Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit, 27. Band, 1880 Organ des Germanischen Museums
Part 8
Salzburgische Geschlechterstudien. II. Izling-Fischach-Bergheim-Radeck. Von Dr. F. V. Zillner. -- Die Faistelau und Kuchl-Georgenberg. Von Dr. Grinzinger. Mit Bemerkungen über die geognostischen Verhältnisse der Faistelau und ihrer Umgebung von Dr. C. Aberle. -- Ignaz von Kürsinger, k. k. landesfürstlicher Pfleger. Von Dr. Carl Ozlberger. -- Die Widemgüter in Salzburg. Von Dr. F. V. Zillner. -- Zur Geschichte des Erzbischofes Friedrich III. Von P. W. Hauthaler. -- Die Funde auf dem Dürenberg bei Hallein. Von Ed. Richter. -- Literaturbericht. -- Gesellschaftsangelegenheiten.
+Sitzungsberichte der philosophisch-philologischen und historischen Classe der k. b. Akademie der Wissenschaften zu München.+ 1879. Heft II-IV. München, 1879. 8.
Aufzeichnung Georg Schwartzerdt’s über den Bauernkrieg um Brettheim 1525. Von Würdinger. -- Kurprinz Josef Ferdinand von Bayern und die spanische Erbfolge. Von Heigel. -- Bemerkungen über Aventin’s Schrift „Türkenwarnung“ und „Römisches Kriegsregiment.“ Von v. Druffel. -- Zu Aventin’s Arbeiten in deutscher Sprache imgeh. Hausarchive. Von Rockinger.
+Sitzungsbericht der mathematisch-physikalischen Classe ders. Akademie.+ 1879. Heft II. München, 1879. 8.
+Abhandlungen der philosophisch-philologischen Classe ders. Akademie.+ Fünfzehnten Bandes erste Abtheilung. In der Reihe der Denkschriften der LII. Band. München, 1879. 4. 236 Seiten.
Zwei antike Elfenbeintafeln der k. Staats-Bibliothek in München. Von Wilhelm Meyer. (Mit Abbild.) -- Zur Quellenkunde des venezianischen Handels und Verkehrs... Von Gg. Martin Thomas.
+Abhandlungen der historischen Classe ders. Akademie.+ Vierzehnten Bandes dritte Abtheilung. In der Reihe der Denkschriften der LI. Band. München. 1879. 4.
Die letzten Jahre der Pfalzgräfin Elisabeth, Gemahlin Johann Casimirs. Von Dr. F. von Bezold. -- Ueber ältere Arbeiten zur baierischen und pfälzischen Geschichte im geheimen, Haus- und Staatsarchive. Von Dr. L. Rockinger. -- Cartular des Klosters Ebersberg. Aus dem Fundationsbuche des Klosters unter Erörterung der Abtreihe... herausg. von Friedr. Hector Grafen Hundt.
+Abhandlungen der mathematisch-physikalischen Classe ders. Akademie.+ Dreizehnten Bandes zweite Abtheilung. In der Reihe der Denkschriften der XLVIII. Band. München, 1879. 4.
+Allgemeine Deutsche Biographie.+ Herausgegeben durch die +historische Commission bei ders. Akademie+. Einundvierzigste bis fünfundvierzigste Lieferung. Leipzig, 1879. 8. Geringswald -- Gruber. 796 Seiten.
+Ueber Calderons Sibylle des Orients.+ Festrede, gehalten in der öffentlichen Sitzung der +k. b. Akademie der W.+... zur Feier ihres einhundertundzwanzigsten Stiftungstages am 28. März 1879 von Wilh. Meyer. München, 1879. 4.
+Sammel-Blatt des historischen Vereines in und für Ingolstadt.+ V. Heft. Ingolstadt. 1880. 8.
Regesten. Gesammelt von Fr. X. Ostermair. -- Beiträge zur Geschichte der Stadt Ingolstadt.
+Kunst und Gewerbe.+ Wochenschrift zur Förderung deutscher Kunst-Industrie. Herausgegeben vom +Bayrischen Gewerbemuseum zu Nürnberg+. Redigirt von Dr. O. von Schorn. Vierzehnter Jahrgang, 1880; Nr. 1-4. Nürnberg, 1880. 8.
