Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit, 27. Band, 1880 Organ des Germanischen Museums

Part 29

Chapter 293,342 wordsPublic domain

95) Wie die Hannov. Ztg. und nach ihr der deutsche Reichsanzeiger berichtet, wurden auf dem kleinen Hagen bei Göttingen die Reste der alten Kaiserpfalz der Lindolfinger, der Burg Grona, untersucht und wird der ganze Grundriß der Burg bloßgelegt werden, obwohl alle Reste über der Erde gänzlich verschwunden waren und nur die Tradition die Stelle, wo einstens die Pfalz gestanden, noch bezeichnen konnte. Im Raume der ehemaligen Kapelle fand sich ein gemauerter Sarg mit den Resten einer Leiche. Auch ein zweiter Sarg und sonstige Leichenreste fanden sich vor.

96) Die Restauration der Außenseite des Münsters zu Basel ist nach einem von Oberbaurath Schmidt in Wien und Baurath Hase in Hannover geprüften und gebilligten Plane in Angriff genommen worden, nachdem auf Antrag der Regierung der große Rath dem Münsterbauvereine auf 8-10 Jahre einen jährlichen Betrag von 15000-20000 Frcs. bewilligt hat. Die Arbeiten vertheilen sich, wie folgt: 1880 Reparatur der Thurmpyramiden, 1881 Restauration der Thürme, Thurmgalerieen und des Mittelschiffgiebels, 1882 Vollendung der Façade und Hauptportals, 1883 Mittel- und Querschiffdach, 1884 Seitenschiffe und Strebepfeiler, 1885 Querschiffgiebel, Chor und Chorumgänge, 1886 Seitenschiffwände, 1887 neue Thüren, Ersetzung fehlender Figuren.

97) Der große Rath von Waadt bewilligte für die Restauration der Kathedrale von Lausanne für das Jahr 1879 einen Nachtragskredit von 48122 frcs. und 13000 frcs. für die Wiederherstellung der Porche des apôtres.

(Anz. f. schweiz. Alterth.-K., Nr. 3 u. d. Tagbl. d. St. Zürich, Nr. 120.)

98) Straßburg, 30. Juni. Mit den Reparaturen, welche augenblicklich an dem nordwestlichen Treppenthürmchen vorgenommen und mit regem Eifer betrieben werden, erhalten, wie die „E. L. Z.“ berichtet, die +Münsterarbeiten so ziemlich ihren Abschluß+. Außer den Malereien an dem Gewölbe der Hauptkuppel, welche jedoch erst nach einigen Jahren zur Ausführung gelangen, sind nur noch eine größere Anzahl kleiner Figuren, die in den Nischen und den kleinen Säulentempelchen an den Strebepfeilern und den Seitengalerieen des Langschiffes Aufstellung finden werden, herzustellen. Sobald dies geschehen, hofft man, dass die schon vielfach angeregte Freistellung der baulich höchst interessanten Ostseite des Münsters in Angriff genommen werde. Die nöthigen, freilich nicht unbedeutenden Mittel hierzu soll das Frauenstift besitzen.

(Nordd. allgem. Ztg., Nr. 303.)

99) Hannover, 30. Juni. Die Stadt +Hannover+ besitzt bekanntlich in ihrem +alten Rathhause+ eines der schönsten gothischen Baudenkmäler des 15. Jahrhunderts, welches jüngst unter Leitung des Bauraths Hase einer Renovation unterzogen wurde. Das alte Mauerwerk ist nun von den Hinzufügungen späterer Jahrhunderte gereinigt und ihm äußerlich die Gestalt wiedergegeben worden, in der das formenschöne Gebäude ursprünglich errichtet wurde. Auch die innere Renovierung schreitet rüstig vorwärts. Es kommen hierbei besonders zwei Säle in Betracht; beide liegen im ersten Stock, und zwar der eine, kleinere nach der Marktstraße zu, im ältesten Flügel des Rathhauses, welcher im Jahre 1435 erbaut wurde, während der größere Saal gegenüber der Marktkirche fast die ganze Front des im Jahre 1485 fertiggestellten Theiles des Gebäudes einnimmt. Dieser letzterwähnte Saal war ehedem das „Tanzhus“, in welchem die Patrizier ihre Feste und Hochzeiten feierten, in dem die Stadt Fürsten und hohe Gäste bewillkommnete. Mit der Ausschmückung dieses Festraums ist ein junger, hochbegabter Künstler, der Maler Hermann Schaper, betraut worden.

