Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit, 27. Band, 1880 Organ des Germanischen Museums
Part 20
+Schriften des Vereins für die Geschichte der Stadt Berlin.+ Heft XVI. Das Berliner Handelsrecht im 13. und 14. Jahrhundert. Von Dr. jur. Friedrich Holtze. Berlin, 1880. 8. 100 Seiten.
+Zeitschrift für Ethnologie.+ Organ der Berliner +Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie u. Urgeschichte+. Unter Mitwirkung des.. Vorsitzenden... R. Virchow herausgegeben von A. Bastian u. R. Hartmann. Elfter Jahrgang, 1879. Heft IV u. V. Mit Taf. XIV u. XV. Berlin, 1879. 8.
Das Gräberfeld bei Gerdauen. Von A. Hennig. -- Miscellen.
Literatur.
_Neu erschienene Werke._
9) +Die Holzbaukunst.+ Vorträge an der Berliner Bauakademie gehalten von +Dr. Paul Lehfeldt+. Berlin, Julius Springer. 1880. 8. VIII u. 274 Stn. mit Illustrationen.
Wenn es von Interesse ist, zu vergleichen, wie eine Kulturperiode sich auf den verschiedensten Gebieten in verwandter Weise befruchtend thätig zeigt, und wie alles, was sie geschaffen, einen gemeinsamen Stempel trägt, so ist auch hoch interessant zu untersuchen, wie ähnliche Aufgaben von den verschiedensten Kulturperioden gelöst worden sind, wie ein und dasselbe Material zu allen Zeiten Verwendung gefunden und welche Gemeinsamkeit die Erzeugnisse eines solchen Gebietes sich durch alle Kulturperioden bewahren, wie weit also ganz besonders der bestimmende Einfluß der Aufgabe und des Materials gegangen ist. Dies auf dem wichtigsten Gebiete des Lebens, jenem des Baues, insbesondere des Wohnhausbaues, mit dem seit den urältesten Tagen des Menschengeschlechtes vorzugsweise dazu verwendeten Materiale zu versuchen, hat sich der Verfasser in seinen Vorträgen zum Ziele gesteckt. Der Werth einer solchen Untersuchung beruht natürlich zunächst darauf, daß die Eigenschaften des Materials untersucht und der aus denselben sich von selbst ergebende Einfluß auf die Konstruktion und Formengebung festgestellt werde, welcher sich ganz gleichmäßig unter allen Kulturverhältnissen geltend machen muß, um so zu erkennen, was gleichmäßig durch alle Kulturperioden sich an den Werken wiederfinden muß; in zweiter Linie steht sodann die Aufgabe, zu untersuchen, wie fügsam sich das Material auf der anderen Seite den verschiedenen Kulturströmungen und Kunstanschauungen zeigt, und welche Verschiedenheiten sich demgemäß in der Lösung der Aufgaben allenthalben erkennen lassen.
Wenn wir nun heute die Erscheinung vor uns haben, daß als „Kunst“ nur die Handhabung gewisser Formen, die auf den Schulen gelehrt werden, gilt, daß das aber das Volk, das nicht in der Bauschule gebildet ist, sich in naiver und eigener Weise des Materials bedient und so eine volksthümliche Kunst der akademischen gegenübersteht, ein Verhältniß dessen Verschwinden sicher durch Werke wie das vorliegende befördert wird, so ist es für den denkenden Fachmann doch hochinteressant, zu sehen, welche Fülle trefflicher Motive die naive Behandlung zu unserer Zeit in dem bildsamen Materiale gefunden, andererseits aber, wie auch zu anderen Zeiten sich die naive Anschauung bewährt hat; wie diese mitunter es war, die dem Boden der Kunst allein Nahrung gab; wie wieder zu anderen Zeiten ihre Formenwelt mindestens gleichberechtigt neben jener stand, die sich aus der Arbeit mit anderen Materialien entwickelte; besonders lehrreich aber ist, zu sehen, was sich als naturgemäßes Resultat der Eigenschaften des Materials gleichmäßig allenthalben wiederfindet, und wie weit darin Konstruktionsmotive ohne eine gesuchte äußerlich schulgemäß festgestellte Formenwelt zu künstlerisch höchst wirksamen Bildungen hinführen, so daß der Holzbau ein Gebiet darstellt, auf welchem die heute mit so viel Aufwand und wenig Erfolg ventilierte Stilfrage vollständig verschwindet.
