Belgiens Volkscharakter, Belgiens Kunst

Part 5

Chapter 52,556 wordsPublic domain

=Abb. 17. Gerard David, Die Schindung des ungerechten Richters Sisamnes.= Original im Städt. Museum in Brügge. (182×159). Hierüber orientiert gründlichst Eberhard Freih. von Bodenhausen: Gerard David u. s. Schule. München 1905. F. Bruckmann. Davids Bild charakterisiert durch seine Auftraggeber den belgischen Charakter. Ähnliche Aufträge noch an Rogiers für Brüssel und Bouts für Löwen. David kam wie fast alle großen in Flandern tätigen Maler aus Holland. Über die Kunstgeographie der Niederlande orientiert sehr übersichtlich Friedländer in »Kunst und Künstler« XIII, 2. Heft. Die Individualitäten als Stammesrepräsentanten aufzufassen -- wie das Heidrich nicht gerade geschickt versucht hat -- geht nicht an. Aber die Aufträge unterscheiden sich gar sehr da und dort. David wurde 1484 Meister in Brügge und starb dort 1525. -- Schindungen malten auch andere -- aber die Bilder des Ribera sogar haben nicht diese furchtbare Kälte. Anders wirkt auch Riberas Radierung: Schindung des h. Bartholomäus, durch den fanatischen wilden Henker, durch die sich abwendenden Zuschauer. Auch dies Bild ist Zeugnis +französ.+ Kunsträuberei. 1794 nach Paris entführt, 1815 erst zurückgegeben. -- Unsere Abbildung nach der Photogr. von F. Bruckmann A. G. München.

=Abb. 18. Dierick Bouts, Martertod des heil. Erasmus.= Originalgemälde in der St. Peterskirche in Löwen. Mittelbild eines Flügelaltars. (82×80 ~cm~) »Das Bild ist nicht urkundlich als Schöpfung des Bouts beglaubigt. Die Durchbildung aller Einzelheiten, namentlich der Köpfe und Stoffe von einer frommen Gewissenhaftigkeit sondergleichen. Die peinliche und mit krasser Deutlichkeit geschilderte Marterszene steht in eigentümlichem Widerspruch zu der stillen Würde, die Bouts über diese, wie über alle Gestalten breitet.« (Friedländer). -- Vergleiche hiermit den Kupferstich des unbekannten »Meisters des Erasmus«, den Lehrs im Katalog der Kupferstiche des German. Museums (Nr. 8) zuerst veröffentlichte.

Die Reliquien des h. Erasmus, eines der 14 Nothelfer, ruhen in Gaeta. Das Bild, durch den Dachstuhlbrand der Peterskirche gefährdet, wurde durch deutsches Militär in das Löwener Rathaus übertragen und steht noch heute unter der Aufsicht des Bürgermeisters von Löwen.

=Abb. 19. »Brügger Meister der Ursulalegende«. Tod der heil. Ursula.= (Ein Bild von 8 Szenen). Original in Brügge (48×30 ~cm~) im Kloster der schwarzen Schwestern. Der Meister war um 1470--90 viel für florentinische Kaufleute tätig. Das Bild ist vor dem Ursula-Schrein Memlings gemalt. -- Über die sehr kriegerischen Volksübungen berichtet Mokes: ~Moeurs et usages, Fêtes et solennités des Belges~. (Brüssel.)

=Abb. 20. Ambros. Francken, Martertod der heiligen Crispinus und Crispinianus.= -- Original im Museum zu Antwerpen (2,69×2,17). Ursprünglich für den Altar der Schuhmacher (deren Schutzpatrone die Heiligen sind) in Antwerpen gemalt. Francken -- kein großer Maler, starb 1618.

=Abb. 21. Antoine Wiertz, Das Erwachen des Scheintoten.=

=Abb. 22. Ders., Die Ohrfeige einer belgischen Dame.= Beide Bilder im Wiertz-Museum zu Brüssel. Wiertz starb, wahnsinnig, 1865.

=Abb. 23. Felicien Rops=, Titelbild zu Péladans »~Vice suprême~« Paris 1884. P. schildert den Tod der lateinischen Rasse; Barbey d'Aurevilly sagte über Peladan: Er trage in sich die Dinge, die von allen am meisten gehaßt werden, den Aristokratismus, die Originalität.

=Abb. 24. Hieronymus Bosch, Der Heuwagen.= Hauptbild des Triptychons im Eskurial. (1,62×1,05.) Hierzu: Lafond, Hieronymus Bosch, und Dollmayer, Bosch und die Darstellung der vier letzten Dinge. Jahrbuch der K. K. Sammlungen des ah. Kaiserhauses XIX. (Wien.)