Hans Vredeman de Vries. Von O. von S. -- Entstehung und Entwickelung der Kunstindustrie in Dänemark. -- Die Kunstarbeiten in Leder. -- Kleine Nachrichten. -- Literatur etc. -- Abbildungen: Entwürfe von Vredeman de Vries. -- Aus der Sammlung der Handzeichnungen der Ufficien in Florenz. Silberner vergoldeter Pokal aus dem 16. Jhdt. -- Buchdecke vom 16. Jhdt. -- Doppel-Pokal von G. Wechter. -- Entwurf eines Wandleuchters vom Ende des 17. Jhdts. -- Pokal von Virgil Solis. -- Gewandmuster. Nach einem Gemälde von J. Burgmair. -- Flasche von Gg. Wechter. --
+Mittheilungen des Bayrischen Gewerbemuseums zu Nürnberg.+ Beiblatt zur Wochenschrift: Kunst und Gewerbe. Redigirt von Dr. O. von Schorn. Siebenter Jahrgang, 1880, Nr. 1 und 2. Bekanntmachungen. -- Anzeigen etc.
+Blätter für Münzfreunde.+ Numismatische Zeitung. Organ des +Münzforscher-Vereins+. Herausgegeben von H. Grote. Sechzehnter Jahrgang. Nr. 81. 1. Januar 1880. 8.
Gemeinschafts-Münzen König Sigmunds und Herzog Adolfs von Berg. -- Schlüsselheller des Grafen Ludwig von Stolberg zu Königstein. Von Paul Joseph. -- Literatur etc.
+Baltische Studien.+ Herausgegeben von +der Gesellschaft für pommerische Geschichte und Alterthumskunde+. Dreißigster Jahrgang. Erstes Heft. Stettin, 1880. 8.
Cöslin und die letzten Caminer Bischöfe aus herzoglichem Stamme. Von Dr. Rudolf Hanncke. -- Wanderung eines fahrenden Schülers durch Pommern und Meklenburg. Von von Bülow. -- 42. Jahresbericht der Gesellschaft.
Literatur.
_Neu erschienene Werke._
1) +Historischer und beschreibender Catalog der königlich Bayerischen Schatzkammer zu München+ von +Dr. Emil v. Schauß+, Schatzmeister des kgl. Hausschatzes ... München, 1879. Druck des lit. Instituts von Dr. M. Huttler. IX u. 441 Stn. 8.
Das Buch, welches hier vor uns liegt, ist so vortrefflich, daß eine lange Einleitung zur Besprechung desselben ungerechtfertigt erscheint; und doch kann Referent dieselbe ohne eine solche um persönlicher Gründe willen nicht vor den Leser bringen, indem gerade dieses Buch ihn an so manches andere erinnert, das er nicht besprochen, und ihn nöthigt, die Gründe anzuführen, weshalb letzteres nicht geschehen ist. Ein schlechtes Buch wird nicht besser, wenn es auch von freundlicher Kritik noch so rasch und ausgiebig gelobt wird, ein gutes verliert nicht, wenn es auch zu eingehender Studien bedürfte, als daß die Kritik so leichtweg darauf eingehen könnte, wie dies gemeinhin geschieht, ja geschehen muß, wenn der Kritiker allen neuen Erscheinungen auch nur der speciellen Fachliteratur rasch genug nachkommen soll, um Autoren und vor allem Verleger zu befriedigen, denen freilich meist mit wenigen Worten genügt ist, die geschäftlich zu verwerthen sind. Deshalb ist es Sitte geworden, nur über die neuesten Erscheinungen der Literatur zu sprechen, und doch wie Vieles bleibt unerwähnt, weil zu eingehenden Studien keine Zeit ist, wie Vieles könnte über ältere Bücher geschrieben werden, wenn es Sitte wäre, auf dieselben einzugehen, und sie ihrem Inhalte, wie ihrer Form nach zum Gegenstande literarischer Abhandlungen zu machen.
