Begriff der Arbeitsschule

Chapter 7

Chapter 71,750 wordsPublic domain

Wenn die Arbeitsschule tatsächlich einen wesentlichen Fortschritt bedeutet, wenn die Durchführung des Arbeitsprinzips das aktive Interesse der Schüler an allen Unterrichtsgegenständen erhöht, so muß notwendigerweise in der Arbeitsschule bei geringerer Unterrichtszeit das gleiche erreicht werden können wie in der bisherigen Schule mit ihrer _geringeren_ Aktivität der Schüler, aber größeren Unterrichtszeit. Demgemäß wurde die Unterrichtszeit in den beiden Unterklassen (erstes und zweites Schuljahr) einer Volksschule um etwa vier bis fünf Stunden verkürzt. Dagegen war es notwendig, die Klassen, die zwischen 44 und 50 Kindern zählten, in einer Anzahl von Unterrichtsstunden in zwei Abteilungen zu teilen, deren jede getrennt unterrichtet wurde. Denn das tatsächliche _Erarbeiten_ von neuen Vorstellungen und die hierbei in gewissen Fächern notwendige manuelle Betätigung läßt sich nur mit einer mäßigen Schülerzahl durchführen. Eine _durchgängige_ Teilung der Klasse, also eine Festlegung der Klassenziffer auf 22 bis 25 Schüler, ist durchaus nicht notwendig. Wäre sie notwendig, so könnte heute kein Schulverwaltungsbeamter im Ernste die Arbeitsschule in Vorschlag bringen. Der Hinweis auf die relativ kleinen Klassen in Schweden oder in Dänemark oder in gewissen Teilen der Vereinigten Staaten ist gedankenlos. Denn die relativ geringen Lehrergehälter dieser Länder erlauben kleine Klassen weit eher als die Lehrergehälter in den großen Städten Deutschlands. Eine auskömmliche Bezahlung des Lehrers und damit eine Sicherung der Lebens- und Arbeitsfreude ist aber auch für den Geist der Arbeitsschule viel wichtiger als die Festlegung einer so niederen Maximalfrequenz, die die Ausgaben für das Volksschulwesen einer Stadt wie München von 10 (im Jahre 1913) auf 20 Millionen mit einem Schlage anschwellen lassen würde. Eine durchgängig so niedrig gehaltene Maximalfrequenz ist aber auch gar nicht notwendig zur Durchführung der Arbeitsschule. Die Arbeitsschule hat ja nicht bloß die _Einführung_ in die Welt des Wissens, Könnens und Wertens zu übernehmen, sondern auch die _Einübung_ der durch die Einführung gewonnenen Kenntnisse, Fertigkeiten und Werte. Bei der Einübung aber spielen Schülerzahlen eine sehr viel geringere Rolle als bei der Einführung. Ja, selbst bei der Einführung gibt es Unterrichtsgegenstände, die jederzeit Schülerzahlen von 40 bis 50 Kinder zulassen, nämlich jene, in welchen es sich nur um die Einführung in traditionelles Wissen handelt, das eben auch in aller Zukunft nur durch Wort und Buch erarbeitet werden kann, und wo das Buch und das an seinen Inhalt anknüpfende Nachdenken direkt die geistige Arbeitsstätte bildet. Hierher gehören Geschichte, Religionslehre, Gebiete des Sprachunterrichtes, sowie Teile des geographischen Unterrichtes.

Die Teilung der _ersten_ Versuchsklasse erfolgte für zwei Stunden im Anschauungsunterricht, für zwei Stunden im Rechnungsunterricht, für zwei Stunden im Schreibleseunterricht, für zwei Stunden im Handfertigkeitsunterricht. Während also die Schüler rund 17 Stunden Unterricht hatten, war die Klassenlehrkraft mit 23,5 Stunden, der Fachlehrer für Holzbearbeitung mit 4 Stunden belastet. Die Abteilung A der Klasse kam gewöhnlich um 9 Uhr zur Schule, die Abteilung B um 10 Uhr. Von 10 bis 11-1/2 Uhr waren beide Abteilungen vereinigt. Um 11-1/2 Uhr verließ die Abteilung A die Schule, während die Abteilung B bis 12-1/2 Uhr jene Lektionen erhielt, welche für die Abteilung A bereits zwischen 9 und 10 Uhr angefallen waren. Nachmittags war nur am Montag und Donnerstag in je einer Stunde Unterricht, für die Abteilung A von 2 bis 3 Uhr, für die Abteilung B von 2:40 bis 3:40.

