China und Japan: Erlebnisse, Studien, Beobachtungen
Part 74
„Die europäischen Mächte zeigen bereits Anzeichen des Verfalles, und das kommende Jahrhundert wird Zeuge sein von der Zertrümmerung ihrer Verfassung und dem Auflösen ihrer Reiche. Selbst wenn das nicht eintreten sollte, werden ihre Hilfsquellen durch die erfolglosen Versuche zur Kolonisation aufgebraucht sein. Wer soll dann ihr Nachfolger werden, wenn nicht wir? Welcher Staat, ausgenommen Deutschland, Rußland, Frankreich, Oesterreich und Italien, kann binnen einem Monat 200000 Mann ins Feld stellen? In Bezug auf intellektuelle Kraft ist der Japaner den Europäern in jeder Hinsicht gewachsen, ja, noch mehr. Haben die Japaner nicht die Vervollkommnung einer Erfindung zuwege gebracht, welche den Europäern trotz jahrelanger Arbeit nicht gelang? Unser Volk setzt durch die Vorzüge seiner Arbeit sogar das erste Arbeitsvolk, die Franzosen, in Erstaunen. Wahr ist es, unser Volk ist klein von Statur, aber die Ueberlegenheit des Körpers beruht nicht auf der Größe, sondern auf der Konstitution. Ist die Revision der Verträge vollzogen, und hat Japan China besiegt, dann sollten wir eine der ersten Großmächte der Welt werden, und keine andere Macht könnte sich in irgend eine Unternehmung einlassen, ohne zuerst uns zu befragen. Japan könnte dann mit Europa in Wettbewerb treten als der Vertreter der orientalischen Rassen.”
Diese Sätze geben viel zu denken, zumal die für Europa so ungünstigen Vertragsbestimmungen zur Einführung gekommen sind, und der Krieg mit China in der That den Japanern die leitende Stellung in Ostasien gegeben hat. Schon denkt es an das von Okuma angedeutete, wenn nicht klar ausgesprochene Zusammengehen der orientalischen Rassen, denn erst kürzlich drang die Nachricht zu uns nach Europa, daß Japan sich um den Abschluß eines Bündnisses mit China bemüht. Dieses ist durch das Einschreiten Rußlands vorläufig verhindert worden, aber schon der Versuch allein sollte dem Europäer zu denken geben. Schon haben beachtenswerte Gelehrte wiederholt die Ansicht ausgesprochen, daß unser Erdball niemals ganz durch das Abendland beherrscht werden wird und daß die Zukunft den orientalischen Rassen gehört, und wer diese letzteren, vor allem die Japaner und die Chinesen, kennen gelernt hat, der wird solche Ansichten leider nicht ohne weiteres von der Hand weisen können. Darüber, daß die europäischen Völker den orientalischen weitaus überlegen sind, herrscht wohl nirgends ein Zweifel, ebenso wahr ist es aber auch, daß die orientalischen Völker die fähigsten zum Ueberleben sind. Schon in der gewöhnlichen Lebenskraft stehen die abendländischen Völker weit hinter den Orientalen zurück. Die letzteren haben sich unsere so teuer erkauften Erfindungen und Errungenschaften ohne irgend welche Gegenleistung angeeignet und verwenden sie, ohne auch nur entfernt unsere Bedürfnisse zu haben. Der Lebensunterhalt eines Abendländers genügt für mindestens ein Dutzend Orientalen. Unser Lebens- und Ernährungsprozeß ist viel zu kostspielig, als daß wir in einem künftigen Wettlaufe mit den jetzt schon viel zahlreicheren Orientalen dort ganz sicher als Sieger hervorgehen sollen. Gerade in den künstlichen und kostspieligen Verhältnissen, welche mit unserer Ueberlegenheit verbunden sind, liegt unsere Schwäche. Wohl wird demgegenüber entgegnet, daß, je mehr die Orientalen sich unserer Kultur ergeben, auch ihre Bedürfnisse sich in demselben Maße steigern werden, wie es thatsächlich schon in Japan der Fall ist. Aber bleiben wir denn in dieser Hinsicht stehen? Steigern sich nicht auch vielleicht in noch größerem Verhältnis unsere Bedürfnisse? Man braucht nur an die Zeit unserer eigenen Väter zu denken, um zu sehen, wie sich unsere ganzen Lebensbedingungen verbessert, aber auch entsprechend verteuert haben, und wird das, wie bisher, nicht auch in Zukunft der Fall sein?
Die durch die Verträge mit Japan anerkannte Gleichstellung der Europäer mit den Japanern, die Unterstellung der ersteren unter die Gesetze der letzteren, die vermehrten Handelsbeziehungen mit Ostasien, die immer steigende industrielle Thätigkeit des Abendlandes und dementsprechend auch das Bedürfnis immer größerer Absatzgebiete, die Erwerbung von Kolonien in China und im Stillen Ozean und damit auch die gefährliche Nachbarschaft eines Reiches wie Japan bringt die vorhin ausgesprochenen Fragen der Gegenwart immer nachdrücklicher vor Augen. Nicht nur Ostasien ist in den Vordergrund gerückt, auch die Ostasiaten sind es, und es ist deshalb keineswegs zwecklos, noch einmal in die Warnungstrompete zu stoßen. Ein bißchen weniger Vertrauensseligkeit in Bezug auf die Orientalen wäre gewiß von größtem Nutzen. Man hat bisher wohl sehr viel mit den ostasiatischen Reichen sich beschäftigt, aber wenig mit dem eigenartigen, verschlossenen, schwer zu erfassenden Charakter ihrer Völker.
