Das Geschlechtsleben in der Deutschen Vergangenheit

Part 18

Chapter 183,430 wordsPublic domain

Aus den düsteren Gewölben, deren Kreuzbogen vom Gewinsel und Stöhnen der armen, gefolterten Kinder und Frauen widerhallten, drang viel, zu viel an die Öffentlichkeit, um nicht die Phantasie hysterischer und vom allgemeinen Wahne ergriffener Weiber derart zu erhitzen, dass sie alles das, was sie gehört, auch schliesslich selbst erlebt zu haben glaubten und sich im Wahnsinne Verbrechen bezichtigten, die sie kaum geträumt haben können. Sie geben unumwunden zu, was ihnen die Richter in den Mund legen, oder gestehen es, ausgeschmückt mit eigenen Zuthaten unter den Martern der oft menschlicher als die Richter fühlenden Henker. Fühllos wie die Quadern der Folterkammern wohnten diese Richter jahraus, jahrein jenen Greuelscenen bei, bis die Gewohnheit jegliches Gefühl in ihnen abstumpfen musste. Wenn die deutschen Richter auch nicht in den Zwischenakten eines Hexenprozesses Laute spielten und Inkulpantinnen tanzen liessen, ehe sie sie an den Holzstoss ablieferten, wie dies ein französischer Kollege that[24], so fanden sich doch auch in deutschen Gauen nichtswürdige Hallunken genug unter ihnen. Wenn sich unter der Regierung des Bischofs Heinrich Julius von Halberstadt-Braunschweig im 17. Jahrhundert anlässlich einer rebellischen Bewegung der Braunschweiger Bürger gegen den geistlichen Herrn folgendes zutragen konnte, wird es bei den Prozessen gegen die Unholdinnen keinesfalls besser, eher noch schlimmer hergegangen sein, wofür viele Gründe sprechen. In dem besagten Prozesse heisst es von den in der Marterkammer anwesenden Gerichtspersonen: »Sie trunken einander fleissig zu, dass sie auch so toll und voll wurden, dass sie einesteils eingeschlafen ... Etwan in die dritte Woche kamen sie wieder, und als sie nun in solcher Trunkenheit ihr gefasstes Müthlein ziemlichermassen ausgeschüttet, seyn sie für diesmal davongegangen ... Zum dritten male bin ich abermal in die peinliche Kammer gebracht u. s. w. und Hans Saub war so trunken und voll, dass er beim Tisch einschlief, und wann er hörte, dass ich etwas härter sprach, so wachte er auf und weisete mit den Fingern, sagend: Meister Peter, hinan, hinan mit dem Schelm und Stadtverräther und wenn er solches gesagt, schlief er wieder ein vor Trunkenheit. Ingleichen soffen die andern tapfer auch herum Wein und Bier, und wurden aus Trunkenheit und sonsten so verbittert, dass nicht zu sagen ...«[25] Das Martern und Foltern der Angeklagten war im Mittelalter ein derart unzertrennlicher Bestandteil des Gerichtsverfahrens, dass der Richter den Gedanken, ein Geständnis anders als durch die Folter zu erlangen, einfach nicht fassen konnte. Und bei den Unholdinnen erst, die nichts zu gestehen hatten, waren die Folterwerkzeuge unentbehrlich, denn ohne sie hätte es eben keine Hexenprozesse gegeben.

[24] Roloff, Leben und Wirken des Teufels, Histor. Taschenbuch, 5. Folge, 2. Jahrg., S. 165.

[25] F. Heinemann, Richter und Rechtspflege in der deutschen Vergangenheit, S. 64.

