Aus der Geschichte der menschlichen Dummheit
Part 6
In einer Bulle vom 4. November 1330 spricht _Innozenz_ XXII. von _schriftlichen Verträgen mit dem Teufel_, von Teufelsanbetung, sowie von Zauberbildern, durch die der Teufel herbeigerufen werden könne. Auf dem gleichen Standpunkt steht auch _Eugen_ IV. in einem Rundschreiben an die Inquisitoren vom Jahre 1437.
Mittelalter! wird man sagen. Gut.
Statt nun aber eine Abnahme des Wahnes zu beobachten, müssen wir dessen _Steigerung_ konstatieren, ja einem _Innozenz_ VIII. -- welcher Hohn liegt in diesem Namen! -- blieb es vorbehalten, in den religiösen Teufelsspuk auch noch das _geschlechtliche Moment_ einzuflechten und damit an Blödsinn und Ekelhaftigkeit etwas zu erzeugen, was länger fortleben sollte, als seine 16 unehelichen Kinder[1].
Im Jahre 1484 erschien die Hexenbulle, also zu einer Zeit, als Leonardo da Vinci und Regiomontanus wirkten, Kopernikus schon geboren war.
Die Hexenbulle (Summis desiderantes), eines der fluchwürdigsten Erzeugnisse der Menschheitsgeschichte, lautet:
»Mit glühendem Verlangen, wie es die oberhirtliche Sorge erfordert, wünschen wir, daß der katholische Glaube wachse und die ketzerische Bosheit ausgerottet werde. Deshalb verordnen wir gerne und aufs neue, was diese unsere Wünsche zum ersehnten Ziele bringt. Nicht ohne ungeheuren Schmerz ist jüngst zu unserer Kenntnis gekommen, daß in einigen Teilen Deutschlands, besonders in der Mainzer, Kölner, Trierer, Salzburger und Bremer Gegend sehr viele Personen beiderlei Geschlechts, uneingedenk ihres eigenen Heils und abirrend vom katholischen Glauben, sich _mit Teufeln in Manns- oder Weibsgestalt_ (cum daemonibus incubis et succubis), _geschlechtlich versündigen und mit ihren Bezauberungen, Liedern, Beschwörungen und anderm abscheulichen Aberglauben und zauberischen Ausschreitungen, Lastern und Verbrechen die Niederkünfte der Weiber, die Leibesfrucht der Tiere, die Früchte der Erde, die Weintrauben und die Baumfrüchte, wie auch die Männer, die Frauen, die Haustiere und andere Arten von Tieren, auch die Weinberge, die Obstgärten, die Wiesen, die Weiden, das Getreide und andere Erdfrüchte verderben und umkommen machen, auch peinigen sie die Männer, die Weiber, die Zug-, Last- und Haustiere mit fürchterlichen inneren und äußeren Schmerzen und verhindern die Männer, daß sie zeugen, die Weiber, daß sie gebären, und die Männer, daß sie den Weibern, und die Weiber, daß sie den Männern die eheliche Pflicht leisten können_. Auch verleugnen sie den Glauben, den sie in der Taufe empfangen haben, mit meineidigem Munde. Ferner begehen sie überaus viele schändliche Verbrechen, Sünden und Laster auf Anstiften des Feindes des Menschengeschlechtes, zum Schaden ihrer Seelen, zur Beleidigung der göttlichen Majestät, zum Ärgernis vieler. Und das geschieht, obwohl unsere geliebten Söhne, _Heinrich Institoris_ für die obengenannten Teile Deutschlands und _Jakob Sprenger_ für gewisse Striche am Rhein, beide Mitglieder des Predigerordens und Professoren der Theologie, durch apostolische Briefe zu Inquisitoren bestellt worden sind und noch sind. Dennoch scheuen sich einige Geistliche und Laien jener Länder nicht, da sie mehr verstehen wollen, als nötig ist, halsstarrig zu behaupten, weil in den Bestallungsbriefen (dieser Inquisitoren) einige Diözesen, Städte und Orte, auch einige Personen und ihre Ausschweifungen und Laster nicht namentlich genannt sind, diese