A. E.
10) +Die medicinischen Classiker Deutschlands.+ Von +Heinrich Rohlfs+. Zweite Abtheilung. Stuttgart, Verlag von Ferdinand Enke. 1880. Gr. 8. 566 S.
Für jeden, welcher sich mit geschichtlichen Quellenstudien befaßt und weiß, welchen Zeitaufwand die Herbeischaffung, Durchdringung und Ordnung des Materials verlangt, wenn alle Vorarbeiten fehlen, ist der zweite Band des vorliegenden umfassenden Werkes in unglaublich kurzer Zeit erschienen, freilich nicht zu früh, wenn wir in Anschlag bringen, daß damit nur ein weiterer Schritt zur Ausführung des großen Planes gethan ist, eine vollständige Geschichte der deutschen Heilkunst überhaupt zu liefern. Der neuerschienene Band behandelt die klassischen Vertreter derselben vom Ende des vorigen und aus dem Beginn dieses Jahrhunderts. Wir übergehen hier die Namen derselben, die ja doch nur in Fachkreisen bekannt sind, zu deren Würdigung aber auch der Laie an der Hand des Verfassers sich gerne wird führen lassen. Wir begnügen uns, abgesehen vom entlegenen Stoffe, auf die Vorzüge der wissenschaftlichen Behandlung desselben hinzuweisen, die an sich geeignet ist, jenen näher zu bringen und ein weiter gehendes Interesse zu erregen. Denn bis jetzt hat sich kaum eine Stimme gegen den Irrthum erhoben, in welchem fast ohne Ausnahme die Behandlung der Kulturgeschichte im allgemeinen, wie besonderer Sparten derselben sich befindet, indem sie annimmt, der Gesammtgehalt ihres Gegenstandes habe sich einfach weiter entwickelt und es bedürfe nur einer Darlegung der mitwirkenden Ursachen und der besonderen Gestaltung ihres Erfolges, um unter stillschweigender Voraussetzung der Hauptsache die Aufgabe für vollzogen zu erachten. Und doch überzeugt ein unbefangener Blick sich gar bald, daß jede Entwickelung oft genug von bloßen Zufälligkeiten bedingt und unterbrochen wird und nicht selten die werthvollsten Errungenschaften einer früheren Epoche in späterer Zeit verloren gehen. Was wir als Hauptaufgabe jeder Geschichtschreibung bezeichnen möchten, die positiven Elemente vergangener -- keineswegs stets einfach überwundener Bildungsstufen wenigstens für die Wissenschaft zu retten, hat Rohlfs in seinem Buche in glänzender Weise vollzogen. Wir erfahren nicht nur, +daß+ und +wie+ seine Klassiker etwas geleistet, sondern auch und vor allem, +was+ sie geleistet. Er geht dabei so ins Einzelne ein, daß wir uns sehr wundern müßten, wenn nicht auch der reine Praktiker Vieles daraus lernen könnte; seine Schilderungen, in welchen er das Biographische in umfassendem Maße mit berücksichtigt, runden sich zugleich zu so kunstgerechter Plastik, daß, wie bemerkt, auch der Laie sie gerne betrachten und mit Staunen wahrnehmen wird, wie vielleicht in Tagen, in welchen er selbst geboren, ein Heroengeschlecht gelebt hat, das uns als Vorbild dienen könnte. -- Kleine Verwechslungen, wie auf Seite 225 der „Inder Sakontala“ statt Kalidaso, sind lapsus calami, die den nicht stören werden, der den Zusammenhang auffaßt.
v. +Eye+.
Vermischte Nachrichten.