(Daselbst.)

100) Die Darmst. Ztg. meldet: Die Frage wegen der Erhaltung der in geschichtlicher, wie künstlerischer Beziehung merkwürdigen +Reliefdarstellung+ des heil. Martinus im Giebelfeld der Außenseite des +Gauthores+ hat nunmehr dahin einen höchst befriedigenden Abschluß gefunden, daß die Festungsbehörde das Bild an seiner ursprünglichen Stelle belassen und für entsprechende Herstellung Sorge tragen wird, ein Beschluß, der nur mit Dank und Freude zu begrüßen ist, da er nicht blos ein Denkmal aus dem 17. Jahrhundert schont, sondern eine bis weit ins Mittelalter zurückgehende Erinnerung bewahrt; denn ehe die Architektur des Gauthores 1670 unter Erzbischof Johann Philipp von Schönborn vollendet ward, trug die äußere mittelaltrige Gaupforte bereits ein Relief mit dem Reiterbilde des heil. Martinus. Aus den Wappen der Geschlechter zum Jungen, zum Rebstock, der Löwenhäupter u. s. w., welche an dem Thurm aufgemalt waren, ist zu entnehmen, daß sein Bestand jedenfalls bis gegen Schluß des 14. Jahrhunderts, wenn nicht noch weiter hinaufreicht. Es knüpft sich also seit einem halben Jahrtausend die Erinnerung des Stadtpatrons gerade an dieses Thor. Die mittelaltrige Passionsgruppe, welche an der Innenseite des Thorbaues über dem Wachelokal sich befindet, bleibt unberührt. Ueberhaupt werden die alten charakteristischen Architekturtheile des Thorbaues sowohl nach außen, wie nach innen bewahrt, was gewiß allseitige Anerkennung in Fachkreisen finden wird. Nur erfährt die Innenseite neben der Verlegung der mittleren Thorfahrt die Veränderung, daß in Folge der Anlage eines Fußweges ein zweites, kleineres Portal nöthig wird und dieses eine Parallele auf der andern Seite erhält, so daß eine große, einheitliche Thorarchitektur künftig sich gegen den Platz entfalten wird.

+Mainz.+ +Friedrich Schneider+.

101) Mit der Düsseldorfer Kunst- und Gewerbeausstellung ist auch eine Alterthumsausstellung verbunden, welche nach uns gewordenen Mittheilungen hervorragende Werke in großer Zahl bietet, vor allem aber dadurch sich auszeichnet, daß sie kulturgeschichtliche Bilder zusammenstellt und so die Gegenstände auch in der Art und Weise ihres Gebrauches erscheinen läßt.

102) Im oberen Saale des Rathhauses zu Biberach fand bei Gelegenheit einer vom Ulmer Alterthumsverein dort gehaltenen Versammlung auch eine Ausstellung interessanter Alterthümer statt.

Verantwortliche Redaction: Dr. +A. Essenwein+. Dr. +G. K. Frommann+.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.

Gedruckt bei +U. E. Sebald+ in Nürnberg.

ANZEIGER

FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

Neue Folge. Siebenundzwanzigster Jahrgang.

