Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit, 27. Band, 1880 Organ des Germanischen Museums
Part 42
+Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins.+ Zweiter Band, 3. u. 4. Heft. Aachen, 1880. 8.
Die Herren von Schwarz-Bongard. Von E. v. Oidtmann. -- Das Verbrüderungs- und Todtenbuch der Abtei M. Gladbach. von Dr. G. Eckertz. -- Ungedruckte Weisthümer aus dem Jülichschen. Von Wilhelm Grafen von Mirbach. -- Herzogenrath, Hauptort der sogen. freien Herrlichkeit gleichen Namens. Von Joh. Jak. Michel. (Schluß.) -- Kleinere Mittheilungen etc.
+Correspondenzblatt des Gesammtvereins der deutschen Geschichts- und Alterthumsvereine.+ Herausgegeben von dem Verwaltungsausschusse dess. in Darmstadt. Achtundzwanzigster Jahrgang. Nr. 6-8. Juni-August. 4. Mit einer Beilage.
Die Kapelle an dem Ort, wo Meister Konrad erschlagen wurde. Von Ernst Wörner. (Mit Abbild.) -- Ein Goldfund. -- Mittelalterliche Frauen-Siegel. Von F. K. (Mit Abbildungen.) -- Ueber mittelaltrige Ortsbefestigungen, Landwehren, Warten und Paßsperren mit besonderer Berücksichtigung auf die hessischen und angrenzenden Territorien. Von E. Wörner und M. Heckmann. (Mit Abbild.) -- Angelegenheiten des Gesammtvereins. -- Wirksamkeit der einzelnen Vereine. -- Notizen.
+Correspondenzblatt der deutschen Archive.+ Organ für die Archive Mittel-Europa’s. III. Jahrg. Nr. 3-7. Weimar, Juli-November. 1880. 8.
Chronologisches Verzeichniß der in den Noten zu Sudendorffs Urkundenbuch der Herzoge von Braunschweig und Lüneburg publicirten Urkunden. -- Die historischen Collectaneen im Rudolstädter „geh. Archive.“ Von Dr. Anemüller. (Schl.) -- Die Erlachfrage. Ein Nachtrag. Von Dr. v. Gonzenbach. -- Das Nassauer Urkundenbuch. -- Künstlerisches im Weimarischen Gesammt-Archive. -- Ein archivalisch-bibliothekarisches Kuriosum. Von Dr. Fr. Leist. -- Personalia. -- Literatur. -- Notizen. -- Correspondenzen. -- Kleinere Mittheilungen.
+Neue Mittheilungen aus dem Gebiet histor.-antiquar. Forschungen.+ Im Namen des.... +Thüringisch-Sächs. Vereins für Erforschung des vaterländ. Alterthums u. Erhaltung s. Denkmale+ hrsg. von Dr. J. O. Opel. Band XV, 1. Halle. 1880. 8.
Ein Beitrag zur Geschichte des Neuen Stiftes zu Halle (1519-1541). Von P. Wolters. -- Der Name der Stadt Eisenach. Von Prof. Witzschel. - Heraldica spuria. Von G. A. v. Mülverstedt. -- Chronikalische Aufzeichnungen zur Geschichte der Stadt Halle vom J. 1464-1512. Von Dr. Wachter. -- Das Augustinerkloster in Sangerhausen. Von Clemens Menzel. -- Acta varia Erfurtina inedita. Von W. Schum. -- Privilegium des Raths zu Merseburg v. Jahre 1569. Von J. O. Opel. -- Die untergegangenen Dörfer im Kreise Zeitz. Von Rothe. -- Miscellen. -- Protocoll der V. u. VI. Sitzung der histor. Commission der Provinz Sachsen. -- Vereinsangelegenheiten.
+Mittheilungen des Alterthumsvereins zu Plauen i. V.+ Jahresschrift auf die J. 1875-80. Herausg. v. Joh. Müller. Planen, 1880. 8.
Urkunden und Urkundenauszüge zur Geschichte Plauens und des Vogtlandes v. J. 1122-1302. Von J. Müller. -- Bemerkungen zu der ältesten Plauen betreffenden Urkunde v. J. 1122. Von Dr. J. Alberti. -- Die Kirche zu Kürbitz. Von E. Waldow. -- Die Anfänge des Schulwesens in Plauen. Von J. Müller. -- Vereinsangelegenheiten.
