Beobachtungen über Oesterreichs Aufklärung und Litteratur

Part 3

Chapter 33,431 wordsPublic domain

Ich will hier eben nicht untersuchen, ob es für jeden guten Kopf Pflicht sey, seine Talente so viel möglich gemeinnützig zu machen, ob bey einer so grossen Ungleichheit der Geistesgaben, bey deren Austheilung die Natur meist eben so willkührlich, als bey Vertheilung der Glücksgüter zu Werke zu gehen scheint, der Aermere an Geist nicht ein Recht auf die Geistesfreygebigkeit des andern habe, ob sich der Reichere, der mit Schätzen kargt, bey deren Vertheilung er nichts verliert, nicht einer noch grösseren Filzigkeit schuldig mache, als der Geitzhals, der nicht freygebig seyn kann, ohne selbst weniger zu haben, und ob der mit seinem Wissen kargende Geist sich der Gelegenheit nicht selbst beraube, eine Wohlthätigkeit der edelsten, höchsten Art auszuüben, eine Wohlthätigkeit, die, je mehr man sie verschwendet, desto mehr vervielfältiget wird, die sich über Millionen Menschen zugleich verbreitet, und von Jahrhundert zu Jahrhundert auf ganze Nationen und Menschenalter sich forterbt. Zugegeben, daß all dieß nur für sehr wenige Fälle entscheidend seyn könne, um die Schriftstellerey zur Pflicht zu machen, so ist doch gewiß, daß der Einwurf: =es werde ohnehin genug geschrieben=, im allgemeinen eben so wenig für das Gegentheil entscheide. Die vortreflichsten Werke der größten Geister erschienen zu einer Zeit, da man viel schrieb, und der menschliche Geist würde, im ganzen genommen, wenigstens um zwey Drittheile ärmer seyn, wenn die reichsten Geister aller Zeiten, während sie die minder Bemittelten unter sich kleine, oder gar falsche Münze mit vollen Händen auswerfen sahen, mit ihren Gold- und Silberstücken hätten zurückhalten wollen.

Ich weiß, wie leicht dergleichen allgemein gesagte Wahrheiten mißverstanden werden können, und was für Unheil sie anrichten würden, wenn selbe Leute auf sich anwenden wollten, denen sie nicht gesagt sind.

=Ich ersuche daher alle und jede -- die vielleicht eben itzt, trotz ihrer Geistesarmuth, im Begriff sind, die vorräthige kleine Münze in allen Winkeln ihres Verstandeskasten zusammenzusuchen, um uns dieselbe in papierenen Beuteln an die Köpfe zu werfen -- sich ja in keinen Aufwand zu setzen, sondern zu bedenken, daß alle Gold- Silber- und Kupfermünzen, welche ihre Eigenthümer vorlängst in Umlauf gebracht haben, bereits vielmal bezahlt sind, und daß es unchristlich sey, eine fremde Waare, die schon mehr, als hundertmal bezahlt worden, sich wieder von neuem bezahlen zu lassen. Und da der Geister, welche Gold machen können, ohnehin so wenig, und der gelehrten Beutelmacher so viele sind, so gelanget in unsern goldarmen und beutelreichen Zeiten an die sämmtlichen Herren, in deren Köpfen kein eigenes Gold geprägt, wohl aber das fremde in Rauch aufgelöst wird, unsere flehentliche Bitte, daß dieselbe doch geruhen möchten, die ohnehin schreckliche Menge der goldleeren oder -- wie der Landmann sich ausdrückt -- lichten Beuteln zu beherzigen, und dieselben nicht ferner mit neuen zu vermehren, sintemalen sonst diese ihrer Bestimmung nach, so edle Ideenbehältnisse noch immerfort das klägliche Schicksal würden erfahren müssen, von unbarmherzigen Händen in Tabackbeutel, und Käs- und Gewürzfuterale verwandelt zu werden. Wovor sie der Himmel bewahren, und mit seiner Allmacht gnädigst beschützen wolle!=

