Carl Scharnhorst. Abenteuer eines deutschen Knaben in Amerika.

Part 18

Chapter 183,728 wordsPublic domain

»Wir haben aber gut gefochten, die Teufel scheinen alle drei todt zu sein; es sind Waco's, die allerschlechtesten, allergefährlichsten Indianer von allen. Wir wollen uns aber doch zum Andenken ihre Waffen und ihren Schmuck zueignen, und dann eilen, daß wir nach Hause kommen, sie werden im Fort besorgt um uns sein,« sagte Daniel, indem er die Kugeln in seine Büchse trieb und dann Zündhütchen aufsetzte. Zuerst gingen die Kampfgenossen nun zu dem zuletzt erlegten Indianer, und fanden ihn todt auf dem Gesicht liegend. Die Kugel war ihm in den Hinterkopf eingedrungen.

»Es war weit, deswegen hielt ich etwas hoch, ich habe aber ziemlich gut die gerade Linie gehalten; es war mein schlechtester Schuß nicht,« sagte der Neger, indem er dem Erschossenen die Kugeltasche, den Tomahawk und den Schmuck abnahm, der in metallenen Armringen, Ohrringen und einem Halsband aus Muscheln bestand. Dann ergriff er dessen Büchse und sagte:

»Sieh, der Lump hat nicht einmal nach uns gefeuert, die Büchse ist noch geladen.«

»Warum riefest Du ihm denn zu, ob er einmal von einem schwarzen Panther gehört habe?« fragte Carl, auf den Todten blickend.

»Ja so -- o, das ist nur so eine Redensart unter den Indianern,« antwortete Daniel sichtbarlich verlegen, und ging seinem Gefährten voran zu dem zuerst Gefallenen, dem die Kugel durch die Stirn gedrungen war. Sie nahmen ihm gleichfalls Waffen und Schmuck ab. Auch den durch Carl erlegten Wilden fanden sie todt, er war durch den Rücken geschossen. Carl belud sich mit dessen Waffen, während Daniel dessen Schmuck zu sich nahm, und beide begaben sich dann zu dem Biber, welchem der Neger die Drüsen mit Bibergeil ausschnitt. Darauf band er ihm einen Busch an den Schwanz und warf ihn in das Wasser, so daß der Busch aus demselben hervorsah; denn es war zu spät, um ihm die Haut abzunehmen, die Daniel jedoch am folgenden Tage holen wollte. Die Dunkelheit war schon hereingebrochen, als die beiden Jäger die Prairie erreichten, der neue Mond stand aber am Himmel, und sein mattes Licht war hinreichend, den Heimkehrenden das Gehen zu erleichtern. Sehr ermüdet langten sie beim Fort an und wurden durch das Bellen der Hunde dessen Bewohnern schon von Weitem angemeldet.

Als sie das Thor erreichten, hatte Turner dasselbe bereits geöffnet und trat ihnen mit einem »Gottlob« entgegen.

»Wo seid Ihr denn so lange geblieben? wir waren wirklich in Sorgen um Euch,« sagte er, als sie durch das Thor einschritten, »das Wasser ist aber aus dem Felde verschwunden; was war denn die Ursache von der Ueberschwemmung?«.

»Eine Bibercolonie hatte in dem Pflaumenbach einen Damm gebaut, den wir ihnen zum Aerger zerstört haben,« antwortete Daniel.

»Was habt Ihr denn da für Büchsen und sonst für Sachen?« fragte Turner jetzt verwundert, da der Schein des Lichtes, womit Madame Turner in die Hausthür trat, auf die beiden Jäger fiel.

»Wir haben sie von drei Waco-Indianern zum Geschenk erhalten, wenn auch gegen ihren Willen,« entgegnete Daniel und setzte lachend hinzu, »nein, wir haben sie von ihnen geerbt.«

»Mein Gott, Ihr habt doch wohl nicht mit Indianern gefochten?« sagte Madame Turner erschrocken.