auch nicht inbegriffen seien, so daß diese Städte und Orte den genannten Inquisitoren auch nicht unterständen, so daß sie dort ihr Amt nicht ausüben und dort ihre Strafen nicht verhängen könnten. So bleiben denn zum augenfälligen Schaden der Seelen und _zur Gefahr des ewigen Seelenheils_ in diesen Gegenden solche Verbrechen straflos. Wir aber, indem wir alle und jede Hindernisse, durch welche die Ausübung des Inquisitorenamtes auf irgendeine Weise verzögert werden könnte, aus dem Wege räumen, damit die Seuche der Ketzerei und anderer solcher Verbrechen ihr Gift zum Verderben der Unschuldigen nicht ausbreiten könne, wollen, wie es unser Amt erfordert, taugliche Hilfsmittel anwenden, _da der Glaubenseifer uns dazu antreibt_. Damit sich nun nicht ereigne, daß die obengenannten Länder ohne das notwendige Inquisitionsamt seien, so setzen wir aus apostolischer Vollmacht fest, daß den genannten Inquisitoren gestattet sei, ihr Amt dort auszuüben, und daß sie die Bestrafung dieser Verbrechen vornehmen können, als ob diese Länder, Städte, Orte namentlich aufgeführt wären. Und indem wir aus größerer Sorgfalt diese Bestallung auf die genannten Länder ausdehnen, gestatten wir den genannten Inquisitoren, daß sie und jeder von ihnen, unter Zuziehung unseres geliebten Sohnes _Johann Gremper_, Magister aus der Konstanzer Diözese, in den genannten Länderstrichen Alle, die sie der genannten Verbrechen schuldig befunden haben, nach ihren Verbrechen züchtigen, einkerkern und am Leib und Vermögen strafen können; auch gewähren wir diesen Inquisitoren freie Vollmacht in allen Kirchen, sooft es ihnen gut scheint, das Wort Gottes zu predigen und Alles und Jedes, was dazu nützlich erscheint, zu tun. Wir befahlen durch apostolische Schreiben dem Bischof von Straßburg, daß er, sooft er von diesen Inquisitoren ersucht wird, es öffentlich kund tun soll, daß sie in nichts und von niemand beeinträchtigt und gehindert werden. Alle aber, die sie hindern, weß Amtes sie auch seien, sollen von ihm durch Exkommunikation, Suspension und Interdikt und andere noch schrecklichere Strafen, ohne jede Berufung, gebändigt werden, und, wenn nötig, soll gegen sie der weltliche Arm angerufen werden: Keinem Menschen soll es erlaubt sein, dies unser Schriftstück zu verletzen oder in frevelhaftem Wagnis diesem entgegen zu handeln. Wenn aber jemand dies versuchen sollte, so wisse er, daß er den _Zorn des allmächtigen Gottes und der Apostel Petrus und Paulus auf sich geladen hat_. Gegeben zu Rom bei St. Peter, im Jahre der Menschwerdung des Herrn 1484, im ersten unseres Pontifikats am 5. Dezember«[2].
Dieses Schriftstück hat in seinen Konsequenzen wohl mehr Kummer und Not über die Christenheit gebracht, als irgend ein Krieg oder die schlimmste Seuche.
Deutlich geht aus ihm hervor, daß man mit der Inquisition mancherorts keineswegs einverstanden war, _daß sich also bereits im Volke Kräfte regten, die diesen Unsinn abschütteln wollten und daß der Papst es war, der mit seiner ungeheuren Autorität für diese Dummheit eintreten mußte um zu verhüten, daß die Vernunft damals schon siegte_.
Übrigens war die Erfindung des Mann-Teufels und Weib-Teufels schon dem grüblerischen Geiste des gefeierten und für seine Zeit auch gewiß feiernswerten _Thomas von Aquino_ gelungen. Daß das Papsttum für diese Ausgeburt einer verderbten mönchischen Phantasie die volle Verantwortung übernahm, geht klar aus obiger Bulle hervor.
