Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit, 27. Band, 1880 Organ des Germanischen Museums
Part 32
Die Grabdenkmäler der Familie Thannhausen in der Dominicanerkirche zu Friesach. Von L. von Beckh-Widmannstetter (Mit Abbild.). -- Etruskische Reste in Steiermark und Kärnthen. Von Dr. Fr. Pichler. -- Die Gegend von Kaumberg in Niederösterreich in kunsthistorischer Beziehung. Von Dr. Alb. Ilg. -- Ein Reitersiegel des Ritters Friedrich Thumb von Neuenberg bei Götzis in Vorarlberg. Von Jos. Zösmaier. (Mit Abbild.) -- Zur Geschichte der Schatz-, Kunst- und Rüstkammer in der k. k. Burg zu Grätz. Von Jos. Wastler. III. -- Archive in Ober-Oesterreich. Von Albin Cerny. -- Portal am Hause Mannsfeldgasse Nr. 6 in Pilsen. Von C. Lauzil. (Mit Abbild.) -- Altdeutsche Bilder aus der von Vintler’schen Galerie in Brunneck. -- Archäologische Nachrichten aus Schlesien. -- Holzkirchen in den Karpathen. Von V. Myskovsky. -- Münzen als Glockenzierrat. Von A. Luschin von Ebengreuth. -- Reise-Notizen über Denkmale in Steiermark und Kärnthen. Von Dr. K. Lind. III. (Mit Abbild.) -- Notizen.
+Mittheilungen der kais. und kön. geographischen Gesellschaft in Wien.+ 1879. XXII. Band (der neuen Folge XII.) Wien, 1879. 8. 600 Seiten.
+Mittheilungen des k. k. österreich. Museums für Kunst und Industrie.+ (Monatsschrift für Kunst und Kunstgewerbe.) XV. Jahrg. Nr. 176-178. Wien, 1. Mai-1. Juli 1880. 8.
Ueber einige Benennungen mittelalterlicher Gewebe. Von Dr. Karabacek. (Forts.) -- William Unger. -- Antiquar. Gläser aus Aquileja. -- Bucheinbände Von J. von Falke. -- Literatur. -- Kleinere Mittheilungen.
+Numismatische Zeitschrift+ herausgegeben von der +Numismatischen Gesellschaft in Wien+ durch deren Redaktions-Comité. Zwölfter Jahrgang. Erstes Halbjahr. Jänner-Juni 1880. Mit IV Tafeln und 8 Holzschnitten. Wien, 1880. 8.
Gesellschaftsangelegenheiten. -- Die Kunst des Münzens von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Von Carl v. Ernst. -- Beiträge zur brandenburgischen Münzkunde. Von E. Bahrfeldt. -- Die Goldgulden vom Florentiner Gepräge. Von H. Dannenberg. -- Der Münzfuß der Wiener Pfennige in den Jahren 1424 bis 1480.
+Urkundenbuch des Herzogthums Steiermark+, bearbeitet von I. v. Zahn. Unter Förderung Seitens des k. k. Ministeriums für Cultus und Unterricht..... hrsg. vom +histor. Vereine für Steiermark+. II. Bd. 1192-1246. Graz, 1879. 8. XXVIII u. 759 Seiten.
+Die Wartburg.+ Organ des +Münchener Alterthumsvereins+. Zeitschrift für Kunst und Kunstgewerbe mit Berücksichtigung der Neuzeit. VII. Jahrg., 1880. Nr. 7. München, 1880. 8.
Nürnberger Künstler des 16. und 17. Jahrhunderts. Von R. Bergau. -- Die 700jährige Jubiläumsfeier des Wittelsbacher Herrscherhauses, abgehalten zu Landshut durch den obigen Verein am 16. Juni 1880. -- Literatur.
+Verhandlungen des historischen Vereins von Oberpfalz und Regensburg.+ Vierunddreißigster Band der gesammten Verhandlungen und sechsundzwanzigster Band der neuen Folge. Mit 8 Steindrucktafeln. Stadtamhof, 1879. 8.
