Part 4
Untersuche drei Bienen, Männchen, Weibchen und Arbeiterin. Untersuche Rüssel und Hinterschienen der Arbeiterinnen. Nimm ein Stück brauner Honigwabe mit Überresten von Bienenbrot und jungen Bienen und vergleiche es mit einer reinen Wabe. Beobachte eine Biene unter den Blumen. Suche eine Honigwabe mit fingerhutähnlichen Zellen am Rande.
Lektion 10.
Zweiflügler.
Es gibt eine Menge von kleinen fliegenden Insekten, die zu derselben Familie gehören wie Bienen und Wespen, wie z. B. die Blattwespe, die unsere Pflanzen zerstört, oder die Gallwespe, die so merkwürdige Gallen erzeugt, die wir an den Eichen und anderen Bäumen finden. Man faßt sie zusammen unter der Ordnung der Hautflügler, und sie sind gekennzeichnet durch vier gleichartige mit ästig verzweigten Adern durchzogene Flügel. Die in diesem Kapitel zu besprechenden Insekten dagegen haben alle nur zwei Flügel und werden daher Zweiflügler genannt.
Versuche so viele Zweiflügler wie möglich zu finden. Da ist die gewöhnliche Stubenfliege, die Schmeißfliege oder Brummer, Mücken, Schnaken, Bremsen und viele andere.
Die Stubenfliege und der Brummer sind an der richtigen Stelle sehr nützlich, denn sie verzehren faulende Substanzen und tote Tiere. Aber sie tun großen Schaden, wenn wir zulassen, daß sie sich an der falschen Stelle stark vermehren.
Wenn ihr sehr viele Fliegen im Hause habt, so könnt ihr sicher sein, daß sich irgendwo Schmutz befindet; denn die Stubenfliege legt ihre Eier in Misthaufen und faulige Stoffe oder in irgend welchen Schmutz, den sie finden kann, z. B. hinter eine Tür, einen Fensterladen oder in eine ungefegte Ecke.
Sie legt ungefähr 150 Eier zu gleicher Zeit, und in ein oder zwei Tagen kriechen die kleinen, beinlosen Larven aus und nähren sich von den sie umgebenden Stoffen. In vier oder fünf Tagen hören sie auf zu fressen und ruhen in ihrer Larvenhaut, die hart und braun wird. Im Sommer kommen sie dann nach ungefähr einer Woche als erwachsene Fliegen aus. Aber im Winter liegt die harte Puppe oft Monate lang, und Leute, die im Herbst ihr Haus nicht gründlich reinigen, werden wahrscheinlich im nächsten Jahre eine Fliegenplage haben.
Die Schmeißfliege, auch Brummer (vergl. bunte Tafel VII. 1) genannt, legt ihre Eier (~a~) auf Fleisch jeder Art oder auf Körper toter Tiere. Wenn ihre Larven ausgekrochen sind, nützen sie uns dadurch, daß sie uns von schlecht riechenden Stoffen befreien, denn sie geben eine Art Flüssigkeit von sich, die das Verderben des Fleisches beschleunigt, so daß sie es fressen können.
Wohl jedermann kennt die Maden der Schmeißfliege (~b~), die zum Angeln gebraucht werden. Wenn diese mit Fressen fertig sind, ziehen sie sich zu einer eiförmigen Puppe zusammen. Diese gibt eine Flüssigkeit von sich, die ihre Haut zu einem glänzend rötlichbraunen Gehäuse verhärtet. Im Inneren desselben bildet sich die Schmeißfliege, die nach Erlangung der Reife ihren Kopf so stark hervorschiebt, daß der obere Teil der Puppenhülle wie ein Deckel zurückklappt.
