Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit, 27. Band, 1880 Organ des Germanischen Museums
Part 36
119) Conservator Dungl hat an die Centralkommission berichtet, daß er 76 Hügelgräber bei Bischofstetten und S. Leonhard gefunden habe. 52 Tumuli liegen auf vor einigen Jahren gerodeter Waldstelle, die übrigen im Walde. Sieben Hügel wurden untersucht, zwei waren schon alt durchsucht und wieder zugeworfen; in zweien waren die Beigaben durch Ausgrabung darauf stehender Bäume zerstört, drei erwiesen sich intakt. Sämmtliche untersuchte Hügel sind Brandgräber aus der römischen Zeit.
(Mittheilungen d. k. k. Cent. Com. z. Erf. u. Erh. d. Kunst- u. hist. Denkmale, VI. Bd. 3. Heft.)
120) +Ravensburg+, 29. Aug. Am letzten Freitag war die Römerstation „Herrgottsfeld“ von hier aus sehr zahlreich besucht. Dr. Miller erläuterte die Lokalitäten und die Fundgegenstände, bestehend in Mosaikstücken, Gefäßstücken, Ziegelplatten, einer beinernen Haarnadel, Pfannen, Küchenresten u. dgl. Auch eine Silbermünze aus der Zeit des Kaisers Hadrian wurde noch gefunden. Das in seiner Grundrichtung an verschiedenen Punkten aufgedeckte Gebäude, an seinen vier Flanken einst mit Thürmen versehen, mißt eine Breite von 50 und eine Länge von 90 Metern. In den nächsten Tagen werden die aufgedeckten Mauerreste u. dgl. jedenfalls noch zu sehen sein.
(Staats-Anzeiger f. Württemberg, Nr. 203.)
121) +Wiesbaden+, 26. August. Hier wurde, wie man der „A. Z.“ meldet, am Anfang dieses Monats bei dem Kanalbau in der Friedrichsstraße ein für die Geschichte der Stadt sehr +interessanter Fund+ gemacht, nämlich derjenige eines +altchristlichen Grabsteines+ mit der Inschrift: „Hic iacet in pace Votrilo an. L.“ zu Deutsch: „Hier liegt in Frieden Votrilo, 50 Jahre (alt)“; darunter befindet sich das Monogramm Christi mit Alpha und Omega. Es ist dies die siebente altchristliche Inschrift, welche man in Wiesbaden gefunden. Nach dem Inhalte der Inschrift, sowie der Technik derselben zu urtheilen, stammt der Stein etwa aus der ersten Hälfte des sechsten Jahrhunderts, indem Votrilo, dessen Name ohne Zweifel ein germanischer ist, zwischen 530 und 550 gestorben sein mag. Die Fundstätte befindet sich in der Gegend der Stadt, durch welche einst die altrömische Straße von dem Kastell auf dem Heidenberg nach Mainz führte. Da man in derselben Nähe schon vor einigen Jahren ebenfalls altchristliche Grabsteine gefunden hat, scheint es festzustehen, daß hier nach dem Aufhören der Römerherrschaft ein fränkischer Begräbnißplatz lag. Der neue Fund ist der Alterthümersammlung zu Wiesbaden einverleibt worden.
(Nordd. Allg. Ztg., Nr. 405.)
122) Nächst Petronell wurden wieder mehrere interessante Funde aus der Römerzeit gemacht. Unter Anderem hat der Bäckermeister Gruber in Petronell selbst einen Grabstein gefunden, dessen Inschrift auf einen römischen Centurio Bezug nimmt und seine militärische Laufbahn genau erzählt. Auf dem Sockel sind militärische Embleme, ein Panzer, ein Helm und ein Relief angebracht, welches einen Mann darstellt, der ein Pferd führt.
(Das Vaterland, Nr. 242.)
Verantwortliche Redaction: Dr. +A. Essenwein+. Dr. +G. K. Frommann+.
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.
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ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS.
1880. Nº 10. Oktober.
Wissenschaftliche Mittheilungen.
Alte Handzeichnungen von Goldschmiedearbeiten im germanischen Museum.
