Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit, 27. Band, 1880 Organ des Germanischen Museums
Part 39
Von der durch Professor +C. Hegel+ herausgegebenen Sammlung der Deutschen Stadtchroniken ist der 16. Band erschienen, welcher den 2. Band der Braunschweiger Chroniken in der Bearbeitung des Stadtarchivars +Hänselmann+ bildet. Es ist damit das ungedruckte Material, welches Letzterer zu bearbeiten übernommen hat, noch nicht völlig erschöpft; eine Paraphrase des Schichtspiels, Berichte über die Stadtfehden von 1492-1493, Diarien über die Belagerung von 1553 sind einem dritten Bande vorbehalten, der überdies eine Helmstädter Chronik von Hennig Hagen bringen wird. Im kommenden Jahre wird die vom Herausgeber selbst unter Beihilfe von Dr. +Rob. Pöhlmann+ und Dr. +Albr. Wagner+ bearbeitete Chronik „von alten Dingen zu Mainz“ aus der Mitte des 15. Jahrhunderts gedruckt werden. Mit der Bearbeitung der Lübecker Chroniken ist Dr. +Koppmann+ beschäftigt.
Die Arbeiten für die deutschen Reichstagsakten haben sich auch im verflossenen Jahre auf die Perioden König Ruprechts und Kaiser Sigmunds concentriert. Für den vierten Band, mit welchem die Akten aus König Ruprechts Zeit beginnen werden, ist besonders Professor +J. Weizsäcker+, der Leiter des Unternehmens, unter Beihilfe von Dr. +E. Bernheim+ und Dr. +Friedensburg+ thätig gewesen. Der vierte Band der Reichstagsakten ist im Manuscript vollendet, und der Beginn des Drucks nur durch äußere Umstände verzögert. Für den achten Band, welcher die Akten aus König Sigmunds Zeit fortführen wird, sind aus den deutschen Bibliotheken und Archiven, wie aus Rom, noch zahlreiche Ergänzungen gewonnen worden. Direktor +Schmidt+ in Halberstadt verdankt man den kritisch festgestellten Text einiger für den Nürnberger Reichstag von 1422 wichtigen Abschnitte des Eberhard Windeck. Im Ganzen sind die Arbeiten auch für den achten Band so weit vorgeschritten, daß im nächsten Jahre der Druck desselben wird beginnen können.
Von der Sammlung der Hanserecesse ist der fünfte Band vollendet worden. Nach den Mittheilungen des Herausgebers Dr. +K. Koppmann+ ist das Material für die Jahre 1411-1430 so umfassend, daß noch zwei Bände zum Abschluß des Werks erforderlich sind.
Von den Jahrbüchern des deutschen Reichs ist der zweite, die Regierung Heinrichs III. betreffende Band, bearbeitet von Professor +E. Steindorff+ in Göttingen, weit im Druck vorgeschritten und wird in kurzer Zeit veröffentlicht werden. Mit dem zweiten, abschließenden Band für die Regierung Konrads II. ist Professor +H. Bresslau+ in Berlin beschäftigt. Professor +W. Bernhardi+ in Berlin hofft die Jahrbücher König Konrads III. schon in nächster Zeit der Presse übergeben zu können. Auch die Vollendung der Jahrbücher Karls des Großen durch Professor +B. Simson+ in Freiburg i. Br. steht in nicht ferner Aussicht. Professor +G. Meyer von Knonau+ in Zürich hat die Bearbeitung der Jahrbücher Heinrichs IV. begonnen.
Für das weitumfaßende Unternehmen der Wittelsbachischen Correspondenz sind die Arbeiten nach verschiedenen Richtungen unausgesetzt und mit gutem Erfolge fortgeführt worden. Die ältere pfälzische Abtheilung wird demnächst mit der wichtigen Correspondenz des Pfalzgrafen Johann Casimir, bearbeitet durch Dr. +Friedr. von Bezold+, zum Abschluß gelangen. Der Druck des ersten Bandes hat begonnen, und werden dem ersten die beiden andern in Aussicht genommen bald folgen können. Für die unter Leitung des Geheimraths +von Löher+ stehende ältere bayerische Abtheilung ist Dr. +Aug. von Druffel+ sehr thätig gewesen. Der zweite Band der von ihm bearbeiteten Briefe und Akten zur Geschichte des sechzehnten Jahrhunderts ist erschienen. Für die zweite Abtheilung des dritten Bandes, welcher die größeren Aktenstücke des Jahres 1552 aufnehmen soll, ist die Sammlung und Verarbeitung des Stoffs so weit beendet, daß der Druck unverzüglich beginnen wird. Für den vierten, abschließenden Band sind die Briefe und Akten aus den Jahren 1553-1555 bestimmt. Die Sammlung des Materials ist auch für diesen Band beinahe vollendet. Die Arbeiten für die jüngere pfälzische und bayerische Abtheilung, geleitet von Professor +Cornelius+, waren besonders darauf gerichtet, die im vierten Bande der Briefe und Akten zur Geschichte des dreißigjährigen Krieges begonnene Darstellung der bayerischen Politik in den Jahren 1591 bis 1607 zum Abschluß zu bringen. Dies ist inzwischen erreicht, und der Druck des fünften Bandes, in welchem Dr. +Fel. Stieve+ die zweite Hälfte jener Darstellung gibt, hat begonnen.