Über die Anordnung der Unterrichtszeit für die erste Klasse, Abteilung A (und dementsprechend auch für die Abteilung B) gibt nebenstehende Wochentabelle Aufschluß.

Zu diesem Wochenstundenplan ist zu bemerken: Die Unterrichtszeiten sind in Minuten beigesetzt. Die Pausen zwischen den Unterrichtslektionen sind nicht angegeben. Die Unterrichtslektionen in Kursivdruck sind für beide Abteilungen A und B gemeinsam. Um aus dieser Wochentabelle den Unterrichtsplan für die Abteilung B zu erhalten, sind lediglich die gleichen Unterrichtsfächer, die für die Abteilung A von 9 bis 10 Uhr aufgeführt sind, für die Zeit von 11-1/2 bis 12-1/2 Uhr anzufügen; mit anderen Worten: die Abteilung A kam täglich von 9 bis 11-1/2 Uhr, die Abteilung B von 10 bis 12-1/2 Uhr am Vormittag, und außerdem die Abteilung A Montags und Donnerstags von 2 bis 3 Uhr, die Abteilung B an den gleichen Tagen von 2:40 bis 3:40 Uhr zum Unterricht. Nur am Mittwoch und Sonnabend waren beide Abteilungen von 9 bis 11-1/2 Uhr gemeinsam, die Abteilung A am Mittwoch, die Abteilung B am Sonnabend noch weitere 30 Minuten anwesend. Vier Nachmittage waren unterrichtsfrei.

Wochenstundenplan der ersten Klasse

+-------+-----------------+----------------+----------------+ | | Montag | Dienstag | Mittwoch | +============================================================+ | Vormittag | +-------+-----------------+----------------+-----------------+ | | Rechnen (30) | Anschauungs- | =Schreiblesen= | | 9-10 | Schreiblesen | unterricht(60) | (30) | | | (30) | | =Singen= (30) | +-------+-----------------+----------------+-----------------+ | | | =Schreiblesen= | =Rechnen= (40) | | 10-11 | =Religion= (60) | (40) | =Turnen= (20) | | | | =Turnen= (20) | | +-------+-----------------+----------------+-----------------+ | | =Anschauungs- | | =Anschauungs- | | 11-12 | unterricht= | =Rechnen= (30) | unterricht= (30)| | | (30) | | Rechnen | | | | | (Abt. A) (30) | +-------+-----------------+----------------+-----------------+ | Nachmittag | +-------+-----------------+----------------+-----------------+ | | Schreiblesen | | | | 2-3 | (40) | -- | -- | | | =Turnen= (20) | | | +-------+-----------------+----------------+-----------------+

+-------+-----------------+----------------+-----------------+ | | Donnerstag | Freitag | Samstag | +============================================================+ | Vormittag | +-------+-----------------+----------------+-----------------+ | | Rechnen (30) | Anschauungs- | =Schreiblesen= | | 9-10 | Schreiblesen | unterricht(60) | (30) | | | (30) | | =Singen= (30) | +-------+-----------------+----------------+-----------------+ | | | =Schreiblesen= | =Rechnen= (40) | | 10-11 | =Religion= (60) | (40) | =Turnen= (20) | | | | =Turnen= (20) | | +-------+-----------------+----------------+-----------------+ | | | | =Anschauungs- | | 11-12 | =Anschauungs- | =Rechnen= (30) | unterricht= (30)| | | unterricht= (30)| | Rechnen | | | | | (Abt. B) (30) | +-------+-----------------+----------------+-----------------+ | Nachmittag | +-------+-----------------+----------------+-----------------+ | | Schreiblesen | | | | 2-3 | (40) | -- | -- | | | =Turnen= (20) | | | +-------+-----------------+----------------+-----------------+