Wir kommen zu diesen Betrachtungen, indem wir die Leser dieses Blattes auf einige Kataloge neueren Datums von historischen, Kunst- und kunstgewerblichen Werken aufmerksam machen wollen und uns dabei sagen müssen, daß wir dies auch schon früher bei so manchem andern hätten thun können, ja daß ein Rückblick auf die gesammte Katalogliteratur der beiden letzten Jahrzehnte wol uns mancher Arbeit gerecht werden lassen müßte, die nicht blos für den Tag ihren Werth hatte, an welchem sie ans Licht trat. Die Katalogliteratur hat in der That Werke aufzuweisen, die mehr Belehrung geben, als viele wissenschaftliche Werke, abgesehen davon, daß sie die treueste und sicherste Statistik der Kunstdenkmale aufstellt und uns die Fülle des Werkes so recht zeigt, die wir als Belege für kunstgeschichtliche Thesen und Hypothesen vorführen können, die Fülle der Originalquellen, an denen wir unsere Studien machen können.
Wiederholt schon dachten wir daran, im Zusammenhange über die Katalogliteratur zu sprechen, wenn einzelne schöne und interessante Kataloge auf unserem Tische lagen; aber ehe jemand, der nicht blos seinen Studien zu leben hat, sondern mannigfaltig ins Leben eingreifen und in seinem Berufe thätig sein muß, auch nur ernstlich darüber nachdenken kann, sind die neuen Erscheinungen durch andere neuere auf dem Tische bedeckt, das Material mehrt sich, nicht aber die Arbeitskraft zur Bewältigung desselben; man will die neuen nicht behandeln ohne die vorhergehenden, um auch diesen gerecht zu werden, und endlich werden sie alle zur Seite gestellt. Wie lange lagen seiner Zeit die interessanten Kataloge auf unserem Tische, welche Hofrath Lehner in Sigmaringen über die einzelnen Abtheilungen der fürstlich hohenzoller’schen Kunstsammlungen ausgearbeitet hatte, und in denen der Reichthum derselben, ins Einzelne aufgezählt, sich spiegelte. Wie oft sind dieselben inzwischen zur Hand genommen worden, um Einzelnes zum Vergleiche zu suchen und zu finden, wenn die Arbeit uns auf irgend welches Feld führte, weil ja stets Parallelen in der fürstlichen Sammlung zu finden waren. Aber weil es an Zeit zu jener beabsichtigten zusammenhängenden Arbeit gebrach, blieben sie liegen, um endlich in der Bibliothek ihren Platz zu finden, ohne daß wir auf sie aufmerksam gemacht hätten. Und ähnlich bei vielen anderen. Wenn wir heute den Katalog der Schatzkammer zu München besprechen, so fällt uns der zwar kurz, aber vortrefflich abgefaßte und mit lehrreichen Erläuterungen versehene der Wiener Schatzkammer ein, der lange auf unserem Tische lag, weil er in dem Gange der betreffenden Literatur eine hervorragende Stelle einnimmt. Wir können aber nicht fortdauernd über die neueren Erscheinungen schweigen, blos, um nicht den Schein auf uns zu laden, daß wir seiner Zeit frühere nicht gewürdigt hätten, weil wir nicht darüber geschrieben.
Es ist freilich eine lange Einleitung geworden, sie mag indessen für manchen andern Fall auch gelten. Wir müßten nun eingehender und weitläufiger über das Buch sprechen, dessen Titel als Ueberschrift für diese Zeilen zu gelten hat, als der Raum unseres Blattes gestattet, wenn wir unser Referat mit der langen Einleitung in richtiges Verhältniß bringen wollten. In der That würde dazu auch der Inhalt einladen, denn das Buch nimmt unter den Katalogen eine hervorragende Stellung ein, sowohl durch den kostbaren Inhalt der Schatzkammer, wie durch die gediegene Behandlung.
