Briefe aus Frankfurt und Paris 1848-1849 (1/2)
Part 1
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Anmerkungen zur Transkription
Der vorliegende Text wurde anhand der 1849 erschienenen Buchausgabe erstellt. Die Zeichensetzung wurde stillschweigend korrigiert bzw. ergänzt. Französische Ausdrücke und Zitate wurden nur dann harmonisiert, bzw. korrigiert, wenn ansonsten der Wortsinn verfälscht würde. Vereinzelt wurden die Datumsangaben der Briefköpfe dem Inhaltsverzeichnis entsprechend angepasst.
Altertümliche und sonstige ungewöhnliche Schreibweisen wurden beibehalten, ebenso unterschiedliche Wortvarianten. Für Umlaute in Großbuchstaben (Ä, Ö, Ü) wurden auch deren Umschreibungen(Ae, Oe, Ue) verwendet; es wurde diesbezüglich keine Vereinheitlichung vorgenommen. Korrekturen anhand der Liste der Druckfehler am Ende des Textes wurden bereits in diese Version eingearbeitet. Die folgenden offensichtlichen Fehler wurden korrigiert:
S. 8: ‚Veränderuug‘ → ‚Veränderung‘ S. 11: ‚Uber‘ → ‚Ueber‘ S. 127: ‚Reihefolge‘ → ‚Reihenfolge‘ S. 214: ‚Birch-Pfeifer‘ → ‚Birch-Pfeiffer‘ S. 215: ‚Dem. Jauauschek‘ → ‚Dem. Janauschek‘ S. 294: ‚Ubereinstimmung‘ → ‚Uebereinstimmung‘ S. 314: ‚nichtiges‘ → ‚richtiges‘ S. 326: ‚Ich erwiedrte‘ → ‚Ich erwiederte‘ S. 364: ‚Ein Mann ihres Sinnes‘ → ‚Ein Mann Ihres Sinnes‘ S. 366: ‚alsdie‘ → ‚als die‘ S. 376: ‚einem alten Professor‘ → ‚einen alten Professor‘ S. 399: ‚ein Gräue → ‚ein Gräuel‘
Für die von der Normalschrift abweichenden Schriftschnitte wurden folgende Sonderzeichen verwendet:
Kursiv: _Unterstriche_ Fettdruck: =Gleichheitszeichen= Gesperrt: +Pluszeichen+ Antiqua: ~Tilden~
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Briefe
aus
Frankfurt und Paris
1848-1849
von
Friedrich von Raumer.
Erster Theil.
Leipzig: F. A. Brockhaus. 1849
Briefe aus Frankfurt und Paris.
Erster Theil.
Briefe
aus
Frankfurt und Paris
1848-1849
von
Friedrich von Raumer.
Erster Theil.
Leipzig: F. A. Brockhaus. 1849.
Vorrede.
Die Schwierigkeit eine Geschichte der Gegenwart unparteiisch und allseitig zu schreiben, ist mit Recht so oft hervorgehoben worden, daß auch der Kühnste und durch seine Verhältnisse am meisten Begünstigte, von solch einem Unternehmen abgeschreckt werden kann. Wer hingegen Gelegenheit hat, einzelne Steine zu dem künftigen Bau einer allgemeinen Geschichte darzubieten, ist behufs rascher Förderung der Wahrheit, hiezu gewissermaßen verpflichtet.
Als einen solchen, wenn auch unwichtigen Beitrag, betrachte ich die folgenden Briefe. Sehr Vieles ist als unanziehend aus denselben weggelassen, nichts aber (mit Ausnahme einzelner Ausdrücke) geändert, oder gar hintennach im Wesentlichen anders dargestellt worden. Denn diese wohlfeile Weisheit eines vom Rathhause Kommenden hat gar keinen Werth; wohl aber wird selbst der, unverhohlen mitgetheilte, Irrthum lehrreich zur Erklärung der jedesmaligen (aber nach Maßgabe der fortschreitenden Verhältnisse und Ereignisse natürlich wechselnden) Eindrücke, Stimmungen und Beschlüsse. Wenn ich, dieser Rücksicht halber, nicht alles scharf oder herbe Ausgedrückte milderte, oder ganz abschwächte, so hoffe ich (sofern sich Jemand dadurch irgendwie verletzt fühlen sollte) Entschuldigung zu finden.
