Part 11
Alle im Hause Wendel schienen vorbereitet, als nun Mark Enz es betrat. Er begegnete niemandem, als dem Dienstmädchen, das ihm weinend und stumm den Weg wies. Im Halbdunkel des Schlafzimmers sah er, wie schwarz, mit einer schimmernden weißen Haube, eine Krankenschwester sich wortlos erhob, dann Anne-Dore vorsichtig und schonend etwas zuflüsterte, die Tür hinter ihm zuzog und ihn mit dem Mädchen allein ließ. Auch die Schwester schien eingeweiht und mit den andern dem Schicksal ergeben, das dieser Mann über dies Haus heraufbeschworen hatte. Ja, sie war es gewesen, die Missionar Wendel überredet hatte, seinem sterbenskranken Kinde den Willen zu tun. Sie, die an manchem Bett gesessen, dessen Leidende sich ihr vertraut, sagte schluchzend zu dem alten Mann: »Sie versündigen sich, wenn Sie Ihrem Kinde nicht diesen Wunsch erfüllen, den letzten vielleicht. Sie bittet nicht mehr, das ist das Schreckliche. Aber ihre Augen, ihr Herz, ihre Hände -- -- Gott, es ist wahrhaftig so, als bluteten sie vor Verlangen.«
Da hatte Herr Wendel genickt, mit einem Gesicht, als sei ihm für immer seine Welt in einer neuen fremden versunken, in der sich sein Kopf nicht mehr zurechtfinden konnte, und noch weniger sein verarmtes Herz. --
Mark Enz hörte seinen Namen, ein Stöhnen, das ihn bedeuten sollte. Schmal und weiß tauchten zwei fiebernde Arme aus dem Dämmern empor und suchten ihn. Er beugte sich unter ihrem matten Liebesgruß und kniete an ihrem Bett.
»Mark, Mark, muß ich sterben?« stöhnte sie in sein Haar.
Durch ihr loses Hemd, über Schultern und Brust hin, hatte er flüchtig ihren Körper gesehn, schnell und mit jähem, furchtbarem Erschrecken. War es möglich, daß in so kurzer Zeit ein Mensch so völlig verändert werden konnte?
In einem Taumel von namenloser Wut und kaltem Entsetzen fühlte er: so kommt der Tod. Nicht wie die jugendlichen Träume unserer Kraft ihn sehn, sondern so, schleichend, allgewaltig, gemein, lieblos. Er konnte seine Opfer klein und erbärmlich machen, bevor er sie in seine ewige Nacht dahinraffte. Er entkleidete sie ihrer Schönheit und Wärme, erbarmungslos zerstörte sein Odem den jugendtrunkenen Glauben an Hoheit und fromme Hingabe an sein Friedensreich.
Mark Enz kämpfte einen harten Kampf gegen sein Mitleid, das stärker zu werden drohte, als jedes andere Gefühl. Es war ein Mitleid, in dem er seine ganze Ohnmacht erkannte, seine Todesangst vor der Macht, die hier wirkte und seinen Haß gegen sie. Erst als sie sprach, war er befreit, denn ihre Stimme war ganz die gleiche geblieben wie früher, nur erreichte sie ihn langsamer und trauriger, aber sie gehörte doch noch dem Leben an, auch seinem Leben, ihr Klang war Hoffnung, und wenn auch nur ein matter Abglanz.
Er hatte ihr nicht geantwortet. Da sagte sie deutlich und leise mit schwerfälligen Lippen:
»Wer bist du, ich kenn dich nicht, Mark. Was hast du von mir gewollt und was hast du aus mir gemacht? Ich habe geglaubt, ich sollte alles finden. Was nur? Mark, sag es. -- Willst du es mir nicht sagen? Warst du auch betört wie ich, und hast mich in deine Torheit gezogen? -- Sieh, es ist alles halb geblieben und ich bin verloren. Weil du bist, weil du lebst und führst, einhergehst, darum kann ich nicht mehr umkehren. Oft möchte ich, aber ich muß immer auf dich schauen. Warum bist du nicht gekommen? Es ist schon so spät ...«
Er besann sich und faßte sich:
»Hat es dir Friedberg nicht gesagt, mein Liebling?«
»Ja, er hat gesagt, du seist fortgereist.«
»So war es«, antwortete er bebend. »Ich mußte reisen.«
Sie lächelte flüchtig, ein wenig in Gedanken an Friedberg und auch, weil sie von ihrer Furcht befreit war, Mark hätte nicht kommen wollen.