55) Aus Oberfranken. (+Höhlen- und Gräberfunde+). Der bekannte Forscher Hans Hösch auf Neumühle hat in diesem Winter 4 Höhlen in Oberfranken ausgraben lassen, davon eine im Wiesentthal zwischen Behringersmühle und Muggendorf, zwei im Püttlachthal, eine bei Bärenfels und eine im Ailsbachthal. In sämmtlichen Höhlen fanden sich mehrere Aschenschichten übereinander und in der untersten Schicht Stein-, Knochen- und Hornwerkzeuge und eine Menge zerschlagener und verbrannter Knochen. In einer derselben fanden sich auch in der 2. Schicht 2 Bronzeringe und eine Fibel. Außerdem wurden auch in einer Höhle nur fossile Knochen ausgegraben und die kleineren Knochen Herrn Dr. Nehring in Wolfenbüttel zur wissenschaftlichen Bearbeitung geschickt. Mehrere Grabhügel ließ Herr Hösch bei Geiselhöhe, südwestlich von Pottenstein, öffnen und wurden in einem derselben 2 lange Nadeln, einige Schildbuckeln, einige defekte Gegenstände von Bronze und eine sehr starke, aber ganz roh gearbeitete eiserne Lanzenspitze gefunden. In den übrigen Hügeln waren die Skelette ohne Beigabe. Ebenso war es unmöglich, einen Schädel herauszubringen, da dieselben von den darauf liegenden Steinen ganz zerdrückt waren. Bis jetzt sind ohngefähr etliche 30 Grabhügel von Hösch geöffnet und circa 12 Höhlen und Urwohnungen ausgegraben worden. Zur Zeit werden einige Grabhügel bei Breitenlesau geöffnet.
(Nürnb. Presse, Nr. 113.)
56) Die auf dem Reinhardt’schen Grundstücke vor dem Königsthore in +Bautzen+ vorgenommenen +Ausgrabungen+ sind, wie wir hören, für jetzt geschlossen worden. Die Art und große Zahl der Funde, (außer vielen Bronzegegenständen über 500 Gefäße in ca. 80 Gruppen) haben auch mehrere auswärtige Autoritäten auf diesem Gebiete zu eigener Besichtigung und persönlicher Vornahme der betr. Arbeiten veranlaßt, durch welche soeben festgestellt wurde, daß das früher erwähnte Steinbanquet nicht eine Leichenverbrennungsstätte, sondern ein nur durch solchen Steinbau ausgezeichnetes Grab (wahrscheinlich eines Häuptlings) ist. Es fanden sich darunter verschiedene Urnen und andere Gefäße, welche jedoch durch die Steinlast auffallend gelitten haben, sowie auch Ringe und Nadeln aus Bronze. Uebrigens gewinnen die Funde um so mehr an Interesse, als sie nach dem bewährten Urtheil des Herrn Dr. Voß aus Berlin nicht wendischen Ursprungs sind, sondern von altgermanischen Völkern aus der vorrömischen Kulturperiode unseres Landes, das heißt aus dem fünften bis dritten Jahrhundert vor Christi Geburt, herrühren, mithin über 2000 Jahre alt sind. Ist diese Ansicht richtig, woran bei der Fachkenntniß der genannten Autorität kaum zu zweifeln, so erregt der wohlerhaltene Zustand und die relativ geschmackvolle Ausführung der meisten Fundgegenstände gerechte Bewunderung.
(Zittauer Morgenzeitung vom 9. Mai.)
57) +Fund eines Germanengrabes bei Düsseldorf.+ Als man kürzlich auf dem Grundstücke des Herrn Inspektors Remkus in Kleineller, in der Nähe einer wasserreichen Niederung und nicht weit von der Fundstelle der hübschen terra sigillata-Schüsseln entfernt, ein Sandlager abtrug, stieß man auf das Grab eines Germanen. Es bestand aus einer einfachen Grube in der eine Thonvase beigesetzt, welche außer halbverbrannten Menschenknochen eine Gewandspange aus Erz und ein Klümpchen zusammengeschmolzenes Metall barg. Die Vase von 13½ Ctm. Höhe und 18 Ctm. Durchmesser ist mit Zuhilfenahme der Töpferscheibe aus unserem gewöhnlichen blauen Thon, dem zur größeren Festigkeit fein gestampftes Gestein beigemengt ist, gebildet. Die Gestalt erinnert an die napfartigen römischen Schüsseln mit hohem Fuße.
(Düsseldorfer Anzeiger, Nr. 110.)
