Briefe an Ludwig Tieck (3/4) Dritter Band
Part 28
Was meine Arbeit über Calderon betrifft, so haben Sie mir davon ein so hohes Ideal in Ihrem Brief aufgestellt, daß ich davor erschrocken bin, indem ich meine Kräfte gegen die Aufgabe maß. Wenn ich Ihnen den Titel des Buches schreibe, glaube ich ungefähr anzugeben, was ich glaube mit Gründlichkeit und Sicherheit leisten zu können. „Geist aus 200 (oder wie viel ich auftreiben kann) Schauspielen des Calderon d. L. B. mit Untersuchungen über Zeitfolge, Quellen, Nachahmungen, das Geschichtliche, Lesearten, Anspielungen u. d.“ In drei bis vier Bändchen möchte ich nun zuerst die Deutschen mit dem ganzen Reichthum des Spaniers, (der durch seine rührende Anhänglichkeit an das Haus Oestreich und die Deutschen sich so gern selbst uns anschließt) bekannt machen. Und dies Werk soll so wenig eine Uebersetzung des ganzen überflüssig machen, daß vielmehr dadurch das Bedürfniß derselben hoffentlich recht fühlbar wird. Denn ich gestehe Ihnen offen, daß mir scheint, wir werden die besten Stücke Calderons, aus seinem Mannesalter, wo Form und Stoff sich innig durchdrungen haben, nimmermehr so vollendet als es möglich in unserer Sprache lesen, wenn wir von den bogenlangen Assonanzen und steilen Reimen bei der Uebersetzung nicht abstehen. Der Deutsche hat nun einmal immer nur Einen Reim, wo der Spanier zehn hat. Das kann kein Gott ändern. Die ewig wieder kehrenden Endungen auf _eben_, _oben_, und _ieben_ verglichen mit der Fülle, Glätte und Anspruchslosigkeit des spanischen bilden in der That einen größern Abstand, als wenn jemand diese unnatürliche Fessel abwerfend, nunmehr die Mittel hat sich genau in allen wesentlichen Stücken dem Original anzuschließen, oder lieber dies aus sich heraus zu gebären. Mir scheinen die bewundernswürdigen Stücke von Schlegel und Gries vielmehr Kunststücke als Kunstwerke. Eine Freundin von mir (von welcher Ostern der Bojardo in hundert Bildern bearbeitet erscheint) wird einige der besten Dramen zugleich mit meiner Schrift, so wieder gegeben, drucken lassen, doch dies beiläufig. Mein erster Band soll die eigentlichen Intriguen-Stücke enthalten, der zweite die sogenannten heroischen, worunter die geschichtlichen, der dritte die mythologischen Festspiele, der vierte und stärkste die geistlichen, nebst den wichtigsten Autos. Und das nach der Zeitfolge, so weit ich sie herausbringen kann. Für 36 Stücke hat die Ausgabe des Vera-Tassis (Apontes hat eine wunderliche Verwirrung angerichtet, und sich wahrscheinlich nur nach dem augenblicklichen Bedürfniß des Buchhändlers bestimmt) das Datum der ersten Erscheinung. Für etwa eben so viel der andern sind geschichtliche Andeutungen, oder Anspielungen auf frühere Stücke (was Cald. sehr liebt) vorhanden, welche durch eine gesunde combinatorische Kritik ungezwungen die Folge angeben. Dann tragen die Dramen des späteren Alters unverkennbare Spuren von Mattigkeit, Unlust an dergl. Arbeiten und Manier, wobei als Brennpunkt ~Fieras afemina amor~ angenommen werden muß, in welchem Tag und Jahr der Abfassung selbst angegeben ist. -- Zuerst wird bei jedem Drama der Inhalt angegeben, oder, wenn Sie mir den Ausdruck erlauben, die Lebenspunkte. Und das in einem Styl, welcher dem jedesmaligen Ton des Drama angemessen ist. Dies ist theils für die nothwendig und erfreulich, welche das so seltene Original nicht haben, theils aber wird es auch für andere nicht unangenehm sein, einen Faden zu haben, sich durch die labyrinthischen Gänge durchzufinden. Außerdem sieht und weist vielleicht auch der, welcher sich ~ex professo~ lange mit dem Dichter beschäftigt hat, auf manches hin, was der gewöhnliche Leser übersieht, oder gering achtet, und sich dadurch Kenntniß und Genuß verkümmert. Ohne das würde auch schwerlich ein Buchhändler in Europa sich zu dem Verlag unter irgend einer Bedingung verstehen, selbst wenn ich auch lateinisch oder französisch es abfassen wollte. Dann folgen hinter jedem Stück die Bemerkungen. In einem Anhang das Leben des Calderon nach Vera Tassis, in einem zweiten die Vergleichung der Ausgaben, in einem dritten Conjecturen und Lesearten, und Druckfehler (die letzteren im Apontes verbessert aus Vera-Tassis) in der einfachen Form wie die ~Castigationes~ zu griechischen und römischen Schriftstellern sonst gemacht und gedruckt wurden (namentlich die von Falkenburg zum Homerus).