Noch ein Umstand, der unsere Litteratur in ihrem Fortgange zurückhält, ist die unter uns eingerissene Gewohnheit, fremde auswärtige Journale und Magazine mit inländischen eigenen Produkten und Beyträgen zu bereichern, und den ohnehin grossen Mangel unserer Litteratur an derley kleineren Arbeiten noch mehr zu vergrössern. Es war eine Zeit, wo die wenigen inländischen Gelehrten in den periodischen Blättern unsers Landes keine anständige Gesellschaft fanden, in der sie mit Ehren erscheinen konnten, und sich also eine bessere in auswärtigen Blättern suchen mußten, nicht selten nöthigte sie auch die grössere Strenge der Censur, Aufsätze, die hier bedenklich waren, auswärtigen Blättern zu überlassen, und einige unter ihnen suchten -- was vormals kaum zu verdenken war -- eine Ehre darinn, in den gelehrten Blättern einer Litteratur zu erscheinen, die der unsrigen, ihres grossen Vorsprungs wegen, von jeher den Ton angab. In wie weit diese Ursachen, die unsere Litteratur um so manches schätzbare Eigenthum brachten, noch itzt fortwähren, will ich nicht untersuchen, gewiß ist es indessen, daß wir sehr viel dabey verlieren, und so lang diese Gewohnheit währet, nie ein gutes periodisches Blatt werden aufweisen können. -- Das Verhältniß, in welches wir uns selbst durch unsere Beyträge mit den Auswärtigen setzen, ist auffallend ungleich und gegen alle Regeln eines gesellschaftlichen Vertrags: wir geben ihnen Beyträge, sie geben uns keine, wir schenken ihnen unsere Arbeiten, um selbe wieder von ihnen um unser Geld kaufen zu können. Was Wunder also, daß wir ihnen damit willkommen sind? Würde dadurch unsere eigene Litteratur nicht zurückgesetzt, so möchte dieß alles noch hingehen, aber seinem Vaterlande den Rock ausziehen, um ihn andern, die so viele Röcke haben, zu schenken, ist der Ahndung jedes Patrioten werth. Nie wird unsere Litteratur vorwärts rücken, nie wird sie sich ihren Schwestern bemerkenswerth und nothwendig machen, wenn nicht Gemeingeist unter ihren Schriftstellern herrscht. -- Und doch, wie leicht könnte sie das? Ist nicht =Wien= der Mittelpunkt, um den sich Deutschlands kleinere und größere Planeten drehen? Ist es nicht -- zumal itzt -- das Augenmerk von ganz Europa? Haben Philosophie und Wissenschaften daselbst nicht einen viel weiteren Wirkungskreis? Ist Aufklärung nicht in vollem Gange, und stehen nicht Männer, wie manches weit hellere Land sie nicht hat, an ihrer Spitze? Sieht nicht alles auf uns, und haben nicht selbst auswärtige Schriftsteller bekennet: wenn die deutsche Litteratur, wie sie itzt ist, noch weiter rücken soll, so müsse sie von =Wien= aus weiter geführt werden? -- Aber wenn unsere besseren Schriftsteller nur für das Ausland arbeiten, wenn sie die kleineren Bäche ihres Mutterlandes in ausländische Flüsse leiten, wenn Dichter ihre auf mütterlichem Boden erzeugten Blumen in auswärtige Beete verpflanzen, wenn selbst der Inländer die Manufakturen und Staatsvorfälle seines Landes erst aus =Schlözers= Staatsanzeigen, und die Talente seiner Landesleute aus fremden Journalen kennen lernen muß, so läßt sich von der inländischen Litteratur nie ein wahres Fortkommen hoffen, und wenn sich auch im Ausland hundert allzeitfertige Verleger fänden, die -- wie itzt erst unlängst einer -- alle unsere Zehnkreuzerbroschüren nachdruckten.