Doch fortzeugend sollte sie Böses stiften, praktisch und theoretisch. Wir können auf eine Schilderung der Greuel des Hexenprozesses, der unermeßlichen Leiden, die dieser Wahn über die Menschheit brachte, umso eher hier verzichten, als wir an anderer Stelle[3] die Materie eingehend behandelten. Zudem war die Art der Verfolgung nichts weniger als dumm, sondern im Gegenteil sehr raffiniert. Dumm waren die Voraussetzungen, die zur Hexenverfolgung führten, brutal und jeder Menschlichkeit Hohn sprechend aber die Art der Durchführung.
Wenden wir uns nunmehr der theoretischen Ausbildung zu, die diese Lehre unter dem mächtigen Schutz des Papsttums finden sollte.
_Institoris_ und _Sprenger_, »unsere geliebten Söhne«, wie sie der Papst nennt, die fluchwürdigsten Scheusale und wahnwitzigsten Narren, wie wir sie heißen möchten, haben ihre Namen für ewige Zeiten mit der Teufels- und Hexenlehre unlöslich verbunden. Gegen sie müssen ein Dschingis Chan, ein Timur, ein Alba und Caligula geradezu harmlos genannt werden, hörte doch mit deren Tode auch ihr Treiben auf, während dem »Hexenhammer« der Hydra gleich stets neue Köpfe wuchsen.
Die beiden Dominikanermönche könnten selbst uns zum Teufelsglauben bekehren. Denn die Hochachtung vor der Menschheit sträubt sich gegen die Annahme, daß ohne höllische Einflüsse ein Werk wie ihr »_Hexenhammer_« (Malleus maleficarum) das Licht des Tages erblicken konnte. Fast alles, was seit Erscheinen dieses wahrhaft teuflischen Buches über die Materie geäußert wurde, geht direkt oder indirekt auf diese Quelle zurück. Seiner verpestenden Wirkung können sich selbst Geister wie _Pico della Mirandola_, der in seiner Rede von der Würde des Menschen so wundervolle Gedanken entwickelt[4], nicht entziehen. Der Dichter _Fischart_, ein Protestant, gibt das Buch neu heraus, _Albrecht Dürer_ und _Hans Baldung Grien_ widmen ihre unsterbliche Kunst diesem Vorstellungskreise. Noch auf den bayerischen Kodex Maximilianeus von 1751 erstreckt sich die unheilvolle Wirkung dieses grausigen Werkes.
Betrachten wir den Inhalt, wie ihn Hoensbroech in bisher nicht erreichter Vollständigkeit übermittelt[5].
Das Buch bejaht die Frage, daß es eine Schwarzkunst gibt, und der Teufel mit dem Schwarzkünstler zusammen wirke. Daß es sich nicht um Einbildung handelt, beweist nach der Ansicht der Verfasser die Bulle Summis desiderantes. Hier ist also mit wünschenswerter Deutlichkeit der Papst, der ja auch das Werk selbst approbierte, als Quelle und Eideshelfer angeführt.
Die dritte Frage lautet: _Können durch Inkubi und Sukkubi Menschen erzeugt werden?_ Hierbei ist erklärend zu bemerken, daß die Daemones incubi in der bis heute gültigen katholischen Terminologie jene Teufel sind, die sich in menschlicher Gestalt mit anderen Menschen fleischlich vergehen, indem sie als Männer mit Frauen (»Drauflieger«) Unzucht treiben, während die succubi beim Geschlechtsakt die weibliche Rolle spielen.