Der Verfasser gibt zunächst in der Einleitung eine Geschichte der Schatzkammer von dem Dekrete Herzog Albrecht’s IV. und seiner Gemahlin Anna vom Jahre 1565 an, worin diese über die Erb- und Hauskleinodien Verfügung treffen, bis zur neuesten Zeit, indem er insbesondere auch der hervorragenden Kunstthätigkeit am bayerischen Hofe zur Zeit des 16. und 17. Jahrhdts. eingehende Schilderung, auf urkundliche Forschungen gegründet, zu Theil werden läßt und mehrere wichtige Schriftstücke ihrem ganzen Umfange nach mittheilt, auch durch Auszüge aus den Rechnungen alle Namen von ungefähr 180 Goldschmieden aufführt, die für den bayerischen Hof gearbeitet haben und, mit wenigen dem Schlusse des 17. und dem 18. Jahrhundert angehörigen Ausnahmen, in die Zeit von 1550-1650 fallen. Meist waren es in München ansäßige Meister, sowohl zünftige, als zum Hofgesinde gehörige, deren Geburtsstätten weit in der Welt zerstreut sind, ein Beweis, daß jede tüchtige Kraft in München ihr Fortkommen fand. Aber auch die Augsburger Meister lieferten manches schöne Stück; mehr als ein Drittel der genannten sind Augsburger Meister, während von Nürnberg außer Wenzel Jamitzer nur noch einer, Hans Lenker, genannt wird.
Den Inhalt der Schatzkammer beschreibt sodann der Verfasser Stück um Stück nach den 12 Schränken und 3 Kästchen, in denen sie aufbewahrt sind, um mit den wenigen größeren Stücken zu schließen, die nicht in besonderen Behältern verschlossen sind. Es ist nur zu bedauern, daß von den vielen Stücken, die in den alten Inventarien, in Schenkungsurkunden und Rechnungen erwähnt sind, so wenige sich heute noch unter den vorhandenen Stücken nachweisen lassen. Doch genügen diese wenigen, um interessante kunstgeschichtliche Schlüsse zu ziehen. Der Verfasser begnügt sich jedoch damit nicht. Anknüpfend an einzelne Stücke gibt er auch die vollständige Geschichte des Entwicklungsganges jeder Technik, wie die Geschichte der Kenntniß und Werthschätzung der kostbaren Materialien, ja selbst des Gebrauches solcher Geräthe und Gefäße, von denen die Schatzkammer einzelne Stücke besitzt.
Dem inneren Werth des Buches entspricht die Ausstattung. Aus der Huttlerschen Offizin hervorgegangen, ist sie musterhaft in Bezug auf sorgfältige Ausführung, wie geschmackvolles Arrangement.
A. E.
2) +Gruppe X der Mustersammlung des Bayrischen Gewerbemuseums zu Nürnberg. Arbeiten aus Metall mit den Rohprodukten und Werkzeugen.+ Nürnberg, Fr. Korn’sche Verlagsbuchhandlung. 1880.
Die Mustersammlung des bayrischen Gewerbemuseums umfaßt kunstgewerbliche Arbeiten aller Art aus den verschiedenen Zeiten und Ländern. Sie ist in 12 Gruppen gegliedert, deren jede zugleich die Rohprodukte, die in den Handel kommenden Halbfabrikate, die Werkzeuge und das Verfahren der Herstellung ihrer Arbeiten enthalten soll. Die zehnte dieser Gruppen enthält sämmtliche Arbeiten aus Metall. Eine Einleitung gibt zunächst eine kurzgefaßte Geschichte der Metalle, eine Uebersicht über Vorkommen und Gewinnung derselben und ihre Bearbeitung. Hierauf folgt die Beschreibung der Werkzeuge zur Bearbeitung. Das Verzeichniß der Gegenstände ist gegliedert nach den Unterabtheilungen: Gefäße, Geräthe, Waffen, Uhren und Glocken, Schmuck, Architektur, Bildnerarbeiten. Jede Gruppe ist wiederum durch eine kursorisch alle Zeiten und Länder umfassende historische Abhandlung eingeleitet, sodann folgen die Gegenstände nach den einzelnen Metallen, in jeder solchen Reihe aber chronologisch, geordnet. Den Schluß bildet die Serie der Halbfabrikate und Rohprodukte, sowie jene der Werkzeuge. Jeder einzelne Gegenstand ist sorgfältig und genau beschrieben, wichtige Stücke sind abgebildet. Schöne Typen, reiche Ausstattung mit Kopfleisten und Schlußvignetten und sorgfältiger Druck zeichnen auch diesen Katalog, wie alle vom bayrischen Gewerbemuseum herausgegebenen Druckschriften aus.