Ueberhaupt stehen alle übrigen Verfassungen unsers Landes auf einer ungleich höheren Stuffe der Vollkommenheit, als der Zustand unserer Litteratur, und die in so manchem Betracht kolossalische Grösse unseres Staates macht mit der litterarischen Kleinheit desselben einen sehr auffallenden Kontrast. Der österreichische Staat, der sich sonst überall in männlicher Stärke darstellet, wird im Fache der Litteratur noch stets für unmündig angesehen, und muß sich noch immer gefallen lassen, von fremden ungebetenen Geistesvormündern, theuer bezahlte Leitung anzunehmen. Das Lesen ist einmal bey uns zum Bedürfniß geworden, fast jeder nur halb bemittelte Privatmann hält sich -- wärs auch nur um ein paar Zimmerwände damit zu tapeziren -- eine kleine Bibliothek, wer nur lesen kann, hat wenigstens ein halbes Duzend Bücher, und dieser Handlungsartikel, der nun bey uns so wichtig zu werden anfängt, ist gerade der einzige, der uns den Ausländern am meisten zinsbar macht. Für die mehresten Handlungszweige haben wir inländische Manufakturen, die das Geld im Land erhalten, und uns die Waaren der Ausländer entbehrlich machen sollten, unsere Büchermanufakturen aber, welche den edlen Zweck haben, für die Geistesbedürfnisse des Landes zu sorgen, sind leider! noch in sehr mißlichem Stande, und die beträchtlichen Summen, die wir jährlich den Niederdeutschen, den Engländern, Franzosen und Holländern, baar bezahlen müssen, beweisen deutlich, wie unentberlich uns ihre gelehrten Waaren sind, und wie wenig noch unsere Manufakturen zureichen, um uns mit ihnen durch Tauschhandel in ein Gleichgewicht setzen zu können. Ueberhaupt scheint mir, habe man die Litteratur selten oder gar nie von dieser Seite betrachtet, und doch liesse sich meines Erachtens arithmetisch beweisen, daß der Gegenstand wichtig genug ist, um in Betrachtung gezogen zu werden. Wenigstens lehrt uns die Erfahrung unseres eigenen Schadens, daß diejenigen Mächte, welche früher, als wir anfiengen, die Litteratur und Wissenschaften ihres Landes zu begünstigen, und zu heben, sich nicht verrechnet haben, wenn sie von ihrer Bemühung nebst dem unsichtbaren Zuwachs von Ruhm und Ansehen, auch einen sehr sichtbaren und handgreiflichen Zuwachs von fremdem Gelde erwarteten; und lag auch diese Absicht nicht in dem Plan ihrer zum Besten der Wissenschaften gemachten Einrichtungen, so mußte sie doch der Erfolg davon überzeugen, daß die Summen, welche sie dazu verwendet hatten, auf sehr gute sowohl unsichtbare als sichtbare Zinsen ausgelegt waren. Und wenn man das allgemeine Verhältniß der Staaten untereinander als eine immerwährende Ebbe und Flut betrachtet, in welcher eine Masse die andere drängt, und wie eine Macht abläuft, die andere vordringt, wo jede Blösse, jeder Abgang, jedes noch so unbeträchtliche _minus_ das allgemeine Gleichgewicht stört; wenn man annimmt, daß diese Massen des Staates unaufhörlich gegen einander streiten und wirken, um sich ins Gleichgewicht zu setzen, so ist es gewiß, daß auch die Wissenschaften auf jene Waage gehören, auf welcher ein Staat sein Gewicht gegen den andern abwägt, und daß sie sowohl von Seite der Ehre als des Gewinns einen nicht unbeträchtlichen Theil davon ausmachen.

Es würde mich zu weit führen, wenn ich diese auf wahre Verhältnisse gegründete allgemeine Beobachtungen fortsetzen, dem Faden aller daraus möglichen Folgerungen nachgehen, und die Anwendung derselben auf jeden Zweig der Litteratur und alle damit verbundene Gegenstände und Einrichtungen auseinandersetzen wollte. Jeder Geist, der Licht genug in sich hat, aus einer allgemeinen Wahrheit, wie die Sonne aus ihrem Mittelpunkte den ganzen Umkreis der ihn umgebenden Gegenstände zu beleuchten, kann das von selbst. Genug, daß sich daraus der wahre Schluß ergiebt, daß zum Besten der Wissenschaften nie zu viel gethan werden kann, und daß ein Staat, der bereits auf einer gewissen Stuffe von Grösse und Vollkommenheit steht, den Gipfel derselben nur durch den höchstmöglichen Grad von Aufklärung erreichen könne.

