Auswahl aus den Dichtungen Eduard Mörikes

Part 2

Chapter 23,434 wordsPublic domain

Nun sitzt sie wohl und weinet laut Im Kämmerlein in Sorgen; Mir ist es wie dem Wilde traut, In Finsternis geborgen.

Kein Hirsch und Rehlein überall: Ein Schuß zum Zeitvertreibe! Gesunder Knall und Widerhall Erfrischt das Mark im Leibe.

Doch wie der Donner nun verhallt In Tälern durch die Runde, Ein plötzlich Weh mich überwallt, Mir sinkt das Herz zu Grunde.

Sie trutzt mit mir und ich mit ihr -- So hat sie's haben wollen; Mir aber frißt's am Herzen hier, Das Schmollen und das Grollen.

Und auf! und nach der Liebsten Haus! Und sie gefaßt ums Mieder! -- »Drück mir die nassen Locken aus Und küß und hab mich wieder!«

Ein Stündlein wohl vor Tag.

Derweil ich schlafend lag, Ein Stündlein wohl vor Tag, Sang vor dem Fenster auf dem Baum Ein Schwälblein mir, ich hört' es kaum -- Ein Stündlein wohl vor Tag.

»Hör an, was ich dir sag'! Dein Schätzlein ich verklag': Derweil ich dieses singen tu': Herzt er ein Lieb in guter Ruh', Ein Stündlein wohl vor Tag.«

O weh! nicht weiter sag! O still! nichts hören mag. Flieg ab, flieg ab von meinem Baum! -- Ach, Lieb' und Treu' ist wie ein Traum Ein Stündlein wohl vor Tag.

Storchenbotschaft.

Des Schäfers sein Haus und das steht auf zwei Rad, Steht hoch auf der Heiden, so frühe wie spat; Und wenn nur ein mancher so'n Nachtquartier hätt'! Ein Schäfer tauscht nicht mit dem König sein Bett.

Und käm' ihm zur Nacht auch was Seltsames vor, Er betet sein Sprüchel und legt sich aufs Ohr; Ein Geistlein, ein Hexlein, so lustige Wicht', Sie klopfen ihm wohl, doch er antwortet nicht.

Einmal doch, da ward es ihm wirklich zu bunt: Es knopert am Laden, es winselt der Hund; Nun ziehet mein Schäfer den Riegel -- ei schau! Da stehen zwei Störche, der Mann und die Frau.

Das Pärchen, es machet ein schön Kompliment, Es möchte gern reden -- ach, wenn es nur könnt'! Was will mir das Ziefer? ist so was erhört? Doch ist mir wohl fröhliche Botschaft beschert.

Ihr seid wohl dahinten zu Hause am Rhein? Ihr habt wohl mein Mädel gebissen ins Bein? Nun weinet das Kind und die Mutter noch mehr, Sie wünschet den Herzallerliebsten sich her?

Und wünschet daneben die Taufe bestellt: Ein Lämmlein, ein Würstlein, ein Beutelein Geld? So sagt nur, ich käm' in zwei Tag' oder drei. Und grüßt mir mein Bübel und rührt ihm den Brei!

Doch halt! warum stellt ihr zu zweien euch ein? Es werden doch, hoff' ich, nicht Zwillinge sein? -- Da klappern die Störche im lustigsten Ton, Sie nicken und knixen und fliegen davon.

Suschens Vogel.

Ich hatt' ein Vöglein, ach, wie fein! Kein schöners mag wohl nimmer sein:

Hätt' auf der Brust ein Herzlein rot Und sung und sung sich schier zu Tod.

Herzvogel mein, du Vogel schön, Nun sollt du mit zu Markte gehn! --

Und als ich in das Städtlein kam, Er saß auf meiner Achsel zahm.

Und als ich ging am Haus vorbei Des Knaben, dem ich brach die Treu',

Der Knab' just aus dem Fenster sah, Mit seinem Finger schnalzt er da:

Wie horchet gleich mein Vogel auf! Zum Knaben fliegt er husch! hinauf.

Der koset ihn so lieb und hold; Ich wußt' nicht, was ich machen sollt',

Und stund, im Herzen so erschreckt, Mit Händen mein Gesichte deckt',

Und schlich davon und weinet' sehr Ich hört' ihn rufen hinterher:

»Du falsche Maid, behüt dich Gott! Ich hab' doch wieder mein Herzlein rot.«

In der Frühe.

