Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit, 27. Band, 1880 Organ des Germanischen Museums

Part 38

Chapter 383,262 wordsPublic domain

+Schriften des Vereins für die Geschichte der Stadt Berlin.+ Heft XVII. Vorgeschichtliche Funde aus Berlin und Umgegend. Festschrift für die XI. allgem. Versammlung der Deutschen Gesellschaft für Anthropologie etc. zu Berlin 1880. Im Auftrage der städtischen Behörden verfaßt von Ernst Friedel... Zweite Auflage. Berlin, 1880. 8.

+Der deutsche Herold.+ Zeitschrift für Heraldik, Sphragistik und Genealogie. Organ des Vereins „+Herold+“ in Berlin. XI. Jahrg. 1880. Nr. 7 u. 8. Berlin, 1880. 4. Mit dem Beiblatte Nr. 7 u. 8.

Die adelige Familie von Sundhausen (Sunthausen) in Schwaben. Von Hübner. -- Wappen und Inschriften von alten Grabsteinen. Von Dr. G. Schmidt. -- Russische historische Wappen. (Mit Abbild.) -- Staats-Siegel des Walachischen Woewoden Joan Stefan Kantakusino. (Mit Abbild.) -- Das Wappen derer von Hakenberg II. Von L. Clericus u. F. Budczies. -- Ein verschollenes Meisterwerk heraldischer Steinmetzenkunst. Von L. Clericus. -- Beiträge zur altpreußischen Adelsgeschichte. -- Liste der Offiziere, welche am 13. Aug. 1704 bei Höchstädt verwundet und bis zum 26. Dez. 1704 in Nördlingen behandelt worden sind. Mitgetheilt von C. v. B. -- Miscellen. -- Literatur. --

+Monatshefte für Musik-Geschichte+, herausgegeben von der +Gesellschaft für Musikforschung+. XII. Jahrg. 1880. Nr. 8. Berlin, 1880. 8. Mit 1 Beil. „Das deutsche Lied.“ 2. Bd. S. 53-60. Jakob Regnart. Von Rob. Eitner. -- Literatur. -- Mittheilungen.

+Jahrbücher der kgl. Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt.+ Neue Folge. -- Heft X.

Die Wohnsitze der Cherusken und die Herkunft der Thüringer. Von A. Werneburg. -- Gesellschaftsangelegenheiten.

+Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte+, herausgegeben von G. Bruns, P. von Roth, H. Böhlau, A. Pernice. Erster Band. Erstes u. zweites Heft... XIV. Band der Zeitschrift für Rechtsgeschichte. Erstes und zweites Heft. Weimar, 1880. 8.

Die Savigny-Stiftung. Von Bruns. -- Kleine Mittheilungen aus Handschriften. Von Prof. Behrend. -- Ueber den Ersatz verlorener Urkunden im fränkischen Reiche. Von Dr. Zeumer. -- Zur Geschichte der Miethe und Pacht in den deutschen und germanischen Rechten des Mittelalters. Von Dr. v. Brünneck.

+Mittheilungen des Vereins für Anhaltische Geschichte und Alterthumskunde.+ Zweiter Band. 8. Heft. Dessau, 1880. 8.

Geschichte des zumeist auf dem Anhaltischen Harze gelegenen Amtes Bärenrode. Von E. Jacobs. -- In terra Kotenensi. Zins- und Lehnregister der Dompropstei zu Magdeburg vom Banne Köthen, um 1362. Von Eckstein-Ilberstedt. -- Fürst Leopolds von Anhalt-Dessau Reise nach Italien, 1693-1695. Von F. Siebigk. -- Annette von Glafey 1778-1858. Von W. Hosäus. -- Ein Bericht über die Schlacht bei Striegau. Von G. Krause. -- Eine Gernroder Kaufurkunde. Von H. Wäschke. -- Fragment eines hochdeutschen Rechtsbuches. Von dems. -- Fragment einer Handschrift der Alexandreis des Walther von Castelliam. Von dems. -- Das adelige Fräuleinstift Mosigtau bei Dessau. Von W. Hosäus. -- Vermischtes etc.

+Mittheilungen des Vereins für Hamburgische Geschichte.+ 3. Jahrg. 1880. Nr. 7-9., Juli-September. Hamburg, 1880. 8.