Den Vorschlag: diese Briefsammlung erst nach vielen Jahren dem Publikum vorzulegen, wies ich zurück. Sie würde bis dahin wesentlich an Interesse verlieren und eine Berichtigung derselben, mit dem Ablaufe der Zeit immer schwieriger werden.
Trotz aller Aufmerksamkeit sind manche Wiederholungen stehen geblieben; eine Folge des Umstandes, daß alle diese Mittheilungen eigentlich nur Variationen über dasselbe Thema sind.
Endlich hoffe ich, man werde es nicht als Eitelkeit bezeichnen, daß ein Briefschreiber seine (in anderer Beziehung unbedeutende) Person oft erwähnt und erwähnen muß.
=Berlin=, 15. August 1849.
Inhalt des ersten Theils.
=Erster Brief.= Seite Berlin, im März 1848. 1 Den 14. Mai. 14 Den 17. Mai. 19 Den 20. Mai. 20 Den 21. Mai. 21
=Zweiter Brief.= Frankfurt a. M., den 25. Mai. 22 Den 26. Mai. -- Den 27. Mai. 24 Den 28. Mai. --
=Dritter Brief.= Frankfurt a. M., den 30. Mai. 28
=Vierter Brief.= Frankfurt a. M., den 31. Mai. 33 Den 1. Junius. 35
=Fünfter Brief.= Frankfurt a. M., den 2. Junius. 40 Den 3. Junius. 48 Den 4. Junius. 53
=Sechster Brief.= Frankfurt a. M., den 5. Junius. 57 Den 6. Junius. 60
=Siebenter Brief.= Frankfurt a. M., den 7. Junius. 62 Den 8. Junius. 65
=Achter Brief.= Frankfurt a. M., den 9. Junius. 67 Den 10. Junius. 70
=Neunter Brief.= Frankfurt a. M., den 11. Junius. 72 Den 12. Junius. 76
=Zehnter Brief.= Frankfurt a. M., den 12. Junius. 77 Den 13. Junius. 79 Den 14. Junius. 83
=Eilfter Brief.= Frankfurt a. M., den 14. Junius. 84 Den 15. Junius. 85
=Zwölfter Brief.= Frankfurt a. M., den 15. Junius. 91 Den 16. Junius. 92
=Dreizehnter Brief.= Frankfurt a. M., den 18. Junius. 96
=Vierzehnter Brief.= Frankfurt a. M., den 18. Junius. 101 Den 19. Junius. 102
=Funfzehnter Brief.= Frankfurt a. M., den 22. Junius. 110
=Sechzehnter Brief.= Frankfurt a. M., den 23. Junius. 113
=Siebzehnter Brief.= Frankfurt a. M., den 24. Junius. 118
=Achtzehnter Brief.= Frankfurt a. M., den 25. Junius. 121 Den 26. Junius. 124 Den 27. Junius. 132 Den 28. Junius. 138
=Neunzehnter Brief.= Frankfurt a. M., den 29. Junius. 144 Den 29. Junius Nachmittags. 148
=Zwanzigster Brief.= Frankfurt a. M., den 30. Junius. 151 Den 1. Julius. 153
=Einundzwanzigster Brief.= Frankfurt a. M., den 2. Julius. 156
=Zweiundzwanzigster Brief.= Frankfurt a. M., den 4. Julius. 163
=Dreiundzwanzigster Brief.= Frankfurt a. M., den 5. Julius. 168 Den 6. Julius. 170
=Vierundzwanzigster Brief.= Frankfurt a. M., den 6. Julius. 173 Den 7. Julius. 175 Den 8. Julius. 177
=Fünfundzwanzigster Brief.= Frankfurt a. M., den 8. Julius. 179 Den 9. Julius. 181
=Sechsundzwanzigster Brief.= Frankfurt a. M., den 10. Julius. 184 Den 11. Julius. 188
=Siebenundzwanzigster Brief.= Frankfurt a. M., den 12. Julius. 191
=Achtundzwanzigster Brief.= Frankfurt a. M., den 13. Julius. 197 Den 14. Julius. 202
=Neunundzwanzigster Brief.= Frankfurt a. M., den 15. Julius. 203
=Dreißigster Brief.= Frankfurt a. M., den 15. Julius. 209 Den 16. Julius. 211
=Einunddreißigster Brief.= Frankfurt a. M., den 17. Julius. 215
=Zweiunddreißigster Brief.= Frankfurt a. M., den 20. Julius. 222
=Dreiunddreißigster Brief.= Frankfurt a. M., den 21. Julius. 228 Den 22. Julius. 231
=Vierunddreißigster Brief.= Frankfurt a. M., den 22. Julius. 233
=Fünfunddreißigster Brief.= Frankfurt a. M., den 24. Julius. 235