(Mit 2 Tafeln.)
Im Anschlusse an die in früheren Nummern mitgetheilten Gefäßzeichnungen lassen wir heute auf den beiliegenden beiden Tafeln vier weitere folgen, zunächst einen Pokal, sorgfältig mit der Feder gezeichnet und mit violetter Farbe (Neutraltinte) angetuscht. Das Blatt zeigt von späterer Hand mit anderer Tusche die Initialen W und I zu beiden Seiten des Mittelknaufes, die hier weggelassen sind, in der That aber wiederholt Veranlassung gegeben haben, das Blatt dem berühmten W. Jamitzer zuzuschreiben. Die Farbe veranlaßt uns, anzunehmen, daß die Ausführung in unvergoldetem Silber gedacht ist. (Nr. 19 der Handzeichnungen.)
Das zweite Gefäß ist eine Vase, aus einer Cocosnuß hergestellt, welche auf der Zeichnung braun schattiert ist, während die silberne Fassung ebenfalls mit Neutraltinte schattiert, theilweise aber leicht gelb angelegt ist, so daß man ersehen kann, daß sie theilweise vergoldet werden, zum Theile die Naturfarbe des Silbers behalten sollte; die Zeichnung ist jener des vorhergehenden Blattes verwandt, doch wol nicht von derselben Hand. Das Blatt trägt in unserer Sammlung die Nummer 102.
Mit Tusche leicht schattiert und somit ohne Angabe des Materials sind die beiden Zeichnungen Nr. 109 und 111, zwei Gefäße darstellend, die aus Nautilusmuscheln hergestellt werden sollten, welche am Schlusse des 16. und im 17. Jahrh. häufig zu Gefäßen verarbeitet wurden, die mehr Schaugefäße waren, als eigentliche Gebrauchsgegenstände. Das erste derselben hat einen Deckel mit einer liegenden weiblichen Gestalt, die, nackt, blos mit einem Federdiadem auf dem Kopfe und ein ähnlich ausgestattetes Scepter in der linken Hand, Ketten und Ringe auf der Brust und an den Armen, in der Rechten eine kleine Nautilusmuschel trägt. Es soll wol eine allegorische Darstellung, und zwar jene von Amerika sein, während ein Bewohner dieses Landes es ist, der, in der Rechten ein Ruder haltend, mit der Linken einen großen Fisch schleppend, auf dem gebückten Rücken das Gefäß trägt, das in ornamentale Spangen von Metall gefaßt, an der Mündung mit Metallrand versehen ist. Das zweite Gefäß hat keine Metallfassung und ruht nur auf zwei auf einem Postamente stehenden Schwänen.
+Nürnberg.+ A. +Essenwein+.
Gerhard Heinrich von Amsterdam, Bildhauer in Breslau.
Anfang dieses Jahres veröffentlichte ich (Breslau, 1880) eine kleine Schrift über den Bildhauer Gerhard Heinrich und dessen Hauptwerk, das Grabdenkmal des Feldmarschalls Melchior von Redern in der Stadtkirche zu Böhmisch-Friedland. Durch die Güte des Stadtbibliothekars Herrn Dr. Markgraf ist mir nun ein Hochzeitsgedicht zugänglich gemacht worden, das Georg Reuter bei Gelegenheit der Vermählung des Meisters mit seiner Stiefenkelin, Barbara Wittich, am 20. Mai 1607 (nach dem Carmen: am 21. Mai) gereimt hat, und diese an sich werthlose poetische Leistung gibt uns über den Künstler manch wichtige Nachricht.
Wir erfahren, daß
Anno 1587 Nun war dieser Herr Breutgam fein, In dieses Land komen herein, Hierin sich etwas vmbzusehn, Das seiner kunst möcht wol anstehn, Wie er dann zuvor in Franckreich, Welschland, zu Venedig, deßgleich Im Römischen Reich war gewesen.
