Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit, 27. Band, 1880 Organ des Germanischen Museums

Part 4

Chapter 43,384 wordsPublic domain

Die lutherische Kirche in Moskau, eine Tochter der Hamburgischen Kirche. Von Dr. C. Mönckeberg. -- Ordnung des Gelages der Repergesellen am Johannis Krugtage. Mitgeth. von Dr. K. Koppmann. -- Die Statuen der Neun Besten im alten Rathhause Von dems. -- Napoleon und die Hansestädte im Herbst 1809. Von Dr. Ad. Wohlwill. -- Die Entstehung der Stadt Altona. Von E. H. Wichmann. -- Historisch-topogr. Beschreibung des Kirchspieles St. Petri. Von K. J. W. Wolters. -- Das Rathhaus in der Neustadt in Hamburg. Von Dr. C. Mönckeberg. -- Nachträge zur Geschichte des Eimbeck’schen Hauses nebst biographischen Mittheilungen über den Dichter Karl Gottlieb Prätzel. -- Von Dr. Ed. Meyer. -- Weitere Nachträge zur Geschichte des Eimbeck’schen Hauses. Von Dr. O. Benecke. -- Vereinsangelegenheiten.

+Verzeichniß+ der in der Zeitschrift +dess. Vereins+ Band I-VI enthaltenen Aufsätze. Im Auftrage des Vorstandes zusammengestellt von Dr. K. Koppmann. Hamburg, 1880. 8.

+Mittheilungen dess. Vereines.+ 2. Jahrgang. Nr. 10-12. August-October, 1879. 8.

Pfahlwerk am Anfange des ehemaligen Alster-Trave-Canals. Von J. F. Voigt u. J. Mestorf. -- Alte Pfahlsetzungen in Nordalbingien. Von ders. -- Die Drucker der Hamburger Drehorgellieder. Von F. A. Cropp. -- Johann Christian Cuno. I. Von K. Koppmann. II. Von F. A. Cropp. -- Die Winnungsbriefe im Hamburgischen Amte Ritzebüttel. Von J. F. Voigt. -- Zur Biographie des hansestädtischen Ministerresidenten Abel. Von Ad. Wohlwill. -- Weinzinse. Von K. Koppmann. -- Millernthor. Von dems. -- Der Feldzug der Schweden nach Holstein i. J. 1700. -- Zur hamburgischen Kunstgeschichte. Von C. Walther. -- Bücheranzeigen.

+Bericht+ des +Vereins für lübeck’sche Geschichte und Alterthumskunde+ über das Jahr 1877 und 1878. Lübeck. 4. u. 8.

+Verzeichniß von Abhandlungen+ und Notizen zur Geschichte Lübecks aus lübeckischen und hansischen Blättern, seinem Mitgliede Carl Friedr. Wehrmann, Staatsarchivar zu Lübeck ... zum Tage fünfundzwanzigjähriger Amtsthätigkeit.... überreicht von +demselben Vereine+... Lübeck, 1879. 8.

+Verzeichniß der Bibliothek und handschriftlichen Sammlungen+ des +Vereins für Geschichte und Landeskunde von Osnabrück+, in dessen Auftrage herausgegeben durch den Vereinssecretär Dr. H. Veltmann... Osnabrück... 1879. 8. 120 Seiten.

+Blätter zur näheren Kunde Westfalens.+ Organ des +histor. Vereins für das Herzogthum Westfalen.+ Herausgegeben von Dr. K. Tücking. XVII. Jahrg. 1879. 1.-4. Heft. Meschede,... A. Harmann. 8.

Die Rittersitze des Herzogthums Westfalen. Von Pieler. -- Zur Geschichte der Salinen und Erbsälzer zu Werl. Von Tücking. -- Das Richtergut bei Arnsberg. Von dems. -- Gut Allehof bei Freientrop im Amte Balve. -- Zur Geschichte des Stifts Geseke. -- Accise zu Schmalenberg. -- Burg und Stadt Neheim. Von Tücking. -- Studienstiftungen. -- Notizen. -- Der Churfürst und Erzbischof Maximilian Heinrich erlaubt den Kapuzinern in Rüden, eine Residenz und... einen vollständigen Convent ihres Ordens anzulegen. -- Bürgermeister und Rath zu Marsberg erneuern die ihm Jahre 1646 verbrannten älteren Statuten ihrer Stadt.