Vereinsangelegenheiten. -- Die Hansestädte auf dem Rastadter Congreß. Von Ad. Wohlwill. -- Die Meßgewänder der lutherischen Geistlichen. Von C. F. Gädechens. -- Glockeninschrift. Von K. Koppmann. -- Das Haus der Hölle. Von dems. -- Das letzte mittelalterliche Haus in Hamburg. Von J. F. Voigt. (Mit Abbild.)

+Neues Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtsforschung zur Beförderung einer Gesammtausgabe der Quellenschriften deutscher Geschichten des Mittelalters.+ Fünfter Band. Drittes Heft. Hannover, 1880. 8.

Zur Geschichtschreibung der Karolingischen Zeit. Von G. Waitz. -- Die Papstbriefe der Brittischen Sammlung. Von P. Ewald. (Schl.) -- Lateinische Handschriften in St. Petersburg. Von Dr. K. Gillert. (Forts.) -- Miscellen. -- Nachrichten etc.

+Zeitschrift des Architekten- und Ingenieur-Vereins zu Hannover.+ Herausgegeben von dem Vorstande des Vereins. Redigirt von Keck. -- Band XXVI. Heft 3. (Jahrg. 1880.) Hannover, 1880. 2.

+Thurgauische Beiträge zur vaterländischen Geschichte.+ Herausgegeben vom +histor. Vereine des Kantons Thurgau+. Zwanzigstes Heft. Frauenfeld, 1880. 8.

Vereinsangelegenheiten. -- Die Landsgemeinde des 1. Hornung 1798 in Weinfelden und die thurgauische Volksregierung der ersten Monate des Jahres 1798 oder Akten, betreffend die Freilassung der Landvogtei Thurgau. --

+Koninklijk oudheidkundig genootschap te Amsterdam+, onder bescherming van Z. M. Koning Willem III.

+Jaarsverslag+ in te twee en twintigste algemeene vergadering op Maandag 24 Mei 1880, uitgebracht door den voorzitter. 8. Mit 6 autograph. Tafeln.

Vermischte Nachrichten.

123) Nachdem eine Reihe von Jahren hindurch auf der Insel Sylt Ausgrabungen veranstaltet, die jedoch 1878 und 1879 ausgesetzt worden waren, hat Professor Hantelmann aus Kiel dieselben im abgelaufenen Sommer wieder aufgenommen und manche interessante Funde gemacht.

124) +Passau+, 1. Oktober. In Jochenstein bei Oberzell wurde ein werthvoller Fund gemacht. Das „Augsb. Anzbl.“ schreibt darüber: Einem Bauern von Jochenstein fiel, so oft er seine Waldung begieng, eine Steintafel auf, welche mitten im Holze lag, 1,30 Quadratmeter groß; er beschloß diesen Stein zu heben, hob ihn wirklich dieser Tage und war sehr erstaunt über den Fund, den er machte, für ihn zwar werthlos, für Historiker aber von unendlichem Werth. Es waren unter dem Stein sechs kupferne Kopfringe, vier Armbandspiralen mit je neun Gängen und zwei Streitäxte, alles reines, hartes Kupfer. Sämmtliche Gegenstände sind gut erhalten; dieselben hat Herr Säcklermeister Nolde in Obernzell in Verwahr.

(Südd. Presse, Nr. 235.)

125) Einen seltenen Fund machten in diesen Tagen Steinsprenger auf dem benachbarten Gute +Weidenau+. Ein großer Stein, welcher einen Hügel deckte und durch Sprengung beseitigt wurde, legte ein sechseckiges +Hünengrab+ offen. Dasselbe war 2,30 Meter lang, unten ein Meter breit, am Kopfende 30 Centimeter weit, und enthielt sechs Urnen, anscheinend aus blauem Thon, worin Knochenreste und Asche befindlich. Das Grab war nicht vollständig gefüllt. Herr Gymnasiallehrer Dr. Tappe hat sich der Mühe unterzogen, die Urnen sorgfältig herauszuheben, um weitere Untersuchungen anzustellen. Da in unmittelbarer Nähe dieser Grabstelle ein zweiter, größerer Hügel vorhanden ist, wird beabsichtigt, auch diesen offen zu legen, weil man darunter ein größeres Grab vermuthet. (Nordd. Allgem. Ztg., Nr. 428.)

