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Chapter 18

Chapter 18615 wordsPublic domain

Ein letztes Fötah wurde gebetet und die Sure: "Sag', Gott ist der Einzige und Ewige. Gott zeugt nicht und ist nicht gezeugt und kein Geschöpf gleicht ihm," wurde von allen Anwesenden gelesen[80] und darauf unter dem Ausrufe: "=Bism Allah=!" (im Namen Gottes) der Leichnam in die Gruft gelegt. Ein Jeder der Anwesenden warf eine Hand voll Sand auf den Körper und hierauf wurde durch Hacken die Grube schnell mit Erde gefüllt. Damit nicht etwa Hyänen das Grab eröffnen könnten, wurden sodann zum Schlusse schwere Steine über das Ganze gelegt. Zurück wurde der Weg eben so rasch und ebenfalls unter dem Gesange: "=Lah illaha Il Allaha=" gemacht. Acht Tage lang mußten außerdem Trauerweiber, die zum Theil bezahlt waren, klagen und weinen, die Männer aber gingen ihren gewöhnlichen Beschäftigungen nach, pflegten sich aber auch Abends beim Trauerzelte einzufinden, weniger um der Vorzüge und Tugenden zu gedenken, die der verstorbene Omar ben Edris gehabt haben sollte, als um an der Mahlzeit Theil zu nehmen, die sein Sohn während der achttägigen Klagezeit allen Mittrauernden spenden mußte. Die Trauer durch besondere Kleider, z.B. schwarze Gewänder, auszudrücken, ist aber bei den Zeltbewohnern so wenig Sitte, wie bei den mohammedanischen Städtern.

Daß der Kaid der Uled Sidi Schich die Kränkung nicht ruhig hinnahm, weil man seine Tochter verschmäht hatte, versteht sich von selbst. Und so erschien er denn eines Tages mit zwanzig Reitern nach gefahrvollen Märschen; es gelang ihm auch, eine Nachts außengebliebene Heerde fortzutreiben. Doch die schnell aufgebotenen Beni-Amer, im Verein mit einigen Uled Hassan, ereilten die Räuber, ein kurzes Gefecht entspann sich, einige Kugeln wurden gewechselt. Die Uled Sidi Schich zogen natürlich den Kürzeren, im Triumphe wurde die geraubte Heerde zurückgebracht und seit der Zeit lebt Omar zufrieden und ruhig am Ued Ssebu, lebt wie sein Vater und seine Vorfahren gelebt hatten und wie seine Söhne und Nachkommen unwandelbar nach denselben Sitten und Gebräuchen weiter leben werden.

FOOTNOTES:

[Footnote 66: Wie man bei uns sagt, er stammt aus einem großen Hause, so sagt man in Marokko min cheima kebira ("von einem großen Zelte").]

[Footnote 67: In Marokko flechten und kämmen die Frauen und Mädchen ihr Haar keineswegs alle Tage, sondern nur bei festlichen Gelegenheiten.]

[Footnote 68: Sidi ist der Titel des Großscherifs der heiligen Stadt Uesan.]

[Footnote 69: Mohammed sagt im Koran: "Niemand trage seine Haare in Flechten bis zu den Schultern herab." Weil, S. 251.]

[Footnote 70: Obschon es Mohammed ausdrücklich verboten ist, Staub aus dem Tempel von Mekka als Reliquie mitzunehmen, thun es die meisten marokkanischen Pilger doch.]

[Footnote 71: Man sagt so, natürlich sind die Insassen des Zeltes gemeint.]

[Footnote 72: Schreiber.]

[Footnote 73: Plural von Thaleb.]

[Footnote 74: In jedem marokkanischen Duar befindet sich ein Zelt, das zum Abhalten des freitäglichen Chothagebetes bestimmt ist und Situn el Djemma heißt; in der Regel dient es auch als Herberge für Fremde und heißt dann Situn el Diaf.]

[Footnote 75: Wollenes Uebergewand.]

[Footnote 76: In einzelnen Familien haben sich behufs der Beschneidung Steinmesser oder vielmehr scharfe Steinscherben vom Vater auf den Sohn vererbt und wahrscheinlich sind sie aus Arabien mit herübergebracht worden.]

[Footnote 77: Der gewöhnliche Preis ist auf 60 französische Thaler, in Marokko Doro oder Duoro genannt, fixiert.]

[Footnote 78: Kupferner Kessel.]

[Footnote 79: Die Kuskussukügelchen aus Weizen- oder Gerstenmehl, auf einem Palm- oder Strohteller gerieben, sind von der Größe unserer Perlgrütze. Getrocknet halten sie sich monatelang, ja über ein Jahr. Man nimmt sie auch als Provision auf Reisen mit.]

[Footnote 80: Der Araber braucht das Wort "ikra" er liest, nicht blos von der Handlung in unserem Sinne, d.h. wenn man aus einem Buche etwas abliest, sondern auch, wenn Jemand aus dem Koran oder sonst einem Buche ein Capitel hersagt.]

Leipzig,

Druck von Alexander Edelmann.