Wochenstundenplan der zweiten Klasse

+-------+-------------------+-------------------+-------------------+ | | Montag | Dienstag | Mittwoch | +-------+---------+---------+---------+---------+---------+---------+ | | A | B | A | B | A | B | +===================================================================+ | Vormittag | +-------+-------------------+---------+---------+-------------------+ | | | Holzbe- | | | | 8-9 | =Religion= (60) |arbeitung| -- | =Religion= (60) | | | | (60) | | | +-------+-------------------+---------+---------+-------------------+ | | =Rechtschreiben= | Holzbe- | -- | =Lesen= (30) | | 9-10 | (30) |arbeitung| Rechnen | =Rechtschreiben= | | | =Singen= (30) | (60) | (30) | (30) | +-------+-------------------+---------+---------+-------------------+ | | =Lesen= (30) | Rechnen | Holzbe- | =Turnen= (30) | | 10-11 | =Schönschreiben= | (30) |arbeitung| =Anschauungs- | | | (30) | | (60) | unterricht= (30) | +-------+---------+---------+---------+---------+---------+---------+ | | | Rechnen | | Holzbe- | Rechnen | | | 11-12 | -- | (30) | -- |arbeitung| (30) | -- | | | | | | (60) | | | +-------+---------+---------+---------+---------+---------+---------+ | Nachmittag | +-------+---------+---------+-------------------+-------------------+ | | Rechnen | | | | | 2-1/2 | (30) | -- | -- | -- | | -3 | | | | | +-------+---------+---------+-------------------+-------------------+ | | Aus- | | | | | 3-4 |schneiden| -- | -- | -- | | | (60) | | | | +-------+---------+---------+-------------------+-------------------+

+-------+-------------------+-------------------+-------------------+ | | Donnerstag | Freitag | Samstag | +-------+---------+---------+---------+---------+---------+---------+ | | A | B | A | B | A | B | +===================================================================+ | Vormittag | +-------+---------+---------+---------+---------+---------+---------+ | | -- | Rechnen | Rechnen | -- | -- | Rechnen | | | | (30) | (30) | | | (30) | | 8-9 +---------+---------+---------+---------+---------+---------+ | | Turnen (30) | Lesen (30) | Lesen (30) | +-------+-------------------+-------------------+-------------------+ | | =Anschauungs- | =Turnen= (30) | =Rechtschreiben= | | 9-10 | unterricht= (30) | =Rechtschreiben= | (30) | | | =Singen= (30) | (30) | =Turnen= (30) | +-------+-------------------+---------+---------+-------------------+ | |=Schönschreiben= | =Anschauungs- | =Anschauungs- | | | (30) | unterricht= (30) | unterricht= (30) | | 10-11 +---------+---------+---------+---------+---------+---------+ | | Rechnen | -- | -- | Rechnen | Rechnen | -- | | | (30) | | | (30) | (30) | | +-------+---------+---------+---------+---------+---------+---------+ | | | | | | 11-12 | -- | -- | -- | | | | | | +-------+-------------------+-------------------+-------------------+ | Nachmittag | +-------+---------+---------+-------------------+-------------------+ | | | Rechnen | | | | 2-1/2 | -- | (30) | -- | -- | | -3 | | | | | +-------+---------+---------+-------------------+-------------------+ | | | Weibl. | | | | 3-4 | -- | Hand- | -- | -- | | | | arbeit | | | | | | (60) | | | +-------+---------+---------+-------------------+-------------------+

Die Teilung der _zweiten_ Versuchsklasse erfolgte in dem gleichen Zeitausmaße, wie in der ersten, im Rechnen, im Anschauungsunterricht und in der Handfertigkeit; sie unterblieb dagegen im Unterricht im Deutschen. Die weiteren Fragen in bezug auf die Verteilung der Unterrichtszeit auf die einzelnen Unterrichtsfächer beantwortet der S. 122 u. 123 abgedruckte Wochenstundenplan.

Für den einzelnen Schüler ergeben sich hierbei wöchentlich 18 Unterrichtsstunden, für die Klassenlehrkraft 23, für den Fachlehrer in Holzbearbeitung 4 Unterrichtsstunden. Für die Kinder waren fünf Nachmittage unterrichtsfrei, für die Klassenlehrerin deren vier.