+Mittheilungen des Vereins für Geschichts- und Alterthumskunde zu Kahla und Roda.+ Zweiten Bandes 2. Heft. Kahla, 1880. 8.
Beiträge zur Adelsgeschlechterkunde des Saalkreises. Von V. Lommer. (Forts. 46-89). -- Die Kirchenvisitation im Westkreise unseres Herzogthums im Jahre 1529. Von E. Löbe. -- Beitrag zur Geschichte derer von Lichtenhain. Von Dr. Löbe. -- Mittheilungen über den Restaurationsbau der Kirche zu Klosterlausnitz. Von A. Schierholz. (Mit 2 Tafeln Abbild.) -- Ueber das Schulwesen der Ephorie Orlamünde um das Jahr 1672. Von E. Fink. --
+Blätter für Münzfreunde.+ Numismatische Zeitung. Organ des +Münzforscher-Vereins+. Herausgegeben von H. Grote. Sechzehnter Jahrgang. Nr. 88. Oktober 1880. Leipzig. 4. Mit 1 lithogr. Tafel.
Münze des Sabinianus, eines vergessenen römischen Kaisers. Von Dr. Dethier. (Schl.) -- Unedirte Münzen Johann’s des blinden, Königs von Böhmen, Grafen von Luxemburg, Nachahmung des Double-Parisis Karls IV., Königs von Frankreich. Von Leo Germain. (Mit Abbild.) -- Literatur. -- Miscellen. -- Berichtigungen zu H. Grote: Stammtafeln.
+Baltische Studien.+ Herausgegeben von der +Gesellschaft für Pommer’sche Geschichte und Alterthumskunde+. Dreißigster Jahrgang. Drittes und viertes Heft. Stettin, 1880. 8.
Ein drohender Kosakeneinfall, 1625. Mitgeth. von Dr. von Bülow. -- Die allgemeine deutsche Biographie und Pommern. Von dems. -- Geschichte der Apotheke in Barth. Von dems. -- Der Grabhügel bei Staffelde und das Dorf Delne. Von A. Vogel. (Mit Abbildg.) -- Beiträge zur Geschichte von Pölitz im dreißigj. Kriege. Von v. Bülow. -- Lieferungen zum Hofhalt Wallensteins. Von dems. -- Zweiundvierzigster Jahresbericht. III. u. IV. Zur Geschichte des pommer’schen Schulwesens. Von v. Bülow.
+Der deutsche Herold.+ Zeitschrift für Heraldik, Sphragistik und Genealogie. Organ des Vereins „+Herold+“ in Berlin. XI. Jahrg. 1880. Berlin, 1880. 4. Mit dem Beiblatte Nr. 9.
Vereinsangelegenheiten. -- Ausstellung von Gegenständen, welche auf das Haus Nassau-Oranien und auf Wappen, Geschlechter und Siegelkunde im Allgemeinen Bezug haben, unter der... Protection S. M. des Königs der Niederlande im Gothischen Saale zu Haag. -- Zur Genealogie der Familie von Krusemark. Von Gg. S. -- Literatur. -- Miscellen.
+Jahrbuch des historischen Vereins des Kantons Glarus.+ Siebenzehntes Heft. Zürich und Glarus, 1880. 8.
Vereinsangelegenheiten. -- Dr. Joachim Heer sel. als Historiker. Von Dr. F. Dinner. -- Camerarius Joh. Jak. Tschudi, vornehmlich als Geschichtsforscher. Von Dr. J. Wichser. -- Miscelle. -- Urkundensammlung zur Geschichte des Kantons Glarus. Von Dr. J. Blumer. (Forts. u. Schluß; Nr. 236 bis und mit Nr. 245.)
Literatur.
_Neu erschienene Werke._
16) +Deutsche Pilgerreisen nach dem heiligen Lande+, herausgegeben und erläutert von +Reinhold Röhricht+ und +Heinrich Meisner+. Berlin, Weidmann’sche Buchhandlung, 1880.
