Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit, 27. Band, 1880 Organ des Germanischen Museums
Part 43
157) Die Sammlung älterer Malereien, die, obwohl mehrfach in Werken früherer Zeit ihrem inneren Werthe nach gewürdigt, doch in ganz vernachläßigtem Zustande, bis zur Unkenntlichkeit mit Rauch und Staub überzogen, sich bisher auf dem sogenannten Marter- (richtiger wol Märtyrer-) Chore der Marien- oder Oberkirche zu Frankfurt a. O. untergebracht fand, ist endlich durch den statistisch-historischen Verein der genannten Stadt, der unter der kundigen und thätigen Vorstandschaft des Prorectors +Schwarze+, sich die größten Verdienste um die Geschichte und die Alterthumsdenkmäler Frankfurts erwirbt, hervorgezogen und wird durch Maler Mühle gereinigt und in schonender Weise restauriert. Die Sammlung mit einer Stückzahl von etwa 40 Bildern verschiedenster Größe enthält keineswegs blos kirchliche Darstellungen; sie ist offenbar von mehreren Orten zusammengetragen und ohne anderen Zweck aufgestellt, als um die einzelnen Stücke vor dem unmittelbaren Untergange zu bewahren. Es kommen darunter ziemlich viele Porträte vor, welche, vom 16. bis in das 18. Jahrhdt. reichend, interessante Beispiele zur Kostümgeschichte liefern und noch aus der späteren Zeit werthvolle Malereien aufweisen. Die ältesten reichen bis in das Ende des 15. oder den Anfang des 16. Jahrhunderts zurück. Unter ihnen fällt namentlich ein umfangreiches Rosenkranzbild in schön geschnitztem, gothischem Rahmen auf. Etwas jünger ist ein großes Todtentanzbild, das zugleich als Kostümstück hohes Interesse bietet. Ueberhaupt sind in den älteren Malereien allegorisierende Beziehungen mit Vorliebe betont und haben neben den legendarischen Darstellungen zu märchenhaften, wie in der Sage von den dankbaren Todten, oder zu genreartigen, wie in der Begegnung der Blockflöten tragenden Musikanten mit dem büßenden Hiob, Anlaß gegeben, der in jener Zeit selten wiederkehrt und gewiß die Aufmerksamkeit der Kunstforscher verdient. In den Mittheilungen des genannten Vereines werden die wichtigsten dieser Gemälde behandelt werden; leider fehlt es in Frankfurt an jeder Oertlichkeit, wo dieselben nach ihrer Restauration entsprechend aufgestellt und weiteren Kreisen zugänglich gemacht werden könnten.
+von Eye.+
158) In Fetzelhofen bei Höchstadt a. A. machte ein Oekonom einen Münzfund. Derselbe befand sich angeblich in einer eisernen Kiste und besteht aus ca. 11000 Stück sog. Schwarzpfennigen aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Es sind dabei, soviel ersichtlich, namentlich Henneberg, Mainz und Würzburg vertreten. Das kgl. Münzkabinet in München steht mit dem Finder in Kaufunterhandlung.
G.
159) In +Leonberg+ (bei Regensburg) ist ein kleiner Münzfund gemacht worden. Derselbe besteht aus ca. 100 Schwarzpfennigen oder Denaren des 14. Jahrhunderts und sind dabei: 50 Regensburger Herzogsmünzen, 40 Regensburger Conventionsmünzen vom Herzog und Bischof, 7 Rupert von Amberg und ein Böhme.
G.
Verantwortliche Redaction: Dr. +A. Essenwein+. Dr. +G. K. Frommann+.
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.
Gedruckt bei +U. E. Sebald+ in Nürnberg.
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ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS.
1880. Nº 12. Dezember.
Wissenschaftliche Mittheilungen.
Die sieben Planeten. Darstellungen vom Beginne des 16. Jahrh.