Aber dann sagte sie ernst, ganz versunken in ihre schwermütige Traurigkeit:
»O, du bist nicht groß und stark, wie ich geglaubt habe, du bist haltlos und schwach. An dir ist alles halb, alles wankelmütig, und dein Herz ist ohne Hingabe. Warum hast du mich auf deinen bösen Weg gelockt, der kein Ziel hat? Wohin gehst du? Mein Weg war vielleicht leer und arm -- du weißt es nicht, nur ich weiß, wie er war, er war einfach und führte zu meiner Ruhe, er ließ mir mein Wesen und ich wäre vielleicht glücklich erwacht. Du bist fremd ...«
Er richtete sich auf, hielt sie mühsam und sah sie an. Sie beugte sich immer noch gegen ihn, stützte sich schwach und hinfällig an seiner gebeugten Schulter, kniend in ihrem Bett. Es sah aus, als versänke sie weiß und erstorben, wenn nicht ihre beiden kraftlosen Arme, deren Hände sich in seinem Nacken falteten, an seinem Hals Halt gefunden hätten.
Ganz nah vor seinem Gesicht flüsterte sie fort:
»Wenn du mein eigen geworden wärst ... aber du hast mir niemals gehört.«
Sie sah sein Gesicht und in gequälter Hast fuhr sie fort:
»Glaube nicht, ich hätte dich nicht lieb gehabt, Mark. O, ich will dir ja nichts nehmen, du sollst alles behalten. Aber bitte, sag es mir doch heute, nun wird es dir ja nicht mehr Schaden tun: du hast mich nicht sehr lieb gehabt, nicht wahr? Nur ein wenig ...«
Er sah sie an, ohne zu antworten. Die tiefe Trauer in seinem Gesicht schien befleckt wie durch Gedanken. Es war, als könnte er sich auch seinem Schmerz nicht hingeben.
»Muß es denn so unter den Menschen sein, so, und nicht anders?« fragte sie wieder sehr leise. »Ist es nicht möglich auf der Erde, daß durch Liebe Kräfte erstehn, die unsere Armut zu Vollkommenem ergänzen? Daß alles gut ist und die Sehnsucht still wird, daß sie Flügel hat und ihren Weg weiß ...«
Da hörte sie ihn qualvoll aufschluchzen, als würde seine Brust in einer Demut gebeugt, der sie trotzte. Er schlug seine Hände vor das blasse Gesicht und weinte, weinte laut und haltlos und ungestüm, wie ein verstörtes Kind.
»O, o,« rief sie zitternd, »doch, doch?« Sie richtete sich mühevoll auf, aber ganz hell im Gesicht vor Seligkeit und wie von geheiltem Gram. Sie nahm seine Hände von den Augen, zog sie nieder, und küßte die ersten Tränen, die sie je bei ihm gesehn, von seinem Gesicht, mit den letzten Küssen, die sie geben sollte.
Da hob er sie auf und bettete sie stark und gefaßt in ihre Decken, ruhig und so liebevoll, wie nur einer sein kann, dessen ganzer Stolz seine Einsamkeit ist. Es war, als schmiegte sie sich noch einmal in seine Hände. Ein Glanz reicher und ruhiger Freude lag in ihrem Gesicht, als habe aller Widerstreit ihrer Seele Erlösung gefunden, als hätten ihre Augen eine Zukunft geschaut, der auch sie gedient, als wüßte sie nun wohl, warum alles so und nicht anders hatte sein müssen: nun gehe ich gern zu meiner Ruhe, da ich es kann im Glauben an das, was ich geliebt habe.
Ob es eine letzte irdische Gewißheit war, die sie beglückte, oder ein erster Traum aus einem Land, in dessen Frieden alle Sehnsucht heilt; niemand hat auf der Erde ihren Kindersinn darum befragt, auch er nicht, der ihre Hände hielt, bis sie bleich in seinen schliefen, und ihren bebenden Druck nicht mehr erwidern konnten, wie einst den ersten.
