Carl Scharnhorst. Abenteuer eines deutschen Knaben in Amerika.

Part 15

Chapter 153,803 wordsPublic domain

Die Haut wurde hierdurch sehr geschmeidig und weich, besonders nachdem Daniel sie zuletzt noch zwischen seinen Händen ganz trocken gerieben hatte. Die Hirschfelle verarbeitete er auf beiden Seiten auf dem Holze, während er die Jaguarhaut nur auf der Fleischseite rieb, da sie ja das Haar behalten sollte. Nun war das Leder fertig und so zart und weiß, wie es ein Weißgerber nicht schöner machen konnte. Damit es aber durch Naßwerden nicht wieder zusammenschrumpfen und hart werden sollte, wurde es geräuchert. Dies vollbrachte Daniel dadurch, daß er ein zwei Fuß tiefes Loch in die Erde grub, dessen obere Oeffnung die Größe der Haut hatte. Er entzündete nun in der Vertiefung ein Feuer, warf eine Menge faules Holz darauf, so daß es nur kohlte und stark rauchte, und spannte die Haut glatt darüber aus, indem er sie mit hölzernen Nägeln rundum auf den Erdboden festnagelte. Von Zeit zu Zeit lüftete er das Fell, um das Feuer mit faulem Holze zu versehen, und ließ in dieser Weise das Leder ganze zwölf Stunden räuchern, wodurch es eine schöne goldbraune Farbe bekam und vor allem Hartwerden für immer gesichert ward. Madame Turner schnitt nun aus dem Leder zwei Jacken, eine für Carl und die andere für Daniel, und übergab sie Julie zum Nähen, während sie sich des Abends selbst bei dieser Arbeit betheiligte. In gleicher Weise wurden auch bald für die beiden Jäger Beinkleider angefertigt, so daß sie auf ihren Streifzügen nicht mehr so sehr durch die Dornen zu leiden hatten, und auch für Arnold und Wilhelm verfertigte Madame Turner und Julie solche Lederanzüge. Die Jaguarhaut war Carls Stolz, sie prangte von nun an auf seinem Sattel als Decke und gewährte ihm durch ihr kurzes strammes Haar, welches den Tiger von dem Leoparden unterscheidet, einen ebenso sichern als kühlen Sitz.

Turner war täglich bemüht, seine beiden Knaben gleichfalls in dem Gebrauch der Waffen zu üben, er ließ sie nach einem Ziel schießen, und sie mußten sich auch an Wild versuchen, wenn dasselbe in die Nähe des Forts kam. Beide Knaben schossen schon sehr sicher, sowohl mit der Büchse, als auch mit dem Revolver, und beide hatten schon verschiedenes Wild erlegt. Carl dagegen übte sich, so oft es seine Zeit erlaubte, in dem Gebrauch des Lasso's, einem aus Büffelhaut verfertigten dreißig Fuß langen Strick, an dessen Ende sich eine Schlinge befand. Die Kunst, den Lasso zu gebrauchen, besteht darin, daß man die Schlinge auf die Entfernung der Länge des Strickes einem Thiere über den Kopf wirft, um dasselbe darin zu fangen. Carl übte sich an leblosen Gegenständen, mitunter aber mußten auch Arnold und Wilhelm die Stelle des Wildes vertreten, und im vollen Laufe hinter ihnen her, gelang es ihm häufig, ihnen die Schlinge über den Kopf zu werfen, was dann stets einen großen Jubel veranlaßte. Geschickte Lassowerfer aber, wie Daniel einer war, sind sogar im Stande, ein flüchtiges Thier an einem beliebigen Fuß zu fangen, indem sie die Schlinge gerade auf den Fleck auf die Erde werfen, wo das Thier den Fuß hinsetzen wird, worauf sie den Strick rasch an sich ziehen und die Schlinge sich um den Fuß zuzieht. Daniel hatte von Warwick einen alten Lasso geschenkt bekommen, wollte aber, sobald ihm die Arbeit Zeit gestatten würde, einige Büffel tödten und aus ihren Häuten Lasso's für sich und für Carl anfertigen.