Fängt man einen Brummer und setzt ihn mit einen Körnchen Zucker unter eine Glasglocke, so kann man beobachten, wie er seinen Rüssel ausstreckt und frißt. Man wird sehen, daß er den Zucker dreht und wendet, als ob er damit spiele. Aber er benetzt ihn dabei fortwährend mit einer Flüssigkeit, die er durch den Rüssel ausfließen läßt, um das harte Zuckerstückchen zu einer Art Syrup umzuwandeln, den er aufsaugen kann. Wenn man die Brust der Schmeißfliege sanft zwischen Finger und Daumen drückt, so wird sie ihren Rüssel ausstrecken, und man kann die dicken Lippen am Ende desselben mit der dazwischen liegenden Saugvorrichtung (~A~) sehen. Aber man braucht ein Vergrößerungsglas oder Mikroskop, um einen kleinen Stachel (~l~) zu erkennen, der im Innern des Rüssels sitzt, und den sie gebraucht, um die Schale von Früchten, deren Saft sie aufsaugen will, zu durchbohren.
Es gibt aber zwei Arten von Fliegen, die viel schädlicher sind als die Stuben- und die Schmeißfliege. Dies sind die Bremsen und die Dasselfliegen.
Ihr kennt eine der kleinen Bremsfliegen ganz gut, denn sie läßt sich auf unsere Hände oder unseren Hals nieder, wenn wir im Freien sitzen. Ihr Dasein zeigt sie uns dadurch an, daß sie uns einen scharfen Stich versetzt, um uns das Blut auszusaugen. Wir nennen sie Pferdebremse, weil sie die Pferde im Sommer so sehr quält. Viele andere derselben Gattung sind uns nicht so gut bekannt. Die größte deutsche Bremsfliege (vergl. bunte Tafel VII. 4) ist ungefähr 2-3 ~cm~ lang.
Die Dasselfliegen sind gefährlicher, da ihre Larven Rinder, sowie auch Hirsche und Rehe schwer schädigen können. Die Dasselfliege legt ihre Eier an und in die Haare der Tiere. Lecken diese nun jene Stellen, so gelangen die Eier oder die ausgeschlüpften Larven auf die Zunge und von da in den Anfangsteil des Magens. Die Larven durchbohren die Magenwand und wandern in den Körpern ihrer Wirte, wo sie nach etwa sechs Monaten unter der Rückenhaut anlangen. Dort bleiben sie längere Zeit und erzeugen eiternde Geschwüre, die sogenannten „Dasselbeulen“. Haben sie dort ihre Entwicklung vollendet, so durchbrechen sie die Haut nach außen, lassen sich zur Erde fallen und verpuppen sich in dieser, um nach einiger Zeit als fertiges Insekt zu erscheinen. Eine der gewöhnlichsten ist die Rinder-Dasselfliege oder Rinderbiesfliege (vergl. bunte Tafel VII. 2), die einer Hummel sehr ähnlich sieht; sie hat aber zwei Flügel, während die Hummel vier hat.
Die Pferdemagenbremse (vergl. bunte Tafel VII. 3) klebt ihre Eier den Pferden mit etwas Schleim an die Haare der Brust und des übrigen Vorderkörpers. Ist das Ei nun reif, so bringt die warme Zunge des Pferdes, wenn es sich beleckt, dasselbe zum Platzen. Die Made bleibt daran kleben und gleitet in den Magen des Tieres hinunter. Hier oder im Darme befestigt sie sich mit ihrem Mundhaken, verpuppt sich dann, und die Puppe gelangt mit dem Kote ins Freie.
Das beste Mittel gegen diese Made ist, die Haut des Pferdes rein und das Haar kurz zu halten. Diese Magenbremse ist etwas größer als die Stubenfliege, sieht meistens bräunlichgelb aus und hat einen stark behaarten Körper.
Eine andere Familie der Zweiflügler sind die Mücken. Sie haben einen dünnen, schlanken Körper und fadenförmige Fühler. Wir haben über die gemeine Stechmücke im zweiten Buche gelesen, aber ihr solltet noch eine andere Art kennen lernen, die Weizen und anderes Getreide angreift.