Die drei Bände, welche Sie mir übersandt haben, sind mir äußerst willkommen gewesen, und ich kann Ihnen mit keinen Worten ausdrücken, wie verpflichtet ich mich Ihnen hierfür, für das Verzeichniß, und für Ihr gütiges Anerbieten fühle. Den Katalog habe ich sogleich durch den hiesigen Bibliothekar und wunderlichen Spanier Liaño nach Spanien befördert, und gebeten die Stücke welche dort etwa einzeln zum Verkauf zu haben wären mir zu übersenden. Wenn Sie aber nach Wien oder München schreiben, würden Sie die Verpflichtungen, welche ich Ihnen habe, noch vermehren, wenn Sie wegen dieser Dramen nachfragten. Durch eine der hiesigen Buchhandlungen läßt sich der Transport vielleicht besorgen. Denn ich traue Liaños Commissionarien in Spanien nicht Neigung und Kenntniß genug zu, um sich lebhaft dort für die Sache zu bekümmern. (Wir glauben eine nun folgende, lange Stelle dieses Briefes, die ein Verzeichniß von wichtigen Büchertiteln enthält, und nur dem Gelehrten vom Fache Interesse gewähren könnte, unterdrücken zu sollen.)
Wie lieb wäre es mir, wenn ich öfter Ihrer belehrenden und ermunternden Unterhaltung genießen könnte. Erhalten Sie mir Ihre Gewogenheit und Liebe.
Der Ihrige _F. W. V. Schmidt_ Fischerstraße 22.
Auf die Anzeige in der Literatur-Zeitung habe ich mir sogleich angeschafft: ~De poeseos dramaticae genere hispanico, praesertim de Petro Calderone de la Barca. Scr. Heiberg. Hafniae 1817.~ Es hat mir Leid gethan, daß der so viele Liebe für den span. Dichter zeigt, ein ganz unbrauchbares Buch darüber geschrieben hat. Denn für den _Kenner_ ist es _ganz_ überflüssig, er lernt auch nicht Ein Wort daraus. Für den Nicht-Kenner unverständlich.
III.
_Berlin_, 22. Febr. 19.
Abermals, mein hochgeehrter Gönner und Freund, muß ich mit Beschämung an Sie schreiben, denn noch immer bleibe ich tief in Ihrer Schuld. Schieben Sie dies aber ja nicht auf die einigen Gelehrten eigene Fahrläßigkeit bei Benutzung von fremden Büchern; ich habe in der That in den letzten zwei Monaten so viel unerwartete Geschäfte bekommen, daß ich kaum weiß, wenn ich darauf zurück sehe, wie ich bei meinen drückenden Amtsgeschäften habe durchkommen können. Ich habe nämlich auf höhere Aufmunterung gestützt mich bei der hiesigen Universität als Docent für die neuere Literatur, Geschichte der Poesie und dergl. gemeldet, und neben unzähligen Gängen und Weitläuftigkeiten (welche mir indeß durch Solgers, Wilkens und Böckhs gütiges Benehmen erleichtert sind) zwei lange Abhandlungen anfertigen, und Reden halten müssen, die Eine lateinisch ~de Petri Alfonsi libro inedito, qui inscriptus est Disciplina Clericalis~, die andere deutsch, über Calderon, worin ich mir erlaubt habe Ihrer zu erwähnen. Diese letztere wird jetzt gedruckt, und ich werde sie Ihnen in wenig Wochen zugleich mit Ihren 3 Theilen Calderon übersenden, mit einem längeren Brief. Möge Ihnen dies als Grund der Verzögerung genügen. Es liegt mir doch so am Herzen, die Stücke durchzuarbeiten, und Sie erhalten sie auf jeden Fall vor Ostern wieder.