Nachlese zu Th. Ried’s Codex chronologico-diplomaticus Episcopatus Ratisbonensis. 2. Regensburger Urkunden im Besitze des Grafen Hugo von Walderdorff zu Hauzenstein. Mitgetheilt von demselben. -- Der bayerische Krieg vom Jahr 1504. Reimchronik eines Zeitgenossen. Mitgetheilt von H. Frhrn. von Gumppenberg. -- Die Conventionsmünzen der Herzoge von Bayern und der Bischöfe von Regensburg. Von W. Schratz. (Mit 2 Tafeln.) -- St. Mercherdach und St. Marian und die Anfänger der Schottenklöster in Regensburg. Von H. Grf. von Walderdorff. -- Weihegedicht auf den Regierungsantritt des Bischofes Albert von Regensburg, des Großen und Seligen, aus dem Jahre 1260. Uebersetzt und erläutert von Georg Jakob. Thon-Reliefe (Fliese) aus der Stiftskirche zu St. Emeran in Regensburg. Von H. Grf. v. Walderdorff. (Mit 6 Tafeln.) -- Miscellen.
+Collectaneen-Blatt für die Geschichte Bayerns+, insbesondere für die Geschichte der Stadt Neuburg a/D. und des ehemaligen Herzogthums Neuburg, bearbeitet von Mitgliedern des +historischen Filial-Vereins zu Neuburg+. Dreiundvierzigster Jahrgang, 1880. Neuburg, 1880. 8.
Nachricht von dem Bauernaufruhr oder bäurischen Krieg des Georg Schwarzerdt. Mitgetheilt von J. Würdinger. -- Ein kaiserlicher Besuch in Neuburg a/D. im Jahre 1689. Von Dr. Häutle. -- Schicksale der jungen Pfalz während des schmalkaldischen Donaukrieges. Von W. P. Nikl. -- Aufzeichnungen einer Nonne im ehemaligen Kloster der Dominikanerinnen zu Obermedlingen aus den Jahren 1529-1546. -- Magdalena Scherer. Eine Hexengeschichte aus dem Jahre 1617. Von Chr. Schnepf. -- Ein Neuburger Falconet vom Jahr. 1534. Mitgetheilt von J. Würdinger. -- Vereinsangelegenheiten.
+Kunst und Gewerbe.+ Wochenschrift zur Förderung deutscher Kunst-Industrie. Herausgegeben vom +Bayrischen Gewerbemuseum zu Nürnberg+. Redigiert von Dr. Otto v. Schorn. Vierzehnter Jahrgang, 1880. Nr. 29 und 30. Nürnberg, 1880. 8.
Auf Streifzügen in Schlesien. Von F. O. Schulze. -- Kleinere Nachrichten. -- Literatur etc. -- Abbildungen: Portal vom Schloß zu Fischbach (Schlesien). Schmiedeisen-Gitter (16. Jahrhdt.). Bogen am Schloßportal zu Fischbach (Schlesien). Brunnen im Schloßpark zu Buchwalde (Schlesien).
+Mittheilungen des Bayerischen Gewerbemuseums zu Nürnberg.+ Beiblatt zur Wochenschrift: +Kunst und Gewerbe+. Redigiert von Dr. Otto von Schorn. Siebenter Jahrgang, 1880. Nr. 15.
Bekanntmachungen. -- Anzeigen. -- Notizen etc.
Vermischte Nachrichten.
103) Nach Nr. 137 des oberschwäbischen Anzeigers wurde in Hochsträß bei Friedrichshafen-Hofen ein Gräberfeld entdeckt, welches in einem uns von unbekannter Hand zugeschickten Separatabdruck eines Zeitungsartikels mit den in der Nähe gefundenen Pfahlbauten des Bodensees in Verbindung gebracht wird. Da uns der ursprüngliche Artikel nicht zugesandt wurde, sind wir nicht in der Lage, näher auf die Sache einzugehen.
