Bei uns im Arzgebirg': Heiteres aus dem Erzgebirge

Part 5

Chapter 54,138 wordsPublic domain

Nu warsch emol an en Montig Nochmittig. Der Tiftelschuster un 's Fadel kame vollgepackt voll Schwamme ne Zimmerwag rauf, dar akarot noch der Morgensonn führet. Se konnten fruh sei, heit hatt's Stäpilz gab'n, wie bal in ganzen Gahr net. Se konntens schie kaum derwarten, daßen se in der Schwammekonferenz ihre Sackle auspacken konnten. Heit würn die anern net garstig gucken, noch derzu, weil's an Montig, wu alles blaa machet, in Wald bal mehr Schwammegieher gab wie Schwamme. Wie se an der Lichting nakame, kam ne Kreizwag rauf der Bargeltwilhelm, dar sinst in der Woch Fransen nähe tat, mit seiner Marie, en fein Madel von epper zwanzig Gahrn. »Wu wart ihr dä?« fing er a, wie er die vullen Schwammesack sog. »In de Schwamme«, saht 's Fadel in aller Ruh. »Dos sah ich«, saht der Bargeltwilhelm, »daß ihr käne Pflasterstä in eiern Säcken hobt, ka ich mer denken! Ich mähn, wu?« »Ach su«, saht der Tiftelschuster, »do drunten. -- Zeig emol har, Wilhelm, hast de aa weliche?« »'s stand net derhaufen heit«, saht der Bargeltwilhelm, »e paar Taiberling ho ich un e paar Galbschwammle! Sogt mir när e enzigsmol, wu ihr hilaaft; mei Sackel wür doch da aa miet voll!« »Eiju«, mahnet 's Fadel wieder, »do drunten stinne Schwamme, mer muß sich in acht nahme, daß mer net drauftritt! Mer hobn heit när de paar besten mietgenomme. Do stinne se noch haufenweis.« De Marie gucket geleich ne Wag noner, ob se net weliche stiehe sog; oder ihr Voter huppet net of dan Leim, dä daß die bäden Gorken uhne en Imwag ze machen vun ihrn Flack waggange wärn, wollt'n net racht eileichten. Wie se nei in der Morgnsonn kame, war schie e fei bissel Labn. Un en Tisch soßen vier Mann un spieleten Doppelkopp. Do war aa der alte Wachtmäster aus der Stadt derbei, dar hat sich zor Ruh gesetzt un ging alle Tog in de Schwamme, weil er nischt annersch ze tue hatt, un trutzdam er bal nischt derkenne konnt, bracht er seiner Fraa alle Tog e Sackel ehäm; ar ging namlich när bis in der Morgnsonn un tat dorten de Schwammeleit olauern; dann spielet er sen Doppelkopp, un zeletzt kafet er sich vu en richting Schwammegokel e Sackel Schwamme, manichsmol im teiersch Gald. Wenn er oder nei in der Stadt kam, kehret er drei-, viermol ei un tat sich gruß mit seine Schwamme. När in »Roß« ging er net mehr nei, weil ne der Fichtenbarger Kanter, dar an Ohmd e manichsmol dorten soß, emol gefregt hatt, öb dos Konferenzschwamme wärn. Heit war der Wachtmaster racht neigierig, wu er seine Grußtuschwamme harkriegn wür, dä war gekomme war, hatt se net haufenweis gehatt. Wie nu de letzte Gesellschaft kam, hatt er wieder Hoffning, e paar wür er schie kriegn, dos wußt er. Der Tiftelschuster, 's Fadel un der Bergeltwilhelm mit sen Madel setzten sich hie. 's tat net lang dauern, do kriegeten se ihrn Pfefferminz un ihr Gelos Bier, de Marie lacket an ihrn Stangelbier rim. Do taten unere bäden Schwammefreind ihre Sackle imsterzen. In der Schwammekonferenz wur der rene Aufruhr! Se hätten alle zam gar ze garn gewußt, wu dar Flack war, dar e sette Matz hargob. Dan bädn Karln fuhls natirlich net ei, ewos ze verroten, in Gegentäl, wenn noch dan ihrn Reden jemand geloffen wär, dar wär über de Roscherfelsen nei in der Boch gesterzt. Itze zeiget 's Fadel en Stäpilz har, fest, rund un gesund wie e Wiesner Buttermadel. Ar hielt ne esu, daß ne der Wachtmäster geleich ze Gesicht krieget. Wie dar dan Pilz sog, war sei Adacht bein Spieln wag, un e Spiel, dos engtlich fest wie e Mauer stand, wur verlurn. Kaum warn se fertig, lof er hie zun Fadel un saht: »Wos soll dä dos Pilzel kosten?« 's Fadel saht: »Ich bi kä Hanelsmaa!« Der Wachtmäster ließ oder kä Ruh. Ihn tät dos Schwammel esu gefalln, ar sollt's'n när olossen. Der Tiftelschuster zwinkret ne Fadel zu un dar saht endlich: »Ja, bezohln Se en Pfefferminz, dann solln se's kriegn.« Der Wachtmäster saht geleich: »Harr Kunze«, wos der Wert war, »gab'n Se emol en klen Pfafferminz!« »Nu nä«, fing oder do der Tiftelschuster a, »bräng när en Zwämännischen! Heit sei de Stäpilz rar!