Hiebei erhalten Sie mit Dank Ihren _Indice general_ zurück. Ich habe einen Auszug der zweifelhaften Stücke des Calderon gemacht, und lege Ihnen hier eine Abschrift davon bei. Wenn Sie nun sich deshalb nach Wien meinetwegen und des Calderon wegen wenden wollten, so würde vielleicht kein Zeitpunkt günstiger sein, als der jetzige. Denn es wird jetzt in Wien durch die Gnade des Ministers Altenstein eine Abschrift des griechischen Codex der sieben weisen Meister auf der dortigen Bibliothek für mich gemacht (Aus Paris habe ich schon den Anfang der griechischen 7 Meister und der ~Disciplina clericalis~ vom Ministerium erhalten); es würden also die dortigen Bibliothekare so weniger Bedenken tragen einem Mann dergleichen anzuvertrauen, der Ihr Vorwort und das Zutrauen des Ministeriums besitzt. Vielleicht ließe sich der Transport dann auch auf gesandtschaftlichem Wege (denn so werden mir die Abschriften übermacht) besorgen.
Aber auch den Dunlop kann ich Ihnen leider in diesem Augenblick nicht schicken. Ich will nämlich (~N. B.~ wenn ich Zuhörer gewinnen kann) Ostern Geschichte der neueren Litteratur auf der Universität lesen, nach eignen Diktaten. Ich muß die Collegia dazu vorher ziemlich ausarbeiten, da ich Anfänger im Collegium-Lesen bin, und da ist der Dunlop ein unentbehrliches Noth- und Hülfsbuch. Indeß hoffe ich doch recht bald Ihnen damit dienen zu können, denn ich habe auf der hiesigen Königl. Bibliothek um dessen Anschaffung dringend gebeten, und hoffe mit Erfolg. Sobald er nun hier angelangt ist, erhalten Sie mein Exemplar zum Gebrauch, denn alsdann bin ich zu dem Exemplar der Bibliothek der nächste.
Vielleicht kennen Sie die neue Uebersetzung der 1001 Nacht von Scott noch nicht, deren 6ter Theil von Galland, Cardonne und dem letzten Franzosen (der Name fällt mir nicht ein) nicht gekannte Stücke enthält. In dieser Voraussetzung übersende ich Ihnen diesen, um doch nicht ganz leer zu erscheinen. Bald meine Vorlesung über Calderon und Ihre 3 Bände zurück. Werden Sie nächstens ganz gesund, und erhalten mir Ihre Zuneigung und Freundschaft, die mir so werth ist.
_In großer Eil._
Ihr _F. W. V. Schmidt_, Fischerstraße 22.
Viele Empfehlungen an Ihre werthen Angehörigen.
=Schnaase, Karl.=
Geb. am 7. Dec. 1798 zu Danzig.
Dieser bedeutende Kunsthistoriker -- sein Hauptwerk: Geschichte der bildenden Künste war 1861 noch nicht vollendet -- lebte längere Zeit in Düsseldorf, wo er zum schönen Vereine gehörte, den Immermann, Schadow, Uechtritz und Andere bildeten. Dies Zusammenleben ist Allen förderlich gewesen, hat zu gegenseitiger Belebung und Erhebung gewirkt, und schöne Wissenschaften wie Kunst haben dadurch gewonnen. Solche Bündnisse sind hienieden selten und leider in der Regel auch nicht dauernd; Tod wie Leben lockern und lösen was so fest schien.
Herr Obertribunalrath Schnaase lebt jetzt in Berlin.
_Düsseldorf_, d. 1. December 1840.