104) Herr Professor +Heideck+ und Herr Bildhauer +Eckart+ sind auch während dieses Sommers bei dem +Aufsuchen und Oeffnen von Hünengräbern+ in der +Kaub+, einem Wäldchen bei Wosegau bei +Kranz+, thätig gewesen, und zwar mit sehr günstigen Erfolgen. Die Herren öffneten 100 Gräber; 60 davon waren für ihre Bestrebungen überaus ertragreich. In jedem Grabe wurde ein Schmuck, 2 Lanzen, zwei Steigbügel und Sporen gefunden. Hervorragende Funde waren außerdem 2 große Kronfibeln, 6 große Filigranschaumünzen, 2 Münzen arabischer oder byzantinischer Herkunft, eine silberne Filigranfibel, eine ovale silberne Medaille, 4 silberne Filigranperlen, 2 Steinperlen, focaltonartig geschliffen, eine längliche Perle, ebenfalls so geschliffen, Fibeln mit Silberdraht durchzogen, Schwerter mit kräftiger Parierstange, der Knauf mit Silberfäden durchzogen, etc.
(Nordd. Allg. Ztg.- Nr. 364.)
105) Herr +Kofler+ aus Darmstadt hat in der Umgegend von +Lich+ (Oberhessen) +Ausgrabungen an Hügelgräbern+ vorgenommen, die im Muschenheimer und im Langsdorfer Walde liegen. Zwei der Gräber boten sehr wenig des Interessanten, das dritte Grab aber ganz Hervorragendes. Im Langsdorfer Walde liegt eine Gruppe von Hügeln, genannt die „Heidengräber“. Einige derselben haben eine Höhe von 2 Metern und einen Umfang von 36-40 Metern; andere erheben sich kaum über den Boden. Das eröffnete Grab erhob sich nur 80 Centim. über den Boden und hatte einen Umfang von 25 Metern. In einer Tiefe von 80 cm. stießen die Arbeiter auf eine Anzahl Steine, welche in ziemlich kreisrunder Form pflasterartig den Boden deckten. Der Durchmesser des Kreises maß 4 Meter. Als die Randsteine losgebrochen wurden, fand man drei größere Schalen und ein Gefäß, von denen nur letzteres erhalten, die Schalen aber, wie die genaue Besichtigung zeigte, in beschädigtem Zustande niedergelegt waren. Unter den Gefäßen befanden sich große Lagen von Asche und kleine im Feuer kalzinierte Knochen. Bei Entfernung der Steine aus der Mitte fand man ebenfalls Asche und Scherben der verschiedenen Gefäße. Unter dem mittleren Steine lag ein vollständiger Bronzeschmuck, bestehend aus einem Halsring von gewundener Form mit schön erhaltenem Schluß; zwei spiralförmigen, ganz dünnen Armringen mit Schluß, die theilweise unter der Hand zerbrachen; zwei massiven Armspangen, jede zusammengesetzt aus 3 glatten Reifen; einem spiralförmigen Fingerring, dabei ein Stückchen Bronze, das wol zu demselben als Zierrath gehörte (aus den Armspangen fielen beim Herausnehmen je ein Reifchen von dünnem, nadeldickem Holz, das mit ganz dünnen Bronzen überarbeitet war); zwei Scheiden für spitze Gegenstände von wohlerhaltenem Gewebe; einem Gürtel, ganz vermodert, der mit unzähligen kleinen Bronzebuckeln besetzt war, die nicht ganz die Stärke des Materials der sogenannten Wachsperlen hatten; einer ganzen Anzahl halbvermoderter, halbverkohlter, ganz dünner Bronzeziergeräthe; einem Bronzebeschlag mit zwei Rundnägeln. Die Fundstücke hofft man für das Darmstädter Museum zu erhalten.
(Nordd. Allgem. Ztg., Nr. 362.)
106) Am 20. Juli wurden in der Nähe des Greiffensteiner Schloßberges, ½ Stunde westlich von Zabern, unweit der alten römischen Vogesen-Befestigungen am Schweizerhof, Köpfel, Fallberg und der römischen Kaiserstraße von Tres Tabernae nach Decempagi (Tarquimpol bei Dieuze) und der Römerstraße nach dem Fallberge: 160 silberne römische Münzen aus der Zeit der Prätorianer-Kaiser (235-279) beim Bauen einer Forststraße von einem Arbeiter gefunden. Die in einem zerfallenen kupfernen Gefäß befindlichen Münzen wurden an das Bezirkspräsidium nach Straßburg abgeliefert. Am 3. August wurden wieder 6 silberne, sehr gut erhaltene Münzen mit folgenden Inschriften gefunden: 1. (2 Münzen) Otacilia uxor Philippi I. Marcia Otacilia Severa Augusta, -- Concordia Augusta. 2. (2 Münzen) Imperator Caesar Cajus Vibulo Vellusiano (?) Augustus. 3. (2 Münzen) Imperator Gallienus, Pius Augustus (260-268).
