Chapter 4
Jason. (Eure) Weiber? und doch--
Aietes. Liebst du die Weiber?
Jason. Kennst einen Turm du dort im nahen Walde, Der--doch wo bin ich! Komm zur Sache König! Gibst du das Vließ?
Aietes
(zu einem Kolcher). Ruf Medeen und bring' Wein!
Jason. Noch einmal, gibst du mir das Vließ?
Aietes. Sei ruhig! Erst gezecht dann zum Rat, so halten wir's.
Jason. Ich will von deinen Gaben nichts.
Aietes. Du sollst! Ungespeist geht keiner aus Aietes' Hause! Sieh man kommt, laß dir's gefallen, Fremdling! Medea (kömmt verschleiert einen Becher in der Hand, mit ihr) Diener (die Pokale tragen.)
Aietes. Hier trink, mein edler Gast!
(Zu Medeen.)
Ist er bereitet?
Medea. O frage nicht!
Aietes. So geh und biet ihn an! Erlabe dich mein Gast!
Jason. Ich trinke nicht!
(Medea fährt beim Klang von Jasons Stimme zusammen. Sie blickt empor, erkennt ihn und tritt einige Schritte zurück.)
Aietes (zu Jason). Warum nicht?
(Zu Medeen.)
Hin zu ihm. Tritt näher sag' ich!
Jason. Was seh' ich?--Diese Kleider!--Mädchen bleib! Dein Kleid erneuert mir ein holdes Bild Das ich nur erst--Gib deinen Becher mir, Ich wag's auf deine Außenseite! Gib!
(Er nimmt den Becher aus ihrer Hand.)
Ich leer' ihn auf dein Wohl!
Medea. Halt ein!
Jason. Was ist?
Medea. Du trinkst Verderben!
Jason. Wie?
Aietes. Medea!
Jason
(indem er den Becher wegwirft). König Das deine Freundschaft? Rache dir Barbar! Doch du, wer bist du? die so sonderbar Mit Grausamkeit vereinet Mitleids Milde? Laß mich dich schaun!
(Er reißt ihr den Schleier ab.)
Sie ist's! Es ist dieselbe!
Aietes. Medea fort!
Jason. Medea heißest du? So sprich Medea denn!
Medea. Was willst du?
Jason. Wie? So mild dein Tun und rauh dein Wort, Medea? Nur zweimal sah ich dich und beidemal Verdank' ich dir mein Leben. Habe Dank! Es scheint die Götter haben uns ersehn Uns Freund zu sein, nicht Feinde, o Medea! Noch einmal diesen Blick, o sieh nicht weg! Schau' mir ins Aug, ich mein' es rein und gut.
(Erfaßt ihre Hand und wendet sie gegen sich.)
Laß mich in deinem Blick die Kunde lesen
(Medea entreißt ihm die Hand.)
Jason. Halt ein!
Medea (sich emporrichtend). Verwegner wagst du's?--Weh!
(Sie begegnet seinem Blicke, fährt zusammen und entflieht.)
Jason. Medea!
(Medea ab.) (Er eilt ihr nach.)
Aietes. Zurück!
Jason. Du selbst zurück, Barbar!--Medea! (Indem er ins Zelt dringen will und Aietes sich ihm abwehrend in den Weg stellt, fällt der Vorhang.)
Dritter Aufzug
(Das Innere von des Königs Zelte. Der hintere Vorhang desselben ist so, daß man durch denselben, ohne die draußen befindlichen Personen genau unterscheiden zu können, doch die Umrisse derselben erkennen kann.) Medea, Gora, Jungfrauen (im Zelte.) Jason, Aietes (und) Alle Personen des letzten Aktschlusses (außer demselben.) (Medea steht links im Vorgrunde aufgerichtet, die linke Hand auf einen Tisch gestützt, die Augen unbeweglich vor sich gerichtet in der Stellung einer die hört was außen vorgeht. Gora sie beobachtend auf der andern Seite des Tisches. Jungfrauen teils knieend, teils stehend um sie gruppiert. Einige) Krieger (im Hintergrunde des Zeltes an den Seiten aufgestellt.)