Bei Weibern, die sich dem Satan zu eigen gegeben, wäre Milde des Richters ein Verbrechen gewesen, das ihn vielleicht selbst in eine zweideutige Stellung gebracht hätte, darum suchte jeder einzelne genau nach der Schablone zu handeln. Lag es auch in seinem Belieben, die schauerliche Wirkung der Tortur zu erhöhen oder zu mildern, so brauchte er seine Macht doch kaum jemals zu Gunsten einer Hexe, ebensowenig wie er sich daran kehrte, die heuchlerische Vorschrift des Hexenhammers zu befolgen, bei der Tortur kein Blut zu vergiessen. Er war unumschränkter Herr in der Folterkammer und gebrauchte seine Macht oder missbrauchte sie, ganz wie es ihm beliebte. Hatte er jemanden freilassen müssen, weil seine Unschuld denn doch zu klar lag, so liess er eben den unschuldig Gepeinigten Urfehde schwören, sich niemals an ihm und den Seinen zu rächen. Bei einer Hexe war aber diese Gefahr für den Inquisitor nicht zu befürchten, denn kaum eine dieser Unthat bezichtigte Weibsperson entrann jemals dem Arm »der Gerechtigkeit«.

Schon vorm Beginn des Prozesses brach man die Seelenkraft der Angeklagten, die schliesslich so mürbe werden musste, dass sie sich schuldig bekannte, um durch den Tod von weiteren Quälereien befreit zu werden.

Ehe man die Hexe dem Richter vorführte, zog man sie splitternackt aus und untersuchte ihren Körper, ob sie nicht Zaubermittel bei sich führte, mit denen sie dem Richter Schaden zufügen könnte. Obwohl der Hexenhammer vorschrieb, diese Untersuchung von ehrsamen Frauen vornehmen zu lassen, so scherte sich in der Praxis kein Richter darum, sondern überliess die Wehrlose den Henkersknechten, die diese günstige Gelegenheit nicht vorübergehen liessen, sich tierisch an jungen Hexen, selbst unmündigen Kindern zu vergreifen und dem Teufel die Schuld zuzuschieben. Der wütende Hexenrichter Remigius, der sich in seiner »Daemonolatria« rühmt, binnen fünfzehn Jahren (1580-1595) in Lothringen achthundert Hexen eingeäschert zu haben, erzählt von einem seiner Opfer, Katharina genannt, sie wäre, obgleich noch ein unmannbares Kind, im Kerker wiederholt derart vom Teufel genotzüchtigt worden, dass man sie halbtot aufgefunden habe.[26] Wem hätten auch die Geschändeten die ihnen angethane Schmach klagen sollen, dem Richter? Der wusste doch, dass alles, was die Hexe sprach, Lüge und Blendwerk der Hölle sei, oder ihren Beichtvätern, »gleichviel ob katholisch oder protestantisch, die die gefangenen Hexen in den Kerkern aufsuchten und, anstatt ihnen Trost und Mut zuzusprechen und durch das Gebet für ihren Martergang zu stärken, sie mit allen möglichen Kreuz- und Querfragen in Fallen zu locken suchten; ihnen das Gewissen beängstigten; sie zu falschem Geständnisse zwangen? Diese gemeine, niederträchtige Pfaffenbrut war gefährlicher als die Henkersknechte und Inquisitoren resp. Richter. Denn selbstverständlich hing sich ein bis zu Tod geängstigtes Weib mit aller Gewalt an den Seelensorger; suchte bei ihm Trost und folgte seinem Rate. Musste ein solch armes Wesen nicht von Sinnen kommen, wenn sie sogar von dem Manne, den sie als heilig und fromm verehrte, als Hexe betrachtet wurde? Und wie er ihr ins Gewissen redete! Wie er, wenn sie bekennen würde, ihr von Heil und Rettung, von Gnade und Barmherzigkeit vorpredigte! Jede verfängliche Aussage, die ein so verzweifeltes Weib fallen liess, nahm der Beichtvater zu Protokoll. Hatte er genug aus der Unglücklichen herausgepresst, so gab er dem Richter genauen Bericht. So kam es, dass der Richter bereits das ganze Untersuchungsprotokoll, die ganze Beweisaufnahme in den Händen hatte, ehe er überhaupt die Hexe verhört hatte. Er hatte somit leichte Arbeit, indem das Verhör seinerseits nur kurze Zeit in Anspruch nahm, das übrige that die Folter.«[27]

[26] Scherr, Kulturgeschichte, S. 387.