+Jahrbücher des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande.+ Heft LXVI. Bonn, 1879. 8.

Römische Heerstraßen zwischen Maas und Rhein. (Taf. I.) Von J. Schneider. (Schl.) -- Die Römerstraße von Mainz nach Coblenz. Von Eltester. -- Zum römischen Grenzwall in Deutschland. I. Nachtrag. Von E. Hübner. -- Antike Todtenmasken. I. Von dems. -- Beiträge zur vergleichenden Mythologie. Von K. Christ. -- Datirbare Inschriften aus dem Odenwalde und Mainthal. Von dems. -- Zwei Votivtafeln der Dea Icovellauna. (Taf. IV.) Von C. Bone. -- Die Grabsteine der legio secunda in Ober-Germanien. (Taf. II.) Von dems. -- Neue Römische Inschriften. (Taf. V.) Von J. Asbach. -- Römerstrassen. Von E. auss’m Weerth. -- Verschluß-Deckel röm. Gefäße. (Taf. IV.) Von dems. -- Ein Fund neuerer Münzen bei Bonn. Von F. v. Vleuten. -- Kleine Beiträge zur Numismatik. Von dems. -- Cornelimünster. Von E. Pauls. -- Literatur. -- Miscellen.

+Anzeiger für schweizerische Geschichte.+ Herausgegeben von der +allgemeinen geschichtsforschenden Gesellschaft der Schweiz+. Zehnter Jahrgang, (N. F.) 1879. Nr. 4. Solothurn, 1879. 8.

Gesellschaftsangelegenheiten. -- Zwei Notizen zur Continuatio Casuum s. Galli. Von Dr. G. Meyer von Knonau. -- Questions d’exégèse et d’histoire. Par P. Vaucher. -- Zur Basler Chronik des Nikolaus Gerung, genannt Blauenstein. I. Von Dr. Th. von Liebenau. -- Der Ring Karls des Kühnen. Geschenk des Chorherrn Schoch von Luzern an den Herzog Johann Galeazzo Maria Sforza von Mailand. I. II. Von Emil Motta. -- Die bürgerliche Reformation in Zürich. Von Dr. E. von Muralt. -- Histor. Preisaufgabe.

+Anzeiger für schweizerische Alterthumskunde. Indicateur d’antiquités Suisses.+ Zürich, Juli 1879. Nr. 3.

Gesellschaftsangelegenheiten. -- Münzfund im Rennweg, Zürich. Von Dr. Ferd. Keller. -- Ein Grabfund in Nidwalden. Von P. Martin Niederberger. -- Zur Baugeschichte des Basler Münsters. Von Dr. A. Burckhardt. -- Das Kreuz von Engelberg. Von J. R. Rahn. (Mit Abbild.). -- Façadenmalerei in der Schweiz. -- Kupferstecher Martin Martini. (Schl.) Von Dr. Th. v. Liebenau. -- Der Glasmaler-Monogrammist A. H. II. Hälfte des XVI. Jahrhunderts. Von Dr. H. Meyer-Zeller. -- Miscellen. -- Kleinere Nachrichten. -- Literatur.

+Jahrbuch des historischen Vereins des Kantons Glarus.+ Sechszehntes Heft. Zürich und Glarus, 1879. 8.

Vereinsangelegenheit. -- Die Gründung des Kapuzinerklosters in Näfels. Von Dr. N. Tschudi. -- Pasquill vom Jahre 1598. -- Die Wasserverherungen des 18. Jahrhunderts im Canton Glarus und die in denselben untergegangene evangelische Kirche in Linthal. Von D. Legler. -- Der alte Spital zu Glarus, seine Entstehung und seine Wirksamkeit bis zur Auflösung im Jahre 1852. Von Dr. N. Tschudi. -- Urkundensammlung zur Geschichte des Kantons Glarus Von Dr. J. Blumer. (Forts., Nr. 233 bis und mit Nr. 235).

Vermischte Nachrichten.