A. E.
3) +Die vier Bücher von der Nachfolge Christi. Aus dem Lateinischen nach der besten Ausgabe der ehrwürdigen Väter Mauriner, Benedictiner-Ordens, neu übersetzt von Pater Cölestin Wolfsgruber+ ..... Gedruckt und verlegt vom literarischen Institut von Dr. M. Huttler in Augsburg. 1880. VII u. 547 Stn. kl. 8.
4) +Das neue Kochbuch für das deutsche Haus von Frau Anna Oppre.+ Verlag der Kranzfelder’schen Buchhandlung. Augsburg, 1879. Druck des literarischen Instituts von Dr. M. Huttler in München. 386 Stn. 8.
Die Zusammenstellung der beiden Titel ebenso, wie des Inhalts der Bücher macht sofort klar, daß, wer an dieser Stelle darüber sprechen will, nicht den Inhalt ins Auge faßt; in der That könnten wir den Lobpreisungen, deren sich die Nachfolge Christi seit Jahrhunderten erfreut, nichts beifügen und über den Werth moderner Kochrezepte steht uns kein Urtheil zu. Wir wollen gar nicht über den Inhalt der Bücher sprechen, noch unsere Leser auf diesen aufmerksam machen, sondern fassen ausschließlich nur die Ausstattung ins Auge. Noch vor nicht langer Zeit war es allerdings unmöglich, über solche bei irgend einem Preßerzeugnisse zu sprechen, und als dann bei Recensionen die Sitte aufkam, am Schlusse mit wenigen Worten der anständigen Ausstattung zu gedenken, da schüttelten Manche den Kopf in der Meinung, daß die Ausstattung vollkommen gleichgültig wäre. Dieser Gleichgültigkeit hatten wir es zu danken, daß das Druckergewerbe sich so lange nicht aufraffen konnte, um wieder Druckerkunst zu werden, was es im ersten Jahrhunderte seines Daseins in solch hohem Grade war. Allerdings ist in Bezug auf die Vorzüge des Inhalts die Ausstattung gleichgültig, nicht aber in Bezug auf die Pflicht gegen den Leser. Wir dürfen nicht sagen, daß blos ein gutes Buch das Recht auf gute äußere Erscheinung hat; was sich einem Leser nähert, hat die Pflicht, in anständigem Gewande zu ihm zu kommen. Nichts kann mehr zur künstlerischen Erziehung der Menschen beitragen als künstlerisch gelungene Ausstattung dessen, was die Massen am meisten zur Hand nehmen. Da nun dazu die Erzeugnisse der Presse gehören, so hat diese die Aufgabe, dahin mitzuwirken, daß Geschmack und Schönheitssinn der Menge angeregt und gehoben werde. Es liegt darin ein Stück Volkserziehung, und von diesem Standpunkte aus hat nicht blos der Leser ein Recht zu verlangen, daß sein Auge nicht durch Geschmacklosigkeit beleidigt werde, es hat die öffentliche Wohlfahrt ein Recht, schöne Ausstattung jener Druckerzeugnisse zu fordern, die den Volksmassen in die Hände gegeben werden und charakteristische Theile unserer ganzen Kultur sind. Wie auf allen Gebieten dies heute verlangt wird, wie ja auch thatsächlich auf allen Gebieten sich das Bestreben da und dort, freilich noch immer mehr oder weniger vereinzelt, kund gibt, solchen Anforderungen zu entsprechen, ist bekannt. Den anfangs sehr vereinzelten Bestrebungen auf dem Gebiete des Buchdruckes folgen immer mehrere, und es ist die Huttler’sche Druckerei, die gegenwärtig neben der Hirt’schen in München sich viele Mühe gibt. So auch in der Ausstattung der beiden oben genannten Werke. Das Kochbuch, in kräftiger Schwabacher Schrift auf gelbliches Papier gedruckt, mit rothen Ueberschriften und Initialen, ist mit einem dazu passenden Titelblatte in Barockstil ausgestattet und bietet so den Damen aller Stände Anregung, zu der der elegante Einband nicht wenig beiträgt, welcher mit Benützung der Zeichnung des Titelblattes hergestellt ist.