126) In der Umgegend von +Harpstedt+ und +Wildeshausen+ wurden in der ersten Hälfte des vorigen Monats durch Dr. Hostmann in Celle und Studienrath Müller in Hannover zunächst in der Gemeinde Wohlde 14 Grabhügel, die rings um einen kleinen, jetzt ausgetrockneten See gruppiert waren und sich als bis dahin unberührt erwiesen, sorgfältig nach allen Regeln der Kunst durchgegraben und untersucht. Es fanden sich jedoch in denselben theils gar keine kenntlichen Reste, theils kleine Knochenhaufen ohne Urnen, nur in einem eine gewöhnliche Urne ohne Inhalt. Sodann wurden auf der Ochsenbergsheide, anderthalb Stunden westlich vor Harpstedt, auf einem Platze, wo sich sechzig altgermanische Erddenkmäler auch um einen kleinen See gruppieren, einige derselben mit ähnlichem Resultate wie in Wohlde umgegraben, hierauf eine andere, etwa eine Viertelstunde östlicher gelegene Gruppe von 50 Hügeln untersucht, in deren einem allein 60 Gefäße, das kleinste 10 cm. hoch, 18 weit, das größte 31 cm. hoch und 41 weit, von den verschiedensten Formen, theilweise mit Henkeln, Deckeln, Linienverzierungen u. s. w. gefunden wurden, während ein anderer deren 50 enthielt, wieder andere nur wenige Urnen umschlossen; aber auch an die Hügel anstoßende „Beete“ fanden sich vor, deren eines, 30 Met. lang, gleichfalls untersucht und auch als Grabstelle durch eine Anzahl Urnen bezeichnet wurde. Sodann zog sich die Expedition in die Gegend von Beckum und Büdebusch mit ihren imponierenden Steindenkmälern und zahlreichen Grabhügeln, wo südlich von letzterem Orte eine Gruppe von 16, theilweise vorher schon geöffneten Hügeln die Thätigkeit der Forscher in Anspruch nahm. Ein Hügel ergab 16 Gefäße, darunter ein verziertes, mehrere mit Deckeln oder Henkeln, meist ansehnlich groß, eines 40 cm. hoch; andere zeigten solche in geringer Zahl.

Die sämmtlichen an den verschiedenen Orten untersuchten Hügel waren von reinem Sande aufgeschüttet; Gestein zeigte sich verhältnißmäßig sehr selten; doch schienen ein paarmal kleinere Haufen von Geröllsteinen absichtlich angeordnet zu sein. Ein einziges Mal befand sich ein Stein von ziemlicher Größe in einem Gefäß selbst, ein Vorkommen, das in den dortigen Urnenfriedhöfen bekanntlich sehr häufig ist. Die Stellung der Urnen selbst in dem Hügel war verschieden; meistens zeigten sie sich isoliert, seltener nebeneinander, resp. aufeinander. Der Inhalt war immer derselbe, Sand mit gebrannten Knochen vermengt; in manchen Fällen waren kleine Beigefäße hinzugefügt; in zweien fanden sich spärliche, formlose kleine Stückchen von Bronzebeigaben. Im Ganzen wurden 172 Urnen ausgegraben, so daß deren 10 Kisten voll an das Provinzialmuseum in Hannover gesendet werden konnten.

(Auszug aus einem umfassenden Berichte in Nr. 10568 des Hannoverschen Couriers.)

127) +Bonn+, 9. Oktober. Bei den Erdarbeiten zu den Kasernenbauten vor dem Kölnthor hat man, wie fast bei allen tieferen Erdgrabungen, die in jener Gegend stattfinden, vielfach +Gegenstände+ gefunden, welche +aus der Römerzeit+ herrühren. Man stieß laut der „Bonner Ztg.“ auf Mauerüberreste und Kanäle, die als Ergänzung der Resultate der im verflossenen Jahre durch Professor aus’m Weerth veranlaßten Ausgrabungen behufs Feststellung der Lage des ehemaligen römischen Castrums nicht werthlos sind. Unter den gefundenen Sachen sind zu erwähnen eine ca. zwei Fuß hohe Urne, in welcher sich Knochenreste befanden, Säulenstücke, römische Lampen, verschiedene Thongefäße und Thongefäßreste mit dem Legionenstempel, Platten mit Fußeindrücken von Menschen und Thieren, Münzen, Schreibgriffel und dergl. An einer Stelle fand man die Gerippe von ca. 30 Leichen neben einander liegend, dabei einen Schädel, welcher eine Deckenstärke von 7 Millimeter besitzt; auch Pferde- und Ochsengerippe wurden vielfach aufgefunden.