Kein Schlaf noch kühlt das Auge mir, Dort gehet schon der Tag herfür An meinem Kammerfenster. Es wühlet mein verstörter Sinn Noch zwischen Zweifeln her und hin Und schaffet Nachtgespenster. -- Ängste, quäle Dich nicht länger, meine Seele! Freu dich! schon sind da und dorten Morgenglocken wach geworden.

Er ist's.

Frühling läßt sein blaues Band Wieder flattern durch die Lüfte; Süße, wohlbekannte Düfte Streifen ahnungsvoll das Land. Veilchen träumen schon, Wollen balde kommen. -- Horch, von fern ein leiser Harfenton! Frühling, ja du bist's! Dich hab' ich vernommen!

Im Frühling.

Hier lieg' ich auf dem Frühlingshügel: Die Wolke wird mein Flügel, Ein Vogel fliegt mir voraus. Ach, sag mir, alleinzige Liebe, Wo du bleibst, daß ich bei dir bliebe! Doch du und die Lüfte, ihr habt kein Haus.

Der Sonnenblume gleich steht mein Gemüte offen, Sehnend, Sich dehnend In Lieben und Hoffen. Frühling, was bist du gewillt? Wann werd' ich gestillt?

Die Wolke seh' ich wandeln und den Fluß, Es dringt der Sonne goldner Kuß Mir tief bis ins Geblüt hinein; Die Augen, wunderbar berauschet, Tun, als schliefen sie ein, Nur noch das Ohr dem Ton der Biene lauschet.

Ich denke dies und denke das, Ich sehne mich und weiß nicht recht, nach was: Halb ist es Lust, halb ist es Klage; Mein Herz, o sage, Was webst du für Erinnerung In golden grüner Zweige Dämmerung? -- Alte unnennbare Tage!

Fußreise.

Am frischgeschnittnen Wanderstab Wenn ich in der Frühe So durch Wälder ziehe, Hügel auf und ab: Dann, wie 's Vögelein im Laube Singet und sich rührt, Oder wie die goldne Traube Wonnegeister spürt In der ersten Morgensonne, So fühlt auch mein alter, lieber Adam Herbst- und Frühlingsfieber, Gottbeherzte, Nie verscherzte Erstlings-Paradieseswonne. Also bist du nicht so schlimm, o alter Adam, wie die strengen Lehrer sagen: Liebst und lobst du immer doch, Singst und preisest immer noch, Wie an ewig neuen Schöpfungstagen, Deinen lieben Schöpfer und Erhalter! Möcht' es dieser geben, Und mein ganzes Leben Wär' im leichten Wanderschweiße Eine solche Morgenreise.

An eine Äolsharfe.

Angelehnt an die Efeuwand Dieser alten Terrasse, Du, einer luftgebornen Muse Geheimnisvolles Saitenspiel, Fang an, Fange wieder an Deine melodische Klage!

Ihr kommet, Winde, fern herüber Ach! von des Knaben, Der mir so lieb war, Frisch grünendem Hügel. Und Frühlingsblüten unterwegs streifend, Übersättigt mit Wohlgerüchen, Wie süß bedrängt ihr dies Herz Und säuselt her in die Saiten, Angezogen von wohllautender Wehmut, Wachsend im Zug meiner Sehnsucht Und hinsterbend wieder.

Aber auf einmal, Wie der Wind heftiger herstößt, Ein holder Schrei der Harfe Wiederholt, mir zu süßem Erschrecken, Meiner Seele plötzliche Regung, Und hier -- die volle Rose streut, geschüttelt, All ihre Blätter vor meine Füße.

Mein Fluß.

O Fluß, mein Fluß im Morgenstrahl! Empfange nun, empfange Den sehnsuchtsvollen Leib einmal Und küsse Brust und Wange! -- Er fühlt mir schon herauf die Brust, Er kühlt mit Liebesschauerlust Und jauchzendem Gesange.

Es schlüpft der goldne Sonnenschein In Tropfen an mir nieder, Die Woge wieget aus und ein Die hingegebnen Glieder, Die Arme hab' ich ausgespannt: Sie kommt auf mich herzugerannt, Sie faßt und läßt mich wieder.

Du murmelst so, mein Fluß; warum? Du trägst seit alten Tagen Ein seltsam Märchen mit dir um Und mühst dich, es zu sagen; Du eilst so sehr und läufst so sehr, Als müßtest du im Land umher, Man weiß nicht wen, drum fragen.

