Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit, 27. Band, 1880 Organ des Germanischen Museums

Part 28

Chapter 283,334 wordsPublic domain

Die Wissenschaft im Gewerbe. -- Kleine Nachrichten. -- Literatur etc. -- Abbildungen: Abendmahlskanne v. 17. Jhdt. -- Doppelpokal, Pokal und Kanne von G. Wechter. -- Innungslade aus dem 17. Jahrh. -- Geschnitzter italienischer Kasten a. d. 16. Jahrh. -- Entwürfe zu Gläsern von della Bella. Nach einer Handzeichnung in den Ufficien zu Florenz. -- Kästchen aus Schmiedeisen. -- Intarsia vom Chorgestühl der Capelle des Bargello in Florenz. -- Grotesken von der Scala d’oro im Palazzo ducale zu Venedig. -- Gravierung eines Eisenkästchens v. 17. Jahrh. -- Füllungen v. 16. Jahrh. -- Candelaber von Bened. da Rovezzano. Nach einer Handzeichnung in den Ufficien zu Florenz. -- Ornamente von Scala dei Giganti in Venedig. -- Vasen, comp. v. Stefano della Bella. -- Schloßblech. -- Stoffmuster v. 16. Jahrh. --

+Mittheilungen des Bayrischen Gewerbemuseums zu Nürnberg.+ Beiblatt zur Wochenschrift: +Kunst und Gewerbe+. Siebenter Jahrgang, 1880. Nr. 9-14.

Bekanntmachungen. -- Anzeigen etc.

+Jahresbericht des Bayerischen Gewerbemuseums zu Nürnberg.+ 1879. 4.

+Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins.+ Herausgegeben von dem +großherzogl. General-Landesarchive zu Karlsruhe+. XXX. Bd., 3. Heft. Karlsruhe, 1879. 8.

Die Romreise des Salemer Conventuals und späteren Abtes Matth. Rot, 1554 (Schl.). Von Gmelin. -- Auszüge aus den Urkunden des Bickenklosters in Villingen. Von Glatz. -- Beiträge zur Geschichte des Klosters Gengenbach. Von Ruppert. -- Ein gleichzeitiger Bericht über das Treffen bei Mingolzheim -- Wiesloch 1662. Von Gmelin. -- Bildwirkerei zu Heidelberg im 15. Jahrhdt. Von Christ. -- Der Bericht des Chronisten Gallus Oheim über die Gründung der Deutschordenscommende Mainau. Von Roth von Schreckenstein. -- Beiträge zur Geschichte der Volkswirthschaft und zur Sittengeschichte. Von Weech. -- Beitrag zum Siegelrechte, insbesondere zur Lehre von der Siegelmäßigkeit. Von Roth von Schreckenstein.

+Zeitschrift der Gesellschaft für Beförderung der Geschichts-, Alterthums- und Volkskunde von Freiburg, dem Breisgau und den angrenzenden Landschaften.+ Fünften Bandes erstes Heft. Freiburg i. Br., 1880. 8.

Sulzburg. Eine Stadt-, Bergwerks- und Waldgeschichte. Nach größtentheils handschriftlichen Quellen und Erforschungen an Ort und Stelle zusammengestellt von Ed. Martini. 192 Seiten.

+Notizblatt des Vereins für Erdkunde und verwandte Wissenschaften zu Darmstadt und des mittelrheinischen geologischen Vereines.+

Nebst Mittheilungen aus der großherzogl. hessischen Centralstelle für die Landes-Statistik.... Des Notizblattes.... III. Folge, XVIII. Heft Mit 1 lithogr. Tafel. Darmstadt, 1879. 8.

+Correspondenzblatt des Gesammtvereins der deutschen Geschichts- und Alterthumsvereine.+ Herausgegeben von dem Verwaltungsausschusse dess. in Darmstadt. Achtundzwanzigster Jahrgang. Nr. 3 und 4. März und April 1880. 4.

Vereinsangelegenheiten. -- Ueber mittelaltrige Ortsbefestigungen, Landwehren, Warten und Paßsperren mit besonderer Rücksicht auf die hessischen und angrenzenden Territorien. Von E. Wörner und M. Heckmann. -- Das Bronzealter und die Marburger Versammlung. Von O. Montelius.

