Briefe an Ludwig Tieck (4/4) Vierter Band
Part 2
Kommt denn nicht bald der zweite Theil Ihres Cevennen-Krieges? Ich verlange mit ganzer Seele danach; mich hat seit Jahren nichts so erfreut, zweimal habe ich ihn schon gelesen, und warte nur auf den zweiten Band, um von vorne wieder anzufangen.
=Schütz, Wilhelm von.=
Geb. am 13. April 1776 zu Berlin, gest. am 9. August 1847 in Leipzig. War preuß. Landrath und Direktor der Ritterschaft in der Neumark, und hielt sich, nachdem er aus dem Staatsdienste getreten, für gewöhnlich in Dresden auf.
Lacrimas, Trauerspiel (1803.) -- Der Graf und die Gräfin von Gleichen, Tragödie (1807.) -- Niobe, Tragödie (1807.) -- Romantische Wälder (1808.) -- Der Garten der Liebe (1811.) -- Graf von Schwarzenberg, Trauerspiel (1819.) -- Dramatische Wälder (1821.)
Rußland und Deutschland (1819.) -- Deutschlands Preßgesetz (1821.) -- Zur intellectuellen und substantiellen Morphologie &c. (1823.)
Zwölf Bände einer Uebersetzung aus den Memoiren des Casanova (1822-28.) &c.
I.
_Cummerow_, den 8. März 1812.
_Liebster Freund_.
Deine Mittheilungen über meinen Anfang eines Drama: Guiscardo und Gismonda, sind für mich eben so belehrend wie ermunternd gewesen, und ich habe die Eröffnung des Stücks nach Deinem Rathe angefangen, leider aber von meinem ersten Entwurf keine Concepte mehr gefunden, so daß ich nicht fortfahren kann, ohne die Abschrift zu benutzen, die ich Dir gelassen habe. Gern bliebe ich in dem Zug, um so mehr, da bald Unterbrechungen kommen möchten, und deshalb bitte ich Dich, mir recht bald jene Blätter zu senden. Vielleicht können sie noch Montag Abend in Ziebingen zur Post kommen.
In der Ode, die mein Schwiegervater so vieler Aufmerksamkeit gewürdigt hat, habe ich das geändert, was er angestrichen hatte und übersende Dir eine geänderte Abschrift mit der Bitte, sie ihm zu übergeben und ihn meiner kindlichen Gesinnungen zu versichern.
Meine Frau grüßt Dich, Deine Frau, ihren Vater und die Geschwister, bittet Dich auch Heinrich zu sagen, daß sie hier angekommen sey. Bleibe recht heiter und gesund und behalte lieb
Deinen
_Schütz_.
II.
_Madlitz_, den 13ten September 1812.
Mit vielem Dank sende ich Dir liebster Freund hierbei den Phantasus zurück. Wie sehr mir die Einleitung dazu gefallen, sagte ich Dir schon nach der Vorlesung. Diese aber hatte mir immer noch nicht den Eindruck gewähren können, welcher sich erst davon trägt, wenn man sie und die Unterredungen nicht abgesondert, sondern in ihrem Zusammenhange mit den Dichtungen genießt, zu denen sie gehören. Erst dann wird man des Reitzes theilhaftig, der sich dadurch so anziehend über das Ganze verbreitet, daß das in den Dichtungen sich regende unmittelbare Leben einen so wunderbaren Contrast mit dem mannigfaltigen Hin- und Hersprechen bildet, welches dazwischen unter den Erzählern vollführt wird. Ich glaube daher auch, daß es dem Buche recht vortheilhaft sein muß, wenn der Darstellung des Wesens der Erzähler, und in ihm des Wesens ihrer Zeit zwischen den Dichtungen recht viel Platz vergönnt wird, so daß die letztern hierdurch recht wie Erinnerungen theils an die gewesene, theils an die noch in der Dunkelheit und Zurückgezogenheit wohnende unmittelbare Poesie des Lebens den Leser antreten. Von den neuen mir erst jetzt bekannt gewordenen Dichtungen sind mir die Elfen und der Pokal ganz vorzüglich lieb, die ich in jeder Hinsicht für sehr gelungen halten muß.