Der Himmel, blau und kinderrein, Worin die Wellen singen, Der Himmel ist die Seele dein: O laß mich ihn durchdringen! Ich tauche mich mit Geist und Sinn Durch die vertiefte Bläue hin Und kann sie nicht erschwingen.

Was ist so tief, so tief wie sie? Die Liebe nur alleine. Sie wird nicht satt und sättigt nie Mit ihrem Wechselscheine. -- Schwill an, mein Fluß, und hebe dich, Mit Grausen übergieße mich! Mein Leben um das deine!

Du weisest schmeichelnd mich zurück Zu deiner Blumenschwelle. So trage denn allein dein Glück Und wieg auf deiner Welle Der Sonne Pracht, des Mondes Ruh'! Nach tausend Irren kehrest du Zur ew'gen Mutterquelle.

Auf der Reise.

Zwischen süßem Schmerz, Zwischen dumpfem Wohlbehagen Sitz' ich nächtlich in dem Reisewagen, Lasse mich so weit von dir, mein Herz, Weit und immer weiter tragen.

Schweigend sitz' ich und allein, Ich wiege mich in bunten Träumen, Das muntre Posthorn klingt darein Es tanzt der liebe Mondenschein Nach diesem Ton auf Quellen und auf Bäumen, Sogar zu mir durchs enge Fensterlein.

Ich wünsche mir nun dies und das. O könnt' ich jetzo durch ein Zauberglas Ins Goldgewebe deines Traumes blicken! Vielleicht dann säh' ich wieder mit Entzücken Dich in der Laube wohlbekannt. Ich sähe Genovefens Hand Auf deiner Schulter traulich liegen, Am Ende säh' ich selber mich, Halb keck und halb bescheidentlich, An deine holde Wange schmiegen.

Doch nein! wie dürft' ich auch nur hoffen, Daß jetzt mein Schatten bei dir sei! Ach, stünden deine Träume für mich offen, Du winktest wohl auch wachend mich herbei!

Frage und Antwort.

Fragst du mich, woher die bange Liebe mir zum Herzen kam, Und warum ich ihr nicht lange Schon den bittern Stachel nahm?

Sprich, warum mit Geisterschnelle Wohl der Wind die Flügel rührt, Und woher die süße Quelle Die verborgnen Wasser führt!

Banne du auf seiner Fährte Mir den Wind in vollem Lauf! Halte mit der Zaubergerte Du die süßen Quellen auf!

Lebewohl.

»Lebe wohl!« -- Du fühlest nicht, Was es heißt, dies Wort der Schmerzen: Mit getrostem Angesicht Sagtest du's und leichtem Herzen.

Lebe wohl! -- Ach, tausendmal Hab' ich mir es vorgesprochen. Und in nimmersatter Qual Mir das Herz damit gebrochen.

Heimweh.

Anders wird die Welt mit jedem Schritt, Den ich weiter von der Liebsten mache; Mein Herz, das will nicht weiter mit. Hier scheint die Sonne kalt ins Land, Hier deucht mir alles unbekannt, Sogar die Blumen am Bache! Hat jede Sache So fremd eine Miene, so falsch ein Gesicht. Das Bächlein murmelt wohl und spricht: Armer Knabe, komm bei mir vorüber! Siehst auch hier Vergißmeinnicht. -- Ja, die sind schön an jedem Ort, Aber nicht wie dort. Fort, nur fort! Die Augen gehn mir über!

Gesang zu zweien in der Nacht.

_Sie_:

Wie süß der Nachtwind nun die Wiese streift Und klingend jetzt den jungen Hain durchläuft! Da noch der freche Tag verstummt, Hört man der Erdenkräfte flüsterndes Gedränge, Das aufwärts in die zärtlichen Gesänge Der reingestimmten Lüfte summt.

_Er_:

Vernehm' ich doch die wunderbarsten Stimmen, Vom lauen Wind wollüstig hingeschleift, Indes, mit ungewissem Licht gestreift, Der Himmel selber scheinet hinzuschwimmen.

_Sie_:

Wie ein Gewebe zuckt die Luft manchmal, Durchsichtiger und heller aufzuwehen; Dazwischen hört man weiche Töne gehen Von sel'gen Feen, die im blauen Saal, Zum Sphärenklang Und fleißig mit Gesang, Silberne Spindeln hin und wieder drehen.

_Er_:

O holde Nacht, du gehst mit leisem Tritt Auf schwarzem Samt, der nur am Tage grünet, Und luftig schwirrender Musik bedienet Sich nun dein Fuß zum leichten Schritt, Womit du Stund' um Stunde missest, Dich lieblich in dir selbst vergissest -- Du schwärmst, es schwärmt der Schöpfung Seele mit.

