Gegensatz in sich nennt Ich: Zeit, Gegensatz zu sich nennt Ich: Raum. Spaltung im Ich--Zeit; gespaltenes Ich--Raum. Gegensatz räumt--Gegensatz zeitigt.

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Weder hat Zeit einen Anfang, noch ist Zeit ewig; weder hat Raum ein Ende, noch ist Raum unendlich--weder ist Zeit und Raum real, noch ist Zeit und Raum ideal;--Zeit und Raum ist Gedanke im verlangenden Ich. Zeit-Gegenwart ist ohne Dauer, also nicht Zeit; Raum-Punkt ist ohne Ausdehnung, also nicht Raum. Zeit-ewigkeit wird nicht aus Zeit, Raum-unendlichkeit wird nicht aus Raum, und wie Zeit-ur-teil keine Zeit ist, so ist Zeit-ewigkeit keine Zeit; wie Raum-ur-teil kein Raum ist, so ist Raum-unendlichkeit kein Raum. Zeit und Raum ist Gedanke im urteilend schaffenden Ich. Ich ist Zeit-einbildung, Ich ist Raum-vorstellung. Im Ich ist ewig Zeit; im Ich ist endlos Raum. Weil Ich selbst Zeit und Raum ist, darum ist Zeit immer, wann Ich ist; darum ist Raum immer, wo Ich ist; Zeit und Raum ewig unendlich, da Ich ist. 'Ewig' 'unendlich' aus dem Ich geschaffene, das Ich selbst bezeichnende Worte, Ich-ausdruck, nichts mehr. Ich ist Ausdehnung in sich zu ewiger Zeit--außer sich zu unendlichem Raum. Ich ist gegen-Wart zu Zeit und Raum. Ich-Atem, Ich-Bewegung, Ich-Ausdehnung, Ich-Wandel, Ich-Wirk-lichkeit ist Zeit und Raum. Wechselndes im Bleibenden, Beharrendes im Wechselnden: Ich.

Keine Zeit, kein Raum ohne Ich: einen Augenblick bewußtlos--eine Ewigkeit bewußtlos.

'In der 'Zeit' heißt vom Ich-bewußtsein als Zustand in sich unmittelbar umfaßt; 'im Raum' heißt mittelbar, vermittelst der Sinne erfaßt. Im Bereich des Ich-bewußtseins heißt Zeit, was darüber hinaus Raum heißt. Vom Ich empfunden--Zeit, vom Ich angeschaut--Raum; seelisch empfunden--Zeit, sinnlich angeschaut--Raum.

Bei gedankenlosem Hinschauen zwar erscheint Zeit und Raum verschieden, verschieden wie Tag und Nacht, wie Vergangenheit und Zukunft, unvereinbar, ewig voneinander getrennt. Ansicht--nicht Einsicht; Wahr-nehmung--nicht Wahrheit. Zeit und Raum sind nicht auseinanderzuhalten: --frage dich, o Teurer, durch welche Bestimmung könnten Zeit und Raum, beide an sich leer an Bestimmung, voneinander verschieden sein? Eines ist, was du in dir Zeit, was du außer dir Raum nennst--zwei Namen für das Selbe: atmendes Verlangen in dir. Sprich es unverstanden nach--mit vorschreitender Erkenntnis gelangst du zu vollem Verständnis.

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Wie du, dich selber täuschend, den Raum über dir vom Raum unter dir unterscheidest, wie du, dich selber täuschend, Zeit vor dir von Zeit nach dir unterscheidest, so unterscheidest du, dich selber täuschend, Zeit in dir von Raum außer dir. Wie deine Gegenwart im Raum bestimmt, was du hier und was du dort nennst, wie deine Gegenwart in der Zeit bestimmt, was du als vorher und was du als nachher unterscheidest, so bestimmt deine Gegen-wart im Da-sein, was in dir zeitlich, was außer dir räumlich erscheint. Wie deine Gegenwart in Zeit und Raum die Teilung eines Ganzen bestimmt--ein willkürlich gewählter Scheidepunkt, der dir das Recht zu geben scheint, Gegenteiligkeit zu schaffen, ein rechts und ein links, ein oben und ein unten zu unterscheiden, ein vorher und ein nachher, so schafft dein Da-sein, deine Gegen-wart, dein Ich-Bewußtsein,--du selbst--Unterscheidung in einem ungeschiedenen Ganzen, macht dich in Zeit und Raum unterscheiden, was eines ist. Eines--scheinbare Zweiheit. In deinem Herzen sind die Auseinandertretungen, deine eigene Schöpfung die Unterscheidung Zeit und Raum.--Als Zeit empfindest du, was dein eigen, als Raum, was dir entfremdet. Entlassend schaffst du Raum, aufnehmend Zeit, was aus-wendig Raum ist, ist in-wendig Zeit. Dein eigener Widerschein im Ich-Gedanken nennt sich Bestand, Dauer, Wechsel, Zeit; deinen eigenen Widerschein im entlassenen Gedanken nennst du draußen, Gegenstand, Raum. Unterscheidung Zeit und Raum ist Unterscheidung: in dir--außer dir; ist Empfndung und nach außen Verlegung--Auslegung deines inne-Befindens; ist Ein-bildung: Zeit, und Widerspiegelung deiner Einbildung, Vor-stellung: Raum; Ich-zu-stand und Ich-gegen-stand-- Ausdruck deiner wechselnden Gesinnung, deiner Zuneigung und Abneigung, Anziehung und Abstoßung, Lust und Unlust, Liebe und Haß, Bejahung und Verneinung, Wille-wider-Wille im Verlangen--Abbild deiner selbst. Zeit und Raum sind nur andre Worte für Ich und du; Unterscheidung Zeit und Raum ist Unterscheidung Ich und Welt--Ausdruck des Zerfalls im Ursprung. Davon wird dir in weiterer Unterweisung volle Klarheit.

