Berels Berta: Eine Bauerngeschichte aus dem Luxemburgischen

Part 6

Chapter 63,187 wordsPublic domain

~Berta~, du bist zu gut! Du bist unendlich unglücklich, und doch willst du mir zum Lebensglück verhelfen. In diesem Briefe deines tiefsten Jammers schreibst du mir süße Worte von ~Hallesch Ketty~, deiner Freundin.

~Ketty~ ist deine Jugendfreundin, deine Kameradin aus der Haushaltungsschule, deine Herzensfreundin, ein gutes, braves Mädchen.

~Ketty~ würde eine tüchtige, fleißige Hausfrau, meinst du.

~Ketty~ würde mich sicherlich glücklich machen.

Du willst leiden und sterben, aber du willst, daß ich glücklich werde! ~Berta~, du bist edel und erhaben über viele, erhaben über alle.

Könnte ich mit dir den Weg durchs Leben gehen.... könnte ich.... könnte ich!....

Ich drücke den Brief fest in die Hand, lehne mich an die Mauer, schließe die Augen.

Und ich stehe da wie vor einem Sarge, der etwas verschließt, was mir teuer war -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --

Ich öffne noch einmal den Brief, lese noch einmal die letzten Worte: „.... und mit jedem Tag spüre ich mehr, daß der Schmerz um Liebe unheilbar ist. Und doch müssen wir uns zu vergessen suchen, als ob wir uns nie gesehen, nie gekannt hätten. Werden Sie glücklich!

~Berta Berels.~“

Unleserlich steht der Name unter dem Briefe. Etwas verwischt. Die Tinte auseinandergelaufen. Dahin war wohl eine Träne gefallen....

Eine Träne der Liebe.

Eine Abschiedsträne. -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --

Gute, liebe, unglückliche ~Berta~.

Lange stehe ich da in unsäglicher Traurigkeit.

Mußte das so endigen?

Nun ist es aus. Nun gibt es zwischen dir und mir keine Brücke mehr. Die hat dein Vater eingerissen.

Vor uns liegt ein tiefer, schwarzer Abgrund. Darin ist alle deine Lebensfreude begraben.

Warum all dieser Jammer, all dieses Elend, warum?....

Weil dein Vater rückständig ist, vernagelt, borniert....

Elender Berelsvater! Wie wirst du dies verantworten können vor der Welt, vor deiner Familie, vor deinen Kindern, vor deinem Richter!....

Aergerlich und niedergeschlagen schreite ich durch den Hof.

Aus grauem Himmel fallen schwere, weiße Flocken hernieder. Langsam legen sie sich über die Erde wie ein Leichentuch.

Durchs Merschertal klingt die Mittagsglocke. Dünn und schwach zittert sie durch die kalte Luft, wie eine Glocke, die zum Sterben läutet.

Heute habe ich meine letzte Hoffnung begraben. -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --

Vier Monate sind seitdem ins Land gegangen.

Nun habe ich mein Glück doch gefunden.

Ich habe geheiratet. ~Ketty~ von der Halleschmühle ist meine Frau.

Sechs Wochen lebe ich schon in diesem Glück. Uns fehlt nichts. Wenn wir gesund bleiben, möchte ich mit keinem Menschen tauschen.

~Ketty~ ist fleißig, haushälterisch, freundlich und zuvorkommend. Sie versteht es, meinen Eltern jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Sie ist die Sonne des Hauses.

Neues Leben hat sie auf unsern Hof gebracht. Ich habe noch nie so leicht, so gerne gearbeitet. Erst jetzt hat die Arbeit Lebenszweck. Ich weiß, für wen ich arbeite.

Merkwürdig. Wie das alles gekommen ist seit diesem Abschiedsbrief von ~Berta~.

Ich habe gekämpft, gestrebt, mich aufgelehnt. Ich trauerte mit ~Berta~ um das verlorene, entrissene Glück. Ich wollte nicht den neuen Weg zum neuen Glück gehen.

So ging eine Woche um die andere dahin. Meine Herzenswunde vernarbte, und die Trauer verwandelte sich nach und nach in Entsagung, stilles Gedenken.