* * * * *
Immer standen im Hause die Türen auf, es zog durch die offenen Fenster, eine blasse Ratlosigkeit herrschte überall. Die alltäglichsten Dinge nahmen eine seltsame Würde an und behaupteten sich gewichtig und in einem neuen Licht. Vielleicht lag es daran, daß seit Tagen alle Ordnung und die gewohnte sichere Lebensführung zerstört waren. Lotte fühlte sich tief bedrückt dadurch, daß niemand mehr ihre alten Pflichten von ihr verlangte, nur rasche, unerwartete, aufregende Handlungen forderte man, Dienste, die nicht beachtet wurden. Sie hatte das Bedürfnis, diese offene Tür zu benutzen, um zu flüchten, fort aus diesen Räumen, deren Öde von Verfall sprach. Wäre nur alles erst vorüber, dachte sie, alles.
Denn daß es sich zum besten wenden möchte, daran glaubte niemand mehr, nur der Sanitätsrat sagte es, und die andern wiederholten es. Gott, was ließ sich nicht alles mit Worten wiederholen. -- Die Herzen schwiegen und warteten. Irgendwo schlich eine Freude in den Winkeln umher, eine widerwärtige Freude, etwas wie ein hämischer Triumph. Er war hinter einem, gebar lüsterne Gedanken und schuf ein Lebensbewußtsein, das man verachten mußte. Das drohende Etwas im Hause galt Anne-Dore, die andern blieben verschont, konnten in den sonnigen Garten gehn, wenn sie wollten, über die Straße, in die laute Stadt, wohin sie mochten. Und morgen auch noch, o, noch lange. Es kicherte in der Luft, machte das warme Blut des Körpers auf ganz neue Art fühlbar, rückte den großen Schmerz beiseit, wie eine schwere, niederströmende Wolke wurde er, die man in sicherer Behausung vorüberziehen sah. Erst der Gedanke an die Erinnerung, die man an ihm haben mochte, lockte die Tränen.
Frau Wendel kam nicht. Lotte mußte an jeden Zug, der sie irgend bringen konnte. Es war noch nicht einmal Nachricht von ihr angekommen, und man fürchtete ernstlich, daß die Botschaft Unheil angerichtet hätte. Aber sie hatte dringend sein müssen, weil sie erst im letzten Augenblick abgegangen war, immer noch war Hoffnung geblieben, die Mutter ganz verschonen zu können. --
Missionar Wendel rang einsam in seinem Zimmer auf den Knien mit seinem Gott. »Erhalte mein Kind,« betete er, »du bist getreu, der uns nicht läßt versuchen über unser Vermögen, sondern macht, daß die Versuchung so ein Ende gewinne, daß wir's können ertragen.« Und er fügte stotternd und im Fieber seiner furchtbaren Angst ein trostreiches Bibelwort an das andere. Aber das in mühseliger Ergebung in so vielen Jahren errichtete Gebäude seiner Glaubenszuversicht stürzte unter dem kalten Angesicht der Todesfurcht zusammen, die ihn schüttelte. Sein gemartertes Herz verwirrte ihm jeden Gedanken und mitten in die zerfahrene Inbrunst eines gestammelten Gebetes hinein schrie der alte Mann laut:
»Anne-Dore, mein Kind, mein einziges Kind, das ich hab. Ich hab sonst nichts.«
Und dann kam ihm plötzlich in den Sinn, daß er ihr einst verboten hatte, ihre Zöpfe noch zu tragen, damals, als Friedberg ins Haus genommen wurde. Das war ihr sicher ein Kummer gewesen, sie hatte gewißlich heimlich Freude daran gehabt und er hatte sie ihr verdorben. Auch hatte sie nie so schöne Kleider besessen wie die vornehmen Damen beim Tennisspiel, und konnte deren Freude niemals teilen. Aber wieviel gab es nicht, das er ihr hätte als Ersatz bieten können, und es war unterblieben; wie unachtsam war seine Liebe gewesen. Diese kleinen Dinge ihres alltäglichen Zusammenlebens! Sie drängten sich vor und marterten ihn; die schweren bösen Ereignisse, seine letzte bittere Erfahrung schienen ihm gering dagegen, nichts als eine Gelegenheit, vergeben zu können. Heimlich dankte er ihr fast für jede Schuld, die sie begangen hatte, als ruhte darin ein Schein von Trost für ihn und seine geringe Liebe. Wenn nur das Schreckliche vorüberzog, das sein Haus bedrohte.