Die traurige Krönung.

Es war ein König Milesint, Von dem will ich euch sagen: Der meuchelte sein Bruderskind, Wollte selbst die Krone tragen. Die Krönung ward mit Prangen Auf Liffey-Schloß begangen. O Irland! Irland! warest du so blind?

Der König sitzt um Mitternacht Im leeren Marmorsaale, Sieht irr in all die neue Pracht, Wie trunken von dem Mahle; Er spricht zu seinem Sohne: »Noch einmal bring die Krone! Doch schau, wer hat die Pforten aufgemacht?«

Da kommt ein seltsam Totenspiel, Ein Zug mit leisen Tritten, Vermummte Gäste groß und viel, Eine Krone schwankt inmitten; Es drängt sich durch die Pforte Mit Flüstern ohne Worte; Dem Könige, dem wird so geisterschwül.

Und aus der schwarzen Menge blickt Ein Kind mit frischer Wunde; Es lächelt sterbensweh und nickt, Es macht im Saal die Runde, Es trippelt zu dem Throne, Es reichet eine Krone Dem Könige, des Herze tief erschrickt.

Darauf der Zug von dannen strich, Von Morgenluft berauschet, Die Kerzen flackern wunderlich, Der Mond am Fenster lauschet; Der Sohn mit Angst und Schweigen Zum Vater tät sich neigen -- Er neiget über eine Leiche sich.

Jung Volker.

Gesang der Räuber.

Jung Volker, das ist unser Räuberhauptmann, Mit Fiedel und mit Flinte, Damit er geigen und schießen kann, Nachdem just Wetter und Winde. Fiedel und die Flint', Fiedel und die Flint'! Volker spielt auf.

Ich sah ihn hoch im Sonnenschein Auf einem Hügel sitzen: Da spielt er die Geig' und schluckt roten Wein, Seine blauen Augen ihm blitzen. Fiedel und die Flint', Fiedel und die Flint'! Volker spielt auf.

Auf einmal er schleudert die Geig' in die Luft, Auf einmal er wirft sich zu Pferde. Der Feind kommt! Da stößt er ins Pfeifchen und ruft: »Brecht ein wie der Wolf in die Herde!« Fiedel und die Flint', Fiedel und die Flint'! Volker spielt auf.

Nimmersatte Liebe.

So ist die Lieb'! So ist die Lieb'! Mit Küssen nicht zu stillen! Wer ist der Tor und will ein Sieb Mit eitel Wasser füllen? Und schöpfst du an die tausend Jahr' Und küssest ewig, ewig gar, Du tust ihr nie zu Willen.

Die Lieb', die Lieb' hat alle Stund' Neu wunderlich Gelüsten: Wir bissen uns die Lippen wund, Da wir uns heute küßten. Das Mädchen hielt in guter Ruh', Wie 's Lämmlein unterm Messer, Ihr Auge bat: Nur immer zu! Je weher, desto besser!

So ist die Lieb'! und war auch so Wie lang' es Liebe gibt, Und anders war Herr Salomo, Der Weise, nicht verliebt.

Der Gärtner.

Auf ihrem Leibrößlein, So weiß wie der Schnee, Die schönste Prinzessin Reit't durch die Allee.

Der Weg, den das Rößlein Hintanzet so hold, Der Sand, den ich streute, Er blinket wie Gold.

Du rosenfarbs Hütlein, Wohl auf und wohl ab, O wirf eine Feder Verstohlen herab!

Und willst du dagegen Eine Blüte von mir, Nimm tausend für eine, Nimm alle dafür!

Schön-Rohtraut.

Wie heißt König Ringangs Töchterlein? Rohtraut, Schön-Rohtraut. Was tut sie denn den ganzen Tag, Da sie wohl nicht spinnen und nähen mag? Tut fischen und jagen. O daß ich doch ihr Jäger wär'! Fischen und jagen freute mich sehr. -- Schweig stille, mein Herze!

Und über eine kleine Weil', Rohtraut, Schön-Rohtraut, So dient der Knab' auf Ringangs Schloß In Jägertracht und hat ein Roß Mit Rohtraut zu jagen. O daß ich doch ein Königssohn wär'! Rohtraut, Schön-Rohtraut lieb' ich so sehr. -- Schweig stille, mein Herze!