Zweiter +Jahresbericht des Museumsvereins für das Fürstenthum Lüneburg+. 1879. Lüneburg, 1880. 8.

Ansichten der Stadt Lüneburg. (Mit Abbild.) Von Bode. -- Ein prähistorischer Herd. Von Dr. Heintzel. -- Vereinsangelegenheiten.

+Zeitschrift des Vereins für hennebergische Geschichte und Landeskunde zu Schmalkalden.+ Drittes Heft. Schmalkalden und Leipzig, 1880. 8.

Ein halbes Jahrhundert aus dem Theaterleben Schmalkaldens. Von Dr. H. Habicht. -- Der Thüringer Wald von der Hörsel bis zum Schneekopf und Beerberg in geognostischer Beziehung. Von Ed. Neubert. -- Geschichte des Brau- und Schankrechts der Stadt Schmalkalden. Von Dr. Gerland. -- Vereinsnachrichten.

Siebenter Bericht des +Museums für Völkerkunde in Leipzig+. 1879. 8.

+Mittheilungen aus dem Freiberger Alterthumsverein.+ Herausgegeben von Heinrich Gerlach. 16. Heft. Freiberg, 1879. 8. (Mit 3 Tafeln Abbildungen.)

Die Verheerungen der Pest im Erzgebirge, besonders in und um Freiberg. Von Hingst. -- Kriegsdrangsale von Freibergs ländlicher Umgebung im achtzehnten Jahrhundert. Von Dr. Ed. Heydenreich. -- Miscellen: Woher stammt Heinrich von Freiberg? Von Dr. Rachel. -- Freiberger Häuser-Chronik. (Erste Abtheilung.) Von Heinr. Gerlach. -- Geschichtlich-architektonische Forschungen am Freiberger Dom. Von Rob. Börner. (Mit Abbild.) -- Vereinsangelegenheiten.

Jahresbericht des +königl. sächs. Alterthumsvereins+ über das Vereinsjahr 1879/80. Dresden, 1880. 8.

+Neues Lausitzisches Magazin.+ Im Auftrage der +oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften+ herausgegeben von Prof. Dr. Schönwälder. Sechsundfünfzigster Band. Erstes Heft. Görlitz, 1880. 8.

Der Antheil der Oberlausitz an den Anfängen des 30 jährigen Krieges, 1618-1623. Von Dr. H. Knothe. -- Die Bemühungen der Oberlausitz um einen Majestätsbrief, 1609-1611. Von dems.

+Zeitschrift des Vereins für Geschichte und Alterthum Schlesiens.+ Namens des Vereins herausgegeben von Dr. C. Grünhagen. Fünfzehnter Band. Erstes Heft. Breslau, 1880. 8.

Caspar Elyan, Breslau’s erster Drucker. Von K. Dziatzko. -- Schlesien in den letzten Jahrzehnten österreichischer Herrschaft, 1707-1740. Von C. Grünhagen. -- Aus Breslau’s unruhigen Zeiten 1418-1426. Von H. Markgraf. -- Die letzten Monate der kursächsischen Occupation Schlesiens (Januar bis Mai 1662). Von Dr. Jul. Krebs. -- Ueber die frühere Kriminaljustizpflege auf der Herrschaft Fürstenstein. Von P. Kerber. -- Schmiedeberg in der ersten Zeit der preußischen Herrschaft.... Von Th. Eisenmänger. -- Die katholische Pfarrkirche zu Schweidnitz und ihr Patronat. Von Dr. Kopietz. -- Schlesier im Dienste des deutschen Ordens im Jahre 1410. Von Dr. Pfotenhauer. -- Beiträge zur Geschichte der Grafschaft Glatz in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhdts. (Forts.) Von A. Nürnberger. -- Mittheilungen aus der Stadtbibliothek zu Breslau. Von Dr. E. Volger. -- Archivalische Miscellen. -- Literatur. -- Necrolog. -- Vereinsangelegenheiten.

+Regesten zur schlesischen Geschichte.+ Namens +desselben Vereins+ herausgegeben von Dr. C. Grünhagen. Zweite Auflage. Dritte Lieferung. Bis zum Jahre 1288. Breslau, 1880. 4. S. 133-228.