1) Noch immer birgt unser Boden eine Fülle von Schätzen, und wer die alle hätte, die im Schooße der Erde, sowie auf dem Grunde des Wassers ruhen, der hätte wohl das reichhaltigste Museum, das die Erde ziert! Allmonatlich suchen wir eine Chronik der gemachten Funde an dieser Stelle zu geben, die freilich höchst unvollständig ist, da so Vieles sich unserer Kenntnißnahme entzieht. Aber die Zahl der Funde wird nicht geringer, noch der Werth relativ unbedeutender. Wie groß ist nicht die Zahl der fort und fort gefundenen Münzen; wie viele Waffen und Hausgeräthe treten zu Tage, die einst unsere Vorfahren und deren Vorgänger auf dem heimischen Boden ihren geliebten Todten mit in das Grab gegeben haben! Wir bitten daher auch beim Beginne dieses Jahres alle Freunde des Museums, alle Leser dieses Blattes, sobald irgend ein Fund zu ihrer Kenntniß gelangt um gütige Mittheilung, sei es schriftliche ganz kurze Nachricht, sei es Uebersendung irgend einer Nummer eines Lokalblattes, das Kunde gibt. Es handelt sich für diese kurze Chronik nicht sowohl um eingehende wissenschaftliche Würdigung, welche vielmehr anderen Orten vorbehalten bleiben muß, als um kurze Andeutungen. Es ist uns nichts zu unbedeutend, und sollte irgend eine solche freundliche Nachricht nicht genügendes allgemeines Interesse haben, um sie im Anzeiger zum Abdrucke zu bringen, so ist sie uns doch willkommen genug, um die eigene Kenntniß zu mehren.

So lange solche freundliche Nachrichten uns nur vereinzelt zugehen, müssen sich die geehrten Leser mit der Fundchronik, auch unvollständig, wie sie ist, begnügen und entschuldigen, wenn wir dann und wann erst durch Nachträge sie über einzelne Funde in Kenntniß setzen. So bilden wir hier ein Bronzeschwert ab, welches im Frühjahre 1879 im Inn bei Kraiburg gefunden worden sein soll, und von dessen Auffindung wir erst durch einen Münchener Antiquitätenhändler Kenntniß erhielten. Das Stück, das sich durch besondere Länge -- 89 cm. -- auszeichnet, wurde für unsere Sammlung erworben.

2) +Bizfeld+, Oberamts Weinsberg, den 15. Jan. Vorigen Herbst machte ein hiesiger Bürger einen interessanten +Fund+. Auf seinem Acker (ca. 4 km westlich von Oehringen, nahe an der von da nach Heilbronn führenden Straße gelegen) schaffte er beim Pflügen ein +Schwert+ ans Tageslicht. Dieses ist zweischneidig, 4 cm breit und sammt dem Griff 61 cm lang. Lezterer allein ist 10 cm lang und hat 8 Nieten mittelst deren die Schale angeheftet war. Das Schwert ist mit Grünspan überzogen und zeigt an abgeschliffenen oder angefeilten Stellen einen schönen goldgelben Glanz.

(Schwarzw. Bote, Nr. 15.)

3) +Zürich+, 8. Januar. Auf der „Hafner“ geheißenen Untiefe im +Zürichsee+, welche ein paar tausend Fuß von den Stadthausanlagen entfernt ist und sich, von einer Anhöhe gesehen, durch eine weißliche Farbe und ein Schifferzeichen (Boje) bemerkbar macht, wird gegenwärtig unter Anwendung einer Baggermaschine auf Anordnung der städtischen Bauverwaltung der Boden untersucht. Es ist sehr auffallend, wenn schon nicht ganz unerwartet, daß bei dieser Stelle Reste einer alten +Pfahlbauansiedlung+ zum Vorschein kommen, welche in einer Menge von Scherben grober und feiner Thongefäße, Kohlen etc., auch einzelnen Bronzegeräthen bestehen und das jahrhundertelange Dasein einer Ansiedlung außer Zweifel setzen. Eine Unmasse von Pfählen bilden die Unterlage, auf welcher die Hütten errichtet waren.

(D. Reichsanz., Nr. 9.)

4) Nach einer Mittheilung des Conservators Jenny an die k. k. Cent.-Comm. f. K. u. hist. Denkm. zu Wien, wurde in Nüziders in Vorarlberg ein Bronzecelt gefunden.