»Und ganz gut gefochten,« antwortete der Neger, indem er im Zimmer die Büchsen an die Wand stellte und die andere Beute dabei niederlegte. »Wir hatten fünf gegen uns zwei und haben drei von ihnen erschossen; die beiden anderen mögen es ihren Kameraden als Warnung erzählen.«

Nun wurden theils durch Daniel, theils durch Carl die Begebenheiten mitgetheilt, wobei den Lippen der Madame Turner und Juliens manches »Ach und Oh« entfuhr.

»Die Hand des Allmächtigen hat über Euch gewacht, er sei gepriesen und gelobt,« sagte Turner, als die Erzählung zu Ende war, und Madame Turner trocknete unbemerkt die Thränen des stillen innigsten Dankes, die ihr in die Augen getreten waren.

»Wenn die Ueberschwemmung nur unserm Mais keinen Schaden gethan hat,« nahm Turner wieder das Wort, nachdem die Angelegenheit mit den Indianern lange Zeit besprochen war.

»Im Gegentheil, er wird um so kräftiger emporschießen, das Wasser hat ihn nur erfrischt,« entgegnete der Neger. »Da fällt mir ein: ich will Abends, wenn wir das Fort schließen, immer das Kanoe bis zu dem Felsstück hier unter dem Abhange rudern und auf der Leiter heraufsteigen; es könnte das Schiff uns leicht durch die Indianer gestohlen oder zerstört werden, und außerdem hat man es auch zur Hand, wenn man, wovor uns der Himmel bewahren mag, dasselbe einmal zur Flucht nöthig haben sollte.«

Am folgenden Morgen, als Madame Turner zum Frühstück rief, hatte der Neger schon einen Ritt gemacht und den Biber geholt. Nachdem er ihm das prächtige Fell abgenommen und ihn sauber ausgeweidet hatte, übergab er ihn der Hausfrau als einen vortrefflichen Braten, und bezeichnete dessen Schwanz als einen ganz besondern Leckerbissen. Madame Turner hatte ihr Bedenken dabei, ihn zuzubereiten, und meinte, das Thier habe ganz das Aussehen einer großen Ratte; auf Daniels Versicherung und Carls Zureden jedoch versprach sie, dasselbe auf den Tisch zu bringen.

Das Bibergeil nahm der Neger aus den Drüsen, that es in eine kleine Bouteille, goß nur sehr wenig Cognac hinzu und verstopfte das Glas fest. Nach dem Frühstück bestieg er sein Pferd, um nach dem Choctawbache zu reiten und von den dortigen Ansiedlern Biberfallen zu borgen. Carl hätte ihn sehr gern dorthin begleitet, doch als Madame Turner ihn bittend fragte:

»Willst Du denn mit Daniel reiten?« verzichten er sofort darauf und erwiederte:

»O nein, es wird nicht nöthig sein, Daniel wird wohl allein die Fallen herüberschaffen können.«

Er benutzte den Tag, um für seine Tante in dem Garten einige Beete mit Gemüsen zu bestellen und für Julien ein Gestell zu einer Laube aufzuschlagen, um welche er dann prächtig blühende Schlinggewächse pflanzte, die er zu diesem Zwecke gelegentlich aus dem Walde mitgebracht hatte.

Abschnitt 6.

Biberfang. -- Die Bärin. -- Der graue Bär. -- Der Prairiebrand. -- Der wilde Rappenhengst.

Noch vor Sonnenuntergang kehrte Daniel zurück und zwar mit acht eisernen Fallen, sogenannten Tellereisen, die um seinen Sattel herumhingen. Mit großer Bereitwilligkeit hatten die Ansiedler am Choctawbache ihm dieselben zum Gebrauch überlassen, zumal da die Biber aus jener Gegend schon verschwunden waren. Die Nachricht von dem Sieg Daniels und Carls über die Waco-Indianer war in der Niederlassung mit Jubel aufgenommen worden, ganz besonders aber hatten Warwicks sich darüber gefreut, weil, wie der alte Herr sagte, die Rothhäute eine gute Lehre dadurch erhalten hätten und nun sobald nicht wieder kommen würden. Die Fallen setzte der Neger sogleich sämmtlich in guten Stand und ölte sie ein, um am folgenden Tage die Jagd damit zu beginnen. Nachdem die Pferde getränkt und in ihr Nachtquartier gebracht worden waren, ruderte Daniel das Kanoe bis an das Felsstück unter dem Abhange, stieg von da auf der Leiter in das Fort und zog dieselbe dann wieder zu sich herauf.