Er heiratet in Breslau die Witwe des Bildhauers und Stadtbaumeisters Friedrich Groß, der, wie der Poet mittheilt, 1588 gestorben war. Als den Hochzeitstag nennt Georg Reuter den 21. Mai 1589. Das ist aber falsch; denn, als der Sohn des Friedrich Groß am 20. Oktober 1589 sein Testament macht, war Gerhard Heinrich noch unverheiratet, und das Traubuch der Maria-Magdalenenkirche gibt als Datum der Verehelichung den 4. Juni 1590.
Aus der Ehe giengen, wie ferner der Poet berichtet, 8 Kinder hervor. Zwei derselben starben 1606; die Mutter, welche in demselben Jahre verschied, überlebten drei Söhne und drei Töchter.
Wichtiger sind die Angaben über des Meisters Herkunft, von der wir bis jetzt gar nichts wußten.
[Sidenote: starb Anno 1585]
Der Geburt ist er aus Hohland, Von Amßderdamm der Handelstadt, Drin es manch schönen Künstler hat. Kunstreich auch seine Eltern warn, Von den er ehlich ist geborn. Der Vater des Herrn Breutigam, War der Ehrvest Kunstreich mit Nam: +Heinrich Gerhard+, Bildhawer schon, Seine Fraw Mutter erbar, from, War +Margretha, ein Wilhelmin+, Welche dan hat gezeugt mit jhm Zwölff Töchter und nur zwene Söhn, Welche noch beyd im Leben stehn. Gott sie noch lenger auch erhalt, Das sie mit Ehren werden alt. Weil Unfried war im Niderland, Und in Krieg zihn ist keine schand, Als hat sich gsetzt zur Kegenwehr Des Herren Breutigams Vater, Drumb er dann von der Wiederpart In Spanien gefangen wardt. Durch Kunst des Wassersteigens loß Er ward, welchs den Feind sehr verdroß. Nach +Hollstein+ kam, darin 6 Jahr In der Stadt +Kyll+ gewohnt alldar. Nach +Dantzig+ sich mit Kind und Weib Endlich macht, 7 Jahr drin bleib. In der Sterb er mit der Fraw sein Und sieben Kindern thet schlaffen ein.
Von seinen Werken wird berichtet:
Wie er dann durch sein edle Kunst, Bey Fürsten und Herrn hat gros Gunst, Weil er etlich Fürstlichen Person Und andern Herrn hat machen thon Gar künstlich Epitaphia, Zur Elß ein Predigstul auch ja. An jtzt ein solch Werck für sich hat, Welches ein groß stücke Gelds gestat[246]; Gehört dem Edlen Gestrengen Herrn, Wolgborn Herrn, Melchior von Rehdern, Welches dem Herren seiner Gnad Die Wolgeborne Wittib zart, Sein liebs Gemahl, leßt richten auff, Ihm zu Ehrn, wagt gros Gelt darauff, Welchs also zierlich wird gemacht, Nicht bald dergleich ist so erdacht, Als es dieser Herr Breutigam Durch seine Kunst macht lobesam.
Das zuletzt erwähnte Werk ist jenes von mir schon geschilderte Epitaphium des Melchior von Redern († 1600), welches auf Kosten der Witwe Katharina, geb. Gräfin Schlick, ausgeführt und 1610 in Friedland aufgestellt wurde. Die Kanzel der Oelser Schloßkirche wurde auf Kosten des Herzogs Karl II. von Münsterburg-Oels 1605 gearbeitet (Sinapius, Olsnographia II.) Von sonstigen Denkmälern ist mir nichts bekannt.
Den wahren Familiennamen des Künstlers kennen wir nicht; sein Vater heißt Heinrich Gerhard also Hendrik Geritzoon[247]. Unser Meister nennt sich Gerhard Heinrich also Gerit Hendrikzoon. Auch die Mutter Margaretha Wilhelmine wird Margaretha Willemsdochter ursprünglich geheißen haben. Der Vater hat die Niederlande gegen 1572 verlassen, ist bis 1578 in Kiel gewesen und hat dann bis 1585 in Danzig gelebt. Die zwei Jahre 1585-1587 scheint Gerhard Heinrich auf Reisen in Frankreich, Italien, Deutschland zugebracht zu haben. Er lebte seit 1587 in Breslau und ist etwa 1615 gestorben. Seine Witwe heiratete wieder am 15. Februar 1616.