So schwer es auch immer seyn mag, den allgemeinen Grad der Aufklärung eines grossen Staates zu bestimmen, so wird der aufmerksame Beobachter, der dem Wechsel der menschlichen Meinungen und herrschenden Begriffe nachspürt und die gegenwärtige Beschaffenheit derselben mit der vorhergegangenen zusammenhält, gleichwohl Data finden, aus denen sich, wo nicht die Stuffe der Aufklärung, doch sicher das Mehr oder Weniger derselben berechnen läßt. Gewiß ist es, daß die Toleranzedikte und kirchlichen Verordnungen unseres weisen Monarchen, die erweiterte Zensursfreyheit, und selbst die dadurch veranlaßte Menge von kleineren Gelegenheitsschriften vieles zur allgemeinen Aufklärung beytragen mußten.

Denn die Toleranzedikte hatten gleich diese Wirkung, daß sie einen grossen Theil unsers Volkes, wenn gleich nicht über alle, doch wenigstens über viele Gegenstände die althergebrachten Vorurtheile erkennen machten.

Die durch die Toleranzedikte veranlaßten Hirtenbriefe einiger -- obschon weniger -- wahrhaft eifriger Bischöfe waren ein näherer Schritt zur Verbannung dieser nämlichen Vorurtheile, die Jahrhunderte lang den Geist der Gläubigen eben so sehr, als die Religion selbst, abgewürdiget hatten. Freylich hatten diese Briefe den Klosterglauben -- das ist, denjenigen Glauben, welchen der Mönchsgeist zur Beschäftigung seiner übervollen Musse, und zur Handhabung seiner Privatvortheile auszuhecken, und mit allen Auswüchsen einer gewaltsam verdrehten Phantasie zu durchweben für gut befunden hat -- wider sich, und mußten ihn wider sich haben; allein was auch dieser Klosterglaube dagegen vorbringen mag, so ist doch gewiß, daß jeder nur halb gesunde Menschenverstand, wenn sich ihm am Scheideweg auf einer Seite die Religion, in dem vielfärbigen, mit Flitterwerk beladenen Gewande, womit sie der Mönch behänget, und diese Religion auf der andern Seite, wie der vortrefliche =Salzburger Hirtenbrief= sie schildert, in ihrem einfachen, weißen, makellosen Kleide zur Wahl darstellte, nicht einen Augenblick Anstand nehmen würde, von dem ersten Bild sich wegzuwenden, und das letzte mit Inbrunst zu umfangen. Ueberhaupt wäre nichts geschickter, um den Abstand gewisser mönchischer und leider! auch -- nicht mönchischer -- Lehren, jedem noch so trüben Blicke anschaulich zu machen, als wenn man die vortrefflichen Grundsätze dieses Hirtenbriefes jenen entgegensetzte, und es wäre zu wünschen, daß irgend ein aufgeklärter Theolog die Mühe auf sich nähme, den auffallenden Abstand beyder Lehren in einer ausführlichen Parallele zu zeigen.