Verzeichnis der vom Verfasser benutzten Werke.
~S. Wells Williams „The Middle Kingdom”. C. F. Gordon Cumming „Wanderings in China”. Archdeacon Moule „New China and old”. Chester Holcombe „The real Chinaman”. Dyer Ball „Things chinese”. W. Spencer Percival „The Land of the Dragon”. Knollys „English Life in China”. Leon Rousset „A travers la Chine”. Eugen Simon „La Cité chinoise”. Griffis „The Mikado’s Empire”. Douglas Sladen „The Japs at home”. W. T. Finck „Lotostime in Japan”. Henry Normann „The Real Japan”. Chamberlain „Things Japanese”. Alice Bacon „Japanese girls and woman”. Alice Bacon „A Japanese Interior”. de Riseis „Giappone moderno”. Morse „Japanese Homes”. Knollys „Sketches of Life in Japan”. Scydmore „Jinrikishaw days in Japan”. Ch. Loonen „Le Japon moderne”. Comte Dalmas „Les Japonais”. „Ostasiatischer Lloyd”. „Pekinger Staatszeitung”. „North China Daily News”. „North China Herald”. „Eastern World” „Japan Daily Mail”. Ernst v. Hesse-Wartegg „Schantung und Deutsch-China” (Leipzig, J. J. Weber). „Journal of the China Branch of the Royal Asiatic Society”.~
Die chinesischen Illustrationen wurden großenteils nach photographischen Aufnahmen des Verfassers, ferner nach Photographien von D. K. Griffith in Hongkong, Kae Hing in Hongkong und Sze Yuen Ming & Co., 42 Nanking Road, Shanghai hergestellt. Besonders das letztgenannte Haus besitzt eine sehr große Auswahl chinesischer Photographien zu billigen Preisen und kann besonders empfohlen werden. -- Die Photographien für die japanischen Illustrationen wurden teilweise von Kelly & Walsh, Buchhändler, Yokohama bezogen.
Verzeichnis geographischer Werke des Verfassers.
+Siam+, das Reich des weißen Elefanten. Leipzig, J. J. Weber, 1899. Preis 15 Mark.
+Schantung und Deutsch-China.+ Leipzig, J. J. Weber, 1899. Preis 14 Mark.
+Korea+, eine Sommerreise in das Land der Morgenruhe. Leipzig, Carl Reißner. Preis 7 Mark.
+Tausend und ein Tag im Occident.+ Leipzig, Carl Reißner. 2 Bände. 2. Auflage. Preis 6 Mark.
+Kuriosa aus der Neuen Welt.+ Leipzig, Carl Reißner. Preis 5 Mark.
+Andalusien+ und ein Ausflug nach Marokko. Leipzig, Carl Reißner. Preis 8 Mark.
+Mississippifahrten.+ Reisebilder aus dem amerikanischen Süden. Leipzig, Carl Reißner. Preis 8 Mark.
+Prairiefahrten.+ Leipzig, Gustav Weigel. Preis 3 Mark.
+Nordamerika+, seine Städte und Naturwunder, Land und Leute. 2. Auflage. 4 Bände. Leipzig, Gustav Weigel. Preis 20 Mark.
+Canada und Neufundland.+ Freiburg i. B., Herders Verlag. Preis 8 Mark.
+Mexiko+, Land und Leute. Wien, C. Hölzels Verlag. Preis 10 Mark.
+Tunis.+ Wien, Hartlebens Verlag. Preis 8 Mark.
+Chicago+, eine Weltstadt im amerikanischen Westen. Stuttgart, Union, Deutsche Verlagsanstalt. Preis 4 Mark.
Zu beziehen durch alle Buchhandlungen.
Druck von J. J. Weber in Leipzig.
Verlag von J. J. Weber in Leipzig
Schantung und Deutsch-China
Von Kiautschou ins heilige Land von China und vom Jangtsekiang nach Peking. Von =E. v. Hesse-Wartegg=.
Mit 145 in den Text gedruckten und 17 Tafeln Abbildungen, 6 Beilagen und 3 Karten. Preis kartoniert 14 Mark. In Originaleinband (mandarinblaues Leder mit aufgepresstem Mandarinbrustschild in Gold, Silber und vier Farben) 18 Mark.