Von der Zeitschrift: „Forschungen zur deutschen Geschichte“ ist der zwanzigste Band erschienen und demselben ein Autorenverzeichniß für die letzten zehn Bände in gleicher Weise beigefügt worden, wie früher dem zehnten Bande für die ersten zehn Bände. Ein Sachregister über alle bisher erschienenen Bände ist gewünscht worden und wird als ein besonderes Heft demnächst veröffentlicht werden. Die Zeitschrift wird in der bisherigen Weise unter Redaktion des geh. Regierungsraths +Waitz+, der Professoren +Wegele+ und +Dümmler+ fortgeführt werden.
Die Allgemeine deutsche Biographie, redigiert vom Klosterpropst Freiherr +von Liliencron+ und Professor +Wegele+, erfreut sich einer stets wachsenden Theilnahme und wird immer mehr nach ihrer nationalen Bedeutung anerkannt. Die Publikation nimmt ihren regelmäßigen Fortgang: Bd. 10 und 11 sind vollendet, und auch eine Lieferung des zwölften Bandes befindet sich bereits im Buchhandel.
Nachdem +Seine Majestät König Ludwig II. und Seine Königliche Hoheit Prinz Otto+ durch die hochherzige Gründung der Wittelsbacher Stiftung für Wissenschaft und Kunst die Mittel gewährt haben, um die erhabenen Absichten, welche den hochseligen +König Maximilian II.+ bei der Einsetzung der historischen Commission leiteten, zu voller Verwirklichung zu bringen, ist die Commission nicht nur in den Stand gesetzt, die monumentalen Unternehmungen, welche sie in Angriff genommen hat, würdig zu vollenden, sondern sie kann auch, sobald es die ihr zugewiesenen Mittel ermöglichen, neue große und fruchtbare Aufgaben, die ihrem Stiftungszwecke entsprechen, in das Auge fassen.
141) Unter den Fragen, welche die Gesellschaft für Künste und Wissenschaften zu Utrecht im Jahre 1880 zur Preisbewerbung ausgeschrieben hat, befinden sich folgende historische:
Forschungen über die evangelischen Prediger bei der niederländischen Gesandtschaft in Frankreich und deren Wirksamkeit zur Zeit der Republik der vereinigten Provinzen.
Kritische Uebersicht der Resultate der germanistischen Sprachforschungen seit J. Grimm. Termin für die erstgenannte Arbeit 1. Dezember 1881, für die letztere 1. Dezember. 1882.
Verantwortliche Redaction: Dr. +A. Essenwein+. Dr. +G. K. Frommann+.
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.
Gedruckt bei +U. E. Sebald+ in Nürnberg.
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ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS.
1880. Nº 11. November.
Wissenschaftliche Mittheilungen.
Beiträge aus dem germanischen Museum zur Geschichte der Bewaffnung im Mittelalter.
V.
Die auf Sp. 239, 240 abgebildete Figur schien uns etwas älter zu sein, als daß sie thatsächlich den 1341 gestorbenen Gottfried von Fürstenberg vorstellen könnte; nun ist allerdings urkundlich nichts darüber bekannt. Der Grabstein stammt aus Freiburg[271] und ist erst später nach Haßlach gekommen, aber zugleich mit dem Stein der Gemahlin des Dargestellten, einer geb. Montfort; und da außer Götz zwar noch ein anderer Fürstenberg eine Gemahlin aus dem Hause Montfort hatte, letzterer aber erst nach Götz starb, so ist wohl kaum anzunehmen, daß der Stein trotz seines alterthümlichen Charakters noch dem 13. Jahrh. angehöre.