Die zitronengelbe Weizengallmücke ist ein kleines Insekt, das ungefähr die Größe einer sehr kleinen Stechmücke hat. In der Frühe eines Junimorgens, wenn die Weizenblüte sich entwickelt, kann man diese Mücken von den Halmen schütteln und sie dicht über dem Boden umherfliegen sehen. Die Weibchen haben eine scharfe, haarfeine Röhre, mit der sie ihre Eier in die Blüten der Weizen- und seltener der Roggenähre legen. Dort kommen aus ihnen kleine gelbe Maden aus, die sich von dem Fruchtknoten nähren und dadurch die Körnerbildung verhindern. Sie vernichten auf diese Weise oft einen großen Teil der Ernte.
Ihr solltet auch die Larve der Bachmücke oder Kohlschnake kennen, die in Gärten und Kohlfeldern Schaden anrichten kann. Wenn ihr eine Schnake an einem Grashalm hängen seht, so ist sie höchst wahrscheinlich gerade dabei, mit ihrer Legeröhre Eier in den Boden zu legen.
Aus diesen kommen beinlose braune Maden aus mit starken Kiefern und einem Paar kurzer Hörner. Man kann sie beim Umpflügen eines feuchten Feldes finden. Man findet auch wohl die harte Puppe, die wie eine Schnake mit zusammengefalteten Flügeln geformt ist; die Beine sind zusammengezogen, und die beiden Hörner sitzen schon auf dem Kopfe. Sie hat Dornen an ihrem Hinterleib, mit denen sie sich an die Erdoberfläche hinaufzieht, wenn sie sich verwandeln will.
Man wird die schädlichen Larven am besten los, wenn man den Boden tief umpflügt und die Eier oder Maden vergräbt, so daß sie sterben oder nicht an die Oberfläche gelangen können; man kann auch eine Lösung von Gaskalk oder einer anderen für die Insekten tödlichen Flüssigkeit auf das Land spritzen. Stare erweisen sich gegen diese Schädlinge sehr nützlich, da sie die Maden aus dem Boden ziehen und vernichten.
Suche Made und Puppe der Schmeißfliege. Untersuche Beine, Körper und Rüssel einer Schmeißfliege. Versuche Eier der Stubenfliege zu finden. Suche eine Pferdebremse sowie die Rinderdasselfliege und Pferdemagenbremse. Suche eine zitronengelbe Weizengallmücke und ihre Made; ferner die Made und Puppe der Bachmücke.
Lektion 11.
Heimchen und Heuschrecken.
Bei allen Insekten, von denen wir bis jetzt gehört haben, sind die Larven von dem voll entwickelten Insekte ganz verschieden. Aber junge Heimchen und Heuschrecken sehen, wenn sie aus dem Ei kommen, fast ebenso aus wie das ausgebildete Insekt, abgesehen davon, daß sie kleiner sind und keine Flügel haben. Sie springen, fressen und benehmen sich genau so wie die Alten. Sie häuten sich vier- oder fünfmal. Nach der letzten Häutung kann man die Flügeldecken unter der Haut sehen, und sobald diese zerreißt, breiten sie die Flügel aus und fliegen.
Wenn man sich einen Käfig aus Drahtgaze macht, einige junge Heimchen hineinsetzt und sie mit Küchenabfällen füttert, so kann man diese Verwandlungen beobachten. Aber man darf es nicht mit einer Bedeckung von Musselin versuchen wie einer meiner Freunde, denn die Heimchen haben starke Kiefer und fressen sich bald hindurch.
Die kleinen grünen Heuschrecken sind leicht auf den Feldern in großer Anzahl zu finden, aber das große grüne Heupferd (vergl. bunte Tafel VIII. 1) ist nicht so häufig. Wenn ihr aber wißt, wo ihr suchen müßt, wird es euch nicht schwer werden, eins zu fangen. Es ist sehr lehrreich, dieses Insekt zu untersuchen. Der Kopf ist von der Brust scharf getrennt. Es hat zwei lange Fühler, die nach hinten über dem Körper liegen. Seine Kiefer sind sehr stark, und wenn man ihm ein Blatt unter einem Glase zu fressen gibt, so kann man sehen, wie sie sich seitwärts bewegen, um die Nahrung zu zerkleinern; man kann auch die Ober- und Unterlippe erkennen, durch die die Nahrung zu den kauenden Kiefern im Innern hindurchgeht.