_Theurer, verehrter Herr Hofrath!_
Sie waren bei meiner Abreise von Dresden so freundlich, mich aufzufordern, Ihnen von Berlin aus zu schreiben. So gern ich Ihnen den Dank für die überaus gütige Aufnahme, die Sie mir gewährt, wiederholt und den tiefen und wohlthätigen Eindruck, den ich davon trug, geschildert hätte, so hielt mich eine Scheu davon ab, Ihnen gleich wieder mit meiner unbedeutenden Person vor die Augen zu treten. Vielleicht mit Unrecht, aber es liegt einmal so in meinem Wesen. Gestern theilte mir unsre Freundin Immermann Ihren Brief mit, dessen Inhalt uns höchst erfreute und wieder so innig und freundlich war, daß ich nun nicht länger zögern kann. Es ist überaus schön und gütig, daß Sie Hand daran legen wollen, den Grundriß des unausgebaut gebliebenen Theiles in dem Gedicht unsres Freundes auszuzeichnen. Ihrer Meisterschaft wird es vortrefflich gelingen, das Unfertige mit leichten, kräftigen Zügen so zu malen, daß es wie in perspektivischer Verkürzung und Entfernung an das Vollendete und Nahe sich anschließt und der Phantasie ein Ganzes wird. Niemand versteht es ja so gut wie Sie, was der innere Einheits- und Lebenspunkt eines Gedichtes ist. -- Frau Immermann bittet, damit ich diesen Punkt sogleich ganz bespreche, daß Sie das Manuscript, welches sie Ihnen geschickt, da behalten mögen. Es ist eine Abschrift von der hier zurückbehaltenen, nach welcher auch der Druck bereits begonnen hat. Bei dem reichen Stoff zu eigenen Arbeiten, der Ihnen gewiß auch jetzt wieder vorliegt, darf man Ihre Güte nicht mißbrauchen, darum mache ich nur im Vorbeigehn darauf aufmerksam, daß wie gesagt, der Druck schon angefangen hat. Daß Sie bei dieser Gelegenheit auch ein Wort über Immermanns dichterische Gestalt überhaupt sprechen wollen, ist unschätzbar; ich hatte es im Stillen gehofft. Das würde dann füglich dem Bande, welcher den Tristan enthält, auch beigegeben werden. Meinen Nekrolog beabsichtigen wir (etwas erweitert) in einem spätern Bande, wo nachgelassene und gesammelte Schriften erscheinen können, beizugeben. Des Nachgelassenen ist eigentlich nicht viel da, hauptsächlich nur ein Tagebuch, aus dem man noch dazu die besten Stellen (zum Theil) wegen persönlicher Beziehungen fortlassen muß, aus der Theaterperiode. Dagegen kann manches Vereinzelte (Gismonde, der Aufsatz über Grabbe, die in der Pandora abgedruckten Düsseldorfer Anfänge) gesammelt, vielleicht auch Vergriffenes wieder abgedruckt werden.
Ihre Vittoria habe ich mit der größten Freude und Bewunderung, mit dem ausdauerndsten Interesse gelesen. Es ist ein _historischer_ Roman, im besten Sinne des Worts, mehr als irgend einer. Ich kann den Eindruck, den er mir macht, am Meisten mit dem der Hauptwerke einer älteren Periode vergleichen, aus denen mir der Geist, das Leben jener Zeit so concentrirt, thatkräftig, mehr die Wurzel der Entwickelung, als die Breite der Zustände entgegentritt. Dies warme, innige Gefühl eines frühern Zeitgeistes, einer andern Gestaltung des Menschengeistes in einem Momente, wie in lebendigem Athem mitgetheilt zu erhalten, ist mir ein großer Genuß, und ebenso empfinde ich ungefähr bei Ihrer Vittoria. Jenes Geschichtsgefühl (wenn ich es so abstract und barbarisch nennen darf) fesselt mich auch oft bei Kunstwerken einer Zeit, welche an sich für diese Kunstgattung nicht geeignet war, und die daher in ästhetischer Würdigung nicht sehr hoch zu stehn kämen, und das macht dann wieder den Vergleich hinkend, weil in Ihrem Gedicht dieser Kontrast nicht vorhanden ist. Aber dennoch bleibt etwas Aehnliches, weil Zeit und Volk, die Sie für die empfängliche