Die Arbeiten bei und in dem Fort waren vor der Hand beendet, der Garten lieferte die herrlichsten Gemüse und war mit den wundervollsten Blumen geschmückt, welche Carl und Daniel bei ihren Jagdausflügen aus dem Walde und aus der Prairie mitgebracht hatten; es waren Lorbeerbäume, Magnolien, Maulbeer- und Pflaumenbäume hineingepflanzt, über der Quelle im Fort war ein Milchhaus erbaut und mit Schilf dicht behangen, so daß die Sonne keinen Einfluß auf dessen innere Kühle ausüben konnte, und an den beiden vorderen Ecken des Forts waren die Pallisaden in der Form von Thürmchen vorgebaut worden und Schießöffnungen darin angebracht, so daß man aus ihnen die Wände der Festung beschießen konnte.

An einem kühlen Decembermorgen zeigten sich viele Büffelheerden auf der Prairie und Daniel schlug vor, zu Pferde eine Jagd auf sie zu machen, theils um einige Häute zu bekommen, theils aber auch, um Fleischvorrath einzusalzen und zu räuchern, weil jetzt in der kühlen Jahreszeit dies mit weniger Gefahr vor Verderben geschehen konnte. Carl, der sich schon lange auf eine solche Jagd gefreut hatte, war sofort bereit, die Pferde wurden gesattelt, das Riemenwerk noch genau nachgesehen, über die Jaguarhaut wurde noch besonders ein Gurt geschnallt, und kaum hatte die Sonne ihr neues Licht über die in ihrer Winterflur bunt schimmernde Prairie ausgebreitet, als die Jäger ihre muthigen Rosse den Hügel hinab in das hohe Gras lenkten. Turners standen vor dem Thore und winkten den Reitern noch so lange nach, bis dieselben zwischen den einzelnen Baum- und Gebüschgruppen, die sich wie Inseln hier und dort aus der Prairie erhoben, vor ihren Blicken verschwunden waren.

Turner hatte sich in den Garten begeben, seine Frau und Tochter waren zu ihren häuslichen Arbeiten zurückgekehrt, und die beiden Knaben wollten nach dem Boote gehen, um mit der Angel dort einige Fische zu fangen. Pluto begleitete sie und sie hatten das Ufer noch nicht erreicht, als sie plötzlich ein Thier vor sich im Grase gewahrten, welches die Größe einer Katze hatte und glänzend schwarz und blendend weiß vom Kopf nach dem Hintertheil gestreift war. Die Knaben sprangen darauf zu, um das Thier zu fangen, welches jedoch statt zu fliehen, seinen mit fußlangen weißen Haaren bewachsenen Schwanz über seinen Rücken legte und sich ganz mit demselben bedeckte. Die Knaben wollten das ihnen unbekannte Thier lebendig mit nach Hause nehmen und riefen Pluto zu sich, doch dieser fiel zornig über dasselbe her und wollte es mit den Zähnen erfassen. Das Thier aber biß ihn gewaltig in die Nase, so daß der Hund mit einem Klagelaut zurücksprang, zugleich aber wandte es sich mit seinem Hintertheil nach ihm hin, und spritzte mit seinem Urin eine stinkende Flüssigkeit, welche es in einer Drüse bei sich trägt, über ihn und über die beiden Knaben aus. Ein furchtbarer, Ekel erregender Geruch erfüllte sofort die Luft, der erzürnte Pluto jedoch fiel abermals über das Thier her und biß es todt. Die Knaben eilten von ihm weg, weil sie den Geruch nicht ertragen konnten, Pluto aber, mit dem Thier zwischen den Zähnen, folgte ihnen, und so kamen sie denn sämmtlich bald darauf in der Stube bei Madame Turner an, wo der Hund seine Beute niederlegte.

»Um des Himmels willen, was ist das für ein schrecklicher Geruch, den Ihr mir in das Zimmer bringt?« rief Madame Turner entsetzt aus, denn die Luft im ganzen Hause schien in dem Augenblick verpestet zu sein.