Grausam zertrümmerte ihm das Gespenst des nahenden Todes alle stillen Altäre seines Glaubens, die ihn in gelassener Zeit so oft mit Trost und Segen bedacht hatten. Lautlos zerbarsten sie im Odem der Nacht, die heraufzog, deren Gewalt sein Leben noch nicht in der eigenen Seele erfahren hatte.
Nun wünschte er sich, seine Gattin wäre da. Ihr ruhiges Gottvertrauen, ihre unerschütterliche Kraft, sich dem Willen des Allmächtigen zu fügen, würde auch ihm Halt gegeben haben. Aber dann war ihm plötzlich, als habe er im Grunde nie mit ihr geteilt, auch seine Liebe zu Anne-Dore nicht, als sei sie ganz anders wie er, nicht gläubiger und nicht stärker, sondern armseliger. Es stieg etwas wie eine Verachtung gegen sie in seinem Herzen auf und der Wunsch, seine Schmerzen mit ihr zu teilen, war nicht mehr da. Zerfiel denn alles? Welch eine Kraft war in seinen Wandel eingebrochen? Ihm war, als schaute er auf eine endlose Kette von Täuschungen zurück und er fühlte sich grenzenlos verlassen, bis aus diesem Gram, im kurzen Sonnenschein seiner verlorenen Jugend, das Bild seiner toten Mutter stieg. Er hatte sie längst vergessen, als wäre ihre Treue nie sein Eigentum gewesen, und ganz plötzlich, als ein grimmiger und süßer Kummer, wurde ihm klar: auch du hast keine Mutter gehabt, meine Anne-Dore. Nur mich hast du gehabt, aber was bin ich dir gewesen?
Und ihn, den Fremden, hatte sie gehabt, der sie betrogen und gar verlassen hatte, den mußte sie sehr, o, von Herzen geliebt haben. Er hatte ihren Tod verschuldet und doch rief sie ihn an ihr Leidensbett. Haßte er denn diesen Fremden? Nein, es war kein Haß, es war eine Scheu, ein Graun. Wie konnte ein Mensch den Reichtum solcher Liebe, wie sein Kind sie gab, ertragen, wie konnte er verantworten, ihn zu verachten, wie konnte er ihn missen, diesen Reichtum? War jener stark und reich, segnete ihn dies wunderbare und unverständliche Leben? -- Er wußte es nicht. Er empfand nur, daß er selber bitterlich arm war, weil er nie das Vertrauen seines Kindes besessen hatte, nie in ihre Seele geschaut, nie ihr Weh und ihre Lust geteilt hatte. War er denn am Leben vorübergegangen in all seinen langen Jahren? Unter seinen Tränen erstarrten ihm die müden Augen und er sah, wie eine Vision ferner Regionen des Seins, die Gestalt des jungen Fremden sein Haus betreten, bleich und hastig, eine böse Gelassenheit im Gesicht, sicher, als gäbe es kein Recht für ihn, dessen Pflichten er nicht erfüllt hätte. Und dann war er kurz darauf fortgegangen, ohne ein Wort für ihn oder die anderen, ungebeugt, und doch ging eine Traurigkeit von ihm aus, die keine Vernunft fassen konnte. Und er ließ sein Kind liegen und sterben und ging, um sein Leben zu leben....
»Gott, Gott, sei du sein barmherziger Richter«, stöhnte der alte Mann.