=Abb. 25. Hieronymus Bosch, »Die Freuden der Welt«.= Mittelteil eines Triptychons. Originalgemälde im Eskurial (2,20×1,95). Wohl aus Bosch's letzten Jahren. Varianten des Bildes in der Sammlung Cardon in Brüssel und in der Sammlung Moreno, Paris.

=Abb. 26. James Ensor, Der Krieg.= E. geb. 1800 in Ostende. Sein Vater Engländer, seine Mutter eine Belgierin. Wie Schongauer und Bosch, sind Ensor und Kubin Rasse- und Zeitverwandte. E. ist auch als Kolorist höchst interessant. P. Buschmann nennt ihn in jeder Hinsicht eine der differenziertesten und originellsten Persönlichkeiten der heutigen belgischen Schule. Die Abb. nach dem Werke: Herbert von Garvens-Garvensburg: James Ensor. Hannover 1913. Ludwig Ey.

=Abb. 27. P. Breughel d. Ä., Der Triumph des Todes.= Original im Pradomuseum, Madrid. (Holz: 117×162 ~cm~.) Gemalt um 1565/66. Maeterlinck: »~attristé par les malheurs de la patrie il sentait déja sa fin prochaine~«. Kopien des Bildes in der Galerie Fürst Liechtenstein in Wien und beim Baron de Fierlant in Brüssel (? von Vinckboons). Nach Karl Kuhns Lichtdruck (München 1912.)

=Abb. 28. P. Breughel d. Ä., Ein Dorf in Brabant.= Kupferstich im Verlage H. Cocks. Blatt 11 aus der Folge: »~Praediorum villarum~«. (Bastelaer, ~Les estampes de B.~ Brüssel 1908. 44.) Den flandrischen Charakter in den Landschaften Boschs, des Vorläufers Breughels, rühmt Lafond.

=Abb. 29. Pieter Breughel d. Ä., Das Hochzeitsmahl der Bauern.= Originalgemälde im K. K. Hofmuseum in Wien. (114×163 ~cm~.) Mehr als 40 Figuren von etwa ⅓ ~m~ Größe. Das Bild befand sich schon 1659 in der Galerie des Großherzog Leopold Wilhelm. Es geht hier bei aller nicht gefühlten Unbequemlichkeit kulinarisch so üppig zu, daß die Schüsseln gleich auf ausgehängten Türen herbeigetragen werden. Obwohl doch das Derbe zu betonen nahegelegen hätte, zeigt sich Breughel gerade hier als ein Maler frei von jeder Übertreibung. Er ist hier nur Tatsachenschilderer. Seine Bauernmalerei -- also auch die der Kirmessen -- ist frei von jeder Karikatur, von jeder sozialen Tendenz, frei von jeder Sentimentalität. Man darf nicht vergessen, wie groß der Abstand des jüngeren Teniers vom älteren Breughel. Vgl. R. van Bastelaer und de Loo, P. Bruegel d. Ä.

=Abb. 30. Pieter Breughel d. Ä., Blinde, Blinde führend.= Das Gleichnis nach Matth. XV, V. 14. Originalgemälde im Nationalmuseum zu Neapel. Signiert Bruegel ~M. D. LXVIII.~ -- (86×154 ~cm~.) Das gleiche Thema malten schon Massys und Bosch vor Breughel. Aber mit Recht nennt Bastelaer dies Bild das höchste Kunstwerk B.'s; Romdahl stellt es neben Lionardos Abendmahl. Der Sinn dieser monumentalen Schöpfung hat doppelte Tiefe: Es ist eine Allegorie auf die verworrene Zeit -- es verbildlicht den ewigen Wahn in uns nicht sehenden Menschen, die doch wähnen Ziele zu sehen und führen zu können.

=Abb. 31. Miniatur aus dem Turiner Gebetbuch.= (Die Landung Wilhelms VI. von Bayern-Straubing-Holland. 1416.) Über die Landschaft am besten: Dr. Johanna de Jongh, Die holländische Landschaftsmalerei. Deutsch von Dr. Jeltes bei B. Cassirer, Berlin 1905.