Die kaiserlichen Verordnungen, welche die Bischöfe des Landes in ihre ursprünglichen Rechte wieder einsetzten, verschaften denselben alle nur mögliche Gelegenheit, sich um die allgemeine Aufklärung verdient zu machen. Sie haben nun Mittel, deren weiser Gebrauch sie an dem Geiste der Gläubigen ihres Kirchensprengels nothwendig zu Wohlthätern machen muß. Und wenn gleich viele Bedenken tragen, Gebrauch von Rechten zu machen, die ihren Vorfahren, einst so heilig, und mit ihrem Amte so wesentlich verflochten schienen, so läßt sich doch von dem Beyspiel der Wenigen, die bereits anfiengen, sich ihrer hergestellten Macht zum Wohl ihrer geistlichen Unterthanen zu bedienen, noch immer einige Wirksamkeit auf die Uebrigen hoffen, welche lieber Sachwalter einer fremden Gewalt, als Verwalter ihrer eigenen sind; und wird auch diese Erwartung vereitelt, so bleibt doch der tröstliche Gedanke zur Aussicht, daß jene Urkunden wiedererlangter Rechte, welche die gegenwärtigen Besitzer in ihren Archiven mit der Ueberschrift: ~anechou kai apechou~ versiegelt und unberührt liegen liessen, ein zurückgelegter Schatz für ihre Nachfolger sind, welche nicht Anstand nehmen werden, mit diesen für das Wohl der Menschheit so wichtigen Geschenken zum Besten der Religion, des Staates und der allgemeinen Aufklärung zu wuchern.

Die Aufhebung einiger Ordensgemeinden, die Verminderung und Einschränkung der übrigen Mönche, die Verpflichtung derselben, ihre wissenschaftliche Ausbildung einer öffentlichen Aufsicht zu unterwerfen, sind eben so viele günstige Vorboten der Aufklärung, deren wohlthätigen Einfluß die kommenden Generationen mit Dankbarkeit segnen werden. Der Mönchsgeist war von jeher ein Melthau für die Blüthe der Wissenschaften, und der ungünstige Einfluß desselben benahm fast allen Zweigen der Gelehrsamkeit Saft, Fruchtbarkeit und Gedeihen. Unmöglich konnten auf einem so engumzäunten Boden die Sprößlinge der Wissenschaften zu Bäumen heranwachsen, und ihre Aeste in die Lüfte verbreiten, und wem ist nicht aus der Geschichte bekannt, zu was für verwachsenen, dornichten, und an der Erde hinkriechenden Gesträuchen Philosophie, Theologie und Kirchenrecht auf mönchischem Grund und Boden geworden sind? Es ist nicht nöthig die Ursache dieses allgemeinen Mißwachses in der bestimmten, kaum zu vermuthenden Absicht zu suchen, vermöge welcher die Mönche darum alle Keime der Aufklärung sollen erstickt haben, um die allgemeine Lichtmasse der Staaten in einer zu ihrem Vortheil verhältnißmässigen Dämmerung zu erhalten -- eine Beschuldigung, die ihnen öfter gemacht, als erwiesen worden ist. -- Genug, daß sich die Unmöglichkeit des Gedeihens der Wissenschaften aus der Natur der Klosterverfassungen ergiebt. Wie kann ein Mönch, dem gleich bey seinem Eintritt in den Orden das =Selbstdenken= zur Sünde, und die Verleugnung seines besseren Wissens zur Pflicht gemacht wird, der in dem größten Geisteszwang erzogen, und von strengen Asceten -- seinen einzigen ersten Wegweisern -- gelehrt wird, durch beständiges Abstumpfen seines Verstandes, und gänzliche Verachtung alles irdischen Wissens seine höchste Vollkommenheit zu erreichen, der in einer Lage lebt, die sich mit seinem Denk- und Empfindungsvermögen so wenig verträgt, der, wenn sein Geist was immer für eine Wahrheit verfolgt, alle Augenblicke Gefahr läuft, mit dem nächsten Schluß, den er daraus zieht, gegen ein Gelübd, eine Regel, oder eine Ordensmeinung anzustossen, der endlich, wenn er es auch wagt, sich aufzuklären, von seinen Mitbrüdern gehasset, verfolgt, und als ein Geistes-Apostat angesehen wird, wie kann so ein Mann Muth, und Thätigkeit genug behalten, das ganze weite Gebiet des menschlichen Wissens zu umfassen, und seinen Geist unaufgehalten über alle Zweige desselben zu verbreiten? All dieß zusammengenommen, ist meines Erachtens hinreichend, sich die Unbrauchbarkeit der Mönche zu vielen Zweigen der Gelehrsamkeit zu erklären, und den Grund anzugeben, warum die Sprossen der meisten Wissenschaften in ihren Händen entweder welken, oder verkrümmt und verbogen werden mußten, ohne daß man nöthig hat, zu einer Beschuldigung von vorsetzlicher Absicht seine Zuflucht zu nehmen, die vielleicht ihrem Herzen zu viel Schande, und ihrem Kopfe zu viel Ehre machen würde. Genug, daß weder die eine, noch ander Ursache in Zukunft mehr Statt haben wird, und daß die über das Mönchswesen ergangenen Verordnungen bereits ihre wohlthätigen Wirkungen äussern, und manchen fähigen Kopf, dem sonst vor allem irdischen Wissen graute, veranlassen, sich nun auch mit der in Klöstern sonst so sehr verabscheuten _sapientia terrena_, und _prudentia carnis_ abzugeben, um sich auch durch solche Kenntnisse in Rücksicht seiner künftigen ungewissen Bestimmung sicher zu stellen.