+Breslau.+ +Alwin Schultz+.
Judasaustreiben.
„Der schulmeister sol in der marterwochen bestellen all vinster metten, daz die schuler mit grozzen hölczern niht in die stül slagen, sunder daz sie mit cleinen hölczlein oder mit spreizzeln[248] klopfen auf die erden vnd dorzu sol er sechs schuler bestellen, die also clopfen vnd suͤst[249] nyemancz mer.“
Aus dem Leitbuch des neuen Spitals, aus der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts, Bl. 55^a, im Nürnberger Stadtarchiv. --
Vergl. Schmeller I, 1689: „Pumpermetten, Chorgesang, der jetzt an den Vorabenden des Donnerstags, Freitags und Samstags in der Charwoche statthat, ursprünglich aber in den horae matutinae gehalten zu werden pflegte. Nach jedem Psalme, der abgesungen ist, wird immer eine von 15 an einem dreieckigen Gestelle aufgesteckten Kerzen ausgelöscht. Ehemals sollen hierauf die Kirchengänger mit Stöcken, Hämmern, Steinen etc. an die Bänke und Wände geschlagen, und dieser Lärm soll dem Verräther Judas gegolten haben.“ S. auch Grimm, Wbch. IV, 2351: Judasjagen.
+Meißen.+ W. +Loose+.
Glockeninschrift.
Dem alten Glauben von der gewitterzerstreuenden Kraft der Glocken entsprechend, finden sich hierauf bezügliche Glockeninschriften auch in Siebenbürgen. Zu den von Fr. Müller („Zur älteren siebenbürgischen Glockenkunde“ im Archiv für siebenbürgische Landeskunde, neue Folge, Bd. IV, 224 und 236) mitgetheilten habe ich vor kurzem in Marienburg im Burzenland eine überaus bezeichnende dritte gefunden. Sie steht dort, in guter Minuskel aus der Mitte des 15. Jahrhunderts, auf der größten Glocke der evangelischen Pfarrkirche und lautet:
Hac cristi tuba pellatur grandinis turma turbinis conflictus stringatur fulminis ictus.
+Hermannstadt.+ +Teutsch+.
Bruchstück eines mittelhochdeutschen Meßgebetes.
In dem cod. Aa. 46 (neue Signatur) der ständischen Landesbibliothek in Fulda, klein 4^o, von einer Hand des zwölften Jahrhunderts geschrieben, findet sich auf fol. 71^b nachstehendes +Wandlungsgebet+:
Got uater allir cristinheit. lop vnd | ere si dir giseit.[250] von allir dinir hant | gitat.[251] die din sun irlosit hat. dur[252] | daz opfir herre crist. so hilf vns daz | du selbe bist. daz wir giwinnin reinin | mǒt. vnde vns din licham vnd din blǒt, | irlûtere vnd gireîne. von svndin al gimeî | ne. swa cristane sele in nôtin si. die irlôse | dur die namen dri. amen. Pater noster.
In den letzten vier Versen finden sich an den bezeichneten Stellen mit blasserer Tinte geschriebene Accente. Am Rande steht mit rother Schrift:
In der stillvn | messe sol man | diz sprechin | so man vnsirs | herrin lichamin | vf hebit.
Die Handschrift enthält lateinische Psalmen, Cantica, Symbola, Litaneien etc. Die auf das Gebet unmittelbar folgenden Blätter 72 und 73 sind herausgeschnitten. Der Codex gehört weder zu den alten Fuldaer, noch zu den Weingartner Handschriften. Woher er stammt, ist unbekannt.
+Fulda.+ Dr. +Joseph Rübsam+.
Schlesische Schreibersprüche.[253]
Die Namen mittelalterlicher Schreiber sind bekanntlich häufig in Gestalt naiver Räthsel verewigt. So gibt ein Schlesier(?) seinen Vornamen Nicolaus in folgenden Hexametern zu errathen auf:
Nomen scriptoris si tu cognoscere queris, _Nic_ tibi sit primum, medium _co_, _laus_ vero ymum.