=Nürnberg.= Das Abonnement des Blattes, welches alle Monate erscheint, wird ganzjährig angenommen und beträgt nach der neuesten Postconvention bei allen Postämtern und Buchhandlungen _Deutschlands_ incl. Oesterreichs 3 fl. 36 kr. im 24 fl.-Fuss oder 6 _M._

Für _Frankreich_ abonniert man in Paris bei der deutschen Buchhandlung von F. Klincksieck, Nr. 11 rue de Lille; für _England_ bei Williams & Norgate, 14 Henrietta-Street Covent-Garden in London; für _Nord-Amerika_ bei den Postämtern Bremen und Hamburg.

Alle für das german. Museum bestimmten Sendungen auf dem Wege des Buchhandels werden durch den Commissionär der literar.-artist. Anstalt des Museums, +F. A. Brockhaus+ in Leipzig, befördert.

ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS.

1880. Nº 8. August.

Wissenschaftliche Mittheilungen.

Beiträge aus dem germanischen Museum zur Geschichte der Bewaffnung im Mittelalter.

II.

Wir haben im ersten Aufsatze auf die außerordentliche Wichtigkeit der Siegel für die Geschichte der Bewaffnung aufmerksam gemacht. Es könnte nun allerdings folgerichtig erscheinen, dass wir zunächst eine Anzahl von Siegeln abbilden und daraus die entsprechenden Ergebnisse ziehen würden. Indessen besitzt unser Museum keine gerade dafür charakteristischen Originalsiegel der älteren Periode, sondern nur eine, wenn auch reichhaltige, Sammlung von Abgüssen, die freilich in dieser Beziehung belehrend sind, aber sicher auch in den Händen vieler Siegelfreunde sich befinden, so daß wir doch durch deren Wiedergabe nicht gerade Beiträge, die speziell dem germanischen Museum angehören, geben und so doch nicht vollständig der Ueberschrift unserer Aufsätze gerecht würden. Da wir indessen in diesem Aufsatze eine etwas bunte Reihe ohnehin einhalten müssen, so können wir ja auf einzelne Siegel zurückkommen, sobald besondere Veranlassung durch das übrige Material vorliegt, und wenden uns deshalb zunächst zu anderen Quellen. Unter der Sammlung der Miniaturen befinden sich zwar einige Blätter aus der romanischen Kunstperiode, welche Bewaffnete darstellen; es sind jedoch meist nur Einzelheiten, die an diesen Darstellungen belehrend sind, und auch auf sie wollen wir daher später zurückkommen, wo besondere Veranlassung vorliegt, und beginnen die Mittheilungen mit einer Gruppe, welche, dem Inneren eines Initiales entnommen, wol dem Schlusse des 13. Jahrh. angehört. Es ist ein König, vor welchem ein Krieger steht. Der Initial selbst, von dem Texte losgeschnitten, welchen er ehemals begleitete, ein D, die Nummer 11 der Miniaturensammlung tragend, gehört zu den ältesten Beständen derselben und ist eingereiht, ohne daß über seine Herkunft irgend etwas Bestimmtes bekannt wäre. Die Darstellung ist in der Größe des Originales gehalten. Wir sehen darin Herodes, welcher den Auftrag zum Kindermorde gibt. Das Schwert des Königs zeigt leider gerade an der Stelle des Knaufes eine Beschädigung, so daß die hier wiedergegebene runde Form etwas zweifelhaft ist. Der Krieger ist im Kettenhemde und ähnlichen Hosen dargestellt, und es geht das Geflechte auch über den Kopf weg, ohne daß eine geschmiedete Haube angedeutet wäre. Das über dem Kettengeflechte getragene, bis an die Kniee reichende Gewand ist weiß. Der Schild hat bereits die Dreiecksform, doch ist er noch etwas höher, als breit. Die Lanze ist durch eine bloße weiße Linie angedeutet, ein Beweis, daß der Schaft sehr dünn zu denken ist. Die Schildfarben sind schwarz und weiß. Es bedarf kaum des Hinweises auf die Darstellungen der Dichter jener Zeit, deren Helden ähnlich gerüstet sind, und die uns also auch die damals üblichen Bezeichnungen der Stücke wiedergeben. -- Dieser Kriegerfigur steht der Abguß des Grabsteines eines Fürstenberg (Fig. 2, 3) am nächsten, dessen Original sich in Haslach befindet, und zwar keine Inschrift trägt, aber uns als solcher des 1341 gestorbenen Gottfried bezeichnet wird. Für diese spätere Entstehungszeit spricht allerdings das in der Wirklichkeit etwas breitere Verhältniß des Schildes (auf der Zeichnung verkürzt sich die Breite desselben in Folge der schrägen Stellung) und dessen etwas geringere Dimension, sowie die Höhe der Beckenhaube, die bereits eine leichte Andeutung der Spitze zeigt, endlich die Gestalt des Schwertes. Indessen findet sich der runde Schwertknauf bereits viel früher (Grabmal Heinrich’s des Löwen, 13. Jahrhundert, Diether’s von Katzenellenbogen, † 1276); die Spitze der Beckenhaube ist doch kaum angedeutet und alles so alterthümlich, daß der Grabstein doch auch wol einen anderen, im Schlusse des 13. Jahrhdts. lebenden Familienangehörigen darstellen könnte, da doch auch keine Handschuhe von Eisen angedeutet sind, wie sie dem 14. Jahrh. eigenthümlich sind.