« Na se kriegeten ihrn Faustpensel, un der Wachtmäster stecket sen Stäpilz ganz gelicklich in sei Schwammesackel. Dann spieleten se weter. Kaum noch'n zwäten Spiel meld mei Wachtmäster en grün Solo a. Se hatten kaum agefange, do langet der Tiftelschuster a e Stäpilzel raus, bal noch schener wie dos anere. Der Wachtmäster hatt's kaum gesah, do warn seine Aagn mer of dan Stäpilzel wie of sen Spiel, un richtig, er verkneppt sei Solo. Kaum war er fertig, machet er hie zun Tiftelschuster un fing a mit dan zu haneln. 's dauret a net lang, do hatt' mei Wachtmäster sei Pilzel un der Tiftelschuster sen Pfefferminz. Der Bargeltwilhelm konnt sich net derhalten ze sogn: »Na, dos Schwammel kimmt Se oder teier ze stiehe, vier Neigrosch!« »Wuhar dä?« freget der Polezeimaa. »Nu, drei Neigrosch Ihr Solo un en der Faustpensel! Do, kafen Se mer dan Taiberlich o, dan kriegn Se schie für en klen Schnaps!« Dodrauf ging oder der Wachtmäster net ei. Ar spielet esu uhne Gedanken, daß sei Mitspieler sahten, se wollten när lieber aufhörn, oder ar sollt mehr of sei Karten gucken, wie of de Schwamme. Noch e paar Minuten gungset der Tiftelschuster 's Fadel, un dann brachten se e Ruthätel aus'n Sack, bal wie en klen Regnschirm. Do warsch mit'n Wachtmäster seiner Ruh aus. Dosmol mußt'r oder bluten, dä die Schwammegokeln verlangeten jeds e Tippl Bier. Ar mocht wolln oder net, 's halfen nischt, ar mußt se bezohln. Ja, die Hanelei ging esulang, bis de Bäden mit Schwammeputzen fertig warn; un derbei hatten se freie Zech gehatt, dä der Wachtmäster ruhet net, bis sei Sackel epper dreivertel voll war. Wahrend dar Sach warn noch e fei paar Schwammesucher komme, un in der Konferenz war e Unterhalting, daß mer bal konnt sei Wort net verstiehe. Mer heret immer esu dorchenaner bläken; »Herschpilz, wie e Tisch esu gruß!« »Uner jeden Fichtel drei Röstling!« »Ruthäteln wie de Spargelstange!« »Stäpilz stinne bal gar net!« Jeder tat sich gruß mit sen Flack, oder tat sich aa hüten, ze viel ze verroten, sinst hätten doch de anern higiehe kenne un sahe, wos ar alles derzugesuhlt hatt'. Anere wieder, die strieten über die Geschicht, die in Wochenblatt gestanden hatt, wu su viel Leit an Pilzvergifting gestorbn warn. Doderbei war mer sich oder enig: War nischt vun de Schwamme verständ, sollt derhem bleibn un sich sei Schwamme kafen. Der Werfelschmied wollt dan Leiten vireden, de besten Schwamme wärn de Fliegnschwamme, in Drasen würn se zantnerweis' in der Markthall verkauft. 's müßt när de Haut orndlich ogezugn un de Brieh ogegossen warn. Dodrüber wurn se sich oder net enig, 's wollt a käner bei sich derhem prubiern, un der Werfelschmied salber wullt aa net racht naa, wie er sich derzu hargabn sollt. Ne Bargeltwilhelm sei Marie tat sich net garstig langweiln. Se hatt' de Bilder in Sontigblatel rim un nim agesahe, ihre paar Schwamme warn aa geputzt, un nu wußt se net racht, wos se machen sollt. Sie krieget erscht dann ewing Vertuing, wie de Tir aufging un der Barthelfritz aus Städorf reitrot. Dar hatt' aa e Packel Schwamme, oder -- im's geleich ze sogn -- dan ihretwagen war er net nausgeloffen, dos Schwammel, wos dar suchet, soß dorten in der Schwammekonferenz -- un dos war de Bargeltmarie! Se trafen sich zwar alle verzehn Tog ofn Tanz, oder sinst war der Bargeltwilhelm ze sehr derhinerhar, daß se net mitenaner scharmeziern konnten. Desto greßer war sei Fräd, daß esu eitraf, wie se an Suntig mitenaner ausgemacht hatten. De Manner warn esu ben Dischkeriern, daß se gar nischt marketen; a dos marketen se net, daß die bäden gunge Leit erscht noch emol de Suntigbeilag racht sahr agucken taten, när war dos Blattel ze klä, zwä Köpp ginge net derhiner. A dos fuhl net auf, wie de Marie emol zor Tir nausging, un niemand hatt' e Obbacht drauf, wie der Barthelfritz noch e paar Minuten aa wag war. In der Schwammekonferenz ginge de Wugn huch. Se warn abn derbei, öb sich net aa e Schwammezucht harrichten ließ, wie bei de Blume. Der Tiftelschuster hat sich schie e Kreizing von Stäpilz un Ruthäteln zerachtgelegt -- korz un gut, 's war bei dan Schwammestreit e mannichs derbei, wu mer dernoch hätt sogn kenne: »Schwamm drüber!«