Was die Teilung der _dritten_ und _vierten_ Klasse betrifft, so erstreckte sie sich auf zwei Rechenstunden, eine Unterrichtsstunde in der Heimatkunde und die beiden Stunden in Holzbearbeitung. Die Zahl der Unterrichtsstunden betrug für die Knaben 22; sie erhöhte sich auf 24 bei den Mädchen durch Einfügung von 2 Stunden Unterricht in weiblicher Handarbeit, der nunmehr einer besonderen Lehrerin übertragen wurde. Für den Klassenlehrer erwuchsen demnach 25 Stunden Unterricht, für den Fachlehrer in Holzbearbeitung vier, für die Fachlehrerin für weibliche Handarbeit zwei. Das sonstige Stundenausmaß ist aus der nachfolgend abgedruckten Wochenstundentabelle zu ersehen. In allen drei Wochenstundenplänen ist die dem Lehrgegenstande in Klammern beigefügte Zeit um die Pausen zu verkürzen welche für eine geeignete Erholung notwendig waren. An Stelle der Teilung einer Klasse in einem praktischen Unterrichtsgegenstand kann man auch in der ungeteilten Klasse gleichzeitig _zwei_ Fachlehrkräfte arbeiten lassen.

Wochenstundenplan der dritten und vierten Klasse

+-------+-------------------+-------------------+-------------------+ | | Montag | Dienstag | Mittwoch | +-------+---------+---------+---------+---------+---------+---------+ | | A | B | A | B | A | B | +===================================================================+ | Vormittag | +-------+-------------------+---------+---------+---------+---------+ | | | | | Holz- | | | 8-9 | =Religion= (60) | Rechnen | -- | be- | -- | | | | (60) | |arbeitung| | | | | | | (60) | | +-------+-------------------+---------+---------+---------+---------+ | | | | Holz- | | | 9-10 | =Rechtschreiben= | | be- | Rechnen | | | (60) | =Aufsatz= (60) |arbeitung| (60) | | | | | (60) | | +-------+-------------------+-------------------+---------+---------+ | | =Heimatkunde= | =Sprachlehre= | | Holz- | | | (30) | (30) | Rechnen | be- | | 10-11 +-------------------+-------------------+ (60) |arbeitung| | | =Lesen= (30) | =Turnen= (30) | | (60) | | | | | | | +-------+-------------------+-------------------+---------+---------+ | | | =Schönschreiben= | | Holz- | | | =Weibliche Hand- | (30) | | be- | | 11-12 | arbeit= (60) +-------------------+ -- |arbeitung| | | | Bibel (30) | | (60) | | | | | | | +-------+-------------------+-------------------+---------+---------+ | Nachmittag | +-------+---------+---------+-------------------+-------------------+ | 2-3 | -- | Rechnen | -- | -- | | | | (60) | | | +-------+---------+---------+-------------------+-------------------+ | | | Heimat- | | | | 3-4 | -- kunde | -- | | | | | (60) | | | +-------+---------+---------+-------------------+-------------------+

+-------+-------------------+-------------------+-------------------+ | | Donnerstag | Freitag | Samstag | +-------+---------+---------+---------+---------+---------+---------+ | | A | B | A | B | A | B | +===================================================================+ | | Vormittag | +-------+-------------------+---------+---------+-------------------+ | | | | | | | 8-9 | =Religion= (60) | -- | Rechnen | =Lesen= (60) | | | | | (60) | | | | | | | | +-------+-------------------+---------+---------+-------------------+ | | | =Turnen= (30) | =Turnen= (30) | | 9-10 | =Rechtschreiben= +-------------------+-------------------+ | | (60) | =Heimatkunde= (30)| =Sprachlehre= (30)| +-------+-------------------+-------------------+-------------------+ | | =Turnen= (30) | | | | | | | | | 10-11 +-------------------+ =Aufsatz= (60) | =Heimatkunde= (60)| | | =Lesen= (30) | | | | | | | | +-------+-------------------+-------------------+-------------------+ | | | | =Schönschreiben= | | | =Weibliche Hand- | | (30) | | 11-12 | arbeit= (60) | =Singen= (60) +-------------------+ | | | | =Bibel= (30) | | | | | | +-------+-------------------+-------------------+-------------------+ | | Nachmittag | +-------+---------+---------+-------------------+-------------------+ | 2-3 | Rechnen | -- | -- | -- | | | (60) | | | | +-------+---------+---------+-------------------+-------------------+ | |Heimat- | | | | | 3-4 | kunde | -- | -- | -- | | | (60) | | | | +-------+---------+---------+-------------------+-------------------+

