Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit, 27. Band, 1880 Organ des Germanischen Museums
Part 24
Wir glauben, daß die berührten Unvollkommenheiten und Lücken, die gewiß den Herausgebern nicht zur Last zu legen sind, die Leser des Anzeigers nicht abhalten werden, auch schon dem ersten Jahresbande der „Berichte“ ihr besonderes Interesse zuzuwenden. Sind doch darin schon mehr als 2300 historische Arbeiten des Jahres 1878 zur Besprechung gekommen. Die Vervollkommnung und der Erfolg des sehr mühsamen, unserer gemeinsamen Sache, nicht aber einem besonderen Privatinteresse dienenden Unternehmens hängt nicht in letzter Reihe von der Betheiligung und freundlichen Förderung seitens der Geschichtsvereine ab.
+Wernigerode.+ Dr. +Ed. Jacobs+.
12) +Zur Geschichte des bürgerlichen Lebens und der öffentlichen Gesundheitspflege, sowie insbesondere der Sanitäts-Anstalten in Süddeutschland.+ Ein Beitrag zur Geschichte der Cultur und Medizin von Dr. +G. Lammert+, Mr. F. D. H., k. Bezirksarzt in Stadtamhof. Regensburg (Wunderling) 1880. 8. (2) 300. S.
Der Verfasser der vorliegenden Schrift ist dem ärztlichen Publikum und den Freunden der vaterländischen Geschichte durch mehrere werthvolle Arbeiten auf dem Gebiete, welchem auch das gegenwärtige Werk angehört, vortheilhaft bekannt. Dasselbe beruht gleich den früheren auf sorgfältigem Studium gedruckter und handschriftlicher Quellen und wird für jeden späteren Forscher auf dem von dem Verfasser bearbeiteten Felde unentbehrlich sein. Da ein näheres Eingehen auf Einzelnes leider unmöglich ist, so muß es genügen, das Verzeichniß des reichen Inhalts mitzutheilen:
„Einleitung. Kulturanfänge. Wohnung. Oeffentliche Gesundheitspflege. Lebensweise und Sorge für gute Nahrungsmittel. Genußmittel (Bier, Wein, Branntwein, Tabak). Handel. Sittenpolizei und Justizpflege. Oeffentliche Anstalten (das Frauenhaus, das Badehaus, das Armen- und Krankenhaus). Der ärztliche Stand. Medizinalordnungen. Apotheker. Hebammen. Universitäten.“
+Breslau.+ H. +Häser+.
Vermischte Nachrichten.
71) Zum Bau des Pfarrhauses in Graniczestie in der Bukowina wurden nach Angabe der Mittheilungen der k. k. Centr.-Comm. f. Kunst- und historische Denkmale auf dem nahe gelegenen, hohen, die Gegend beherrschenden Berge Steine geholt und dabei von den Arbeitern erst ein von unbehauenen Steinen umlegtes, 7 Fuß langes, 6,4 Fuß breites und 3 Fuß tiefes Grab gefunden, unter dessen Plattendecke ein größeres und kleineres Gerippe sich befanden. Das größere hatte zwischen den Füßen zwei unregelmäßig geformte Töpfe mit dicker Wand aus schwachgebrannter Schwarzerde. Zur Seite desselben lag eine Steinaxt aus Achat und ein versteinerter Rest einer Holzkeule (?). Leider wurde das Grab, sowie ein zweites, später gefundenes von den Arbeitern zerstört.
72) +Marienwerder+, 28. Mai. Das hiesige Museum des historischen Vereins hat einen werthvollen Silberfund erworben, dessen einzelne Theile nach Tausenden von Stücken zählen und zusammen 4 Kilogramm wiegen. Derselbe befand sich in einer ungebrannten, nur am Feuer getrockneten Urne aus gewöhnlichem Thon, deren Theile gerettet sind, und welche nicht tief unter der Erde in der Kolonie Dombrowo stand. Der Schmuck besteht aus größeren, gewundenen Ringen von verschiedenster Form, aus Ohrringen zum Theil mit Gehängen, aus zahllosen kleinen Ringen, Kettenfragmenten, Platten, Zierstücken und anderen Schmuckgegenständen -- sämmtlich von schönster Arbeit -- sowie aus etwa zweitausend (über 600 völlig erhaltenen) Münzen, auf deren einzelnen sich phönizische, altgriechische und altetrurische Buchstaben befinden. Die Ornamentik der Zierplatten u. s. w. stimmt mit bekannten Hallstädter Gräberfunden (altetrurisch 600-700 v. Chr.). Auch die Technik der Urne spricht für die Jahrhunderte vor Christi Geburt.