Es erscheint mir geboten und gerecht, gerade in dieser Zeitschrift ein Werk für weitere Kreise einzuführen, welches sowohl durch seinen Inhalt an sich, als durch die beigefügten Erörterungen und Erläuterungen, Zeugnisse gründlichen Fleißes und emsigen Ernstes, einen schätzbaren Beitrag zur Kunde deutscher Vorzeit liefert, und zwar aus einem Zeitalter und zu Vorgängen, welche nicht eben besonders dort berücksichtigt werden, wo für Bearbeitung vaterländischer Geschichtsquellen reiche Mittel gewährt sind, wo also der historische Sinn von Einzelnen, selbstlos und mit eigenen Opfern, sich der Wissenschaft zu Diensten stellt.
Das vorliegende Werk reiht sich ebenbürtig an die schönen Leistungen, welche in den letzten Jahren durch die „Société de l’Orient Latin“ gefördert worden sind, und verdient als ein sehr zeitgemäßes und zugleich gediegenes Unternehmen offenes Lob.
Nicht weniger als 23 deutsche Pilgerreisen von 1346-1588 sind hier gesammelt und vollständig oder im wesentlichen Belang auf kritischer Basis des überlieferten Textes wiedergegeben; eine historische Einleitung gibt dazu sachgemäse und kundige Führung.
Man beurtheilt heutzutage die Reiseschilderungen jener Periode viel richtiger als früher; man erkennt, wie in vielen derselben mehr einfache Wahrheit über die Völker, Länder, Städte, ihre Sitten und Gebräuche enthalten ist, als in den oft durch Parteisucht getrübten Chronisten. So erscheinen auch diese Pilgerschriften gar merkwürdig für unser Vaterland, wie für das Ausland und die weite Fremde; insbesondere liegt für den deutschen Adel und die deutschen Städte, Niederdeutschlands so gut wie Oberdeutschlands, Manches darinnen, was dem Geschlechte und der Gemeinde noch jetzt im Andenken tüchtiger Vorfahren zur Ehre gereicht.
Den Texten der Pilgerschriften schließt sich ein Pilgerkatalog an, d. h. ein Verzeichniß der wichtigsten deutschen Pilger, welche von 1300-1600 nach dem heiligen Lande gegangen sind -- eine dankenwerthe, mit den nöthigen Rückweisen ausgestattete Zusammenstellung.
Daß die Herausgeber das „unschätzbare Werk“ von Titus Tobler, von welchem mit Recht im Vorwort ausgesagt wird, daß er die Palästinographie zu einer der griechischen und römischen Alterthumskunde gleichberechtigten Disciplin zu erheben suchte, -- daß sie seine „Bibliographia geographica Palaestinae“, Leipzig 1867, von da an bis 1877 durch eine ansehnliche, auf ebendieselbe zurückweisende Ergänzung und Fortsetzung auszubauen sich bemühten (S. 547-648), muß eigens hervorgehoben werden. Ich mache dabei bekannt, daß ich das Handexemplar Toblers besitze, daß dieses fast durchgehends mit Berichtigungen, Erweiterungen, Ein- und Nachträgen angefüllt ist, welche nach Hunderten zählen; denn bis ans Ende seiner Tage suchte der seltene Mann und sammelte er auch für die Arbeit, an welcher, wie er mir d. d. Horn am 23. Juli 1867 schrieb, „1001 Schweißtropfen und Gänsehautberge kleben.“ Dieser Erbschatz müßte bei einer Erneuerung des Werkes mit in Verwendung gebracht werden.
Nur eine Bemerkung möge hier Platz finden, in Betreff der Mittheilung, welche ich Herrn Röhricht über die Behörde gemacht habe, welche in Venedig die Pilger-Contracte abzuschließen hatte, (vgl. S. 14 und 15 der Einleitung). Diese sogenannten „Cataveri“, auch „Avogadori de intus“ genannt, waren eine ganz besondere Fiscalbehörde, errichtet am 26. Juni 1280. Es waren nach dem von mir am 8. Februar 1879 eingesehenen Capitolare: „tres homines qui teneantur inquirere et scire omnes intratas et expensas comunis per singulum et possint et debeant esse ad omnia consilia quae fient pro expendere sive dare aut donare aliquo modo havere comunis.“ Zu ihrer Controle gehörte auch die Aufsicht über die gesetzmäßigen Steuermänner, die Pedotti, sämmtlicher Venedig anlaufender Schiffe. Daher wol auch ihre Aufsicht bei jenen Miethcontracten der Palästinafahrer. -- Nach einem Beschluß vom 13. Juni 1518, welchen ich in jenen Tagen mir aus dem „Capitolare de cinque Savij alla Mercantia“ angemerkt habe, war es früher herkömmlich, alle Jahre eine Galeere für die Pilgerfahrten zu vergeben; dies solle wieder geschehen. Es wird dabei auf die Bestimmungen des Officium der Cataveri hingewiesen. Vielleicht entdeckt man noch Weiteres.