Die interessantesten Darstellungen aus dem profanen Leben des Mittelalters sind sicher jene, welche uns nicht blos die höheren Stände, sondern auch das Leben des gemeinen Volkes vor Augen führen. Davon haben wir vorzugsweise in den Darstellungen der Monate und den Beschäftigungen während des Laufes derselben sogar aus ziemlich früher Zeit monumentale, plastische und gemalte Darstellungen. Auch die Kalender nahmen diese Bilder auf und setzen sie bis auf unsere Zeit fort. Man hatte aber auch vom Einfluß der Gestirne nicht blos auf die Geschicke, sondern auch auf die Thätigkeiten eine große Meinung, so daß aus dem Schlusse des Mittelalters interessante Darstellungen auf uns gekommen sind, welche uns die Thätigkeit der Menschen unter dem Einflusse der sieben Planeten, welche ja auch den Tagen der Woche die Namen gegeben, also gewissermaßen die sieben Wochentage vor Augen führen. Die interessanteste Reihe ist gewiß jene, welche in dem kostbaren Manuscripte im Besitze Sr. Durchl. des Fürsten von Wolfegg-Waldsee sich befindet, das vom germanischen Museum unter dem Titel „Mittelalterliches Hausbuch“ veröffentlicht worden ist.
Von großem Interesse ist aber der Vergleich einer um etwa 50 Jahre jüngeren Serie, die denselben Gedanken behandelt, und die wir hier in getreuen Reproduktionen, auf die Hälfte der Originale verkleinert, folgen lassen. Die Originale, sieben Holzschnitte, befinden sich in der Kupferstichsammlung des germanischen Museums. Passavant, dessen Reihenfolge wir hier festhalten, führt diese Blätter als Arbeiten Hans Sebald Beham’s an und gibt ihnen die Nummern 181-187 unter den Holzschnitten dieses Meisters. Er kennt die Exemplare aus Berlin und Gotha und sagt, daß auch spätere, ohne die Verse, vorkommen. Unsere Exemplare, welche nach der Sorgfalt, mit der sie abgezogen sind, Probedrucke zu sein scheinen, zeigen in den Versen einige Abweichungen von Passavants Angaben; auch fehlt auf dem ersten Blatte die dort gegebene Adresse des Illuministen Albrecht Glockendon mit dem Datum des 1. August 1531. Die Umrahmung ist bei allen sieben Blättern die gleiche. Sie scheint bei allen von demselben Stocke abgezogen, welcher als Passepartout für die sämmtlichen einzelnen Stöcke mit den bildlichen Darstellungen diente. Man dachte bei der Anfertigung offenbar an ein Zusammenkleben der Blätter, so daß die halbe Säule zu jeder Seite mit jener des Nachbarbildes eine ganze ergeben sollte.
Es wird wol nicht nöthig sein, unsere Leser im Einzelnen auf die verschiedenen Thätigkeiten aufmerksam zu machen, die sich hier entfalten: wie der Sonntag dem Gottesdienst und der Erholung geweiht ist, wo wir das Volk beim Steinwerfen, Springen, Ringen und Fechten sehen, während die vornehme Gesellschaft dem Volke nur zusieht und sich mit Gesang und Saitenspiel unterhält; wie uns die Wochentage Fischfang, Ackerbau, das Speisen der Bettler, die Gerechtigkeitspflege, die Thätigkeit in den Werkstätten der Künstler und Handwerker wie im Studierzimmer der Gelehrten, die Jagd und eine Kaiserkrönung, dann aber auch den Krieg mit Raub und Plünderung und seinen sonstigen Schrecken, also Freude und Leid des gesammten Lebens vor Augen führen. Es ist nicht nöthig, im Einzelnen auf die Fülle der Motive aufmerksam zu machen, welche dem Künstler für seine dekorativen Zwecke zur Verfügung standen, wie er uns über die Tracht und das Benehmen aller Stände vom Kaiser bis zum Bettler aufklärt, wie er in der Personifikation der Gestirne die antike Mythologie auffaßt und zur Darstellung bringt. Die Leser werden selbst die Beiträge zur Geschichte der Musikinstrumente, des Mobiliars, der Waffen, vor allem aber das Gesammtbild, wie sich Stadt und Land im Beginne des 16. Jahrh. darstellten, erkennen.
+Nürnberg.+ A. +Essenwein+.
Inventarium der Gerkammer des Domes zu Brandenburg a. H.
(Schluß.)
H.