+Acta publica.+ Verhandlungen und Correspondenzen der schlesischen Fürsten und Stände. Namens +dess. Vereins+ herausg. von Dr. Jul. Krebs. V. Band. Die Jahre 1622-1625. Breslau, 1880. 4. X u. 356 Seiten.

Literatur.

_Neu erschienene Werke._

13) +Die Baudenkmäler im Regierungsbezirk Wiesbaden.+ Im Austrage des königlichen Ministeriums für geistliche, Unterrichts- und Medicinal-Angelegenheiten bearbeitet von Prof. Dr. +W. Lotz+. Herausgegeben von +Friedrich Schneider+. Berlin, 1880. Ernst u. Korn. 8. XVII u. 567 Stn.

Der vorliegende starke Oktavband bildet einen Theil des Inventariums der Baudenkmäler im Königreiche Preußen, die auf Grund amtlichen Materiales bearbeitet werden und von denen der verstorbene Verfasser bereits im Jahre 1870 in Verbindung mit Dehn-Rothfelser den Band über den Regierungsbezirk Kassel veröffentlicht hat. Der Verfasser hatte auch das Manuscript des gegenwärtigen Bandes fertig gestellt. Statt einzelner Besserungen, welche er während des Druckes noch vorzunehmen gehabt hätte, fügte der Herausgeber in einem Nachtrage eine Reihe von Notizen sowohl eigenen Ursprunges, als von Dritten gelieferter hinzu, während mit Genehmigung des Ministeriums ein zusammenhängender Aufsatz des Obersten A. v. Cohausen über den Pfahlgraben, jene merkwürdige Anlage, die sich nicht lokal behandeln läßt, ein zweiter über die Wallburgen beigefügt und ein kurzer Nekrolog des Verfassers aus der Feder des Bruders desselben dem Bande vorangestellt wurde. Das Buch selbst behandelt nach alphabetischer Ordnung alle Städte, Märkte, Dörfer und Weiler des Regierungsbezirkes, bei jedem in gedrängter Kürze und systematischer Ordnung alle dort vorhandenen alten Baudenkmäler aufzählend und, soweit solche vorhanden, die Literatur erwähnend.

Einer Besprechung entzieht sich demnach der Inhalt von selbst. Der Werth liegt in der möglichsten Vollständigkeit alles Mitgetheilten im Ganzen wie im Einzelnen, die zu prüfen wol keinem Referenten möglich ist. Eine solche Prüfung scheint uns aber auch nicht nöthig, da der Verfasser durch den Ernst und die Gediegenheit seiner früheren Arbeiten ein Recht auf volles Vertrauen von unserer Seite hat. Der Herausgeber hat aber durch eine Uebersicht über die verschiedenen Arten von Denkmälern, welche gestattet, bequem nachzuschlagen, an welchen Orten sich solche jeder bestimmten Gattung finden, unseren besonderen Dank verdient und auf solche Weise die Brauchbarkeit des Buches noch wesentlich erhöht.

14) +Mainz und Umgebung.+ Unter Zugrundelegung und gänzlicher Umarbeitung des gleichnamigen Werkes von Professor Dr. K. Klein beschrieben von Dr. +K. G. Bockenheimer+, großh. Landgerichtsrath in Mainz. Mainz, J. Diemer. 1880. 8. IV u. 205 Stn. Nebst einem Stadtplan in Lichtdruck.

Ein Führer durch jede Stadt ist ein für Fremde wie Einheimische gleich nothwendiges Hilfsmittel zur Orientierung. Einen solchen bot das Werkchen des verstorbenen Klein in höchst zweckentsprechender Weise. Nachdem es zuletzt im Jahre 1868 neu aufgelegt war, hatten die großen, seither erfolgten Veränderungen, sowie die inzwischen gemachten Forschungen und die Entdeckung mancher wichtigen Theile des alten Mainz, die sich bei Gelegenheit der vielen Umgestaltungen ergeben hatten, eine gänzlich neue Bearbeitung nothwendig gemacht, der sich der Verfasser als Schüler seines Vorgängers gerne unterzog und durch die er sich den Dank aller, die sich in Kürze über Mainz unterrichten wollen, verdient hat. Der Verleger hat das Büchlein sehr nett ausgestattet, so daß es die Besucher der goldenen Stadt gerne auch länger als angenehme Erinnerung aufbewahren werden, als dies in der Regel mit ähnlichen Führern zu geschehen pflegt.