Ich dachte noch oft an ~Berta~. Aber meine Gedanken hafteten nicht untätig, gelähmt an ihr. Sie flogen weiter, suchten ~Bertas~ Freundin auf. Und die Sehnsucht ging neben uns und flüsterte mir von Glück und schöner Zukunft. Und ~Berta~ zeigte auf ~Ketty~. Ich hörte sie sagen: „Greif zu, dort ist dein Glück.“

So gingen meine Gedanken. Zuerst verschwommen, dann stärker, sehnsuchtsvoller.

Das war keine Untreue. Das war der Wille ~Bertas~.

So schlich sich nach und nach das Bild der blonden ~Ketty~ in mein Herz.

~Berta~ war nicht daraus verdrängt. Ich kann ~Berta~ nie vergessen. Eine liebe Schwester ist sie mir geworden.

Halbfastensonntag fuhr ich mit dem Oheim hin.

Andere Besuche folgten.

In der Osterwoche feierten wir Hochzeit.

So fand ich mein Glück. Und mit diesem Glück kam neuer Aufschwung, neues Leben auf unsern Hof.

Unsere Welt ist wunderschön.

Pfingstsonntag.

Das Merschertal träumt im Sonnenschein der stillen Nachmittagsstunden. Ueberall Blütenschmuck, wogende Saaten.

Wir gehen über Land, meine Frau und ich. Das tun wir so gerne am Sonntag.

Ein leichter Wind spielt in den Obstbäumen, liebkost die Blüten und schüttelt sie tanzend auf den grünen Rasen.

Droben auf der Höhe dreht sich schläfrig die Windmühle. Einförmig singt sie den ganzen Tag ihr zirpendes Lied. Wie die Grillen.

Dorthin setzen wir uns, ins Gras, in die blühende Weide.

Lange sitzen wir da und lauschen auf die tausend kleinen Geräusche des stäubenden Sommers und fühlen uns so behaglich und glücklich, als gehörte die ganze Welt uns, uns allein. -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --

Drunten im Tal zieht eine Schar singender Studenten vorüber:

„~Vu mengem Durf gong ech hier, Dat frösch am Grënge leit, Dohannen iw’rem große Miér So’ weit vu mir, so’ weit~ -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --

Mit der bitteren Wehmut eines Unglücklichen rufen diese Lebensfrohen die Sehnsuchtsklänge nach einer verlorenen Heimat in den goldigen Ferientag.

„~Gett mir mein Dach vu Stré A mengem Durf erem, Ech gin iéch alles drem!~“ -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --

So würde auch ich vielleicht jetzt flehen, wenn ich damals mit über das große Meer ausgewandert wäre. So jammern auch jetzt vielleicht meine Kameraden....

Schon so viele sind voller Hoffnung ins Dollarland gegangen und haben dort nur schwere Enttäuschungen erfahren.

„~Eisen Haff leît awer schén~,“ unterbricht meine Frau die Träumerei.

Ihre Augen leuchten.

Ich nicke zustimmend.

„~Gefällt déng nei Hémècht der dann grad esoû gut wé dé âl?~“ frage ich lächelnd.

„~Jô, vill besser.~“ Es klang Glück aus ihren Worten, reines Glück.

Wir haben beide das Glück gefunden.

Und doch fiel ein Schatten auf unser junges Glück.

Die ~Mäsch Sisi~.

Meine Gedanken gingen rückwärts, über drei Monate, zu der Zeit, wo meine Freierei mit der ~Ketty~ im Dorfe bekannt wurde. ~Sisi~ war untröstlich. Sie hatte immer noch damit gerechnet, daß wir uns heiraten könnten. So sind die Mädchen. Die glauben an das Unmögliche. Auch ~Sisi~ konnte sich nicht mit dem Gedanken abfinden, daß unsere Wege sich trennten, seit jenem Unglückstage, an dem ihr Bruder starb. Die Weiterführung des Hofes steht doch über der Liebe. Ich konnte ja unsern Hof nicht aufgeben. Und auch sie durfte den ihrigen nicht verlassen. Das Opfer mußte sie bringen können.