Jason (von außen). Ich will hinein!
Aietes (außen). Zurück!
Jason. Denkst du's zu wehren? Vom Schwert die Hand! die Hand vom Schwerte sag' ich, Das meine zuckt, ich kann nicht drohen sehn! Ich will hinein! Gib Raum!
Aietes. Zurück Verwegner!
Gora (zu Medeen). Er rast der Freche!
Jason (außen). Hörst du mich Medea? Gib mir ein Zeichen wenn du hörst!
Gora. Vernahmst du?
Jason. Dringt bis zu dir mein Ruf, so gib ein Zeichen. Erwählte!
(Medea, die bis jetzt unbeweglich gestanden fährt zusammen und legt die Hand auf die tiefatmende Brust.)
Jason. Sieh, mein Arm ist offen. Komm!
(Jasons Stimme kommt immer näher.)
Ich hab' dein Herz erkannt! Erkenn' das meine Medea komm!
Aietes. Zurück!
Gora. Er dringt herein!
(Medea reißt sich aus den Armen ihrer Jungfrauen los und flieht auf die andere Seite des Vorgrunds.)
Jason. Ich rufe dir! Ich liebe dich, Medea.
Gora (Medeen folgend). Hast du gehört?
Medea (verhüllt die Augen mit der Hand).
Gora (dringend). Unglückliche das also war's? Daher die Bewegung, daher deine Angst O Schmach und Schande, wär' es wirklich?
Medea (aufgerichtet, sie mit Hoheit anblickend). Was?
Jason (indem er die Vorhänge des Zeltes aufreißt). Ich muß sie sehn!--Da ist sie!--Komm Medea!
Gora. Er naht! Entflieh!
Medea (zu den Soldaten im Zelte). Steht ihr so müßig Braucht die Waffen, helft eurem Herrn!
Aietes (der indes mit Jason am Eingange gerungen hat). Mit meinem Tod erst dringst du hinein!
(Die Soldaten im Zelte stürzen auf die Streitenden los. Jason wird weggedrängt. Die Vorhänge fallen wieder zu.)
Jason (draußen). Medea!--Wohl so mag das Schwert entscheiden!
Absyrtus' Stimme. Schwerter bloß! Hier ist das Meine!
(Waffengeklirr von außen.)
Gora. Sie fechten! Götter stärkt der Unsern Arm!
(Medea steht wieder bewegungslos da.)
Milos Stimme (von außen). Jason zurück! Wir werden übermannt Zwölf unsre Schar und hunderte der Feinde! Barbaren brecht ihr den geschwornen Stillstand?
Jason. Laß sie nur kommen, ich empfange sie!
Aietes. Haut sie nieder, weichen sie nicht!
(Das Waffengeklirr entfernt sich.)
Gora. Die Fremden werden zurückgedrängt, die Unsern siegen! Medea fasse dich. Dein Vater naht. Aietes und Absyrtus kommen.
Aietes. Wo ist sie?--Hier! Verräterin Wagst du's zu stehn deines Vaters Blick?
Medea (ihm entgegen). Nicht zu Worten ist's jetzt Zeit, zu Taten!
Aietes. Das sagst du mir nach dem was geschehn, Jetzt, da das Schwert noch bloß in meiner Hand?
Medea. Nichts weiter von Vergleich, von Unterredung Von gütlichen Vertrags fruchtlosem Versuch. Bewaffne die Krieger, versammle die Deinen Und jetzt auf sie hin, hin auf die Fremden Eh sie's vermuten, eh sie sich fassen. Hinaus mit ihnen, hinaus aus deinem Land Rettend entführe sie ihr schnelles Schiff Oder der Tod ihnen allen--allen!