Einsmals sie ruhten am Eichenbaum, Da lacht Schön-Rohtraut: Was siehst mich an so wunniglich? Wenn du das Herz hast, küsse mich! Ach! erschrak der Knabe! Doch denket er: mir ist's vergunnt, Und küsset Schön-Rohtraut auf den Mund. -- Schweig stille, mein Herze!

Darauf sie ritten schweigend heim, Rohtraut, Schön-Rohtraut; Es jauchzt der Knab' in seinem Sinn: Und würd'st du heute Kaiserin, Mich sollt's nicht kränken: Ihr tausend Blätter im Walde wißt, Ich hab' Schön-Rohtrauts Mund geküßt! -- Schweig stille, mein Herze!

Lied vom Winde.

Sausewind, Brausewind, Dort und hier! Deine Heimat sage mir!

»Kindlein, wir fahren Seit viel vielen Jahren Durch die weit weite Welt Und möchten's erfragen, Die Antwort erjagen Bei den Bergen, den Meeren, Bei des Himmels klingenden Heeren: Die wissen es nie. Bist du klüger als sie, Magst du es sagen! --

Fort, wohlauf! Halt uns nicht auf! Kommen andre nach, unsre Brüder, Da frag wieder!«

Halt an! Gemach Eine kleine Frist! Sagt, wo der Liebe Heimat ist, Ihr Anfang, ihr Ende!

»Wer's nennen könnte! Schelmisches Kind, Lieb' ist wie Wind, Rasch und lebendig, Ruhet nie, Ewig ist sie, Aber nicht immer beständig. -- Fort, wohlauf! auf! Halt uns nicht auf! Fort über Stoppel und Wälder und Wiesen! Wenn ich dein Schätzchen seh', Will ich es grüßen. Kindlein, ade!«

Das verlassene Mägdlein.

Früh, wann die Hähne krähn, Eh' die Sternlein verschwinden, Muß ich am Herde stehn, Muß Feuer zünden.

Schön ist der Flammen Schein, Es springen die Funken; Ich schaue so drein, In Leid versunken.

Plötzlich da kommt es mir, Treuloser Knabe, Daß ich die Nacht von dir Geträumet habe.

Träne auf Träne dann Stürzet hernieder: So kommt der Tag heran -- O ging' er wieder!

Agnes.

Rosenzeit, wie schnell vorbei, Schnell vorbei Bist du doch gegangen! Wär' mein Lieb nur blieben treu, Blieben treu, Sollte mir nicht bangen.

Um die Ernte wohlgemut, Wohlgemut Schnitterinnen singen. Aber ach! mir kranken Blut, Mir kranken Blut Will nichts mehr gelingen.

Schleiche so durchs Wiesental, So durchs Tal, Als im Traum verloren, Nach dem Berg, da tausendmal, Tausendmal Er mir Treu' geschworen.

Oben auf des Hügels Rand, Abgewandt, Wein' ich bei der Linde; An dem Hut mein Rosenband, Von seiner Hand, Spielet in dem Winde.

Elfenlied.

Bei Nacht im Dorf der Wächter rief: »Elfe!« Ein ganz kleines Elfchen im Walde schlief -- Wohl um die Elfe -- Und meint, es rief' ihm aus dem Tal Bei seinem Namen die Nachtigall, Oder Silpelit hätt' ihm gerufen. Reibt sich der Elf die Augen aus, Begibt sich vor sein Schneckenhaus Und ist als wie ein trunken Mann, Sein Schläflein war nicht voll getan, Und humpelt also tippe tapp Durchs Haselholz ins Tal hinab, Schlupft an der Mauer hin so dicht, Da sitzt der Glühwurm, Licht an Licht. »Was sind das helle Fensterlein? Da drin wird eine Hochzeit sein: Die Kleinen sitzen beim Mahle Und treiben's in dem Saale; Da guck' ich wohl ein wenig 'nein.« -- Pfui, stößt den Kopf an harten Stein! Elfe, gelt, du hast genug? Guckuck! Guckuck!

Die Soldatenbraut.

Ach, wenn's nur der König auch wüßt', Wie wacker mein Schätzelein ist! Für den König da ließ' er sein Blut, Für mich aber ebensogut.

Mein Schatz hat kein Band und kein' Stern, Kein Kreuz, wie die vornehmen Herrn; Mein Schatz wird auch kein General, -- Hätt' er nur seinen Abschied einmal!

Es scheinen drei Sterne so hell Dort über Marien-Kapell: Da knüpft uns ein rosenrot Band, Und ein Hauskreuz ist auch bei der Hand.

Der Feuerreiter.