(Richsteig Landrechts, 15. Jhrhdt., unter den Rechtshandschriften der Stadt Breslau). Vollständig nennt sich in ähnlicher Weise nach denselben Anfangsworten ein Johann Henning als Schreiber des Lehnrechts, Sachsenspiegels etc. (Schweidn. Rathsarch. 14. Jahrh.):
_Jo. Hen._ tibi sit primum, medium _ning_. _vs_ fit in ymum.
Ein dritter fährt nach dem geistreichen Introitus „Ego sum, qui sum“ fort: „noch weist du nicht, wer ich ben.“
Suroffotsirc ist der name meyn, Rot[254] den bal[255] obiral![256] 1427.
Das geheimnißvolle Wort ist gleich heraus; man braucht es nur rückwärts zu lesen. Ein vierter aber gibt nach der nämlichen vielversprechenden Eingangsformel schon den Versuch auf, seinen Namen in den Vers zu zwängen, sondern schreibt offen Johannes de Namslauia[257] 1426. (Rationes frumentariae 1411-1457 im Schweidn. Pf.-A.)
Obengenannte Schweidnitzer Rechtshandschrift enthält noch folgende fromme Wünsche, wovon der zweite am Schluß eine sinnliche Anwandlung des Verfassers verräth.
Nu hat das buch eyn ende, Gott muz vnz alle vnse vngemach swende. amen, amen. Hy hat das buch eyn ende, Got muz den schriber senden Vz disem elelende[258] in das ewige rich Czu den iuncvrouwen suberlich.[259]
+Bunzlau.+ Dr. +Ewald Wernicke+.
Zur Familiengeschichte des Veit Stoß.[260]
Von den zahlreichen Nachkommen des berühmten Bildschnitzers ist bisher der bekannteste Meister +Florian+ der Goldschmied in Görlitz. Um dessen derangierten Verhältnissen aufzuhelfen, wandte sich der dortige Magistrat 1525 an den Vater zu Nürnberg in einem Briefe, von dem uns das Concept im Missivenbuche von 1523 erhalten ist. Es lautet:
An Veit Stoss, bildhawer zu Nürnberg.
Vnsern freuntlichen dinst zuvor. Ersamer, fursichtiger, besonders gunstiger freund. Euer schreyben vnd beger, belangende Florian Stoss, euern son, mit seinen gleubigern zu handeln, vnd euch die summen, wes er zu en (_ihnen_) schuldig bleybt, zu schreyben, denn wollet ir euch mit freuntlicher antwort gen denselben lassen vornehmen, an vns gethan, haben wir vorstanden vnd durch vnsere ratsfreunde mit seinen gleubigern vnd ime handeln lassen vnd befunden, das er dem ersamen, vnserm miteldisten (_Mitältesten_) Joh. Arnold[261] xiiii flor. schuldig, darneben auch andere kleine schulde, also das dy gantze summa seiner schulden auf der part (_Parteien_) antzeigen xl flor. Rh. befunden ist. Derwegen bitten wir freuntlich, wollet gemeltem eurem sone hirzune (_hiezu_) hülfflich erscheynen, damit er widder beym volcke glauben (_Credit_) bekome vnd sich dister bas (_desto besser_) habe zu nehern (_nähren_). Das wir euch vff euer beger nicht haben wollen vorhalden (_vorenthalten_); denn euch freuntlich zu dienen, thuen wir gerne. Datum 5ta post Quasim. (27. April) 1525.