58) +Augsburg+, 25. April. Während der größte Theil der Aschenurnen des hiesigen Museums dem Gräberfeld entnommen ist, das sich zwischen dem von Wohnlich’schen Gartengut und dem Theil des Rosenauberges hinzog, auf dem jetzt die Hauptgebäude des Bahnhofes stehen, haben neuere Ausgrabungen gezeigt, daß auch auf der Nordseite der alten Stadt ähnliche Reihen von Graburnen sich vorfinden. In dem Anwesen des Brauereitechnikers Madlener (Eisenhammerstraße J 32 4/a), der vor. Sommer in seinem Garten eine Sandgrube öffnen ließ, wurden nach und nach gegen 20 Urnen ausgegraben, die anfangs leider nicht gehörig beachtet wurden, weswegen auch nur einige Bruchstücke derselben zu Tage kamen; später, da dieselben in einer gewißen Regelmäßigkeit sich vorfanden, wurde mit größerer Vorsicht vorgegangen, daß nun wenigstens vier ziemlich unversehrt zu Tage gefördert wurden. In denselben fand sich unter anderen ein vortrefflich erhaltenes Grablämpchen mit dem Stempel ATIMET, ganz so wie das in M. Mezger „Die römischen Steindenkmäler im Maximiliansmuseum zu Augsburg“ 1862, S. 63 beschriebene, sowie eine ziemlich von Rost zerstörte Münze von Augustus; dieselbe zeigt auf dem Avers: divus Augustus pater, dessen Haupt mit der Zackenkrone; Revers: ein Altar, zu den Seiten SC., unter demselben: PROVIDENT.
(Augsb. Postztg. Nr. 100, nach der Allg. Ztg.)
59) +Worms+, 26. April. In der Nähe des Gymnasiums kamen beim Ausgraben für das Fundament eines Neubaues fränkische Gräber zum Vorschein. Nachdem schon vor einigen Wochen mehrere aufgedeckt worden waren, wobei eine fränkische Lanze, ein Hiebmesser (Scramasax), 2 kleine Messer, eine Gürtelschnalle aus Bronze, Perlen, Gefäße etc. gewonnen wurden, schritt man gestern ebenfalls zur Eröffnung eines solchen. Es barg die Gebeine einer alten fränkischen Frau. Es fanden sich ferner die charakteristischen Attribute der Frau: eine Anzahl Perlen, ein Fingerring, eine Spindel, der Rest einer größeren Gürtelschnalle von Eisen, ein fränkischer Krug in Scherben und eine Messerklinge. Werthvollere Schmucksachen, wie sie in den Gräbern bei Wies-Oppenheim gefunden wurden, waren nicht vorhanden.
(Wormser Ztg., Nr. 98).
60) In der Nähe von +Randers in Jütland+ ist in der letzten Aprilwoche ein interessanter, aus dem Beginn der Eisenzeit stammender Fund gemacht worden. Beim Pflügen auf einer kleinen Höhe stieß man nämlich auf ein +Hünengrab+. Der hiervon benachrichtigte historische Verein in Randers ließ nun eine Ausgrabung vornehmen, unterbrach jedoch die Arbeit, als rund um die Höhe eine Menge Urnen und in derselben, wie es schien, ein mit Eisen beschlagener Sarg angetroffen wurden. Auf telegraphische Mittheilung von dem Funde wurden seitens des hiesigen altnordischen Museums sogleich die Professoren +Engelhardt+ und M. +Petersen+ dorthin gesandt, um die weitere Untersuchung zu leiten. Es zeigte sich nun, daß die in dem Grabe beigesetzte Leiche in einem eichenen, mit starken eisernen Reifen beschlagenen Sarge gelegen hatte. Von der Leiche war keine Spur mehr übrig und von dem Sarge nur noch einige Stückchen, während das Eisen, wenn auch stark verrostet, noch so gut erhalten war, daß man danach die Höhe und Breite des Sarges berechnen konnte. In letzterem war augenscheinlich ein weiblicher Leichnam in prachtvoller Ausstattung beigesetzt worden. Außer einer Menge Schmuckgegenstände wurden eine Nähnadel, eine Scheere und ein kleiner Schleifstein gefunden, ferner Ueberreste von einer Art Pelz, der reich mit Perlen besetzt gewesen und von denen mehrere in Gold gefaßt waren. Einige stark oxydierte Münzen werden nach der Reinigung Auskunft darüber geben, aus welcher Zeit der Fund stammt. Eine sofort vorgenommene Untersuchung der Umgebung dieses Grabes ergab nach der „Voss. Ztg.“ die Thatsache, daß man es hier mit einem schon seit dem Steinalter benützten Begräbnißplatze zu thun habe; es soll in Folge dessen in diesem Sommer eine systematische Aufdeckung desselben vorgenommen werden.