=Abb. 32. Jan van Eyck, Adam und Eva.= 2 Flügelbilder vom Genter Altar. Die Originale im K. Museum in Brüssel (168×38 ~cm~). Diese Bilder gaben dem ganzen Altar den volkstümlichen Namen. Das Bild wurde von Anfang an als Wunderwerk angestaunt. Es wurde nur hohen Herren enthüllt oder gegen schweres Trinkgeld gezeigt. -- Die Inschrift, die Hubert größer nennt als Jan, ist aber doch eines der häufigen Beispiele aus der Kunstgeschichte, die die Größe der eigentlichen, starken Neuerer selten voll gewürdigt findet. -- Vom Genter Altar in Gent jetzt nur die Mittelbilder von Huberts Hand. Die anderen Originale in Berlin und Brüssel. Die Bilderstürmer hätten das Werk beinahe zerstört. Kaiser Josef II. war entrüstet über die zwei nackten Gestalten. Sie wurden nun verschlossen gehalten. Die Mitteltafeln wurden -- wie so vieles -- 1794 von den Parisern entführt. 1816 erwarb das »barbarische« Berliner Museum die 6 Flügel rechtmäßig für 410000 Frcs. von einem Privatmann. -- Das erste Lobgedicht nennt den Altar treffend: »eine Himmelsgabe für das teure Flandern«. -- Um das naturalistisch-oppositionelle für die Zeit zu empfinden, vergleiche man diese Akte mit denen der Brüder Limburg in den »~Très riches heures du duc de Berry~«. Auch dort wohl der modische dicke weibliche Bauch. Aber die Bewegungen sind geziert, die Glieder zierlich. Alles ist dort gerade im Akt auf den höfischen, verfeinerten Geschmack berechnet.

=Abb. 33. Meister von Flémalle, Madonna.= Original in der Sammlung de Somzée in Brüssel. (62×49 ~cm~.) (Flémalle in der Provinz Lüttich.) Der Meister war um 1432 in Arras und Brügge tätig. Vgl. Friedländer, Die Ausstellung in Brügge 1902 (München 1913). -- Eine Abb. der Madonna Foucquet's in Woermann, Geschichte der Kunst II.

=Abb. 34. Ausschnitt aus dem Altar »des Bürgermeister Rollin« von Jan van Eyck.= Die Landschaft ähnelt der bei Lüttich (F. Rosen, Die Natur in der Kunst, Leipzig 1903.) Original im Louvre, Paris. -- Rosen findet in den Landschaften des Bouts (München) die Felsen von Marche aux Dames an der Maas.

=Abb. 35. Die Maas bei Dinant.= Radierung von D. Y. Cameron (1907). (R. 390.) (Originalgröße 165×377 ~mm~.) »Das Maastal ist der klassische Boden der flandrischen Kunst« (Crowe und Cavalcaselle). Die englischen modernen Radierer, Whistler, Cameron, Brangwyn haben sich sehr viel Motive aus Belgien geholt. Von neueren deutschen und holländischen Künstlern sind mir belgische Landschaften in Erinnerung von Achener, Anderson, von Bartels, Bertlings, Beyer, Eder, Gaisser, Großmann, von Hayek, Heesch, von Leuxden, M. Liebermann, Lynch von Town, Mackowsky, Oppler, Orlik, Paulsen, Schrag, Schülein, Schumacher, Seyler, Storm vans Gravesande, Westendorf. -- Die Mappen der belgischen Radiervereine geben eine Fülle gerade jener so feuchten Landschaften zwischen Schelde und Meer wieder, die der Schauplatz unserer Schlachten. Der moderne belgische Maler-Radierer Lüttichs ist Maréchal.

=Abb. 36. Quinten Massys und Joachim Patinier, Die Versuchung des h. Antonius.= Original im Prado, Madrid. Patinier ist in Dinant geboren. Massys kam von Löwen nach Antwerpen. -- Photographie von F. Bruckmann A.-G., München. -- Eine Porträtlandschaft: Das Schloß Walzin an der Lesse 7 ~km~ von Dinant auf dem Bild in der Liller Galerie: Predigt Johannes des Täufers von Pieter Coecke.

=Abb. 37. P. P. Rubens, die flämische Kirmes.= Original im Louvre, Paris. Um 1636 ganz von Rubens eigener Hand gemalt. (149×261 ~cm~.) --

=Abb. 38. Pieter Breughel d. Ältere, Der Tanz unterm Galgen.= Originalgemälde im Großherzogl. Museum in Darmstadt. (45×50 ~cm~.) Gemalt i. J. 1568, im Alter von etwa 43 Jahren, ein Jahr bevor der Unsterbliche starb. Van Mander erzählt, der Künstler habe dies Bild seiner Frau vermacht mit dem Hinweis auf die schwatzhafte Elster auf dem Galgen, die all die bösen Zungen bedeutet, die er zum Teufel wünscht. -- Die wundervolle Landschaft, ausnahmsweise nicht so breit, nimmt wieder alte alpine Erinnerungen auf, sie gab dem Sohne den stärksten Einfluß für dessen ganz andere landschaftliche Gabe. -- Freier ist Rubens flandrische Landschaft beim Schlosse Steen, zwischen Mecheln und Vilvorde, in der Nationalgalerie London.