(Nürnberger Presse, Nr. 156.)
73) +Xanten+, im Mai. Betreffs der „an der alten Burg“ vor dem Clever Thore gemachten +Aufdeckungen+ ist Folgendes zu melden. Zunächst ist das Bauwerk zweifellos römischen Ursprungs, und zwar ein Prätorium, von dem nur ein geringer Theil, etwa ein Fünftel, bloßgelegt ist. Es ist dies der hintere, Exerzier- und Baderäume enthaltende Theil. In wie gewaltigen Ausdehnungen das Ganze angelegt ist, ergibt ein vergleichender Blick auf die Größenverhältnisse der so viel besprochenen und besuchten Saalburg bei Homburg vor der Höhe. Letztere hat eine Länge von 60 m. und eine Breite von 45 m. Hier aber handelt es sich schon um eine Breite von 107 m. und eine wahrscheinliche Länge von 143 m. Es ist also eine Aufdeckung, wie sie großartiger schwerlich während des letzten Jahrzehnts im Westen Deutschlands gemacht worden ist. Hoffentlich wird vom Spätherbst dieses Jahres ab, wenn die Felder leer sein werden, das Aufgraben seinen rüstigen Fortgang haben, und nicht unwahrscheinlich wird dann die Auffindung von interessanten Gegenständen römischen Lebens im nördlicher gelegenen Atrium und Peristyl sein. Jetzt gilt es zunächst, die das Prätorium umgebende Mauer, die in weitem Abstande das Gebäude umschließt in ihren Ecken festzustellen, und damit ist schon ein guter Anfang gemacht worden. Dann wird die porta praetoria so wie die porta decumana unschwer gefunden werden. Schließlich noch zur Nachricht, dass durch Weiterpachtung des betreffenden Ackerstückes die Zuschüttung des aufgedeckten Bauwerks in den Dimensionen von 107 m. zu 22 m. noch für das kommende Jahr verhindert worden ist.
(Deutscher Reichsanzeiger, Nr. 129 nach d. Cöln. Ztg.)
74) Der in Nr. 4 dieses Blattes unter Nr. 44 wiedergegebene Bericht des fränkischen Kuriers enthält mehrere ungenaue Angaben, die wir auf Wunsch des Vereins zu Hanau im Interesse der historischen Wahrheit durch folgende Angaben berichtigen. Zur Fortsetzung der im Oktober vorigen Jahres begonnenen Ausgrabungen nächst der Kinzigmündung, die unter Leitung der Herren Dr. R. Suchier und G. von Rößler stattfanden, war vom Kultusministerium eine Summe bewilligt; unter Leitung der Genannten wurden über 14 Tage lang Forschungen angestellt, wodurch Reste von drei römischen Gebäuden und noch weitere Fundamente aufgedeckt und in Allem genau konstatiert wurden. Diese hatten aber keinen militärischen Charakter, weshalb die Benennung „Kastell“ in dem früheren Artikel nicht zutrifft. Daß ein Römer-Kastell in der Nähe war, ist sehr wahrscheinlich, wo es aber lag und wie groß, ist bis jetzt noch unbekannt; später wird es hoffentlich noch an den Tag kommen. Die Fundgegenstände waren außer allerlei Geräthen von Eisen eben keine Urnen, sondern viele Fragmente von Krügen und Schalen. Das Interessanteste ist von dem Einsender unerwähnt gelassen, nämlich Heizvorrichtung, Auffindung eines Brunnens und eines wohlerhaltenen Kellers, worin sich die merkwürdigsten Stücke von bemalten Wänden fanden, auf denen sich Ornamente aller Art in den verschiedensten Farben deutlich zeigten.
75) In Regensburg wurde auf der Straße nach Kumpfmühl, wo gegenwärtig die Röhrenleitung zur Gasbeleuchtung gelegt wird, eine Löwenfigur ausgegraben.
(Das Bayerische Blatt, Nr. 123.)