Vergleichen wir damit den hier unter Fig. 1 abgebildeten Stein aus dem Kloster Schönthal, der der Tradition nach dem 1318 verstorbenen Albrecht von Hohenlohe gesetzt ist, so müssen wir vor allem erwähnen, daß auch hier ein positiver Nachweis über die Angehörigkeit und damit die Zeitstellung nicht erbracht werden kann. Nehmen wir aber auch an, der Fürstenberg’sche Stein sei schon zu Lebzeiten des Götz selbst, auf seine Bestellung hin, gefertigt worden und somit thatsächlich älter als das Jahr 1341, so zeigt doch ein vergleichender Blick auf jenen Stein und den hier vorliegenden, daß unser Hohenlohe jünger sein muß, als jener Fürstenberg. Er zeigt mindestens hinsichtlich der Bewaffnung jenem gegenüber einen großen Fortschritt. Die Beckenhaube ist jener ersten noch ziemlich gleich; die Abweichungen in der Form sind wol nur auf Rechnung der verschiedenen Hände der Arbeiter zu setzen. Die Halsberge hat aber hier am Kinne einen herabhängenden Ansatz, welcher, in die Höhe gezogen und an einem Knopfe über der Stirne befestigt, als Gesichtsschutz dienen mochte. Sie liegt nicht mehr auf dem Ueberkleide, sondern geht unter demselben als einfacher Kragen weg, bis über die Achseln, wo sie in Zackenspitzen endigt. Ueber dem Kettengeflechte scheint die Figur einen Schuppenpanzer getragen zu haben, der unter dem Arm noch sichtbar wird und über die Achseln geht. Eine heraldisch gezeichnete Lilie deckt außerdem noch die Achsel als verstärkender Schutz und Zier zugleich. Die Brünne reicht nicht mehr bis über die Kniee, die sie nicht einmal erreicht, wohl aber reicht ein Unterkleid, das unter derselben sichtbar wird, gerade so weit.
Die Kniee haben einen eigenen Schutz durch eine Kachel aus Eisen oder Leder, die ebenfalls gegen unten verzierte Zackenspitzen hat, die auf dem Kettengeflechte der Beine liegen, welche ähnlich wie bei der andern Figur blos mit diesem bedeckt sind. Auch die Befestigung der Sporen ist bei beiden gleich. Das Ueberkleid, welches bei Gottfried von Fürstenberg fast bis zu den Füßen reicht, ist hier sehr kurz, kaum mehr noch als eine verzierende Reminiscenz an ein ehemals getragenes Gewandstück. An den Seiten aufgeschlitzt, auf der Schulter ganz schmal, aber unter den Achseln und dem Oberrand mit einer Borte gesäumt, ist es am untern Rande spitzenförmig ausgezackt.
Auch die Aermel der Brünne sind ganz kurz, dagegen die Vorderarme durch eine besonders aufgeschnallte, wol lederne, unter die Brünne greifende Stulpe (Armschiene, Brazel?) geschützt. Die Handschuhe sind wol ganz beweglich.
Der Helm, dessen Zimier leider ganz weggemeißelt ist, hat die Form, für welche der moderne technische Ausdruck Kübelhelm allgemein ist (wol das Helmfaß der Alten?), und ist mit einer Kette am Unterrande versehen, die entweder vorn auf der Brust oder, da sie so zu kurz wäre, vor der linken Achsel befestigt ist, so daß der Träger ihn über die Beckenhaube stülpen kann. Auf der rechten Brust sieht durch einen Schlitz des Obergewandes ein Ring heraus, der am Schuppenpanzer befestigt sein muß, von welchem zwei Ketten herabhängen. An der einen ist der Knauf des Dolches befestigt; die andere dient dazu, ähnlich am Knaufe des Schwertes eingehakt zu werden, so daß Schwert und Dolch, wenn sie gebraucht wurden, nicht blos in der Hand beweglich waren, sondern auch nicht stets wieder in die Scheide geschoben werden mußten, sondern daß sie der Ritter einfach aus der Hand fallen lassen konnte. In welcher Weise die Dolchscheide am Körper befestigt und ob überhaupt eine Scheide vorhanden war, läßt sich aus der plastischen Darstellung nicht entnehmen. Dagegen ist die Lederscheide des Schwertes und der anzuschnallende Gürtel, an welchem die Scheide getragen wurde (Schwertfessel) sehr deutlich dargestellt.