=Abb. 39. Pieter van der Heyden, Die St. Georgs-Kirchweih nach Pieter Breughel d. Älteren.= Kupferstich (340×530 ~mm~.) Nach dem Original in der K. Graphischen Sammlung, München. (Bastelaer 207 I.) Sehr instruktiv für die Art der Kirchweihbelustigungen und die volkstümlichen Übungen und Spiele in Flandern. Abgesehen von den hier nur etwas derberen Vergnügungen, die dem Volk überall angehören, sind bezeichnend für flämische Kirmessen: der Schwerterreigen und das Bogenschießen nach einem auf dem aufrechten Windmühlflügel befestigten Ziele (auf dem Hügel, ganz hinten links). Eine Erklärung aber zu den grotesken, teils maschinell wirkenden Figuren des Bosch und des Breughel, (auch noch des Callot), geben die etwas karnevalistischen Aufführungen »Wie St. Georg den Drachen tötet« in der Mitte des Bildes vor der Kirche. -- Die primitive Bühne, auf Tonnen aufgebaut, läßt die großartige, theatralisch-wirkliche Welt in den Höllen des Bosch, mit ihren brennenden Burgen, ihrem illusorisch plastischen Kulissenwerk besonders stark fühlen. Der Künstler steht als Realist auf dem Boden seiner Zeit, als Phantast eilt er ihr weit voraus -- in die Zeit des Illusions-Theaters, das überwunden werden soll. -- Wie St. Martin seinen Mantel teilt, wie David den Goliath besiegt u. v. a. wurde auf den Kirmessen drastisch gezeigt.

=Abb. 40. Felic. Rops, Frühling.= Lithographie. (Mascha 176) (412×588 ~mm~).

=Abb. 41. David Teniers d. J., Das Fest im Hofe des Wirtshauses.= Originalradierung. (195×233 ~mm~).

=Abb. 42. Adr. Brouwer, Das Gefühl. (Der Dorfbader.)= Original in der K. ält. Pinakothek, München. (Holz 23×20 ~cm~.) Nach der Tonlithographie des Rep. Strixner im »K. bayer. Gemäldesaal zu München und Schleißheim«. -- Hofsteede de Groot, der Brouwer unter die holländischen Maler aufgenommen, sagt doch, daß Holland um 1623 eine eigentliche Bauernmalerei noch nicht gekannt habe, während in Flandern der alte Breughel bahnbrechend wirkte. Brouwer war in Antwerpen seit 1631.

=Abb. 43. Adriaen Brouwer, Streitende Bauern beim Kartenspiel.= Holzschnitt von Middeleer nach dem Originalgemälde in der K. Galerie in Dresden (26,5×34,5). -- Die Kirche sagte: »Häßlich ist das Böse«. Der Genius der germanisch-nordischen Kunst antwortet darauf: Das Übel aller Kunst fängt an mit der Herrschaft des konventionell Schönen. Über den beständigen Kampf der Künstler gegen diese Herrschaft habe ich ausführlich in m. Buche »Häßliche Kunst?« berichtet.

=Abb. 44. Jan Sanders van Hemessen. Lockere Gesellschaft.= Original im Gh. Museum zu Karlsruhe (81×110). Hemessen bei Antwerpen geboren (um 1504) zog später nach Haarlem († 1566). Das Lob seiner Zeitgenossen als »holländischer Raffael« trifft die üble Zwiespältigkeit seiner Kunst. Es gibt kein schlechteres »Lob« für einen Nordischen.

=Abb. 45. Joos van Craesbeeck= († 1654 in Brüssel). =Die Kurtisane.= Original im Museum zu Lille. (Holzschnitt von Middeleer.)

=Abb. 46. Jakob Jordaens= († 1678). =Der König trinkt.= Nach dem Stich des P. Pontius »Der Bohnenkönig«.

=Abb. 47. Derselbe: Wie die Alten sungen so zwitschern die Jungen.= Original im Museum Antwerpen (120×192).