+Freiherr von Hövel+, Premier-Lieutenant im k. Jäger-Bat. 8.
107) Der „Köln. Volks-Ztg.“ zufolge wurde in +Zülpich+ die dortige, aus dem achten Jahrhundert stammende Krypta nach ihrer Restaurierung wieder eröffnet und für den Gottesdienst in Gebrauch genommen.
(Staats-Anz. f. Württemberg, Nr. 190.)
108) Alle Zeitungen feiern die am 14. August d. J. erfolgte „Fertigstellung“ des Domes zu Köln, indem an diesem Tage die Versetzarbeit der Kreuzblume des zweiten Thurmes beendigt wurde, ein Ereigniß, das in der That wichtig genug ist, das Interesse aller Altherthumsfreunde in Anspruch zu nehmen, wenn auch von einer Fertigstellung, von einem Abschluß aller Arbeiten noch lange nicht die Rede sein kann.
109) In dem Gebäude des +Bürgerhospitales+ zu +Graz+ entdeckte man kürzlich beim Erneuern des Fußbodens in einem ebenerdigen Gewölbe eine +Grabplatte+ 75,40 Centimeter groß, leider in der Mitte geborsten in zwei Hälften, aus röthlichem Marmor. Die Mitte derselben zeigt nur einen Schild mit eingegrabener Schräglinie. Am Rande läuft in gothischer schöner Majuskelschrift die Legende: „CHVNRADVS. CIVIS. DE. GRÆTZ. LANTSCRIBA. IN. STIRIA. OBIIT. ANNO. DNI. M. CCC. XXI. XII. KAL. SEPTEM(BR)IS.“
Dieser Grabstein, der aus dem nahen ehemaligen St. Andreasfriedhofe herrühren möchte, ist vielleicht der älteste eines Bürgers (civis) von Graz und das Denkmal des „+Meisters Konrad Landschreibers von Steier+“ (Muchar V, 362), der ein Theilnehmer jener Versammlung steirischer Edeln und Stände im Kloster Göß war, von welcher die engere Beziehung unserer Heimat zum Hause Habsburg datiert wird.
(Der Kirchenschmuck, Nr. 8.)
110) Auf der bei Annweiler gelegenen Burg +Trifels+ ist man seit Beginn des Frühjahres beschäftigt, den dort befindlichen, aber nahezu vollständig zugeschütteten Brunnen auszugraben, in der Hoffnung, manch interessanten Fund aus dem Alterthum zu machen. Die Arbeiten blieben jedoch erfolglos, die Hoffnung begann zu sinken und die zur Ausgrabung freiwillig eingegangenen Beiträge waren erschöpft, auf neue aber nicht mehr zu rechnen. Da endlich stieß man am 24. Juli in der Tiefe von 70 Meter auf einen eisernen Mörser von nahe 18 Centner. Derselbe hat eine Länge von 88 cm., ist in der Wandung 7 cm. dick und hat einen Laderaum von 20 cm. Tiefe und 12½ cm. Breite. Nach Urtheil Sachverständiger soll das Stück aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts stammen. In Folge dieses Fundes werden die Ausgrabungen eifriger denn je betrieben, da man noch werthvollere Gegenstände an das Tageslicht zu bringen hofft. Auf Wasser ist man bis jetzt noch nicht gestoßen.
(Fränk. Kurier, Nr. 490.)