Natürlich wird die Frage bejaht. »Die Behauptung, durch Inkubi und Sukkubi können Menschen erzeugt werden, ist _so katholisch, daß ihre Leugnung den Aussprüchen der Heiligen, der Überlieferung und der hl. Schrift widerstreitet_«. Und zwar übt der Teufel nicht um der fleischlichen Ergötzung willen die Unzucht aus, sondern um dadurch die menschliche Natur in ihren beiden Bestandteilen, Mann und Weib, am schwersten zu schädigen. Der _hl. Thomas_ lehrt, daß der männliche Teufel (incubus) unter Gottes Zulassung den nötigen Samen von einem Manne entnehmen kann, um ihn im Beischlaf zu übertragen! Gewisse Teufel schrecken wegen der Vornehmheit ihrer Natur vor gewissen unzüchtigen Handlungen zurück! Vielmehr werden diese von den untersten Teufeln ausgeführt. Genealogisch gehen diese Teufel auf die untersten Engel zurück. Der oberste Teufel heißt _Asmodeus_.
In der sechsten Frage, warum die Schwarzkunst bei den Frauen verbreiteter sei als bei den Männern, wozu bemerkt wird, daß sich _dieser Gegenstand gut für Predigten an die Frauen eignet_, wird über die Frauen folgendes Urteil gefällt: »_Was ist denn auch das Weib anders, als eine Vernichtung der Freundschaft, eine unentfliehbare Strafe, ein notwendiges Übel, eine natürliche Versuchung, ein begehrenswertes Unheil, eine häusliche Gefahr, ein reizvoller Schädling, ein Naturübel mit schöner Farbe bestrichen?_«
Wurde je niedriger über das Weib geurteilt, als hier von einer durch die höchste kirchliche Autorität sowie die Approbation der theologischen Fakultät in Köln gestützten Stelle?
Auf den Blödsinn, der hier über die Minderwertigkeit der Frauen vorgebracht wird, näher einzugehen, verlohnt sich nicht. Um aber das Niveau der Beweisführung zu kennzeichnen, sei nur folgender ethymologischer Scherz angeführt: Das Wort Femina (Frau) ist aus fe (fides, Glaube, Treue) und minus (weniger) zusammengesetzt, denn das Weib hat stets weniger Glauben und wahrt weniger die Treue, als der Mann! Solche Ethymologien finden sich im »Hexenhammer« noch mehrere. So versichern die Verfasser an anderer Stelle (p. 65), daß maleficiendo aus male de fide sentiendo herzuleiten sei. Das beweist natürlich die Synonymik bzw. Idendität des Mannes, der über den Glauben schlecht urteilt, des Ketzers, mit dem Übeltäter schlechthin!
Es wird dann weiter gefragt und bejaht, daß die Schwarzkünstler Menschen zu Liebe oder Haß bewegen können, daß sie den ehelichen Akt verhindern, die Kriterien werden untersucht, aus denen zu entnehmen ist, ob das geschlechtliche Unvermögen auf Schwarzkunst oder natürlichen Mangel zurückzuführen ist.
Die neunte Frage: Können Hexen das männliche Glied durch Zauberei so behandeln, als sei es vom Leibe getrennt? sei auch als Schulbeispiel der Dummheit in ihrer Beantwortung mitgeteilt: Die Hexen können in Wirklichkeit und Wahrheit das männliche Glied vom Körper trennen. Dafür lautet ein Beweis: Die Verwandlung der Frau des Loth in eine Salzsäule ist mehr, als die Trennung des männlichen Gliedes vom Körper. Nun ist aber jene wirklich geschehen, also kann auch diese geschehen. Aber diese wirkliche Trennung ist doch nur subjektiv wirklich, nicht objektiv, d. h. das Glied bleibt am Körper, aber für die Sinne (Auge, Hände) ist es nicht mehr vorhanden. Durch Zauberei kann ein flacher, fleischfarbener Körper vorgeschoben werden, der für Hand und Auge nur mehr eine Fläche darstellt, ohne Unterbrechung durch das männliche Glied.
Ferner wird konstatiert, daß die Hexen Menschen in Tierleiber verwandeln können, daß schwarzkünstlerische Hebammen häufig die Kinder im Mutterleibe töten, Fehlgeburten verursachen und neugeborene Kinder dem Teufel opfern.
Ein päpstlicher Inquisitor von Como hat aus diesem Grunde -- in einer nächtlichen Hexenversammlung soll ein Kind aufgegessen worden sein -- im Jahre 1487 _einundvierzig Hexen verbrennen lassen_.