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Besinne dich und du erkennst: ununterschieden in sich ist Zeit und Raum; eines, was du mit ent-zwei-enden Namen bezeichnest; wie rechts und links, wie oben und unten, wie hier und dort, wie jetzt und einst --willkürliche, in sich nichtige Unterscheidung in dir. Und wie du solches von dem Gegen-sinn 'rechts und links', von dem Gegen-sinn 'oben und unten' klar erkannt hast, so wird dir klare Erkenntnis auch vom scheinbaren Gegensinn Zeit und Raum. Aller Gegensatz, alle Einheit ist in dir. Zeit und Raum sind Gestaltung deines Willens; Zeit und Raum sind andre Worte für deinen Willen und für das, was wider deinen Willen-- wieder dein Wille ist;--Gestaltung deiner selbst! Eigene Lust dein Wandel; nach eigenem Gefallen wandelst du dich zu Zeit und Raum, wandelst Zeit zu Raum wie rechts zu links, wandelst Raum zu Zeit wie unten zu oben. Es ist so--sprich es unverstanden nach. Die die Welten voneinander hält, diese Brücke überschreite als ein Blinder. Aufleuchten wird einst in dir die Erkenntnis, aus welcher Tiefe solches fließt.

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Ausgelöscht der Gegensinn von Zeit und Raum; auf Worten beruhend die erscheinende Verschiedenheit; ununterschieden an sich, weder das eine noeh das andre; dasselbe doppelt benannt, zwei Namen fur eines. Und gewiß: ist Zeit gleich Raum, so ist weder Zeit noch Raum. Was du Zeit und Raum nennst--in Gegenteile zerfallene, an sich nichtige Unterscheidung in dir--in Gegensinn auseinanderspaltendes Urteil, deine Willensgestaltung, Spiel deiner Seele, deine eigene Schöpfung--du selbst.

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"Was du Zeit und Raum nennst, o Gârgî, ist eingewoben und verwoben in Akasha." Durch Raum und Zeit wird alles dieser Welt, was Leben heißt, was Tod genannt wird--ewiger Kreislauf--Geburt und Tod dieser Welt durch Raum-Zeit-Erscheinung: -- AKASHA -- dieser Welt Erscheinung--deines Verlangens sinnlicher wieder-Schein --dieser Welt wesenlose Erscheinung--Erscheinung des Wesens dieser Welt. Aufleuchten möge in dir die weltschöpferische Bedeutung des Wortes.

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Darum ist gesagt: "auf Akasha geht diese Welt zurück"-- "Einklang von Seele und Leib." Darum ist gesagt: "Akasha--des Brahma Standort"--"Brahma leibhaftig geworden"--"deiner Seele Leib." "Darum soll man als dieser Welt Keim Akasha wissen." Sehend geworden erkennst du: --Es ist der Welt, die dich lebt, Atmen-- --atma--

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So, o Teurer, können wir Menschen, der Erscheinung nachdenkend, uns dieses vorstellen; der Erkenntnis ehernes Tor, verhüllte Wahrheit dem nicht Erkennenden--Upanishad.

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So lautet in Aranada Upanishad der zweite Abschnitt: zeit- räumlicher Erscheinung Urbestand; nunmehr kâma, Verlangen.

III. DAS VERLANGEN DIESER WELT -- kâma --

Zu dem, was ich dir ferner zu sagen gedenke, o Teurer! behalte vor Augen: Es geschieht wohl, daß von den dickkopfigen Ameisen eine mitten-von-einander bricht; alsbald kehren sich die getrennten Teile feindlich gegen einander: der Kopf greift mit den Kiefer an, der Leib wehrt sich mit dem Stachel. Eben noch einheitlicher Bestand, Ein Ich mit Einem Bewußtsein, Einer Empfindung, Einem Willen, von gleicher Sorgfalt für alle Teile seines Körpers erfüllt--zerfällt es vor deinen Augen in zwei Bewußtsein, zwei Empfindungen, zwei Willen, zwei Seelen; jedes der beiden Teile fühlt sich selbständig, ein "Ich", und seine erste Tat ist Kampf gegen das, was es nicht mehr als sein Ich erkennt. Zwiespalt körperlich-seelisch; Gedanke dieser im Zwiespalt atmenden Welt; Ausdruck des ur-Sprungs: Kâma, Verlangen. Durch ur-Sprung: ur-TeilIch und gegen-TeilIch. Durch solche Teilung Verlangen in Ich und Ich;--das Außer-einander von Ich und Ich ist Verlangen: -- KAMA --