[27] C. Müller a. a. O. S. 90.

Doch noch eine zweite Entwürdigung hatte die Hexe vor dem Richter durchzumachen. Man schor ihr jedes Haar am Körper ab, um eines jener Teufelsmale, Stigma, zu entdecken, mit dem der Satan alle Weiber kennzeichnete, die er als Buhlerinnen gebraucht. Fand man einen Leberfleck, ein Muttermal oder eine Warze, so stach der Henker mit einer Nadel darein, um seine Empfindlichkeit zu prüfen. Schmerzte der Stich nicht, dann war die Teufelsliebe erwiesen, im anderen Falle hatte der Teufel der Hexe das Mal empfindlich gelassen, um die Richter zu täuschen. Fehlte ein solches Mal gänzlich, so hatte es der Teufel verwischt. Gestand nun die Hexe, eingeschüchtert durch die Aussicht auf die Tortur, oder getäuscht von lügenhaften Vorspiegelungen des Beichtvaters oder des Richters, dann war sie verloren. Leugnete sie, dann unterwarf man sie der peinlichen Frage, die mit der amtlichen Formel begann: »Du sollst so dünn gefoltert werden, dass die Sonne durch dich scheint!« Diese Drohung war keine leere, und die Feder sträubt sich, all das Entsetzliche niederzuschreiben, was man nun mit den armen, schwachen Weibern vornahm. Mädchen im zartesten Kindesalter, sieben-, acht-, zehn- und zwölfjährige Mädchen[28], schwangere Frauen[29], sechzig-, selbst achtzigjährige Greisinnen, sie alle verliessen verbrannt, zerrissen, mit gebrochenen Gliedern, aus hundert Wunden blutend die Folterkammern.

[28] Scherr, Gesch. d. d. Frauenwelt, II. 161.

[29] Scherr, Kulturgeschichte, S. 640 ff.

Alle Bande des Blutes löste der unglückselige Wahn. Wolf Rossmann, ein Bauer zu Amorbach, gab seine eigene Mutter als Hexe an.[30] Vielleicht um sich ihrer zu entledigen, wie es Männer mit ihren Frauen thaten, Brüder mit Schwestern, denen sie das Erbe missgönnten, selbst Väter mit ihren Töchtern.

[30] Zeitschrift für d. Kulturgesch., 1859 S. 427.

Und der ewig wiederkehrende Punkt bei allen Hexenprozessen ist geschlechtlicher Natur, in allen den vielen Protokollen, die auf uns gekommen sind, kehrt er, wenn nicht als Teufelsbuhlschaft allein, so in irgend einer anderen Form neben dieser wieder. Ein solches Protokoll, herausgerissen aus hundert beinahe gleichen, möge hier stehen. Es stammt aus dem Jahre 1572 aus der Umgebung von Trier und wird von Dr. Hennen mitgeteilt. Eine gewisse Eva, eine überführte Kindesmörderin aus dem Dorfe Kenn ist beschuldigt, mit dem Höllenfürsten Umgang gehabt zu haben. Sie besässe die Kunst zu hexen und hätte einen Knecht auf dem »grünen Haus« verzaubert, dass er in Liebe zu ihr entbrennen sollte. Die Angeklagte antwortete, dass sie die Zauberkunst nicht verstände. Sie hätte nur dem Zymmerhansen, dem Knecht, einen Ring gegeben; dieser hätte ihr versprochen, sie einst zu ehelichen. Das war das kurze Verhör. Die Folter wurde vorläufig nicht angewendet. Die Angeklagte wurde hierauf ins Gefängnis abgeführt.

An demselben Nachmittage wurde sie nochmals dem Amtmann, Schultheissen und zwei Schöffen vorgeführt. Sie verharrte auf ihrer Aussage, dass sie nichts von Zauberei verstünde. Nun wurde sie den Henkersknechten übergeben, die sie auf die Folter spannten.