Diese Proben des theoretischen Teiles dürften wohl genügen. Nunmehr wollen wir noch einige Beispiele aus dem zweiten Teil des Werkes, in dem die Äußerungen der Hexerei niedergelegt sind, anführen.
Zunächst wird die Frage beantwortet, wem der Zauberer nicht schaden kann, und dabei auf Weihwasser, geweihte Kerzen und geweihte Kräuter, die man verbrennt, als Abwehrmittel verwiesen. Als jemand in Ravensburg von einem Teufel in Weibsgestalt zur Unzucht angereizt wurde, fiel ihm ein, in der Predigt gehört zu haben, daß geweihtes Salz ein gutes Mittel dagegen sei. So nahm er denn beim Eintritt in die Kammer von dem Salz; das vermeintliche Weib verzerrte das Gesicht und verschwand plötzlich. Ferner werden die Worte der Kreuzesaufschrift Christi an den vier Wänden in Form eines Kreuzes angebracht, empfohlen. Äußerst wirksam ist der _Schutz himmlischer Geister, die den Gestirnen die Bewegung verleihen_. Das bewährt sich besonders bei Behexung der Zeugungsfähigkeit. So kam einst ein Engel zum hl. Serenus, öffnete ihm den Leib und entfernte aus seinen Eingeweiden ein feuriges Stück Fleisch. Dadurch erlangte der Heilige eine solche Keuschheit, daß er niemals mehr irgendwelche sinnliche Regungen, wie sie selbst bei Kindern und Säuglingen vorkommen, verspürte.
Im I. Hauptstück wird von den Arten erzählt, durch welche die Teufel Unvorsichtige mittels Behexungen zur Gottlosigkeit verleiten, im II. von der Hexerei als Beruf. Es gibt drei Arten von Hexen: einige erregen Hagel, Gewitter, Stürme; bewirken Unfruchtbarkeit bei Menschen und Tieren; verzehren Kinder und opfern sie dem Teufel; machen Pferde scheu; fliegen körperlich durch die Luft; töten durch bloßen Blick. _Allen drei Arten von Hexen ist gemeinsam, daß sie mit dem Teufel Unzucht treiben._
Die Hexen weihen sich entweder auf feierliche Art dem Teufel, indem sie ihm, der in Menschengestalt erscheint, Treue in die Hand geloben, oder auf unfeierliche Art. Sie sehen es besonders auf _ungetaufte Kinder ab, aus deren Fleisch und Knochen sie eine Salbe bereiten, aus den flüssigeren Bestandteilen aber ein Getränk_. Wer es trinkt, ist sofort ein Meister in der teuflischen Kunst. Bei dieser Gelegenheit verraten die Herren Inquisitoren so ganz nebenbei, daß alle, die sie einäschern ließen, in bezug auf die Schwarzkunst _unfreiwillig_ waren! Da die »Hexen« unter der Folter natürlich aussagten, was man ihnen in den Mund legte, so gibt es keine Zeile dieses Buches, die nicht durch eidliche Aussagen der armen Opfer erhärtet wäre. Z. B. gestand eine Hexe, die dann natürlich, wie _alle ohne Ausnahme, eingeäschert_ wurde, sie habe sechs Jahre mit dem Teufel Unzucht getrieben und zwar im Bett und an der Seite ihres Mannes.
Das III. Hauptstück führt aus, wie die _Hexen von Ort zu Ort geführt werden_. Bald tut das der Teufel in eigener Person, jedoch in Pferdegestalt. Auch das wurde natürlich gesehen. Bald geschieht es auf einem Stück Holz, das mit der aus Kindern gewonnenen Salbe bestrichen wird.