's mocht nu im sechse sei, do besann sich der Bargeltwilhelm of seiner Familie un saht: »Marie, willst De e Bindel Heu assen? -- Nu, wu is dä mei Madel?« Der Wert wullt se net gesahn hobn, e anersch hat se a net weiskriegt. Der Wilhelm ging emol naus vir der Tir un rufet, oder er krieget kä Antwort. Ar freget noch emol in der Gaststub rim, öb niemand sei Madel gesahe hätt, 's war oder vergablich. Do kriegets mei Wilhelm mit der Angst ze tue. »Se werd doch epper net of Eiern Flack geloffen sei, Fadel?« freget er. »Dan werd se wuhl net finden«, saht dar, »se weß doch net, wuhi!« Do menget sich oder der Werfelschmied nei un saht: »Eiju, dos werd sei, die hot aufgepaßt wie e Haftelmacher, wie der Tiftelschuster sen Flack beschriebn hot! Die werd wuhl do noner sei«. »Daß Gott derbarm!« saht der Tiftelschuster, »wenn die geloffen is, wie ich saht, is se ne Roscherfelsel nogesterzt!« Nu wur oder Labn in Brutsook! De ganze Bande stand auf, setzet de Mitzen ofn Kopp un wollt noch dan Madel suchen giehe. Draußen vir der Tir wur ausgemacht, daß jeder Trupp fir sich lafen sollt. Von Zeit ze Zeit wollten se alle emol bläken. Der Wachtmäster machet mit'n Tiftelschuster fort, er dacht doch, 's ging ofn Schwammeflack. Nu wur der ganze Sauwald ogesucht, oder dos Madel wur net gefunden. Se konnten schreie wie se wollten, 's gob kä Marie Antwort. Dos stand nu bei dan ganzen Mannsen fest: 's war e Ugelick gepassiert. Der Bargeltwilhelm klattret mit noch en ne Roscherfelsel noner, oder dorten war aa nischt ze sahe. Der Anzige, dar von darer Sucherei ewos hatt, war der Wachtmäster. Der Tiftelschuster konnts doch net lossen un gucket manichsmol ofn Ardbuden, als kennt sich dos Madel dort neigegrobn hobn. Bei darer Gelanghät sog er doch e paar Schwamme, un ar war esu astännig, daß er ne Wachtmäster allemol bal mit der Nos draufdricket. Un dar hatt' ene Fräd! Dos war'n doch of sen ganzen Schwammegiehe net virkomme, doß er hätt e Pilzel oschneiden könne! 's war oder ner narrsch, doß er als Schwammgokel net emol e Masser miethat, dos mußt'n der Tiftelschuster aa noch borgn. Ar war esu begierig, er hätt an liebstn de Schwamme mit Stump un Stiel rausgeruppt. Do war oder der Tiftelschuster derhinerhar, daß er dos net machen tat. Wie se nischt gefunden hatten, kame se zerick zor Morgnsonn. Der Wachtmäster war ganz aus'n Heisel. Der Wert sog se komme, un weil der Wachtmäster esu ofn Damp war, freget er geleich: »Ihr hat se wuhl gefunden?« »Haa«, saht der Wachtmäster, »mir hobn se, vier Stick of en Flack!« »Ach, alts Gemahr«, fuhl ne der Tiftelschuster in der Red, »nischt hobn mer gefunden, ich ka mer net denken, wu dos Madel hie is!« Do freget der Wert: »Sog emol, war dä virhinst der Barthelfritz net ze strich? Drine stieht noch sei agetrunkenes Gelos. Suchen is er oder net miet!