»Es ist das Thier, Mutter, welches so riecht,« riefen die Knaben, nach der Thür springend, um dort frischen Athem zu schöpfen.

»So schafft es mir aus dem Hause, es ist ja fürchterlich, abscheulich, rein um ohnmächtig zu werden!« rief Madame Turner ganz außer sich, indem sie gleichfalls, so wie auch Julie zur Thür hinaus flüchtete. Pluto folgte ihnen mit einem sehr betrübten Gesichte, denn er wurde elend und mußte sich übergeben.

»Das ist ja doch rein zu arg, Ihr Jungen, mir einen solchen Geruch in das Haus zu bringen; gleich holt das abscheuliche Thier heraus,« sagte Madame Turner sehr aufgebracht; doch die Knaben wollten nicht wieder in das Zimmer gehen, weil sie sich schon sehr unwohl fühlten. Madame Turner lief jetzt in das Thürmchen, an dessen Außenseite sich der Garten befand, und rief durch eine Schießscharte ihrem Gatten zu, daß er in das Fort kommen möge. Mit der größten Verwunderung hörte er bei seinem Eintritt, was sich zugetragen hatte, und ging lachend mit den Worten nach dem Hause:

»Ihr seid wohl Alle närrisch geworden!« doch kaum trat er in die Thür, als er selbst vor der Luft, die ihm entgegenkam, zurückprallte. Dann sprang er aber schnell in das Zimmer, ergriff die Feuerzange, faßte damit das schreckliche Thier und schleifte es heraus und aus dem Fort nach dem Ufer, wo er es in den Fluß hinabschleuderte.

»Nein, so Etwas ist mir denn doch auch im Leben noch nicht vorgekommen,« sagte er, als er in das Fort zurückkehrte; »wie bekommen wir nur den Geruch wieder aus dem Zimmer?«

Er ergriff darauf einen Spaten, eilte in das Haus und stach die Erde von dem Fleck, wo das Thier gelegen hatte, denn das Zimmer war noch nicht mit einem Fußboden versehen. Nachdem er dieselbe in den Fluß geworfen hatte, nahm er einige Feuerbrände aus dem Kamin, legte sie in der Mitte der Stube auf die Erde und trug faules Holz darauf, so daß der Raum bald dicht mit Rauch angefüllt war.

Die Thür und Fenster wurden geschlossen, und als man sie nach Verlauf von einer Stunde wieder öffnete und den Rauch hinausziehen ließ, hatte sich auch der Geruch, den das Thier hinterlassen hatte, sehr gemildert.

Während dieser Zeit ritten die beiden Jäger lustig durch die bunten Blumenfelder der Prairie und näherten sich einer großen Büffelheerde, welche in einer Vertiefung weidete. Dort war das Gras außerordentlich hoch, so daß die riesigen Thiere kaum mit dem Rücken aus demselben hervorsahen, und ihre Köpfe tief in ihm vergraben waren. Daniel hatte sie aber schon auf eine weite Entfernung erkannt, und wählte sie vorzugsweise zur Jagd, weil er hoffte, sich ihnen unbemerkt nahen zu können und dadurch den Pferden die Anstrengung zu ersparen, sie in vollem Laufe einholen zu müssen. Andere Heerden, die links und rechts weideten, gewahrten die Reiter frühzeitig und flohen in eiligem Galopp davon.

»Wenn ein recht feister Bulle dabei ist, so wird er bald hinter der Heerde zurückbleiben, da ihm das gewaltige Laufen den Athem nimmt, und dann will ich Ihnen einmal zeigen, wie man einen Büffel ohne Schußwaffe tödten kann,« sagte Daniel zu seinem jungen Freunde.

»Beugen Sie sich auf den Hals Ihres Pferdes nieder, damit wir, ohne gesehen zu werden, so nahe wie möglich an die Heerde gelangen; wir ersparen dadurch unseren Rossen große Anstrengung.«

Carl that wie ihm Daniel rieth, und so kamen sie den sorglosen Büffeln bald sehr nahe, von denen her der frische Wind den Jägern entgegen zog und sie kühlend umwehte.