Das unsinnigste Zeug brachte sie infolge der wahnsinnigen Schmerzen vor. Sie zog andere mit ins Unglück, einen Mann und drei Frauen, da sie, um nur sobald als möglich von den Folterqualen befreit zu werden, andere angab, von denen sie die Hexerei gelernt haben wollte. Von der einen behauptete sie, dass diese ihres (Evas) Mannes Mannbarkeit durch Zauberei genommen habe; von einer zweiten Frau sagte sie, dass diese ihr das Zaubermittel, wie man einen Mann an sich fesseln könnte, gelernt hätte, indem man nämlich einige Tropfen Blutes in einer Birne dem Betreffenden zu essen gäbe. Dies hätte sie nun auch mit dem Zymmerhansen so gemacht.

Die Folter wurde noch verschärft. Da rief Eva vor Schmerz aus, man sollte sie nur loslassen, sie wollte die Wahrheit eingestehen. Sie könnte zaubern.

Als man mit Foltern nachliess, gestand sie, dass sie von jener Frau, der sie die Entmannung ihres (Evas) Mannes zuschrieb, das Zaubern gelernt hätte. Sie teilte nun dem Amtmanne mit, wie sie durch die betreffende Frau, die Barbara hiess, mit dem Teufel zusammengekommen wäre; wie sie Gott abgeschworen und den Teufel verehrt hätte mit den Worten: »Ich sage Gott ab und dem Teufel zu und soll sein Eigen sein.«

Ferner gestand sie ein, mit dem Teufel etlichemal zu schaffen gehabt zu haben, Vieh und Menschen bezaubert, Unwetter heraufbeschworen zu haben. Die von ihr Bezichtigten erlagen gleichfalls unter der Anklage.[31]

[31] Müller a. a. O. S. 109 ff.

Der Raub der Mannheit, dessen Eva die eine Hexe beschuldigte, wurde durch »das Nestelknüpfen« erreicht, vermittelst Schürzung eines zauberischen Knotens an einer der Hosennesteln eines Ehemannes, diesen zeugungsunfähig zu machen, doch gab es auch noch viele andere, mehr oder weniger blödsinnige Mittel, gegen die man sich aber auf gleich sinnreiche Weise schützen konnte, so nach der »gestriegelten Rockenphilosophie«, wenn der Bräutigam, bevor er in die Kirche zur Trauung geht, das Bierfass anzapft und den Zapfen während der Trauung bei sich trägt und andere ähnliche mehr, von denen Scheibles Sammelwerke »Das Kloster« und »Das Schaltjahr« eine reiche Blütenlese geben.

Rossberg'sche Buchdruckerei, Leipzig.

Das wichtigste Thema der Gegenwart

»Neue Frauen -- Neue Männer«

behandeln folgende Schriften:

~Vera~:

Eine für Viele

Aus dem Tagebuche eines Mädchens von heute

12. Auflage Preis M. 2.--

#Urteile der Presse#:

»Da haben wir das Wiener Saisonbuch, die litterarische Sensation für heuer. Heimlich wandert es von Hand zu Hand, die Männer verstecken es vor ihren Frauen, die Mütter vor den Töchtern, aber alle lesen es und mehr noch, alle machen sich ihre Gedanken darüber. Mit Recht, denn dieses Büchlein gehört zu den Dokumenten der Zeit, es spricht seine eigene Sprache und öffnet die merkwürdigsten Aus- und Einblicke ...

»Ob man dieses Buch den Mädchen in die Hand geben soll? Ich glaube nicht. Wozu denen, die noch nicht Wissende sind, ihre Illusionen rauben? Aber die Väter und Mütter sollen es lesen, und auch die jungen Männer. Diese vor Allem. Denn zum mindesten lernen sie daraus, dass es Mädchen giebt, die den Ehrgeiz haben, etwas anderes zu sein und zu werden, als, um mit Vera zu sprechen, dem Manne »ein Mobiliar seiner Bequemlichkeit« ...