(Nordd. Allg. Ztg., Nr. 219.)
61) Die Bloßlegung jener interessanten Theile der Burg Heinrichs des Löwen zu Braunschweig scheint nicht die Folge zu haben, daß die Reste in der einzigen Art, wie sie dauernd erhalten werden können, der Nachwelt aufbewahrt werden sollen, nämlich durch Restauration und Wiederaufbau, insbesondere durch Schutz mittelst eines Daches. Die deutsche Bauzeitung schreibt darüber in ihrer Nummer 37: „Nach der Mittheilung in Nr. 25 u. Bl. hat es sich vollkommen bestätigt, daß die sog. Burgkaserne in Braunschweig „+der Saalbau Dankwarderodes, des von Heinrich dem Löwen erbauten Palatiums+“ ist. Es schien uns nach jener Bestätigung die Erhaltung dieses höchst werthvollen Profanbaues des 12. Jahrhunderts nicht mehr zweifelhaft zu sein, und doch haben neuerdings erstaunliche Vorfälle in Braunschweig gelehrt, daß an maßgebender Stelle daselbst sich Gelüste zeigen, nicht eine ruhige, bereits angeordnete Untersuchung des Saalbaues abzuwarten, um sich danach über die Art der Wiederherstellung entschließen zu können, sondern dem von den städtischen Kollegien einmal gefaßten Beschlusse nachzugehen, und das in sich starke Gebäude mit einer Ostwand, in welcher sich, ähnlich wie in Goslar, Gelnhausen, Wimpfen und an der Wartburg, Fensterarkaturen zeigen, zu einer kleinen, von Akazienbäumchen und Syringen umgebenen Ruine umzugestalten.
Der Arch.- und Ing.-Verein in Braunschweig hat bereits durch einen Entwurf von Straßenzügen an der betreffenden Stelle zur Genüge dargethan, wie bei Erhaltung und Ergänzung der Dankwarderoder Burg in vollkommenster Weise dem von Westen nach Osten aufzubessernden Verkehrswege genügt werden und der östlich sich anschließende ausgedehnte fiskalische Grund und Boden zu der Anlage großartiger, für die Stadt nothwendiger Bauten verwendet werden kann, so daß die alte Burg mit der Burgkirche inmitten einer reichen neuen Welt einen gebührenden ehrenvollen Platz einnehmen würde. Hoffen wir, daß der Sinn für Historisches und Erhaltung alter ehrwürdiger Monumente in Braunschweig so überwiegend groß sein möge, daß an maßgebender Stelle die Ruinenfreunde unterliegen, oder sich zum Besseren bekehren, damit wir ihnen freundlich die Hände wieder reichen können.“
62) +Regensburg+, 23. April. In der St. +Ulrichskirche+, die gegenwärtig dem historischen Vereine zur Unterbringung seiner römischen und germanischen Alterthümer eingeräumt ist, wurden dieser Tage interessante Ueberreste von +Freskomalerei+ aus dem 13. Jahrhundert entdeckt. Besonders sehenswerth ist die ornamentale Einfassung des aufgedeckten Bildes, welche den Uebergangsstil aus der romanischen zur gothischen Bauart zur Anschauung bringt.
(Fränk. Kurier Nr. 213).
63) Anfangs April d. J. fand man bei Erweiterung des Kirchhofes zu Kleinschönau bei Zittau in ½ Meter Tiefe in geringer Entfernung von einander zwei Thongefäße mit alten Silbermünzen. In dem einen Gefäße befanden sich lauter Prager und Meißener Groschen und in dem anderen außer erwähnten Groschen noch eine größere Anzahl kleiner Meißener Münzen. Das Gefäß ist leider von den Arbeitern zerschlagen worden, und in die Münzen haben sich dieselben getheilt.