111) Auf dem Schloßplatze zu Berlin werden Nachgrabungen veranstaltet, um das Fundament des alten Domes bloßzulegen und die Gruft zu finden, in welcher die Särge der Kurfürsten Johann Cicero und Joachim I., sowie der Gemahlinnen derselben, beigesetzt worden. Nach einer Mittheilung der deutschen Bauzeitung glaubt man annehmen zu können, daß diese Särge nicht in der allgemeinen Familiengruft im Chore, sondern in einer kleinen Gruft bei den Querschiffen beigesetzt waren. Schon unter Friedrich Wilhelm I. wurden diese Querschiffe abgebrochen, und so erklärt sich die Thatsache, daß diese Särge bei Ueberführung der übrigen Fürstensärge aus dem alten Dome in den jetzigen nicht mit übergetragen wurden, aber auch die Hoffnung, solche jetzt noch zu finden.
Inzwischen haben diese Nachgrabungen, nach der Nordd. Allg. Ztg., welche wiederholt darüber berichtet hat, interessante Resultate erzielt. Man hat eine Reihe von Grüften, theilweise völlig unberührt, sammt ihrem Inhalte bloßgelegt. In einer derselben wurde eine Rüstung gefunden; es kamen steinerne Epitaphien vom Beginn des 17. Jahrh. zu Tage, und fast bei jedem Spatenstiche stieß man auf menschliche Knochen, da der alte Dom Jahrhunderte lang als Begräbnißstätte diente. Der Hauptzweck der Ausgrabungen scheint bis jetzt nicht erreicht zu sein. Glücklicher in dieser Richtung erscheint eine zu ähnlichen Zwecke in Küstrin vorgenommene Ausgrabung verlaufen zu sein.
112) +Küstrin+, 15. August. Auf Anregung von hoher Seite sind, wie die „Frkf. Oderztg.“ schreibt, hierselbst, und zwar schließlich mit Erfolg, Nachforschungen nach der +Gruft des Markgrafen Hans von Küstrin+, welcher die Reformation in seinen Landen eingeführt, angestellt worden. Nachdem man mehrere Tage vergeblich in der Kirche selbst gesucht, wurde zuletzt noch die Dielung der unter dem Hochaltar gelegenen Sakristei aufgenommen. Beim Sondieren des darunter befindlichen Untergrundes stieß man auf Mauerwerk, in welches man eine größere Oeffnung schlug, durch die man in der That in ein Gewölbe, und zwar das lange gesuchte, hinabstieg. Man fand dasselbe großentheils mit Schutt und Steinen angefüllt, nach dessen Beseitigung zwei Zinksärge bloßgelegt wurden, von denen der eine an der südlichen, der andere an der nördlichen Wand befindlich. Der letztere war gewaltsam aufgebrochen, der Deckel theilweise herabgezogen und verbogen, im Innern mit verfaultem Holz des Einsatzsarges, sowie mit Mauerschutt angefüllt. Ein Theil der Gebeine, mit Ausnahme des Schädels, welcher nicht vorhanden, wurde auf dem Fußboden des Gewölbes zerstreut gefunden, sorgsam gesammelt und wieder in den Sarg hineingelegt. Ueber demselben fand man an der Wand befestigt die in den Chroniken erwähnte Messingtafel mit folgender Inschrift: „Johannes, Markgraf zu Brandenburg, ein Sohn Markgraf Joachims, dieses Namens des Ersten, Kurfürstens zu Brandenburg etc., hat durch Gottes Providence im Jahre nach Christi Geburt 1536 angefangen, die reine Lehre des Evangelii und Wortes Gottes Inhalts der Augsburgischen Confession nach prophetischer und apostolischer Schrift allhier zu Cüstrin und folgends durchs ganze Fürstenthum der Neumark und in andern seinen Landen und Herrschaften öffentlich lehren lassen, und ist ob solchem Bekenntnisse aus Gnaden des Allmächtigen beständig geblieben und hat durch desselben Hülfe die Seinigen dabei erhalten. M. D. L. V. Solus spes mea Christus.“ -- Wenn die Tafel schon jeden Zweifel an der Richtigkeit des Fundes zu beseitigen im Stande war, so geschah dies außerdem noch durch eine Inschrift auf dem Deckel des anderen, südlich stehenden Sarges, welche bekundete, daß darin die sterblichen Ueberreste der +Markgräfin Katharina+ enthalten seien. Außer derselben war auf dem Deckel noch ein langgestrecktes Kreuz eingraviert. Auch dieser Sarg hatte Spuren äußerer Gewalt aufzuweisen, da er, obgleich sonst noch fest, an verschiedenen Stellen aufgebrochen war. Mit Hülfe dieser Oeffnungen konnte man erkennen, daß der darin enthaltene Holzsarg stark von der Fäulniß mitgenommen war. An der südlichen Wand fand sich eine, wahrscheinlich nach erfolgter Beisetzung der später verstorbenen Markgräfin vermauerte Thür. Nach erfolgter amtlicher Feststellung des Thatbestandes wurde die Gruft wieder geschlossen.