=Sechsunddreißigster Brief.= Frankfurt a. M., den 26. Julius. 239 Den 27. Julius. 242
=Siebenunddreißigster Brief.= Frankfurt a. M., den 28. Julius. 246 Den 29. Julius. 247
=Achtunddreißigster Brief.= Frankfurt a. M., den 30. Julius. 251
=Neununddreißigster Brief.= Frankfurt a. M., den 31. Julius. 252
=Vierzigster Brief.= Frankfurt a. M., den 1. August. 254
=Einundvierzigster Brief.= Frankfurt a. M., den 1. August. 256 Den 2. August. 257
=Zweiundvierzigster Brief.= Frankfurt a. M., den 4. August. 260 Den 5. August. 261
=Dreiundvierzigster Brief.= Frankfurt a. M., den 5. August. 264 Den 6. August. 265
=Vierundvierzigster Brief.= Frankfurt a. M., den 7. August. 266 Den 8. August. 269
=Fünfundvierzigster Brief.= Frankfurt a. M., den 9. August. 273
=Sechsundvierzigster Brief.= Frankfurt a. M., den 10. August. 275
=Siebenundvierzigster Brief.= Frankfurt a. M., den 11. August. 279 Den 12. August. 280
=Achtundvierzigster Brief.= Frankfurt a. M., den 13. August. 282 Den 14. August. 282 Den 15. August. 283
=Neunundvierzigster Brief.= Frankfurt a. M., den 16. August. 284 Den 19. August. 285 Den 20. August. 287
=Funfzigster Brief.= Brüssel, den 23. August. 288
=Einundfunfzigster Brief.= Paris, den 24. August. 290 Den 25. August. 292
=Zweiundfunfzigster Brief.= Paris, den 26. August. 292 Den 27. August. 295 Den 27. August Mittags. 296 Den 27. August Abends. 297 Den 28. August. 300
=Dreiundfunfzigster Brief.= Paris, den 29. August. 300 Den 29. August Nachmittags. 301 Den 30. August. 302
=Vierundfunfzigster Brief.= Paris, den 31. August. 305
=Fünfundfunfzigster Brief.= Paris, den 1. September. 310 Den 1. September Nachmittags. 311 Den 1. September Abends. 313
=Sechsundfunfzigster Brief.= Paris, den 2. September. 314 Den 3. September. 316
=Siebenundfunfzigster Brief.= Paris, den 4. September. 319 Den 5. September. 320 Den 6. September. 322 Den 7. September. 323
=Achtundfunfzigster Brief.= Paris, den 8. September. 325 Den 8. September Nachmittags. 327 Den 9. September. 330
=Neunundfunfzigster Brief.= Paris, den 10. September. 333 Den 11. September. 334
=Sechzigster Brief.= Paris, den 12. September. 336 Den 13. September. 339
=Einundsechzigster Brief.= Paris, den 14. September. 342
=Zweiundsechzigster Brief.= Paris, den 15. September. 345 Den 15. September Mittags. 346
=Dreiundsechzigster Brief.= Paris, den 16. September. 348 Den 16. September Nachmittags. 353 Den 17. September. 354
=Vierundsechzigster Brief.= Paris, den 18. September. 356 Den 19. September. 359
=Fünfundsechzigster Brief.= Paris, den 20. September. 360 Den 21. September. 361 Den 22. September. 363
=Sechsundsechzigster Brief.= Paris, den 23. September. 367
=Siebenundsechzigster Brief.= Paris, den 25. September. 373 Den 26. September. 377 Den 26. September Mittags. 379 Den 27. September. 380
=Achtundsechzigster Brief.= Paris, den 28. September. 385 Den 29. September. 385 Den 30. September. 388 Den 1. October. 389 Den 2. October. 390 Den 3. October. 392 Den 4. October. 396
=Neunundsechzigster Brief.= Paris, den 5. October. 400 Den 6. October. 401 Den 7. October. 402 Den 8. October. 407
=Siebzigster Brief.= Paris, den 9. October. 409 Den 10. October. 414 Den 11. October. 418
=Einundsiebzigster Brief.= Paris, den 12. October. 422
Erster Brief.