Stürme von Hoffnungslosigkeit wechselten mit einer leeren Ruhe, in der kleine, törichte Gedanken kamen und ihn zu verspotten schienen. Da hob der gequälte Mann den segnenden Christus von seinem Wandbrett, umklammerte die tönerne Figur mit seinen großen, zitternden Händen und ließ in verwirrten Gebeten seine Tränen auf diesen unberührbaren Scheitel tropfen. Aber die Hoheit der machtvollen Liebesworte, die dieser Mann der Menschheit gesagt hatte, wurden ihm von Schmerz und Not in dieser Stunde in hohle Phrasen verwandelt. Eine endlose Öde der Bekümmernis gähnte den Betenden aus der Zukunft her an, ein Weg, leer an Liebe und Glück, bis zum Abschluß seines armen Lebens. Da preßte sich aus seinem ringenden Leib, von der schwer atmenden Brust gestoßen, der erste Fluch über seine Lippen, den er im Leben ausgestoßen hatte. Er hob die Faust gegen das Heilandsbild und sank gebrochen und von kaltem Fieber geschüttelt auf den bunten Strohteppich seines Zimmers. Aber keins seiner Gebete und kein Fluch, der seinem Munde entfahren war, bewirkten, daß auch nur ein Schein von Linderung die Züge seines sterbenden Kindes glättete. --
Es war am Mittag desselben Tages, da erlitt Anne-Dore ihren schweren Tod. Niemand war bei ihr, als ihre Nacht heraufzog. Die Stimmen der Ihren an ihrem Bett reichten nicht mehr zu ihr, an die Ufer des finsteren Reichs hinüber, das schweigend seine Schatten um ihr beschlossenes Dasein legte.
Sie starb ohne Bewußtsein, in furchtbarem Ringen um ihre letzten Atemzüge, man mußte sie im Bett halten, und ihre Brust keuchte noch, nachdem schon lange ihre Augen erloschen schienen. Zuletzt wollte sie sich noch einmal aufrichten, es war, als ließe das schwere Haar es nicht zu, so hoben sich nur ihre Arme, und vor ihnen und höher als sie, die schmalen Hände, deren Tasten schwach und schaurig war. Ihre großen leeren Augen suchten über ihr. Man öffnete die Fenster und ließ das volle Tageslicht in den Raum, den Glanz des strahlenden Mittags, der die erfüllte Erde sommerlich beglückte.
Da kam ein schmerzvolles Lächeln in das verlöschende Licht ihrer Züge. Sie schloß die Augen. Es sank rot und schimmernd auf ihren letzten irdischen Traum. Ein gewaltiges Meer von Rosen brauste leuchtend heran, im Klingen eines Lichts, das über die Erde zog. Es überwältigte in betäubend bitterer Allmacht und begrub ihre kurze Jugend und brauste fort.
An ihrem Sterbelager betete ihr Vater, lallend, und von Schluchzen überwunden:
».... denn unsere Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen wichtige Herrlichkeit. Schaff sie meinem Kind, du Heiland der Welt, Herr Jesus Christus.« --
* * * * *
Mark Enz schritt durch den Wald; die Felder nahmen ihn in ihrer reifenden Fülle auf, wieder der Wald und endlich die breite, rote Heide, ein blühendes Meer. Es zog eine Schar Kinder singend mit ihrer Lehrerin dahin, immer zwei und zwei schritten sie und hatten sich bei den Händen gefaßt. Die weißen Kleidchen und die Blondköpfe leuchteten über dem Korn und am grünen Hintergrund der Buchen. Er hörte die hellen Stimmen, die fein und inbrünstig erklangen, der Sonne und dem schönen Tag dankbar, da blieb er stehn und lauschte:
»Des Sommers goldner Segen liegt auf den Feldern still und heiß. Wir finden Mohn und Ehrenpreis auf unsern lieben Wegen.«
Das Lied verklang im Heidegrund, und der Wald nahm die kindlichen Sängerinnen in seinem Schatten auf. Die Welt ward still.
Ende.
Liste korrigierter Druckfehler:
Seite 27, Komma eingefügt (In der Abendsonne sangen Rotkehlchen und Finken, es glühte von rotem Gold)
Seite 99, "Erlösunswerk" geändert in "Erlösungswerk" (Und es galt das Erlösungswerk vollkommen zu machen,)
Ab Seite 118 änderte sich im Original die Schreibweise des Namens "Jacoby" in "Jakoby". Die Schreibweise wurde durchgehend angeglichen.
Seite 134, Punkt am Satzende hinzugefügt (daß unser Herz im Grunde allen Prunk verachtet und den tönenden Rausch.)
Seite 145, "wäer" geändert in "wäre" (obgleich es ihm vielleicht gelungen wäre)
Seite 177, "klare" geändert in "klaren" (Sie gab mir keine klaren Antworten)
Seite 199, Komma ergänzt (Grausam zertrümmerte ihm das Gespenst des nahenden Todes alle stillen Altäre seines Glaubens, die ihn in gelassener Zeit so oft mit Trost und Segen bedacht hatten)