Der Schild hängt an einem Bande (Schildfessel) über die rechte Schulter.
Als Beitrag zur Kulturgeschichte überhaupt sei hier noch darauf aufmerksam gemacht, daß auf den Grabsteinen des 13. Jahrhdts. bis zum Schlusse desselben und wol in das 14. Jahrh. hinein die Ritter in der Haustracht, nicht in der Rüstung dargestellt sind, daß sie aber das in der Scheide steckende Schwert mit umgewundener Schwertfessel theils, ähnlich wie bei dem Fürstenberg’schen und diesem Grabstein, neben sich haben, theils in der Hand tragen, in der zweiten Hälfte des 14. Jahrh. jedoch es umgeschnallt haben; ebenso tragen sie sodann auch die Handschuhe, welche unser Hohenlohe neben sich hängen hat, an der Hand selbst.
Wir verweisen hiefür auf Fig. 2, gezeichnet nach unserem Gipsabgusse des marmornen Grabsteines des 1371 verstorbenen Otto von Pienzonau in der Kirche zu Ebersberg. Die Beckenhaube hat bereits spitze Form. Die Befestigung der Halsbrünne an derselben ist deutlich zu ersehen; das Kettengeflecht der Brünne ist noch etwas kürzer geworden als bei Fig. 1; an Stelle des faltigen Ueberkleides aber ist ein anliegendes getreten, das, nach anderen Beispielen zu schließen, auch hier als ledern zu denken ist (Küriß, curassa), eine Verstärkung der Schutzwaffen bildete und an der Vorderseite zusammengenestelt ist. Die Handschuhe entsprechen dem auf Sp. 242 abgebildeten Originale. An den Beinen ist nicht blos der besondere Knieschutz zu sehen, der sich auch bei Fig. 1 findet, sondern sowohl Schenkel, als Waden sind mit Beinbergen versehen, deren Material aus unserer plastischen Darstellung nicht erkennbar ist, die also sowohl von Leder, als von Eisen sein können. Sie liegen über dem Knieschutze, welcher vielleicht aus elastischem Material bestand. Die Füße haben Schuppenwerk, so daß es fraglich erscheint, ob überhaupt noch Eisenhosen unter den Beinbergen vorhanden sind. Die Sporen haben bereits sternförmige Räder. Am Untertheile des Kürisses ist ein Gürtel befestigt, der wol die Schwertscheide trägt. Die Kette des Schwertes ist unterhalb des Knaufes am Griffe desselben befestigt, die Kette des Dolches unmittelbar über der Klinge. Eine Scheide desselben scheint vorhanden, ohne daß die Art der Befestigung an dem Kürisse zu erkennen wäre. Noch sei auf den Speer mit dem Fähnlein aufmerksam gemacht. Außer dem am Halse angeketteten Helmfasse steht noch ein zweites neben dem Haupte, wol nur aus heraldischen Gründen, um ein zweites Zimier darauf anbringen zu können. Der Schwertknauf hat die runde Form abgelegt und ist polygon geworden. Der Schild hat die Oeffnung zum Einlegen des Speeres.
Im Anschlusse an die plastischen Darstellungen dieser beiden Grabsteine werden wir im nächsten Aufsatze noch einige im Museum vorhandene Originalwaffen besprechen, welche durch diese Grabsteine erläutert und näher bestimmt werden.
+Nürnberg.+ A. +Essenwein+.
Florian und Andreas Stoß.
Eine der frühesten Erwähnungen des ersteren steht im Bürgerkatalog von Görlitz, wo es zum Jahre 1524 heißt: „Florian Stoß Goldschmied ist sein Bürgerrecht wiedergegeben, dedit 3 Schock. (3a vigil. cathedr. Petri)“; eher erscheint sein Name in derselben Handschrift nicht. Er ist also von Görlitz verzogen gewesen.