»Prager Tagblatt.«

»Eine für Viele« erinnert an das Tagebuch der Marie Bashkirtsew. Warm und ehrlich empfunden, machen die Geständnisse des jungen Mädchens tiefen Eindruck ...«

»Reichswehr.«

»Das kleine Buch scheint darauf auszugehen, die gegenwärtige Moral, soweit sie das Verhältnis der Geschlechter betrifft, zu steigern und zu verfeinern. Der ledige Mann soll vor der Ehe ebenso keusch sein, wie das Mädchen; das Wesen, das sich ihm einst giebt in vollster reinster Hingabe, hat das Recht, von dem Manne ihrer Wahl dieselbe Reinheit, dasselbe unbefleckte Sinnenleben zu verlangen, das er als strenger Richter von ihr fordert ....«

»Neue freie Presse.«

Verlag von Hermann Seemann Nachfolger in Leipzig

Für und gegen VERA sind folgende Schriften erschienen:

Christine Thaler:

Eine Mutter für Viele

Ein Brief an die Verfasserin von »Eine für Viele«

4. Auflage Preis M. 1,--

Die »#Neue Freie Presse#« in Wien schreibt über Christine Thalers Buch: »Es ist sehr erfreulich, dass weibliche Vernunft und Besonnenheit sich nun zum Worte meldet. Die übermodernen Jungfrauen werden das Sendschreiben der Mütterlichkeit wohl etwas hausbacken finden. Aber das verschlägt nichts. Aus ihm spricht Klugheit, Reife und Gemüt. Aus ihm spricht eine aus Lebenskämpfen erwachsene Milde, die das Menschliche, auch wenn es sich als ein Allzumenschliches erweist, verzeiht.«

Auch jemand:

Eine für sich selbst

Brief an die Verfasserin von »Eine Mutter für viele«

3. Auflage Preis M. 1,--

»Eine Dame spricht ruhig und besonnen; eine Dame, die die verzehrende Sehnsucht der keuschen Jungfrau nach einem ihr ebenbürtigen reinen Jüngling versteht, dieser Sehnsucht aber nicht unbedingt das Wort redet. Der Verfasserin schwebt eine Art freier Liebe vor. Eine Liebe, die in freiem Genuss und seliger Wahrheit durch ihre hehre Grösse so wenig der landläufigen Moral peinlich werden kann wie Michelangelos David in seiner kolossalen Nacktheit. Eine Liebe, die nicht in den Staub zieht, in deren hohen reinen Flammen alles schmilzt, was allzuirdisch und allzumenschlich ist.«

Gerda Schmidt-Hansen:

Eine für Vera

Aus dem Tagebuche einer jungen Frau

2. Auflage Preis M. 2,--

Eine im Geiste Veras geschriebene, flammende Anklageschrift gegen die Unnatur und Heuchelei der vom Manne diktierten »sittlichen« Anschauungen. Die Verfasserin -- eine Dame aus den besten Leipziger Gesellschaftskreisen -- deckt hier mit rücksichtsloser Kühnheit den Abgrund einer modernen, allzumodernen Ehe auf und zeigt, wie die Laxheit der männlichen Moral Seele und Leib des Weibes vergiftet und beide dem Untergange zuführt.

Männer im Kampf für und gegen Vera:

E... E...

Einer für Viele!

2. Auflage Preis M. 1,--

»Dieses Buch wendet sich polemisch gegen die mütterlich milden Urteile über das Vera-Problem, welche Christine Thaler in ihrer Kampfschrift ausgesprochen hat. E. E. legt offenkundig eine Lanze für Vera ein und versteht es, das von Vera angeregte Problem in eine neue interessante Beleuchtung zu rücken.«

Felix Ebner:

Meine Bekehrung zur Reinheit

Aus dem Leben eines Junggesellen

2. Auflage Preis M. 2,--

»Die Männerwelt ist lange nicht so verdorben, wie sie von emancipierten Blaustrümpfen geschildert wird. Das ist die These Ebners. Er bekräftigt seine Überzeugung mit der Darstellung seiner eigenen Lebenserfahrungen, mit der Vertiefung und Bereicherung, die sein Leben durch echte Liebe gewann, und stellt die Unverbrüchlichkeit der ethischen Pflichten, die jeder junge Mann zu erfüllen hat, aufs glänzendste heraus.«