Der folgende Tag wurde Carl sowohl, wie auch Arnold und Wilhelm unendlich lang, denn erst gegen Abend wollte Daniel nach dem Pflaumenbache reiten, um die Fallen zu legen, und den beiden jüngeren Knaben war es versprochen, mit dabei zu sein. Endlich sattelte der Neger sein Pferd, Carl folgte seinem Beispiel und für Arnold und Wilhelm wurden die beiden Schimmel aufgezäumt. Die vier Reiter vertheilten die Fallen unter sich und hingen sie an ihre Sättel und dann ritten sie vergnügt davon, während Turner das Thor verschloß. Es war verabredet worden, daß einige Schüsse vom Fort her als Aufforderung zur eiligen Rückkehr nach demselben gelten sollten, denn der Wind stand nach dem Pflaumenbache hin, so daß man den Knall eines Gewehrs sicher dort hören konnte.

Bald hatten die Reiter den Bach erreicht, da wo Daniel den Biber geschossen hatte, die todten Indianer aber waren verschwunden. Die Pferde wurden schnell an Bäume befestigt, worauf der Neger mit dem Legen der Fallen begann. Er versenkte sie aufgestellt an dem Ufer in das Wasser und zwar an solchen Stellen, wo dieses nicht mehr als einen halben Fuß tief war. Dann nahm er ein dünnes Reis, tauchte dessen eines Ende in das Bibergeil und steckte es mit dem andern Ende so in das Ufer, daß die angefeuchtete Spitze gerade über der Falle auf den Wasserspiegel zeigte. An jede Falle hatte Daniel einen Strick gebunden und an dessen Ende einen Busch, den er auf das Ufer legte. Wenn nun in der Nacht ein Biber auf den Wasserspiegel kam und das Bibergeil witterte, so lockte dies denselben zu sich heran, er kam bis über die Falle geschwommen, trat auf dieselbe und mußte an dem Fuße gefangen werden. Nach Verlauf von einer halben Stunde waren sämmtliche Fallen in Entfernungen von etwa funfzig Schritt gelegt und die Jäger begaben sich in gespannter Erwartung, wie viele Biber sich wohl fangen würden, auf den Heimweg. Gleich nach Sonnenuntergang langten sie schon wieder im Fort an, und Abends bei verschiedener Beschäftigung um den großen Tisch wurde von Nichts als von den Bibern gesprochen, deren Felle so sehr werthvoll waren.

Daniel sagte voraus, daß ganz gewiß in jeder Falle ein Biber sitzen würde und daß er binnen einer Woche die ganze Colonie auszufangen gedenke.

Kaum graute der Tag, als die vier Reiter abermals zu Rosse waren und in Galopp dem Pflaumenbache zujagten.