Berlin, im März 1848.
Aus den Zeitungen werdet Ihr vollständige Kunde von den furchtbaren Ereignissen dieser Tage bekommen. Ich will nur einige allgemeine Andeutungen geben, meist mich aber an Das halten +was ich selbst sah+, und was sich (Eurer Theilnahme bin ich gewiß) auf +mich selbst+ bezieht.
Schon vor den pariser und den sich daran reihenden deutschen Ereignissen hatte sich hier die Mißstimmung sehr gesteigert, und Viele hegten die Überzeugung: „die Regierung könne mit den bisher wirksamen Personen und in der bisherigen Weise und Richtung, unmöglich mehr lange geführt werden. Die Behandlung der auswärtigen Angelegenheiten, die kirchliche (unter dem Namen neuer größerer Freiheit geübte) Willkür, die endlose Beaufsichtigung der Schulen und Universitäten, die Anstellung einseitiger, die Entlassung würdiger Männer u. s. w. u. s. w. regten täglich mehr auf, und die Berufung des Landtages ward täglich lauter und dringender gefordert. „Die Ausschüsse (das ergab sich immer deutlicher) konnten und sollten ihn nicht ersetzen. Wenn sich die Stadt (in Bezug auf Das, was der König bei Entlassung der Ausschüsse sagte) dankend ausspreche, so könne man (dies hoffte ich) Wünsche und Bitten am besten daran anreihen. Ich entwarf zu diesem Zwecke folgende Erklärung:
„Die königliche Bewilligung einer regelmäßigen Wiederkehr, oder Wiederberufung des allgemeinen Landtages, und die Bestätigung der sehr wichtigen Vorschläge zur Vervollkommnung des preußischen Staatsrechtes, ist ein höchst folgenreiches, beglückendes Ereigniß; -- ein Ereigniß, welches finstere Besorgnisse verscheucht, Hoffnungen erfüllt, oder ihre Erfüllung bestimmt in Aussicht stellt, und die Einigkeit zwischen Herrscher und Volk (ohne welche jeder Staat zu Grunde geht) aufs Neue bekräftigt.
„Deshalb erlaube ich mir den Antrag: daß die Stadtbehörden Seiner königlichen Majestät durch eine Schrift, oder Botschaft, den innigen Dank darlegen, zu welchem uns gleichmäßig Kopf und Herz antreiben, und dabei nochmals mit Nachdruck aussprechen mögen: Berlin, die Hauptstadt des Reiches, werde in Unglück und Gefahr, (wie in Zeiten des Glücks und der Ruhe) mit unwandelbarer Treue und dem Aufwande aller Kräfte ihre ehrenvollen Pflichten erfüllen, von der Bahn des gesetzlichen Rechtes niemals abweichen, und die persönliche Anhänglichkeit an Seine Majestät den König und das königliche Haus, (ohne welche dem Staatsrechte einer Monarchie die höchste Verklärung fehlt) wie ein Heiligthum festhalten und bewahren.
Berlin, den 6. März 1848, Abends.
v. Raumer.“
* * * * *
Diese Erklärung hatte ich dem Vorsteher der Stadtverordneten bereits zum Vortrage übergeben, als ich mich überzeugte: die Mißstimmung über das angeblich Ungenügende der Bewilligungen sei bereits so gestiegen, daß der Antrag, Dank auszusprechen, nur Vorwürfe gegen den König hervorrufen würde. Ich nahm deshalb jenen Antrag zurück, schrieb jedoch dem -- (mit Bezug auf frühere Gespräche): es sei zu befürchten, daß die Versammlung der Stadtverordneten zu +mächtig+ werde; aber noch ungleich gefährlicher, wenn sie (sehr wahrscheinlich) +ohnmächtig werde+, und die Entscheidung in schlechtere Hände gerathe.