15) +Geschichte des Nassauischen Wappens+ von H. +von Göcking+, kgl. Kammerjunker und Premierlieutenant a. D. Mit einem Wappen nach altem Vorbilde, Initialen, Kopfleisten und Schlußstücken von +E. Döpler+ d. j. und 6 Wappen- u. Siegeltafeln von +H. Nahde+. Görlitz, 1880. C. A. Starke. 4. VIII u. 67 Stn. u. 7 Tafeln.

Unter Benützung des gesammten zugänglichen Materiales von Urkunden, Siegeln und Abbildungen gibt der Verfasser ein Bild, wie das Stammwappen sich durch Aufnahme der Wappen der durch Erbschaft, Kauf und auf sonstige Art erfolgten Erwerbungen nach und nach gemehrt und bei den verschiedenen Linien gestaltet hatte, bis es zu dem geworden, was in den modernen Wappen des Herzogs von Nassau und des Königs der Niederlande vorliegt. Es spiegelt sich darin die Entwicklung der Heraldik überhaupt, aber auch die gesammte Geschichte des Hauses Nassau. Eine Reihe von Stammtafeln erläutert das Verwandtschaftsverhältniß und damit die Uebereinstimmung und Verschiedenheiten des Wappens nach Zeit und Linien. Klarheit und Einfachheit der Darstellung und hübsche Ausstattung sichern der kleinen Monographie eine freundliche Aufnahme im Kreise der Heraldiker.

16) +Der Wittelsbacher Stamm-, Haus- und Geschlechtswappen.+ Eine heraldische Monographie als Festgabe zum 700 jährigen Jubiläum von Dr. +Karl Ritter von Mayerfels+..... Constanz, 1880. 8. 44 Stn. u. 4 Tafeln.

Der allen Heraldikern wohlbekannte Verfasser des heraldischen A-B-C-Buches sucht in dieser Studie nachzuweisen, dass der Adler, welchen die Wittelsbacher im Schlusse des 12. Jahrhunderts im Siegel führten, kein Amtszeichen, als kaiserliche Pfalzgrafen, sondern Familienwappen, daß er also das eigentliche Stammwappen des Hauses sei, und führt zur Unterstützung seiner Ansicht die auch auf Münzen vorkommenden Adler an, sowie in erster Linie den Adler auf dem Schilde des Siegels Ludwigs des Kehlheimers, der nicht mehr kaiserlicher Pfalzgraf gewesen, welchen Adler merkwürdiger Weise außer dem Numismatiker Beierlein keiner seiner Vorgänger als solchen erkannt hat, da dieselben vielmehr Sparren, Löwen oder Anderes in dieser Figur gesehen, während auf seinem Röckel’schen Metallabgusse des Siegels der Adler deutlich erkennbar sei. Ebenso sei auf den ältesten Siegeln der Stadt München der Adler wachsend hinter den Stadtthorzinnen und sei erst um 1300 in einen wachsenden Löwen verwandelt worden. Auf Grund dessen verlangt der Verfasser die Aufnahme des zum Stammwappen zu erklärenden Adlers als Herzschild in das bayerische Wappen.

Vermischte Nachrichten.

85) Die Nr. 3 des Anzeigers für schweizerische Alterthumskunde bringt die Mittheilung, daß im Febr. d. J. in Châtroz am linken Ufer der Morge bei Conthey 7 prähistorische Gräber gefunden wurden, die mit Steinplatten ausgefüttert und mit einem Steine bedeckt waren. Außer Schädeln und Knochen fanden sich zwei Töpfe, der eine von Topfstein, der andere von Glimmerschiefer. Auf den Gräbern lag ein erratischer Block.

86) Dem Journal de Genève wird aus Thann geschrieben, daß daselbst in der Nähe des Dorfes Arbeiter 0,6 m. unter dem Boden ein sehr gut erhaltenes ca. 10 m. langes und 0,6 m. breites Canot aus der Pfahlbauzeit auffanden. Herr Dr. Groß hat dasselbe für das Museum in Neuenstadt erworben.

(Anz. f. schweiz. Altthk. N. 3 n. d. Allg. Schw. Ztg. N. 89.)