5) Conservator Hraše berichtet derselben Commission über Fund und Eröffnung heidnischer Grabhügel im Walde Sáka bei Opočno und von 4 erhaltenen Gräbern bei Přepich.

6) Im Schlußhefte des 5. Bandes der Mittheilungen der k. k. Cent.-Commission f. K. und hist. Denkmale gibt E. Richter Notizen über die seit 1823 am Dürenberge bei Hallein gemachten keltischen Funde, worin auch neuerer dort gemachter Funde Erwähnung geschieht. Wenn auch einzelnes zersplittert worden sein mag, so ist doch die Mehrzahl in das Museum zu Salzburg gekommen und von dem genannten Berichterstatter daselbst geordnet worden. Derselbe erhofft von systematischen Ausgrabungen wichtige Ergebnisse.

7) Zu Salzburg wurde nach einer Nachricht desselben Berichterstatters ein römischer Votivstein gefunden, welcher die Inschrift trägt: I(ovi) O(ptimo) M(aximo) et om(nibus) dibus (sic statt diis) M(arcus) Ulp(ius) Philippius B(eneficiarius) Egnati(i) Prisci proc(uratoris) Aug(usti) v(otum) so(lvit) l(ibens).

8) Conservator Hauser hat der genannten Commission über Aufdeckung von Mauerresten zu Wartmannstetten, unweit Neunkirchen berichtet, die den Eindruck des Profurniums eines römischen Hauses machten.

9) +Xanten+, 15. Januar. Dem hiesigen, seit drei Jahren bestehenden niederrheinischen +Alterthums-Verein+ ist es gelungen, an der Nordseite der Stadt, vor dem Clever Thore, wichtige +Aufdeckungen+ zu machen. Auf dem sogenannten Steinacker sind nämlich großartige Fundamente bloßgelegt worden, auf denen noch Mauerreste von 0,5 bis 1 Mtr. Höhe stehen. An einer Stelle, an der man bis auf das Ende des Fundaments gehen wollte, reicht dasselbe in eine Tiefe von fast 5 Mtrn. Eine Längsmauer, in der mehrere Thoröffnungen bemerkbar sind, erreicht bis dahin schon die Länge von 60 Mtrn.; die Dicke dieser Mauer, welche nicht überall gleichmäßig ist, beträgt 1,5 Mtr., die des Fundaments 2 Mtr. Dabei ziehen sich gewaltige Quermauern nach beiden Seiten hin. Das Mauerwerk selbst scheint römischen Ursprungs zu sein. Davon zeugen die im Schutte massenhaft vorkommenden quadratischen Dachziegel, sowie drei römische Münzen aus der Zeit der Antonine. Das Baumaterial ist ein harter Schiefer, welcher durch einen mit Ziegelmehl oder zerstoßenem Tuffstein gemengten Kalk verbunden ist. Die Maurerarbeit ist vortrefflich. Vielfach findet man die Wände mit einem steinharten Beton beworfen, fein geglättet und tapetenartig bemalt. Jetzt hat durch den Frost die Aufdeckungsarbeit eingestellt werden müssen; aber allen, welche sich dabei betheiligten, wird es klar, daß diese gewaltigen Substruktionen sich sehr weit erstrecken werden und der Schwerpunkt der Colonia Trajana sich demnach weniger am Fuße des Fürstenberges, sondern vielmehr im Norden der Stadt Xanten befunden habe. Auffallend ist es, daß kein Ziegel, wie sonst, ein römisches Legionszeichen an sich trägt, vielmehr vielfach auf der einen Seite Wellenlinien zeigt, welche dem Ziegel in seinem nassen Zustande etwa mit einem scharfen Besen beigebracht worden sind. Hoffentlich werden bald kundige Männer die Fragen nach Ursprung und Zweck dieser großartigen Mauerreste zu lösen wissen, auch die Frage, welche schon aufgetaucht ist, ob wir es hier nicht vielleicht mit einem germanischen Werke zu thun haben, das aber nach römischer Art gebaut ist. Das Nibelungenlied und der Volksglaube, daß im Norden Xantens die Sigfriedsburg gestanden habe, rückt diese Frage nahe.

(Voßische Ztg., Nr. 21. nach d. Köln. Ztg.)