(Nordd. Allgem. Ztg., Nr. 477.)

128) +Alzei+, 10. Mai. An der Neumühle zwischen Weinheim und Mauchenheim tritt die den Walchia-Sandstein bedeckende, der Eruptionszeit des Melaphyrs angehörige Schicht von Schieferletten zu Tage. Als nun Herr Neidlinger von hier behufs Erweiterung seines dort gelegenen Steinbruchs die genannte Schicht abräumen ließ, fand man in der Tiefe von 5 bis 6 Fuß ein Römergrab. Dasselbe enthielt einen gewöhnlichen, schlecht gebrannten Krug, eine flache Schale von (wol nicht echter) Siegelerde mit Töpferstempel von 16 Centimeter Durchmesser und eine sehr gut erhaltene gläserne Urne von 13½ Centim. Höhe und einem Oeffnungsdurchmesser von 10½ Centim. Das Glas ist grünlich und irisiert etwas; eine große Zahl von Rippen läuft an dem Gefäß als Verzierung herunter. Zwischen diesen Gegenständen lagen Reste von Wirbeln und anderen Menschenknochen, freilich nur noch aus phosphorsaurem Kalk bestehend, da die Leimsubstanz gänzlich herausgebrannt ist.

(Correspondenzblatt des Ges.-Ver. d. d. Gesch.- u. Alterthumsvereine, Nr. 6[270].)

129) Dieselbe Nummer des Correspondenzblattes, der wir die vorhergehende Notiz entnommen, bringt auch einen längeren Aufsatz über den Fund einiger merkwürdiger römischer Steine mit Skulpturen und Inschriften, welche im Frühjahre in der Gemarkung Neckarau gemacht wurde. Die Steine sind in die Sammlungen des Alterthumsvereins in Mannheim gekommen, während die Nachgrabungen als Resultat erkennen ließen, daß dort an einem alten Zusammenflusse von Neckar und Rhein, in der Nähe Altripps, eine römische Niederlassung sich befand, daß aber der Lauf des Rheins damals ein anderer war und Altripp auf dem rechten Rheinufer lag.

130) Im vorigen Monat wurde in der Nähe +Aachens+ eine +römische Villa+ aufgedeckt. Die Aufgrabung wurde unter Leitung des Conservators des Museums-Vereins in Aachen, Hauptmann a. D. Berndt, ausgeführt, nachdem schon 1876 im Propstei-Walde, nahe der Station Stolberg der rheinischen Eisenbahn, Stücke behauenen Sandsteines gefunden worden waren. Die Grabungen legten Mauern eines römischen Baues in der Höhe von ½ bis 3 Meter bloß. Das Baumaterial, behauener Kohlensandstein, in der Nähe des Platzes gebrochen, der Mörtel, die Form der im Schutt gefundenen Ziegel, ein an mehreren Stellen aufgedeckter Estrich, Topfscherben mit römischen Stempeln und viele andere kleine Funde lassen jeden Zweifel schwinden, daß hier die Ueberbleibsel einer römischen Ansiedelung vorhanden sind; auffallend stimmt auch die Größe der Anlage, welche 37 Meter lang und 21 Meter breit ist, mit den Maßen der Villa überein, welche südlich des Römercastells, der Saalburg, bei Homburg gefunden worden ist. Die Ergebnisse scheinen bedeutend genug, um die völlige Bloßlegung der Villa zu unternehmen, da man aber, wird der „Köln. Ztg.“ geschrieben, zu der Ueberzeugung kommen mußte, daß vor Eintritt des Winters die Arbeit nicht beendigt sein könnte, so ist die Aufgrabung vorläufig bis zum nächsten Jahre eingestellt worden.