Das IV. Hauptstück handelt von der Art, _in der sich die Hexen den Teufeln in Mannsgestalt hingeben_. Die Teufel bedienen sich dabei eines Leibes aus Luft, den sie durch Dämpfe verdichten. Mit diesem Körper können sie sprechen, sehen, hören, essen und zeugen. Die durch den Beischlaf mit dem Teufel Gezeugten sind sehr stark und kräftig. Die Sache geht so vor sich: Ein Teufel in Weibsgestalt (succubus), der sich mit einem Manne abgegeben hat, nimmt den Samen von diesem Manne auf, er macht sich dann mit diesem Samen einem Weibe gegenüber zu einem Teufel in Mannsgestalt (incubus). Die Hexe ist entweder alt und unfruchtbar oder nicht. Im ersteren Falle gibt sich der Teufel mit ihr ohne männlichen Samen ab; denn auch der Teufel vermeidet Überflüssigkeiten. Ist sie aber der Schwangerschaft fähig, dann vermischt er sich mit ihr, wenn er irgendwoher männlichen Samen erhalten kann, zum Zwecke der Kindererzeugung. Gewiß ist, daß eine Ehefrau, wenn sie Hexe ist, und durch ihren Mann schwanger wird, ihre Schwangerschaft verstärken kann durch anderen Samen, den sie im Beischlaf mit dem Teufel erhält. Bei solchen Vermischungsakten sind die Hexen zwar immer sichtbar, die Erfahrung der Verfasser hat aber ergeben, daß die Teufel es nicht immer sind.
Das V. Hauptstück handelt von der _Art, wie die Hexen ihre Künste durch die Sakramente der Kirche ausüben_, das VI. von der _Art, wie sie die Zeugungsfähigkeit_ hindern, das VII. _wie die Hexen das männliche Glied entfernen_.
Wo gibt es eine gleich höllische Ausgeburt von haarsträubendstem Blödsinn und abstoßendster ekelhaftester Schweinerei?
Ein Jüngling hatte sein Glied durch Zauberei verloren, »_da ich es nicht glauben wollte, entblößte er sich, so daß ich die Wahrheit seiner Aussage sah_. Er hatte eine Hexe in Worms in Verdacht. Ich trug ihm auf, zu ihr zu gehen. Nach einigen Tagen kam er wieder zurück, und _ich überzeugte mich durch den Augenschein, daß er sein Glied wieder hatte_. Die Glieder werden übrigens nicht ausgerissen, sondern nur verborgen.« Was ist aber darüber zu sagen, daß _einige Hexen solche männliche Glieder in großer Zahl, bis zu zwanzig und dreißig, in einem Schranke aufbewahren, und daß die Glieder dort lebendig zu sein scheinen, wie dies viele gesehen haben_? Es ist zu sagen, daß dies durch teuflische Vorspiegelungen geschieht. Es hat uns jemand erzählt, daß er, um sein verlorenes Glied wieder zu gewinnen, sich an eine Hexe gewandt habe. Sie hieß ihn einen Baum besteigen, auf dem er ein Nest fand, in dem mehrere männliche Glieder waren. Als er ein _großes_ nehmen wollte, rief die Hexe: nein, das nicht, denn _das gehört einem Geistlichen_.«
An der Tatsächlichkeit dieses von den Hexen begangenen Verbrechens bzw. daran zu zweifeln, daß sie mit Impotenz schlagen können, ist völlig ausgeschlossen. Haben doch die Provinzialsynoden oder gar Konzilien von Troyes, Lyon, Mailand, Tours, Bourgos, Narbonne, Ferrara, St. Malo, Monte Cassino, Orleans und Grenoble, sowie die Rituale von Autun, Chartres, Perigueux, Evreux, Paris, Angers, Arras, Chalons, Bologna, Troyes, Bourges, Alet, Beauvais, Meaux, Reims usw., sowie die Dekrete unzähliger Bischöfe, die Hexen eben wegen dieses Deliktes in Bann taten. Wer würde es wagen der Autorität aller dieser Instanzen zu widersprechen[6]?!