Ueber denselben Florian enthält das liber missivarum von 1528 noch eine Notiz unwesentlichen Inhalts, datiert 1530 am Sonnabend nach Pfingsten. Ebenso findet er Erwähnung in einem leider nur fragmentarisch erhaltenen Testament eines ungenannten Bruders von ihm, dessen Nichte an den Nürnberger Goldschmied Sebold Gar verheiratet war. Dieses Schriftstück, welches Herr Dr. Schnorr von Carolsfeld für mich zur Veröffentlichung abschreiben zu lassen die Güte hatte, füllt die Vorderseite eines Foliobandes in der k. öffentlichen Bibliothek (122 h, 10) zu Dresden aus. Ich zweifle nicht daran, daß das Dokument, an dieser Stelle publiziert, Versuche veranlassen wird, die dunklen Punkte darin aufzuhellen und vor allem die Person des Erblassers festzustellen. Da in demselben vom Studieren und der „Provinz“ zu Bamberg die Rede ist, so könnte der Testator +Andreas Stoß+, provincial. ord. Carmelit., sein, ebenfalls ein Sohn des Bildhauers, von dessen Hand die gen. Dresdener Bibliothek, wie mir freundlichst berichtet wurde, liber 4-8 actorum (1534-1538) 430 Bl. 4^o besitzt.
Item verordne vnnd Schaff zugeben vnnd vberantworten wollen, mein Testamentarier, Dem Sebolt Gar, goltschmid zu Nurmberg, meinem Schwagern, Der meiner Schwester Dochter hatt, vnnd Florian Stoß, Goltschmid, meinem Bruder zu Gorlitz, jm Lausitzer land, jrenn kyndenn vnnd Erbenn, sollenn vnnd wollenn vberantwortenn, Die Acta in schrifften begriffenn, Die Schuld, Die Taffel belangenndt vnnd was ich verstudirt habe, von meinem vetterlichen Erbtheil, wellichs mir als[262] abgezogen ist, vonn meinem Erbtheil, Die von Nurmberg haltenn[263] mir, das Closter vnnd die Taffel entuor, vnnd nit bezalenn wollenn Solchen gepurenden theil, beger nur das mein, machenn mit Des Closters gutt, wis[264] sie es, wol werdenn wissen zu uerantwortenn, Nach solchem meinem absterbenn, Dise schuld, Die ob meine geschribenn Erbenn, von den vonn Nurmberg erfordern wollens gleich miteynander theylenn, Die Stiffgeschwisterget, habenn kein zuspruch, Darzu zusprechenn, Sollicher Erbfall gehort mein freundenn[265] zu, Dieweil ichs jm Leben nit empfangenn habe, Darumb vbergibs jnenn antzufordernn vnnd antzulegen als Das jr, Solliche mein Erbenn oder annder vnerben, Die sich woltenn eindringen, vnnd fordrung habenn, ann die prouintz oder Conuent zue Bamberg, mann solt jnn eppas[266] geben verorden vnnd Schaff, Das man jn nichts gebenn soll, wann[267] ich hab jn[268] yglichem, jnn sonnder heit gebenn alt vnnd jung, Das ich nit schuldig were gewest zuthun wie mann das findt jn actis, Diser schuld, wols[269] ich nit als hab angeschribennn etc.
Copia hec presens originali suo vero, De verbo ad verbum (per me Cristofforum Schiffel ex autoritate imperiali publicum Notarium auscultata et Collacionata) concordat Quod ego manu mea propria, cum scripturis Attestor
Cristofferus Schiffel Notarius jn fidem scripsit et subscripsit.
Von +Veit Stoß dem Jüngeren+ († 1569) bringt der 44. Bericht von „Schlesiens Vorzeit“ die Lithographie seines Grabmals (an der kath. Pfarrkirche zu Frankenstein in Schlesien) und eine Erläuterung dazu.
+Bunzlau.+ Dr. +Ewald Wernicke+.
Berichtigungen.
In dem Artikel „Samuel Karoch“ der vorigen Nummer sind folgende Corrigenda übersehen worden: Sp. 283, Z. 15: 1463 lies 1493. Sp. 290, Z. 29: Regine. Sp. 290, Z. 33 Buridano... postulacionem. Sp. 290, Z. 38: requiescant. Sp. 290, Z. 8 v. u.: Gislingen.
Verantwortliche Redaction: Dr. +A. Essenwein+. Dr. +G. K. Frommann+.
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.
Gedruckt bei +U. E. Sebald+ in Nürnberg.
Mit einer Beilage.
BEILAGE ZUM ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.
1880. Nº 10. Oktober.
Chronik des germanischen Museums.
+Nürnberg+, den 25. Oktober 1880.