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Also ist die Unterweisung: Ich knüpfe an Gesagtes an, o Teurer! Der Erreger, savitar, die Sonne, weckt die Geschöpfe--alsbald beseelt diese der Gedanke des Lebens: Kâma, Verlangen, und es folgt Jagd und Kampf. Brennend vor Begier wirft sich der Eine auf den Anderen: "du bist meine Nahrung"--und der Sieger frohlockt: "ich töte dich: es ist mein Recht." Vom Unterliegenden jedoch schallt voller Widerspruch zurück: "ich will nicht sterben, du darfst mich nicht töten, es ist unrecht und böse!" Du erwägst zuvörderst den Gegensatz im atmenden Verlangen im 'Raum' erscheinend. Jeder der Beiden, hier wie dort, der Sieger sowohl wie der Unterliegende, will dasselbe: will leben, nicht sterben; will töten und fressen, will nicht getötet und gefressen werden. Hier wie dort Ein Gedanke, dasselbe Verlangen, dennoch Widerspruch, Zwiespalt, Gegensatz.

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Du schaust den Gedanken unbewegt, einheitlich, ungeteilt: Kâma, Verlangen, Fraß; Fraß ist sinnfälliger Ausdruck des Verlangens. Es ist kein Zwiespalt, kein Gegensatz im Gedanken, im Wollen und Tun an sich; Zwiespalt, Gegensatz ist durch Ich und Ich. Zwiespalt, Teilung erscheint mit be-Teil-igung des Ich am Gedanken. Der Gegensatz entsteht durch zwiefachen Standort des Ich; im Ich, das hier will, und im gegenüber stehenden, entgegen stehenden, widerstehenden Ich, das dort wieder will--zwei gegen-ständliche Standorte des Ich--das ist Raumerscheinung:

I. Ich--hier: "ich will dich fressen."

II. Ich--dort: "ich will dich fressen."

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Ich auf beidem Standort spricht den einheitlichen Gedanken, das einheitliche Verlangen: 'Fraß' zwiefach aus, bejahend--verneinend. Ich auf beidem Standort bejaht den Satz und verneint damit den Gegensatz. Ich will--und will nicht das Gegenteil des Gewollten; Wille zur Tat, Unwille zur Duldung der Tat. Ich hier wie Ich dort: "ich will leben--nicht sterben, ich will fressen--nicht gefressen werden." Es ist Ein Gedanke, Ein Verlangen, Ein Vorgang: 'Fraß'; 'fressen --nicht gefressen werden' ist nur Lautverschiedenheit, nur sprachlich doppelter Ausdruck, dem Sinne nach dasselbe; nur Gewolltes bejahende, nicht-Gewolltes verneinende Redewendung, doppelte Bezeichnung für Eines. Ich spricht in zwiefachen, Eines bedeutenden Worten einheitliches Wollen, den Einen ungespaltenen Gedanken aus; Gegensatz erscheint im raum-gespaltenen, im ent-zwei-ten Ich; im Ich, das hier will, und im Ich, das dort will, dort wieder will, das heißt --wider will:

[Ich:] I. Ich, angreifend und siegend will die Tat, bejaht, die Tat, spricht den bejahenden tätigen Sprachausdruck des Verlangens--in Lust aufflammend: "ich will dich fressen."

[Ich im räumlichen 'Gegen'stand:] II. Ich, angegriffen und unterliegend, will die Tat nicht, verneint was ihm Leid antut, spricht den verneinenden, leidenden Sprachausdruck des Verlangens--in Leid aufflammend: "ich will mich nicht fressen lassen."

Kein Gegensatz im Verlangen, kein Zwiespalt, keine Teilung-- gleichviel, ob sich der Gedanke in Einem Ich in zwiefacher Redewendung --bejahend--verneinend--ausspricht, oder ob sich der Gedanke in zwiefacher Redewendung als Wille und Unwille auf zwei Ich verteilt-- zweiheitlicher Ausdruck des einheitlichen Gedankens: Verlangen. Kein Gegensatz in Gedanken--gleichviel, ob sich der Gedanke im tuenden Ich in Tat ausdrückender Redeform ausspricht, oder ob sich der Gedanke im leidenden Ich in Leid ausdrückender Redewendung widerspricht; gleichviel, ob der Gedanke im Ich, fressend, sich bejaht, im Ich, gefressen, sich verneint: --einheitliches Verlangen. Unberührt bleibt der Gedanke, ungeteilt--Unterscheidung, Teilung, Entzweiung, Zwiespalt und Gegensatz ist durch Ich und Ich Dies ist kâma, Verlangen, in gegen-Teile ent-zweit, als Wille und wider-Wille erscheinend; im zu-Stand-Ich und im gegen-Stand-Ich; Ich räumlich auf zwei Standorten. Ich-ent-Zwei-ung.

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