Die Knaben nahmen sich dort nicht einmal Zeit, die Pferde anzubinden, sondern baten Daniel, dies für sie zu thun, während sie selbst zu der ersten Falle liefen, und gleich den Busch auf dem Ufer vermißten. Er schwamm unweit des Biberhauses auf dem Wasser, also mußte die Falle von dem Gefangenen dorthin gezogen sein. Daniel kam nun mit einem sehr langen Stock, an dessen Ende er einen hölzernen Haken befestigt hatte, und zog mit demselben den schwimmenden Busch zu sich heran. Dieser wurde nun auf das Ufer gezogen und als die Falle an dem Strick folgte, hing wirklich ein todter Biber darin. Er hatte sich an einem Vorderfuß gefangen, war mit der Falle in die Tiefe getaucht und hatte sich heftig gegen dieselbe gewehrt; denn seine Bisse waren an dem Eisen zu sehen und die Schärfe seiner Zähne war abgebrochen. Das schwere Eisen hatte ihn in der Tiefe gehalten und ihn ertränkt; denn der Biber kann nur eine gewisse Zeit der Luft entbehren. Der Jubel der Knaben war grenzenlos und mit größter Erwartung rannten sie zu der zweiten Falle, die sie gleichfalls entführt fanden. Mit ihr aber kam kein Biber, sondern eine Otter hervor, denn auch diese Thiere werden durch Bibergeil herangelockt.

So ging es nun von einer Falle zur andern, und wie es der Neger vorher gesagt hatte, so saß in jedem der Eisen ein Biber. Sieben dieser werthvollen Thiere, deren Felle zu jeder Jahreszeit vollkommen gut im Haare sind, und eine Otter waren die reiche Beute der verflossenen Nacht, und mit neuen Hoffnungen wurden die Fallen wieder aufgestellt.

Die nächste Nacht lieferte nur vier Biber als Beute, und Daniel und Carl, welche diesmal allein hinausgeritten waren, um die Fallen zu untersuchen, wählten andere Plätze für dieselben, so daß die letzte Falle in der Nähe des zerstörten Dammes zu stehen kam. Als sie am andern Morgen abermals hinausritten, um nach dem Fang zu sehen, trennten sie sich, ehe sie den Pflaumenbach erreichten; Carl nahm die gerade Richtung nach dem Damme hin, und der Neger ritt nach dem kleinen See, den der Bach oberhalb bildete. Carl drang auf einem alten, wenig benutzten Büffelpfad in den Wald ein, der nach dem Biberdamme zu führen schien, aber sehr mit Ranken und Büschen überwachsen war, so daß der junge Jäger viele Mühe hatte, sich den Weg zu bahnen. Bald aber wurde dieser freier und der Falbe schritt rascher vorwärts, als sein Reiter ihn anhielt, weil vor ihm ein alter umgefallener Kiefernbaum den Pfad versperrte.

Die Entfernung bis zu demselben betrug nicht mehr als zwanzig Schritte, und Carl schaute sich links und rechts um, auf welcher Seite er wohl am leichtesten den Baum umreiten könne. In diesem Augenblicke erhob sich an der andern Seite des Stammes eine große Masse von Kiefernbüschen und trockenem Laube, es bewegte sich darin, rauschte und brach, und in der Mitte der verworrenen dunkeln Masse kam plötzlich der Kopf eines riesigen schwarzen Bären zum Vorschein. Carl hatte bei der Bewegung, die er hinter dem Stamme bemerkte, die Büchse erhoben und darauf hingerichtet, und kaum erschien der von ihm abgewandte Kopf des Ungeheuers, so gab er Feuer. Mit dem Knall der Büchse versank die ganze erhobene Masse, und Carl warf sein Pferd herum und jagte auf dem Pfade zurück, so schnell, als er sich in dem Dickicht durchwinden konnte, nach der Prairie hinaus. Er lauschte und lauschte, kein verdächtiger Ton aber drang zu seinem Ohr, dennoch wollte er es nicht wagen, ohne Daniel in den Wald zurück zu reiten.

Nicht lange hatte er aber gewartet, als die laute Stimme des Negers aus dem Holze her dringend seinen Namen rief, worauf er ihm mit allen Kräften antwortete. Nach wenigen Minuten wand Daniel sich zu Fuß aus dem Dickicht hervor und rief seinem jungen Freunde ganz außer Athem zu:

»Gottlob, daß meine Angst unbegründet war; als ich Ihren Schuß hörte, fielen mir die verhaßten Waco's ein, und es ergriff mich die Furcht, sie könnten nach Ihnen geschossen haben. Ich ließ mein Pferd zurück, weil ich nicht damit durch die Dickung dringen konnte und bin wirklich schneller hier angelangt, als ich glaubte, daß es möglich sei. Wonach haben Sie denn geschossen?«

»Nach einem sehr großen Bären; er stand vor mir aus dem Laube unter einem umgefallenen Baumstamme auf, und als ich seinen Kopf sah, gab ich Feuer. Dann bin ich fortgejagt, und habe nichts weiter von dem Thiere gehört,« entgegnete Carl.