Die Schrift des Gebetbuches knüpft an die Missalschriften vom Ende des 15. Jahrhunderts an und ist zwischen rothe Linien gedruckt. Diese Schrift macht einen ebenso ruhig ernsten als echt künstlerischen Eindruck durch die Kraft und Gleichmäßigkeit des Schriftkörpers und das Verhältniß des Körpers zu den Zwischenräumen, so daß in der That, auch ohne den Schmuck der Initialen und trotz der Schwierigkeit, welche die durch das kleine Format bedingte Kürze der Zeilen dem regelmäßigen Satz mit großen Typen bereitet, ein wirklicher Genuß bei Betrachtung des schönen, gleichmäßigen Druckes geboten wird. Der innern Ausstattung entspricht auch der einfach schöne Lederband und das nach einem Muster des Mittelalters hergestellte Vorsetzpapier.
Wenn wir aber uns freuen dürfen, daß das Buchdruckergewerbe sich wieder zur Kunst erhebt, so danken wir dies den geschichtlichen Studien und ihrer Vertiefung, die sich nun nicht mehr begnügen, an der Vorzeit nur gewisse Seiten zu erforschen, sondern alle Beziehungen, insbesondere auch die Formen der äußeren Erscheinung beachten und auf diese Weise auch den Bestrebungen zur Veredelung unserer Gegenwart durch das mächtig wirkende Element des Schönen den Boden bereiten.
A. E.
Vermischte Nachrichten.
20) Herr Maler Bracht zu Carlsruhe ist in diesem Herbst bei archäologischer Durchsuchung einer Höhle bei Gerolstein in der Eifel, des sogenannten Buchenlochs, auf interessante Verhältnisse und Funde gestoßen. Die 18 Meter tiefe Höhle mit 2 Zugängen, mehreren Winkeln, Pfeilern und Gängen erwies sich als zur römischen Zeit andauernd bewohnt. Diese Benutzung hat eine Kulturschicht von 7-10 Centimeter Stärke hervorgebracht, welche erfüllt ist mit den Scherben aller Arten römischen Geschirres und kleiner Geräthe und durch die Zeit mit einer ganz ebenen, ebenso dicken Lehmschicht überdeckt worden ist. Die geringen Funde dieser Periode, Bronzering, Knochennadel, eiserne Zange und Nägel etc., werfen nur ein spärliches Licht auf die damaligen Bewohner der Höhle, und es wird dies dadurch nicht klarer, daß neben dem römischen Geschirr auch massenhafte Scherben anderen Charakters vorkommen -- rohe und feinere -- theils mit germanischer Verzierungsweise.
Wichtiger sind indessen die Zeugnisse aus den tieferen Bodenschichten, rothem Lehm mit Stücken des anstehenden Dolomitkalks und mit Dolomitsand vermengt; dieselben stellen den Menschen dar als gleichzeitigen Bewohner der Eifel mit dem Elephanten, Nashorn, Höhlenbären, Riesenhirsch, Rennthier, Pferd und anderen, welche aus dem Knochenmaterial erst durch sachkundige Hand festgestellt werden können. Herr Bracht fand in unberührter Lage die Knochen, Zähne, Geweihe und Hufknochen zusammen mit den Zerklopfsteinen von Quarz, welche zum Zerschlagen der Röhrknochen gedient haben; dabei als einziges, sorgfältig von Menschenhand hergestelltes Werkzeug mehrere knöcherne Pfriemen, wozu noch allenfalls zu rechnen sind einige rohe Geräthe, welche theils als Messer, theils als Marklöffel gedient zu haben scheinen.
Aus der Lage und den Verhältnissen der Höhle geht unzweifelhaft hervor, daß die Theile der betreffenden Thiere nur direct in die Höhle gelangt sein können, daß der Mensch sie zu seiner Nahrung oder Benutzung hineinbrachte und dann die Reste in die Winkel warf, nachdem die Markknochen mit wenigen Ausnahmen aufgeschlagen worden waren. Die Fundstücke gelangen in das Provinzialmuseum zu Trier, dessen Direktor, Herr Dr. Hettner, es übernommen hat, die Ausgrabung ganz zu Ende zu führen, da Herr Bracht nicht länger in Gerolstein bleiben konnte.