Das VIII. Hauptstück setzt auseinander, wie _Menschen in Tiere verwandelt werden_, das IX. wie _sich die Teufel in menschlichen Leibern aufhalten können_. Dazu wird folgende erbauliche Geschichte u. a. berichtet: »Ein heiliger Mann erkannte einst durch den Geist Gottes, daß ein in einer Kirche sehr gut und fromm predigender Priester der Teufel sei. Nach der Predigt frug er ihn, warum er predige und erhielt zur Antwort: weil ich weiß, daß die Leute die Predigt nur hören, aber nicht befolgen, so wird Gott nur noch mehr beleidigt.«
Das X. Hauptstück führt aus, wie _die Teufel mit Hilfe der Hexen in den Menschen wohnen_, das XI. wie _die Teufel Krankheiten, besonders schwere, verursachen können_. Das geschieht z. B. durch verzauberte Wachs- oder Bleibilder. Durch Verwünschung oder Anhauchen kann die Hexe aussätzig machen.
Die fallende Krankheit rufen Hexen hervor durch Eier, die sie in Gräbern vergruben. Auch das XII. Hauptstück behandelt diese Materie. Das XIII. Hauptstück beantwortet die Frage, wie _Hebammen als Hexen schweren Schaden zufügen, indem sie Kinder töten oder dem Teufel opfern_. So hexte eine Person einer frommen Frau alle möglichen Dinge in den Leib, die furchtbare Schmerzen verursachten. Als sie ein natürliches Bedürfnis befriedigen mußte, kamen alle zum Vorschein: Holz, Knochen und handgroße Dornen. Einige Hebammen, die eingeäschert wurden, haben noch schlimmere Sachen gestanden. Der theologische Grund, weshalb die Hexen auf Anstiften des Teufels so viele ungetaufte Kinder töten, ist: _Der Teufel weiß, daß die ungetauften Kinder nicht in den Himmel eingelassen werden. Das Reich Gottes aber, nach dessen Beginn er mit noch größerer Pein gestraft wird, bricht erst an, wenn eine ganz bestimmte Zahl von Menschen in den Himmel eingelassen ist. Die Erreichung dieser Zahl wird nun durch die Tötung von ungetauften Kindern hinausgeschoben. Deshalb werden sie vom Teufel besonders aufs Korn genommen._ Kinder von acht Jahren, die dem Teufel geweiht worden sind, können schon Gewitter und Hagelschlag erzeugen.
Das XIV. Hauptstück behandelt die Frage, _wie Hexen den Tieren schaden können_. Am häufigsten werden die Kühe durch die Hexen der Milch beraubt und zwar folgendermaßen: Die Hexe stößt ein Messer in die Wand, ruft ihren Teufel und trägt ihm auf, diese oder jene Kuh trocken zu machen. Dann fängt sie an dem Messer zu melken an, worauf die Milch der betreffenden Kuh aus ihm herausfließt. _Solches soll gepredigt werden, um Abscheu zu erregen._ Man kann durch zauberische Künste auch vorzügliche Maibutter und Wein machen. Doch begnügen sich die Hexen oft nicht mit solchem Schabernack, sondern töten auch Tiere, wie zwei Hexen, die in Ravensburg _eingeäschert_ wurden, von sich bekannten.
Das XV. Hauptstück beschreibt die _Erzeugung von Gewitter und Hagel_, das XVI., _wie auf drei Arten Männer Schwarzkunst treiben_. Besonders die schwarzkünstlerischen Pfeilschützen sind schlimm. Sie durchbohren am Karfreitag das Bild des Gekreuzigten mit ihren Pfeilen. Sie sind so sichere Schützen, daß sie einen Pfennig vom Kopf eines Menschen herabschießen können, ohne ihn zu verletzen. Der Herzog Eberhard mit dem Barte von Württemberg hatte einen solchen Schützen in seinem Gefolge. Er konnte täglich mit drei Pfeilschüssen jemand mit unfehlbarer Sicherheit töten, weil er täglich drei Pfeile in ein Kruzifix schoß. Auch der Tellschuß auf den Apfel geschah aus Zauberei.
Nunmehr geht das Buch auf die verschiedenen Arten, den Zauber zu beseitigen ein, um im dritten Teil ausführlich die richterliche Tätigkeit gegen Ketzer und Hexen zu behandeln.