(Nordd. Allg. Ztg., Nr. 383.)
113) +Lauf+, 28. Juli. Gelegentlich der Einlegung eines baufälligen Hauses im benachbarten Dorfe +Simonshofen+ machte ein hiesiger Zimmergeselle einen ihn höchst angenehm überraschenden +Fund+. Derselbe, unter einer Dachsparre versteckt gelegen, bestand in einer Anzahl größerer französischer Silbermünzen mit den Bildnissen Ludwigs XIII. und XIV., sowie in einer noch sehr gut erhaltenen Taschenuhr von hohem Kunstwerth. Dieselbe zeigt auf 3 Zifferblättern Stunden, Wochentage und Monate, lief aufgezogen sofort weiter und hat einen höchst sinnreich konstruierten Mechanismus. Wochentage und Monate sind französisch bezeichnet, und somit scheint das Ganze noch aus der Franzosenzeit herzurühren.
(Fränk. Kurier, Nr. 387.)
Monumenta Zollerana.
Unter diesem Titel publicierten wir auf Allerhöchsten Befehl Seiner Majestät des Königs von Preußen in den Jahren 1852 bis 1861 in Gemeinschaft mit Dr. +Märcker+ ein Urkundenbuch des Geschlechtes Hohenzollern, sowohl der gräflichen Linie in Schwaben, als der burggräflich-nürnbergischen in Franken, bis zum Jahre 1417.
Obwohl bei den Vorarbeiten keine Mühe gescheut worden war, um eine möglichst große Vollständigkeit dieses Urkundenwerkes zu erreichen, so war doch, wie bei allen ähnlichen Werken, leicht vorauszusehen, daß im Laufe der Zeit sich in Archiven und in selteneren Druckwerken noch manche Urkunde finden würde, die bei der ersten Anlage der Sammlung sich unsern Forschungen entzogen hatte. In der That sind wir durch die gütige Beihülfe gelehrter Freunde und durch eigenes Suchen in den Besitz mancher neuen Urkunden der Hohenzollerischen Familie gelangt, so daß wir es wagen konnten, Seiner Majestät dem Kaiser und König, Chef des Hauses Hohenzollern, =die Herausgabe eines Supplementbandes= zu der Hohenzollerischen Urkundensammlung ehrerbietigst in Vorschlag zu bringen.
Nachdem Seine Majestät diesen Vorschlag zu genehmigen geruhten, erlauben wir uns, an alle diejenigen verehrten Herren, die aus Beruf oder Neigung sich mit historischen Studien beschäftigen, im Interesse der Geschichte unseres Kaiserhauses die Bitte auszusprechen, uns Hohenzollerische Urkunden (vor 1417) gütigst nachzuweisen, welche in unserem Sammelwerke noch keine Aufnahme gefunden haben, mögen dieselben nun handschriftlich in Archiven sich finden, oder gedruckt in älteren oder neueren Werken, Zeitschriften u. dergl. vorliegen.
Eine jede, auch die kleinste Mittheilung wird mit gebührendem Danke entgegengenommen werden; Abschriften werden gern vergütet.
+Berlin+, im August 1880. Dr. +Graf Stillfried+.
Jahresconferenz des Verwaltungsausschusses.
Die heurige Jahresconferenz des Verwaltungsausschusses des germanischen Museums beginnt =Dienstag, den 28. September, Vormittags 9 Uhr= im Conferenzzimmer des Museums. Hiervon werden alle zur Theilnahme Berechtigten auf diesem Wege verständigt.