Unter demselben Datum 3a p. Leonhardi (15. Nov.) 1534, unter welchem bereits der Anzeiger 1879, Sp. 110 einen Brief in Sachen des Goldschmieds +Martin Stoß+ brachte, schrieb der Görlitzer Magistrat an den von Nürnberg Folgendes: „Wiewohl wir euerer erbaren Weisheit um vergangene Martini 1533 geschrieben in Sachen unsers Mitbürgers Florian St., Vorzeiger dieses, wegen seines väterlichen und mütterlichen Teils[272], darin sich eure erb. Weish., wie uns berichtet, ganz freundlich erzeiget, des wir uns hiermit in Fleiß bedanken, dennoch wird ihm dieselbige (_sc. Gerechtigkeit_) durch die verordneten Vormünder bis auf heute vorenthalten, welches ihm nicht wenig kümmerlich, so er sein Gebure (_Abgabe_) bei einem erb. Rate davon gütlich abgeleget hätte. Derowegen ist nochmals unsere fleißige und freundliche Bitte etc., den unsrigen fürder gütlich anzuhören... in Betrachtung (_Anbetracht_) der weiten Reisen und schweren Unkosten, so dem unsrigen hierauf gehen würde.“ (Aus den Missiven d. J.)
Aus einem Briefe d. d. 3a p. Quasim. (6. April) 1540 im lib. miss. v. 1539 erfahren wir, daß Florian einen gewissen +Cyriacus Preusse+ in +Hirschberg+ zum Schwiegersohne gehabt. Dieser hatte sich bei dem Goldschmiede über Gewaltthätigkeiten seiner Mitbürger beklagt, „darunter er verwundet und gelähmet ist worden,“ und auf Bericht des Schwiegervaters machen nunmehr die Görlitzer den Hirschbergern Vorstellungen.
Dieselbe Handschrift enthält ein Schreiben an den Bischof von +Bamberg+, d. d. dominica p. Martini (14. Nov.) 1540, welches uns mit +Andreas Stoß+ bekannt macht. Der wesentliche Inhalt davon ist: Unser Mitbürger Florian Stoß hat uns (_sc. dem Rate von Görlitz_) Bericht gethan, daß +unlängst+ Herr Dr. Andreas Stoß, +Provinzial des Karmeliterordens+, sein leiblicher Bruder, zu Bamberg verstorben sei, davon er hofft, daß die hinterlassene Barschaft des Herrn Dr. nicht unbillig auf ihn solle vererbet werden; es wird demnach gebeten, dazu beizutragen, daß ihm in Kraft des Testaments Zahlung folgen möge als einem armen Manne mit Weib und Kindern. -- Darunter folgt die Bemerkung, man habe mutatis mutandis auch an den Bamberger Magistrat geschrieben.
Somit wäre nun auch wieder das Todesjahr, eines der vielen Sprößlinge Meister Veits nachgewiesen. Das in dem Briefe erwähnte Testament ist höchst wahrscheinlich dasjenige, dessen in Dresden befindliches Fragment ich in Nr. 10 des Anzeigers, Sp. 307 f. mitgetheilt habe.
+Bunzlau.+ Dr. +Ewald Wernicke+.
Hans Sunder von Cronnoch.
Unter diesem Namen wird ein Taschner, welcher 1530 in Görlitz für 3 Schock das Bürgerrecht gewinnt, im dortigen Bürgerkatalog (1515 angefangen) angeführt. So wenig die Persönlichkeit selbst auf Interesse Anspruch erheben darf, so interessant ist es doch, einen Mann gefunden zu haben, dessen Bezeichnung zur Entscheidung der Frage nach dem wirklichen Familiennamen von +Meister Lucas Kranach+ herangezogen werden kann. Ich glaubte deshalb, diesen Findling nicht unerwähnt lassen zu dürfen.
+Bunzlau.+ Dr. +Ewald Wernicke+.
Meister Oswald Hilger in Freiberg.
Meine im Anzeiger d. J. Sp. 252 ausgesprochene Vermuthung, daß der 1521 in Breslau arbeitende Gießer Andreas Hilliger der bekannten Künstlerfamilie in Freiberg angehöre, findet ihre Bestätigung, resp. Ergänzung in einem Briefe des Görlitzer Magistrats an Meister Oswald, Glockengießer zu Freiberg, welcher in einem (1512 begonnenen) Missivenbuche entworfen ist. Der modernisierte Wortlaut desselben ist folgender:
Die Kirchenväter zu St. Peter bei uns thun uns kund, wie sie mit Euch Verabredung gehabt wegen der Glocke, so Ihr Gott und den heiligen Patronen zu Ehren gießen wolltet, darum angezeigt, wie Ihr auf Pfingsten „schirst“ solch Gießen zu vollenden gedächtet. Nun wird ihnen von einem Fuhrmann angesagt, daß Ihr vor angesetzter Zeit erscheinen wolltet. Darum bitten wir Euch freundlich, wollet durch gewisse Botschaft den Kirchenvätern Eure Herkunft schriftlich zu erkennen geben, auf daß sie sich danach zu richten haben. Datum 3a post annunc. Marie (27. März) 1515.