Aietes. Wähnst du mich zu täuschen, Betrügerin? Wenn du sie hassest, was warfst du den Becher, Der mir sie liefern sollte, Jason liefern sollte, Jason--sich mir ins Antlitz. Du wendest dich ab?
Medea. Was liegt dir an meiner Beschämung, Rat bedarfst du, ich g e b e dir Rat. Noch einmal also, verjag' sie die Fremden Stoß sie hinaus aus den Marken des Reichs Der grauende Morgen, der kommende Tag Sehe sie nicht mehr in Kolchis' Umfang.
Aietes. Du machst mich irre an dir, Medea.
Medea. War ich es lange nicht, lange nicht selbst?
Aietes. So wünschest du daß ich vertreibe die Fremden?
Medea. Flehend, knieend bitt' ich dich drum.
Aietes. Alle?
Medea. Alle!
Aietes. Alle?
Medea. Frage mich nicht!
Aietes. Nun wohlan denn ich waffne die Freunde! Du gehst mit!
Medea. Ich?
Aietes. Seltsame, du! Sieh ich weiß, nicht den Pfeil nur vom Bogen, Schleuderst den Speer auch, die mächtige Lanze, Schwingest das Schwert in kräftiger Hand. Komm mit, wir verjagen die Feinde!
Medea. Nimmermehr!
Aietes. Nicht?
Medea. Mich sende zurück In das Innre des Landes Vater, Tief, wo nur Wälder und dunkles Geklüft, Wo kein Aug hindringt, kein Ohr, keine Stimme, Wo nur die Einsamkeit und ich. Dort will ich für dich zu den Göttern rufen Um Beistand für dich, um Kraft, um Sieg. Beten Vater, doch kämpfen nicht. Wenn die Feinde verjagt, wenn kein Frevler mehr hier, Dann komm' ich zurück und bleibe bei dir Und pflege dein Alter sorglich und treu Bis der Tod herankommt, der freundliche Gott Und leise beschwichtigend, den Finger am Mund, Auf seinem Kissen von Staub und Moos Die Gedanken schlafen heißt und ruhn die Wünsche.
Aietes. Du willst nicht mit und ich soll dir glauben? Ungeratene zittre!--Jason?
Medea. Was fragst du mich wenn du's weißt. Oder willst du's hören aus meinem Mund Was ich bis jetzt mir selber verbarg, Ich mir verbarg? die Götter mir bargen. Laß dich nicht stören die flammende Glut, Die mir, ich fühl' es die Wangen bedeckt, Du willst es hören und ich sag' es dir. Ich kann nicht im Trüben ahnen und zagen Klar muß es sein um Medea, klar! Man sagt--und ich fühle es ist so!-- Es gibt ein Etwas in des Menschen Wesen, Das, unabhängig von des Eigners Willen, Anzieht und abstößt mit blinder Gewalt; Wie vom Blitz zum Metall, vom Magnet zum Eisen, Besteht ein Zug, ein geheimnisvoller Zug Vom Menschen zum Menschen, von Brust zu Brust. Da ist nicht Reiz, nicht Anmut, nicht Tugend nicht Recht Was knüpft und losknüpft die zaub'rischen Fäden, Unsichtbar geht der Neigung Zauberbrücke So viel sie betraten hat keiner sie gesehn! Gefallen muß dir was dir gefällt So weit ist's Zwang, rohe Naturkraft: Doch steht's nicht bei dir die Neigung zu (rufen) Der Neigung zu (folgen) steht bei dir, Da beginnt des Wollens sonniges Reich Und ich will nicht
(Mit aufgehobener Hand.)