Wir fügen hier die Abbildung einer Beckenhaube bei, die dem Schlusse des 13. Jahrhdts. angehören dürfte und im Original in unserer Waffensammlung sich befindet, wohin sie, bereits vor längerer Zeit, aus dem Besitze des Herrn Pickert gekommen ist. (Fig. 4.)

Einige Krieger (Fig. 5) aus dem schon auf Spalte 175 angeführten Speculum humanae salvationis (Nr. 5970 unserer Bibliothek) zeigen die mit dem Panzerkragen verbundene Beckenhaube bereits stark zugespitzt. Ihre Füße sind nicht geharnischt, und es möchte scheinen, als ob sie überhaupt kein Ringgeflecht tragen, sondern nur dicke, farbige, wol wollene Gewänder. Dagegen haben sie bereits die dem 14. Jahrh. eigenthümlichen eisernen Handschuhe mit beweglichen Fingern. Der eine Krieger hat bereits den Eisenhut und trägt zu demselben eine Halsberge aus Wollenstoff.

Ein irgend einem Grabe entnommenes Bruchstück eines solchen Handschuhes befindet sich in der Waffensammlung des Museums und ist in Fig. 6 abgebildet.

Helme aus dem 14. Jahrh. besitzt das Museum nicht im Original, wohl aber einige Schwerter und Stangenwaffen, sowie einige Sporen mit spitzem Stachel, die theilweise in weit höheres Alter hinaufreichen, aber am besten mit anderen verwandten Waffen gemeinschaftlich betrachtet werden, sowie sodann auch die älteren, hier noch nicht benützten bildlichen Darstellungen gleichzeitig veröffentlicht werden können.

Ringgeflechte wurden auch noch in späterer Zeit unter den Eisenharnischen getragen. Die verschiedenen Stücke, welche das Museum besitzt, dürften daher eher der späteren, als dieser Frühzeit angehören.

+Nürnberg.+ A. +Essenwein+.

Drei Briefe des Johannes Aurifaber an den Rathsherrn Paulus Behaim in Nürnberg.

(Schluß.)

2.