1. Drey Bücher mit Silber beschlagen.
2. Eine Biblia mit Silber beschlagen vnd
3. Eine weiß klein Leinwandt, Casell sambt zweyen Diacon-Rögken mit schwartzem Attlas die Casell belegt.
Dieser Zettel war über einen andern, gleichfalls mit rothem H bezeichneten, von derselben Hand geschriebenen geklebt, der also lautet:
1. Drey Bücher mit silbern beschlagen, das Eine geringe und die andern beide mit Cristellen versetzt[291].
2. Ein Roht kussen, darauff das Heilige Evangelium getragen worden von Roten sammet und Attlaß.
3. Etzliche Alte Corporalia vnd tucher so zur Administration des Altaris gehörig.
4. Eine Greiffen Clawe mit Messing gefasset.
5. Ein weiß leinwandt Casell vnd zweyen Diacon Rogken, die Casel mit schwartzem Atlaß beleget.
6. Etzliche Exemplaria von dem Newen Liede der Juden [unbekannt].
I.
1. Ein Roht krauss gulden stugk[292] mit zweyen Diaconen Rogken ohne Creutz an den seiten gruen[293].......
(C. 14 u. D. 22. 23.)
2. Ein Roht gulden stugk mit zweyen Diacon Rogken, haben Lewen Köpfe verguldete knopffe vnd queste...
(C. 12. u. D. 20. 21.)
3. Ein kirschbrune sammet Casell mit der gesellschaft,[294] ist gulden stugk (C. 13.)
4. Ein gruen gulden stugk ohne Creutz (C. 11.)
5. Ein gelbseiden stugk mit einem Perlin Creutz gezieret (C. 6?)
6. Eine Kasell von gulden thuech ohne Creutz, so zum Berge gewesen, Herr Borgsdorff[295] Dechant hat aber der kirchen daselbst ein gelb Tammaschen mit einem gulden Creutz, wider hinaußgethan, welche dem Stiffte zustendig und im spind[296] E zu sehen.
K.
1. Ein Roht sammet Casell mit frioz (?) das Creutz gestigket vnd derselben forma zwey Diacon Rögke (C. 7. D. 14. 15.)
2. Ein Viol-Blaw sammet Casell mit einem guldin Creutz mit Perlen gestigket, sampt zweyen Diacon Rogken, mit verguldeten lowenkopffen vnd queste (C. 9. D. 18. 19.)
3. Ein gruen sammet Casell mit einem seiden Creutz vnd zweyen Diacon Rogken (C. 8. D. 16. 17.)
4. Ein Roht geblühmet sammet Casell, die Diacon Rogke sind in G. zu finden (C. 10.)
+Chorkappen im L.+[297]
1. Ein Roht Gulden stugk mit einem gedreyeten Knopff vnd Roht Seiden quast[298] (P. 15.)
2. Ein Roht sammit stugk, vorn mit Petri vnd Pauli Bildnis von Silber (P. 13?)
3. Zwey Roht sammet stugk mit gedreyeten Knöpffen (eins davon P. 14.)
4. Zwey bunte Tammaschen Blue vnd Goldegelb mit guldin Borten[299] vnd Bildern auch gedreyeten Knöpffen (P. 4. 5.)
5. Zwey bunte weiß schwartz Roht eingesprenget mit verguldeten Knöpffen (eins P. 12.)
6. Ein Roht Attlas mit einem Spitz gestrichelten Knopfflein Eim Christell vnd Rotem quast.
7. Zwei Rohte Tammaschen mit schwartzem Sammet gebrehmet[300] (eins P. 6.)
8. Ein Mahn Blaw Tammaschen darauff Bischoff Bredow Wappen[301]
9. Ein Weiss Tammaschen mit vorguldeten Borten vff dem Uberschlage[302] ein Marien Bilde (P. 1.)
M.
hat ohne Zweifel gleichfalls zu einer Truhe für Chorkappen gehört, die unbezeichnet noch vorhanden ist, ist aber abgerissen.
N (ebenfalls in einer Truhe).
1. Ein braun seiden Attlas mit Zindel[303] gefüttert.
2. Ein schwartz Attlas.
3. Ein Roht Attlas alle tegig.
4. Ein weiss Tammaschen alle tegig.
Æ (ist wieder ein Schrank).