Die erweiterte Censursfreyheit, und das dadurch dem Widerspruche, und den Meinungen der Schriftsteller eröffnete Feld versprach der allgemeinen Aufklärung eine nicht minder gesegnete Erndte, und vielleicht ist diese zum Besten des menschlichen Verstandes gemachte Verordnung die erste, die, so neu sie noch ist, schon wirkliche Früchte aufzuweisen hat. Denn ausser den sichtbaren, schon oben bemerkten heilsamen Folgen, welche die Kämpfe so vieler eifrigen Gegner zum Besten der Wahrheit mit sich brachten, giebt es noch manche tröstliche Beobachtung, die sich über den Fortgang der allgemeinen Aufklärung machen läßt. Allerdings geht es mit der Zurechtweisung des menschlichen Geistes sehr langsam, und eine durchaus aufgeklärtere Denkungsart läßt sich höchstens erst von der zweyten Generation, wenn unsere itzigen Kinder Väter seyn werden, erwarten. Auch ist es in Bestimmung dieser Sache viel leichter, die zum Fortgang der Aufklärung gegebenen Ursachen und Anläße herzurechnen, als die Wirkung derselben zu bestimmen. Die entscheidendsten Data, um wie viel heller das Volk über gewisse Gegenstände denke, liessen sich unstreitig aus den Verkauflisten der Rosenkranzkrämer, Bilderilluminierer und Skapulierhändler, aus den Rechnungen der Wirthe an größeren Wahlfahrtsorten, aus den neuesten Bruderschaftslisten, und dem täglichen Absatz der wächsernen Opfer und der sogenannten Kerzelweiber herhohlen. Indessen giebt es für den aufmerksamen Beobachter noch andere Data, aus welchen er den höheren Grad der Aufklärung so ziemlich richtig berechnen kann. Es giebt unter dem Volke bey besonderen Anlässen und Erscheinungen gewisse Aeußerungen von dem -- was ich _aura popularis_ nennen würde, wenn es die römischen Sprachgesetzgeber nicht in einem andern Verstande gebraucht hätten -- in denen immer der Grad des allgemeinen Vorurtheiles für gewisse Gegenstände sichtbar wird. Man erinnere sich des Aufsehens und der fast allgemeinen Empörung, welche die Schrift: =über die Begräbnisse= in bürgerlichen und adelichen Gesellschaften, in Schenken und Koffeehäusern erregte, und halte den unbefremdeten Blick und die Gleichgültigkeit dagegen, mit welcher das Volk itzt ungleich stärkere Doses von Wahrheit als bewährte Hausmittel in sich schlürft, und man wird finden, daß das Volk durch die kleineren Schriften dieser Art zu einer Bekanntschaft mit gewissen Gegenständen gelanget ist, die durch eine Reihe von Jahren kaum zu erwarten war. Das Lesen so vieler Schriften, das vielfältige Raisonniren darüber, mußte dasselbe nach und nach mit Ideen vertraut machen, die es sonst gar nicht, oder nur im Vorbeygehen zu denken gewohnt war. Und hätten die Schriftsteller nicht selbst so oft ihr Ziel aus dem Gesichte verloren, hätten sie ihre Begriffe nicht selbst verwirrt, und einer des anderen Arbeit vernichtet, so würde die Aufklärung ihr Gebiet noch weiter ausgedehnt, und ihre Macht selbst bis auf Handlungen erstreckt haben. Das Volk würde eingesehen haben, daß man ihm wohl will, daß man ihm nur die Schlacken, nicht das Gold nehmen, und seine Begriffe läutern, nicht umstürzen wolle, daß man ihm nichts nehme, ohne dafür etwas besseres zu geben, und daß der Zweck einer wahren Aufklärung nur darin bestehe, das eigne Wohl des Bürgers mit seinen Pflichten gegen Gott und den Staat in das engste und genaueste Verhältniß zu bringen.