Die Prairie hob sich hier wellenförmig auf und nieder, und die Reiter suchten immer in der Vertiefung zu bleiben, die sie jetzt in das kleine Thal führte, in welchem die Büffel grasten. Es lagen kaum noch funfzig Schritte zwischen ihnen und den Thieren, da hoben mehrere derselben die finster umlockten Köpfe aus dem Grase empor und schauten verwundert nach den Reitern hin.

»Hurrah!« schrie Daniel jetzt mit seiner gewaltigen Stimme und »Hurrah« ließ auch Carl die seinige mit aller Kraft ertönen, und Beide gaben ihren Rossen Zügel und Sporen. Das ganze Thal ward in dem Augenblicke lebendig, das Gras theilte sich und wogte verworren hin und her, wohl vierhundert Büffel rannten in wilder Bestürzung durcheinander hin, wie Donner erdröhnte die Erde unter ihren Füßen, und eng zusammengedrängt jagten sie in schwerfälligem Galopp der nächsten Höhe zu. Die ganze Heerde, die fliegend über die Grasflur dahineilte, war in der dichten, um sie aufwirbelnden Staubwolke verschwunden, während die Jäger ihr auf den flüchtigen Rossen in Carriere folgten. Die gellenden Jagdrufe der Reiter schienen die Thiere zu immer schnellerer Flucht anzutreiben und ihre Angst zu steigern, die sie durch wildes verworrenes Brüllen zu erkennen gaben. Fort ging es in Sturmeslauf Hügel auf, Hügel ab, über steinige Höhen, durch mannshohes Gras in den Thälern, über umgefallene Baumstämme, durch breite, tiefe ausgetrocknete Wassergräben, ohne Rast, ohne Aufenthalt, umsaust von dem stürmischen Tumult der Jagd, so wie eine Windsbraut über die Erde fliegt. Wohl mehrere Meilen weit jagte die Heerde dem frischen Winde gerade entgegen, so daß derselbe den Jägern die Staubwolke zuwehte, die unter den Füßen der Thiere aufstieg; jetzt aber wandten diese sich mehr zur Seite, und ihre riesigen, von fliegenden Mähnen umwogten dunkeln Körper wurden in dem seitwärts verwehenden Staube wieder sichtbar. Der Anblick der Jäger aber mehrte das Entsetzen der Büffel, ihre Flucht wurde immer rasender und die schwersten, die feistesten unter ihnen begannen, hinter der Heerde zurückzubleiben. Namentlich einem alten Bullen schien der tolle Lauf beschwerlich zu werden, seine Flanken hatten sich mit weißem Schaum bedeckt, keuchend ließ er seine brennend rothe Zunge über den langen Bart seines Unterkiefers herabhängen und mit wuthblitzenden glühend gerötheten Augen blickte er seitwärts nach seinen Verfolgern. Mehr und mehr entfernte sich die Heerde von ihm, und vergebens waren seine Anstrengungen, ihr nahe zu bleiben, sein Lauf wurde immer schwerfälliger, seine Sprünge wurden kürzer, und mit dumpfem zornigen Gebrüll schüttelte er wiederholt die schwarzbraunen glänzenden Mähnen. Dennoch blieb er im Galopp und folgte auf dem niedergetretenen Grase der Spur seiner davoneilenden Kameraden.