Gottes gnade vnd fried durch Christum Jhesum vnsern heiland. Erbar vnd ehrenvhester, großgonstiger lieber herr vnd förderer. Ich hab euer ehrenvhest vor viertzehen tagen geschrieben vnd ein exemplar der colloquien oder tieschreden doctoris Martinj Lutherj, so ich alhier zu Eisleben hab im druck ausgehen lassen, mitt vberschickt, welches der bothe euer ehrenvhest zugestellet, wie er mir dan geruhmet, das euer ehrenvhest ime einen orths thalers[184] zu tranckgelt geschenckt hetten, vnd ferner berichtet, das vmb obligender vielfalttiger gescheffte willen euer ehrenvhest mich itzt nicht hetten beantwortten konnen. Diesen eigenen bothen aber hab ich itzt zu euer ehrenvhest abgeferttiget, vnd schicke einem ehrenvhesten erbarn vnd wolweisen rath der stadt Normberg meinen großgonstigen herrn, ein eingebundenes exemplar solcher colloquien oder tieschreden, dienstlich bittende, das euer ehrenvhest solch buch neben dem schreiben einem ehrenvhesten rath zu vberantwortten, sich vnbeschweret vnd guthwillig erzeigen woltte, dienstlich bittende, ihren ehren vhesten vnd weisheitten mein gebet gegen gott, für ire christliche vnd glückselige regirung, vnd auch meine vnverdrossene vnd willige dienste zu vermelden, vnd das ire ehrenvhest vnd weisheitt dieses buchs dedication zu gonstigem wolgefallen annemen wolten, vnd meine grosgonstige patronen vnd förderer sein vnd bleiben. Solches wil vmb euer ehrenvhest ich hinwider nach meinem höchsten vermugen dienstlichen zu verschulden mich allezeit bevleißigen.

Vnd kan bej diesem bothen euer ehrenvhest von zeittungen nicht verhalten, das der konig von Dennenmarck, auch die stad Lubeck, mit dem Schweden zur seefarth neulich geschlagen haben vnd hat Dennenmarck die see vnd vberhandt behalten, iedoch hernacher hochstem schaden gelidden, dan sie 13 schieff verloren haben in einem storm vnd wetter[185]. Wie den hiervon euer ehrenvhesten in bejliegenden copejen warhafftigen bericht haben, der mir von der stad Lubeck kriegsobersten gestern ist zugeschickt worden.

Hertzog Ottho[186] von Lunenburg wonende zu harburg, welches ist eine meile von Hamburg, der ist mit der stad Hamburg in großer vneinigkeit, drumb, das sie einen man, der in der Elbe ertruncken, auffgehoben vnd begraben in irer stad. solchs hat der hertzog nicht leiden wollen, und furgegeben, man hette aus seinem gebiete den todten weg genommen, vnd drumb zugefharen vnd der stad Hamburg zwej schieff genommen, darauff in die vier vnd zwentzig stuck buchsen gewesen sind. dieselbige hat der hertzog auff laden[187] legen lassen. die stehen itzt auff dem wahl zu Harburg. als nun der Hamburger leuthe aus den schieffen verwuntet in die stad kommen, derer bej 40 gewesen, vnd irer bej 12 gahr todt geblieben, so wirdt ein auffruhr deshalben in der stadt, das die bürger für das rathhaus lauffen, vnd den rath gezwungen, das er inen durch einen eidt hat zusagen müssen solchen schimpff zu rechnen.[188] drumb nennen die Hamburger knechte an, wo sie die nur bekommen. haben vor etzlichen tagen wohl bej 1500 knechte bej einander gehabt vnd in die drej tausendt burger mustern lassen.

Hiergegen hat der hertzog auch drej tausend baurn bej einander, nimpt auch reuter an, vnd sollen sich zu dem hertzogen schlagen seine vettern, die andern fürsten von Lunenburg, die fursten zu Holstein, hertzog Frantz von der Lauenburg vnd der bischoff von Bremen, welcher dem hertzogen hat reuter zugeschickt, vnd der stad Hamburg albereit zwej hundert knechte getrennet,[189] die an einem orth waren zusamen gelauffen. Was nun daraus weitter folgen mag, wirdt die zeit geben vnd so ich etwas darvon erfhare, wil ichs bej zufelliger bothschafft euer ehrenvhest wohl verstendigen.