(Augsb. Postztg., Nr. 240.)

131) +Bingen+, 27. Mai. Hinter der Burg Klopp sind beträchtliche +fränkische Grabfunde+ gemacht worden, namentlich ist ein Grab durch eine reiche Schmuckkette aus länglichen gebohrten Amethist in größerer Zahl nebst vielen Zierscheiben aus Gold mit Filigran, sowie zwei großen goldtauschierten Fibeln, Schnallen etc. und prächtigen Perlenketten aus farbigen Fritten und Bernsteinstücken ausgezeichnet. Die Fundstücke befinden sich in Privatbesitz.

(Correspondenzblatt d. Ges.-Ver. d. d. Gesch.- u. Alterth.-Ver. Nr. 7.)

132) +Aus der Pfalz.+ Die +Restaurationsarbeiten+ auf der +Limburg+ machten es nöthig, nicht nur den westlichen Pfeiler der großen Kuppelung abzutragen und wieder aufzusetzen, sondern auch die kleinere nordwestliche Kuppel mit Cement auszuwerfen und eine Reihe von Fensterbögen zu renovieren. Nachdem nun zur Erleichterung der beträchtlichen Kosten vom Herrn Regierungspräsidenten v. Braun der Stadtverwaltung von Dürkheim ein Zuschuß von 300 m. bewilligt wurde, ist es ermöglicht, den Pfeiler in seiner ganzen bisherigen Höhe mitsammt dem Bogenaufsatz wiederherzustellen. Zugleich wird die arg vernachlässigte Krypta in einen besseren Zustand versetzt, indem Schutt und Unkraut aus derselben entfernt und die zahlreichen vorhandenen Trümmer von Säulen, Inschriften, Ornamenten, Fensterbögen etc. in geeigneter Weise aufgestellt werden. Die Schönheit der Krypta tritt jetzt erst in ihrer wahren Gestalt hervor und die über 100 Stück betragenden, theilweise höchst kunstreich ausgearbeiteten Gegenstände werden einen wirkungsvollen malerischen Schmuck der alten Klosterruine bilden.

(Nürnberger Presse, Nr. 278.)

133) Die Darmstädter Zeitung enthält in Nr. 285 einen Artikel über die Agathakirche in Mainz, deren Restauration geringe Anerkennung des Verfassers findet, jedoch das Verdienst hat, das bisher vermauerte Durchgangsthor zwischen Thurmhalle und Kirche wieder geöffnet zu haben, dessen derb gedrungene Gliederung auf das 12. Jahrh. hinweist, während sich in der Wölbung skulpierte Bogensteine von höchst alterthümlicher Erscheinung finden, deren Bloßlegung ein wirklicher Gewinn ist.

In den Altären fanden sich nebst Reliquien die Konsekrationsurkunden von 1410 und 1448 vor, die letztere in einem gerippten grünen Glase aufbewahrt. Da sich nur wenige Gläser aus dem Mittelalter erhalten haben, mindestens wenige datierbare, so bietet auch dieser Fund großes Interesse.

134) +Ballenstedt+, 11. Oktober. Das „B. Kr.-Bl.“ meldet: Die auf höchsten Befehl Sr. Hoheit des Herzogs durch den Bauinspektor Mauer in der hiesigen Schloßkirche am 7. d. M. eingeleiteten Nachforschungen nach dem +Grabe des Markgrafen Albrecht des Bären+ haben insofern bereits einen günstigen Erfolg gehabt, als am Abend des 10. d. M. und heute früh durch den Obengenannten persönlich unter der, zwischen den beiden westlichen Thürmen der alten romanischen Kirche befindlichen Kapelle St. Nicolai (jetzt Speisekammer) das Vorhandensein zweier Steingräber mit menschlichen Ueberresten festgestellt wurde. Ob man wirklich das Grab Albrechts des Bären nebst Gemahlin vor sich hat, kann -- wenn überhaupt möglich -- erst nach Aufdeckung der Gräber ermittelt werden.

(Deutsch. Reichsanzgr., Nr. 242.)