76) Der „Neuen Züricher Zeitung“ wird aus Zürich geschrieben: Ein sehr interessanter Fund ist letzter Tage auf der Höhe der Allmankette, 840 Meter hoch, von Herrn Brandenberger in Adentschweil-Bärentschweil gemacht worden. Ungefähr 24 Pfund römische Kupfermünzen wurden gefunden. Der Schatz lag zwischen zwei Steinen lose mit Erde bedeckt und wurde beim Sprengen der Blöcke gefunden. Das Geld war je nach der Größe in fünf bis sechs Rollen verpackt worden und lag wahrscheinlich in einem Kistchen, das aber der Länge der Zeit erlegen ist. Die Münzen sind im Ganzen wohl erhalten. Die geschützte Lage hinderte ihre weitere Zerstörung durch Oxydierung derselben. Der Fundort ist auf der topographischen Karte mit +Palten+ bezeichnet und war wohl immer mit Wald bedeckt. Die Münzen tragen die Bildnisse der römischen Kaiser aus dem 1. bis 3. Jahrhundert unserer Zeitrechnung; dieser Schatz mag bei dem Einfall der Alemannen verborgen worden sein. In der Nähe des Pfäffikersees waren verschiedene römische Niederlassungen; Bürglen, Irgenhausen (Kastell) und Kempten sind Beweise hiefür gewesen.
(Numismatisch-sphragistischer Anzeiger, Nr. 5.)
77) Im Göthehügel in +Seesenheim+ fand, wie die „Els.-Lothr. Ztg.“ mittheilt, eine Ausgrabung statt, bei welcher zuerst ein rohgeformter irdener Teller und eine eiserne Pfeilspitze gefunden wurden. Das Metall wies auf die nachceltische Zeit, welche im Elsaß schon im ersten Jahrhundert vor Christi Geburt beginnt. In größerer Tiefe fanden sich darin ein Schädel und das Oberstück einer antiken Kanne mit schöngeformtem Henkel, Ausguß, Hals und einem Stück des Bauches, weiter eine Münze, welche über das Zeitalter der Bestattung Aufschluß gab. Es war ein kleines Kupferstück, so groß wie ein Pfennig, aber ziemlich dick. Die Aufschrift ergab D(ominus) N(oster) BADVILA REX, unten im Kranze noch der Rest eines x (= Denar); auf der Rückseite, so weit sie lesbar ist, FELIX T.... VS, in der Mitte ein nach rechts gewendeter Kopf. Die Inschrift ist zu ergänzen T(icin) VS, der Namen der Stadt Ticino in Oberitalien, die als Frauengestalt in der Mitte abgebildet war. Badvila fiel 552, und gleich nach ihm brach das Ostgothenreich unter den Angriffen der Byzantiner zusammen. Unter Totilas wurde der Theil Alamanniens, welchen Theodorich der Große vor Chlodwig geschützt hatte, an die Frankenkönige abgetreten; und in diese Uebergangszeit fällt diese Münze. Endlich kamen als geringe Reste noch zwei Stücke eines eisernen Schwertes, zerbrochene Eisensporen und zwei Helme zum Vorschein, diese ganz in der Form der zur Zeit der Völkerwanderung getragenen und insofern freilich sehr interessant. Nur der obere Schädel war dadurch bedeckt, eine abgestumpfte Spitze ragte noch darüber hinaus; dann schloß sich an den Rand nach abwärts ein Streifen, den gelegentlich auch Goldbänder und edele Steine verzieren mochten.
(D. Reichsanz. Nr. 122.)
78) Ein höchst interessanter antiquarischer Fund ist, wie der „Hamb. Corr.“ mittheilt, in Norwegen bei +Sandefjord+ von dem Antiquar Nikolaison gelegentlich der Ausgrabung eines Hünengrabes gemacht worden. 12 bis 15 Fuß unter dem Gipfelpunkt des Hügels ist man auf ein +Schiff+ gestoßen, welches vom Vorder- bis Hintersteven 60 Fuß Länge hat. Es ist dies wohl das erste Vikingschiff (oder Knorr) von solcher Größe, welches man bis jetzt aufgefunden hat. Nikolaison meint, daß es jedenfalls vom Anfang unserer Zeitrechnung datiert.
(D. Reichsanz., Nr. 122.)
Ueber diesen, wie es scheint, außerordentlich wichtigen Fund liegt eine Reihe eingehender Mittheilungen in verschiedenen Zeitungen vor, darunter in Nr. 253 u. 257 der Nordd. Allg. Ztg., woraus sich schließen läßt, daß das reich ausgestattete Schiff vollständig, wohl erhalten, etwa 75 Fuß lang ist, kostbare Metallgegenstände verschiedener Art, Seidenstoffe u. A. enthält und erst den späteren Jahrhunderten des ersten Jahrtausends angehören dürfte.