Ich übersende Dir nun auch mein Trauerspiel, den letzten Akt aber so, wie ich ihn während des Dichtens niedergeschrieben habe, mit den während dessen und beim Ueberlesen gemachten Correkturen, also auch vielleicht etwas unleserlich. Du solltest ihn in seinem ersten Wurf sehen, und ich wollte Dich erst hören, bevor ich zu Aenderungen und Verbeßerungen schritt. Ich glaube im zweiten Akt wird Guiscardo den einen Monolog in fünffüßigen Jamben sprechen müssen, auch vielleicht im dritten Akt den, wo er nach dem Anselmo auftritt, und dann könnten sie wohl auch im ersten Akt beibehalten werden, denn ich bin der Meinung, daß sie als Unterbrechung der beständigen Assonanzen doch gut thun.
Solltest Du den Triumpf der Vorzeit durchgesehen, das nöthige angestrichen, auch einiges geändert haben, so hätte ich ihn wohl gern bald zurück, um ihn an Fr. Schlegel zu senden. Wenn es Dir also möglich ist, so sey so gut ihn mir recht bald zuzusenden.
Das Buch, die Einsamkeit der Weltüberwinder sende ich Dir noch nicht zurück, sondern wünsche es noch einige Zeit zu behalten. Es ist mir so erbaulich gewesen, daß ich mich nicht gern davon trenne.
Wegen Carls Bibliothek habe ich mit Rosa gesprochen. Sie will nochmals dessen Brüder fragen, ob sie solche nicht in der Art erhalten können, daß sie dereinst dem kleinen Sohne bleibt. Geht dies nicht, so will sie einen Catalogus davon dem Staats-Rath Roux nach Berlin senden, mit dem Ersuchen, sie ihr denn auch im Ganzen zu verkaufen. Ich habe hierauf von meiner Intention noch nichts geäußert: sondern denke es wird gut sein, ihr demnächst erst zu sagen, daß man sie für 1000 Thlr. oder weil ich zweifle, daß jemand in Berlin so viel dafür bieten wird, für das dort geschehene Gebot annehmen wolle. Sage mir Deine Meinung darüber. Zeit ist nicht verloren, weil der Verlass noch nicht abgeschlossen ist, sondern erst bei der nächsten Anwesenheit des Bürger-Meister Cranz vollzogen werden soll, und erst nachdem dies geschehen ist, kann sie eine Disposition treffen. Sie wünscht aber den Catalogus zu besitzen, um ihn Hrn. Roux zu schicken, und ich bitte daher, ihn mir zu übersenden. Wenn Du meinst, so könnte ich ihr vor der Absendung merken laßen, ich wolle abwarten, wofür Roux hoffe, die Bibliothek verkaufen zu können, und würde sie vielleicht auch nehmen.
Lebe wohl. Grüße alle.
Dein
_Schütz_.
III.
_Madlitz_, den 22. März 1814.
_Liebster Freund_.
Ich bitte Dich einstweilen durch den zurückgehenden Boten diese wenigen Zeilen anzunehmen. Dein Brief bestimmt mich, die Reise nach Berlin noch auszusetzen. Ich will suchen, das Geschäft, welches meine Gegenwart gegen Ende dieses Monats erwünscht macht, durch einen Brief oder dadurch abzumachen, daß ich, vielleicht mit einer Gelegenheit auf einen Tag hingehe. Es kann sein, daß sich inzwischen das Wetter genugsam ändert, um Dir die Reise in den Ostertagen zu erlauben. Mir aber wird der Aufschub es vielleicht möglich machen, Dich vorher noch in Ziebingen zu sehen; ich denke in der nächsten Woche. Meinen letzten kurzen Brief mußt Du mir verzeihen, da eine Gelegenheit nach Frankfurth mich drängte. Ich bin ziemlich ununterbrochen bei meinem Roman geblieben und denke bald mit dem vierten Buche fertig zu werden. Es ist das, welches mir am meisten zu thun machen mußte. Schon bei dem ersten Entwurfe fehlte es mir hier gewöhnlich am meisten an Zeit, ich mußte viele Lücken in der Hoffnung, es werde sich wohl einmal das noch Fehlende ergänzen, offen laßen. Nun aber bin ich noch so wenig zufrieden, und denke, wenn noch einige Schwierigkeiten überwunden sind, soll es mit dem übrigen rascher gehen. Ich erinnere mich noch, daß ich Dir dieses Buch nicht, wohl aber das folgende mitgetheilt habe, weil es zu unfertig war. So beschäftigt, habe ich nicht Englisch lesen und arbeiten können, sondern nur den Parcival. Es ist ziemlich gegangen. Ich faßte bald den Entschluß, ihn zweimal zu lesen, weil ich wahrnahm, daß, je mehr ich im Lesen vorrückte, das Verstehen mir leichter wurde. Mit dem ersten Lesen bin ich ziemlich zu Ende.