Der churfurst zu Brandenburg vnd sein sohn marggraff Hans George sind itzt zu Halle, bej dem ertzbischofe zu Magdeburg,[190] der todt kranck ligt vnd man handelt alda von einem coadiutore, der nach des ertzbischoffs tode succedirete, vnd der sol sein eintzweder marggraff Hans Georgens sohn[191] oder ein hertzog von der Lignitz, des mutter des churfursten zu Brandenburgs tochter ist, den die marggraffen die bejde stifft Magdeburg vnd Halberstadt[192] nicht leichtlich aus iren henden lassen werden. So trachtet der churfurst zu Sachsen auch darnach vnd durffte daraus wohl noch ein seltzam spiel werden, darein noch die echter kondten auch geflochten werden, vnd daraus eine große zerruttung im deutschem lande erfolgen, den hertzog Johans Friederich zu Sachsen vor wenig tagen, eher dan der churfurst zu Brandenburg alda ankomen ist, auch bej dem ertzbischofe gewesen. So ist Mandelslohe zu Gotha wider ankommen.

Hertzog Heinrich von braunschweig sol zu Wolffenbeuttel sehr kranck liegen.

Sonst ist es in diesen landartten[193] stille.

Wie es umb den denischen vnd schwedischen krieg stehe zu lande, hat mir der lubische oberster auch zugeschrieben. habt hierbej copej darvon.

Befhele euer ehrenvhest hirmit in den gnadenreichen schutz gottes des almechtigen mit erbiettung meines gebets gegen gott fur euer ehrenvhest vnd meiner willigen vnd vnuerdrossenen diensten. Gegeben zu Eisleben den 2. tag Septembris anno 1566.

Euer ehrenvhest dienstwilliger Joannes Aurifaber.

+Außen:+

Dem erbarn vnd ehrenvhesten ehrn Paulo Behaim, rathsherrn zu Norimbergk, mejnem großgonstigem lieben herrn vnd förderern.

Beilage 1 (von Aurifabers Hand).[194]

Am freittage nach Jacobj hat die Denissche vnd Lubissche armada in der see die schwedische schiffart angetroffen, vnd von morgens vmb 8 vhr an mit inen geschlagen biß auff den abendt vmb sechs vhr. Es seind aber die Schweden in der nacht nach dem gehalttenen schermmutzeln wider nach den scheren gelauffen, dohin den Dehnen vnd Lubeckern vnmuglich zu folgen, vnd nach deme ein mastbaum dem Lubisschen ammiralschieff war abgeschossen worden, do were das Lubissche ammiralschieff gern nach Dantzig gelauffen, das man einen neuen mastbaum in sein schieff setzete. aber die Dehnischen haben nicht folgen wollen, sondern gebeten, das man vnter Gottlandt gegen Wisbj lieff, welches ehemals eine große kauffstadt gewesen. da wolten sie einen denischen edelman so auff dem dehnischen vndterammiralschieff ein oberster gewesen, begraben, deme der kopff im schermmutzel abgeschossen worden. Haben derhalben die denissche vnd lubissche armada dohin gesetzet vnd ire ancker fallen lassen vnd denselbigen todten zur erden bestedtiget.

Als sie nun nicht viel stunden alda verharret, hat sich so ein grausamer sturmwindt gegen dem abendt erhoben, das man nicht anders gemeinet, es sej ein erdbeben gewesen, welcher die gantze nacht gewehret vnd die besten schieffe jemerlich etzliche zu grunde auff die klippen geschlagen, etzliche mit wasser verfullet, das sie gesuncken vnd sampt allem volcke vertruncken.

Von den lubisschen schiffen haben wir verloren den ammiral[195], darauff der burgermeister, herr Bartholomeus Tinnappel genant gewesen, mit haubtman, fenrich sampt allen knechten, schiffern und boßleuthen geblieben. dergleichen ist verloren der vnterammiral vnd noch ein schieff, das meerweib genanth, mit allem volck.