Wenn ihr ein Weibchen gefangen habt, so werdet ihr sehen, daß es eine lange Legeröhre hat, die es in den Boden bohrt, um seine Eier zu legen. Hieran könnt ihr beobachten, wie die kleineren Insekten es machen.
Und nun werdet ihr wissen wollen, wie ein Grashüpfer zirpt; denn ihr wißt ja, daß kein Insekt irgend ein Geräusch mit den Mundwerkzeugen machen kann. Schiebt euren Finger sanft unter dem linken Vorderflügel des großen grünen Heupferdes entlang bis dahin, wo dieser mit dem Körper verbunden ist. Ihr werdet fühlen, daß der Flügel an dieser Stelle so rauh wie eine Feile ist. Das Heupferd reibt diese Feile gegen eine scharfkantige Leiste, die den oberen, inneren Rand der rechten Flügeldecke bildet und erzeugt so das schrillende Geräusch. Eine ganz dicht daneben liegende feinhäutige Stelle der Flügeldecke wird dabei mit in zitternde Bewegung versetzt und verstärkt so den Ton.
Die kleine grüne Heuschrecke (vergl. bunte Tafel VIII. 2), deren kurze Fühler nach vorn stehen, bringt ihr zirpendes Geräusch in anderer Weise hervor. Sie hat eine Feile an der Innenseite des Hinterbeines, deren Zähnchen über eine vorspringende Ader der Flügeldecken geführt werden und diese dadurch in tönende Schwingungen versetzen. Dieser kleine Grashüpfer ist tatsächlich eine kleine Heuschrecke wie die, die in Schwärmen im südöstlichen Europa dahinfliegen und alles Grüne, das ihnen in den Weg kommt, auffressen. Glücklicherweise ist aber unser kleiner Freund, obwohl auch er gierig frißt, nicht so verderblich wie sie. Diese kleinen Heuschrecken haben keine Legeröhre; sie lassen ihre Eier in die lose Erde fallen und bedecken sie damit.
Heimchen sind den Grashüpfern sehr ähnlich und erzeugen das zirpende Geräusch, indem sie ihre Flügel zusammenreiben. Die Weibchen haben lange Legeröhren, wie man sehen kann, wenn man ein solches in der Küche fängt. Es legt seine Eier hinter den Ofen oder in die Nähe des Herdes, wo sie das ganze Jahr hindurch in der Wärme ausgebrütet werden.
Grashüpfer und Heimchen zirpen nicht, um uns zu erfreuen; sie rufen einander. Sie müssen also hören können. Wo erwartet ihr nun wohl, ihre Gehörorgane zu finden? Ihr werdet es sicher nicht raten.
Sieh unter den Flügel der kleinen grünen Heuschrecke auf den ersten Ring ihres Hinterleibes, der hinter ihren Hinterbeinen liegt! Da, ein wenig über den Atemlöchern, wirst du eine sehr kleine Grube finden. Diese ist mit einer dünnen Haut bedeckt und ist das Gehörorgan (Ohr) der Heuschrecke. Das große grüne Heupferd hat sein Ohr an einer noch sonderbareren Stelle, nämlich auf seinem Vorderbeine unter dem Knie (~e~, S. 62).
Ich erwarte, daß ihr die Feldgrille (vergl. bunte Tafel VIII. 3) kennt, denn obwohl sie sehr furchtsam und am Tage äußerst vorsichtig und scheu ist, kann man sie doch leicht fangen, wenn man an ihrem Zirpen herausgefunden hat, wo sie sich aufhält. Man stößt einen Grashalm in das Loch, den sie sicher ergreifen wird, so daß man sie daran herausziehen kann. Viele Landkinder fangen sie auf diese Weise. Eine Feldgrille ist bedeutend größer als ein Hausheimchen; ihr Körper ist dunkler, ihr Zirpen schriller. Sie ist im Garten sehr nützlich, denn sie nährt sich ebenso von Pflanzen wie von Insekten und sitzt nachts vor ihrem Loche, um diese zu fangen. Auch an warmen, sonnigen Tagen kannst du sie vor ihrer Höhle sehen, sonst aber sitzt sie immer in der Erde, wo die Larven den ganzen Winter lang bleiben, bis sie Flügel bekommen haben.