Theuerster Freund, ich kann Dir nicht sagen, wie ich die Zeit über, daß ich wieder hier bin, von den Tagen gezehrt habe, welche ich mit Dir zugebracht; mein inneres Leben erhöht sich immer mehr in dem Umgange mit Dir. Wie erfreulich mußten mir also Deine Worte sein, welche mir sagten, daß mein Genuß und mein Bedürfniß auch die Deinigen gewesen. Gewiß eile ich, so viel nur möglich, wieder bei Dir zu sein, und bringe dann Deine Bücher mit. Deine Grüße werde ich bestellen, heut konnte ich es nicht mehr, da ich Deinen Brief spät erhielt, nachdem ich mich schon von der Gesellschaft entfernt hatte. Lebe wohl und glücklich.
Ganz der Deinige _Schütz_.
=Schütze, Stephan.=
Geb. am 1. Nov. 1771 zu Olvenstädt bei Magdeburg, gestorben in Weimar am 19. März 1839.
Gedichte (1810.) -- Eine neue Sammlung Gedichte ernsten und scherzhaften Inhalts (1830.) -- Der unsichtbare Prinz, 3 Bde. (1812.) -- Humoristische Reisebeschreibungen. -- Versuch einer Theorie des Komischen (1818.) -- Von 1814 bis 1836 redigirte er das beliebte Taschenbuch, welches den seltsamen Titel: „Der Liebe und Freundschaft“ führte, aber sehr hübsche Beiträge, unter anderen auch die meisten seiner eigenen Erzählungen enthielt.
Schütze lebte in Weimar, unseres Wissens ohne Amt, obgleich er „Hofrath“ hieß. Seine häusliche Einrichtung war so sauber, still und behaglich, wie das nur in kinderloser Ehe möglich ist. Freundlich entgegenkommend und umgänglich hatte er dennoch den Schelm im Nacken, vertheilte rechts und links kleine Hiebe, verschonte sogar den Altmeister nicht, dem er gleichwohl in Ehrfurcht anhing. Durch all’ sein Reden, Gebahren und Thun zog sich ein ironisch-humoristischer Spott, der aber von übler Absicht rein sich zuletzt immer wieder auf die _Theorie_ des _Komischen_ im Leben richtete, und den Umgang mit ihm erheiternd belebte. Hätte man ihn nicht als guten Ehemann gekannt, so würde man bisweilen versucht gewesen sein, ihn für einen recht eingerosteten Hagestolz zu halten. So z.B. gehörte es zu den Junggesellen-artigen Lustbarkeiten, die er vorzog, daß er, mitten im Winter, bei schlechtestem Wetter, sich einen geschlossenen Lohnwagen miethete, in diesem bis Erfurt fuhr -- etwa um Bekannte dort zu besuchen?... mit nichten! Um in einem Gasthofe einzukehren, auf seinem Zimmer gut zu diniren und nach vollbrachter That gen Weimar heimzukehren. Fand er einen ihm zusagenden Begleiter, so nahm er diesen mit. Wo nicht, ei dann fuhr er allein, speisete allein, trank allein, kehrte allein zurück. -- Lauter Versuche zur Theorie des Komischen!