1. Ein Antependium mit 12 großen vndt 39 kleinen Spengelein,[304] auch zweyen vorguldeten Seulen.
2. Ein ander Antependium mit 19 großen vnd 101 kleinen Spengelein.
3. Ein Roht Sammit mit zweyen Aposteln roht vnd gruen eingesprenget.
4. Ein Roht Attlas vnd zwey roht Seyden Pulpettücher.[305]
5. Ein weis silber Stuck.[306]
6. Ein Weis Seyden Stuck mit gulden Löwen.
7. Ein Ascherfarb, etwas mit gelber seyden eingewirckt.
8. Ein grungulden Stuck so man hie bevohr zur Cantzel gebraucht.
9. Ein Altarthuech von Herrn Samuel von Bredow Thum-Probsten[307] von wegen des grabe thuches ist vorne mit gedringe.
10. Ein Grabe thuech H. Caspar Flansen des Elttern[308] ist Welsch Leinewandt.
11. Ein Altartuch Welscher Leinewandt vndt mit geklippel Werk[309] von H. Johan von Cläden[310] Haußfrau seligen Begrebnus.
12. Zwey Stücklein welscher Leinewandt H. Johann von Clöden Kinderlein seligen Grabethücher.
13. Ein Grabethuch von Welscher Leinewandt H. Caspar Flansen des Jüngern seligen.
14. Zwey Leichtücher gemeiner Leinewandt von H. Ernsten von Borgßdorff Dechandt vnd seiner Hausfraw beyder seligen begrebnus.
15. Ein Grabethuch gemeiner Leinewandt Valtin von Lindow seligen.
16. Ein Leichtuch gemeiner Leinewandt von Bertram von Bredow Hausfrawen seligen.
17. Ein Grabetuch, Herrn Valtin Pfueln Dechant[311] seligen, gemeiner Leinewandt.
18. Ein Grabtuch Herrn Baltzern von Döberitz[312] seligen von newer Welscher Leinewandt.
Unter einigen von diesen Zetteln haben sich nach ihrer Loslösung andere Zettel gefunden, welche statt der rothen mit schwarzen großen latein. Buchstaben signiert sind und offenbar eine wesentlich ältere Handschrift aufweisen. Möglicherweise gehören sie einem nach Einführung des evangelischen Kultus 1544 aufgenommenen Verzeichnisse an; viel älter dürften sie nach dem Charakter der Schrift nicht sein. Mit wenigen Ausnahmen lassen die in ihnen aufgeführten Stücke sich in dem roth signierten Verzeichnisse nachweisen und sind die betreffenden Parallelen am Schlusse der Zeilen des folgenden Abdrucks angemerkt.
H (befand sich unter F).
1. Ein Mahn blau Tammaschen Cassel mit eim guldin Creutz vnd zweyen Diacon Rogken deßelbenn (vgl. E. 1.)
~seide~ 2) Ein -weiss Tammaschen Cassel mit eim guldin Creutz sambt zweyen Diacon rocken desselben (vgl. E. 2.)
3. Ein rohtt seiden Cassell vnd zweyen Diacon rocken mit golde eingesprengett vnd mit gruenen Carteck gefuttert (vgl. G. 3.)
I (befand sich unter dem zweiten rothen H).
1. Ein viola braun Attlaß Cassel mit zweyen Diacon rocken haben vergoldete gedreigte Knopfe (vgl. F. 3.)
2. Ein gelb vnd ein gruen Carteck Diacon rock mit bunten seiden franßen (vgl. E. 4.)
3. Ein viola braun schamlott sampt zweien Diacon rocken ohne Creutz (vgl. F. 4.)
P (befand sich unter D; an Stelle der rothen O und P mögen die Abtheilungen des Schrankes Æ getreten sein).
1. Ein rohtt gulden stuck vngefuttert vf des probstes seite[313].
2. Ein rohttgulden stuck vf den Ecken ettwas (oder: Attlas?) gefuttert. Decanj seite.
3. Ein weiss seiden stuck mit guldin Lowen (vgl. Æ. 6).
4. Ein weiss seiden geblühmett.
5. Ein weiß Charteck ist ettwas zurissen.
6. Ein ascherfarbe ettwas mit gelber seiden eingewirckett (vgl. Æ 7.)
7. Ein rohtt vnd gelb seiden ist gar gering.
+Loburg.+ E. +Wernicke+.
Hechlinger Rechtsalterthum.
Das nachfolgende Schriftstück ist mir von Herrn +Pfarrer Bauer+ in Hechlingen mitgetheilt und, wie derselbe nach der Hand urtheilt, von einem Pfarrer Braun zu Hechlingen zwischen 1620-31 geschrieben. Das Einzelblatt ist in Fasc. 1^{b}, Fach Nr. 8 der Hechlinger Pfarrregistratur eingeheftet, die Schrift mehr in Folge des ursprünglich schlechten Schreibmaterials als durch äußere Einflüsse an einigen Stellen unleserlich geworden.