Da sprengte Daniel mit gellendem Jagdruf näher zu diesem Büffel heran, er hob sich strack in den Steigbügeln auf, schwang mit der Rechten den gelösten Lasso hoch über sich im Kreise durch die Luft, und schleuderte die Schlinge sausend auf das Gras hinab vor das flüchtige Thier, welches im Sprunge seinen linken Vorderfuß in dieselbe niedersetzte. In derselben Secunde zog Daniel den Lasso zurück, denn er hatte sein Pferd zur Seite gewandt, und die Schlinge zog sich um den Fuß des Büffels fest. Hoch bäumte sich jetzt das plötzlich parirte Pferd des Negers und der Büffel, in seinem Sturmlauf an dem Fuße zurückgehalten, stürzte über Kopf donnernd zu Boden, daß die Erde unter ihm erzitterte. Das ungeheure Thier lag mit emporgestreckten Gliedern auf dem Rücken und mit Blitzesschnelle spornte der Neger sein wild aufgeregtes Roß im Kreise um dasselbe und wand, noch ehe der Büffel sich erheben konnte, das starke lederne Seil um dessen vier Beine.

Mit jedem Kreise, den er um das Thier beschrieb, zog er dessen Glieder fester zusammen, während der Gefangene die Luft mit seinem Gebrüll erfüllte.

Wuthschäumend warf er sich hin und her, und riß und dehnte den Lasso mit seinen Riesenkräften, während er mit den scharfen Hörnern den Boden zerwühlte.

»Wir haben ihn, wir haben ihn!« rief Carl triumphirend aus, und sprengte sein entsetztes Roß näher zu dem gegen seine Fesseln kämpfenden Koloß hinan, als Daniel ihm zurief:

»Zurück, zurück, nehmen Sie sich in Acht, das Seil hat nicht gut gefaßt, er kommt wieder los.« Zugleich ließ er sein Pferd rückwärts schreiten, um den Strick, welcher mit dem Ende an dem Sattelknopf befestigt war, fester anzuziehen; der Büffel aber zuckte und schlug so gewaltig mit seinen Gliedern, daß er das Seil über seine Kniegelenke streifte und plötzlich alle vier Beine aus dem Gewinde befreite. Daniel warf sein Roß zur Seite, um davon zu jagen und so den Büffel abermals an dem gefangenen Fuße niederzureißen; derselbe aber war mit ebenso großer Schnelligkeit aufgesprungen und stürzte jetzt mit entfesselter Wuth seinem Gegner nach. Das Gras war hier ungewöhnlich hoch und hemmte die Flucht des Pferdes, während dieses für den Büffel die Bahn brach und derselbe mit größerer Leichtigkeit folgen konnte. In tollem Laufe sausten sie vorwärts, ohne einander näher zu kommen, oder sich weiter von einander zu entfernen; ein Fehltritt des Rosses aber würde diesem und seinem Reiter sicher einen schnellen Untergang bereitet haben. Kaum gewahrte Carl jedoch die Gefahr, in der sein Freund schwebte, als er dem Falben die Sporen in die Flanken stieß und in fliegender Carriere an die rechte Seite des Büffels sprengte. In gestrecktem Laufe richtete er die Büchse auf die Schulter des wüthenden Thieres und feuerte beide Läufe auf dasselbe ab. Im Augenblick wandte es sich nach seinem neuen Gegner, doch der Sprung zur Seite streckte den Lasso, der seinen Fuß gefangen hielt, und das Pferd des Negers riß den Büffel abermals daran zu Boden. Daniel war darauf vorbereitet und wandte sein Roß geschickt und schnell dem Gefangenen zu, den er nun wieder umkreiste und ihn mit dem Lasso umwand. Diesmal gelang es ihm, die Glieder des Büffels so fest damit zusammenzuschnüren, daß dessen Anstrengungen dagegen erfolglos blieben und derselbe sich bald in sein Schicksal ergab. Seine Kräfte nahmen auch rasch ab, denn die beiden Schüsse Carls waren tödtlich und ließen das Thier sich schnell verbluten.