_Weimar_, d. 7t. Sept. 1838.
Als ich vor vier Jahren das letztemal in Dresden war, hoffte ich Sie, Hochverehrter, wieder einmal zu sprechen, aber ich fand Sie nicht gegenwärtig. Daß ich seit der Zeit oft in Gedanken, mit Ihnen mich beschäftigt habe, werden Sie wohl ohne ausdrückliche Versicherung glauben. Jetzt soll mein Taschenbuch mir Gelegenheit geben, mit Ihnen in Berührung zu kommen, und ich bin deshalb so frei gewesen, der Willmannschen Verlagshandlung den Auftrag zu ertheilen, es Ihnen zu senden. Ich bilde mir nämlich ein, daß eine Erzählung von mir darin: _Die beiden Candidaten_ nicht ohne Interesse für Sie sein möchte. Ob ich gleich alles auf Natur und Erfahrung gebaut habe, so ist doch besonders die Hauptfigur darin: der Herr von Grauenstein reine Erfindung. Es giebt in den entlegenen Provinzen unter dem Adel närrische Kauze dieser Art, und ich glaube gewiß, daß Sie auch mehrere dergleichen gekannt haben. Ich habe ihn zugleich als Repräsentanten des materiellen Princips benutzt und bei Abwägung des geistlichen und leiblichen in Beziehung auf einen Ausschlag ein klein wenig an Goethe gedacht, der, im Leben wenigstens, einer recht tüchtigen bürgerlichen Erscheinung gern den Vorzug gab, und auf Augenblicke sich von ihr bestechen ließ, auch mündlich öfters in Grundsätzen sich dafür aussprach. Es versteht sich, daß ihm dabei das Geistige nicht entging, aber es folgte nicht selten erst um ein Paar Schritte später. -- Dies alles ist indeß nur Nebenbemerkung. Die Erzählung geht frei für sich ihren Gang fort, und sie hat in der Darstellung auf eine solche Beziehung keine Rücksicht genommen. -- In der Sprache bin ich dem Grundsatze der Natürlichkeit und Einfachheit treu geblieben, mit der Ueberzeugung, daß sie um so mehr dem Stoff sich nähert, je mehr sie sich immer den Gegenständen selbst anschmiegt, woraus denn die Abwechselung in den Tonarten und Stimmungen sich von selbst ergeben muß, ohne daß man nöthig hat, wie viele neuere Schriftsteller thun, zur lebhaften Erregung der Theilnahme über alles hinaus ein Feuerwerk in verschiedenen Farben abzubrennen. Ich denke, daß ich hiermit nur Ihren eigenen Weg verfolge.
Mündlich ließe sich noch mehr, und wohl recht viel darüber sprechen; da mir aber das Glück einer solchen Unterhaltung mit Ihnen versagt ist, und eine schriftliche Mittheilung doch nur dürftig bleibt, so schließe ich lieber diese Zeilen, indem ich mich dem sehnlichen Wunsche und der Hoffnung überlasse, von Ihnen bald vielleicht manches Belehrende und Ermunternde vernehmen zu dürfen.
Auf jeden Fall mich somit Ihrem geneigten Andenken empfehlend verbleibe ich mit alttreuer Hochachtung
Ihr ergebenster _St. Schütze_.
=Schulze, Friedrich August.=
Geb. am 1. Juni 1770 zu Dresden, gestorben daselbst am 4. Sept. 1849.
Im Jahre 1800 ist sein erster Roman: „Der Mann auf Freiersfüßen“ erschienen, und von jener Zeit an hat _Fr. Laun_ (wie er sich nannte) unter den beliebten Erzählern einen der ehrenvollsten Plätze behauptet. Ihm war die seltene Gabe verliehen, neben dem Beifall der großen, oft oberflächlichen Lesewelt, die er zu fesseln verstand, auch den Antheil und die Achtung strengerer Beurtheiler zu gewinnen, und sich fortdauernd zu erhalten. Den besten Beweis dafür liefert die (1843) veranstaltete Ausgabe seiner „Gesammelten Schriften,“ welche Ludw. Tieck mit einem Prologe begleitete.