« »Nu, dos tät mich oder wunnern«, mänet der Schuster, »'s häßt doch immer, dar un de Bargeltmarie liefen mitenaner; dar werd schie aa miet suchen?« »Na, dos is sicher«, saht der Wert wieder, »wie's zun Suchen ging, war er schie nimmer do!« »Weßt de«, fing do der Schuster aa, »itze gieht mir net när e Licht, nä geleich e ganzer Christbaam auf! Dos gunge Zeich werd schie erngtwu stacken!« Se warn noch ibern Reden, do kam der Bargeltwilhelm ganz klälaut a. Aa die anern Manner kame getraten, mer merket oder geleich alln a, se hatten de Marie net gefunden. Se warn allezam dar Asicht, daß dos Kind vermalliert wär. Ne Bargeltwilhelm stand's Wasser in de Agn. Ar machet sich ewing vun die Manner wag un hinnersch Haus, nochn Kegelschub zu. Dort stand e grußer Vugelbeerbaam, unner dan war, e finkel versteckt, e Bankel. Of emol blieb der Wilhelm traatn, 's Fadel war ne nachgeloffen un gucket aa miet hi, drehet sich oder geleich rim un winket dan anern, se sollten racht leise harkomme. Un wos sog mer do? Of dan Bankel soß, ne Leiten mitn Buckel zugewendt, mei Barthelfritz mit der Marie, un dricket ihr abn en Schmatz ofs Guschel, daß när esu knallet. In dan Agnblick schlug de ganze Schwammkonferenz e Lach auf, daß de beden gunge Leit in greßten Schrack ausenaner fuhrn. Nu fing oder mei Bargeltwilhelm aa: »Wos is mer dä dos? Ihr sucht wuhl Schwamme dohinten? No, do hert mer oder de Gemietlichkeet auf! Mir denken, dos Madel liegt in Wald un hoot 's Genick gebrochen, un do hot se e gunger Bos bein Genick!« »Sahts ichs net«, saht der Werfelschmied, »die hot ne richting Flack gesucht? Do hot se'n gefunden!« Der Barthelfritz hat en ganz ruten Kop un de Marie bracht de Scherz net vun Gesicht runer, esu schamet se sich. Der Fritz machet sich oder an Bargeltwilhelm na un tat e Weil mit'n streiten. Un wie se fertig warn, do drehet sich der Wilhelm rim un saht: »Na, 's doch zu ewos gut gewasen, mer warn geleich noch ewing Verlobing feiern!« Der Wert mänet derzu: »Dos kenne mer aa in der Gaststub machen, do brauchen mer net hausen harzetraten.« Darer Asicht warn die anern aa, un se macheten, daß se neikame. Do ging nu ein Gegratelier lus, un e mannichs Tipel Bier wur noch of das gunge Paar leergemacht. -- 's war spät gewurn, wie alles ehämzug. Unerwags saht der Wachtmäster zon Fadel: »Dos is in der Schwammekonferenz aa noch net virkomme!« »Wos dä?« freget dar. »Na, daß Verlobing gefeiert werd!« »Ach su«, saht der Tiftelschuster, »ich dacht, Harr Wachtmäster, daß Sie emol e paar Schwamme salber ogeschnieten hätten, wär noch net gepassiert!« Der Wachtmäster saht nischt drauf, heit machet er oder nei in Roß, heit konnt der Fichtenbarger Kanter dositzen, dan wür er'sch schie weißmachen!