64) +Nürnberg+, 17. April. Am vergangenen Donnerstag wurde in dem zwischen Stein und Zirndorf gelegenen Orte +Oberasbach+ ein interessanter Fund gemacht, indem beim Vergrößern einer Dungstätte eine große Anzahl +Münzen+, wol gegen 2000 Stück aufgefunden wurden. Es befinden sich darunter zwei Nürnberger Lorenzer Goldgulden von 1533 und 1538, 1 Thaler der Stadt Kaufbeuren und 10 weitere brandenburgischen, sächsischen, öttingen’schen etc. Gepräges, einige Halb- und Drittelsthaler, meist ebenfalls sächsischen Gepräges. Die übrige große Masse besteht aus Scheidemünzen des 16. Jahrhunderts; sie sind so stark oxydiert, daß von vielen das Gepräge nicht mehr zu erkennen ist. Da die jüngsten der gefundenen Münzen aus den Fünfziger Jahren des 16. Jahrhunderts herrühren, so ist der Schatz wahrscheinlich 1555-60 an den Fundort gebracht worden.
(Fränk. Kurier, Nr. 199).
65) In +Neunkirchen+ bei Leutershausen hat, wie die „Fränk. Ztg.“ mittheilt, der Gutsbesitzer Uebelhör beim Ausgraben eines alten, in seinem Garten stehenden Baumes 11 +Goldmünzen+ gefunden. Mehrere derselben tragen die Jahrzahl 1588, die neueste ist aus dem Jahre 1642.
(Fränk. Kurier, Nr. 197).
66) +Schneeberg i. S.+ Beim Graben einer Schleuse fanden Arbeiter eine stark verrostete, verschlossene Büchse aus dickem Eisenblech; sie war in einer alten Grundmauer in einem hiesigen Hausgrundstück versenkt. Beim Graben vielleicht schon wurde die Wand des Gefäßes verletzt, und es kamen Münzen zum Vorschein. Die Arbeiter verhehlten den Fund und suchten ihn bei einem hiesigen Goldschmied umzusetzen, der ihnen auch einen Theil davon abnahm. Mittlerweile wurde die Sache ruchbar, und es gelang, den größten Theil des Fundes wieder zu erlangen, der jetzt auf dem Rathhause liegt. Fehlen sollen einige Ringe, die schon eingeschmolzen worden sind; vorhanden sind noch 126 Stück, zum Theil gehenkelte Goldmünzen von der Größe eines Silber-Fünfmarkstückes bis zu der eines 50-Pfennigstückes. Das Gepräge zeigt verschiedene Abstammungen; wir sahen darunter außer sächsischen englische und salzburgische Münzen. Das Gesammtgoldgewicht beträgt etwas über 500 Gramm. Außer den Münzen fanden sich noch 2 kleine silberne, grob gearbeitete Kruzifixe und 1 Ringstein, ein Onyx mit einem Wappen, 4 wagerechte Querbalken im Felde darüber die Buchstaben M D Z B. Der größere Theil der Goldmünzen ist zusammengerollt, ob ursprünglich oder neuerdings, ist ungewiß. Die Jahreszahlen auf den Münzen scheinen nicht über 1620 hinauszugehen, so daß man es muthmaßlicher Weise mit einem im 30 jährigen Kriege vergrabenen Schatze zu thun hat.
(Nordd. Allg. Ztg., Nr. 191.)
67) Aus Meklenburg, 13. März. Ein +seltener Fund+ wurde, wie aus dem Städtchen +Lübz+ gemeldet wird, kürzlich in dortiger Gegend von einem Erbpächter gemacht. Derselbe ließ einen an Altersschwäche leidenden Koffer zu Brennholz zerschlagen. Beim Abspalten des Holzes fällt aus einer unter der sogen. Beilade befindlichen kleinen Lade ein Beutel mit 32 Geldstücken heraus, welche die Größe eines Thalerstückes und die Dicke eines Markstückes haben. Es waren meist ⅔ Thalerstücke von Meklenburg und Braunschweig-Lüneburg u. A. aus den Jahren 1691 und 1699. Die älteste dieser Münzen enthält die Jahreszahl 1683, die jüngsten dagegen diejenige von 1795. Außer diesen Münzen fand sich eine Quittung von der Größe eines Quartblatts vom Jahre 1771 in der Beilade.