Ich möchte wissen, ob ihr jemals eine Maulwurfsgrille gefunden habt. Es gibt ihrer eine Menge im sandigen Boden, besonders auf feuchten Feldern, an den Ufern von Kanälen und Flüssen. Aber sie kommen nicht überall vor, und sie sind so scheu, daß sie nur in der Nacht aus ihrem Bau herauskommen. Sie verursachen ein seltsames Geräusch, und daran könnt ihr erkennen, daß welche in der Nähe sind. Dann müßt ihr am Flußufer oder in einem sandigen und zugleich feuchten Teile des Gartens suchen, und wenn ihr dann kleine Erhöhungen aufgeworfen seht, so ist es höchst wahrscheinlich, daß die Maulwurfsgrille darunter arbeitet.
Sie ist ein sehr sonderbares Insekt, mehr als 5 ~cm~ lang mit kleinem Kopfe und langen Fühlern, einer sehr breiten Brust und dicken, flachen Vorderbeinen, die wie beim Maulwurf in Grabfüßen endigen, die mit scharfen, schwarzen Klauen versehen sind. Damit bahnt sie sich ihren Weg durch die Erde, gerade wie der Maulwurf. Ihr Körper ist mit weichen Haaren bedeckt, die oben braun und unten gelb sind und die feuchte Erde abhalten. Sie richtet großen Schaden an, wenn sie in einen Garten kommt, denn sie wühlt lange Gänge und frißt die Wurzeln und Stengel der Pflanzen. Die weibliche Maulwurfsgrille hat keine Legeröhre, denn sie braucht eine solche unter der Erde nicht. Sie legt ungefähr 200 Eier in eine Höhle am Ende des Ganges und die jungen Maulwurfsgrillen leben dort zwei oder drei Jahre lang, ehe sie Flügel bekommen. Hat man das Glück, ein Nest mit einigen Jungen darin zu finden, so wird man sich über die sonderbare Gestalt derselben wundern.
Es gibt noch zwei andere Geradflügler, die ihr sehr gut kennt. Der eine ist der Ohrwurm, vor dem sich törichte Leute wegen der langen Kneipzange am Ende des Leibes fürchten, obwohl er niemand Schaden tut. Er hat sehr kurze Flügeldecken und längs- und quergefaltete Hinterflügel. Der einzige Schaden, den er anrichtet, entsteht dadurch, daß er unsere Blumen benagt. Das Weibchen ist sehr liebevoll. Es trägt die Jungen weg, wenn sie gestört werden, und wacht über sie, bis sie erwachsen sind.
Der andere Geradflügler ist die Küchenschabe, die manche Leute für einen Käfer halten. Aber das Insekt ist kein Käfer, denn es entsteht nicht aus einer Larve. Die Jungen sind den Alten gleich, nur kleiner und ohne Flügel. Die weibliche Küchenschabe hat überhaupt keine Flügel. Sie trägt ihre Eier in einer sonderbaren Art und Weise am Ende ihres Körpers in einem Behälter, der wie eine Tasche aussieht, und verbirgt diese in Ritzen hinter dem Ofen oder zwischen den Dielen, kurz bevor die Larven auskommen. Diese Behälter sind braun und hornig. Im Inneren liegen ungefähr sechszehn Eier, sauber in zwei Reihen geordnet wie Erbsen in einer Schote. Schaben sind sehr unangenehme und schädliche Insekten. Sie fressen alles, was sie bekommen können, und haben einen widerlichen Geruch.
Versuche die verschiedenen Arten des Grashüpfers und des Heimchens zu finden, und zwar ausgewachsene und solche ohne Flügel. Untersuche die Flügel eines Ohrwurms. Suche die Eierbehälter der Küchenschabe.