Ernst v. Hesse-Wartegg konnte dem deutschen Leser keine willkommenere Gabe bringen als das Ergebnis seiner neuesten Reise nach China. Kein Land des Erdballes steht heute so sehr im Vordergrunde der allgemeinen Aufmerksamkeit wie das Reich der Mitte. Kein Land ist für den deutschen Leser, aber ebenso auch für den deutschen Kaufmann, den Industriellen, den Soldaten und Seemann von so grosser Wichtigkeit. Die Erschliessung Chinas, die Ernst v. Hesse-Wartegg seit Jahren in Zeitungsartikeln und zahlreichen Vorträgen befürwortet hat, ist erfolgt. Das Deutsche Reich hat sich in thatkräftiger Weise seinen Anteil daran gesichert und mit Kiautschou eine Eingangspforte, einen Stützpunkt gewonnen, der für die Entwickelung der deutschen Beziehungen in Ostasien von grösster Wichtigkeit ist.
Norddeutscher Lloyd, Bremen
Dampfschiffahrts-Gesellschaft.
Der Norddeutsche Lloyd unterhält ausser regelmässigen Schnell- und Postdampferverbindungen nach Nord- und Südamerika folgende
Reichspostdampferlinien:
a) ~Bremen -- Ostasien.~ Reiseweg: Bremen bezw. Hamburg, Rotterdam, Antwerpen, Southampton, Genua, Neapel, Port-Said, Suez, Aden, Colombo, Penang, Singapore, Hongkong, Shanghai, Nagasaki, Hiogo, Yokohama (direkt). Abfahrten alle 14 Tage Dienstags oder Mittwochs.
b) ~Bremen -- Australien.~ Reiseweg: Bremen, Antwerpen, Southampton, Genua, Neapel, Port-Said, Suez, Aden, Colombo, Freemantle, Adelaide, Melbourne, Sydney. Abfahrten alle 4 Wochen, abwechselnd mit der ostasiatischen Linie.
Zweiglinien:
a) ~Singapore, Batavia, Macassar, Neu-Guinea, Sydney.~ Alle 12 Wochen anschliessend an die entsprechenden Dampfer der ostasiatischen Hauptlinie.
b) ~Hongkong -- Sydney.~ Reiseweg: Hongkong, Saipan (Marianneninseln), Ponape (Karolineninseln), Neu-Guinea, Rockhampton, Brisbane, Sydney. Alle 12 Wochen anschliessend an die entsprechenden Dampfer der Hauptlinien.
Anschlussverbindungen:
Penang -- Deli Penang -- Rangoon Singapore -- Deli Singapore -- Bangkok Singapore -- Borneo Singapore -- Batavia Hongkong -- Swatow Hongkong -- Bangkok Shanghai -- Hankow Shanghai -- Kiautschou Shanghai -- Tschifu Shanghai -- Tsientsin.
~Bremen -- Ostasien~, Frachtdampferlinie. Abfahrten laut besonderem Fahrplan.
Nähere Auskunft erteilt der =Norddeutsche Lloyd, Bremen=.
Verlag von J. J. Weber in Leipzig
Siam
das Reich des weissen Elefanten von =E. v. Hesse-Wartegg=.
Mit 120 in den Text gedruckten und 18 Tafeln Abbildungen, sowie einer Karte von Siam. Preis geheftet 12 Mk., in Originaleinband 15 Mk.
Das ganze Wunderland des weissen Elefanten, die feenhafte Pracht seines Königshofes, die fremdartigen an die Märchen aus „Tausend und eine Nacht” erinnernden Festlichkeiten, das Leben und Treiben der Siamesen, der seltsame Buddhistenkultus mit seinen Hunderttausenden von Priestern, die grauenhaften Totengebräuche, Aberglaube, Geisterfurcht und Gottesgerichte, daneben Jagden, Theater und Vergnügungen, alles das wird von Hesse-Wartegg mit Meisterhand in fesselndster Weise dargestellt; dann folgen Schilderungen der Landesprodukte, des Handels und Verkehrs und hochwichtige Bemerkungen für die Sicherung und Ausbreitung des deutschen Handels.
HAMBURG-AMERIKA-LINIE
Direkter deutscher Post- und Schnelldampferdienst.
Hamburg-Neuyork Hamburg-Mexiko Hamburg-Frankreich Hamburg-Canada Hamburg-Belgien Hamburg-Ostasien Hamburg-England Hamburg-Nordbrasilien Hamburg-Portland Genua-La Plata Hamburg-Baltimore Stettin-Neuyork Hamburg-Boston Neuyork-Mittelmeer Hamburg-Philadelphia Neuyork-Ostasien Hamburg-Galveston Neuyork-Westindien Hamburg-New-Orleans Orientfahrten Hamburg-Venezuela Nordlandfahrten Hamburg-Westindien
ferner mit den Dampfern der Deutschen Ostafrika-Linie: =Hamburg-Ostafrika=
und mit den Dampfern der Hamburg-Südamerikanischen D.-G.: =Hamburg-Brasilien, Hamburg-Argentinien, Hamburg-Uruguay.=
Hamburg-Neuyork via Southampton und Cherbourg Schnelldampferdienst.
Nähere Auskunft erteilt die
HAMBURG-AMERIKA-LINIE, Abteilung Personenverkehr Hamburg, Dovenfleth 18-21
sowie deren Vertreter.
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