10) Ueber die gelungene Erneuerung des mit Mosaiken der altchristlichen Periode geschmückten Gewölbes der Domkirche zu Triest enthält dasselbe Heft der Mittheilungen eine, den technischen Vorgang beschreibende kurze Notiz, in welcher Weise erst durch eine innere Lage von Papier und Gips auf einer Unterlage das Mosaikgemälde festgehalten, hierauf das Gewölbe Stein um Stein weggenommen und erneuert, sodann durch einen Cementguß eine feste Verbindung des neuen Gewölbes mit dem Mosaikbild hergestellt, dann die innere Stütze nebst Gips und Papier weggenommen wurde.

11) Im Monate Oktober v. J. wurden in Wien an der Ecke des Bauernmarktes und der Goldschmiedgasse Baureste einer spätromanischen Kirche gefunden, Pfeilerstücke, Kapitäle u. A., theilweise mit der ehemaligen Bemalung. Auch eine freigelegte Feuermauer eines Hauses zeigte romanische Technik.

12) +Die interessante romanische Paulskirche in Worms+, welche gegenwärtig Ruine ist, wird wiederhergestellt und im Innern entsprechend ausgestattet werden, da sie der dortige Geschichts- und Alterthumsverein auf 30 Jahre gemiethet hat und in derselben eine Sammlung von Alterthümern und Geschichtsdenkmalen aufstellen wird. Wir begrüßen mit Freude dieses Unternehmen, durch welches sowohl der fernere Bestand der Paulskirche gesichert ist, als auch für die zahlreichen in Worms befindlichen und daselbst und in der Umgegend fortwährend zu Tage tretenden Gegenstände ein passender Zufluchtsort gegründet wird.

13) Das k. k. österr. Unterrichtsministerium hat einige bauliche Restaurierungen des Domes zu Trient, insbesondere die Erneuerung des Dachstuhles, auf Grund der Aeußerungen der k. k. Cent.-Comm. f. K. u. hist. Denkm. und des Hochbaudepartements des Ministeriums des Innern genehmigt.

14) Die Verhandlungen über den Abbruch des Rathhauses zu Alsfeld in Hessen, eines gothischen Holzbaues von 1512 sind nun wohl definitiv zu Ende und das Bauwerk gerettet. Es war nicht eine administrative Behörde, sondern eine parlamentarische Versammlung, der Provinzialausschuß der Provinz Oberhessen, worin auch die Stadt Alsfeld vertreten war, welcher die Entscheidung in Händen hatte und, nach eingeholtem Gutachten von 4 Sachverständigen, nicht blos der Gemeinde das Recht absprach, das seit einigen Jahren durch Vernachlässigung schadhaft gewordene Rathhaus zu zerstören, sondern ihr auch die Pflicht auferlegte, das Versäumte nachzuholen und das Gebäude dauernd in gutem Stande zu erhalten, so daß der Stadt und dem Lande ein historisch denkwürdiges Kunstwerk und eine hervorragende Zierde erhalten bleibt, deren Werth nicht einmal der Vertreter der Stadt im Provinzialausschusse anzufechten gewagt hatte, da in der That kein anderes Motiv von der Stadtgemeinde geltend gemacht worden war, als die Absicht, jetzt die nur wenige hundert Mark betragenden Herstellungskosten, in Zukunft aber die Erhaltungskosten, zu sparen, und die deshalb erst das Kreisamt, nach dessen Weigerung den Kreisausschuß und zuletzt den Provinzialausschuß zur Behandlung der Angelegenheit genöthigt hatte.

15) Im Hafen von Chatham ist kürzlich bei den Arbeiten zur Erweiterung der dortigen Werfte der Ueberrest eines alten holländischen Kriegsschiffes aufgefunden worden, und es hat sich herausgestellt, daß dies der Rest eines jener Schiffe ist, welche zur Zeit Karls II. unter Trump und Ruyter die Themse hinaufsegelten und die Londoner in Schrecken setzten. Von den auf dem Schiffe gefundenen Geschützen sollen einige in nachbarlicher Höflichkeit der niederländischen Regierung als historische Andenken zum Geschenk gemacht werden; die übrigen dürften im Arsenal zu Woolwich bleibende Aufstellung finden.

(Staatsanz. f. Württemberg., Nr. 4.)