Aber von des konigs von Dennenmarcken armada ist in diesem storm vmbkommen, der ammiral vnd vnterammiral sampt noch acht schiffen, die grösten vnd besten, mit allem volck, so darauff gewesen, derer seelen gott gnedig vnd barmhertzig sein wolle, dan es wirdt das volck, so allenthalben darauff gewest, in die sieben tausend personen geschetzet, die so erbermlich vmb ir leben kommen. Wir hetten villieber eine feldtschlacht verlieren mögen, solt nicht so viel volcks vnd geschutz sampt allerlej munition vnd prouianth verloren worden sein, als mit dieser 13 schieff vntergang geschehen.

Was aber der Schwede auff seinen schieffen in diesem gehaltenen schermmutzeln durch vnser geschütze verloren, vnd wie es seinen schieffen in den storm ergangen, solches konnen wir noch nicht erfharen, den es sind wenig feilschusse[196] von den vnsern in die schwedische schieffe geschehen. das aber gottes wetter vnd windt vns so grausamen schaden gethan, mussen wir vnsern sunden die schuldt geben vnd dem almechtigen gott in sein gerichte heimstellen.

Es ist itzt in dieser stad von weibern vnd kindern ein solch heulen, weinen vnd klagen, das es einen stein erbarmen möchte. Gott wolle vns trösten vnd hinforder besser glück geben.

Dieser schieff vntergang ist geschehen am sontage nach Jacobj.

Den 21. tag Augusti sind zwene vnsere rathsherrn mit vnser pincken[197] wider zu hause aus der see ankommen, welche noch aus dem storm sind erhalten worden. Auch seind diesen morgen den 22. tag Augusti zwej Orlagerschieff[198] aus vnser armada zu Tramunde vor die hafen angelanget, die gott aus der notth errettet. wo die andern sind, weiß man noch nicht eigentlich, hoffen aber, das sie in guten hafen liegen.

+Außen:+

Zeittung von dem erliddenen schaden der Denischen vnd Lubischen schiffart. Datirt den 22. tag Augusti in Lubeck anno 1566.

Beilage 2 (von anderer Hand).

Zeitung auß Dennemarck vonn vnnsernn kriegesvolck, so zu lannde nach Schwedenn gezogenn sein, kann ich euch nicht verhaltenn, das sie alle durch die klippenn vnnd holenn weg seinn vnnd vnnser volck habenn drei blockheuser vonn dem Schwedenn bekommen vnnd 18 stuck groß geschutz. so habenn die vnnsern viel volck verlorenn. Frantz Banner vnnd Josua Cwalenn[199] habens meiste volck verlorenn vnnter jhrenn fahnenn. auch sinndt dar viel vonn denen zu fuße erschossenn, also das viel volcks ist vmbkommenn so wol auf des Schwedenn, als auf vnnser seitenn. doch hatt vnnser volck die vberhanndt behaltenn vnnd sinndt nun vber die bößenn wege kommenn, also das sie nun guetenn wegk habenn biß vor denn Stockholm. Daniel Rantzaw hatt zurucke geschriebenn, das sie jhm soltenn eine freie offene straß haltenn, da sie möchtenn zufhur bekommen, so wolt er mit gottes hulf sein windterleger vor denn Stockholm schlahenn. so ist Heinrich Brade aufgezogenn mit 10 fahnenn hollenndischen burenn, auf das er denn annder zu hulf kommen sol, so das sie nun freie zufuhr vonn prouiandt bekommenn konnenn. so verhoffenn wir mit gottes hulffe, es sol zu einem guetenn ennde gereichenn. Nach dato haben wir zeitung bekommenn, das Daniel Rantzaw Warsteinn sampt dem schlosse erobert habenn sol. gott gebe jhm ferner seinenn segenn.

+Außen:+

Zeittungen, wie es vmb den schwedisschen krieg zu lande stehe.

3.