Daß Laun auch anderweitig wirksam gewesen für die höheren Interessen der Poesie, geht aus einer Stelle des zweiten Briefes hervor, die von der Fortsetzung des Goethe’schen Faust handelnd, beherzigenswerthe Worte ausspricht.
I.
_Dresden_, den 11. Oktober 1842.
_Innigstverehrter!_
Die vor einigen Wochen verlautete Nachricht Ihres plözlichen Krankheitsanfalls betrübte mich allzusehr, als daß ich mich enthalten könnte, Ihnen selbst meine Freude darüber auszusprechen, nun das Uebel, nach der Versicherung der Frau Prof. Solger, so gut wie völlig gehoben erscheint. Professor Hübner, mit dem ich bald darauf zufällig zusammenkam, eröffnete mir sein Bedauern des Sie betroffenen Unfalls und freuete sich mit mir, wie ich ihm die neuere, so erwünschte Notiz mittheilen konnte.
Schwerlich werden Sie sich noch eines Gesprächs aus dem letztvergangenen Winter entsinnen, wo ich des ~Théatre italien~ von Gherardi Erwähnung that. Sie klagten darüber, dasselbe Buch (von dem Sie, vor nunmehr wohl 40 Jahren, mir einige Bände vorzüglich empfohlen und communicirt hatten), ich weiß nicht mehr ob ganz oder nur zum Theil, neuerlich in Ihrer Büchersammlung zu vermissen. Dabei erinnerte ich mich, daß mein geringer Büchervorrath mehr als Ein Exemplar des Werkes enthalten müsse, und faßte schon damals den festen Vorsaz, die beiden Exemplare aus den in größter Unordnung unter- und übereinander in Schränken, zum Theil ganz verpackt, liegenden Büchern, herauszusuchen. Leider aber verschob sich die Sache von Woche zu Woche, von Monat zu Monat. Der auf dem Bücherknäuel liegende, dicke Staub erfüllte mich immer mit neuem unbezwinglichen Grauen vor der unglücklichen Operation. Endlich und zwar grade am Tage nach Ihrer Abreise -- die für alle Ihre hiesigen, zahlreichen Verehrer so traurig war -- wagte ich mich denn doch an’s Werk. Und siehe da, es fanden sich wirklich, wie vielleicht am künftigen jüngsten Tage die auf Schlachtfeldern zerstreut liegenden menschlichen Glieder zu ganzen Körpern, die einzelnen Theile zu zwei vollständigen Exemplaren des ~Theatre italien~, jedes von 6 Bänden, zusammen.
Nach einer oberflächlichen Vergleichung stimmen beide Ausgaben in Allem überein. Die eine ist im Jahre 1701 zu Amsterdam herausgekommen, wohin Gherardi, nachdem sein Bühnenunternehmen im Hotel de Bourgogne zu Paris im Jahre 1697 sich aufgelöst hatte, in’s Privatleben zurückgetreten zu seyn scheint. Meine zweite zu Paris im Jahre 1717 gedruckte Ausgabe hat der Verf. ebenfalls noch selbst besorgt.
In der Hoffnung, daß Sie mir das Vergnügen, dem einen mir völlig unnüzen Exemplare einen Platz unter Ihren Büchern einzuräumen nicht versagen würden, hätte ich Ihnen solches schon mit diesem Briefe gesendet, wünschte ich nicht, Ihnen die Wahl zwischen beiden zu überlassen. Erfreuen Sie mich daher, bitte ich, Verehrtester, mit der Nachricht, welches Exemplar Sie vorziehen. Mir ist es völlig gleichgültig, ob ich dieses oder jenes behalte. Beide sind übrigens in Lederbänden und das eine, wie das andere recht leidlich erhalten.
Noch füge ich meinen aufrichtigen Glückwunsch zur Vermählung Ihres Fräuleins Tochter und die gehorsamste Bitte bei, der Frau Gräfin von Finkenstein, nebst dem Wunsche des besten Wohlseyns, meinen Respekt zu erkennen zu geben.