Sie wußte es nicht zu bringen, weil sie in ihrer Liebe nur ihr Herz reden ließ. So ergeht es vielen.

Auch ich war zuerst in dieser Verfassung auf Brautschau gegangen.

Dadurch habe ich viel gelitten. Dadurch kommt viel Unglück in die Welt.

Wenn man auf Brautschau geht, soll man das Herz zu Hause lassen und nur den Verstand mitnehmen.

So hatte der Vater mir oft gepredigt. Damals wollte ich es nie glauben.

„~Domt Geschwätz~“, hatte ich jedesmal gedacht. Und jedesmal hatte ich mich sehr geärgert.

Jetzt urteile ich anders. Heute weiß ich, daß der Vater recht hatte. Der Verstand muß die Bremse des Herzens sein, muß, muß. Sonst wird man sein Leben lang unglücklich.

Leider sehen die meisten das zu spät ein. Oder sie wissen nicht zu bremsen.

So geht ~Wonesch Henriette~ ins Unglück.

So auch leidet ~Mäsch Sisi~.

Und das bricht auch der guten ~Berta~ das Herz.

Wie traurig, daß bei der Erreichung meines Glückes das Glück anderer in Scherben gehen mußte, wie traurig! -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --

„~Komm Jämp, mir mussen hém gôn, d’aß Zeit. Wann dem Bérelsédem sei Bruder mat desem Zug könt, dann aß hién gleich hei. Hién könt vleicht nach bis erân, éer hién a Mäsch geht~,“ sagte meine Frau in sorgendem Tone. Sie schlang ihre Hand in meinen Arm.

Ich fuhr auf aus meiner Träumerei. Ganz richtig, der sollte heute kommen, um im ~Mäsch~-Hause vorzusprechen. Es wäre mir eine Erleichterung, wenn ich diese Heirat zustande brächte. ~Sisi~ verdient einen guten Mann. Und sie weiß auch einen Mann glücklich zu machen. Auch dem Berelseidam würde ich es gut gönnen, wenn sein Bruder das Mädchen heimführen könnte.

Dann würde ~Sisi~ ja auch noch sein Glück finden.

Aber ~Berta~?....

Herbstzeitlosen blühen in den Dorfwiesen. Der Sommer geht zur Neige. Die Ernte ist eingebracht.

Wir sind bei meinen Schwiegereltern auf Besuch.

Verträumt liegt die Mühle in der tiefen Stille des Sonntagnachmittags.

Verträumt klingen die Glocken droben im Dorf. Sie läuten zur Vesper. Dort wird Berta wohl jetzt beten.

Wir sitzen vor der Mühle in der lauen Sonne und plaudern.

Von allerhand geht das Gespräch. Von den Viehweiden, von der Ernte, von den Berelsleuten.

„~An dât Haus aß emol vill Onglèck komm~,“ meinte mein Schwiegervater.

Dann erzählte er von ~Berta~.

Ich stützte den Kopf schwer in die Hand. Schläfrig fuhr der Wind durch die Bäume.

„~Do oûwen könt et!~“ Ich blickte auf. Wirklich, da kam ~Berta~ langsam den Weg herunter, gebückt, schleppenden Schrittes.

Meine Frau sprang auf, eilte ihr entgegen.

Auch ich ging hinüber.

~Berta~ lächelte. Krank lag das Lächeln auf dem eingefallenen Gesichte.

Meine Frau küßte sie auf die Wange.

Ich drückte ihr die Hand. Schlaff und kalt lag ihre Hand in der meinen.

Sie atmete tief und war ganz erschöpft. Ihre Stirne stand voll Schweißtropfen.

„~Dât mecht eis Fréd, daß du könns, Berta~,“ sagte meine Frau tröstend.

~Berta~ lächelte wieder das kalte, fremde Lächeln.

„~Ech hun héren, daß dir hei wärd. An dû wollt ech iech zwé nach emol gesinn.~“

Sie war ganz erregt und konnte kaum sprechen.