(Numism. sphrag. Anzeiger, Nr. 4).
68) +Meppen+, 19. März. Wie uns mitgetheilt wird, sind in der vergangenen Woche in Geeste, Amts Meppen, beim Aufbrechen des Fußbodens in einer Scheune alte Münzen und +Gold+- und Silbersachen in einem Topfe gefunden worden. Die Münzen sollen dem 17. Jahrhundert stammen.
(Daselbst).
69) +Vilshofen+, 27. April. Unsere +Stadtgemeinde+ besaß einen +Pokal+, ein Straußenei vorstellend, mit Silberverzierung und in Gold gefaßt, ein Geschenk eines ehemaligen Kammerers Kilian Sidler, Gutsbesitzers in Hinterholzen bei Beutelsbach, aus dem Jahre 1567. In der Kunstausstellung zu München erregte der Pokal bereits die Aufmerksamkeit des Herrn v. Rothschild in Frankfurt, und schon im Vorjahr hatte ein Antiquitätenhändler 5000 m. dafür geboten. Dortmals scheiterte das Kaufsangebot, weil man den Preis zu gering fand. Vor einigen Tagen nun wurde der Pokal an einen Herrn aus München um 6500 m. verkauft.
(Fränk. Kurier, Nr. 220).
70) Unter den Auspicien des hochwürdigsten Bischofs +Pancratius+ von Augsburg ist bekanntlich in sehr geeignetem Lokale nächst der Domkirche in Augsburg ein sogenanntes „+Diöcesan-Museum+“ entstanden, welches bereits so manche beachtenswerthe Gegenstände alter Zeit und Kunst, z. B. Bücher, Bilder, Münzen, hl. Gefäße etc. in sich begreift. Ein hierüber erschienenes oberhirtliches Ausschreiben hat sowohl den Stand dieser Sache klargelegt, als auch dazu Veranlassung gegeben, diese Sammlung durch geeignete Beiträge zu vermehren, und es sind seitdem auch so manche schätzbare Beiträge dem benannten Museum zugewendet worden.
(Augsb. Postzeitung, Beilage Nr. 42).
71) In Berlin hat in den Tagen vom 15.-17. April die jährliche Plenarversammlung der Centraldirection der Monumenta Germaniae stattgefunden. Dem Berichte über dieselbe entnehmen wir Folgendes. Im verflossenen Jahre sind folgende Bände ausgegeben worden: von der Abtheilung der _Auctores antiquissimi_:
1) Tomi III. P. 2. +Corippi+ _Africani grammatici libri qui supersunt. Recensuit Josephus_ +Partsch+:
von der Abtheilung _Scriptores_:
2) Tomus XXIV (über dessen Inhalt schon im vorjährigen Bericht Mittheilung gemacht ist);
3) +Brunonis+ _de bello Saxonico liber. Editio altera. Recognovit_ +W. Wattenbach+;
4) _Chronica regia Coloniensis (Annales maximi Colonienses) cum continuationibus in monasterio S. Pantaleonis scriptis aliisque historiae Coloniensis monumentis. Recensuit_ +G. Waitz+;
von der Abtheilung _Diplomata_:
Die Urkunden der Deutschen Könige und Kaiser. Ersten Bandes erstes Heft. Die Urkunden Konrads I und Heinrichs I (bearbeitet von Th. +Siekel+);
von dem Neuen Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde:
Band V, Heft 1 und 2, mit Beiträgen von +Arndt+, +Baumann+, +Bresslau+, +Dümmler+, +Ewald+, +Foltz+, +Frensdorff+, +Gillert+, +Grandaur+, +Heydenreich+, +König+, +Loserth+, +May+, +Mayr+, +Mommsen+, +Schum+, +Waitz+, +Wattenbach+.
Andere Werke sind im Druck weit vorgeschritten oder doch in der Vorbereitung begriffen.