135) Zu +Herlisberg+, ca. 6 Stunden von Luzern entfernt, bearbeiteten im Mai d. J. zwei Brüder einen Kartoffelacker, auf welchem, wie man erzählt, im vorigen Jahrhundert das Häuschen eines Waldbruders gestanden habe. Die Sage berichtet ferner, daß der Bewohner dieses Häuschens bedeutende Geldsummen besessen habe. Während der Arbeit fand kurze Zeit nach einander jeder der Brüder ein Goldstück, welche mir zur Bestimmung überbracht wurden. Das eine war ein Goldgulden des Erzbisthums Trier von Werner v. Falkenstein (1388-1418), das andere ein Goldgulden des Erzbisthums Cöln von Dietrich II. v. Mörs (1414-63) geprägt.

+Luzern.+ +Ad. Inwyler.+

(Numism.-sphrag. Anzeiger, Nr. 7 u. 8.)

136) Zu +Döllen+ bei Groß-Welle im Regbez. Potsdam fand der Kossäth Ludwig Schulz beim Abbruch seines Stalles eine Anzahl Münzen im Gesammtgewicht von 5½ Pfund. Der Fund bestand zum großen Theil aus Thalern und einigen kleinern Münzen aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Näheres über den Inhalt hat sich leider nicht feststellen lassen. Der kleine Schatz ist angeblich in „feste Hände“ übergegangen; vielleicht aber begegnen wir ihm bald wieder bei einem der Berliner Münzhändler.

(Daselbst, Nr. 7 u. 8.)

137) Beim Ausschachten eines Grundstückes in +Görlitz+ wurde Mitte September etwa 1½ Fuß tief in der Erde ein Topf mit über +600 Stück alten Münzen+ gefunden. Einige derselben hatten die Größe der früheren Zwei-Thalerstücke und trugen die Jahreszahlen von 1585 bis 1615; andere hatten Thalergröße und noch andere bezeichneten wieder Drei-Groschenstücke aus der Zeit von 1543 bis 1545. Die meisten der Geldstücke sind den früheren Acht-Groschenstücken sehr ähnlich und ziemlich gut erhalten.

(Daselbst, Nr. 9.)

138) +Straubing+, 27. Aug. Im sog. städtischen Zeughause hatten sich seit Jahrhunderten allerlei alte Waffen, Rüstungen, Bildwerke angesammelt; unbeachtet und unverstanden lagen die Sachen in jenen abgelegenen, dunklen und feuchten Räumlichkeiten, und in Straubing selbst werden Wenige eine Ahnung davon gehabt haben, daß dort hinten sonderliche Kostbarkeiten sich befänden. Wie das „Straub. Tagbl.“ mittheilt, fand Herr Hauptmann Wimmer, ein unermüdeter und erfolgreicher Forscher in historischen Dingen, daß hier äußerst werthvolles Material für eine interessante und lehrreiche Sammlung durcheinander liege, und war bereit, sich der vernachlässigten Schätze anzunehmen. In dem hellen, trockenen und geräumigen Saale am Stadtthurme ist nun eine Sammlung aufgestellt und in musterhafter Weise geordnet. Ihrer Herkunft entsprechend bestehet der größte Theil der Sammlung aus Waffen und Rüstungen. Außerdem sehen wir: Porträte berühmter Straubinger, wie Simon Höller, Ulrich Schmidl; Bilder bayerischer Fürsten und Fürstinnen; allerlei auf die Stadt bezügliches Bildwerk in Zeichnung und Vervielfältigungsdruck; Statuen in Thon und Stein; treffliche Werke alter Straubinger Meister, daneben auch Ausbeute sachkundiger Nachgrabungen nach Ueberresten römischer und altdeutscher Vorzeit.

(Südd. Presse u. Münchn. Nachr. Nr. 203.)