Leider, bin ich noch immer außer Stande, Ihnen die erste Lieferung meiner Schriften zu übersenden. Der Verleger ist wegen der vor kurzem erfolgten Erweiterung seiner Geschäfte durch Verbindung mit zwei anderen gut renommirten Stuttgarter Buchhandlungen, der Riegerschen und Brodhagschen, mit Arbeiten zu überhäuft gewesen, um schon an’s Beginnen meiner Sammlung zu gelangen. Doch soll die zweite Lieferung sich desto schneller an die erste anschließen. Er hat mir auch schon den Probedruck des in Wien gefertigten Stahlstichs meines nach Hartmanns Gemälde gefertigten Porträts übersendet, welches dem Titel des ersten Bandes gegenüber erscheinen wird.
Meine Frau, die auch der Frau Gräfin sich zu Gnaden empfiehlt, trägt mir auf, Ihnen ihren freudigen Antheil an der so glücklichen Hoffnung auf Ihre baldigste gänzliche Herstellung kundzuthun.
Mit innigster Verehrung
Der Ihrige _Schulze_.
II.
_Dresden_, den 25. Decbr. 1843.
_Verehrtester!_
Ihr so wohlwollender Brief vom 31. d. M. hat mir wahrhafte Beruhigung zugeführt, weil ich fortdauernd in großer Sorge stand, meine Auswahl bei der Sammlung der Launschen Schriften wäre nicht nach Ihrem Wunsche ausgefallen. Mein Vorsaz ist, eher etwas zu viel von meinen Werken wegzulassen, als aufzunehmen, freilich aber fehlt, leider, grade dem Verfasser mitunter das Urtheil, das rechte, über Manches, es kann daher wohl vorkommen, daß er im Weglassen und Aufnehmen mitunter Misgriffe begeht.
Der mitfolgende 5te Band empfiehlt sich Ihrer freundschaftlichen Nachsicht. Die beiden lezten Novellen darin erscheinen zum ersten Male gedruckt.
Große Freude hat mir die durch Ihren Brief bestätigte glänzende Aufnahme der Aufführung des Sommernachtstraums, nach Ihrer Anordnung gemacht. Bereits im vorigen Jahre enthielt das Morgenblatt eine Lokalnotiz von mir, in der ich über das Projekt meine Meinung äußerte. Da Ihnen das Blatt schwerlich zu Gesicht gelangte, so erlaube ich mir solches mit der Bitte beizulegen, es mir künftig wieder zugehen zu lassen. Die Antigone hat schon, wie es scheint, eine entschiedene Anregung bei den größeren Bühnen Deutschlands gegeben. Es läßt sich daher etwas Gleiches vom Sommernachtstraum desto eher hoffen, da Shakespeare dem Sinne des Publikums doch weit näher liegt, als die griechischen Tragiker.
Vor Kurzem stand in den Blättern für literar. Unterhaltung und zwar in den Nummern vom 9. bis 12. des jetzigen Monats ein Aufsaz von mir unter dem Titel: _Poesie und Prosa_. Unter anderm bemerkte ich darin, daß so tief auch der 2te Theil von Goethe’s Faust unter dem 1sten stehe, doch von Denjenigen unserer Dichter, die sich die Männer der Gegenwart nennen, kein einziger im Stande seyn würde, einen solchen zweiten Theil zu produciren. Sollte Ihnen zufällig die kleine Ausarbeitung in die Hände gerathen seyn, die hauptsächlich über die Unrichtigkeit, die Worte: _Poesie_ und Prosa als Kontraste zu behandeln, sich ausläßt, so würde es mir die größte Genugthuung gewähren, wenn ich gelegentlich erführe, daß meine darin eröffneten Ansichten, wenigstens in der Hauptsache mit den Ihrigen übereinstimmten.