Dos war dar gruße Tog in der Schwammekonferenz, un in der ganzen Gegnd wur drüber geredt un gelacht. Wenn mer nu oder emol nei in der Morgnsonn kam, soßen allemol e Sticker finf, sechs gunge Madle dorten, die de letzte Hoffning of der Schwammekonferenz gesetzt hatten! Oeb se'n ewos genützt hoot? -- Ich weß fei net, gehört hot mer nischt wieder!

De Pfingstkantat'.

Es is ein rachtes Gelück, daß der alte Kanter F. M. Gast e sette Matz settge feine Kantaten geschriebn hot, 's wüßt -- meiner Seel -- manicher Kanter heitzetog net, wos er sen Leiten egal für Kirchenmusiken zu de grußen Fast virsetzen kennt.

Su e Kanter hot überhaupt kä Zuckerlacken: Macht er käne Kerchnmusik, do heeßts, er machet überhaupt garn nischt. Macht er weliche un se klingt net schie, sprachen de Leit wieder, der Kanter taget nischt. Und dos muß doch zugegabn warn: En maning Karl sei Maul paßt besser zon Pfeifrachn, als wie zon Singe, un er singt doch.

Sei nu in en Dorf lauter settge, do ka's der Kanter machen, wie er will, 's is net racht. Un wos möcht er net alles bedenken, daß er niemand of de Füß tritt! Doß de Kanterei singt, dos verstieht sich von salber.

Nu will oder aa der Gesangverein »Liederkranz« mittue. Die Verstärkung is net esu gruß, de Hälft von dan Sängern is doch aa in der Kanterei. Sei nu gelücklich zah Mann zamgebracht, do ka mer mit Sicherhät drauf rachne, daß'r achte dervu Solo singe wolln. 's is überhaupt mit die Sangesbrüder e settge Sach, mer trifft selten emol en, dar sich net steif un fest einbild, er könnt sich geleich, wie er is, of e jeds Theater stelln un mietsinge.

Von zah Sängern sei oder när drei Tenör und siebn Bäß. Von dan drei Tenörn wieder ka när ener orndlich singe, un der Kanter ka vir jeden Fast verzehn Tog lang net schlofen, aus Angst, »dar« Tenor kennt eper emol ze huch in der Tranksteuer geroten un hescher warn. Mit de öbern Stimm hoot er lechter ze hantiern. Do hot er doch zeerscht seine Schulkiner, un dann sei in Dorf e ganze Hard Maadle, die singe wie de Hädellerchn. Un aa mit de Solostimme hoots käne Nut, do hilft de Fraa Pastern, oder ne Kanter seine Fraa oder ihre Maadle. Un dann kimmt de Begleitung! Werd när Orgel derzu gespielt, dos is ne Leuten ze wing. 's Musikkorps, dos sinst immer in Gericht Tanzmusik spielt, will bei de Fasttog aa zeign, daß 's e Religiu hoot un will miettue.

Nu sei die Musekanten, die sette Kerchnmusiken zameschreibn, e manichsmol racht narrsche Karle. Wos die alles für Instrumenter verlange! Do langetn doch, weß der Hole, 50 Musekanten net, die dos spieln könne. Ja, ich hoo emol e settigs Nutenbuch gesah, do sollt sugar a Harf mitspieln! Dos fahlet noch, daß die böhmischen Harfenmähd aa noch in der Kerch ihre Zupperei afinge; dä ich wüßt sinst ken, dar sich of der Harf verständ.

Do is mitn alten Gast sen Kantaten e anere Sach. Dar hoot gewußt, wos de Leit brauchn un hoot e ganze Hetz Kantaten gemacht, die sei werklich net von schlachten Eltern. Se klinge schie, sei net esu schwer, un wos verlangt werd, dos is aa in mesten Dörfern aufzetreibn. Dodrim hatt sich aa der Geyersberger Kanter, wie er geleich noch Ostern e Pfingstmusik raussuchn tat, virgenomme, of ne erschten Pfingstfeiertog ene Kantat' vor F. M. Gast zu singe.