87) Aus Augsburg berichtet Dr. Schreiber in der dortigen Abendzeitung und nach ihm andere Blätter: Die Vermuthung, daß wir es bei den in dem Anwesen des Hrn. Brauereitechnikers Th. Madlener am Fuße des Pfannenstieles ausgegrabenen Urnen mit einer größeren Begräbnißstätte im Norden der alten Römerstadt zu thun haben, bestätigt sich um so mehr, je weiter daselbst fortgearbeitet wird. Bereits sind es mehr als 50 Urnen, die dem Boden daselbst entnommen worden sind; die meisten von schwarzgebranntem Thon, theils mit, theils ohne Linienverzierung. Eine derselben namentlich zeichnet sich dadurch aus, daß auf ihr, wahrscheinlich aus freier Hand, Linienverzierungen angebracht sind mit einem Instrument, das mit einer Notenrastrierungsfeder am meisten Aehnlichkeit zu haben scheint. -- Die Form dieser schwärzlich gebrannten Urnen ist sehr verschieden, wie auch die Größe und Höhe derselben überaus verschieden sich zeigt. Zwölf der wohlerhaltensten befinden sich bereits bei den früher ausgegrabenen Gegenständen im Museum. Von den nicht schwarzgebrannten Urnen bietet namentlich +eine+ vielfaches Interesse; dieselbe, von gelblichem Thon, 31 cm. hoch und in der stärksten Ausbauchung 29 cm. breit, wurde gefunden oben mit einer stark oxydierten Metallplatte zugedeckt, die leider nicht vollständig erhalten werden konnte, aber noch jetzt trotz des dick aufliegenden Rostes an einer Stelle zeigt, daß sie glänzend geschliffen war. In der Urne befand sich außer den gewöhnlichen Aschenüberresten ein Grablämpchen von besonders merkwürdiger Form: auf der Oberseite ist nämlich der Kopf eines Kriegers mit schönem Helmschmuck angebracht. Von den anderen Grablämpchen, die mit den Urnen gefunden wurden, hat eines den Stempel FRONTO, ein zweites trägt den Stempel SABINI; wieder ein anderes zeigt eine kleine Gesichtsmaske; bei einem weiteren, dessen Thon eine ganz weißliche Färbung zeigt, ist leider die obere, dünne Wandung eingeschlagen und lassen die Ueberreste auf eine stehende Figur eines Kriegers schließen. Auffallend ist auch bei diesem Urnenfunde die Unmasse von Gefäßüberresten der verschiedenartigsten Form von der ziemlich weiten Schüssel an bis zum zierlichsten Schälchen. Ueberwiegend ist hier die Zahl der aus feinster Erde (Terracotta) gebildeten Gefäße, neben welchen die aus gewöhnlichem Thon gebildeten Gefäße fast zurücktreten. Nicht wenige der Scherbenüberreste zeigen auch Figuren; in dieser Beziehung ist namentlich eine zu zwei Dritteln erhaltene Schale merkwürdig. Dieselbe zeigt nämlich genau die Figur eines schlangenfüßigen Giganten, mit beiden Händen die Keule schwingend, wie sie J. v. Hefner in seiner Schrift: „Die römische Töpferei in Westerndorf“ in Tafel I, Figur 10 zur Abbildung bringt. Auch zeigt sich zwischen den Figuren ein Stempel mit den Buchstaben: COWILIVIIS * I, der unter den dort zusammengestellten 61 Stempeln noch nicht aufgeführt ist. Endlich nimmt noch unsere Aufmerksamkeit in Anspruch die Ausgrabung eines viereckigen Stückes Kalktuff, 95 Centimeter lang, 88 Ctm. breit und 13 Ctm. dick, sowie einer ziemlichen Anzahl von quadratischen Ziegeln, die unmittelbar neben diesem Stücke gefunden wurden. Nehmen wir noch hinzu, daß gerade dort, wo dieser mächtige Stein gefunden wurde, die schwärzliche, mit Aschenüberresten gemischte Erde am häufigsten sich zeigte, so dürfte die Vermuthung nicht ferne liegen, daß wir es hier mit einem Verbrennungsherd zu thun haben, von welchem aus die Aschenüberreste gleich in die bereitgehaltenen Urnen gebracht wurden.