Medea will (nicht)! Als ich ihn sah, zum erstenmale sah, Da fühlt' ich stocken das Blut in meinen Adern, Aus seinem Aug, seiner Hand, seinen Lippen Gingen sprühende Funken über mich aus Und flammend loderte auf mein Innres. Doch verhehlt' ich's mir selbst. Erst als er's aussprach, Aussprach in der Wut seines tollen Beginnens, Daß er liebe-- Schöner Name Für eine fluchenswerte Sache!-- Da ward mir's klar und (darnach) will ich handeln. Aber verlange nicht, daß ich ihm begegne, Laß mich ihn fliehn--Schwach ist der Mensch Auch der stärkste, schwach! Wenn ich ihn sehe drehn sich die Sinne Dumpfes Bangen überschleicht Haupt und Busen Und ich bin nicht mehr, die ich bin. Vertreib ihn, verjag' ihn, töt' ihn, Ja, weicht er nicht, töt' ihn Vater Den Toten will ich (schaun), wenn auch mit Tränen schaun Den Lebenden nicht.
Aietes. Medea!
Medea. Was beschließest du?
Aietes (indem er ihre Hand nimmt). Du bist ein wackres Mädchen!
Absyrtus (ihre andre Hand nehmend). Arme Schwester!
Medea. Was beschließest du?
Aietes. Wohl, du sollst zurück.
Medea. Dank! tausend Dank! Und nun ans Werk mein Vater!
Aietes. Absyrtus wähl' aus den Tapfern des Heers Und geleite die Schwester nach der Felsenkluft-- Weißt du?--wo wir's aufbewahrten--das goldne Vließ!
Medea. Dorthin? Nein!
Aietes. Warum nicht?
Medea. Nimmermehr! Dorthin, an den Ort unsers Frevels? Rache strahlet das schimmernde Vließ. So oft ich's versuch' in die Zukunft zu schauen Flammt's vor mir wie ein blut'ger Komet, Droht mir Unheil, findet's mich dort!
Aietes. Törin! Kein sichrerer Ort im ganzen Lande Auch bedarf ich dein, zu hüten den Schatz Mit deinen Künsten, deinen Sprüchen, Dorthin oder mit mir!
Medea. Es sei, ich gehorche! Aber einen Weg sende mich, wo kein Feind uns trifft.
Aietes. Zwei Wege sind. Einer nah am Lager des Feindes Der andre rauh und beschwerlich, wenig betreten, Über die Brücke führt er am Strom, den nimm Absyrtus! Nun geht!--Hier der Schlüssel zum Falltor Das zur Kluft führt! Nimm ihn, Medea.
Medea. Ich? Dem Bruder gib ihn!
Aietes. Dir!
Medea. Vater!
Aietes. Nimm ihn, sag' ich und reize mich nicht Deiner törichten Grillen bin ich satt.
Medea. Nun wohl ich nehme!
Aietes. Lebe wohl!
Medea. Vater!
Aietes. Was?
(Medea wirft sich lautschluchzend in seine Arme.)
Aietes (weicher). Törichtes Mädchen!
(Er küßt sie.)
Leb' wohl mein Kind.
Medea. Vater auf Wieder- Wiedersehn Auf baldiges, frohes Wiedersehn!
Aietes. Nun ja, auf frohes Wiedersehn.
(Sie mit der Hand von sich entfernend.)
Nun geh!
Medea (die Augen mit der Hand verhüllend). Leb' wohl!
(Ab mit Absyrtus.)
(Aietes bleibt nach dem Abgehen der Medea einige Augenblicke mit gesenktem Haupt hinbrütend stehen. Plötzlich rafft er sich auf blickt einige Male rasch um sich her und geht schnell ab.)
(Eine waldichte Gegend an der Straße, die zum Lager der Argonauten führt.) Jason, Milo und Andre Argonauten kommen.
Milo. Hier laßt uns halten Freunde. Die Barbaren Verfolgen uns nicht mehr. Der Ort hier scheint bequem Zum Angriff so, wie zur Verteidigung. Auch ist's der einz'ge Weg, der, seit der Sturm Die Brücken abgerissen heute Nacht, Vom Sitze führt des Königs nach dem Innern Und lagern wir uns hier, so schneiden wir Ihm jeden Hilfszug ab, den er erwartet. Geh' einer hin zur Schar der Rückgebliebnen Und leite sie hierher. Wir warten ihrer.