Lektion 12.
Ameisen und ihre Honigkühe.
Ameisen sind die intelligentesten aller Insekten. Wir lernten etwas über den Ameisenhügel im ersten Buch, und da könnt ihr euch die Abbildungen der Männchen, Weibchen und Arbeiter mit ihren Larven und Kokons ansehen.
Wir wollen nun einige andere Ameisen betrachten und etwas über ihre Lebensweise lernen. Es gibt zwei ganz gewöhnliche Arten, die man in jedem Garten finden kann. Die eine ist rot und die andere schwarz. Beide bauen ihre Wohnungen unter dem Erdboden, indem sie die Erde mit ihren Kiefern und Füßen fortschaffen und Gänge und Kammern anlegen. Man findet da, wo sie bei der Arbeit sind, gewöhnlich eine kleine Erhöhung, die sich kuppelförmig über das Nest wölbt, aber diese ist nicht so auffallend wie der Hügel der Waldameise. Wenn man ein Loch an einer Seite eines Nestes gräbt, so wird man die Kammern öffnen, und man kann die Larven im Innern sehen; hat man das Loch nicht zu groß gemacht, so werden die Ameisen es bald wieder in Ordnung bringen.
Ihr könnt auch einige Kokons nehmen und sie mit etwas Erde unter ein Glas bringen, um zu sehen, wie die jungen Ameisen auskommen. Aber nehmt die Larven nicht, ohne einige Ameisen mit hineinzusetzen, denn sie können sich nicht selbst ernähren.
Bei den Ameisen kann man schwarze, rote und gelbe Arten unterscheiden. Genauer aber werden die einzelnen nach der Ausbildung des feinen Stieles bestimmt, der Brust und Hinterleib verbindet: der „Hinterleibsstiel“ kann aus einem oder zwei Gliedern bestehen und diese können an ihrer Oberseite wieder schuppen- oder knopfförmig ausgebildet sein (2, S. 66). Außerdem können wir feststellen, daß manche Arten einen Stachel besitzen, der anderen fehlt. Die, welche keinen Stachel haben, greifen ihre Feinde mit ihren starken Kiefern an und spritzen eine scharfe Säure in die Bißwunde aus der am Hinterleibe befindlichen Giftblase.
Es gibt eine kleine braune Ameise, die häufig in unseren Häusern lebt und sich von unseren Lebensmitteln nährt. Sie hat zwei Verdickungen und sticht sehr scharf. Ich schnitt einst einen Kuchen an, der einige Tage im Schranke gestanden hatte und fand ihn im Innern voll von diesen Ameisen. Sie krochen in ganzen Scharen auf meine Hand, die von ihren Stichen wie Feuer brannte. Diese Ameise baut ihr Heim gewöhnlich hinter dem Ofen.
Wenn ihr einige Ameisen unter ein Glas setzt und ihnen ein Stückchen Nuß oder Brot gebt, so könnt ihr sehen, wie sie ihre äußeren Kiefer gebrauchen, um etwas davon abzuschaben, und ihre zierliche Zunge, um den Saft oder das Öl abzulecken, während sie die Nahrung nach den inneren Kiefern weiterschieben, gerade wie die Bienen und Wespen. Man kann auch sehen, wie sie ab und zu innehalten, um ihren Körper mit ihren Vorderbeinen zu streicheln. Seht diese letzteren genau an, und ihr werdet einen kleinen Stachel in der Nähe des letzten Gelenkes finden. Dieser Stachel ist mit mehr als fünfzig feinen Zähnen besetzt und an dem Beine selbst sitzen noch einige gröbere Zähne. Dies ist die Bürste und der Kamm der Ameise. Sie kratzt sich mit ihnen und zieht sie durch ihre äußeren Kiefern oder Mandibeln, um sie zu reinigen.