»Das hätte bös für mich ausfallen können,« sagte Daniel, indem er vom Pferde sprang und demselben die Vorderfüße zusammenband; »es war ein Uebermuth von mir, denn wir hätten ja den Büffel mit halb so vieler Mühe erschießen können; ich wollte Ihnen aber doch zeigen, daß man auch ohne Schußwaffen ein solches riesiges Thier erlegen kann. Sie haben mir in der That das Leben gerettet; denn hätte mein Pferd auf den Lasso getreten, so mußte es mit mir zusammenstürzen und dann würde dies wohl meine letzte Büffeljagd gewesen sein. Ich versuchte, den Lasso von dem Sattelknopf zu lösen, konnte aber den Knoten während des Jagens nicht öffnen. Nun wollen wir eine Fahne über dem alten Burschen aufrichten und schnell nach Hause reiten, um sein Fleisch zu holen; er ist unglaublich feist.«

Hiermit sprang der Neger nach einem nahestehenden Mosquitobaum, hieb mit dem Jagdmesser einen langen Ast davon ab, band an dessen Spitze ein rothes seidenes Halstuch, welches er zu diesem Zwecke mitgebracht hatte, und pflanzte die Fahne über dem Büffel auf, so daß der kräftige Wind sie flatternd über demselben entfaltete. Carl hatte während dieser Zeit seine Büchse wieder geladen, und nun bestiegen die Jäger abermals ihre Rosse und lenkten sie eilig nach dem Fort zurück, wo sie noch vor Tisch anlangten.

»Hallo -- hier ist eine Poolkatze gewesen!« rief Daniel, als sie das Thor der Festung erreichten, wo ihnen der immer noch starke Geruch des durch Pluto getödteten Thieres entgegenkam. Auch in dem Hause war derselbe noch nicht ganz beseitigt, und Daniel unterrichtete nun seine Freunde, daß das Thier eine Poolkatze oder Stinkthier gewesen sei, eine Art Iltis, welcher sich gegen seine Feinde durch Ausspritzen des stinkenden Saftes vertheidige.

Das Mittagsessen wurde nun schnell eingenommen und darauf der leichte Wagen bespannt, um das Fleisch des erlegten Büffels herbeizuschaffen. Carl fuhr, und Daniel folgte ihm zu Pferde. Bald sahen sie die rothe Fahne im Winde flattern, und über ihr viele hunderte von Geiern die Luft durchschwärmen, die sich nicht in die Nähe des rothen Tuches wagten. Als sich die Jäger näherten, ergriffen auch viele Wölfe die Flucht, die sich in einiger Entfernung um den Büffel gesammelt hatten, aber gleichfalls durch das wehende Tuch von ihm zurückgehalten worden waren.

Daniel band sein Pferd an den Wagen und beeilte sich nun, mit Carls Hülfe dem Büffel die prächtige Haut abzunehmen. Dann wurde derselbe ausgeweidet, in Stücke gehauen und dieselben auf den Wagen gehoben. Das Fleisch war ganz mit goldgelben Fettadern durchwachsen und Daniel erklärte, daß man nur selten einem so außerordentlich feisten Büffel begegne. Kaum hatten sich die Jäger einige hundert Schritte von den zurückgelassenen Ueberresten des Thieres entfernt, als die Geier sich zu Hunderten aus der Luft herabschwangen und sich auf dieselben niederließen. Die Fahrt ging des sehr hohen Grases wegen nur langsam von Statten und nicht in gerader Richtung nach dem Fort zurück, weil Carl sich auf den Höhen zu halten suchte, wo das Gras weniger hoch war. Sie naheten sich einer der Waldinseln, die hier in der Prairie zerstreut lagen, als Daniel, der etwas seitwärts vom Wagen ritt, plötzlich sein Pferd diesem zulenkte und zu Carl sagte: »Halten Sie an, dort hinter der Insel stehen mehrere Büffel, denen Sie sich mit leichter Mühe auf Schußweite nähern können. Die schöne Haut, welche wir im Wagen haben, möchte ich nicht gern zu einem Lasso zerschneiden, es wäre schade dafür. Schießen Sie einen von jenen Büffeln, damit wir noch eine Haut bekommen. Schnell, eilen Sie in das Holz, ich will bei den Pferden bleiben.«