88) +Mainz+, 27. Juni. Daß man in einer Stadt, deren Geschichte bis in die römische Zeit zurückgeht, auf einem von Alterthümern erfüllten Boden sich bewegt, ist sehr begreiflich; auch kann es nicht erstaunen, wenn man bei Erdarbeiten auf römische Mauerreste stößt. Das aber dürfte zu den Seltenheiten gehören, wenn man bis auf unsere Tage mitten in der Stadt innerhalb der Mauern eines römischen Bauwerks wohnte. Dieser Fall hat sich in der That jüngst bei dem Umbau des Präbendatenhauses in der Pfaffengasse ergeben, von dem früher bereits die Rede war. Die gegen Südost stehende Scheidemauer, welche vermöge ihrer ungewöhnlichen Stärke auffiel, zeigte in der Tiefe des Kellers zwei regelmäßige Abtreppungen und sorgfältig gerichtetes Mauerwerk aus Kalksteinen. Von der Straßenhöhe ab war die Mauer über späten Verblendungen verputzt. Bei Entfernung dieser Zuthaten zeigte sich nun, daß die römische Mauer aus der Tiefe bis zur Balkenlage des ersten Stockes vollständig erhalten war und eine Höhe von nahezu 8 m. hatte. Die Mauer bestand aus langen, sorglich gerichteten Kalksteinen, die schichtrecht in regelmäßigem Verband vermauert waren. Ein grober Kiesmörtel bildete Fugen von 3 Cm. Der Kern des Mauerwerks war aus trocken aufgesetzten Bruchsteinen und Betonüberguß hergestellt. In Abständen von etwa 5 Schichten = 80 Cm. durchzogen doppelte Ziegellagen als Bindeschichten die ganze Mauerflucht. Die Ziegeln maßen 60 Cm. in der Länge, 31½ Cm. in der Breite und 4 Cm. in der Dicke, waren hell und hart gebrannt und hatten keinerlei Stempel, ein ganz vorzügliches Material, wie es selbst unter andern römischen Ziegeln nicht häufig vorkommt. Die Stirnseite der Mauer zeigte schwere Brandspuren unter dem Ueberzug aus späterer Zeit. Es dürfte, wie bemerkt, in Städten römischen Ursprungs diesseits der Alpen nicht häufig sein, daß man noch nach mehr als anderthalbtausend Jahren innerhalb derselben Wände sich bewegt, die einst der römischen Bevölkerung dienten, und hier in Mainz war dies wohl noch kaum so sicher nachzuweisen, als gerade in dem mitgetheilten Fall.

(Darmstädter Zeitung, Nr. 179.)

89) In Mainz hat, ermöglicht durch das Entgegenkommen des Festungsgouvernements, eine Untersuchung des Eichelsteines stattgefunden, der als Denkmal des Drusus galt. Man grub an einer Stelle bis zu 7 m. tief hinab, um den Unterbau bis zum Grund zu untersuchen. Die Darmstädter Zeitung brachte einige sachkundige Berichte, aus denen das merkwürdige Resultat sich ergibt, daß auch der Unterbau in derselben unregelmäßigen Technik ausgeführt ist, wie der jetzt noch über dem Boden des Walles stehende Theil, daß aber auch keine Spur einer ehemaligen Bekleidung mit besserem Material, wohl aber Reste eines glatten Verputzes sich finden. Der Berichterstatter neigt sich zu der Ansicht hin, daß das Werk ein viel späteres ist, kein Erinnerungsdenkmal an Drusus, sondern ein rohes Soldatenbauwerk, das als Malzeichen, von dieser Stelle aus weither aus dem Rhein- und Mainthale sichtbar, die Thatsache römischer Herrschaft zeigen sollte. Als Schluß ist dem Artikel die Bemerkung beigefügt: „Ob es unter so bewandten Umständen gelingen wird, vollständige Klarheit in die Geschichte des Denkmales zu bringen, muß auch nach den jüngsten Erhebungen noch immer dahingestellt bleiben.“

90) +Mainz+, 11. Juni. Unter den +alterthümlichen Funden+, welche in der Aufschüttung der Wälle am Gauthor jüngst gemacht wurden, verdient ein kleines, in Serpentin geschnittenes Stempelplättchen Erwähnung, auf dessen Schnittflächen im Kehrsinne der Name eines Arztes mit Angabe medizinischer Mittel eingegraben ist. Wie von kundiger Seite versichert wird, ist der kleine Gegenstand in seiner Art von großem Interesse; er hat im hiesigen Museum bis jetzt nur ein Gegenstück. Die Schriftzüge sind von durchaus regelmäßiger Bildung und sehr scharfer Ausführung. Es ist in der nächsten Zeit, wie wir hören, eine eingehende Veröffentlichung darüber zu erwarten.