(Erster Argonaut ab.) (Zu Jason der mit gekreuzten Armen auf und nieder geht.)
Was überdenkst du Freund?
Jason. Gar mancherlei!
Milo. Gesteh' ich's dir? Du hast mich überrascht Du zeigtest eine Falte deines Innern heut Die neu mir ist.
Jason. Hätt' ich doch bald gesagt: Mir auch!
Milo. So liebst du sie denn wirklich?
Jason. Lieben?
Milo. Du sagtest heut es mind'stens laut genug!
Jason. Der Augenblick entriß mir's--und gesteh! Sie rettete mir zweimal nun das Leben.
Milo. Wie? zweimal?
Jason. Erst im Turm!--
Milo. Das also war's Was dir den Turm so teuer machte?
Jason. Das war's.
Milo. Ja so.
Jason. Nun denk' dir; so vollgült'gen Anspruch Auf meinen Dank und--Milo sie ist schön--
Milo. Ja, doch eine Barbarin--
Jason. Sie ist gut--
Milo. Und eine Zauberin dazu.
Jason. Ja wohl!
Milo. Ein furchtbar Weib mit ihren dunkeln Augen!
Jason. Ein herrlich Weib mit ihren dunkeln Augen!
Milo. Und was gedenkst du nun zu tun?
Jason. Zu tun? Das Vließ zu holen, so mein Wort zu lösen, Das andre aber heimzustellen jenen Die oben walten über dir und mir.
Milo. So mag ich's gern! Beim Zeus so denkst du recht! (Ein) Argonaut (kommt).
Argonaut. Links her vom Fluß sieht man sich Staub erheben, Ein Häuflein Feinde naht heran.
Jason. Wie viele?
Argonaut. An vierzig oder fünfzig, kaum wohl mehr.
Jason. Laßt uns zurückziehn und am Weg verbergen, Denn sähn sie uns, sie kämen nicht heran. Verschwunden ist die Hoffnung zum Vergleich So mögen denn die Schwerter blutig walten Und die dort nahn, den Reihen führen an. Zieht euch zurück, und haltet bis ich's sage.
Milo. Nur leis und sacht, daß sie uns nicht erspähn.
(Ziehen sich alle zurück und ab.)
(Absyrtus und Kolchische Krieger treten auf, Medea verschleiert in ihrer Mitte.)
Absyrtus. Die Waffen haltet bereit zum Schlagen, Leicht könnten wir treffen 'ne Feindesschar, Der Weg hier führt vorbei an ihrem Lager.
Medea
(den Schleier zurückschlagend und vortretend). Am Feindeslager? Warum diesen Weg? Warum nicht den andern, mein Bruder?
Absyrtus. Der Sturm hat die Brücken abgerissen heut Nacht; Jetzt erst erfuhr ich's. Aber sorge nicht! Ich verteidige dich mit meinem Blut. Wärst du nicht hier, ich forderte sie heraus.
Medea. Um aller Götter willen--
Absyrtus. Ich sagte: wärst du nicht hier; Aber nun, da du hier bist, tu' ich's nicht. Nicht um den höchsten Preis, nicht um Kampf und Sieg, Setzt' ich dich in Gefahr, meine Schwester!
Medea. So laß uns eilig vorüberziehn.
Absyrtus. Kommt denn!
Jason
(hinter der Szene). Jetzt ist es Zeit! Greift an, ihr Freunde!
(Hervorspringend.)
Halt!
Medea (aufschreiend). Er!
(Zu Absyrtus.)
Laß uns fliehen, Bruder!
Absyrtus. Fliehen? Fechten!
Jason (zu den andringenden Argonauten). Wenn sie sich widersetzen, haut sie nieder!
(Zu den Kolchern.)
Zu Boden die Waffen!