Hiermit stieg der Neger ab und führte sein Roß zu den Wagenpferden, während Carl von seinem Sitze sprang und eilig durch das hohe Gras der Waldinsel zulief. Dieselbe bestand aus hohen prächtigen Eichen, Tulpenbäumen, Platanen und Ahornen, deren Stämme sich aus üppigem dichten Gebüsch erhoben, während das ganze Wäldchen nur einige hundert Schritte im Umfang maß. Carl hatte bald das Dickicht erreicht, und schlich sich vorsichtig durch dessen tiefes Dunkel der andern Seite zu. Es lag viel trockenes Reisig auf dem Boden, auf welches zu treten er sorgfältig vermied, um sein Nahen den Büffeln nicht zu verrathen, und je näher er dem Waldsaume kam, um so behutsamer setzte er den Fuß an die Erde. Bald aber gelangte er hinter den letzten Büschen an den Stamm einer alten Eiche, und blickte neben ihm hinaus in die Prairie. Ein freudiger Schreck durchzuckte ihn, denn nur wenige Schritte vor ihm standen fünf kolossale männliche Büffel in dem hohen Grase und schauten regungslos in das Dickicht. Sie mußten doch Etwas gehört haben, welches ihnen verdächtig schien, denn sie verwandten keinen Blick von der Richtung, in welcher Carl stand. Dieser aber war durch die Eiche verdeckt und hob mit der größten Vorsicht die Büchse an die Schulter; dann beugte er sich langsam auf die Seite des Stammes und richtete den Lauf auf eines der riesigen Thiere. Die große Nähe desselben erfüllte ihn mit einem unheimlichen Gefühl, er kam sich selbst so klein, so winzig gegen dieses Ungeheuer vor, und er dachte daran, daß _ein_ Fußtritt desselben ihn zermalmen würde. Es war aber nur ein Augenblick des Bangens, dann gab er Feuer. Der Donner der Büchse und das Getöse, mit welchem die Büffel in das Dickicht hereinstürzten, betäubten Carl, er drückte sich fest hinter den Eichenstamm und fühlte denselben erbeben, als die Riesenthiere an ihm vorüberschossen und im Dunkel des Wäldchens verschwanden. Er hörte ihre dröhnenden Schritte weithin verhallen, zugleich aber vernahm er in dem Dickicht ein Rauschen und Schlagen und Brechen, welches auf ein und demselben Platze ertönte. Carls Herz schlug hoch vor Freude, denn dies Getöse mußte von dem verwundeten Büffel verursacht werden. Er wollte schon in das Dickicht hineinspringen, da fiel ihm der Jaguar ein und die Gefahr, in welche er damals gerathen war. Er eilte nun hinaus in die Prairie und um die Waldinsel, bis er Daniels ansichtig wurde, der ihm schon mit dem Wagen entgegen kam und ihm zurief: »Haben Sie einen geschossen?«

»Wie viele Büffel hast Du fortrennen sehen?« fragte ihn Carl.

»Vier Stück,« entgegnete der Neger.

»So habe ich einen erlegt, denn es waren ihrer fünf und ich hörte es eben noch im Walde schlagen. Wollen wir hineingehen?«

»Lassen Sie mich dies thun und bleiben Sie bei den Pferden; ein angeschossener Büffel ist ein gefährlicher Gesellschafter.«

Carl trat nun zu den Pferden und Daniel schlich sich mit der Büchse in der Hand in das Dickicht hinein. Nach wenigen Augenblicken aber rief er jubelnd aus: »Hier liegt er mausetodt, Sie haben ihn durch das Herz geschossen.«

Gleich darauf trat der Neger wieder aus den Büschen hervor, band die Zügel der Pferde an einen Baum und begab sich dann mit seinem jungen Freunde zu dem erlegten Büffel, um sich der Haut desselben gleichfalls zu bemächtigen. Außer dieser wurden noch die besten Stücke Fleisch, die Zunge und die Markknochen von dem Thiere auf den Wagen gebracht, und dann setzten die mit reicher Beute versehenen Jäger ihren Heimweg fort. Die Sonne war schon im Scheiden, als sie das Fort erreichten und dort freudig bewillkommnet wurden.