(Darmstädter Ztg.)

91) +Aus Vorarlberg+, Ende Juni. Vor einigen Wochen wurden bei Lauterach, nicht weit von Bregenz, im Torflager zwischen der bedeckenden Humus- und Torfschichte folgende Gegenstände gefunden: bei zwanzig römische Familienmünzen aus Silber, drei angeblich gallische Silbermünzen, zwei mit Kettchen verbundene Fibeln aus Silber, eine Armspange aus gleichem Metall, ein Ring aus Bronze.

(Nürnberger Presse, Nr. 185.)

92) Der Keller des Pfarrhauses zu Unterregenbach, welches soeben neu aufgebaut wird, bildet, wie der Württemberg. Staatsanzeiger in Nr. 162 meldet, die westlichen Theile einer Krypta deren Alter in hohe Zeit hinauf versetzt wurde. Bei Gelegenheit des jetzigen Baues haben sich nun auch die östlichen Theile derselben gefunden mit sehr merkwürdigen charakteristischen Fragmenten, aus denen die Karolingerzeit sich als Entstehungszeit der Krypta feststellen läßt. Die sehr interessanten Bautrümmer dieses bis jetzt in Württemberg einzigen Bauwerkes aus dem ersten Jahrtausende unserer Zeitrechnung sind jetzt im k. Lapidarium zu Stuttgart aufgestellt.

93) Beim Kanalbau in Mainz wurde bei Einmündung der Stadthausstraße in die Schusterstraße eine Zierscheibe aus Gold, mit Steinen und Email verziert, vorgefunden, die 8½ cm. hoch, 8 cm. breit, ungefähr kreisrund ist. Das Mittelfeld innerhalb eines Filigranrandes nimmt ein gegen 7½ cm. großer, von vorn gesehener einköpfiger Adler ein, dessen Flügel geöffnet sind, während die Schwanzfedern durch den Rand hindurchgehen. Dieser ist aus Zellenschmelz in verschiedenen Farben hergestellt, von denen das Blau und theilweise auch das Grün durchscheinend, die übrigen undurchsichtig sind. Das Werk gehört etwa dem 10. Jhdt. an, dürfte byzantinischen Ursprunges sein und ist jedenfalls eines der merkwürdigsten Fundstücke die seit langer Zeit wieder einmal zu Tage gekommen sind.

94) +Ober-Olm+, 26. Juni. Beim Abbruch der Südseite unserer alten Kirche fanden sich vor der Eingangsthüre zwei +Steinsärge+, der eine etwas weiter gegen Westen, der andere gerade vor der Thürschwelle. Sie sind in der Größe nicht ganz gleich und am Fußende etwas schmäler als zu Häupten; in dem Boden ist eine Abzugsöffnung angebracht. Die Deckel sind flach und durch ein leistenartig vortretendes Gabelkreuz ausgezeichnet. Von Inhalt bargen sie nur wenige Reste von Gebeinen und zeigten, wie auch die gebrochenen Deckel beweisen, die Spuren von Durchwühlung. Sie werden nebst dem früher gefundenen Steinsarg auf dem Kirchhof als redende Zeugnisse für das Alter der Kirche und der Begräbnißstätte dabei aufgestellt werden. -- Die Mauer der Kirche bestand in ihrer Tiefe aus sehr altem, schwerem Schichtmauerwerk, wie es ähnlich am Thurm sich zeigt; dann folgten Theile mit gothischen Architekturresten, Fenstermaßwerk u. s. w. und endlich die Ergänzungen aus späterer Zeit. Es ist sonach abermals erwiesen, daß eine Kirche aus dem frühen Mittelalter hier stand, wovon außer dem Thurm auch die Rundung des Chorbaues bekannt wurde, und daß die späteren Umbauten sich an den ursprünglichen Mauerzug anschlossen, so daß die nachfolgende Zeit an dieser Seite keine Erweiterung des ursprünglichen Kirchenbaues vornahm.

(Darmstädter Zeitung, Nr. 178.)