79) In +Seligenstadt+ werden die allerdings nur geringen Ueberreste der am Main gelegenen +Kaiserpfalz+, welche aus der Barbarossazeit stammt, und das rothe Haus, +Kaiserhaus+ oder Burg genannt, unter theilweiser Ausgrabung wiederhergestellt. Der Architekt Dr. Hesse aus Offenbach wird die Arbeiten leiten.
(Deutscher Reichsanzeiger, Nr. 123.)
80) Ueber den Stand der Restaurationsarbeiten am Stephansdom zu Wien bringen die Mittheilungen der k. k. Centr.-Comm. f. K. und hist. Denkmale folgende Notiz:
Dombaumeister Friedrich Schmidt hat der Central-Commission eröffnet, daß im laufenden Jahre das Restaurierungswerk der Stephanskirche zum vorläufigen Abschlusse gelangen wird; und wirklich verhält es sich mit den Arbeiten an der Kirche dieser Anzeige gemäß. Der Halbthurm ist bis auf ein Stockwerk des Gerüstes entkleidet. Gegenwärtig beschäftigt man sich hauptsächlich mit der Reparatur der dortigen drei Eingänge und der Innenhalle.
Die sogenannte Capistrans-Kanzel, die aus den Fugen zu gehen drohte, wurde abgetragen, um wieder in solider Weise aufgestellt zu werden.
Das letzte und wichtigste Werk der bisherigen Innenrestaurierung bildet die schöne gothische Kanzel, die nach ihrer Abtragung in allen ihren Theilen einer gründlichen Ausbesserung, Ergänzung und Säuberung unterzogen wurde und eben jetzt wieder zur Aufstellung gelangt.
Nach Mittheilung des Oberbaurathes Schmidt mußten an ihr, besonders am Schalldeckel, so manche Aenderungen durchgeführt werden, doch nur, um das Kunstwerk auf seine alte und ursprüngliche Form zurückzuführen, für welche sich hinreichende und unzweifelhafte Anzeichen dem geistreichen Baumeister vorfanden.
Mit der Restaurierung der Kanzel Hand in Hand, und weil fast geboten, gieng die Ausbesserung des Kirchenpfeilers, daran sich die Kanzel hinaufbaut. Bei der Ablösung der Rußtünche und der Jahrhunderte alten Staubkrusten kam man nicht allein auf verblaßte Reste der alten architektonischen Malerei, sondern man fand, und zwar viel besser erhalten, die Malerei an den Figuren, die die Kirchenpfeiler -- unter reichen Baldachinen -- zieren. Die Malerei ist mit besonderer Zartheit und Bescheidenheit angewendet und so gut erhalten, daß sie an den meisten Stellen heute noch ganz frisch erscheint und daran sehr wenig auszubessern war.
81) Einem Berichte des Conservators Dr. Schönherr über die fortgesetzten Restaurierungen in der Meraner Fürstenburg ist zu entnehmen, daß an den Wänden des Wehrganges Spuren von Malereien gefunden wurden, welche bisher eine Kalktünche völlig verdeckt gehalten hatte. Nach Loslösung dieser zeigte sich das alte Bild vollkommen deutlich. Es besteht aus rankenartigen Verzierungen in Roth, Grün und Braun, dazwischen die Darstellung einer Jagd und eines Vogelfanges. Diese Wandmalereien wurden einer, und zwar völlig gelungenen, pietätvollen Restaurierung unterzogen. Unrestauriert blieb vorläufig nur ein kleiner Theil an der Südseite des Wehrganges, nämlich da, wo in die rankenartigen Verzierungen ein Vogelfang eingefügt, aber die Malerei doch nicht so erhalten ist, um sie mit voller Sicherheit restaurieren zu können.
(Mittheil. d. k. k. Centr.-Comm. zur Erforsch. u. Erhalt. d. Kunst und hist. Denkmale, VI. Bd., 2. Heft.)