+Nürnberg+, den 15. August 1880.
Das Direktorium des germanischen Museums: +=A. Essenwein=+, I. Direktor.
Verantwortliche Redaction: Dr. +A. Essenwein+. Dr. +G. K. Frommann+.
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.
Gedruckt bei +U. E. Sebald+ in Nürnberg.
ANZEIGER
FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.
Neue Folge. Siebenundzwanzigster Jahrgang.
=Nürnberg.= Das Abonnement des Blattes, welches alle Monate erscheint, wird ganzjährig angenommen und beträgt nach der neuesten Postconvention bei allen Postämtern und Buchhandlungen _Deutschlands_ incl. Oesterreichs 3 fl. 36 kr. im 24 fl.-Fuss oder 6 _M._
Für _Frankreich_ abonniert man in Paris bei der deutschen Buchhandlung von F. Klincksieck, Nr. 11 rue de Lille; für _England_ bei Williams & Norgate, 14 Henrietta-Street Covent-Garden in London; für _Nord-Amerika_ bei den Postämtern Bremen und Hamburg.
Alle für das german. Museum bestimmten Sendungen auf dem Wege des Buchhandels werden durch den Commissionär der literar.-artist. Anstalt des Museums, +F. A. Brockhaus+ in Leipzig, befördert.
ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS.
1880. Nº 9. September.
Wissenschaftliche Mittheilungen.
Beiträge aus dem germanischen Museum zur Geschichte der Bewaffnung im Mittelalter.
III.
Einen nicht unwichtigen Beitrag liefert der Codex 973, dessen wir wiederholt bei Besprechung anderer Darstellungen gedacht haben: der trojanische Krieg in deutscher prosaischer Bearbeitung, dessen viele Kampfabbildungen in hohem Grade interessant sind. Wir geben aus den folgenden Seiten, auf die Hälfte verkleinert, eine der Kampfscenen und eine Reihe von Einzelfiguren aus den übrigen wieder. Wir haben in allen diesen Kampfscenen nur die Fürsten und ihre unmittelbare Umgebung vor uns, nicht etwa kämpfende Knechte; daher sehen wir auch alle zu Pferde. Von Fußtruppen nirgends eine Spur. Wir finden aber auch, daß große Mannigfaltigkeit in Rüstung und Bewaffnung selbst dieser vornehmen Elemente herrschte. Die Könige tragen meist den Stechhelm und, um sie zu bezeichnen, auf demselben eine Krone. Doch haben wir wol kaum anzunehmen, daß, als der Codex gefertigt wurde, die Könige derartige Auszeichnung wirklich trugen; sie dient nur dazu, dem Beschauer zu zeigen, daß diese Figur der im Texte genannte König ist. Uebrigens tragen auch andere Figuren den Stechhelm. Ein Blick auf Siegel und Grabsteine und andere datierbare Werke der zweiten Hälfte des 14. Jahrh. zeigt uns die Rüstung der meisten Nebenfiguren ganz ebenso wieder, wie sie hier vorkommen. Wir haben als Kopfbedeckung die oben spitze Beckenhaube mit dem Kettengeflechte um den Hals; wir haben das wollene Gewand mit Aermeln über der Rüstung, die vielleicht blos aus Ringgeflecht bestand, vielleicht auch einzelne Eisentheile hatte. Die mit a bezeichnete Figur hat noch das ärmellose Gewand, unter welchem der aus Ringgeflechte bestehende Aermel zum Vorschein kommt. Einzelne Figuren tragen Brustharnische, Ellbogenkacheln (b); andere lassen Längsstreifen auf dem Aermel sehen, die uns durch die großen Darstellungen auf Grabmälern, so des 1349 gestorbenen Günther von Schwarzburg und des 1377 gestorbenen Berengar von Berlichingen, als Metallstreifen erklärt werden, die auf den ledernen Lendner befestigt sind (c). Bei anderen, namentlich bei den Königen, findet sich eine vollständige Bekleidung der Arme und Beine mit Eisenplatten vor, die sich an den Schuhen übereinander schieben. So zeigt sie auch der 1371 gestorbene Otto von Pienzenau auf seinem Grabsteine.