Verus:

Einer für Viele

Aus dem Tagebuche eines Mannes

2. Auflage Preis M. 2,--

Die »#Feder#«, Berlin, schreibt: »Das Buch wird vielen Widerspruch erregen, dürfte aber auch viele Freunde finden.«

Der »#Autor#«, Zeitschrift für Litteratur und Kunst in Wien, schreibt: »Unstreitig die hervorragendste Erscheinung in der ganzen ›Vera-Litteratur‹, vielleicht eine der bedeutendsten am Büchermarkt überhaupt, wiewohl sie bei vielen eine gewaltige Entrüstung hervorrufen wird. Man wird das Buch vor jungen Leuten zu verstecken suchen, es enthält aber gerade für diese alles, was ihnen spätere Enttäuschungen ersparen kann. Mögen es nur recht viele lesen, bevor sie in die Lage kommen, aus eigener Erfahrung beurteilen zu können, wie recht Verus hat.«

Neue Bücher von Frau Professor

Maria Janitschek:

Die neue Eva

2. Tausend. Preis brosch. M. 2,50, geb. M. 3,50

»Ein reifes Buch. Das Urteil einer Frau, welche die Frauen und die Männer sowie das Leben kennt. Frau Janitschek ist dem deutschen Leser längst bekannt. Sie ist modern im guten Sinne. Sie ironisiert in feiner Weise die Emanzipations-Bestrebungen der Hypermodernen und kommt zu dem allerdings nicht neuen Schluss, dass ohne die »Kanaille« Mann das Weib nichts ist und sein kann. Durch alle Novellen des vorliegenden Buches zittert eine gesunde Ethik. Es liegt über jeder einzelnen Geschichte der dumpfe Hauch der geschlechtlichen Gier. Und aus jeder Geschichte kann eine treffliche Moral gezogen werden. Trotz des pikanten Inhalts würde ich jedem Mädchen dieses Buch zwei Tage vor seiner Ehe in die Hand geben. Nach den hier vertretenen Prinzipien handelnd, wird dann aus dem »Gänschen« nicht notgedrungen die »unverstandene deutsche Frau!«

»Frankfurter Neueste Nachrichten.«

Die »Neue Hamburger Zeitung« schreibt:

»#Die neue Eva#« #ist ein durchaus künstlerisches Tendenzbuch#, eines der wenigen, die wir in Deutschland haben, denn ein Schönheitsglaube glüht darin auf, eine reine aufstrebende Sinnlichkeit und das kraftvolle Selbstvertrauen, dass auch die Frau stark genug sei, sich zu befreien, ohne Gefährtinnen, Versammlungen und Zeitungen. Und das ist wohl ihr eigenster Sinn, dass nur diejenigen Freiheit verdienen, denen sie das eigene Herzblut gewiesen und erkämpft, die selbst Individualitäten sind. Reine, starke Höhenluft atmet über diesem Buche und ein Duft, wie von heissglühenden, sommerlichen Rosen, denn es ist ein Dichtbuch reifer und ungezwungener Sinnlichkeit und das Lebensevangelium einer schöpferischen Frau. Und ich glaube, dieser Eindruck der Persönlichkeit ist so stark, dass ihn selbst diejenigen spüren werden, die die »Neue Eva« lesen um der heiklen Themata und der Unterhaltung willen, und zur Erkenntnis gelangen, dass sich hier hinter Spott und farbiger Schilderung das ernste Antlitz einer wertvollen Weltanschauung erhebt.«

»... Und nun die neue Eva! Wie anders wirkt dies Zeichen auf mich ein. Das sind sieben Geschichten, die tief aus dem Werden und Wollen des Weibes herausgeschrieben sind. Maria Janitschek hat hier die künstlerischere Seite ihrer Kraft gefunden. Kaum jemals ist Psychologie mit Physiologie in der Novelle so innig verbunden worden wie in diesen Geschichten. Glut und Wahrheit, ein feines Spüren nach den geheimsten Regungen der Evanatur, eine glückliche Hand im Ausmalen des Schleierlosen -- das alles und noch einiges findet der Leser -- die Leserin möge freilich nicht zu jung sein -- in den Erzählungen von der neuen Eva, unter denen »Neue Erziehung und alte Moral« ein Meisterstück des psychologischen Verismus ist.