Absyrtus. Du selber zu Boden! Schließt euch Gefährten! Haltet sie aus!
Medea. Bruder! Hältst du so dein Versprechen?
Absyrtus. Versprach ich zu fliehn so verzeihn mir die Götter, Nicht daß ich's breche, daß ich's gab das Wort!
(Zu den Seinen).
Weicht nicht! Der Vater ist nah, er sendet uns Hilfe!
Jason (Medeen erblickend). Bist du's Medea? Unverhofftes Glück! Komm hierher!
Medea (zu den Kolchern). Schützet mich!
Jason (die sich ihm entgegenstellenden Kolcher angreifend). Ihr! aus dem Wege! Eu'r Eisen hält nicht ab, zieht an den Blitzstrahl.
(Die Kolcher werden zurückgedrängt, die Griechen verfolgen sie.)
Jason. Die Deinen fliehn. Du bist in meiner Macht!
Medea. Du lügst! In der Götter Macht, in meiner. Verläßt mich alles, ich selber nicht!
(Sie entreißt einem fliehenden Kolcher die Waffen und dringt mit vorgehaltenem Schild und gesenktem Speer auf Jason ein.)
Stirb oder töte!
Jason (indem er schonend zurückweicht). Medea was tust du?
Medea (näher dringend). Töte oder stirb!
Jason (mit einem Schwertstreich ihre Lanze zertrümmernd). Genug des Spiels!
(Das Schwert in die linke Hand nehmend, in welcher er den Schild hält.)
Was nun?
Medea. Treulose Götter!
(Die abgebrochene Lanze samt dem Schild hinwerfend und einen Dolch ziehend.)
Noch sind mir Waffen!
Jason (indem er Schild und Schwert von sich wirft und vor sie hintritt). Töte mich wenn du kannst.
Medea (mit abgewandten Gesicht, den Dolch in der Hand). Kraft!
Jason (weich). Töte mich Medea, wenn du kannst!
Medea (steht erstarrt).
Jason. Siehst du, du kannst's nicht, du vermagst es nicht! Und nun zu mir! Genug des Widerstrebens! Und weigerst du's? Versuch' es wenn du kannst.
(Sie rasch anfassend und auf seinem Arm in die Höhe haltend.)
So fass' ich dich, so halt' ich dich empor Und trage dich durch unsrer Völker Streit, Durch Haß und Tod, durch Kampfes blut'ge Wogen. Wer wagt's zu wehren? Wer entreißt dich mir?
Medea. Laß mich!
Jason. Nicht eher bis du gütig sprichst, Nicht eher bis ein Wort, ein Wink, ein Laut Verrät daß du mir weichst, daß du dich gibst.
(Zu ihr empor blickend und heftig schüttelnd.)
Medea, dieses Zeichen!
Medea
(leise). Jason! laß mich!
Jason. "Jason!"--Da sprachst du meinen Namen aus, Zum ersten Male aus! O holder Klang! "Jason!" wie ist der Name doch so schön Seit du ihn sprachst mit deinen süßen Lippen. Hab' Dank Medea, hab' den besten Dank!
(Er hat sie auf den Boden niedergelassen.)
Medea, Jason; Jason und Medea O schöner Einklang! Dünket dir's nicht auch? Du zitterst! Setz' dich hier! Erhole dich!
(Er führt Medeen zu einer Rasenbank. Sie folgt ihm und sitzt mit vorhängendem Leibe, die Augen vor sich starr auf dem Boden, die Hände, in denen noch der Dolch, gefaltet im Schoße.)