„~Dât aß schén!~“ Meine Frau legte den Arm um ihre Schulter. Eng aneinandergeschmiegt standen sie da.

„~A wé geht et dann, Berta? Du wars krank?~“ fragte ich teilnahmsvoll.

„~Jô, ech war krank, mä -- d’géht -- erem -- besser.~“

Ihre Brust keuchte. Sie hielt den Atem an und gab sich Mühe, nicht zu husten. Und die Erregung malte noch einmal jugendfrische Farbe auf ihr Gesicht.

„~Du geseîs gut aus~,“ tröstete meine Frau. ~Berta~ lächelte wieder das kranke Lächeln.

Ich sah das blühende Rot ihrer Wangen.

Kirchhofsrosen....

Wir setzten uns auf die Bank am großen Mühlenweiher.

Die Wellen spiegelten das welke Gesicht noch durchsichtiger, verfallener. Frühling und Sommer waren daraus verschwunden. In ihren Augen lag der trübe Schein des freudlosen Winters.

Eine Weile saßen wir stille.

„~Ech sin froû, daß dîr zwê esoû glèckléch set.~“ Sie hatte ihren Arm in den meiner Frau geschlungen und drückte ihr leidenschaftlich die Hand, als wollte sie damit ihre tiefe Freundschaft bezeugen.

Meine Frau hatte ein paar Blumen gepflückt und reichte ihr das Sträußchen hin.

Nachdenklich nahm sie eine Blume nach der andern, legte sie gleichmäßig zusammen, blickte wehmütig auf dieselben und riß zerstreut einige Blüten ab.

Wie tote Schmetterlinge sanken die Blätter in ihren Schoß und fielen zur Erde.

„~Fir mech bléen keng Blumen mé!~“ Langsam sagte sie das, leise und kummervoll. Langsam band sie Wort an Wort, wie sie die Blumen zusammengelegt hatte. Ich dachte an das alte, traurige Lied von der unerfüllten Liebe und dem frühen Sterben, das die Mädchen auf den Feldern singen, wenn die Kartoffeln ausgehoben werden und der rauhe Herbstwind über die kahlen Stoppeln treibt.

Ich suchte sie zu trösten, aufzumuntern. Sie schaute mich groß an wie eine, für die es keine Hoffnung mehr gibt.

„~Nê, Jämpi.~“ Sie schüttelte den Kopf. Eine unendliche Wehmut klang aus der gebrochenen Stimme.

Sie fröstelte ein wenig, zuckte mit den Schultern und wickelte die Hände in die Schürze.

„~Jämp, du wars den Enzigen, mat dém ech froû war.~“ Ein tiefes Keuchen drang aus ihrer Brust. Ihr Atem ging erregt, hastig. Eine dunkle Glut schoß ihr in die Wangen. Sie hustete tief. „~D’Huôt net könne sin. Ech hu mech drân ergin.~“ Sie preßte die Hand auf die Brust, als ob das Atemholen ihr wehe täte. „~An ech sin dach froû, Ketty, daß du fir mech glèckléch baß.~“

Gern hätte ich ihr jetzt eine tröstende Zärtlichkeit gesagt. Es fiel mir nichts ein. Nichts Passendes, womit ich dem guten Mädchen hätte Freude machen können. Da legte ich ihr leicht die Hand auf die Schulter.

„~A wé gét et dann mat déngem Papp?~“ Meine Frage rührte an eine alte Herzwunde. ~Berta~ schlang den Arm um den meiner Frau und zog sie mit sich fort hinunter am Mühlenteich vorbei in die Einsamkeit.

Ich stand auf und schritt langsam hinüber in den Garten. Dort sah ich sie am äußersten Ende stehen. ~Berta~ hatte sich an eine Pappel gelehnt, rieb sich die Augen mit dem Taschentuche und schluchzte, schluchzte bitterlich. -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --

Langsam, geräuschlos ging ich zurück zur Mühle, sank auf die Bank und stützte mich müde an die Lehne.

So viel Elend hat der Berelsvater über sein Haus gebracht.