»Nun, der wird auch wohl nicht viel mehr von sich hören lassen. Sie werden ihn wahrscheinlich aus seinem Winterschlafe geweckt haben, denn es ist jetzt die Schlafzeit der Bären, und hätten Sie ihn nicht tödtlich getroffen, so sollte er wohl bald hinter Ihnen gewesen sein. Wir wollen ihn aufsuchen, folgen Sie mir nur nach.«

Mit diesen Worten spannte Daniel seine Büchse und schritt rasch auf dem Büffelpfad durch das Dickicht hin, indem er mit seinem Jagdmesser die Ranken für den ihm folgenden Carl aus dem Wege hieb.

»Dort liegt der Baum, Daniel, nimm Dich in Acht,« rief Carl diesem zu, und machte gleichfalls seine Büchse zum Schuß bereit; doch der Neger rief lachend aus:

»Sie haben dem Freund Urian einen zu starken Schlaftrunk eingegeben, als daß er noch einmal aus seinem Pallast hervorschauen sollte. Bleiben Sie dort zurück, ich will mich um den Baum herumschleichen und sehen, wo der Eingang ist.«

Hiermit sprang Daniel in das Dickicht hinein und erschien gleich nachher auf der andern Seite des Baumes in einiger Entfernung von demselben.

»Es scheint unter dem Stamme eine Höhle zu sein, die mit trockenen Kiefernzweigen bedeckt ist,« rief er seinem Gefährten zu, warf dann mit den Worten, »Hallo, Bursche, ists gefällig aufzustehen?« ein Stück Holz gegen den Stamm.

»Wahrhaftig, es bewegt sich unter dem Reisig!« rief er aus, und erhob die Büchse. Nach einer Weile gespannter Aufmerksamkeit aber sagte er:

»Wissen Sie, was ich glaube? Sie haben eine alte Bärin geschossen, und die Jungen sind es, die in dem Laube herumspringen. Wir wollen es bald genau wissen.«

Hierauf trat der Neger nahe zu dem Baume hin und blickte mit vorgehaltener Büchse durch die Kiefernzweige.

»Richtig, wie ich Ihnen sagte, hier schaut eine Hintertatze der Alten hervor, sie liegt auf dem Rücken und zwei ganz kleine Bären sitzen auf ihr. Die wollen wir lebendig mitnehmen, sie werden Ihnen tausend Spaß machen, denn es sind allerliebste Thierchen.«

Indem Daniel dies sagte, stellte er seine Büchse an den Baum und beugte sich in die Vertiefung unter denselben, aus welcher er zwei kleine Bären hervorhob, die nicht viel größer als Kaninchen waren. Carl war vom Pferde gesprungen und zu Daniel hingeeilt, wo er laut aufjauchzte, als er die niedlichen Thiere erblickte, die ganz zutraulich seinen Finger in das Maul nahmen und daran sogen. Sein Gefährte räumte nun die Zweige und das Laub hinweg, worauf die ganze Bärin sichtbar wurde. Carl mußte ihm behülflich sein, dieselbe aus ihrem Lager hervorzuziehen, wobei Beide alle ihre Kräfte anzuwenden hatten.

Es war ein ungeheures Thier, welches wenigstens siebenhundert Pfund wog.