Der Kanter war kaum fruh, daß er die Ostermusik waghatt, do gings schie wieder of Pfingsten lus. De Kantat war ewos Feines un passet aa racht für seine Kräft. Se ging lus mit en lange Blosakkord, do konnt sich der Weigelfläscher e Gitt tue mit seiner Trompet. Dann macheten de Geiger lauter sette kläne Strich zemerscht immer of en Ton, un dann fing e Sopransolo aa, de Pfingstgeschicht aus der Bibel ze singe. Dos mochet sich racht schie, un de Leut konnten sich aa ewos derbei denken, net wie bei maning anern Lied, wu niemand derhinerkimmt, wos die Singerei engtlich ze bedeiten hoot.

Dann kam e Chor, wu aa de Musik mit neiwurzeln konnt, hinerhar kam e Arie für en Tenor, die hieß »Schmückt das Fest mit Maien«, un zeletzt sang der ganze Chor aa noch en schien Choral. Mer konnt sich racht dra erbaue. Der Kanter fing nu geleich in der Singstund a, de Kiner eizerichten. Daß die ihre Sach machen würn, do war er sicher. Ar hielt aa Singstunden in der Kanterei. Erscht de Mannsen allä. Do häßts immer, su e Kanter hätt ne grußen Gehalt. Ja, guckt när emol of de Spesen! Läßt er in der Singstund de Mannsen ihrn Part zweemol hinerenaner singe, do machen se noch miet. Beim dritten Mol oder möcht er schie e Spitz Kimmel bezohln, sinst streiken se. Je schwerner su e Lied is, desto teirer kimmts ne Kanter ze stiehe. Mer muß oder zugabn, daß de Mannsen in Geyersberg sich e rachte Müh gabn. 's ging uhne gruße Nut föder, un nu konnts mit der Musik lusgiehe.

Der Kanter bestellet sich de Musekanten en noch'n anern in der Schul un hoot nu ofn Harmonium ene jede Stimm esulang mietgespielt, bis jeder sen Part orndlich spieln un blosen konnt. Un wie se nu zun erschten Mol alle zamkame, gings merklich esu schie, daß mer sei greeßte Fräd hobn konnt. Nu ginge de Solostimme lus. De Pastergretel sollt dos Solo zun Afang singe. Of dar konnt er sich verlossen, die konnt Klavier spieln un übet sich salber. Oder dos Tenorsolo!!

's gab in Dorf en guten Tenor, ne Zipperschuster (se nannten ne när ne Singschuster), dar hätts esu racht schie singe könne, ene Stimm hatt' er wie e heuriger Löw. Sinst war oder net derhaufen mit'n lus; er hatt sugar schie emol gesassen. Net eper wegn Mauserei un setting Sachen, nä, er ging of der Vugelstellerei, spielet in böhmischen Lotto, tat uhne Angelkart fischen, un wenn er über der Grenz ging, machet er net bein Zollhaus vorbei. Dos sei alles Sachen, die sich net gehörn; oder mit sen Tenor hatt doch dos nischt ze tue, un desderwagn dacht der Kanter aa: »Der Zipperschuster mog när dos Solo singe«. Ar hoots'n aa richtig eigelarnt, un der Zipperschuster war ganz wag in seiner Arie, daß er sugar derhem bein Schustern mit lauter Stimm sang: »Schmückt das Fest mit Maien!«

Su war nu in lauter Ueberei un Prubiererei der Pfingstsonnobend ragekomme. De Scheuerweiber hatten in der Kerch rägemacht, un der Kanter hat gruße Maibaam neistelln un schiene Hollundersträuß of'n Altar setzen lossen. 's sog alles esu schie, su racht wie e Fast; un su war aa ne Kanter ze Mut, wie er an Obnd noch ewing in sen Garten hantieret. De Kerchnmusik ging, -- mehr verlangt e Kanter von der Walt nischt. Ar stecket abn an der Gartenlaub e Weinzweigele, dos ze weit rübergachsen tat, hiner ener Rank naa, do höret er mit en Mol de Gartentür giehe. Wie er sich rimdrehet, sog er ne Paster of der Gartenlaub zukomme. Dar hatt' en ruten Kopp dra, mer merket ne aa, daß er sich über ewos mordsgammerlich argern tat. Ar setzet sich ganz eschofiert of der Bank hie, gab ne Kanter e Patsch un saht: »Denken Sie sich, Herr Kantor, mir haben sie aus dem Pfarrbusch zwei der schönsten Maibäume gestohlen!«