(Correspondenzblatt d. Ges.-Ver. d. d. Geschichts- und Alterthumsvereine, Nr. 12.)
21) Auf der Feldmark von +Groß-Lichterfelde+ haben die Herren Professor Dr. Schottmüller und Baumeister Schuffenheimer aus Zehlendorf +altwendische Begräbnißplätze+ aufgefunden. Die Ausgrabungen fanden unter Aufsicht genannter beiden Herren statt; leider waren nur noch wenige Gräber vollkommen erhalten. Einige waren von einem Steinwall umgeben, bei anderen war derselbe zertrümmert; man hatte die Steine bereits vor sieben Jahren behufs Pflasterung der Straßenanlagen von Lichterfelde ausgegraben. Es fanden sich Bronzeringe und Pfeilspitzen vor, außerdem mit Asche und Knochenresten angefüllte Urnen, die jedoch an der Luft zerbröckelten. Neuerdings ist man einem anderen Begräbnißplatz auf der Spur, und sollen die eventuellen Nachgrabungen in der nächsten Woche stattfinden. Die gefundenen Gegenstände sind dem märkischen Museum überwiesen worden.
(Correspondenzblatt d. Ges.-Ver. d. d. Geschichts- u. Alterthumsvereine, Nr. 12.)
22) Fr. Plaut berichtet in seinem „Führer durch Meran und dessen Umgebung“ (Meran, 1879), Seite 119: „Auf dem Sinnichkopf seien uralte, äußerst interessante Reste eines Befestigungsbaues deutlich sichtbar. Die Cyclopenmauern deuten vorrömische Zeit an.“ Eine genauere Besichtigung ergab, daß wir es mit einem wirklichen Bauwerke dieser Art zu thun haben. Es ist diese Entdeckung um so werthvoller, da wir in Tirol wol römische Grabstätten und Hünengräber besitzen, aber +nur einen+ vorrömischen Bau auf dem Sinnichkopf. Wir hoffen, daß weitere Nachforschungen gepflogen und Nachgrabungen veranlaßt werden.
Z.
23) In der Pfarrkirche Partschins bei Meran sind werthvolle Fresken aus dem 16. Jahrh. entdeckt worden. Ein sehr gut componiertes Bild, das letzte Gericht vorstellend, wurde aber wieder übertüncht.
Z.
24) +Donaueschingen.+ Beim Sprengen eines Felsens, auf dem die Kirnberger Burgruine steht, wurde ein Verlies geöffnet, in welchem sich viele Menschenknochen und eine Anzahl von Folterwerkzeugen vorfanden.
(Schwarzw. Bote, Nr. 39.)
25) In der Bibliothek des kärntnerischen Geschichtsvereins zu Klagenfurt ist durch den Archivar Janku ein interessanter Fund gemacht worden. Ein Pergamentblatt, das bisher die Außenseite eines Buchdeckels bildete, zeigte sich, nachdem es sorgfältig von der Pappe losgelöst worden war, auf beiden Seiten beschrieben und weist in je vier Colonnen gegen 330 Verszeilen auf. Sie enthalten zwei Abschnitte aus Ottokar’s von Horneck (Ottokar von Steiermark) Reimchronik.
(Augsbg. Postztg., Nr. 12.)
26) Dr. Oswald Zingerle fand in Brixen eine Papierhandschrift des 15. Jahrhunderts, die unter Anderem ein Gedicht „Der sêlen rât“ enthält. Dies Lehrgedicht gehört aber noch dem 13. Jahrhundert an und zählt zu dem Besten der didaktischen Dichtung jener Zeit. Leider ist es nur Fragment, zählt jedoch 6000 Verse. Als Verfasser nennt sich am Schlusse „Bruoder Heinrich von Burgûs“ (Burgeis im Vinstgau). Aus den Stellen, worin er gegen das üppige Leben der Klöster, sowie gegen die Gleisnerei und Erwerbsucht der Einsiedler eifert, geht hervor, daß Heinrich dem Orden des heiligen Franciscus angehört habe. Oswald Zingerle wird eine kritische Ausgabe veranstalten.
(Beilage z. Augsb. Postzeit., Nr. 10.)