Die immer dringender werdenden Verhältnisse veranlaßten mich, (nach Abhaltung der ersten Versammlung in den Zelten) Folgendes an -- zu schreiben:
„Den Vorschlag, heute in der Stadtverordnetenversammlung ein Dankschreiben an Se. Maj. den König zu beschließen, hat man aufgeben müssen, um nicht Widersprüche und unangenehme Erörterungen hervorzurufen. Nach Dem was sich hier und in andern Städten der Monarchie vorbereitet und in dem ganzen übrigen Deutschland bereits geschehen ist, hat es gar keinen Zweifel, daß eine ganze Reihe von Forderungen an die Stadtverordneten gelangen, und zu einer (vielleicht einstimmigen) Bitte um +eilige+ Berufung des vereinigten Landtages führen wird. Dies ist der +mildeste+ Ausweg um jene Forderungen in den Weg +besonnener, gesetzlicher+ Berathung zu leiten.
„Wenn Se. Maj. der König sich hierüber aus +eigener+ Macht ausspricht und dem Magistrate und den Stadtverordneten eine beim Anfange der Sitzung zu eröffnende Kabinetsordre zuschickt, so wird ihm unermeßlicher Dank zu Theil, es wird die Begeisterung im Innern und gegen das Ausland aufs Höchste steigen; er ist -- wie es sein soll -- der +Leit-+ und +Polarstern+ für +Alle+. Geschieht das +Unvermeidliche+ auch nur um einige Stunden zu spät, so verwandelt sich der glänzende Sieg in eine unglückselige Niederlage, und ganz andere Personen werden die Lorberen für sich in Anspruch nehmen. Möchten nicht kleine, förmliche, die Wichtigkeit des Augenblicks verkennende Seelen, durch unentschlossenen Rath, Alles den Händen des Königs entschlüpfen lassen.
„Verzeihen Sie, wenn ich mich in dieser ungewöhnlichen und vielleicht ungebührlichen Weise ausspreche; meine Liebe zu König und Vaterland und meine Kenntniß vaterländischer Angelegenheiten, verbot mir da zu schweigen, wo Kopf und Herz zu reden befehlen.
Berlin, den 9. März 1848, Morgens 7 Uhr.“
* * * * *
An demselben Tage um 4 Uhr begann die Sitzung der Stadtverordneten, über welche die Zeitungshalle am genauesten Bericht erstattet. Die überlauten Zuhörer hatten ohne Zweifel die Absicht: die Stadtverordneten zu zwingen, +alle+ ihre Forderungen +auf der Stelle+ anzunehmen und zu den ihrigen zu machen. Dies Bestreben ward jedoch mit größtem Rechte vereitelt, und auch ich sprach (wie ihr in der Zeitungshalle lesen könnt) für gründliche und ruhige Berathung. Diese fand den 10. von 3-11 Uhr statt, und die Deputation, zu der ich gehörte, vereinigte sich endlich für die bekannt gewordene Eingabe. Sie ward den 11. in der Stadtverordnetenversammlung fast einstimmig angenommen. So weit ich sehen konnte blieben nur die HH. N. und B. verneinend sitzen, weil sie +mehr+, und minder +höflich+, fordern wollten. Die Zuhörer, einer bekannten Gattung, waren ebenfalls unzufrieden, und erhoben ein so gränzenloses, unanständiges Geschrei, daß die Sitzung leider mußte aufgehoben werden. Meine Furcht, die Stadtverordnetenversammlung dürfte zu +ohnmächtig+ werden, war nur zu sehr gerechtfertigt.
Des Königs Antwort auf die Eingabe lautete zwar beruhigend, aber bei täglich, ja stündlich steigender Aufregung keineswegs zufriedenstellend.
Über die +erste+ Versammlung in den Zelten erhielt ich einen umständlichen, anonymen Bericht; wenige Tage später kam der Verfasser zu mir, klagend daß die zweite Versammlung sich ungebührlich in falscher Richtung bewegt, und großentheils aus anderen Personen bestanden habe. Ich machte ihn darauf aufmerksam: wie schwer es sei solcher Bewegungen Meister zu bleiben, wie verantwortlich sie hervorzurufen.