+München.+ G. M. +Thomas+.
Vermischte Nachrichten.
142) Einer der interessantesten Funde, die seit einem Dezennium in der Pfalz gemacht wurden, hat sich bei einer baulichen Veränderung am Bahnhofe zu Kirchheim a. d. Eck ergeben, indem sich in ½ met. tiefem, kalkreichen Erdreiche ein Skelett in hockender Stellung vorfand, zu dessen Füßen im Grunde mehrere theils rohgeformte, theils sorgfältig bearbeitete Gefäße standen, und auf dessen Brust eine Steinaxt lag. In einem ausführlichen Berichte der Palatina Nr. 88 wird die Aehnlichkeit mit dem Monsheimer Funde dargelegt und auseinandergesetzt, daß hier wol der älteste Fund aus der Pfalz vorliege, da die mit Verzierungen versehenen Gefäße und das sorgfältig bearbeitete Steinbeil dem 6. Jhdt. v. Chr. angehören.
143) In der Gemarkung des Dorfes Rodau bei Zwingenberg wurde, wie die Darmstädter Zeitung in Nr. 294 mittheilt, eine Grabstätte aus sehr früher Zeit gefunden. Einen halben Meter unter der Erdoberfläche fanden sich Reste eines menschlichen Skelettes nebst Scherben von Thongefäßen primitivster Art und einem Instrumente aus Knochen innerhalb einer 20 cm. hohen, 1,10 Met. im Durchmesser haltenden, kreisrunden, von dem übrigen Erdreiche deutlich unterschiedenen Erdmasse, die sich durch ihre Mischung mit Kohlen und Asche sichtlich als Brandstätte erkennen ließ.
144) Aus dem Süderlande wird der „Ess. Ztg.“ geschrieben: „Wir können von einem seltenen Funde berichten, der in der Nähe von Altena gemacht ist. Bei Gelegenheit der Urbarmachung einer Waldparzelle nämlich wurde von einem Arbeitsmann ein durchbohrter und eigenthümlich gestalteter Stein gefunden und der Seltenheit wegen auch mit nach Hause genommen. Durch einen glücklichen Zufall gelangte die Nachricht von diesem Funde, der im Laufe des Sommers gemacht war, an den Vorstand des Museums in Altena, und es stellt sich nunmehr heraus, daß der aufgefundene Stein ein Artefakt, und zwar eine steinerne Streitaxt ist. Dieser Fund ist deshalb von außerordentlichem Interesse, weil bisher, soviel in Erfahrung hat gebracht werden können, ein derartiges Geräth im „Süderlande“ -- dem alten Wohnsitze der Sigambrer und dem südlichen Sitze des eingedrungenen Stammes der Sachsen -- nicht gefunden oder aufbewahrt ist. Diese Axt gehört nach der Art ihrer Bearbeitung der jüngeren Steinzeit an, reicht möglicherweise aber noch in die Zeit der Kämpfe der Sachsen gegen die Franken zur Zeit Widukinds, eine Annahme, die zulässig wenigstens erscheint, wenn man gewahrt, daß die „Steinzeit“ in hiesiger Gegend bis in unsere Tage in Gestalt der sogenannten „Gewichtsteine“ hineinragt. Auf manchem Wasserwerke nämlich unserer einsamen Thäler wird noch heute oder wurde bis vor kurzem der gezogene Draht oder das geschmiedete Eisen mit Gewichtstücken gewogen, die aus einem Stein zurechtgeschlagen sind.“
(Nordd. Allg. Ztg., Nr. 486.)