Auß einem alten monumento so ich von Ahaußen (_Auhausen_) bekommen, sequentia desumpta.
1) Zu Hechling ist alte Ehehaft der Markgrefischen Brandenburgischen Herrschaft zu Feld und zu Dorf, Frevel und Einnung, klein und groß, Holzeinung, wie sie die von Hohentruding[314] setzen, hoch oder nider; vnd ein Holzwart soll den Grafen von Oting vnterthan sein, vnd soll der Herrschaft zu Hohentruding geloben vnd schweren, wie sich denn geburt, vnd waz er ruget im Holz.... in der...[315] anzeigen[316]; vnd sind (_nämlich die Strafen_) der Herrschaft Brandenburg vnd der Grafen nicht.
2) Item Brandenburg vnd Oting hatt jeder ein Nider gericht (_oder gerecht_),.....[317] vmb nichten zu rechten haben denn[318] wenn eins den andern vmb Schuld beklagt, vnd sonst vmb nichten. Waz ander sachen furfallen mochten sollen vor dem Markgrefischen Gericht gerechtfertigt werden, es sei vmb frevel oder Einnung vnd vmb ander vnrecht: das hat ein Herschaft zu Hohentruding zu straffen, vnd die Grafen nicht: denn waz uff der Grafen Guetern (hie ist ein verkehrt verdunkelt Wort gestanden, so ich nicht lesen oder aussinnen können) (_etwa freveler_) handlungen durch ihre Leut geschicht mogen sie straffen.
3) Item, es mag ein Vogt von Hohentruding einigen uff waz Herren Gutern die sein, die feilschaft oder feile sachen haben uff ziehen, die Leineweber, welcher unrecht erfunden wurd, vnd die Grafen nicht.
4) Hechling ist ein frey dorff gewest. Hatt aber die Herschaft Brandenburg einen Armen Man gehabt, der inß Holz gefahren und in der Markung Holz gehauen. Do haben sich die von Hechling unterstanden den markgrefischen Man zu tod zu schlagen.
Darauff Brandenburg von ihnen begert so schwer golt als der Mann gewest. Hechling aber hatt sich Brandenburg dahin bewilliget der Frevel Einung zu Feld und zu Dorff, innerhalb vnd auserhalb der Ettern[319] in ewige unwidersprechliche Zeit volgen zu lassen, ohne aller menniglicher Fürsten und Hern widersprechen.
5) Item es mag ein Vogt die Mühl besichtigen und soll nehmen einen Heller strik und ein Knopf dran machen und ziehen zwischen dem stein und der Zargen im Lauff, damit die Richtmaß erfunden werde und gemacht. Und welche unrecht erfunden hatt die Herschaft Brandenburg zu straffen und anderst keine, sei wer sie woll.
6) Item, wenn einer ein Messer zeucht, ist verfallen der Herschaft 30 ₰ -- wenn einer den andern wund schlegt, (_ist_) der Herrschaft verfallen 72 ₰ -- und den (_dem_, _den_) er verwundet auch alß vil.
Item wenn einer den andern beklagt rechtlich, und nicht erscheint, ist das erste Recht verfallen der Herschaft 25 ₰, das andere Recht 1 [Pfund], das dritte Recht 2 [Pfund], das vierte Recht soll ihm das Endrecht verkundet sein. Bleibt er auß, so hat klager ein gewunnen Recht laut seiner zugelegten Klag.
+G. Baist.+
Sprüche aus Stammbüchern des 16. und 17. Jahrh.
Wer im Lentzen spatzieren geht, Vnnd in dem Sommer Fische feht, Auch in dem Herbst nach Vogeln dut Stelln, Hatt Verderbt manchen guten gselln.
Ein Hauß dir bawe vor alle Ding, Darnach ein ehelich Weib Drein nimb, Zum dritten, Ochsen, schaff vnnd Vieh (Viech), So wirstu voll ernehren dich. (Nürnberg, 1592.)
Trag Geddult vnnd Leid Got wendt all Ding zu seiner Zeit.
O Mensch hab acht, Die Stund Betracht, Daran der thodt, Bricht ein mit noth, zu keiner frist Du sicher Bist. (Augsburg, 1593.)