Ich hätte diese Wochenstundenpläne übrigens nicht zum Abdruck gebracht, hätte ich nicht dadurch die tatsächliche Durchführbarkeit eines Vorschlages illustrieren wollen, den ich auch ganz ohne Rücksicht auf die Organisation der Arbeitsschule seit vielen, vielen Jahren empfehle, dessen Durchführbarkeit aber auch von meinen eigenen Schulleitern bezweifelt wurde. Ich meine die _partielle Klassenteilung_. Wir sind aus ökonomischen Rücksichten noch auf lange Zeit hinaus genötigt, in den großen Städten Klassen bis zu 50, 60, ja in vereinzelten Fällen noch mehr Kindern zu bilden. In solchen Klassen lassen sich gewisse Zwecke noch fördern, andere Zwecke aber in keiner Weise. Es ist völlig ausgeschlossen, z. B. einen wirklichen Anschauungsunterricht auch nur bei 50 Kindern zu erteilen. Hier muß die Klasse wenigstens in den Beobachtungsstunden unbedingt geteilt werden. Es verursacht unendliche Mühe, Klassen von 50 oder 60 Kindern in gewisse Rechen- und Sprachbegriffe gemeinsam einzuführen. Die Einführung in das Schreiben und Lesen ist ebenfalls wesentlich erleichtert durch Teilung der Klasse im Schreiblesen. -- Eine Teilung der Klasse in einigen Stunden wird die Aufgabe ungemein erleichtern, weil alsdann der Lehrer viel eher an den einzelnen Schüler herankommt, ganz abgesehen davon, daß die Aufmerksamkeit einer kleinen Schar mit einem Blick viel leichter zu lenken ist als die einer großen Schar. Von der notwendigen Teilung der Klasse im Zeichnen, in Physik, Chemie, Handfertigkeit, will ich gar nicht reden. Weil wir solche Teilungen nie vorgenommen haben, waren wir genötigt, die Menge der Stundenzahlen für einzelne Fächer in der Volksschule ständig zu vermehren, um auch große Klassen entsprechend vorwärtszubringen.

_Ein sehr viel gesünderer Ausweg ist, die Stundenzahl für den Schüler möglichst gering zu halten, für den Lehrer aber durch partielle Klassenteilung zu mehren._

Das verursacht so lange keine Kosten, als die Lehrer _unter ihrem Pflichtstundenmaße_ beschäftigt sind, und vermehrt die Arbeitslast des Lehrers gleichwohl nicht, weil die ungleich größere Leichtigkeit und Fruchtbarkeit des Unterrichtes in kleinen Abteilungen die physische und psychische Kraft des Lehrers sehr viel weniger in Anspruch nimmt. Nur der Wochenstundenplan macht einiges Kopfzerbrechen, ebenso wie das Eintreffen der Kinder im Schulgebäude zu verschiedenen Zeiten. Daß aber die Beseitigung dieser kleinen Schwierigkeiten durchaus möglich ist, das eben sollen die drei Wochenstundenpläne und die an ihnen gemachten Erfahrungen zeigen.

Was den Inhalt der einzelnen Unterrichtsgebiete betrifft, so ist er durch den im Jahre 1911 vom Staatsministerium genehmigten Lehrplan für die sämtlichen Volksschulen Münchens festgelegt. Der mehr als zwölfjährige Krieg gegen den Lehrplan ist zu Ende. Der Lehrplan hat auf der ganzen Linie gesiegt. Er ist einst nur schüchtern vom Gedanken der Arbeitsschule beeinflußt entstanden. Gleichwohl bietet er einer bescheidenen Durchführung des Geistes der Arbeitsschule kein Hindernis. Die einzige Abweichung der Versuchsschule bildet die Aufnahme von _fachlichem_ Arbeitsunterricht auch in die Knabenklassen, und zwar in Verbindung mit dem Anschauungsunterricht und dem Unterricht in der Heimatkunde. In den Mädchenklassen war er schon seit vierzig Jahren vorgeschrieben.

2. DURCHFÜHRUNG DES LEHRPLANES IN DEN ZWEI UNTERKLASSEN