Auf einem späteren Blatte steht ein Brief an Antonius Fucker, z. Z. in Breslau, worin es heißt, daß zu der Glocke noch 40 Ctr. Kupfer nöthig seien. Nach den Script. rer. Lus. sollte der Guß 1516, Donnerstag am Tage Kosmä und Damiani, stattgefunden haben. Die Jahrzahl muß 1515 lauten, wo dieser Festtag auf Donnerstag den 27. September fiel. Meister Oswald traf wahrscheinlich nur die Vorbereitungen dazu, da die citierte Quelle ausdrücklich bezeugt, daß der „Kannengießer“ von Freiberg die Glocke durch seine beiden Söhne habe gießen lassen, vorausgesetzt, daß er eben der Vater gewesen, dem man das Werk „angedinget“ hatte. Damit wird allerdings meine Annahme, daß Andreas der Vater von Wolf und Oswald Hilger sei, hinfällig. Wolf starb nach Gurlitt, das Schloß Freudenstein, S. 1409, im J. 1577.
+Bunzlau.+ Dr. +Ewald Wernicke+.
Das Hündlein von Bretten.
Zu Bretten in der Kurpfalz lebte einst ein Mann, so bitter arm, daß er Hungers hätte sterben müssen, wenn ihm nicht sein eben so getreues als gescheides Hündchen das Leben gefristet hätte. Dieses lief Tag für Tag bald zu diesem, bald zu jenem Metzger der Stadt, entwendete jedesmal eine Wurst und trug dieselbe seinem Herrn zu. Die Metzger, die längere Zeit hindurch weder den Diebstahl, noch den Dieb gespürt, kamen endlich doch dem Hündchen auf die Schliche und paßten ihm auf. Zuletzt, da dasselbe eben wieder eine Wurst entführen wollte, erwischte deren Metzger das Hündchen, hieb ihm den Schwanz ab und steckte ihm denselben quer ins Maul, so wie es sonst die gestohlenen Würste getragen hatte, dann ließ er es laufen. Das Hündchen aber kam nach Hause, legte, wie vordem die Wurst, so jetzt den Schwanz seinem Herrn in die Hand, streckte sich nieder und starb.
So die ergreifende Sage, aus welcher man die sprichwörtliche Redensart herleiten zu können glaubte: „Er kommet daher, wie das Hündlein von Bretten“, welche Sage uns Heberer (vergl. über diesen die Allgem. D. Biographie) in seiner „Servitus Aegyptiaca“ 1610 zuerst überliefert hat. Ihr will jedoch Wilh. Wackernagel jeden historischen Werth absprechen (vergl. dessen Kleine Schriften I, S. 423-434), weil man nämlich auch in Basel von einem Menschen, der mit dem, was er sagt oder thut, erst hintendrein, wenn alles sonst vorbei ist, kommt, und ebenso von einem Dinge, einem Ereigniß, das erst ganz spät und zu allerletzt, und wenn es eigentlich schon zu spät ist, eintrifft, ganz ähnlich und ebenso sprichwörtlich zu sagen pflege: „Er kommt“ oder „das kommt wie das Hündlein von Bretzwill“ (ein Dorf in Baselland).
Heberer war selbst von Bretten, und so dürfen wir, sagt Wackernagel, annehmen, er gebe die heimische Ueberlieferung mit Treue wieder, und dürften auch geneigt sein, anzunehmen, es sei dieselbe buchstäblich und als wahrhafte Geschichte zu verstehen. „Dem stellt sich jedoch“, fährt er fort, „unser Hündlein von Bretzwil entgegen, welches dem von Bretten durch die Art seiner Thierheit und durch den Namen des Ortes so ähnlich und doch wieder durch Namen und Sinn davon so verschieden ist, verschieden bis zur Unvereinbarkeit, so lange man auf dem historischen Standpunkt bleibt.“
Diesen Standpunkt glaubt nun W. gänzlich verlassen und mit Aufgebung von Bretten in der Kurpfalz sowohl, als von Bretzwil in der Schweiz sich lieber auf den mythologisch-symbolischen stellen zu sollen, „um von der festeren Grundlage aus, welche er gewährt, die Idee zu suchen, unter der die beiden Hündchen sich vereinigen.“ Ich enthebe der ausführlichen philologisch-mythologischen Deduction Wackernagels und als deren Schlußfolgerungen die folgenden Stellen.