Jason (steht vor ihr). Noch immer stumm, noch immer trüb und düster? O zage nicht; du bist in Freundes Hand. Zwar geb' ich leicht dem Vater dich nicht wieder, Ein teures Unterpfand ist mir sein Kind; Doch soll dir's drum bei mir nicht schlimm ergehn, Nicht schlimmer wenigstens als mir bei dir. Wenn ich so vor dir steh' und dich betrachte, Beschleicht mich ein fast wunderbar Gefühl. Als hätt' des Lebens Grenz' ich überschritten Und stünd' auf einem unbekannten Stern, Wo anders die Gesetze alles Seins und Handelns, Wo ohne Ursach' was geschieht und ohne Folge, Da seiend weil es ist. Dahergekommen durch ein wildes Meer, Aus Ländern, so entfernt, so abgelegen, Daß (Wünsche) kaum vorher die Reise wagten, Auf Kampf und Streit gestellt, lang' ich hier an, Und sehe dich und bin mit dir bekannt. Wie eine Heimat fast dünkt mir dies fremde Land, Und, abenteuerlich ich selbst, schau' ich Verwundrungslos, als könnt' es so nur sein, Die Abenteuer dieses Wunderbodens. Und wieder, ist das Fremde mir bekannt, So wird dafür mir, was bekannt, ein Fremdes. Ich selber bin mir (Gegenstand) geworden, Ein andrer denkt in mir, ein andrer handelt. Oft sinn' ich meinen eignen Worten nach, Wie eines Dritten, was damit gemeint, Und kommt's zur Tat, denk' ich wohl bei mir selber, Mich soll's doch wundern, was er tun wird und was nicht. Ein einz'ges ist mir licht und das bist du, Ja du Medea, scheint's auch noch so fremd. Ich ein Hellene, du Barbarenbluts, Ich frei und offen, du voll Zaubertrug, Ich Kolchis' Feind, du seines Königs Kind Und doch Medea, ach und dennoch, dennoch! Es ist ein schöner Glaub' in meinem Land, Die Götter hätten doppelt einst geschaffen Ein jeglich Wesen und sodann geteilt; Da suche jede Hälfte nun die andre Durch Meer und Land und wenn sie sich gefunden, Vereinen sie die Seelen, mischen sie Und sind nun eins!--Fühlst du ein halbes Herz Ist's schmerzlich dir gespalten in der Brust, So komm--doch nein da sitzt sie trüb und düster, Ein rauhes Nein auf meine milde Deutung, Den Dolch noch immer in geschloßner Hand. O fort!
(Ihre Hand fassend und den Dolch entwendend.)
Laßt los ihr Finger! Bunte Kränze, Geschmeid und Blumen ziemt euch zu berühren, Nicht diesen Stahl, gemacht für Männerhand.
Medea (aufspringend). Fort!
Jason (sie zurückhaltend). Bleib!
Medea. Von hier!
Jason. Bleib da, ich bitte dich! Ich sage dir: bleib da! Hörst du, du sollst! Du sollst, beim Himmel, gält' es auch dein Leben! Wagt es das Weib, dem Mann zu bieten Trotz? Bleib!
(Er faßt ihre Arme mit beiden Händen.)
Medea. Laß!
Jason. Wenn du gehorchst, sonst nimmermehr!
(Er ringt mit der Widerstrebenden.)
Mich lüstet deines Starrsinns Maß zu kennen!
Medea (in die Kniee sinkend). Weh mir!
Jason. Siehst du? du hast es selbst gewollt. Erkenne deinen Meister, deinen Herrn!
(Medea liegt auf einem Kniee am Boden, auf das andre stützt sie den Arm, das Gesicht mit der Hand bedeckend.)
Jason (hinzutretend). Steh auf!--Du bist doch nicht verletzt?--Steh auf! Hier sitz und ruh', (vermagst) du es zu ruhn!
(Er hebt sie vom Boden auf, sie sitzt auf der Rasenbank.)