145) +Stade+, 13. Okt. (+Urnenfeld bei Hagen.+) Wie das hiesige „Tageblatt“ meldet, ist vor einigen Tagen in der Nähe der Ortschaft Hagen beim Baugewerk ein Urnenfeld entdeckt. Dasselbe befindet sich auf dem Hüttenberge, in dem früheren Wege von Hagen nach Sandstedt. Im Ganzen sind zwölf Urnen gefunden, alle in der Richtung von Südosten nach Nordwesten in Reihen, etwa 58 Centimeter tief im Boden stehend. Leider konnte keine einzige heil zu Tage gefördert werden, dagegen fanden sich in einigen recht werthvolle Bronzesachen, als: eine Bronzenadel von ausgezeichneter Arbeit, desgleichen eine Lanzenspitze und mehrere Bronzemesser. Sämmtliche Sachen sind von dem Lehrer Buerfeind in Besitz genommen, der sie dem Verein für Alterthumskunde in Stade einsenden wird.
(Weserztg. 12131.)
146) +Aachen+, 4. Oktober. Ein Beitrag zur Geschichte der römischen Ansiedlungen im Rheinlande ist durch die Aufdeckung einer +römischen Villa+ in der Nähe von Aachen im Monat September geliefert worden. Auf Veranlassung und unter Leitung des Konservators des Museumsvereins in Aachen, Hauptmann a. D. Berndt, wurde die Aufgrabung ausgeführt, nachdem schon 1876 im Propsteiwalde, nahe der Station Stolberg der rheinischen Eisenbahn, Stücke behauenen Sandsteines gefunden worden waren, welche vermuthen ließen, daß sich an Ort und Stelle vielleicht Baureste finden möchten. Die im Laufe des September vorgenommenen Grabungen legten Mauern eines römischen Baues in der Höhe von ½ bis 3 m. bloß, sodaß aus dem Grundriß der Umfassungsmauern deutlich die Anlage einer römischen Villa erkannt werden konnte. Das Baumaterial der Mauern -- behauener Kohlensandstein, in der Nähe des Platzes gebrochen --, der Mörtel, die Form der im Schutt gefundenen Ziegel, ein an mehreren Stellen aufgedeckter Estrich, Topfscherben mit römischen Stempeln und viele andere kleine Funde lassen jeden Zweifel schwinden, daß hier die Ueberbleibsel einer römischen Ansiedelung vorhanden sind. Auffallend stimmt auch die Größe der Anlage, welche 37 m. lang und 21 m. breit ist, mit den Maßen der Villa überein, welche südlich des Römerkastells, der Saalburg, bei Homburg gefunden worden ist. Die Ergebnisse scheinen bedeutend genug, um die völlige Bloßlegung der Villa zu unternehmen; da man aber bei einer Vergleichung der bisher bewegten und noch zu bewältigenden Bodenmenge zu der Ueberzeugung kommen mußte, daß vor Eintritt des Winters die Arbeit nicht beendigt sein könnte, so ist die Aufgrabung vorläufig bis zur Fortsetzung im nächsten Jahre eingestellt worden. Die bis jetzt bloßgelegten Mauern sind mit Reisig, Laub und Erde soweit wieder zugedeckt worden, daß ihnen durch Regen und Frost kein Schaden zugefügt werden kann.
(D. Reichsanz., Nr. 246, nach d. Köln. Ztg.)
147) +Bad Bertrich+, 22. Oktober. Bei Aushebung des Kellerraumes und der Fundamente behufs Neubau im Garten des Gastwirths Herrn J. Klerings (Drei Reichskronen) fand man unter alten Mauerresten römische Ziegel, Scherben von Krügen, Urnen und Vasen mit Reliefverzierung aus terra sigillata, ferner +Thierknochen+, +Hörner+ und +Eberzähne+, einige anscheinend goldene Spangen, sowie in geringer Tiefe 70 +Römermünzen+. 65 Stück sind wohlerhaltene Silbermünzen aus dem 1. und 2. Jahrh. Von fünf Kupfermünzen sind nur drei leserlich, nämlich je eine Urbs Roma, Gallienus und Postumus.
(Nordd. Allg. Ztg., Nr. 510, n. d. Köln. Volksztg.)