Welcher Ein Apfel Schält vnd den nitt Ist, Ein Junckhfraw Herczt vnd sie nit Kist, Hatt wein vnd Schenckht nit Ein, Das mag Ein fauler Schelm sein.
Alle Zeitt frölich Ist Vnnmüglich. (Augsburg, 16. Jahrh.)
Wer teglich lieget inn Lueder vnnd aus der Schißl firt gros fueder, Der weiss for fyll nicht, was er thut, wie kan sein sach dan bleiben guet?
Der Mensch mus haben seine freüt, drum soll er sich Iben alzeit Erleicher Kurtzweil, doch das nicht aus Er mach alltag ein handtwerckh draus, Vnd als mit mas geschehen soll, Sonsts seine sach nicht stehen woll. (17. Jahrh.)
Welchem nach herschafft ist sehr gach, Vnnd im die Knecht lest thretten nach Vnnd thut ein guet gewant außschneiden, Der mus zuletzt selb Armut leidenn. O Mensch schaughe mißig vnd flich Der gsellen, so Junckher heissen dich, Dann sie nur solches thun darumen, Kleider vnnd Cost von dir bekhummen Vnd wan du nicht mehr kanst hottenn[320] Gehn sie dauon thun deiner spotten. (17. Jahrh.)
Ein fromm fraw mit frölichem mut, Vnnd die ir Hauß hat wol inn Hut, Vnnd die Gott Liebt vnnd iren mann, Die tregt wol auff der Ehren kron.
Wenn man ein einfeltigen betreügt vnnd wenn man auf ein fromes Leügt Feindschafft zwischen Eeleuten macht, Dieser Arbeit der Teuffel Lacht (17. Jahrh.)
Frisch vnd frey, Keinn Heller dabey, Ehrlich frisch vnd from Ist mein Reichthumb. Drey ding mehr dann gifft schädtlich seindtt Böser Gesell arg Weib vnd falscher freundt. (Leipzig, 1612.)
In der Kirchen andechtigk In der schulen fleissigk Zu Hoffe Prechtigk In sachen Richtigk Bey herren fürsichtigk Am tische fröligk Im Ratte freundligk Bey Jungfrawen liebligk Wehr diese stücke alle helt Gott vndt Menschen wolgefelt. (Königsberg, 1612.),
Ein Schweinen Braten kalt Ein Jungfrau 18 Jahr alt Wer diese Speis nicht mag Den Hohl S. Veltin vff den Newen Jahrstag. (1627.)
Lieblichenn Geruch, schmack, Wärme, vndt schein, Soll haben ein außerwehlter Wein.
Ohn schöne frauwen, vndt guten Wein, Kann selten Jemandt frölich sein. (1627.)
Lieb ist so ein geferlich Giefft, Wan sie Zwey Junger Hertzen drifft, Da dringt sie durch Marck vnd Bein, Wie der Donner durch Stal vnd Stein, Biß sie Erlangt was sie Erwelt Oder sie selbst zu Todte Quelt. (Nürnberg, 1629.)
Wan Nicht Wehren, Weiber vnd Wein Was Wolt deß Menschen Leben sein.
Wer Bey einer Junkfrau Sitz, vnd die nicht Kist. [Einen] Apffel Schelt, vnd den nicht Isst. [Hat gu]ten Wein, vnd Schenckht nicht Ein. [Das mu]ß ein Grosser Narre Sein. (Nürnberg, 1629.)
Halte frid mit Jederman weil es immer sein Kan Kan es dann nit anderst sein so schlage mit Beeden Feusten drein. (Nürnberg, 1632.)
Die Stammbücher, welchen diese und die in Nr. 11 mitgetheilten Sprüche entnommen sind, befinden sich im k. k. Museum für Kunst und Industrie zu Wien unter Nr. 1825, 1925, 1928 und 1929.
+Stockerau+ in Niederösterreich. C. M. +Blaas+.
Verantwortliche Redaction: Dr. +A. Essenwein+. Dr. +G. K. Frommann+.
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.
Gedruckt bei +U. E. Sebald+ in Nürnberg.
Mit einer Beilage.
BEILAGE ZUM ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.
1880. Nº 12. December.
Chronik des germanischen Museums.
+Nürnberg+, den 21. December 1880.