»Berliner Lokal-Anzeiger.«

Aus Aphroditens Garten:

Zwei neue Romane von

Maria Janitschek

Band I

Maiblumen

2. Tausend. Preis brosch. M. 2,50. geb. M. 3,50

Band II

Feuerlilie

2. Tausend. Preis brosch. M. 2,50. geb. M. 3,50

»#Aus Aphroditens Garten#« betitelt #Maria Janitschek#, die berühmte Erzählerin und feinsinnige Kennerin der modernen Frauenseele, ihren neuesten Romancyklus, in dem sie in umfassender Weise an einer Reihe von Einzelschicksalen ihre Erfahrungen und Anschauungen über das moderne Weib und seine seelischen und sozialen Verhältnisse in vielseitiger Weise niederlegen will.« »Der Gesellige.« Graudenz.

»Schon die äusserlichen Vorgänge, die sich im vorliegenden Roman abspielen, sind von Maria Janitschek in brillanter, von Anfang bis zu Ende spannender Weise erzählt, noch viel mehr aber wird den Freund moderner Dichtung der ausserordentliche Scharfsinn und die psychologische Tiefgründigkeit überraschen, mit denen das Seelenleben der Heldin, einer mitten in den Anfechtungen des modernen Lebens, sowie ihres eigenen leidenschaftlichen Herzens stehenden Jungfrau geschildert wird. Der Leser wird geradezu in den Lebenskreis dieses seltsamen Wesens hineingezwungen. Man darf nach diesem Anfang mit grossem Interesse den weiteren Enthüllungen aus »Aphroditens Garten« entgegensehen, und insbesondere sollte niemand, der Interesse für die moderne Frauenbewegung hat, diese künstlerischen Ergüsse einer der modernsten Frauen der Gegenwart ungelesen lassen.«

»Deutsche Tageszeitung«, Wien.

Von derselben Verfasserin erscheint Ende 1902:

Auf weiten Flügeln

Novellensammlung:

Judas -- In der Frühe -- Heimatlose Nachtigall -- Die beiden Karren -- Um der Glorie willen .....

Preis brosch. M. 2,50, geb. M. 3,50

Zwei neue wichtige Publikationen zum Thema der #Frauenfrage und Mädchenerziehung#

Louis Frank -- Dr. Keifer -- Louis Maingie:

Die Versicherung der Mütter

Autorisierte deutsche Ausgabe besorgt von

Nina Carnegie Mardon

Preis brosch. M. 2,--

Die Notwendigkeit eines Schutzes für die Frauen der arbeitenden Klassen während und nach ihrer Schwangerschaft wird in dieser Schrift zum ersten Mal in wissenschaftlich begründeter Weise nachgewiesen. An der Hand eines reichen statistischen Materials wird die Unhaltbarkeit der bisherigen Zustände und ihre Gemeingefährlichkeit für das Leben der Gesamtheit dargethan, sodann die Möglichkeit gezeigt, durch Begründung einer Versicherung diesen beklagenswerten Missständen abzuhelfen und den Müttern für eine bestimmte Zeit Freiheit von der Last der Arbeit und die notwendigen Subsistenzmittel zu gewährleisten. Das Wesen und die Ausführbarkeit dieser Versicherung wird bis in ihre kleinsten technischen Einzelheiten dargethan. Die sociale Gesetzgebung wird, früher oder später, mit Notwendigkeit zu den hier entwickelten Gesichtspunkten hingeführt werden müssen, wenn anders das Wort von dem stetigen Fortschritt der Kultur keine blosse Phrase bleiben soll.

Eine Mutterpflicht

Beiträge zur sexuellen Erziehung von

E. Stiehl

2. Auflage. Preis 50 Pf.