148) Im Herbst vorigen Jahres ist man in der Nähe von Loburg (Kreis Jerichow I., Prov. Sachsen), auf dem sogenannten Galgenberge beim Vorwerke Padegrim, beim Bohren nach Feldsteinen für den Chausseebau auf ein wendisches Gräberfeld gestoßen, das sich über mehrere Morgen erstreckt. Es ist eine große Anzahl Urnen, theils frei in der Erde, theils unter Feldsteinüberwölbungen stehend und in der mannigfachsten Weise theils mit Feldsteinen, theils mit Näpfen oder den Untertheilen zerschlagener Urnen, theils auch mit glatten Ziegelplatten zugedeckt, und von sehr verschiedenartigen Formen, auch mit Henkeln und Linearornamenten, freigelegt worden. In und bei einzelnen haben sich kleinere, wieder von sehr wechselnden Formentypen vorgefunden. Der Inhalt der entleerten Urnen erwies sich außer Knochenresten meist als ein sehr dürftiger, doch sind Lanzenspitzen aus Bronze und Knochen, Haarnadeln aus Bronze und Eisen, Spangen, Knöpfe und Ringe aus Bronze, zum Theil bei der Leichenverbrennung zusammengeschmolzen, festgestellt worden. Münzen, Messer und Schwerter haben sich nicht gefunden. Uebrigens ist die Aufgrabung nur eine ganz zufällige und gelegentliche gewesen und durch den Frost und die neue Bestellung des Feldstücks sistiert worden. Eine systematische Aufgrabung würde gewiß noch manches Bemerkenswerthe aufdecken. Kürzlich ist in die Hände des Einsenders auch ein auf der Feldmark der Stadt ausgegrabener Denar des Kaisers Hadrian gelangt, jedoch hat die Fundstelle nicht mehr für weitere Nachforschungen sicher nachgewiesen werden können.
E. W.
149) +Wien+, 28. Oktober. In dem kroatischen Seestädtchen +Buccari+ wurde durch Zufall ein +römischer Friedhof+ entdeckt. Auf dem Marktplatze der Stadt hatte sich nämlich unter den Tritten der Pferde die Erde etwas gesenkt, und es kamen Ziegel zum Vorscheine. Man forschte nach und entdeckte bald einige römische Grabmäler aus dem ersten und zweiten Jahrhundert. Nunmehr wurden die Nachgrabungen unter der Leitung des Direktors des kroatischen Museums fortgesetzt und bisher zwanzig Gräber aller Art gefunden. Man stieß dabei auf irdene Urnen aller Größen und Formen, gläserne Flaschen, Vasen, seltsam geformte Becher, kleinere Fläschchen, römische Münzen und wohlerhaltene Skelette. Im Augenblicke wartet man die Bewilligung eines größeren Betrages ab, um die Ausgrabungen fortsetzen zu können.
(Augsb. Postztg., Nr. 265.)
150) Die +Altofner Ausgrabungen+ haben am 26. v. M. einen wichtigen Fund zur Folge gehabt; es wurde nämlich im westlichen Theil des Amphitheaters ein Stein mit folgender Inschrift gefunden: „Deae Dianae Nemesi Augustae, honoribus C. Juli Victorini, equo publico, aedili II. virali et T. Flavio Luciano quinquennali II. virali, pontificibus quinquennalibus coloniae Aquinci, Pupilius Hylatianus Antestis numini eiusdem deae posuit V Kalendas Iulias, Aemiliano et Raso consulibus.“ Wie die Archäologen versichern, wiegt dieser Stein, auf dem die Munizipalverfassung des alten Anquincum ersichtlich ist, an Werth die bisherigen Funde auf.
(Nordd. Allgem. Zeitung, Nr. 492.)
151) +Kopenhagen+, 27. Oktober. Das +königliche Museum für die nordischen Alterthümer+ hat vor einiger Zeit eine 4½ Zoll hohe römische Bronze-Statuette des Jupiter erworben, die auf der Insel Fühnen beim Ausschachten eines Grabens gefunden worden ist. Jupiter ist nackt dargestellt, mit lockigem Haar und in kämpfender Haltung; der rechte Arm ist gekrümmt, und die Hand umschließt den Donnerkeil, der linke Arm ist schwach gekrümmt und ausgestreckt. Der linke Fuß steht etwas vor dem rechten, grad ausgestreckten. Die Stellung ist natürlich und frei; im Uebrigen läßt die Statuette erkennen, daß sie aus der Zeit des Verfalls der klassischen Kunst herstammt; dieselbe dürfte kaum älter sein als aus dem dritten Jahrhundert nach Chr. Allem Anschein nach ist die Figur ursprünglich auf einem Wagen angebracht gewesen, in vorgebogener Stellung die angespannten Pferde lenkend. Der Fund hat um deswillen großes Interesse, weil dergleichen römische Alterthümer auf der Insel Fühnen sehr selten sind.