Carls Kugel war ihm von hinten in den Schädel eingedrungen. Daniel ging nun allein nach dem Bach, um die Fallen zu untersuchen, während Carl bei den kleinen Bären blieb, damit sie nicht abhanden kommen möchten. Nach Verlauf von einer Stunde kehrte der Neger seinem Gefährten zurück, indem er sein Pferd leitete, an dessen Sattelknopf vier gefangene Biber hingen. Dieselben wurden nun neben die Bärin gelegt, ein Tuch wurde über ihnen aufgehangen, um Raubthiere davon abzuhalten, und dann bestiegen die Jäger ihre Pferde, indem ein Jeder von ihnen einen kleinen Bären in den Arm nahm. So langten sie denn glücklich in dem Fort an, wo die verwaisten Kleinen große Freude erzeugten, und durch ihre Zutraulichkeit und ihr spaßiges Wesen das Mitleid Madame Turners, so wie Juliens erweckten. Daniel spannte schnell die Schimmel vor den leichten Wagen und fuhr mit Carl nach dem Waldsaume am Pflaumenbach zurück, um die Beute nach dem Fort zu schaffen. Dort nahm er eines der Pferde vom Wagen, führte es in den Wald zu dem Bären, und ließ diesen durch dasselbe nach der Prairie schleifen. Mit großer Anstrengung wurde das schwere Thier endlich aufgeladen, Daniel holte noch die Biber herbei, und nach Verlauf von einer halben Stunde langten sie wohlbehalten in dem Fort an. Das kostbare Fett des Bären war Madame Turner sehr willkommen, das Fleisch desselben wurde gesalzen und geräuchert, und die ungeheure Haut ward getrocknet, um dann als Decke unter dem Tisch im Wohnzimmer zu dienen.

Wie es Daniel vorhergesagt hatte, so war im Laufe von zwei Wochen die ganze Bibercolonie ausgefangen. Vierunddreißig Biber waren erlegt, und nirgends mehr war eine Spur von einem solchen Thiere zu entdecken. Der Werth der erbeuteten und sauber getrockneten Felle betrug gegen zweihundert Dollar, welche Warwick dafür an Turner bezahlte, um selbst noch beim Verkauf an einen Pelzhändler einen kleinen Nutzen daran zu machen.

Dem Maisfeld hatte die Ueberschwemmung augenscheinlich wohl gethan, denn die Pflanzen schossen ungemein kräftig empor. Die Freude und das Glück der Ansiedler über diese herrliche Aussicht für ihre erste Ernte war unbeschreiblich, denn sie nahm ihnen jede Nahrungssorge für ihre Zukunft. Zwischen die Reihen der Maisstauden hatten die Kolonisten süße Kartoffeln, Bohnen, Kürbisse und Melonen gelegt, so daß die Ernte eine überreiche und vielseitige zu werden versprach.

»Könnten wir doch den armen Leuten in unserer alten Heimath unsern Ueberfluß an Lebensmitteln und an Holz abgeben,« sagte Turner eines Abends, als sie Alle um den Tisch herum saßen. »Der Segen in diesem Lande ist doch unglaublich. Jetzt liegt in Deutschland die Natur noch im Winterschlafe, und die Felder sind wahrscheinlich mit einer Schneedecke überzogen; wir dagegen holen uns täglich frische Gemüse aus dem Garten, und diejenigen Bäume und Sträuche, welche vor wenigen Wochen das vorjährige Laub verloren hatten, treiben schon wieder junge Knospen. Und welchen Reichthum von Wild haben wir hier gefunden! Hunderte von Hirschen und Antilopen können wir fast täglich vor uns auf der Prairie weiden sehen, gar nicht der Tausende von Büffeln zu gedenken, die so häufig die Umgegend, so weit das Auge reicht, bedecken.«

»Und die Bären nicht zu vergessen,« fiel Madame Turner ein, »sie sind mir der wichtigste Artikel in meiner Haushaltung; wie wollten die armen Leute in Deutschland jeden Tropfen von deren kostbarem Oel verwenden!«

»Und doch haben die Bären hier schon abgenommen, gegen jene Zeit, als noch kein Ansiedler am Choctawbache wohnte,« fiel Daniel ein. »Ich habe häufig hier mit den Indianern, unter denen ich lebte, Jagd gemacht, und erinnere mich recht gut, daß wir ein Dutzend starke Bären in einem Tage an diesem Flusse schossen. Daher hat er ja auch seinen Namen. Auch trafen wir hier einmal einen Grisleybären an; dies fürchterliche Thier tödtete uns einen jungen Krieger, dessen Pferd es in vollem Laufe einholte und ihn dann von demselben herabzog und zerriß.«

»Das ist ja erschrecklich; jetzt giebt es doch wohl hier solche Thiere nicht mehr?« sagte Madame Turner entsetzt.