139) In +Stockholm+ ist ein +historisches Artillerie-Museum+ nach dreijähriger Arbeit von dem Artillerie-Hauptmanne F. A. Spak vollendet und dem Publikum geöffnet worden. Dasselbe enthält 12 Abtheilungen: Kanonen und Fuhrwerke; Modelle; Geschoße zu Geschützen; Instrumente, Ladewerkzeuge etc.; Kanonenmetalle und Modelle von gesprengten Kanonen; Sattel- und Riemenzeug; Kleidungs- und Ausstattungsstücke; Fahnen und Standarten; Handschußwaffen; scharfe Waffen; Geschosse zu Handwaffen; Werkzeuge zur Gewehrfabrikation, zum Kugelgießen etc. Dazu gehört auch ein Archiv mit etwa 1000 Zeichnungen vom Jahre 1500 bis zur Neuzeit, Abbildungen und einer Sammlung älterer und neuerer artilleriewissenschaftlicher Werke. Etwa 200 Kanonen, deren Mehrzahl Kriegsbeute ist, sind reihenweise im Hofe des Museums aufgestellt; andere stehen im Erdgeschosse, darunter 8 französische, welche der General Cardell von Leipzig heimgebracht hatte. Als Werthgegenstände sind ein paar Falkonette und eine Feldschlange zu bezeichnen, die als Kriegsbeute aus dem polnischen Kriege Karls X. herrühren. Die reich mit Figuren und Wappen verzierten Falkonette sind 1557 in Nürnberg gegossen. Die Reihe der Geschütze setzt sich fort bis zu den neuesten. Die Wände und Pfeiler der Gallerie sind mit den Uniformen des schwedischen Heeres vom Jahre 1600 bis heute geziert. Die Gewehre, Pistolen, Hieb- und Stichwaffen gehen zurück bis zum Jahre 1500. Alle Handwaffen, 800 an der Zahl, sind streng systematisch nach der Zeit und nach den Ländern, denen sie zugehören, geordnet.

(Deutsch. Reichsanzgr., Nr. 193.)

140) In den Tagen vom 30. September bis 2. Oktober hielt die historische Commission ihre diesjährige Plenarversammlung.

Nach dem Geschäftsbericht über das verflossene Jahr und den im Laufe der Verhandlungen gemachten Mittheilungen sind alle Arbeiten der Commission in erfreulichem Fortgang. Seit der vorjährigen Plenarversammlung sind im Drucke fertig geworden:

1) Die Chroniken der deutschen Städte vom 14. bis ins 16. Jahrhundert. Bd. XVI. -- Die Chroniken der niedersächsischen Städte. Braunschweig, zweiter Band.

2) Briefe und Akten zur Geschichte des sechzehnten Jahrhunderts mit besonderer Rücksicht auf Bayerns Fürstenhaus. Zweiter Band. -- Beiträge zur Reichsgeschichte 1552. Bearbeitet von +Aug. von Druffel+.

3) Geschichte der Wissenschaften in Deutschland. Neuere Zeit. Band. XVIII. Erste Abtheilung. Geschichte der deutschen Rechtswissenschaft von +R. Stintzing+. Erste Abtheilung.

4) Die Recesse und andere Akten der Hansetage von 1256-1430. Bd. V.

5) Forschungen zur deutschen Geschichte. Bd. XX.

6) Allgemeine deutsche Biographie. Lieferung XLVII.-LVI.

Andere Werke sind bereits im Drucke, so daß sie im Laufe des nächsten Jahres werden veröffentlicht werden können. Wie schon so oft mit Dank erkannt ist, erwächst allen Arbeiten der Commission eine außerordentliche Förderung durch die große Liberalität und Bereitwilligkeit, mit welcher dieselben von den Vorständen der Archive und Bibliotheken unterstützt werden.

Das große Unternehmen: „Geschichte der Wissenschaften in Deutschland. Neuere Zeit“, welches die Commission so lange Zeit beschäftigt, wird in wenigen Jahren zum Abschluß kommen. Von der Geschichte der Jurisprudenz, bearbeitet vom geheimen Justizrath +von Stintzing+ in Bonn, tritt die erste Abtheilung jetzt in die Oeffentlichkeit und wird ihr bis 1882 die zweite weniger umfängliche Abtheilung folgen. Im Laufe des nächsten Jahres hofft man die Geschichte der Historiographie und die Geschichte der Geologie publizieren zu können, denen sich dann unmittelbar die Geschichte der klassischen Philologie anschließen wird. Für die Geschichte der Kriegswissenschaften ist es gelungen, jetzt in Major +Max Jähns+ in Berlin einen in allen Beziehungen geeigneten Bearbeiter zu gewinnen, und wird die Vollendung dieser Abtheilung bis zum Jahre 1884 in Aussicht gestellt.