(Deutsch. Reichsanzeiger, Nr. 255.)
152) Die wenigen frühchristlichen Grabschriften in der Mainzer Gegend haben durch Entdeckung eines weiteren, an der südöstlichen Ecke des Kirchthurms zu Kempten bei Bingen eingemauerten einen Zuwachs erhalten, über welchen in Nr. 306 der Darmsädter Ztg. berichtet wird.
153) In dem Verwaltungsbericht an den Bezirkstag von Lothringen, erstattet durch den kaiserlichen Bezirks-Präsidenten von Flottwell zu Metz im September d. J., wird, wie wir der „Els.-Lothr.-Ztg.“ entnehmen, auch der +Restaurationsarbeiten+ an der +Kathedrale+ zu +Metz+ gedacht. Das Project, welches die Bedachung in Form eines gleichseitigen Dreiecks zur Grundlage hat, ist jetzt ausgearbeitet und kommt in kürzester Frist zur Vorlage behufs definitiver Genehmigung. Die Untersuchungen bezüglich der Errichtung einer Thurmspitze auf dem Kapitelthurme sind abgeschlossen und haben ergeben, daß die Substruktionen des Kapitelthurmes derart unsolide sind, daß eine solche Spitze nicht errichtet werden kann. Es ist daher ins Auge gefaßt, an deren Stelle einen schlanken Dachreiter im Vierungspunkte, d. i. in der Kreuzung des Langhauses mit dem Querschiff, zu errichten. Der Kostenanschlag, welcher die Instandsetzung des Eckportales von oberhalb der Baldachinreihe bis zum oberen Abschluß umfaßt, ist inzwischen fertig gestellt und genehmigt worden und beläuft sich auf 42000 _M._ Die in Angriff genommenen Reparaturen und Erneuerungsarbeiten an den gemalten Glasfenstern an der Nordfront des nördlichen Transepts resp. die Ersetzung der vorhandenen gewöhnlichen Glasfenster durch Grisaillenfenster in den Seitenschiffen sind beendet, und es reiht sich an dieselben jetzt die Neuverglasung der übrigen Fenster im Chorumgang.
(Deutsch. Reichsanzeiger, Nr. 245.)
154) Viele Zeitungen bringen die erfreuliche Nachricht, daß die kgl. Regierung zu Danzig angewiesen worden ist, für die Wiederherstellung des Hochmeisterschlosses zu Marienburg, des glänzendsten deutschen Profanbaues aus dem Mittelalter, einleitende Schritte zu thun.
155) +Bielefeld+, 17. Oktober. Wir lesen in der „Ess. Ztg.“: Mit der +Restauration+ der bei unserer Stadt gelegenen +Burg Sparenberg+, welche in diesem Jahre wieder in den Besitz der Stadt übergegangen ist, hat man bereits begonnen. Die unansehnlichen Wirtschaftsgebäude, welche die herrliche Aussicht nur hinderten, sind abgebrochen, und die Parkanlagen in dem angrenzenden Terrain werden nach dem Plane des rühmlichst bekannten Gartenkünstlers Jürgens zu Hamburg ausgeführt. Da die Aussicht von dem Berge aus jedenfalls eine der schönsten von ganz Norddeutschland ist, so kann man annehmen, daß der schon jetzt beträchtliche Fremdenverkehr immer mehr zunehmen wird. In den Räumen der Burg selbst beabsichtigt der historische Verein ein Museum Ravensbergischer Alterthümer anzulegen.
(Nordd. Allgem. Zeitung, Nr. 492.)
156) Bei der Restauration eines geputzten Hintergebäudes ist in Frankfurt a. M. eine ganz in Holz geschnitzte Façade des 16. Jahrhunderts bloßgelegt worden. Die Fenster sind von Hermen flankiert; an einer dieser Hermen ist die Jahreszahl 1590, an dem in Stein gehauenen Portal die Zahl 1587 angebracht.
(Kunst u. Gewerbe, Nr. 46.)