»Sie waren auch damals nur Fremdlinge in diesen flachen Gegenden. Ihre Heimath ist in den weiter westlich liegenden Gebirgen, aus denen sie im Winter, wenn dort die Nahrung spärlich wird, sich herab in die Niederungen ziehen und dann in dem Walde am rothen Flusse mitunter bis in diese Länder vordringen. Die Ansiedler aber bieten Alles auf, um ihrer gleich habhaft zu werden, denn einen gefährlichern Feind für sich selbst und für ihre Heerden giebt es nicht. Ein Grisleybär nimmt ein zweijähriges Pferd in die Arme und trägt es fort. Auch holt er jedes Pferd auf die Dauer ein; denn seine Kräfte halten länger aus, als die irgend eines andern Thieres. Ich habe Grisleybären erlegen helfen, die gegen zweitausend Pfund wogen. Der Himmel mag sie fern von uns halten, sonst wäre es bös für unser Vieh.«

»Das muß ja ein wahres Ungeheuer sein,« bemerkte Turner, »vor einem solchen Thiere wäre ja Flucht kaum möglich.«

»Außer wenn man einen Baum ersteigen kann. Der Grisleybär kann zum Glück nicht klettern,« entgegnete Daniel.

»Geht denn eine Kugel durch sein Fell?« fragte Carl.

»Das wohl, aber oft sind zwanzig Kugeln nöthig, um ihn zu tödten, wenn nicht zufällig eine gleich auf den rechten Fleck kommt,« antwortete der Neger.

»Nun, den Fleck könnte man ja wohl treffen,« bemerkte Carl lachend.

»Carl, Carl, Du wirst mir wahrhaftig zu dreist; der Himmel bewahre Dich davor, mit einem solchen entsetzlichen Thiere zusammenzutreffen,« sagte Madame Turner mit ängstlicher Betonung.

»Am sichersten ist der Schuß auf seinen Kopf, das heißt, wenn es nicht weit ist, sonst muß man ihn kurz hinter das Schulterblatt und zwar ganz tief schießen, denn das Herz des Bären liegt unten im Brustkasten,« nahm Daniel wieder das Wort, und setzte noch tröstend hinzu: »Wir werden aber wohl niemals einen solchen Besuch hier bekommen, denn der Grisleybär läßt sich nur selten in der Nähe von Ansiedelungen sehen.«

Da der Mais die Thätigkeit der Kolonisten jetzt nicht in Anspruch nahm, so benutzten dieselben die Zeit, um das Feld herum noch mehr Bäume zu tödten und das Buschwerk abzuhauen, damit sie es im kommenden Herbste vergrößern könnten. Auch fällten sie Bäume und spalteten daraus zwölf Fuß lange Holzstücke, die sie dann zur Erweiterung der Einzäunung benutzen wollten. Dies war die Ursache, daß während einer ganzen Woche Keiner von ihnen auf die Jagd gegangen und kein frisches Wildpret auf den Tisch gekommen war. Madame Turner bemerkte eines Abends beim Essen, daß sie wohl ein Stück Wild zu haben wünsche, und Carl erbot sich mit Freuden dazu, am folgenden Morgen hinauszureiten und einen Hirsch zu schießen. Arnold und Wilhelm baten, daß sie ihn begleiten dürften; worin Turner einwilligte, unter der Bedingung, daß sie sich nicht weit von dem Fort entfernen wollten.