=Abb. 48. Richard Earlom, Schabkunstblatt nach Franz Snyders' »Fischmarkt«= (Earlom 1822 †.) »Keine Schule, auch die holländische nicht, hat das animalische Leben so künstlerisch verherrlicht, wie die flämische. Deren große Kämpfe, Jagden und Stilleben sind unvergleichliche Triumphe malerischer Kühnheit und Lebendigkeit.« (~Wauters, La peinture flamande, Paris 1883.~) -- Neben Rubens' Schlachten ist die Anghiari-Schlacht ruhig.

=Abb. 49. Josef Lambeaux, Die Freude.= (Marmor.) Lambeaux geb. 1852 in Antwerpen, ist bekannt als Schöpfer des »Brabo«-Brunnens auf dem Rathausplatz in Antwerpen.

=Abb. 50. Frank Brangwyn, Die St. Nikolauskirche in Dixmuiden.= Radierung. Nach dem Original in der K. Graphischen Sammlung, München.

=Abb. 51. D. Y. Cameron, Der Belfried von Brügge.= (1907.) Radierung und Kaltnadel (380×134 ~mm~.) (N. 392.)

=Abb. 52. Jerome Duquesnoy d. Ä. Das Manneken pis in Brüssel= (1619). -- Jerome D. ist der Vater des berühmten Franz D., dessen Arbeiten in St. Peter in Rom, dessen Putti in aller Welt bekannt waren. -- Diese Brunnenfigur wäre nach ihrem uralten Motiv gewiß kein besonderes Charakteristikum für irgendein Volk. Auch die prüdeste Stadtgemeinde würde keinen Anstoß dran nehmen, jede sie gern aufstellen. Was aber doch dies Buberl von Duquesnoy gerade zu einer Idealfigur flämischen Volkscharakters macht, das ist die Art, wie sie von allen Ständen des Volks als Wahrzeichen durch alle Jahrhunderte in guten und bösen Tagen verehrt und geschmückt wurde. Sie ist mit Recht von J. W. Wolf (Niederländische Sagen. 1843) die populärste Statue von Europa genannt worden. An Festtagen mit Blumen und Kränzen geschmückt, von allen fürstlichen Besuchern Brüssels mit Kleidern beschenkt, hat sie sogar Testatoren gefunden, die Summen zur Erhaltung, Summen für die Anstellung eines besonderen Pflegers gestiftet. -- Alle politischen Wandlungen hat das Buberl zur Schau tragen müssen. Ja Kurfürst Maximilian schenkte ihm 1698 das Ritterband seiner Orden und Ludwig XV. schmückte es mit dem Ordenskreuze des h. Ludwig. 1831 bekam es die Uniform der Brüsseler Bürgergarde. -- Öfters geraubt von fremden Truppen hat man es immer wieder zu finden gewußt. -- Kann eine harmlose Statue nur wegen eines guten alten echt menschlichen Motivs des Wasserspendens mehr verehrt werden? Das Manneken pis ist ein Charakteristikum des lebensfrohen belgischen Volkes, dem kein anderes sich vergleichen läßt. -- Auch wir wollen ihm als köstlichen flämischen Volks-Genius nie Respekt versagen.

=Abb. 53.= (Auf Seite 8.) =H. Paillard, Der große Platz in Brüssel.= Holzschnitt.

=Abb. 54.= (Auf dem Umschlag.) =Chr. Jegher nach Rubens=, Holzschnitt (605×360). Herkules tötet Neid und Zwietracht. (Nach dem Deckengemälde in Whitehall in London.)

Anmerkungen zu den Abbildungen:

Durch ein Versehen blieben nach notwendigem Umstellen von Bildern im Text in den Anmerkungen falsche Numerierungen stehen:

Abb. 4 im Text ist in den Anmerk. Abb. 6 " 5 " " " " " " " 4 " 6 " " " " " " " 5 " 7 " " " " " " " 13 " 8 " " " " " " " 9 " 9 " " " " " " " 7 " 10 " " " " " " " 8 " 11 " " " " " " " 10 " 12 " " " " " " " 11 " 13 " " " " " " " 12 " 37 " " " " " " " 38 " 38 " " " " " " " 37

Weitere Anmerkungen zur Transkription.

Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Unterschiedliche Schreibweisen wurden beibehalten. Der Schmutztitel wurde entfernt.

Die Abb. 54 (Umschlag) fehlt.

Korrekturen:

S. 9: Kapitelüberschrift ergänzt Belgiens Volkscharakter -- Belgiens Kunst

S. 36: Einsetzen → Entsetzen sie auch sonst sein mögen, kaum ein leises {Entsetzen}