Die Ameise hat sehr kleine Augen und benutzt stets ihre Fühler, um etwas ausfindig zu machen, was sie wissen will. Diese stehen über den sonderbaren flachen Kopf hervor und sind ganz geheimnisvolle Werkzeuge. Wenn Ameisen sich verständigen wollen, so berühren sie gegenseitig ihre Fühler und können so auf irgend eine sonderbare Weise sich mitteilen, wohin sie gehen, und was sie tun sollen.
Die Gartenameisen leben viel mehr unter der Erde als die Waldameisen, aber man kann sie oft im Garten sehen, wo sie sich sonnen oder Grashalme mit ihren Kiefern abschneiden, um ihre Nester damit zu polstern, oder eine Spinne oder Fliege zerreißen. Sie scheinen oft hierhin und dorthin zu laufen, als ob sie nicht wüßten, was sie tun sollten, aber bei näherer Beobachtung wird man finden, daß jede ein Ziel hat. Einige tragen Gegenstände ins Nest, andere klettern an den Stengeln der Blumen hinauf, um deren Honig zu saugen. Wenn diese mit Honig beladenen Ameisen nach Hause laufen und einer Ameise begegnen, die andere Arbeit verrichtet hat und hungrig ist, so pressen sie etwas Honig heraus, um ihre Freundin zu füttern. Denn es scheint Regel unter den Ameisen zu sein, daß sie einander helfen.
Und nun müßt ihr Tag für Tag aufpassen, bis ihr etwas noch viel Wunderbareres seht. Ihr erinnert euch, daß wir in der ersten Lektion von den kleinen Blattläusen sprachen, die den Saft aus den Pflanzenstengeln saugen. Aber wir bemerkten nicht, daß sie zwei kleine Hörner am Ende ihres Körpers haben. Aus diesen Hörnern scheiden sie einen wachsartigen Stoff ab, mit dem sie die Mundwerkzeuge ihrer Feinde (s. Marienkäfer S. 37) zu verkleben suchen. Wenn sie fortwährend saugen, füllen sie bald ihren Darmkanal mit Pflanzensäften. Dieser Saft wird nun wenig verdaut und als stark zuckerhaltige Flüssigkeit in Tröpfchen wieder ausgeschieden.
Der abgesonderte süße Saft ist gerade das, was die Ameise liebt, und ihr habt vielleicht das Glück, die Gartenameise dabei zu beobachten, wie sie ihn zu gewinnen sucht. Sie kriecht hinter eine Blattlaus und streicht die Seiten derselben mit ihren Fühlern, so daß diese einen Tropfen Honig ausfließen läßt.
Sie hat noch eine Herde dieser „Honigkühe“ unter der Erde verborgen, wo ihr sie nicht sehen könnt. Sie trägt die Blattläuse in ihre Gänge und setzt sie auf Pflanzenwurzeln. Da sorgt sie für sie, als ob es ihre eigenen Larven wären und bringt deren Eier und Jungen durch den Winter, um sie im nächsten Frühling zu benutzen. In unserem Klima halten die Ameisen einen Winterschlaf, aber in wärmeren Ländern bleiben sie wach und sammeln Vorräte für die ungünstige Jahreszeit.
Wenn man das Nest einer Gartenameise ausgräbt und die Wurzeln, die man herausholt, sorgfältig betrachtet, so wird man wahrscheinlich einige Blattläuse darauf finden. Legt man die Wurzel wieder an dieselbe Stelle, so werden sich diese nicht beunruhigen, und die kleine Ameise wird ihre Honigkühe nicht verlieren.
Es gibt eine kleine gelbe Ameise, Wiesenameise genannt, die in großen Mengen auf der Heide und auf Wiesen lebt und keinen Stachel hat. Sie hält fast alle ihre Honigkühe unter der Erde und setzt sie auf Graswurzeln. Manchmal, wenn man ein Feld pflügt, durchschneidet man eins dieser Nester. Vorkommendenfalls haltet einen Augenblick an und beobachtet die Ameisen. Ihre erste Sorge gilt den Larven und Kokons. Aber sobald diese in Sicherheit sind, wird man sehen, wie sie die kleinen grünen Blattläuse ebenso sorgsam holen, als wenn es ihre eigenen Kinder wären.