So unglücklich hat er sein Kind gemacht.

Leise wanderte der Wind in den herbstlichen Bäumen. Bisweilen raschelte ein Blatt herunter; ein gelbliches, fahles Blatt. Einen Augenblick wirbelte es in der Herbstsonne, dann sank es tot in den großen Weiher. -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --

Droben am Wege kamen Schritte.

Ich schaute auf. Heinrich Holmer und seine Frau.

„~Aß d’Berta net hei?~“ fragte die junge Frau sorgenvoll.

„~Dach! D’aß mat ménger Fra e böschen spazéeren.~“ Ich bemühte mich ruhig zu sprechen.

Wir setzten uns. Ich lenkte das Gespräch auf seinen Bruder und auf ~Mäsch Sisi~. Holmer dankte für meine Bemühungen. Er freute sich, daß die Sache so weit geregelt war. Schon nach dem Winter sollte die Hochzeit sein.

Meine Schwägerin trat zu uns. Die Frauen sprachen von der Obsternte und schritten hinüber in den Garten.

So blieb ich mit Holmer allein.

„~Aß d’Berta wirkléch esoû krank?~“

„~Jô, den Dokter get et verspielt. D’hät nach spétestens bis nôm Wanter.~“

Eine tiefe Stille. Ein drückendes Schweigen.

Ich atmete beklommen.

„~Nömme bis nôm Wanter~,“ wiederholte ich.

Er nickte. „~Jô, bis nôm Wanter.~“

Leise strich der Herbstwind durch die Pappeln.

„~A wât mecht dann de Papp?~“

„~Dén dêt et stiérwen!~“ Das sagte er stoßweise, mit verhaltenem Groll.

„~Wât mei Schwéerpapp eisem Haus schon Kreiz a Léd ugedôn hoût!.... Hién aß ganz verännert.... All Woch könnt hién e poûr môl vôl hém.... An dann péngecht hién dât aremt Kand, daß net ze soen. Mir leiden all dröner.~“ Er machte eine lange Pause, nahm den Hut ab und fuhr mit der flachen Hand über die Stirne. „~Awer, mir mussen et erdrohen. An d’aß dem Berta sein Doût.~“

Der Eidam brach ab und blickte bekümmert vor sich auf den Boden. Ich wollte nicht weiter fragen.

Jetzt wußte ich, daß es aus war mit ihr. Ich sah sie zusammenbrechen. Und ich sah das Berelshaus leiden, abbröckeln, vergehen....

So kommen Elend und Rückgang in manches Haus.... Und der Schuldige trägt nicht mit, weil er seine Schuld nicht einsieht. Die Unschuldigen aber gehen daran zu Grunde. -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --

Drunten kamen sie.

~Berta~ versuchte zu lächeln. Ihre schwarzen Augen waren gerötet. Sie hatte viel geweint.

Wir tranken den Kaffee. ~Berta~ konnte nichts essen. Sie sah elend aus.

Ich wollte essen, wollte. Aber auch ich brachte nichts hinunter. Ein bitterer Geschmack lag mir auf der Zunge.

Ich hörte den keuchenden Atem des unglücklichen Kindes, das erst im Blütenalter stand, und dem kein Sommergold und kein Herbstsegen beschieden ist, und das schon so bald abgerufen werden soll.

So bricht ein Kind zusammen, dem der Vater ein schweres Kreuz aufgedrückt hat. -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --

Und so erdrückt dieses Kreuz ein ganzes Haus.

Herbst und Winter waren vergangen. Schöne Tage kamen, wo die Menschen wieder froh werden.

Damals verblaßten ~Bertas~ Wangen. -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --

Die Glocken läuten.

Sie läuten im Merschertal.

Sie läuten im Syrtal.

Im weißen Kleide geht ~Mäsch Sisi~ zum Traualtar, und die Sonne streut Gold auf ihren weißen Brautkranz.

Im weißen Kleide schläft ~Berta~ den ewigen Schlaf. Dorfmädchen im weißen Schleier tragen sie durch die Frühlingspracht zum Friedhof.

Die Glocken läuten. -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --

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