82) In +Rutzendorf+ bei Ansbach fand ein Bauer bei baulichen Veränderungen seiner Scheune einen vergrabenen Münzschatz. Derselbe bestand aus 1 Goldmünze und circa 1300 Silbermünzen. Die Goldmünze war ein Dukate von Westfriesland von 1592; die Silbermünzen vertheilen sich wie folgt:
a) 260 französische Münzen als: 65 ganze, 188 halbe und 7 viertel Thaler, sämmtlich von Ludwig XIV.;
b) 25 andere Thaler: 14 Stück Kaiser Leopold I. von 1682-92; 2 Stück Philipp für Brabant 1578 u. 1580; 1 Stück Stadt Zwolln 1660; 1 Stück Lüttich (Bisthum) 1690; 1 St. Hanau, Catharina Belgica, 1622; 1 St. Leopold von Oesterreich 1624 (wie Schulth. Cat. 4230); 1 St. Tirol, Sigmund Franz 1665; 1 St. Salzburg, Max Gandolph 1672; 3 Stück Sachsen, 3 Brüder, 1609; ferner: Nürnberg, 1 Guldenthaler 1612;
c) 124 ⅔-Thaler oder 60er (Sortengulden): Julius Franz von Sachsen-Lauenburg 1678, 30 Stück; Gustav von Sayn-Wittgenstein, versch. Jahre, 12 St.; Fränk. Kreis ⅔-St., 1693, 8 St.; Sachsen, verschiedene, 30 St.; Montfort, verschiedene, 11 St.; Ludwig von Solms, verschiedene, 5 St.; Heinrich I. von Reuß-Schleiz 1678, verschiedene, 2 St.; Anhalt, verschiedene, 14 St.; Brandenburg, verschiedene, 4 St.; Henneberg 1692, 2 St.; Aug. Friedr. Bischof von Lübeck 1678, 2 St.; Friedr. Christ., Bischof von Münster, 1692, 1 St.; Albert Ernst von Oettingen, 1678, 1 St.; Nürnberg, LXer (Kipper) 1622, 1 St.; Holstein Plön, Joh. Adolph, 1690, 1 Stück; -- ferner: Bayern, Max Emanuel, 30er 15 Stück;
d) circa 200 verschiedene ¼-Gulden, ⅙-Thaler und dergl. Es war hiebei folgendes Bessere: +Sulz+, Joh. Ludwig, XVer 1675, 2 verschiedene Stempel RR; +Leiningen-Westerburg+, XVer 1691 und 92, 4 Stück R; +Haldenfels+, Georg Philipp von Ehrenfels, XVer 1690, 3 versch. Stempel R; +Walkenried+, Friedr., 6 Mariengrosch., 1688, 1 St. R.; +Jever+, Carl Wilhelm, ⅙ Thlr. 1690, 1 St. R; +Fugger+, XVer 1676, 1 St. R; die anderen Stücke vertheilen sich auf Nassau (ca. 70 St.!), Sachsen (40), Brandenburg (20), Montfort (20), Bayern (10), u. s. w.;
e) 754 kleine Münzen. Unter diesen kleineren Münzen, als Sechsern, Batzen, Groschen und Kreuzern bemerkte ich: Bamberg, Peter Philipp und Marquard Sebastian 160 Stück; weiter: Augsburg, Stadt (1 St.), Bayern, Brandenburg, Braunschweig, Deutscher Orden in Mergentheim, Hanau, Hessen, Hohenlohe (1 St.), Lippe (1 St.), Nassau, Nürnberg, Oettingen (1 St.), Oesterreich (Kaiser), Sachsen, Salzburg, Schlesien-Liegnitz, Schles.-Oels, Straßburg, Tirol, Ulm und Ungarn.
Die Münzen waren in einem Sacke (dessen einzelne Trümmerchen noch vorhanden), welcher in einem irdenen Hafen mit einem dergl. Deckel war. Hafen und Deckel sind zerstört worden während des Ausgrabens. -- Der Schatz scheint ca. 1693-1694 vergraben worden zu sein.
+Nürnberg.+ +Gebert+.
83) Beim Abbruche der Kirche zu +Volmerdingsen+ bei Rehme im Regierungsbezirke Minden wurde vermauert eine alte Münzsammlung aufgefunden, deren Gesammtzahl nicht unbedeutend gewesen sein soll; 9 Stück dieser Münzen sind kürzlich in meinen Besitz gelangt. Da dieselben den Zeitraum vom 14. bis 18. Jahrhundert umfassen, so dürfte anzunehmen sein, daß die Sammlung bei verschiedenen Kirchenreparaturen geöffnet und bereichert worden ist.
(Numismatisch-sphragistischer Anzeiger, Nr. 5.)