Der Kanter war richtig derschrocken. Er bracht weiter nischt raus wie: »Nu soooowas!«

Der Paster machet oder weter: »Und wissen Sie auch, wers gewesen ist? -- Ihr Tenor, der Zipperschuster, der gemeine Kerl!«

Der Kanter war wie mit der Mütz derpocht. Dos hatt noch gefahlt! »'s ist nicht möglich«, saht er, obwuhl er innerlich dacht: »Dan Bruder is alles zuzetraue!« Mit en Mol fuhl ne sei Kerchnmusik of der Seel un es war ne, als wenn er alle Kantaten der Walt of emol hörn müßt, esu gurglets und brausets üm ne rim, daß er sich geleich mit hiesetzet.

»Daß der Mensch morgen in der Kirche als Solist auftritt, ist natürlich ausgeschlossen. Ich übergebe den Menschen dem Gendarmen!« fuhr der Paster weter fort.

Su sehr wie nu der Kanter in dan Agnblick ne Zipperschuster alles Biese gönne tat, warsch'n doch im seiner Kerchnmusik ze tue, un er fuhl ne Paster in der Red: »Was wird denn da mit meiner Kirchenmusik? Der Zipperschuster ist morgen nicht zu entbehren, sonst können wir gleich einpacken.«

»Nun, denken Sie denn, ich gebe zu, daß meine Gretel mit dem Menschen zusammen singt, der mich am Tage vorher in gemeinster Weise bestohlen hat?«

Der Kanter wußt weter nischt drauf ze sogn. Ar hätt könne ne Zipperschuster uhne Gewissensnut derstochen. Un dan Karl hatt er aa noch an letzten Obnd ben Rabentisch e Gelos Bier bezohlt!

»Ich weiß nicht, was da werden soll«, menet der Kanter wieder.

»Es ist ganz unmöglich«, war ne Paster sei Red, »ich werde doch dem Dorfe das Vergnügen nicht machen und mich auslachen lassen!«

»Nun«, saht der Kanter wieder, »wenn die Kirchenmusik ganz wegfällt, wird die Sache aber noch auffälliger. Ich würde die Sache ignorieren bis nach den Feiertagen, dann würde ich allerdings auch dafür sein, daß der Zipper eine derbe Lektion erhält!«

Se hobn noch lang hie- un hargeredt, endlich warsch ne Kanter gelunge, ne Paster, dar e guter Maa war, esu weit ze brenge, daß er -- oder när üm der Erbauing der Gemeind wagn! -- die Sach bis noch de Feiertog verschiebn wollt. --

Der heilige Pfingstmorgn war ragekomme. Der Himmel hatt' e Eisahe gehatt un dan gunge Maadle ze lieb, die ihre schien neue un frischgeplätten weißen Klaadle zon erschten Mol ausführn wollten, sei freindlichst Gesicht rausgesteckt. Schie ehr de Gelock einläuten tat, kam ne Kerchwag rauf äs nochn anern. De Musekanten kame mit ihre Instrumenter un wichting Gesichtern ne Barg rauf, mer sog ne richtig a: heit warn mer euch emol wos Feines virsetzen. Drubn ofn Chor soog mer heut net när de Chorgunge in ihrn schwarzen Manteln, derhiner warn wie gruße Blumesträuß de Maadle aufgepflanzt, un an jeder Verziering von der Orgel hing e blankgewichster Zylinder von de Kantereimanner. Wie's läuten tat, kam aa der Paster mit sen Maadel 's Ding rauf un machet sich nei in der Sakristei.

Der Kanter saß schie of der Orgelbank halb rümgedreht, öb a alle do warn. Allen Leiten war azemarken, daß ewos in der Luft log. När dar, dan dos alles aging, der Zipperschuster, fahlet noch. Erscht, wie der Kanter mitn Virspiel agefange hatt, gings Chortürl e klä Finkel auf, un e Maa drücket sich ewing schichbern rei un stellet sich ganz hinten na, daß mer'n net esu sahe sollt, -- der Zipperschuster! Die Manner die dernabn traten, gobn ne e Hand un lachelten alle ewing huhnackig derzu. Der Kanter hatt ne aa gemarkt, er gönnet ne oder ken enzing Blick.