16) Bei Lehmke, Amt Oldenstadt, in einer Gegend, die den Archäologen durch Funde schöner heidnischer Alterthümer sehr bekannt ist, wurde, so wird dem „Hann. Cour.“ geschrieben, vor einiger Zeit auch ein werthvoller mittelalterlicher Fund gemacht. Ein Knecht, mit Kulturarbeit beschäftigt, stieß auf ein Gefäß mit s. g. Bracteaten, dünnen und nur einseitig geprägten Silbermünzen, die für den Numismatiker großes Interesse haben. Der Schatz soll ursprünglich aus ca. 1600 Stück derselben bestanden haben; über 1200 Stück wurden dem Herrn Kreishauptmann zu Oldenstadt eingeliefert. Dieselben zeigen meistens das Bild eines Löwen, theils von der rechten, theils von der linken Seite, stehend oder über einen Thurm hinwegsetzend, über Mauerzinnen stehend etc. Andere Gepräge sind im Funde nur durch wenige Stücke vertreten, so einige mit einem Brustbilde, das in den Händen Schwert und Fahne hält, und unter dem ein horizontal liegender Schlüssel sich befindet.

Vorstehende Notiz findet sich nebst Beschreibung der einzelnen Typen von M. Bahrfeldt in Nr. 12. des numismatisch-sphragistischen Anzeigers.

17) Die Blätter für Münzfreunde bringen in Nr. 81 Nachrichten über folgende, in jüngster Zeit in Franken gemachte Münzfunde: Aus Kulmbach wird die Auffindung einer Anzahl Goldmünzen vom 11.-15. Jhdt., aus Abtsweier die Auffindung von 6 Goldmünzen des 14. Jhdts., aus Stübach bei Neustadt a. A. ein Fund von 19 Gold- und 157 Silbermünzen der ersten Hälfte des 16. Jahrh., aus Neumarkt die Auffindung von 75 Kipperzwanzigern und einigen Thalern des 17. Jhdts. gemeldet; in Bruckberg wurden 250 Gulden oder Zweidrittelsthaler von 1660-1700 gefunden, worunter große Raritäten sich befunden haben sollen, in Ansbach ein Schatz von Zwanzigern, Zehnern, Fünfern und Batzen des 18. Jhdts.

18)+ Moskau.+ Wie seiner Zeit berichtet, fand der Moskauer deutsche Konsul bei einem Antiquar einen seltenen Pokal aus dem 17. Jahrhundert, einen sogenannten Thalerhumpen, aus verschiedenartigen Münzen zusammengesetzt. Einzelne der Münzen bieten durch ihr Alter und die Beziehungen zur deutschen und brandenburgischen Geschichte ein besonderes Interesse. Dieser Umstand war es besonders, der in mehreren deutschen Reichsangehörigen den Wunsch weckte, ihren Kaiser durch diesen Fund zu erfreuen. Durch die Vermittelung der deutschen Botschaft gelangte der Pokal trotz der Kürze der Frist noch rechtzeitig auf den kaiserlichen Weihnachtstisch. Der Pokal besteht aus 24 Thalerstücken, während eine große Denkmünze aus der Zeit des großen Kurfürsten den Deckel bildet. Die Vorderseite derselben zeigt den gewaltigen Herrscher in einer so vorzüglich scharfen Prägung, wie wir sie bei deutschen Denkmünzen der letzten Jahrzehnte leider vergeblich suchen. Sie ist geschlagen im Jahre 1663, um die Besitzergreifung Preußens, und zwar des unabhängigen Herzogthums, zu feiern; wir finden deshalb in der Umschrift bereits den Titel: Superior Dominus, dux Prussiae. Der Revers der Medaille ist ebenfalls diesem Ereigniß gewidmet. Wir sehen den kurbrandenburgischen Adler, auf dessen Flügeln sich zwei kleinere erheben, wahrscheinlich um auf Erwerbungen der Jahre 1637 und 1648 hinzudeuten. Brandenburg weiß zu vertheidigen, was es einmal erworben, das besagt das Schwert in der rechten Adlerklaue mit der Devise: „defendit“; es versteht aber auch Neues zu erwerben „et auget“; deshalb hält die Linke eine Krone mit der obigen Inschrift: „Dom. sup. Prussiae“ fest umspannt. Der äußeren Form nach zu schließen scheint es die sogenannte kaiserliche Hauskrone zu sein; ob und welcher Gedanke jedoch dadurch ausgedrückt werden soll, lassen wir dahin gestellt. Um das Ganze schlingt sich der Vers:

„Nec imbellem feroces Progenerant aquilae columbam.“ Stolze Adler erzeugen Keine wehrlose Taube.