Sehet ihr am Fensterlein Dort die rote Mütze wieder? Nicht geheuer muß es sein, Denn er geht schon auf und nieder. Und auf einmal welch Gewühle Bei der Brücke, nach dem Feld! Horch! das Feuerglöcklein gellt: Hinterm Berg, Hinterm Berg Brennt es in der Mühle!

Schaut! da sprengt er wütend schier Durch das Tor, der Feuerreiter, Auf dem rippendürren Tier, Als auf einer Feuerleiter! Querfeldein! Durch Qualm und Schwüle Rennt er schon und ist am Ort! Drüben schallt es fort und fort: Hinterm Berg, Hinterm Berg Brennt es in der Mühle!

Der so oft den roten Hahn Meilenweit von fern gerochen, Mit des heil'gen Kreuzes Span Freventlich die Glut besprochen -- Weh! dir grinst am Dachgestühle Dort der Feind im Höllenschein. Gnade Gott der Seele dein! Hinterm Berg, Hinterm Berg Rast er in der Mühle!

Keine Stunde hielt es an, Bis die Mühle barst in Trümmer; Doch den kecken Reitersmann Sah man von der Stunde nimmer. Volk und Wagen im Gewühle Kehren heim von all dem Graus; Auch das Glöcklein klinget aus: Hinterm Berg, Hinterm Berg Brennt's! --

Nach der Zeit ein Müller fand Ein Gerippe samt der Mützen Aufrecht an der Kellerwand Auf der beinern Mähre sitzen: Feuerreiter, wie so kühle Reitest du in deinem Grab! Husch! da fällt's in Asche ab. Ruhe wohl, Ruhe wohl Drunten in der Mühle!

Die Tochter der Heide.

Wasch dich, mein Schwesterchen, wasch dich! Zu Robins Hochzeit gehn wir heut: Er hat die stolze Ruth gefreit. Wir kommen ungebeten; Wir schmausen nicht, wir tanzen nicht, Und nicht mit lachendem Gesicht Komm' ich vor ihn zu treten.

Strähl' dich, mein Schwesterchen, strähl' dich! Wir wollen ihm singen ein Rätsellied, Wir wollen ihm klingen ein böses Lied; Die Ohren sollen ihm gellen. Ich will ihr schenken einen Kranz Von Nesseln und von Dornen ganz: Damit fährt sie zur Höllen!

Schmück dich, mein Schwesterchen, schmück dich! Derweil sie alle sind am Schmaus, Soll rot in Flammen stehn das Haus, Die Gäste schreien und rennen. Zwei sollen sitzen unverwandt, Zwei hat ein Sprüchlein fest gebannt; Zu Kohle müssen sie brennen.

Lustig, mein Schwesterchen, lustig! Das war ein alter Ammensang. Den falschen Rob vergaß ich lang. Er soll mich sehen lachen! Hab' ich doch einen andern Schatz, Der mit mir tanzet auf dem Platz -- Sie werden Augen machen!

Die Geister am Mummelsee.

Vom Berge was kommt dort um Mitternacht spät Mit Fackeln so prächtig herunter? Ob das wohl zum Tanze, zum Feste noch geht? Mir klingen die Lieder so munter. O nein! So sage, was mag es wohl sein?

Das, was du da siehest, ist Totengeleit, Und was du da hörest, sind Klagen. Dem König, dem Zauberer, gilt es zu Leid, Und Geister nur sind's, die ihn tragen. O weh! So sind es die Geister vom See!

Sie schweben hernieder ins Mummelseetal -- Sie haben den See schon betreten -- Sie rühren und netzen den Fuß nicht einmal -- Sie schwirren in leisen Gebeten -- O schau, Am Sarge die glänzende Frau!

Jetzt öffnet der See das grünspiegelnde Tor; Gib acht, nun tauchen sie nieder! Es schwankt eine lebende Treppe hervor, Und -- drunten schon summen die Lieder. Hörst du? Sie singen ihn unten zur Ruh.

Die Wasser, wie lieblich sie brennen und glühn! Sie spielen in grünendem Feuer; Es geisten die Nebel am Ufer dahin, Zum Meere verzieht sich der Weiher -- Nur still! Ob dort sich nichts rühren will?

Es zuckt in der Mitten -- o Himmel! ach hilf! Ich glaube, sie nahen, sie kommen! Es orgelt im Rohr, und es klirret im Schilf; Nur hurtig, die Flucht nur genommen! Davon! Sie wittern, sie haschen mich schon!

Die schöne Buche.