Jason. Umsonst versend' ich alle meine Pfeile Rückprallend treffen sie die eigne Brust. Wie hass' ich dieses Land, sein rauher Hauch Vertrocknete die schönste Himmelsblume, Die je im Garten blühte der Natur. Wärst du in Griechenland, da wo das Leben Im hellen Sonnenglanze heiter spielt, Wo jedes Auge lächelt wie der Himmel, Wo jedes Wort ein Freundesgruß, der Blick Ein wahrer Bote wahren Fühlens ist, Kein Haß als gegen Trug und Arglist, kein-- Und doch, was sprech ich? Sieh, ich weiß es wohl Du bist nicht was du scheinen willst, Medea, Umsonst verbirgst du dich, ich kenne dich! Ein wahres, warmes Herz trägst du im Busen, Die Wolken hier, sie decken eine Sonne. Als du mich rettetest, als dich mein Kuß-- Erschrickst du?--Sich mich an!--Als dich mein Kuß!-- Ja deine Lippen hat mein Mund berührt, Eh ich dich kannt', eh ich dich fast gesehn Nahm ich mir schon der Liebe höchste Gabe; Da fühlt' ich (Leben) mir entgegen wallen Und du gibst trügerisch dich nun für (Stein)! Ein wahres, warmes Herz schlägt dir im Busen Du (liebst) Medea!
(Medea will aufspringen.)
Jason (sie niederziehend). Bleib!--du liebst Medea! Ich seh's am Sturmeswogen deiner Brust Ich seh's an deiner Wangen Flammenglut Ich fühl's an deines Atems heißem Wehn, An diesem Beben fühl' ich es--du liebst, Liebst (mich)! (Mich) wie ich (dich)!--ja wie ich (dich)!
(Er kniet vor ihr.)
Schlag deine Augen auf und leugne wenn du's kannst! Blick' mich an und sag' nein!--du liebst Medea!
(Erfaßt ihre beiden Hände und wendet die sich Sträubende gegen sich, ihr fest ins Gesicht blickend.)
Jason. Du weinst! Umsonst, ich kenne Mitleid nicht Mir Aug ins Aug, und sage: nein!--du liebst! Ich liebe dich, du mich! Sprich's aus Medea!
(Er hat sie ganz gegen sich gewendet. Ihr Auge trifft das seinige. Sie schaut ihm mit einem tiefen Blick ins Auge.)
Jason. Dein Auge hat's gesagt, nun auch der Mund! Sprich's aus Medea, sprich es aus: ich liebe! Fällt dir's so schwer ich will dich's lehren, Kind. Sprich's nach: ich liebe dich!
(Er zieht sie an sich; sie verbirgt dem Zuge folgend das Gesicht in seinen Haaren.)
--Und noch kein Wort! Kein Wort, obschon ich sehe, wie der Sturm An deines Innern festen Säulen rüttelt. Und doch kein Wort!
(Aufspringend.)
So hab' es Störrische! Geh! Du bist frei, ich halte dich nicht mehr! Kehr' wieder zu den Deinigen zurück, Zu ihren Menschenopfern, Todesmahlen, In deine Wildnis, Wilde kehr' zurück, Geh! Du bist frei; ich halte dich nicht mehr!
Aietes (von innen). Hierher, Kolcher, hierher!
Jason. Dein Vater naht. Sei froh, ich weigre dich ihm nicht. Argonauten (kommen weichend. Hinter ihnen) Aietes, Absyrtus (und) Kolcher(, die sie verfolgen.)
Aietes (auftretend). Braucht eure Waffen, wackre Genossen! Wo ist mein Kind?
Absyrtus. Dort Vater sitzt sie.
Aietes (zu Jason). Verruchter Räuber, mein Kind gib mir zurück!
Jason. Wenn du mich bittest, nicht wenn du mir drohst. Dort ist dein Kind. Nimm sie und führ' sie heim. Nicht weil Du willst, weil sie will und weil ich will.
(Zu Medeen hintretend und sie anfassend.)
Steh auf Medea! Komm! Hier ist dein Vater! Du sehntest dich nach ihm; hier ist er nun. Verhüten es die Götter, daß ich hier Zurück dich hielte wider deinen Willen. Was zitterst du? du hast es selbst gewollt.