Es ist dieselbe Inschrift, die, wenn wir nicht irren, vor wenigen Jahren in dem Knopfe des Nikolaikirchthurms zu Berlin gefunden wurde. In der oberen und unteren Reihe sehen wir zwölf Münzen von Ferdinand II., als Erzherzog von Oesterreich; in der mittleren dagegen acht mit dem Bildniß Leopolds aus den Jahren 1620-1624. Daran schließen sich je zwei Münzen von Christian und Johann Georg von Sachsen; Ersteren wählten die Protestanten nicht zum Haupte der Union, und er stand deshalb zu Oesterreich; Letzterer hat während des dreißigjährigen Krieges, wenige Jahre abgerechnet, treu zu Ferdinand II. und III. gehalten.

Wie aber der Pokal seinen Weg nach Moskau gefunden, darüber lassen sich kaum Vermuthungen, geschweige denn ein sicherer Nachweis aufstellen.

(Nordd. Allg. Ztg. Nr. 43.)

19) Als König Friedrich I. am 18. Januar 1701 den +hohen Orden vom Schwarzen Adler+ stiftete, bestimmte er zugleich, daß die alte Kapelle im königlichen Schlosse als Ordenskapelle für die Ceremonien des Ordens benutzt werden sollte. Diese Kapelle und die Schloßkirche zu Königsberg in Preußen werden auch in den Statuten des Ordens ausdrücklich als +Ordenskapellen+ bezeichnet. Bis zum Tode des Königs Friedrich I. sind auch, wenn nicht bauliche Veränderungen daran hinderten, die Ordenscermonieen darin gehalten worden. Unter den folgenden Königen hatten weder Investituren, noch Kapitel des Ordens statt; erst König Friedrich Wilhelm IV. belebte den Orden aufs neue. In den revidierten Statuten blieb die frühere Bestimmung in Kraft, daß die alte Kapelle Ordenskapelle sein solle; die Einrichtung derselben zu diesem Zweck unterblieb aber zunächst, während die Paradekammern an der Lustgartenseite sämmtlich wieder in Stand gesetzt wurden. Auf besonderen Befehl seiner Majestät des Kaisers und Königs ist nun im verflossenen Jahre die Restauration der Kapelle vorgenommen worden. Die Stuckarbeiten, die Vergoldungen, die Anstreicherarbeiten u. s. w. wurden auf das sorgfältigste wiederhergestellt. Alles Vorhandene ist dabei unverändert beibehalten, nur die Seite gegen die Bildergallerie, deren Architektur und Ornamentierung früher nur gemalt war, ist plastisch, den drei anderen Seiten entsprechend, und unter Verwendung gleicher Materialien ausgeführt worden. Zum Schmuck des Frieses über den Säulen ist en relief vergoldet die Kette des schwarzen Adlerordens angebracht worden. Das Deckenbild der Laterne ist restauriert, die Deckenbilder der Voute aber sind, da die vorhandenen zerstört und ganz unkenntlich waren, vom Professor E. Ewald neu gemalt worden. Den Statuten des Ordens gemäß, sind nach Angabe des Ober-Ceremonienmeisters Grafen Stillfried-Alcantara die Wappen der lebenden Ritter des Ordens in dem Fries zwischen den Kapitälen der Wandpilaster angebracht worden. Zur weiteren Charakterisierung der Kapelle soll ein Bild des Stifters über dem Kamin und ein großes Bild der Stiftung des Ordens unter Benutzung einer vorhandenen Skizze von Pesne den Fenstern gegenüber an der Wand seine Stelle finden.

(D. Reichsanz., Nr. 9.)

Verantwortliche Redaction: Dr. +A. Essenwein+. Dr. +G. K. Frommann+.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.

Gedruckt bei +U. E. Sebald+ in Nürnberg.

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FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

Neue Folge. Siebenundzwanzigster Jahrgang.