Möchten doch alle, die sich berufen glauben, an der allgemeinen Aufklärung zu arbeiten, dieß beherzigen, möchten doch die hartnäckigen Zeloten und die zu hitzigen Neuerer den Mittelweg nicht verkennen, auf welchem die Wahrheit einhergeht, möchten sie doch ihre Geisteskräfte nicht an unnützem Privatgezänke versplittern, möchten doch die Schriftsteller unseres Landes ihre Mitbürger die Vortheile kennen und benützen lehren, welche ihnen die weisen Verordnungen ihres Monarchen bereiten, möchten doch alle, denen die Natur ein höheres Erkenntnißvermögen gab, mit vereinigten Kräften an dem Werke einer wahren Aufklärung arbeiten, und bedenken, was für ein grosser, seelenerhebender Gedanke das sey, der Wohlthäter eines Volkes und ganzer Generationen von Menschenaltern zu werden!

[ Im folgenden werden alle geänderten Textzeilen angeführt, wobei jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die geänderte Zeile steht.

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rüstigen Feder der Autoren sicher: für 10. Kreuzer kounte man jeden rüstigen Feder der Autoren sicher: für 10. Kreuzer konnte man jeden

Alle diese Brochüren, davon die meisten in die Rubrik =Makulatur= Alle diese Broschüren, davon die meisten in die Rubrik =Makulatur=

Klosterleuten=, die mit seiner Abhandlung über den Pabst zngleich Klosterleuten=, die mit seiner Abhandlung über den Pabst zugleich

den Hußiten ward. Der Grund hievon liegt in der Natur der Sache Der den Hußiten ward. Der Grund hievon liegt in der Natur der Sache. Der

gegenwätig, um jedes seiner Worte durch Ausdruck und Geberde zu gegenwärtig, um jedes seiner Worte durch Ausdruck und Geberde zu

es ihm bliebt, den Lauf des Schriftstellers kann jede Kleinigkeit es ihm beliebt, den Lauf des Schriftstellers kann jede Kleinigkeit

unendlich manigfaltig an Denkart und Empfindungsvermögen, er kennt unendlich mannigfaltig an Denkart und Empfindungsvermögen, er kennt

Ausnahme, und Enschränkungen wohl haben mögen, machen die bisherige Ausnahme, und Einschränkungen wohl haben mögen, machen die bisherige

Predigigern. Man höre zum Beweis ein Beyspiel aus einer Wienerpredigt, Predigern. Man höre zum Beweis ein Beyspiel aus einer Wienerpredigt,

als Schriftsteller aus, und fiel wider, schwerer als zuvor. Er kam nun als Schriftsteller aus, und fiel wieder, schwerer als zuvor. Er kam nun

entwey, den sie nach und nach auflösen sollten. Das Werk der Aufklärung entzwey, den sie nach und nach auflösen sollten. Das Werk der Aufklärung

Schreibmaterialien auf der Gasse. So bald er Pöbel was zu sprechen Schreibmaterialien auf der Gasse. So bald der Pöbel was zu sprechen