84) Aus Weinzierl am Wald in Niederösterreich wird uns geschrieben: Beim Umgraben eines Feldraines wurden folgende Gegenstände, sämmtlich in einem irdenen Geschirre verpackt, aufgefunden: Zwei schwere silberne Schließen zu fünf je 8 Centimeter langen, 2½ Centimeter breiten Gliedern, an der oberen Seite mit schöner, getriebener Arbeit; zwei kleine Reliquienkapseln aus Silber, die eine glatt mit den Bildnissen Christi und Mariä an den beiden Seiten, die andere vergoldet, rund; mehrere herzförmige Anhängsel aus Bernstein, Krystall und grauem und braunem Stein, sämmtlich in Silber gefaßt; Theile eines Rosenkranzes; endlich zwei große silberne Münzen, sehr schön erhalten, (die eine schön vergoldet) mit dem Bildnisse eines Ritters auf gepanzertem Pferde auf der Avers-, einem einköpfigen Adler auf der Reversseite, und der Umschrift: Ferdinandus etc. 1541; eine kleinere Silbermünze (vergoldet) mit der Jahreszahl 1575 und eine andere mit der Jahreszahl 1580. Sämmtliche Gegenstände sind sehr schön erhalten und dürften zu Zeiten der Schwedenkriege an jenem Orte versteckt worden sein. Der Finder ist geneigt, den Fund zu verkaufen; etwaige Liebhaber von Antiken wollen sich an das Pfarramt Weinzierl am Walde (Post Weißenkirchen an der Donau) wenden, welches gerne jede gewünschte Auskunft ertheilt.
(Das Vaterland, Nr. 152.)
Verantwortliche Redaction: Dr. +A. Essenwein+. Dr. +G. K. Frommann+.
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.
Gedruckt bei +U. E. Sebald+ in Nürnberg.
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Neue Folge. Siebenundzwanzigster Jahrgang.
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ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS.
1880. Nº 7. Juli.
Wissenschaftliche Mittheilungen.
Beiträge aus dem germanischen Museum zur Geschichte der Bewaffnung im Mittelalter.
I.
Seit Jahrzehnten schon ist reiches Material zur Feststellung der Entwickelungsgeschichte der mittelalterlichen Bewaffnung zusammengetragen worden, und es sind vielleicht über keinen Zweig der mittelalterlichen Archäologie die Studien reifer für einen Abschluß, als gerade hier. Trotzdem aber zeigt es sich, daß auch fast für kein Gebiet die Kenntniß auf engere Kreise von Specialisten beschränkt ist, als eben hier. So mag es gerechtfertigt erscheinen, in einem Blatte, welches nicht blos für Spezialisten dieses Gebietes bestimmt ist, nochmals Beiträge zu liefern, welche geradezu auf die Quellenwiedergabe sich beschränken, und auf diese Weise auch weitere Kreise indirekt noch auf andere Quellen aufmerksam zu machen, deren Erschließung ihnen möglich ist.
Leider sind Originalwaffen aus dem Mittelalter außerordentlich selten; wohlerhalten finden sie sich fast nur eben aus dem Schlusse, und selbst diese Stücke gelten als besondere Schätze der Waffensammlungen. Wir Deutsche waren zudem nicht einsichtig genug, zu sammeln zur Zeit, als „verrückte Engländer“ „hohe“ Preise für „alten Plunder“ zahlten und uns von dem Wenigen, was der Ungunst der Zeiten zum Trotze sicher halten hatte, das Meiste „außer Landes führten“. Als man nun auch bei uns zur Erkenntniß gekommen, daß es wichtig sei, nicht blos aus den literarischen Quellen die Kriegsereignisse kennen zu lernen, sondern zum richtigen Verständnisse auch die Waffen zu studieren, welche das Schicksal der Schlachten entschieden haben, blieb uns nur die Nachlese, die denn auch rasch zu solch enormen Preisen sich erhob, daß die „hohen Preise“ der „verrückten Engländer“ recht niedrig erscheinen und wir abermals gerade die seltenen, deshalb aber für das ernstliche Studium der Waffenkunde nicht minder nothwendigen Stücke, welche noch durch das sich hebende Interesse da und dort entdeckt wurden, in den meisten Fällen abermals nicht bezahlen können und sie dem Auslande oder vielleicht einzelnen reichen Liebhabern überlassen müssen. So haben wir trotz jener Sammlungen, welche eine Fülle der kostbarsten Prunkwaffen des 16. und 17. Jahrh. dem Kunstfreunde vor Augen führen, in Deutschland keine solche, in welcher die Geschichte des Waffenwesens im Mittelalter so gut studiert werden könnte, als es eben das Material überhaupt zuläßt.