Phantasie so überaus treu und wahr schildern, in der moralischen Würdigung der Zeiten auch nicht die erste Stufe einnehmen. Auch darin ist der Eindruck ein historischer, weil man fühlt, wie nicht blos der große Haufe, dem die Selbstständigkeit fehlt, und die Heroen und Leiter der öffentlichen Dinge, die sich damit identificiren, sondern auch die ausgezeichnetesten, edelsten Gestalten der mittlern Region, des weiblichen und häuslichen Lebens, ganz von dem geschichtlichen Leben ihrer Zeit durchdrungen, mit demselben verwachsen sind. Dieser Eindruck ist, wie billig, ein tragischer, -- herbe, weil so seltene, edelste Gestalten, wie Vittoria, wie Bracciano, dem Schicksale erliegen, nicht bloß kämpfend, sondern eben weil sie von der verderblichen Richtung selbst durchdrungen sind -- erhebend, weil auch in entarteter, verfallender Zeit die Verderbniß selbst ein Stoff wird, in dem sich die großen Naturen bilden und entwickeln. Vortrefflich tritt es in Ihrem Werke ans Licht, wie in der Auflösung einer edlen, mildernden Sittlichkeit alles das Maaß überschreitet, im sinnlich Reichen und Weichlichen, wie im Herkulisch oder athletisch Angespannten. -- Mit Einzelnem will ich Sie nicht behelligen, und es ist vielleicht schon sehr keck, daß ich Ihnen meine Auffassung des Ganzen vortrage. Denn soviel vermuthe ich selbst, daß dieser Gedanke es nicht war, von dem Sie ausgingen, daß Sie vielmehr die Ahndung einer Gestalt, wie Sie sie nachher in der Vittoria wirklich gezeichnet haben, begeisterte und Sie die Schönheit derselben (die freilich jene historischen Umgebungen hervorrief) als eine ganz reine, an und für sich werthvolle empfanden. Aber diese Differenz ist vielleicht nur eine nothwendige, und wenn auch nicht, so werden Sie mir meine Auffassung gönnen und verzeihen, da es bekannt ist, daß der Dichter sich gefallen lassen muß, in verschiedenen Lesern Verschiedenes hervorzurufen. Uebrigens habe ich bei diesem Gedichte wieder die Erfahrung gemacht, wie jedes Werk mit seinem Meister zusammenhängt. Ich glaube Ihre Dichtungen noch besser zu verstehn, seit ich Sie persönlich kennen gelernt habe. Das Zeitalter der Rhapsoden war darin glücklich, wo das ganze Volk das Gedicht von den Lippen des Sängers selbst empfing. Ich glaube Ihre Stimme, Ihren Vortrag durchzuhören, und der Sinn, die geistige Harmonie eröffnet sich mir dadurch mehr.
Von Berlin erzähle ich Ihnen nichts. Sie sind dort besser bekannt, wie ich, wenn auch nicht mehr unmittelbar, so durch Ihre Freunde. Eine große Stadt hat etwas Ruhiges, Instinktartiges, was vortheilhaft und nachtheilig wirkt, und dies Mal wohl that. Unsres Königs schöne Gestalt war dabei ein würdiger Augenpunkt. Leider verlautet noch nichts, was seine Huld für Immermann’s Wittwe thun wird. --
Meine Frau empfiehlt sich in dankbarster Erinnerung der schönen Tage, die wir bei Ihnen verlebten, wir beide bitten uns der Frau Gräfin und Ihren lieben Fräulein Töchtern bestens zu empfehlen. Mit inniger Verehrung
Ihr ergebenster
_Schnaase_.
=Schöll, Adolf.=
Geboren 1805 zu Brünn, aus einer daselbst in hoher Achtung stehenden Familie. Er lebte längere Zeit in Berlin, befreundet mit den besten jener Gelehrten, Dichter und Künstler, welche während der dreißiger Jahre gesellig wie geistig vereint, fest zusammenhielten.
Seit 1843 befindet er sich in Weimar, als Direktor Großherzoglicher Kunstinstitute. Er ist Verfasser mehrerer anerkannter Schriften über tragische Poesie der Griechen, über Sophokles &c. und Herausgeber werthvoller Beiträge zur Goethelitteratur.
_Berlin_, d. 7t. März 1839.
_Hochverehrter Herr Hofrath!_