Meine gute Frau trägt mir auf, Ihnen den aufrichtigsten Dank für die gütige Erinnerung an sie abzustatten. Der mehrjährige Gebrauch des Karlsbades ist ihrer früher sehr mangelhaften Gesundheit sehr zu statten gekommen. Sie nimmt mit mir den lebendigsten Antheil an Ihrem Wohlseyn und an dem so glücklichen Erfolge der Augenoperation der Frau Gräfin von Finkenstein.
Mit der treuesten, innigsten Verehrung
Der Ihrige _Schulze_.
=Schwab, Gustav Benjamin.=
Geb. zu Stuttgart 1798, gestorb. daselbst am 4. Nov. 1850.
Wenn seine ihm eigenste poetische Richtung zugleich eine religiöse war und sich in weltliches Treiben nicht verlor, so hielt ihn doch andrerseits die kirchliche Amtsstellung, die er im Staate einnahm, keinesweges ab, sich mit regem Sinne, mit unbegrenzter Theilnahme nach allen Seiten hin zu wenden, wo frisches Talent, ursprüngliche Begabung ihm entgegentrat, und kein Mensch ist weiter davon entfernt gewesen als er, engherzig zu verlangen, daß „allen Bäumen _eine_ Rinde wachse!“ Wer irgend welche litterarische Beziehung zu ihm gehabt und dabei Gelegenheit gefunden hat ihn kennen zu lernen, der wird ihn freudig wieder erkennen und begrüßen in nachstehendem Briefe!
Als epischer und lyrischer Dichter blühend und fruchtbar von den Knabenjahren an bis in’s reife Mannesalter, hat er eine reiche Auswahl schöner Gaben hinterlassen, deren viele im Geist und Gemüth seines Volkes fortleben, um nie zu sterben. Und wenn er dadurch _seinen_ Nachruhm sicherte, ist er doch immer auch thätig gewesen, sei’s durch gelehrte und sinnvoll-geordnete Anthologieen, sei’s durch meisterhafte Uebertragungen, sei’s endlich durch Redaktion, Herausgabe und Lebensbeschreibung verstorbener Dichter, deren Nachruhm zu vermehren. Sagen des klassischen Alterthums -- Lamartine’s -- Barthelemy’s Poesieen -- Paul Fleming’s auserlesene Gedichte -- Geistliche Legenden -- W. Hauffs sämmtliche Werke -- Wilh. Müllers vermischte Schriften (siehe diesen Brief!) -- Schillers Leben -- der deutsche Musenalmanach (mit Chamisso) -- das sind nur einige obenhin herausgegriffene Belege für die vielseitige Thatkraft eines im ernsten Amte gewissenhaften Arbeiters, der nebenbei -- zur Erholung von der Berufspflicht -- eine ganze Bibliothek werthvoller Bücher schrieb, sammelte, kritisch beleuchtete und den duftigen Flor eigener Dichtungen in stetem Wachsthum hielt!
_Stuttgart_, den 28. Jan. 1829.
_Hochverehrter Mann!_
Das Herz in beide Hände nehmend benütze ich endlich die Erlaubniß, welche Sie mir ertheilt haben, mich schriftlich an Sie zu wenden, ohne weiter auf Worte zu studieren. Kommt es linkisch heraus, so schreiben Sie es auf Rechnung der Scheu, die uns hohen Geistern gegenüber geradeso und mit mehr Recht ergreift, wie gegenüber von hohen Personen.
Ich habe die Sammlung des seel. Wilhelm Müller, die nach dem Wunsche des Verlegers, Brockhaus, dem sich die Wittwe gefügt hat, nur aus seinen „vermischten Schriften,“ nicht aus den sämmtlichen Werken bestehen soll, seit den Herbstferien in Ordnung gebracht und das neu geordnete Manuscript, wenn man lauter Gedrucktes so nennen kann, dem Verleger zugeschickt. Der Druck wird aber nicht sobald beginnen, daß ich nicht noch von allen Fingerzeigen, die Ihre gütige Theilnahme mir zukommen lassen wollte, Gebrauch machen könnte, und so vergönnen Sie mir, daß ich Ihnen im Allgemeinen kurz meine Verfahrungsweise andeute.